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Hospes

Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 20.06.2006 Beiträge: 1856 Wohnort: ohne Zorn nahe München
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Verfasst am: 15.07.2008, 18:42 Titel: Ergänzung |
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Liebe Karin,
sehr gut, sehr treffend, sehr ausführlich.
Eine kleine Ergänzung: "Ja, da leckst mi!"
Für Nicht-Eingeweihte die unmissverständliche Aufforderung, einen rückwärtigen Körperteil oral zu berühren.
In Wirklichkeit, ein Ausdruck großer bis sehr großer Bewunderung.
Beispiele:
"Der hod gestern a Tragl Bier ausgsuffa."
"Der is grad vorher vom Zehner im Schwimmbad gsprunga!"
"Der hat letzte Woche die Tochter vom NN geheiratet. Und schiach is de dazu überhaupts ned!"
Hier passt jeweils die obige Aussage sehr gut dazu.
Hospes _________________ Dum spiro, spero. (Solange ich atme, habe ich Hoffnung.) |
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Verfasst am: 15.07.2008, 18:42 Titel: Anzeige |
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tobias Administrator

Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 19.06.2006 Beiträge: 1593 Wohnort: ein Rheinländer in Bayern
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Verfasst am: 16.07.2008, 10:48 Titel: |
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Obwohl ich inzwischen seit 13 Jahren in Bayern leben, sind mir nach wie vor nicht alle Ausdrücke bekannt oder auch geläufig...
Bei dem ein oder anderen würde es bei mir wirklich zu Mißverständnissen kommen...
Bei "leck mi" hätte ich mir allerdings gedacht, daß es so viel heißt, wie "Du kannsts mir mal den Puckel runterrutschen" (höflich ausgedrückt...)
Tobias _________________ "Meglio sdrucciolare con i piedi che con la lingua."
("Lieber mit den Füßen ausrutschen als mit der Zunge.") |
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Rheinperle
Anmeldungsdatum: 19.06.2006 Beiträge: 1079
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Verfasst am: 16.07.2008, 11:05 Titel: |
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Tobias ich hätte auch so manches anders gedeutet, eben gerade andersrum. Aber was um alles in der Welt ist schiach
Rheinperle |
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Hospes

Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 20.06.2006 Beiträge: 1856 Wohnort: ohne Zorn nahe München
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Verfasst am: 16.07.2008, 11:39 Titel: schiach |
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Liebe Rheinperle,
wenn etwas schiach ist, dann ist es hässlich, greißlich.
"Des schaugt vielleich schiach aus."
"Das sieht wirklich sehr unschön aus."
"Ja, da leckst mi!" ist nicht zu verwechseln mit dem vollständigen "Leck' mich im (nach Goethe)/ am A..."
Hospes _________________ Dum spiro, spero. (Solange ich atme, habe ich Hoffnung.) |
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tosa34

Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 22.06.2006 Beiträge: 1106 Wohnort: Milwaukee WI USA
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Verfasst am: 27.07.2008, 17:56 Titel: |
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In der "Süddeutschen" stand am Freitag dieser Artikel, über den ich sehr staunte. Ich würde sehr gerne mal Eure Meinung über dieses Thema hören. Danke im Voraus!
Tosa.
http://www.sueddeutsche.de/kultur/309/303304/text/?CMP=NLC-SDE071022&nlsource=taeglich _________________ Ich habe die Erfahrung gemacht, daß Leute ohne Laster auch sehr wenige Tugenden haben.
____________________________________________
Abraham Lincoln |
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tobias Administrator

Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 19.06.2006 Beiträge: 1593 Wohnort: ein Rheinländer in Bayern
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Verfasst am: 27.07.2008, 18:32 Titel: |
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Ein sehr interessanter Artikel, Tosa!
Mir war gar nicht klar, daß es ein sog. Nazivokabular gibt. Sicher, ein paar Worte und Begriffe kennt man, aber daß auch andere eine tiefere Bedeutung haben oder bewußt von bestimmten Personen angewandt wird, das ist mir neu.
Mir kamen verschiedene Gedanken beim Lesen.
Das Wort Mädel, gerade hier in Bayern ist sehr gebräuchlich, ich empfinde es fast sogar als einen Kosenamen, es ist nicht so hart, wie Mädchen.
Das Fräulein fand und finde ich schlimm und kann nicht verstehen, daß es sogar Frauen gibt, die darauf bestehen oder früher darauf bestanden haben. Ich finde es diskriminierend. Obwohl ich mich erinnere, daß die Bezeichnung Fräulein O. für unsere damals schon gut 40jährige Vermieterin völlig selbstverständlich war. Aber als Kind habe ich mir da keine Gedanken drum gemacht.
Ich denke, wenn es keine wirklich "bösen" Wörter sind oder Wörter, die man mißverstehen kann, dann sollte man dem nicht so viel Bedeutung beimessen. Die meisten Leute wissen ja auch gar nicht, daß sich die Nazis ein bestimmtes Vokabular zu eigen gemacht haben. Und damit komme ich zum nächsten Punkt.
Ich finde, daß in der Schule viel mehr die deutsche Geschichte und die deutsche Politik und das Allgemeinwissen behandelt werden müssen. Ich habe mich ewig lang mit dem Mittelalter und der französischen Revolution befassen müssen (o.k., das war schon interessant), aber wichtig ist auch das Hier und Jetzt. Denn nur Wissen schützt vor den unsäglichen Wiederholungen der Geschichte. Oft wird Geschichtsunterricht leider sehr trocken vermittelt, mit Zahlen oder schwierigen Texten. Eine Lehrerin hatten wir, die hat sich richtig Mühe gegeben. Da sind wir ins Konzentrationslager Bergen-Belsen gefahren oder als wir Ludwig XIV. durchgenommen haben, hatte sie Klamotten mitgebracht, wo sich einige Schüler verkleidet haben und dann wurden kleine Szenen gespielt. So konnten wir uns gut in die Zeit hineinversetzen. So macht Geschichtsunterricht Spaß und es bleibt dann auch hängen.
Ich finde, unser Bewußtsein für die eigene Geschichte sollte geschärft werden, sollte uns ein Bedürfnis sein.
Jemanden mit Hitler zu vergleichen, bestimmte Stätten mit Konzentrationslagern gleichzusetzen oder Aktionen als Holocaust zu bezeichnen, das ist völlig fehl am Platz. Das Dritte Reich war eine ganz schlimme Zeit, die man mit nichts anderem vergleichen kann und darf. Es sollte einem jeden bewußt sein, was war und daß sich das nicht mehr wiederholen darf! Gewissenlos sind da einige Politiker und fragwürdige Parteien, die die Zeit Schönreden oder auf die jetzige Regierung zu schimpfen, ohne selber konstruktive, machbare Vorschläge zu haben und vor allem auch ein vernünftiges Parteiprogramm.
Tobias _________________ "Meglio sdrucciolare con i piedi che con la lingua."
("Lieber mit den Füßen ausrutschen als mit der Zunge.") |
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Hospes

Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 20.06.2006 Beiträge: 1856 Wohnort: ohne Zorn nahe München
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Verfasst am: 27.07.2008, 20:22 Titel: Nazi-Wortschatz |
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Ein bedenkenswerter Artikel.
Manche Begriffe sind sehr negativ und eindeutig belegt. Allerdings ist dann auch der Kontext wichtig. So kann "Führer" sowohl A.H. meinen als auch den Anführer irgendeiner harmlosen Gruppierung.
Ich kann mich noch gut an den Spruch erinnern "Da kannst du arbeiten bis zur Vergasung." - Ähnliche Varianten eingeschlossen. Dieser Spruch wurde gedankenlos gebraucht, der Hintergrund ist klar.
So wie für mich der 1. Weltkrieg nicht mehr fassbar ist und ich die Folgen des 2. Weltkrieges (1949 geboren) nur teilweise mitbekam (Kriegsversehrte, Schutt, Ruinen, amerikanische Soldaten etc.), so ist doch für die heute 20jährigen diese Zeit der Nazidiktatur sehr weit weg.
Ich habe den Eindruck gewonnen (Zeitungsartikel, Sendungen), dass die Neonazis zur Zeit gerade in den neuen Bundesländern eine Unmenge an Kreide fressen, damit sie in der Bevölkerung auf positive Resonanz stoßen. Eine Krawatte wirkt halt weniger bedrohlich als eine Glatze und Doc Martins Schuhe.
Ich habe die letzten Jahrzehnte sehr viele ehemalige KZ-Gedenkstätten besucht. Ich war immer wieder erschüttert, welches Leid Menschen anderen Menschen zufügen können.
Dosen mit dem Giftgas Zyklon B in Auschwitz
Krematorium in Dachau
Gaskammer in Mauthausen
Ich habe die vergangenen Tage einiges über die Massaker von Srebrenica gehört und gelesen. Die Ereignisse sind ein Armutszeugnis für unsere "zivilisierte" Welt, die hier tatenlos zugesehen hat.
Hospes _________________ Dum spiro, spero. (Solange ich atme, habe ich Hoffnung.) |
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Rheinperle
Anmeldungsdatum: 19.06.2006 Beiträge: 1079
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Verfasst am: 28.07.2008, 11:00 Titel: |
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Hierzu ist mir gestern Abend noch eine Episode aus meiner Kindheit eingefallen. Eine Freundin hatte mir ein Verslein in mein Poesiealbum geschrieben.
Sei treu und brav, bleib gut und edel, mit einem Wort ein Deutsches Mädel
Ich zeigte nach jedem neuen Eintrag das Büchlein meinen Eltern und Großeltern und stellte mit meinen 8 Jahren fest, daß der Vers gerade bei meinen Großeltern keine große Begeisterung hervorrief. Nun, für mich wirkte der Vers lediglich etwas altmodisch, mein Vater erklärte mir dann aus welcher Zeit er stammt.
Wir sagen hier auch Mädel oder Mädele und die bekannte Operette "Mädle aus dem Schwarzen Walde" hat sicher nichts mit der schlimmen Zeit zu tun.
Rheinperle |
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tosa34

Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 22.06.2006 Beiträge: 1106 Wohnort: Milwaukee WI USA
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Verfasst am: 31.07.2008, 02:58 Titel: |
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Danke, Perlita, Tobias, und Hospes, für Eure Gedanken.
Ich finde auch, dass Mädel einfach wärmer und herzlicher klingt als Mädchen. Es ist wohl auch eine Regionalsache.
Holocaust wird m. E. hier zu viel benutzt. Die Behandlung der Schwarzen war schlimm und eine Schande, aber man kann sie nicht der Ausmerzung der Juden gleichsetzen. Aber es wird gerne vom Black Holocaust gesprochen. Auch das Wort "Endlösung" ist wohl besser vergessen, auch hier wird "final solution" nicht ausgesprochen. Aber dass Worte, denen man diese Bedeutung nicht anhängen kann, nicht mehr benutzt werden sollen, nur weil sie den Nazis besonders gefielen, das finde ich ebenso falsch wie die Idee mancher Leute hier, dass wer an Nationalfeiertagen die Flagge aufhängt, ein Buschanhänger ist. Man darf den Bösen diese Sachen und Begriffe nicht einfach abtreten!
Gruss,
Tosa. _________________ Ich habe die Erfahrung gemacht, daß Leute ohne Laster auch sehr wenige Tugenden haben.
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Abraham Lincoln |
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Rheinperle
Anmeldungsdatum: 19.06.2006 Beiträge: 1079
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Verfasst am: 13.08.2008, 19:04 Titel: |
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........und Beamtendeutsch
Neuerdings kommt bei uns in der Straßenbahn eine immer wiederkehrende Durchsage einer Dame mit freundlicher Stimme:
"Wir bitten mobilitätseingeschränkten Personen einen Sitzplatz zur Verfügung zu stellen."
Der Erfolg dieser Aufforderung läßt offensichtlich zu wünschen übrig, vermutlich weil der ein oder andere Zeitgenosse nicht weiß, was man ihm hier sagen will. Und so mancher Bürger hat sich schon Gedanken gemacht, wie man diese Durchsage übersetzen kann, ins Badische am Besten, da verstehens doch eher die meisten. Hier einer der Vorschläge in einem Leserbrief:
"Stehe se doch uff, wenn Leit reikomme, die nemme so richtig dabbe kenne". Oder : "Nemm mol dei Fieß vom Sitz"
Auch Vorschläge aus anderen Europäischen Städten werden seither in Leserbriefen zum Besten gegeben. Aus den Niederlanden beispielsweise:
"Opstaan voor iemand misstaat niemand" ( Aufstehen für jemanden schadet niemanden) Find ich irgendwie gut, das könnte sich verinnerlichen, sodass eine Durchsage oder ein Hinweisschild auf Dauer nicht mehr notwendig sein könnte.
Sicher muss da bei den Städtischen Verkehrsbetrieben jetzt ein Workshop her, wo man sich darüber Gedanken macht, wie man die Durchsage für jedermann verständlich machen kann oder aber die Gesellschaft macht sich mal Gedanken, warum so eine Durchsage überhaupt notwendig ist
In diesem Sinne allen einen schönen Abend
Rheinperle |
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tobias Administrator

Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 19.06.2006 Beiträge: 1593 Wohnort: ein Rheinländer in Bayern
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Verfasst am: 13.08.2008, 22:53 Titel: |
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Ich mußte gleichzeitig schmunzeln und den Kopf schütteln, als ich Deinen Beitrag las! Schmunzeln, weil ich den Dialekt so schön fand!
So eine Durchsage habe ich bei uns noch nie gehört und finde es schlimm, daß sie überhaupt nötig ist. Es sollte selbstverständlich sein für jemanden aufzustehen, egal, ob jung oder alt, wenn man sieht, daß er nicht gut zu Fuß ist oder es ihm allgemein nicht gut geht.
Ich bin ja oft mit Bus und Bahn unterwegs und registriere immer wieder, wie "breit" sich eine Person auf einem Viererplatz machen kann, indem sie die Klamotten dort ablegen, sich quer hinüberlegen, wohlmöglich die Füße noch auflegen
Oder kleinste Hilfen... Gerade vorgestern erlebte ich, wie eine alte Frau eine andere Frau gebeten hat, für sie den Stop-Knopf beim Bus zu drücken, weil sie nicht dran kam (gangunsicher, Stock, verbundene Hand). Die Frau hat es zwar gemacht, aber nicht ohne sich zu mokieren, daß sie sich selber auch nicht bewegen könne (dabei konnte sie es, wie ich später sah!). Ich finde so etwas immer sehr schade und lieblos! Es sind doch nur Kleinigkeiten, womit wir anderen (und uns) das Leben leichter machen könnten, Selbstverständlichkeiten...
Tobias _________________ "Meglio sdrucciolare con i piedi che con la lingua."
("Lieber mit den Füßen ausrutschen als mit der Zunge.") |
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