Zwei Seelen
Ich habe zwei Seelen in meiner Brust
So verschieden, dass ich es verheimlichen muß ?
„Nein“, sagt die Eine „das ist schon okay“
doch die Andre, die schämt sich, ihr tut zuviel weh
Die Eine, die stark ist, kennt und mag Jedermann
Die Andre, die Schwache, die schaut Keiner an
Sie haben sich beide recht lang kaum gekannt
Die Starke war „richtig“, die Schwache verschwand
Die Starke musste wachsen, über Grenzen weit raus
Für die Schwache kein Platz, im doch gemeinsamen Haus
Dann passierte was „Schlimmes“, dass Keiner verstand
Was die Starke und die Schwache ganz plötzlich verband
Die Starke brach zusammen, keine Kraft mehr zum Geben
Und die Schwache war so winzig, sie war kaum noch am Leben
Doch sie lebte und sie hielt der Starken einfach die Hand
Und ließ sie nicht gehen, so ohne Sinn und Verstand
So überlebten sie gemeinsam, still und ohne ein Wort
Und erkannten sich langsam, an nem sicheren Ort
Sie gehörten einst zusammen, doch man hat sie früh getrennt
Aus „vernünftigen Gründen“, die die Starke so gut kennt
Auch die Schwache kannt` die Gründe, und so zog sie sich zurück
Denn sie wollte nie verhindern, der Starken ihr Glück
Beide blieben am Leben, wer hätte das schon geglaubt
Schließlich waren sie doch Jede um die Hälfte beraubt
Sie heilten ihre Wunden, Jede auf ihre Art
Und sind nun sehr verschieden, bei dem gemeinsamen Start
Doch sie woll`n sich nicht mehr trennen, auch wenn`s Viele verstört
Weil Starksein und Schwachsein nunmal zusammengehört
Also laß ich sie Beide so sein wie sie sind
In der Hoffnung, dass ein neues „Zusammen“ beginnt
Vielleicht könn`sie nie mehr eins sein, nach so langer Zeit
Ok, dann is`s auch gut, dann sind wir halt zu zweit
Allein schafft`s von uns Keine, auf Dauer zu leben
Wir können aber lernen, uns Raum zu geben
Ich habe zwei Seelen in meiner Brust
So verschieden, dass ich es erwähnen muß !
© kokopellina