Pearl

Anmeldungsdatum: 12.06.2012 Beiträge: 14487 Wohnort: zuhause
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Verfasst am: 14.01.2017, 17:34 Titel: Trauma-Heilung |
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Über die Seite der grossartigen Janice Pinnow von Melano (die immer weiterkämpft, auch wenn man es nicht sieht )
bin ich auf dieses Thema und diese Seiten gestossen, die ich Euch mit-teilen möchte.
ich hab das mal blau abgesetzt, wie wollmaus das immer macht; ich finde, blau ist die Lesbarkeit besser.
Stört Euch bitte nicht an den // und ** in den zwei unteren Texten, da habe ich in einem anderen Programm markiert und kann nur daraus hierher kopieren^^
Auf beiden Seiten werden auch Dienstleistungen angeboten, also seid sorgfältig beim Anklicken von irgendwas^^
Dami Charf ist eine Therapeutin und eine sehr engagierte, sie führt einen sehr ansprechenden Blog über Traumaheilung:
| http://www.traumaheilung.de/3-irrtuemer-ueber-trauma/ abgerufen am 14.1.17 um 14.05_Auszug hat folgendes geschrieben: | ....Wenn wir gesellschaftlich über Trauma sprechen, denken die meisten Menschen immer noch an den Begriff Schocktrauma. Dieser ist als der Traumabegriff in die Öffentlichkeit und ins Bewusstsein gelangt, wir verstehen darunter meist noch katastrophal lebensbedrohliche Ereignisse, sei es Krieg, Flucht, Vergewaltigung, Gewalt, die Menschen erleben, oder andere solche Dinge. Nur dann kann man sagen, man habe ein Trauma erlebt.
Das ist grundlegend falsch und lässt viele Menschen leiden, ohne, dass sie wissen, was mit ihnen eigentlich los ist. Eine Traumatisierung, auch ein Schocktrauma, hat viel damit zu tun, wie ein Ereignis auf eine Person wirkt, man kann also fast nie sagen: „Dieses Ereignis ist per se traumatisierend.“ Obendrein gibt es oft eine Spaltung zwischen dem, wie unser Kopf etwas einschätzt und wie unser Körper etwas erlebt, vielmehr kann das fundamental voneinander abweichen.
Es kann zum Beispiel sein, dass Du eine Operation hattest, die Du auch wolltest beziehungsweise notwendig war, das heißt, Du hast sie als wichtig für Dich empfunden, es kann aber sein, dass sie für deinen Körper sehr bedrohlich oder sogar lebensbedrohlich war, weil wir zum Beispiel bei einer Narkose zwar im Bewusstsein „abgeschaltet“ sind, aber unser Körper das alles durchaus mitbekommt und es damit vielleicht ganz anders verarbeitet als wir das bewusst meinen.
Außerdem können auch „kleinere“ Ereignisse sehr traumatisierend sein, es kann sein, dass jemand fällt, oder dass man eine Trennung ausgesprochen bekommt, dass man die Nachricht von einer Krankheit bekommt, es kann ein Todesfall einer Person in der Umgebung sein, Unfälle selbstverständlich, und all diese Dinge wirken auf uns. Sie können dabei traumatisierend sein, müssen aber nicht. Somit ist wichtig zu wissen, es kann sein, dass man irgendwann Symptome entwickelt.
Das ist der eine Bereich von Schocktrauma, der viel zu eng gefasst wird, und der andere Bereich ist, dass es natürlich noch eine andere Form von Traumatisierung gibt, die viel früher und sehr häufig im vorsprachlichen Raum unseres Lebens passiert: das sogenannte Entwicklungstrauma. |
Dieser Blog ist über sieben Jahre schon geführt und superinteressant und hat "leider" eine Menge Videos (leider: ich kann mit meinem Access keine Videos mehr anschauen) !
Ebenso interessant ist Dr.Heller, der eine recht neue Therapieform entwickelt hat (kostet ) , die sich NARM abkürzt. Dr Heller arbeitet seit über 35 jahren mit Traumapatienten und hat mehrere Bücher zum Thema zusammen mit anderen Therapeuten geschrieben.
Zwei Leseproben finden sich hier:
| Code: | | http:// drlaurenceheller.com /books_Gr.html |
Da ich befürchte, dass die Seiten bald wieder gelöscht sind, wenn die Intensivwerbung vorbei ist, hier ein paar Highlights in Auszügen daraus:
| http://drlaurenceheller.com/books_Gr.html abgerufen am 14.1.17 um 15Uhr hat folgendes geschrieben: |
Kapitel 4
Spontan streben wir alle nach Nähe. So zurückgezogen und isoliert wir auch leben, so schwer traumatisiert wir auch sein mögen – auf der tiefsten Ebene drängt es uns nach Verbundenheit, genau wie es eine Pflanze zur Sonne hinzieht.
Die Anfänge unserer Identität
Wer frühe Traumen erlebt hat, wodurch auch immer ausgelöst, hatte nicht das Gefühl, auf der Welt willkommen zu sein. Und wenn wir uns zu Beginn unseres Lebens aus irgendeinem Grund nicht willkommen fühlten, fällt es uns schwer, uns selbst ein Daseinsrecht zuzugestehen, ein Gespür für unser eigenes Ich zu bekommen und uns herauszunehmen, wirklich zu leben. In welchem Umfang wir uns auf der Welt willkommen fühlten, wird zum Grundbaustein unserer Identität.
Das Lebensthema dieser frühesten Überlebensstrategie dreht sich immer wieder um Kontakt. Unsere frühesten Erfahrungen des Daseins im Mutterleib, bei der Geburt und mit frühen Bindungen haben Einfluss darauf, wie sicher wir uns im Hinblick auf Kontakt fühlen. Kontaktfähigkeit bestärkt uns darin, ein Recht auf dieses Dasein zu haben und ist die Grundlage für ein gesundes Ich. Frühe Traumen beeinträchtigen unser Geborgensein und Existieren in der Welt sowie unsere Kontaktfähigkeit: wir lernen nicht, Kontakt zu uns selbst, unserem Körper und anderen herzustellen.
Unsere frühesten traumatischen Erlebnisse und Bindungserfahrungen ergeben die Schablone, die ein Leben lang unsere psychologischen, physiologischen und Beziehungsmuster bestimmt. Die Identität von früh Traumatisierten ist von der prekären psychischen und körperlichen Situation in ihrem frühen Leben geprägt. Schwierigkeiten in diesem frühen, dem um Kontakt kreisenden Entwicklungsstadium, untergraben die gesunde Weiterentwicklung in allen späteren Stadien und bleiben nicht ohne Folgen für Selbstbild, Selbstwertgefühl und eine gesunde Beziehungsfähigkeit. Traumen in dieser Kontakt-, dieser Anfangsphase sind die Grundlage für viele scheinbar unzusammenhängende kognitive, emotionale und physiologische Probleme.
---Der Fötus/Säugling kann nicht wissen, dass er ein guter Mensch in einer schlechten Situation ist. In den inneren Qualen, die durch frühe Defizite in der eigenen Umgebung verursacht werden, wurzeln lebenslang anhaltende Scham- und Unzulänglichkeitsgefühle. Der Säugling erlebt Unzulänglichkeiten im Hinblick auf seine frühe Umgebung so, als würde mit ihm selbst etwas nicht stimmen. Spätere Kognitionen in Richtung “Ich bin schlecht” entstehen auf der Grundlage eines somatisch erlebten “Ich fühle mich schlecht”. Allein schon diesen Gedankengang zu verstehen, hat bereits vielen, die unter Mustern wie einem geringen Selbstwertgefühl, Scham und Unzulänglichkeit leiden geholfen, sich selbst mit neuen, mitfühlenderen Augen zu sehen.
---**Kapitel 3**
Die ’Kontakt’-Überlebensstrategie tritt in zwei Untertypen auf. Beide erleben eine Menge emotionalen, psychischen und oft physischen Schmerz, auch wenn sie jeweils ihre eigenen Strategien entwickeln, mit diesem umzugehen. Was die körperliche Erscheinung angeht, so haben beide etwas Unkörperliches und Abwesendes. Sie scheinen insgesamt wie eingefroren, was sich in einem geradezu erschreckend schmächtigen Körper niederschlagen kann, der wie aus unverbundenen Versatzstücken bestehend, blass und energielos wirkt.
1) Der eine Untertypus, der Denker, bewältigt seine hohe innere Erregung, indem er sich von seinem Körper abschneidet und ein Leben führt, bei dem der Verstand im Vordergrund steht. Dieser Untertypus geht eher intellektuell als emotional an die Welt heran und fühlt sich von Berufen angezogen, bei denen eher Denken als Fühlen im Vordergrund stehen. Man kann es hier mit dem klassischen Klischee des Wissenschaftlers oder Technikers zu tun haben, der jede „Gefühlsduselei“ verachtet und ganz auf das ausgerichtet ist, was in seinen Augen objektiv “Fakt” ist: “Das Universum ist kalt und leer. Es gibt keinen Gott.”
Da er seine intellektuelle Seite von ganz früh an entwickelt hat, kann dieser Menschenschlag einen klaren und scharfen, oft geradezu brillanten Verstand aufweisen. Da er von seinem Körper abgeschnitten ist und gut allein sein kann, fühlt er sich zu Berufen hingezogen, für die diese Fähigkeiten wertvoll sind.
2) Der andere, der spiritualisierende Untertypus bewältigt die hohe innere Erregung, indem er die Verbindung zu seinem Körper völlig kappt und im Energiefeld lebt. Er wirkt eher wie aus einer anderen Welt und hat etwas Ätherisches. Da dieser Typus nie in seinem Körper angekommen ist, fühlt er sich zu spirituellen Bewegungen hingezogen. Oft hat er Zugang zu sehr realen spirituellen und übersinnlichen Seinszuständen, die die “Normalen” nicht wahrnehmen. Dieser Zugang zu spirituellen und übersinnlichen Seinszuständen kann dazu benutzt werden, den erlebten Schmerz zu “spiritualisieren”. Ein weit verbreiteter unterschwelliger Glaubenssatz spiritualisierender Art, der das innerliche Sichabschneiden fördert, ließe sich auf den Nenner bringen: “Dieser Planet ist nichts als Kälte und Schmerz, aber Gott liebt mich.”
Obwohl Meditation durchaus ein Weg zu stärkerer Präsenz ist, zieht Meditation viele, die zu diesem spiritualisierenden Untertypus gehören, gerade deshalb an, weil sie sich nie auf diesem Planeten willkommen fühlten. Mit einem Leben in nicht-körperlichen, jenseitigen Dimensionen fühlen sie sich von daher wesentlich wohler. Bei ihnen wird Meditation also zu etwas, das sie in ihrer Dissoziiertheit bestärkt.
Beide Untertypen erleben eine Menge Angst, die manchmal quälend sein kann, vor allem Angst vor Nähe: Sie sind menschenscheu, vor allem meiden sie Menschenmengen, und wenn es überhaupt zu Kontakten kommt, so fühlen sie sich in Situationen zu zweit wohler. Entweder sie haben Schwierigkeiten, Blickkontakt mit anderen herzustellen, oder sie erhalten ihn krampfhaft aufrecht, ohne dabei wirklich zu schauen. Menschen, bei denen diese Überlebensstrategie dominiert, fühlen sich unwohl, wenn sie berührt werden und können körperliche Berührung sogar als schmerzhaft erleben.
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In einem weiteren Büch über Traumata nach einem Autounfall schreibt er:
| Zitat: |
**Warum Sie anderen Menschen nicht erzählen sollten, was geschehen ist**
**Die meisten Methoden zur Behandlung von Unfallfolgen beinhalten, daß Sie aufgefordert werden, Ihre Geschichte immer und immer wieder von Anfang bis Ende zu erzählen. Dem liegt die Vorstellung zugrunde, daß sich Probleme dadurch lösen lassen, daß man immer wieder über sie redet. Somatic Experiencing funktioniert anders. Wenn Sie Ihre Geschichte erzählen, hört auch Ihr Körper zu und reagiert deshalb immer wieder auf die Empfindung der unmittelbaren Gefahr. Ständiges Wiederholen der Unfallgeschichte kann das bereits bestehende Trauma noch verstärken, wodurch das Nervensystem erneut überaktiviert wird.** In diesem überaktivierten Zustand haben Sie das Gefühl, von Stimuli überfiutet, ja geradezu überwältigt zu werden. Möglicherweise sind Sie dann nicht mehr in der Lage, sich zu konzentrieren oder an Dinge zu erinnern. Bei zu starker Stimulation kann sogar eine Dissoziation eintreten, eine besonders krasse Form des »Abschaltens«.
Wir möchten Ihnen helfen, in Kontakt mit körperlichen und emotionalen Ressourcen zu kommen, weil dadurch Ihr Gefühl gestärkt wird, der Situation gewachsen zu sein. Sie werden lernen, die ungenutzten Ressourcen Ihres Körpers zu erkennen und zu nutzen, urn zu einem Gefühl des Wohlbehagens zurückzugelangen. Die Suche nach Ihren persönlichen Ressourcen kann eine sehr spannende und beglückende Erfahrung sein. Wenn wir unter körperlichem Schmerz leiden, verlieren wir meist den Kontakt zu den Bereichen unseres Körpers, die nach wie vor angenehme Empfindungen erzeugen. Klienten, die seit einem Unfall unter chronischem Schmerz leiden, sind oft überrascht, wenn sie merken, daß es in ihrem Körper Bereiche gibt, die sich immer noch normal anfühlen.
Um zur Heilung zu gelangen, müssen wir lernen, mit unserem Schmerz, unseren Symptomen und unseren natürlichen Ressourcen zu arbeiten. Auf welche Weise man Ressourcen nutzen kann, wird in Kapitel 6 erläutert. Generell hilft die Nutzung von Ressourcen Ihrem Körper, sich zu entspannen, erhöhte Aktivierungszustände des Nervensystems aufzulösen und aktivierte, aber nicht verbrauchte Energie abzubauen. All dies ermöglicht Ihnen letztendlich, den Überlebensmodus zu verlassen. Sobald der hohe Aktivierungsgrad Ihres Nervensystems abgeklungen und die überschussige Energie neutralisiert ist, können Sie beginnen, Ihren Unfall durchzuarbeiten - allerdings nicht sequentiell. Erzählen Sie die Geschichte nicht in der Reihenfolge des Geschehens, weil dann die Gefahr besteht, daß Sie das Trauma in Ihrem Körper so reaktivieren, wie es sich in der Unfallsituation abgespielt hat. |
| Zitat: | Überleben ist Erfolg
//Eine der offensichtlichsten Ressourcen, auf die Sie im Augenblick zurückgreifen können, ist die Tatsache, daß, Sie überlebt haben. Ihrem Körper ist es gleichgültig, wie Sie der Gefahr entronnen sind - ob Ihnen das nur ungeschickt oder mit großer Raffinesse gelungen ist.//
//Wichtig ist ihm einzig und allein, daß, Sie überlebt haben.//
//Biologisches Überleben ist Erfolg.//
//Was immer Sie getan haben mögen, es hat seinen Zweck erfüllt.//
//Nun, nachdem Sie überlebt haben, haben Sie die Möglichkeit, die Verletzungen oder Symptome durchzuarbeiten, die von jener Erfahrung zurückgeblieben sind. Wenn Menschen nach einem Unfall im Überlebensmodus verharren, fällt es ihnen oft schwer, sieh völlig davon zu überzeugen, daß sie nun in Sicherheit sind. //
//Sie sind ganz auf das Ziel des Überlebens fixiert und merken gar nieht, daß sie es bereits erreicht haben.//
//Ein Teil von Ihnen ist noch in dem Ereignis gefangen, und genau das ist einer der Gründe für Ihre Erwartung, daß es erneut passieren wird.// |
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Wenn kleine Leute in kleinen Orten
kleine Dinge tun,
verändern sie die Welt.
(Afrika) |
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