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Man behandelt sich als Erwachsener so, wie man als Kind ...



 
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Tannya
Gast







BeitragVerfasst am: 06.06.2014, 01:15    Titel: Man behandelt sich als Erwachsener so, wie man als Kind ... Antworten mit Zitat

... behandelt wurde.


Hallo zusammen!

Das ist quasi mein erstes Posting hier.

Ich habe Depressionen und bin seit einiger Zeit in Behandlung.
Oben stehende Aussage habe ich seit Jahren im Kopf, und ich muss sagen: für mich selbst stimmt das.

So sehr ich als Kind "nebensächlich, unwichtig" war, so wenig man sich um mich kümmerte, so wenig kümmere ich mich heute um mich selbst.

Jetzt will ich anfangen, liebevoller zu mir selbst zu sein und auch das für mich zu tun, was ich BRAUCHE (ich war zunächst in einer Phase, in der ich zu nachgiebig zu mir war).

Wie schaut es bei Euch aus? Sind da vielleicht auch Parallelen zur Kindheit? Wurde Euch vielleicht alles abgenommen, und nun geht man in Hilflosigkeit unter? Oder ist es ebenfalls so ein "lasst mich doch alle in Ruhe"? Oder eine Überforderung von damals, die sich heute fortsetzt?

Ich selbst bin nie so recht an den Haushalt herangeführt worden - jedenfalls nicht in dem Sinne, dass man alles zusammen wuppen kann, dass man es für sich selbst tut, dass es etwas Gutes darstellt, dass sowas langsam, bedächtig und achtsam ausgeführt werden kann etc.
Es war immer Arbeit, Pflicht, Druck, Schnelligkeit, Schweiß, Anstrengung - und damit nichts Verlockendes.
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BeitragVerfasst am: 06.06.2014, 01:15    Titel: Anzeige

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tranquilla trampeltreu




Geschlecht: Geschlecht:weiblich
Anmeldungsdatum: 22.05.2013
Beiträge: 2025
Wohnort: Bayern

BeitragVerfasst am: 08.06.2014, 12:05    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Tannya,

ich finde den Gedankenansatz stimmig und kann ihn gut nachvollziehen. Auch für mich fühlt es sich so an, dass die hartnäckigsten Verhaltensmuster in der Kindheit angelegt sind und ganz sicher damit zu tun haben, wie ich von anderen behandelt wurde. Und auch davon, wie sich die anderen um mich herum gegenseitig behandelt haben.

Eines der tiefsten Muster ist bei mir, dass ich von Anfang an gelernt habe, mich für die Gefühle, die Katastrophen und die Probleme der Menschen um micht herum verantwortlich zu fühlen. Und dass ich den anderen helfen muss, um unser Leben halbwegs stabil zu halten. Und dass ich auf gar keinen Fall eigene Bedürfnisse/Gefühle/Ärger/usw. äußern und zeigen darf, weil das das ganze brüchige System kippen würde. Und dann würde ich mit untergehen.

Der perfekte Start in ein co-abhängiges Lebenskonzept, das ich in unterschiedlichen Varianten auch sehr exzessiv gelebt habe. Das Chaos in meiner Wohnumgebung war eigentlich logische Folge, weil ich erstens nicht gelernt habe, eigene Bedürfnisse zu fühlen und dann auch gelten zu lassne. Und zweitens einfach viel zu viel Kraft an anderen Baustellen verschwendet habe, als dass ich mich noch um mich selber hätte kümmern können.

Mittlerweile bin ich viele Schritte in Richtung "wirklich für mich Leben" gegangen. Und trotzdem gibt es noch jede Menge Wegstrecken, die vor mir liegen. Aber ich freu mich mehr darauf als früher. Sehr glücklich

Bin gespannt auf weitere Erfahrungen/Meinungen dazu.

LG
trampilla
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And then go and do that.
Because what the world needs is people who have come alive.
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Pearl





Anmeldungsdatum: 12.06.2012
Beiträge: 14487
Wohnort: zuhause

BeitragVerfasst am: 08.06.2014, 12:13    Titel: Antworten mit Zitat

edit: Hallo, Quilla, Das hat sich gekreuzt, weil ich ne Weile mit den Links gebraucht habe - wollte Dir keins obendraufsetzen grinnn
_________________________

Hallo, Tannya,

Das ist eine ganz grundlegende Sache, die Du da angerissen hast Und ich freue mich für Dich, dass Du die Möglichkeit hast und Therapie machen kannst -das ist Gold wert

Bevor ich mich mit Kopflastigkeit verweile, Romane schreibe und mein Geschirr einen weiteren Tag darauf warten muss, von mir gespült zu werden grinnn
Schau mal, da haben wir das Thema u.a. auch schon diskutiert, ich hab Dir das verlinkt:

Und hier finden wir Lösungen, was wir tun können, damit es uns besser geht.

Wenn hier jemand noch einen Link aus dem Forum findet findet, immer her damit zwinkern

Fakt ist, wenn wir nur nach hinten schauen, dann werden wir noch trauriger und es geht nichts vorwärts, vor lauter schwarzen Gedanken bekommen wir eine Lähmung.
Aber ich verspreche Dir, im Aufräumen liegt Eigentherapie
und wenn Du jeden Tag neben dem Beweise beseitigen auch nur ein winziges bisschen Tatzenabdruck by Tatzenabdruck tust,
bewegt sich auch was in der Seele und wird auch aufgeräumt.
Hier ist ein berührendes Beispiel dazu:

Einfühlsamer Aufräumcoach

Schöne Feiertage
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Tannya
Gast







BeitragVerfasst am: 08.06.2014, 13:58    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo trampilla,

das hier
Zitat:
Das Chaos in meiner Wohnumgebung war eigentlich logische Folge, weil ich erstens nicht gelernt habe, eigene Bedürfnisse zu fühlen und dann auch gelten zu lassne. Und zweitens einfach viel zu viel Kraft an anderen Baustellen verschwendet habe, als dass ich mich noch um mich selber hätte kümmern können.

kann ich unterstreichen!

Irgendwie konnten wir wohl kaum anders werden, als wir es aktuell sind. Es war ja fast schon zwangsläufig.
Aber wir können es ändern.
Keiner von uns hat es verdient, in einer überfrachteten Wohnung zu leben, die uns überfordert. Wir haben das Bedürfnis, dass es um uns herum schön ist, ordentlich und sauber, und dass wir uns leicht und wohl fühlen und dass wir unsere Umgebung so gestalten, dass wir sie leicht pflegen können, so dass wir aus und in unserer Wohnung Kraft schöpfen können.


Hallo Pearl,

vielen Dank für die vielen Links - ich habe sie alle durchgelesen.
Dennoch zwinkern fehlte mir da der Bezug zur Vergangenheit, das Bewusstwerden der Ursache: warum verhalten wir uns so, warum fällt uns das so schwer.
Ich glaube, wenn wir einen Blick dorthin wagen und dieses Muster erkennen, kann es uns leichter fallen, bewusst dieses Muster zu durchbrechen und dieses Fortführen zu beenden.

Ich stimme Dir allerdings zu: nur zurückzublicken bringt nicht viel; es geht darum, hier und heute einen Startpunkt zu setzen und es anders zu machen.
Man kann jedoch durch diesen Blick zurück besser verstehen, warum man da steht, wo man steht - und man kann aufhören, sich selbst deswegen zu kritisieren.




Mich würden aber noch viel mehr Meinungen interessieren zwinkern
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Pearl





Anmeldungsdatum: 12.06.2012
Beiträge: 14487
Wohnort: zuhause

BeitragVerfasst am: 09.06.2014, 11:31    Titel: Antworten mit Zitat

Ich hatte das schon wieder verdrängt, aber mir ist im März von einer Freundin klargemacht worden, dass es Muster/Programme gibt, die aus der Kindheit mitgenommen werden und einfach weiterlaufen und man kann nichts dagegen machen:
Ich hatte mich da http://www.iphpbb.com/board/ftopic-94135567nx64153-3218.html drüber ausgelassen grinnn
Das ist ein Thema mit Widerhaken Traurig
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Kellervoll




Geschlecht: Geschlecht:weiblich
Anmeldungsdatum: 25.04.2012
Beiträge: 3501

BeitragVerfasst am: 09.06.2014, 18:37    Titel: Antworten mit Zitat

Pearl und ihre Geschichte sind so typisch ... meine jüngeren Geschwister denken auch immer noch, dass sie diese Hilfe von mir der Ältesten brauchen.

Und das obwohl ich es damals kaum geschafft habe und selbst beinahe an der Situation zerbrochen wäre. Es hat lange gedauert bis ich gelernt habe, ich darf nein sagen, ich darf mich auch mal um nichts kümmern und nur zu Gast sein, ich darf mich aus dieser Rolle verabschieden.

War ja auch irre, ich bin mit drei kleinen Kindern rumgehetzt um Weihnachten für 12 Personen zu organisieren, während die Damen ohne Kinder nicht mal die Eltern abholen und mitbringen konnten!

Der Knaller war, dass ich vor MEINER Hochzeit angemeckert worden bin, weil ich am Hochzeitstag keine Zeit hatte 1 1/2 Stunden rumzufahren um meine Eltern zu kutschieren ... lachen lachen lachen lachen lachen lachen

Na das passiert mir nicht mehr, ich habe einfach keine Zeit!
_________________
Jedes Ding das ich besitze braucht meine Aufmerksamkeit!

Liebe Grüße
Kellervoll
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Mika
Gast







BeitragVerfasst am: 12.07.2014, 00:05    Titel: Antworten mit Zitat

Kann ich voll und ganz unterschreiben. Bei uns war es recht unterkühlt um es mal sehr vorsichtig auszudrücken. Ich habe heute Verständnis für alles und jeden, nur nicht für mich und ich habe nie gelernt mich richtig um mich selbst zu kümmern, weil sich als ich klein war auch nie um mich gekümmert wurde. Ich war als Teenager immer ganz erschrocken, wenn man mal nett zu mir war grinnn und musste erst lernen, dass das eigentlich nur die normale Behandlung war. Ein paar mal war ich so aus der Fassung, weil man so freundlich zu mir war, dass ich fast geweint hätte, weil ich damit gar nichts anfangen konnte und ein schlechtes Gewissen hatte.... Daher wohl auch die vernachlässigte Wohnung. Ich kann putzen und bin super sauber woanders, aber bei mir nicht. Mich vernachlässige ich oft....

Aber ich denke wenn man es weis, kann man dran arbeiten. Ganz bekommt man diese Grundmuster wohl nicht raus, dazu sind sie zu tief in jedem verankert, aber man kann es für sich besser machen und lernen, dass man es wert ist
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Pearl





Anmeldungsdatum: 12.06.2012
Beiträge: 14487
Wohnort: zuhause

BeitragVerfasst am: 08.08.2014, 08:14    Titel: Antworten mit Zitat

******************************************************

Beim Aufräumen meiner Ordner habe ich auch eine n Vortrag zum Thema : "Warum manche Menschen Kritik nicht ertragen können" gefunden Geschockt
Die Vortragende hat das Bild von einem Kind gezeichnet, das Liebe und Anerkennung nur dann bekommt, wenn es gute Leistung bringt.
Im Umkehrschluss hagelt es also Liebesentzug /Kritik (von der zerstörerischen Sorte ) Weinen
Und das prägt sich ein und geht durchs Leben mit;
wird zu einem unerkannten Knöpfchen und jeder der kritik übt (mag sie noch so sachlich und hilfreich gemeint sein !) steht dann fassungslos vor einer verängstigten Person, die selbst nicht weiss, warum sie jetzt so traurig ist Geschockt
Daher auch diese Helfersyndromorgien ,
je ,ehr wir im eigenen Schlamassel versinken, desto mehr meinen wir anderen helfen zu müssen, weil das die Art ist, die wir als ganz Kleine gelernt haben, um Zuwendung zu bekommen.

Die Seminarleiterin meinte, Lob sei hilfreich und Eigenlob ebenso
_________________
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Survival




Geschlecht: Geschlecht:weiblich
Anmeldungsdatum: 07.08.2013
Beiträge: 247

BeitragVerfasst am: 08.08.2014, 08:25    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo in die Runde!
Ich bin auch manchmal am Grübeln, warum ich so geworden bin. Ich hatte ein nettes und gutes Elternhaus, grüble dann nach, ging es mir damals zu gut? Ich war nur für mein Zimmr zuständig, Küche auskehren und Eimer raustragen und manchmal für das Stiegenhaus. Habe ich das "richtige Putzen" nie gelernt, echt, manchmal stelle ich mich ganz schön blöd an in bestimmten Dingen, dabei bin ich seit 22 Jahren fast "nur" Hausfrau, also schon lange in dieser Aufgabe. Warum schaffe ich es immer schlechter? Als wir vor 21 Jahren mit einem Kind ins unser Haus eingezogen sind, ging noch alles normal, Kind schlief noch bei uns im Elternschlafzimmer, nach und nach wurde eine Kinderzimmer und eine Stube mit gebrauchten Möbeln eingerichtet, alle zwei Jahre kamen noch zwei Kinder dazu, später noch ein Kinderzimmer, immer mehr Räume, schöne Zeiten (im nachhinein Sehr glücklich ), damals zwar auch wunderbar, aber wenig Schlaf, ein dauerndes gefordert sein, dann stirbt meine Lieblingsoma, gut verarbeitet, ist der normale Verlauf, so mein Gedanke, dann aber zwei Jahre später meine Mama plötzlich, zwei Jahre später erkrankt Papa, drei Monate später der Abschied, die Kinder größer, auch die Ausgaben größer, irgendwie gelingt der Alltag nicht mehr so. Man gönnt sich mehr Pausen für sich selber, der Akku ist immer schneller leer, irgendwie schafft man den Haushalt nicht mehr so...... Sorry, ich erzähl einen ganzen Roman. Ich wollte nur sagen, ich grüble auch manchmal, und denke, mir ist es wohl zu gut gegangen, hätte ich öfter an ARbeit herangeführt werden müssen, mache ich nun bei meinen Kindern den gleichen Fehler? Liebe Mika, bei uns zu Hause war es nicht unterkühlt, aber ich kenne das, wie du schreibst, dass man fast aus der Fassung kommt, wenn jemand sehr nett ist, das geht mir aber eher in den letzten Jahren so, weil ich spüre, dass es rundherum "kälter" wird (da mir die Liebe meiner Eltern fehlt) und da musste ich auch schon so manches Mal Tränen heimlich wegwischen, wenn jemand besonders nett ist. an Kellervoll: Boah, deine Schilderungen mit Abholdiensten etc., die haben echt Nerven, das Traurige ist, die anderen merken gar nicht, was sie da eigentlich tun, man muss sich wirklich für sich selber einsetzen und manchmal nein sagen, ist leider so. Ich bin ein Familienmensch, und habe halt auch die Familie meines Mannes gern, aber wenn ich möchte, dass alle zusammenkommen, muss halt ich einladen, sonst ist da nichts. Was ich auch so schade finde. Aber ich werde zurückhaltender, bei der Schwester meines Mannes waren wir schon seit drei Jahren nicht mehr eingeladen. Ich lese eure Beiträge sehr gern, Pearl, danke für die Links, grüße an alle! Survival
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