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Echter Leidensdruck oder Druck durch die Gesellschaft?



 
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Nebelwald
Gast







BeitragVerfasst am: 26.02.2012, 23:14    Titel: Echter Leidensdruck oder Druck durch die Gesellschaft? Antworten mit Zitat

Hi!

Ich hatte letztes Wochenende ein interessantes Gespräch mit meiner Mutter, während ich bei ihr daheim mal wieder den Laptop richten musste.

Sie meinte - so wie jeder den man besucht - dass sie nicht zusammengeräumt hat und ich möge das entschuldigen, bla bla grinnn Ganz als ob ich durch sowas schockierbar wäre. So lange jemand nicht die Tür öffnet und der Müll fällt schon auf die Stiege raus schockiert mich gar nix mehr.

Dabei kennt sie meine Ordnung (also eher das Nichtvorhandensein selbiger) eh zu genüge. Sie war seit Jahren nicht mehr in meiner Wohnung, die Male zuvor wo sie da war, hat sie sich unentwegt nur aufgeregt, wie es bei mir aussieht, also hab ich sie irgendwann nimmer reingelassen. Nach Jahren des Gezeters hat sich es offenbar aufgegeben und will gar nicht mehr rein.

Zurück zum Thema, auf das ich eigentlich hinaus wollte...

Sie meinte sie hätte nur zusammengeräumt, weil jemand zum Heizung ablesen kommt. Ihre Wohnung ist sehr ordentlich, aber sie räumt auch nur extra zusammen, wenn jemand zu Besuch kommt.

Ich hab ihr erzählt, dass ich in diesem Forum gelandet bin, durch Zufall, und ihr ein wenig davon erzählt.
Und dann haben wir uns gefragt, was uns eigentlich zum Putzen und Aufräumen bringt. Innerer Antrieb oder äußerer Zwang?
Sie ist zwar ordentlicher als ich, aber wenn es niemanden gäbe, der ihre Wohnung sieht, meinte sie, würde sie auch nicht so viel zusammenräumen.

Und ich bin zu dem Entschluss gekommen, dass es mir recht egal wäre.
Ich leide nicht unter meiner Wohnung. Gut, manchmal nervt sie mich, dann tu ich wieder mehr, aber im Endeffekt ist es meistens ein externer Zwang, der mich zum Aufräumen bringt. Die Furcht vor anderen Menschen. Vor meiner Vermieterin (obwohl es ihr egal sein kann, denn ich zerstöre meine Wohnung ja nicht, sie ist nur zugeräumt), vor Handwerkern, sollte ich mal welche brauchen, vor Postboten, vor Freunden.
Nicht mein Bedürfnis nach Ordnung bringt mich zum Aufräumen sondern nur die Angst.
Bin ich ein"schlechter Mensch" weil ich so empfinde, weil es mir egal ist, weil ich unter meinem Chaos nicht leide? Gesellschaftlich gesehen bin ich fast wie ein Alkoholiker, der gern trinkt. Dem es egal ist, dass er trinkt, den nur andere stören, die ihn nicht in Ruhe trinken lassen wollen.
Ich will ja auch niemanden mit meinem Chaos stören. Ich will bloß meine Ruhe.

Oder rede ich mir das nur ein? Glaube ich nur, dass es mir so gut geht?

Was ist eure Meinung zu dem Thema? Leidet ihr wirklich unter eurem Chaos oder ist es nur der Druck der Gesellscahft, der auf euch lastet?

Liebe sonntägliche Grüße
Nebelwald.
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BeitragVerfasst am: 26.02.2012, 23:14    Titel: Anzeige

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jbb




Geschlecht: Geschlecht:weiblich
Anmeldungsdatum: 23.12.2008
Beiträge: 2101

BeitragVerfasst am: 27.02.2012, 06:50    Titel: Antworten mit Zitat

Also ich persönlich leide unter meinem Chaos, es erdrückt mich, eigentlich habe ich es gerne aufgeräumt und übersichtlich. Klar, wenn Besuch ansteht gibt das noch mal einen extra Schub Motivation aufzuräumen, ich tue es allerdings auch gerne für mich. Ich fühle mich befreit wenn ich Ordnung schaffe und jedes Stück, das ich mir in unserer Wohnung zurückerobere macht mich ein Stück freier, das zu tun was ich schon immer tun wollte ohne dabei ein schlechtes Gewissen zu haben.

LG
jbb
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Rumpelnöff
Moderator



Geschlecht: Geschlecht:weiblich
Anmeldungsdatum: 26.07.2007
Beiträge: 7054
Wohnort: NRW

BeitragVerfasst am: 27.02.2012, 07:45    Titel: Antworten mit Zitat

in ganz schlimmen Zeiten habe ich die Augen verschlossen und mir eingeredet, dass es mir nichts ausmacht,
aber ganz ehrlich fühlte ich mich auch eingeengt von mir selber und hab mich natürlich wahnsinnig geschämt.

je ordentlicher es bei mir wurde, umso mehr hab ich gemerkt, wie es mir einen gewissen Halt gibt,
etwas, dass ich NIE geglaubt habe, nämlich dass äußere Struktur mir auch innere Struktur geben kann,
viele Dinge laufen irgendwie routinierter, wenn ich weiß, wo was zu finden ist, und was zu tun ist, damit es wieder in den status quo kommt.

aber ich finde (und fand) es NIE schlimm, wenn es bei anderen nicht so ordentlich ist
und hab lieber kreatives bewohntes Chaos, als klinische Krankenhausatmosphäre.
_________________
LG,
Rumpelnöff
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Messina




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Anmeldungsdatum: 20.05.2010
Beiträge: 8439
Wohnort: bei Hamburg

BeitragVerfasst am: 28.02.2012, 10:14    Titel: Antworten mit Zitat

Bei mir war es früher fast nur Druck von außen. Traurig
Deswegen hatte ich schon seit einigen Jahren den Flur und die Stube immer einigermaßen besuchstauglich gehalten.

Die anderen Türen hab ich immer schnell zu gemacht, wenns geklingelt hat. Verlegen

Nun stört es mich selbst an vielen Stellen, z. B. in der Küche mag ich nichts rumstehen haben.
OK, die Abendbrot-Reste werden nur oberflächlich weggeräumt, Lebensmittel in den Kühlschrank...
aber morgens beim Kaffee kochen, mach ich fast immer meinen "Küchenpfusch", einfach mir selbst zur Freude.
Es freut mich nämlich tatsächlich, wenn meine Küche nett aussieht. Smilie

Genau so ist es mit dem Bett machen. Ich lasse es gern den Vormittag über offen liegen, damit es atmen kann.
Aber kurz bevor ich koche, mag ich es auch im Schlafzimmer gern etwas ordentlich haben. Meistens jedenfalls...

Nur jetzt im Moment sind wir im "Wegwerf-Rausch" und da sieht es schon mal bisschen wühlig aus,
weil ich ja ALLES in die Hand nehmen muss und entscheiden, ob ich es noch behalten will. Puh
Und WO ich es dann hinräume, damit es leicht zu finden ist und nicht wieder in Vergessenheit gerät.

Aber das ist ok, denn ich bin froh, dass ich die uralten Bestände überhaupt mal sichte und ausmiste.
An solche Aktionen war vor Klara gar nicht zu denken, und ich bin heilfroh, hier zu sein. freuen
_________________
Ja kleine Schnecke, besteige den Fuji,
aber langsam, langsam!
- Kobayashi Issa -
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Nebelwald
Gast







BeitragVerfasst am: 28.02.2012, 14:20    Titel: Antworten mit Zitat

Hi!

Es gibt Bereiche, wo ich gerne Ordnung habe. Zum Beispiel in Kleiderschränken. Dort herrscht aber auch Ordnung. Ich bin keiner, der seine Klamotten einfach so in den Schrank wirft. Bei mir ist alles zusammengelegt und auf Kleiderbügel aufgehängt. Eingentlich total unlogisch, wenn man sich den Rest der Wohnung ansieht.
Ich habe auch gerne Ordnung bei meinem Büchern und Computerspielen, was leider in letzter Zeit etwas gelitten hat. durcheinander

Der Rest ist mir selbst ziemlich egal.

Ich hätte es leichter, wenn ich einen Geschirrspüler hätte, denn ich hasse Geschirr abwaschen. Aber dafür ist meine Küche zu klein, bzw. es passt von der Raumaufteilung einfach keiner rein. Dementsprechend esse ich nur Dinge, die man entweder nicht kochen muss oder für die man nur einen Topf braucht. Und ich verwende nach Möglichkeit auch keine Teller, denn die müsste ich zusätzlich noch abwaschen. zwinkern

So lange nirgendwo etwas schimmelt oder sonstwie vergammelt, so lange ich finde was ich suche und problemlos von A nach B komme ohne über zig Dinge drübersteigen zu müssen, ist es für mich eigentlich ok.

Das ist aber trotzdem ein Level von Chaos, das die meisten Menschen als nicht akzeptabel ansehen würden.
Nachdem ich das weiß, bin ich immer wieder gewzungen, meist in sehr kurzer Zeit, gesellschaftlich akzeptable Ordnung herzustellen.

Und manchmal räume ich auch ganz gern auf, vorallem, wenn ich dabei unnützes Zeug wegwerfen kann und mehr Platz für wichtige Dinge habe.
Aber wenn ich damit fertig bin, gehts mir nicht mehr gut. Ich fühle mich in meiner aufgeräumten Wohnung nicht wohl. Es scheint als herrsche eine Diskrepanz zwischen meinem Innenleben und meiner Umwelt (Wohnung).
Dabei sind es vorallem leere Fläschen am Boden, die ich nicht ertrage. Konkret leere Fläschen im Wohnzimmer, in dem ich mich meistens aufhalte.
Leere Fläschen am Boden in Küche Bad und Vorraum sind kein Problem, find eich sogar besser. Leere Fläschen im Wohnzimmer gehen gar nicht.
Meist dauert es nur 1-2 Wochen und es sieht aus wie zuvor.
Ist auch irgendwie klar, ich hab keinen inneren Antrieb, was daran zu ändern, nur äußere Zwänge.

Sogesehen lebe ich bis auf wenige Tage im Jahr in stetiger Angst vor unvorhergesehenen Ereingnissen, infolge derere Menschen in meine Wohnung müssen. Ich habe auch nie Besuch.
Der einzige Mensch, der in meine Wohnung darf und sogar den Reserveschlüssel hat, ist mein bester Freund. Er kennt mich seit über 10 Jahren und kannte meine Wohnung noch, als es hier noch wirklich schlimm aussah. Ihm ist das seit je her völlig egal.

Mein Freund, mit dem ich seit etwas über einem halben Jahr zusammen bin, war noch nie in meiner Wohnung. Er weiß zwar von meinem Problem, kann sich das aber wohl nicht ganz vorstellen.
Er selbst ist nicht unbedingt ordentlich, auch er wirft gern Sachen auf den Boden und lässt sie liegen, bzw. sucht etwas und stellt dabei die Wohnung auf den Kopf, aber er hat den Vorteil, dass seine Wohnung größer ist und er sehr viel weniger Sachen hat. Hätte er mehr, hätte er sicher größere Schwierigkeiten.
Irgendwann würde ich ihn schon gern mal in meine Wohnung lassen, allerdings in meine zensierte (aufgeräumte) , nicht in die, in der ich wirklich lebe. ich denke nicht, dass er mit meiner echten Wohnugn klarkäme.

LG
Nebelwald
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Rumpelnöff
Moderator



Geschlecht: Geschlecht:weiblich
Anmeldungsdatum: 26.07.2007
Beiträge: 7054
Wohnort: NRW

BeitragVerfasst am: 28.02.2012, 17:17    Titel: Antworten mit Zitat

das Geschirr hab ich endlich im Griff, seit ich keine Berge mehr anhäufe,
ich trete mich jeden Abend, das vom Tag weg zu spülen
und ich hab mich so weit daran gewöhnt, dass ich gallig werde, wenn ich morgens in eine Küche voller Spül komme

...so geht es mir mit vielen Dingen (gemachtes Bett, verkrümelter Boden, dreckiges Waschbecken,...)
aber es gibt auch immer noch Ecken, wo ich dringend dran müsste, vor denen ich aber komplett scheue... vor allem im Schlafzimmer, da fehlt mir für einige Sachen der Stauraum und ich hab keine Idee wie ich das lösen sollte Mit den Augen rollen
da funktioniert dann aber das Augen-zu-Prinzip noch erschreckend gut Verlegen
_________________
LG,
Rumpelnöff
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Krabat48
Gast







BeitragVerfasst am: 01.04.2012, 19:07    Titel: Antworten mit Zitat

Ja, der äußere Zwang: der hat mich auch in seinen Klauen. Ich habe eine Sozialarbeiterin, weil ich allein nicht "zurecht" komme, aber das richtige Aufräumen fängt dann meist erst einen Tag bevor sie kommt, an. Ich schaffe es bisher nicht anders. Ich möchte es aber lernen.
Seit Mitte letzten Jahres hab ich ziemlich viel aus meiner Wohnung und aus dem Keller entsorgt - schon mal etwas Erleichterung.
Aber ich kenne auch das Gefühl, dass es einem, wenn die Wohnung ganz ordentlich ist, schlecht geht. Ich hatte bereits zweimal eine Wohnungsräumung, und danach war es jedesmal so. So eine Leere in mir, so ein Gefühl von Allein- oder Verlassensein....kennt das von euch auch jemand? Wie geht Ihr damit um????
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Shakira
Gast







BeitragVerfasst am: 01.04.2012, 19:48    Titel: Antworten mit Zitat

Nee, so ne Leere kenne ich nicht (da ich noch nie eine leere Wohnung hatte) ich kenn das nur, dass leere Oberflächen magisch Zeug anziehen.
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Nebelwald
Gast







BeitragVerfasst am: 15.04.2012, 21:32    Titel: Antworten mit Zitat

Zitat:
So eine Leere in mir, so ein Gefühl von Allein- oder Verlassensein....kennt das von euch auch jemand? Wie geht Ihr damit um????


Ja so ähnlich kenne ich das auch. Mir gehts nicht besser, wenns aufgeräumt ist, mir gehts schlechter. Traurig Mir gehts nur während dem aufräumen gut. Danach, mit Ordnung und freien Flächen in der Wohnung ist das dann ein fremder leerer Ort. Es ist seltsam.

Alleine oder verlassen fühle ich mich dabei nicht, es ist eher ein beunruhigendes Gefühl. Ich fühle mich dann einfach nicht mehr wohl.
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