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Gedichte


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Locki




Geschlecht: Geschlecht:weiblich
Anmeldungsdatum: 13.01.2011
Beiträge: 8003

BeitragVerfasst am: 04.04.2015, 21:06    Titel: Antworten mit Zitat

Liebe Pearl
vielen herzlichen Dank für diese wunderschönen Gedichte
_________________
Müde macht uns die Arbeit,
die wir liegen lassen ,
nicht die, die wir tun.
(Marie v.Ebner-Eschenbach )

Das Glück hängt nicht davon ab,
wie viel wir haben,
sondern wie viel Freude wir daran haben.
( Otto von Frohnau )
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BeitragVerfasst am: 04.04.2015, 21:06    Titel: Anzeige

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Pearl





Anmeldungsdatum: 12.06.2012
Beiträge: 14487
Wohnort: zuhause

BeitragVerfasst am: 06.10.2015, 12:24    Titel: Antworten mit Zitat

Das ist mir kürzlich untergekommen :

Invictus



Out of the night that covers me,

Black as the pit from pole to pole,

I thank whatever gods may be

For my unconquerable soul.

In the fell clutch of circumstance

I have not winced nor cried aloud.

Under the bludgeonings of chance

My head is bloody, but unbowed.

Beyond this place of wrath and tears

Looms but the horror of the shade,

And yet the menace of the years

Finds and shall find me unafraid.

It matters not how strait the gate,

How charged with punishments the scroll,

I am the master of my fate:

I am the captain of my soul.

William Ernest Henley

Dieses Gedicht hat nicht nur Nelson Mandela während seiner Haft immer wieder Kraft gegeben;
es hat die Fähigkeit, ganz verschiedenartige Menschen anzusprechen...

Weitere Infos und verschiedene deutsche Übersetzungen, wobei mir die letzte reimlose Fassung von Hilmar H. Werner auf Berliner Tourguide am ehesten zusagt :


Code:
http://www.berlinertourguide.com/invictus.html
http://friedensbotschafter.de/invictus%20Bezug%20Kino.html

_________________
Wenn kleine Leute in kleinen Orten
kleine Dinge tun,
verändern sie die Welt.
(Afrika)
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Pearl





Anmeldungsdatum: 12.06.2012
Beiträge: 14487
Wohnort: zuhause

BeitragVerfasst am: 01.02.2016, 04:21    Titel: Antworten mit Zitat

Geburtsurkunde suchen und einen Eugen Roth finden:
jetzt weiss ich allerdings, woher die ganzen Wanderdünen kommen Idee

Eugen Roth:

Ein Mensch, mit furchtbar vielen Sachen

will eines Tages Ordnung machen.

Doch dazu muss er sich bequemen,

Unordnung erst in Kauf zu nehmen:

Auf Tisch, Stuhl, Flügel, Fensterbrettern

ruhn ganze Hügel bald von Blättern.

Denn will man Bücher, Bilder, Schriften

in die gemäße Strömung triften,

muss man zurückgehn zu den Quellen,

um gleiches gleichem zu gesellen.

Für solche Taten reicht nicht immer

das eine, kleine Arbeitszimmer:

Schon ziehn durchs ganze Haus die kühnen

papierig-staubigen Wanderdünen,

und trotzen allem Spott und Hassen

durch strenge Zettel: Liegen lassen!

Nur scheinbar wahllos ist verstreut,

was schon als Ordnungszelle freut;

doch will ein widerspenstig Päckchen

nicht in des sanften Zwanges Jäckchen.

Der Mensch, der schon so viel gekramt,

an diesem Pack ist er erlahmt.

Er bricht, vor der Vollendung knapp,

das große Unternehmen ab,

verräumt, nur dass er auch wo liegt

den ganzen Wust: Das Chaos siegt!
_________________
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Locki




Geschlecht: Geschlecht:weiblich
Anmeldungsdatum: 13.01.2011
Beiträge: 8003

BeitragVerfasst am: 01.02.2016, 11:14    Titel: Antworten mit Zitat

wie wahr, wie wahr...............

Danke schön, liebe Pearl für das sehr schöne Gedicht.
_________________
Müde macht uns die Arbeit,
die wir liegen lassen ,
nicht die, die wir tun.
(Marie v.Ebner-Eschenbach )

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Pearl





Anmeldungsdatum: 12.06.2012
Beiträge: 14487
Wohnort: zuhause

BeitragVerfasst am: 29.06.2016, 10:33    Titel: Antworten mit Zitat

wiedergefunden:


Bettina Wegner-Wenn alle Menschen dieser Erde - nach Peter Härtling hat folgendes geschrieben:


Wenn alle Menschen dieser Erde
nicht ewig wie die Hammelherde
sich in ihr Schicksal brav ergäben
statt endlich wirklich loszuleben

Wenn Feigheit unser Tun nicht lähmte
kein Mensch sich seiner Schwäche schämte
wenn wir einander Wärme schenkten
und den, der anders ist, nicht kränkten

Wenn alle Menschen Bäume pflanzten
Kanonen, Panzer jetzt zertanzten

Wenns keine Armen gäb, noch Reiche
und alle teilten wir das Gleiche

Wenn Eltern wieder Kinder wären
und lernen würden, statt belehren

Wenn wir einst Staat und Macht nicht kennen
kann man die Freiheit Freiheit nennen

Wenn wir dies Leben einmal fänden
ganz fest uns hielten bei den Händen
    dann hätten unsre Träume Sinn
    denn Menschsein wäre ein Beginn

_________________
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Pearl





Anmeldungsdatum: 12.06.2012
Beiträge: 14487
Wohnort: zuhause

BeitragVerfasst am: 22.01.2017, 12:22    Titel: Antworten mit Zitat

Auf einem mittlerweile widerlichen Papier, das ich in den nächsten Minuten in die Tonne kloppe, ein Mutmachgedicht


Zitat:
Dies ist für die Kinder, die anders sind.

    Die Kinder, die nicht immer "Einser" bekommen,

    Die Kinder, die Ohren haben,
    die zweimal so gross sind wie die ihrer Altersgenossen,

    oder Nasen haben, die tagelang laufen.


Dies ist für die Kinder, die anders sind :

    Die Kinder, die einfach aus dem Schritt sind,

    Die Kinder, die von allen gehänselt werden,

    die Schnittwunden auf ihren Knieen haben,
    und deren Schuhe ständig nass sind.


Dies ist für die Kinder, die anders sind;

    Die Kinder mit einem Hang zu ständigem Schabernack...



Denn

wenn sie erwachsen sind ,

- die Geschichte hat es gezeigt , -

sind es genau diese Unterschiede,
die sie einzigartig machen.


- von Digby Wolfe-

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Pearl





Anmeldungsdatum: 12.06.2012
Beiträge: 14487
Wohnort: zuhause

BeitragVerfasst am: 15.05.2017, 06:12    Titel: Antworten mit Zitat

Das Ideal



Ja, das möchste:

    Eine Villa im Grünen mit großer Terrasse,
    vorn die Ostsee, hinten die Friedrichstraße;
    mit schöner Aussicht, ländlich-mondän,
    vom Badezimmer ist die Zugspitze zu sehn –
    aber abends zum Kino hast du's nicht weit.

    Das Ganze schlicht, voller Bescheidenheit:

    Neun Zimmer – nein, doch lieber zehn!
    Ein Dachgarten, wo die Eichen drauf stehn,
    Radio, Zentralheizung, Vakuum,
    eine Dienerschaft, gut gezogen und stumm,
    eine süße Frau voller Rasse und Verve –
    (und eine fürs Wochenend, zur Reserve) –
    eine Bibliothek und drumherum
    Einsamkeit und Hummelgesumm.

    Im Stall: Zwei Ponies, vier Vollbluthengste,
    acht Autos, Motorrad – alles lenkste
    natürlich selber – das wär ja gelacht!
    Und zwischendurch gehst du auf Hochwildjagd.


Ja, und das hab ich ganz vergessen:
    Prima Küche – erstes Essen –
    alte Weine aus schönem Pokal –
    und egalweg bleibst du dünn wie ein Aal.
    Und Geld. Und an Schmuck eine richtige Portion.
    Und noch ne Million und noch ne Million.
    Und Reisen. Und fröhliche Lebensbuntheit.
    Und famose Kinder. Und ewige Gesundheit.


Ja, das möchste!

Aber, wie das so ist hienieden:
manchmal scheint's so, als sei es beschieden
nur pö-a-pö, das irdische Glück.
Immer fehlt dir irgendein Stück.
Hast du Geld, dann hast du nicht Käten;
hast du die Frau, dann fehl'n dir Moneten –
hast du die Geisha, dann stört dich der Fächer:
bald fehlt uns der Wein, bald fehlt uns der Becher.

Etwas ist immer.
Tröste dich.

Jedes Glück hat einen kleinen Stich.
Wir möchten so viel: Haben. Sein. Und gelten.
Daß einer alles hat:
das ist selten.


(Kurt Tucholsky 1927)
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Pearl





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Beiträge: 14487
Wohnort: zuhause

BeitragVerfasst am: 02.11.2017, 12:32    Titel: Antworten mit Zitat

Messina hat folgendes geschrieben:
Hab mal ein nettes Gedicht gefunden:

    Doktor Wald

    Wenn ich an Kopfweh leide und Neurosen,
    mich unverstanden fühle oder alt,
    wenn mich die großen Götter nicht liebkosen,
    dann konsultiere ich den Doktor Wald.

    Er wohnt gleich nebenan im Krämer Forst,
    doch praktiziert er auch and'ren Flecken:
    im Grunewald, Köpenicker Forst,
    Langen See und and'ren schönen Ecken.

    Er ist mein Augenarzt und Psychiater,
    mein Orthopäde und mein Internist.
    Er hilft mir sicher über jeden Kater,
    ob er aus Kummer oder Sorgen ist.

    Er hält nicht viel von Pülverchen und Pille,
    doch umso mehr von Luft und Sonnenschein.
    Und kaum umfängt bei ihm mich angenehme Stille,
    raunt er mir zu: "Nun atmen Sie mal ein!"

    Ist seine Praxis auch oft überlaufen,
    in seiner Obhut fühlt man sich gesund.
    Und Kreislaufkranke, die heut' noch schwer am schnaufen,
    sind schon morgen ohne klinischen Befund.

    Er bringt uns immer wieder auf die Beine
    und uns're Seelen stets ins Gleichgewicht,
    verhindert Fettansatz und Gallensteine.
    Bloß- Hausbesuche macht er leider nicht.

    - Verfasser unbekannt -
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Pearl





Anmeldungsdatum: 12.06.2012
Beiträge: 14487
Wohnort: zuhause

BeitragVerfasst am: 17.11.2017, 16:50    Titel: Antworten mit Zitat

Mayla im heutigen TP hat folgendes geschrieben:
alles i. O.
Mr Jo nit do


da habe ich gleich wieder Kopfkino

ERNST JANDL hat folgendes geschrieben:
ottos mops


ottos mops trotzt
otto: fort mops fort
ottos mops hopst fort
otto: soso

otto holt koks
otto holt obst
otto horcht
otto: mops mops
otto hofft

ottos mops klopft
otto: komm mops komm
ottos mops kommt
ottos mops kotzt
otto: ogottogott


http://literaturkritik.de/id/3222 abger. 17.11.2017 um 14°° hat folgendes geschrieben:
Ganz profan im Übrigen die Auflösung der eingangs gestellten Frage nach den Ursachen für das Erbrechen des Hundes. Ernst Jandl gibt selbst darüber Auskunft, wie es zu der o-lastigen Wörtersammlung "ottos mops" gekommen ist:

"[W]as sollte man mit so vielen Wörtern mit o nun anfangen?
Gar nichts hätte man anfangen können, wenn sich nicht, wie von selbst, einige davon zu bewegen begonnen hätten und aufeinander zugekommen wären und gesagt hätten:
Wir hier, wir passen doch zusammen, wir können miteinander etwas anfangen, wir können miteinander eine kleine Geschichte anfangen; fangen wir doch eine Geschichte von 'ottos mops' an. Das haben sie getan, und so ist dieses Gedicht entstanden."

_________________
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Pearl





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Beiträge: 14487
Wohnort: zuhause

BeitragVerfasst am: 06.02.2018, 11:59    Titel: Antworten mit Zitat

Das schräg gedruckte ist eine FrauenStimme aus einem anderen Lied vom Band, die ihm beim Singenwollen immer wieder ins Wort fällt ^^
Mein momentaner wiederentdeckter Ohrwurm...
Gibt es bestimmt auf Youtube zu sehen .


Dendemann - Was auch immer hat folgendes geschrieben:
    Whatever it is...
Was immer es ist
    I know that it's real...
Ich weiss es ist...
    I know that it's real....
Könnt' es etwa sein, dass...
    I know that it's real...
Ist es vielleicht einfach nur..
    I know that it's real...
Ich weiss es ist einfach nur
    I know that it's...
Dende !
    ...real...



Ich fühl das was in mir is',
krieg da irgendwas zu spür'n
Ich falt mein Stift,
spitze mein Papier und lass mich führ'n
Ich horch in mich hinein und kotz mich richtig aus
Denn egal wohin ich flüchte,
ich komm trotzdem nicht hier raus

Zu oft sitz ich zu Haus
wie 'ne kleine Stubenfliege
Für Probs, für den Applaus
und für meine Jugendliebe
Ich mach 'ne gute Miene,
doch es bleibt ein böses Spiel
Und mich davon frei zu machen, ist zur Zeit mein größtes Ziel.

So schreib ich möglichst viel,
über was mir Sorgen macht.
Doch schon gestern wusst' ich:
Heut denk ich nicht über Morgen nach.
Und schon Morgen denk ich:
Heute war genauso wie gestern.

Doch nur jetzt und hier kann ich was da draußen verbessern.

Und wenn ich die nächste Strategie auf meinem Sofa plane
Fällt mir ein, dass ich 'nen gottverdammten Flow drauf habe
Dazu 'ne Stimme - penetranter als 'ne Knoblauchfahne
Und Rap - so krank; mein zweiter Wohnsitz ist die Notaufnahme.


Was immer es ist,
was immer passiert
Wie schief es auch läuft,
wie schlimm es auch wird:
Ich steh wieder auf und reiß mich zusammen
Weil ich bin, wer ich bin
und weil ich weiß, was ich kann !

Ich sag :

Was immer es ist,
was immer geschieht:
Ich steh wieder auf, weil es Schlimmeres gibt !

Ich sag:

Ich pack mich am Kragen und ich reiß mich am Riemen
Ich will mir doch nur endlich das holen, was ich verdien'...

    Whatever it is...
    Whatever it is...
    Whatever it is...
    I know that it's real...




Ich fühl' da is was in mir
und such nach meinen Instinkt.
Ich will mich überhol'n
und lass den Reim links blink'n.
Ich fahr dicht auf
und wart nicht drauf
bis ihr in den Laden lauft
Die Platte kauft
und euch bei jedem zweiten Satz die Haare rauft!

Ich komm geradeaus,
viel Spaß, keine Faxen
Denn irgendwann will ich so Indie sein
wie meine Achsen:
Ich bin da rein gewachsen,
kam nicht zufällig dran.

Und Heut mach ich's allein,
ich mein so gut, wie ich kann -
Es kommt vermutlich nicht an,
wie ernst ich das nehm'...
Doch ich hoffe,
dass du irgendwann lernst zu verstehn' :
Wir sind im Fernsehn zu sehen -
doch ham' nichts mehr zu erzählen.

Könn' uns nur noch
unsern neuen Schitt wärmstens empfehlen - :

Doch der S.cheiß ist billig,
doch der S.cheiß ich flach:
Denn das Fleisch ist willig -
nur der Geist ist schwach...

Und weil ich das ändern will,
lieg' ich meistens wach...
Tja, so denk ich über meine Faulheit fleißig nach


Was immer es ist,
was immer passiert
Wie schief es auch läuft,
wie schlimm es auch wird:

Ich steh wieder auf und reiß mich zusammen
Weil ich bin, wer ich bin
und weil ich weiß, was ich kann

Ich sag' :

Was immer es ist,
was immer geschieht:

Ich steh wieder auf, weil es Schlimmeres gibt
Ich sag,
ich pack mich am Kragen
und ich reiß mich am Riemen
Denn ich will endlich das kriegen,
was ich verdien' !!!


    Whatever it is...
    Whatever it is...
    Whatever it is...
    I know that it's real...



Was immer es ist,
was immer passiert
Wie schief es auch läuft,
wie schlimm es auch wird:

Ich steh wieder auf
und reiß mich zusammen
Weil ich bin, wer ich bin
und weil ich weiß, was ich kann !


Ich sag' :

Was immer es ist,
was immer geschieht:
Ich steh wieder auf, weil es Schlimmeres gibt!


Ich sag' :

Ich pack mich am Kragen
und ich reiß mich am Riemen
denn ich will endlich das kriegen,
was ich verdien' !

_________________
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Pearl





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BeitragVerfasst am: 11.11.2019, 10:55    Titel: Antworten mit Zitat

Aufgewacht mit der ersten Strophe von "Mackie Messer " stelle ich gerade wieder mal fest , dass Brecht eine zeitlos gültige Dichtung geschaffen hat .

Leute , lest wieder mehr Dichter und Denker !



Bertolt Brecht :

Die Ballade von der Unzulänglichkeit menschlichen Planens


Der Mensch lebt durch den Kopf.
Sein Kopf reicht ihm nicht aus.
Versuch es nur, von deinem Kopf
Lebt höchstens eine Laus.
Denn für dieses Leben
Ist der Mensch nicht schlau genug.
Niemals merkt er eben
Diesen Lug und Trug.

Ja, mach nur einen Plan!
Sei nur ein großes Licht!
Und mach dann noch’nen zweiten Plan
Geh'n tun sie beide nicht.
Denn für dieses Leben
Ist der Mensch nicht schlecht genug.
Doch sein höh'res Streben
Ist ein schöner Zug.

Ja, renn' nur nach dem Glück
Doch renne nicht zu sehr
Denn alle rennen nach dem Glück ,
Das Glück rennt hinterher.
Denn für dieses Leben
Ist der Mensch nicht anspruchslos genug.
Drum ist all sein Streben
Nur ein Selbstbetrug.

Der Mensch ist gar nicht gut
Drum hau' ihn auf den Hut.
Hast du ihm auf dem Hut gehaut
Dann wird er vielleicht gut.
Denn für dieses Leben
Ist der Mensch nicht gut genug
Darum haut ihm eben
Ruhig auf den Hut!
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Pearl





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BeitragVerfasst am: 08.10.2022, 08:30    Titel: Antworten mit Zitat

Zitat:
Erich Kästner


Elegie nach allen Seiten


Die bunten Astern winken durch die Gitter.
Die Gärten schminken sich. Das Jahr ist alt.
Der Herbst stimmt nur die Optimisten bitter.
Normale Menschen lässt er kalt.

Die Blätter an den Bäumen kann man zählen.
An manchen Zweigen schaukeln nur noch drei.
Der Wind wird kommen und auch diese stehlen.
Er stiehlt und findet nichts dabei.

Ein blinder Mann verkauft welke Rosen.
Er kann nicht sehen, wie verwelkt sie sind.
Auf einer Bank, umringt von Arbeitslosen,
sitzt singend ein vergnügtes Kind.

Im Pflaster zittern Pfützen aus der Frühe.
Das Himmelblau ist wieder repariert.
Die Sonne scheint, sie gibt sich große Mühe.
Man merkt die Absicht, und man friert.

Ein alter Mann, welcher vorüberwandelt,
spricht mit sich selber wie ein Wiederkäuer.
Es klingt, als ob er mit dem Tod verhandelt.
Wahrscheinlich ist der Sarg zu teuer.

Die Blätter flattern wie die Schmetterlinge.
Die Straße glüht und leuchtet und verfällt.
Der Herbst beschert uns den Verfall der Dinge
und dieses Mal auch den Verfall der Welt.

Das ist ein Jahr, da möchte alles sterben!
Die Welt verliert das Laub und den Verstand.
Der Winter und die Dummheit sind die Erben.
Und was sich Hoffnung nannte, wird verbrannt.

Vom andern Straßenufer wehen Lieder.
Das ist die Heilsarmee. Man singt zu sechst.
Die Blätter wachsen eines Tages wieder.
Ob auch die Vernunft von neuem wächst ?



Einst vertont von Lee Bach auf ihrer LP "Wie ein Vogel frei"
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Pearl





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BeitragVerfasst am: 23.10.2022, 10:20    Titel: Antworten mit Zitat

Die Ahnung

Ich trank meinen Morgenkaffee und ahnte nichts Böses.



Es klingelte............................ Ich ahnte noch immer nichts Böses.

Der Briefträger brachte mir ein Schreiben.

Nichts Böses ahnend, öffnete ich es.

Es stand nichts Böses darin.


Ha! rief ich aus.
Meine Ahnung hat mich nicht betrogen.



Erich Mühsam (1878-1934)
----------------




Ich wälze nicht schwere Probleme
und spreche nicht über die Zeit.
Ich weiß nicht, wohin ich dann käme,
ich weiß nur, ich käme nicht weit.


Heinz Erhardt
----------------------
Manche Menschen wollen immer nur glänzen, obwohl sie keinen Schimmer haben.

Heinz Erhardt
-----------------------

Die schlechtesten Bücher sind es nicht,
an denen Würmer nagen,
die schlechtesten Nasen sind es nicht,
die eine Brille tragen.
Die schlechtesten Menschen sind es nicht,
die dir die Wahrheit sagen.




Heinz Erhardt
_________________
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Anmeldungsdatum: 13.01.2011
Beiträge: 8003

BeitragVerfasst am: 28.10.2022, 18:47    Titel: Antworten mit Zitat

Liebe Pearl,
vielen Dank für die Gedichte.
Ich liebe Heinz Ehrhardt , unsere Enkelin auch .
Sie kann ein paar Gedichte, von ihm, auswendig.
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Anmeldungsdatum: 12.06.2012
Beiträge: 14487
Wohnort: zuhause

BeitragVerfasst am: 25.12.2022, 13:54    Titel: Antworten mit Zitat



Es gibt keine Pflicht des Lebens
Hermann Hesse


Es gibt keine Pflicht des Lebens,
es gibt nur eine Pflicht des Glücklichseins.
Dazu allein sind wir auf der Welt,
und mit aller Moral
und allen Geboten
macht man einander selten glücklich,
weil man sich selbst damit nicht glücklich macht.

Wenn der Mensch gut sein kann,
so kann er es nur,
wenn er Harmonie in sich hat,
also wenn er liebt.

Dies war die Lehre,
die einzige Lehre in der Welt;
Dies sagte Jesus
dies sagte Buddha,
dies sagte Hegel...


Für jeden ist das einzig Wichtige auf der Welt
sein eigenes Innerstes,
seine Seele,
seine Liebesfähigkeit.

Ist die in Ordnung,
so mag man Hirse oder Kuchen essen,
Lumpen oder Juwelen tragen,
dann klang die Welt mit der Seele rein zusammen,
war gut,
war in Ordnung.

Hermann Hesse


Wobei Hesse mit "Glücklichsein" wohl eher eine innere Zufriedenheit und Gleichmut gemeint haben mag

und nicht das atemlose Jagen nach etwas,
was man im Jahre 2022 als Glück identifiziert haben will.
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