klaraputzich Hilfe zur Selbsthilfe in Putz- und Ordnungsfragen

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Mary

Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 31.01.2011 Beiträge: 933
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Verfasst am: 14.02.2011, 02:19 Titel: Messie - sich schämen, ohnmächtig und isoliert fühlen |
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Hallo ihr Lieben,
hier zu sein ist ein echter Hoffnungsschimmer für mich, weil ich nicht mehr so allein bin. Dafür danke ich euch - toll, dass es so ein hilfreiches, freundliches und praktisch organisiertes Forum gibt!
Ich habe für mich weitegehend akzeptiert, dass ich ein "Messie" (Scheißwort - ich nenne es lieber Desorganisationsstörung). Ich betracte es - in meinem persönlichen Fall, wohlgemerkt -als eine Art Krankheit, Zwang oder Störung, weil ich schon so lange damit lebe und weiß, dass sich das nicht "auswächst" oder nur situationsbezogen ist, auch in guten Phasen hatte ich immer dieses Problem. Das heisst nicht, dass ich aufgegeben habe, auch wenn ich mich manchmal so fühle. Im Gegenteil, diese (schmerzliche) Tatsache zu akzeptieren, gibt mir Kraft zu lernen, mich zu arrangieren und mir Hilfe zu holen, um MIT dem Problem zu leben.
Was ich daran am schlimmsten finde, ist nicht das Chaos selbst. Es ist das Gefühl, ausgeliefert und überfordert zu sein, keinerlei Kontrolle über die einfachsten Dinge ausüben zu können, die finanziellen Einbußen durch tausend vernachlässigte Dinge, und vor allem: Dieses Gefühl alleine zu sein, dadurch isoliert und von anderen Menschen getrennt zu sein oder aber abhängig, es kaum jemandem sagen zu können, kein Besuch, keine Beziehung zu einem Mann... Letzteres vor allem...
Dieses Gefühl ist durch Klara schon etwas besser geworden, aber ich möchte, dass es noch besser wird! Ich möchte mich nicht schämen und unter Einsamkeit leiden, nur weil ich eine Störung habe die kaum jemand kennt, bzw. nur aus den Medien als "Assi"-Problem und somit als Tabu angesehen wird. Oder würde man auf eine Bulimiekranke oder einen Depressiven/ Burn-Out so herabsehen, wie es die Medien mit Messies tun? Würde man einem Zwangserkrankten vorwerfen, dass er sich schon wieder die Hände wäscht? Ich habe Angst dafür abgelehnt zu werden und dennoch verspüre ich einen Drang, offener als bisher damit umgehen zu wollen.
Vor 20 Jahren waren Depression und Burn-Out noch Tabus, während heute bekannt ist, wie unglaublich viele Menschen scon einmal unter einer solchen Erkrankung gelitten haben. Mittlerweile gehen sogar Manager teilweise schon offen damit um, was ich toll finde. Ich wnsche mir für die Messies auch so eine Akzeptanz. Ich mag die Vorstellung, dass in weiteren 20 oder 30 Jahren dies ganz normal sein könnte und man sich nicht mehr so fürchten muss, "ertappt" zu werden. Und am liebsten möchte ich schon heute ein bisschen so leben, als wäre das schon so.
Ich hab die Einsamkeit damit satt, weil sie das Problem noch viel schlimmer macht als es eh schon ist. Ich will Hilfe in Anspruch nehmen und versuchen dran zu bleiben, und will versuchen mein Leben zu gestalten, in dem Rahmen in dem mir das eben möglich ist. Leider gibt es immer noch sehr wenige professionelle Helfer, die das Problem wirklich kennen und verstehen (ich habe bis auf eine Ausnahme noch nicht so wirklich einen gefunden, aber viele kennen gelernt). Deshalb ist es für mich so wichtig, dass wenigstens ich eine Einschätzung dazu habe. Das kotzt mich zwar total an, weil ich mir zutiefst wünsche, mich EINMAL wirklich hundertprozentig fallen und führen lassen zu dürfen. Aber wenn das nun einmal nötig sein sollte, einen Profi einzuschalten und so zu "führen" dass er mir helfen kann, und wenn es dadurch eine Chance auf ein besseres und leichteres Leben gibt, dann werde ich das tun, wenn auch voller Wehmut. Im Moment möchte ich mich aber nicht danach auf die Suche machen, es stehen andere Dinge an. Aufräumen mit Klaras
Euch Klaras hier entdeckt zu haben, gibt mir viel Hoffnung, endlich andere, denen es auch so oder ähnlich geht. Und vor allem: kein Jammer-Forum, sondern praktische Hilfe. Echt toll. das einzige was hilft, das Prinzip der kleinen Schritte mit viel Verständnis für Rückschläge, wird hier gelebt.
Jetzt habe ich viel geredet, wenn ihr möchtet, könnt ihr ja etwas zu euren Gefühlen und Erfahrungen als Messie schreiben, das würde mich sehr freuen, wenn sich hier ein Austausch entwickelt, das kann auch allgemein sein und muss sich nicht auf mich beziehen...
Alles Liebe erstnal von der Mary[/b]
Zuletzt bearbeitet von Mary am 03.04.2011, 01:20, insgesamt einmal bearbeitet |
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Verfasst am: 14.02.2011, 02:19 Titel: Anzeige |
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Raubtigger Gast
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Verfasst am: 14.02.2011, 09:22 Titel: |
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Liebe Mary,
Danke für Deine sehr ehrlichen Worte!
Sicher werden heutzutage viele psychische Probleme in den Medien eher sachlich behandelt, aber das heißt noch lange nicht, dass man damit im privaten Umfeld auch genauso offen umgehen kann. Dass mein Mann und ich regelmäßig zu einer Eheberatung gehen, weiß nur seine Familie. Meine nicht. Und unseren Freunden sagen wir auch nichts davon, weil es uns peinlich ist. Im Kopf ist mir schon klar, was ich hier im Forum auch schon einmal geschrieben habe: Es ist ein gutes Zeichen, dass wir uns helfen lassen, weil wir uns lieben und weil wir an eine gemeinsame Zukunft glauben. Aber Außenstehende denken leider schnell: "Bei denen ist es schon so schlimm, dass sie Hilfe brauchen." Das ist so ein wenig wie das Einkaufen von Kondomen, die legt man auch nicht zuoberst in die Einkaufstasche, sodass sie jeder sehen kann. Denn wer Kondome kauft, der muss ja wohl einen Grund dafür haben, also einer ist krank oder man hat ständig wechselnde Partner. Bei uns ist es einfach nur das bevorzugte Verhütungsmittel. Aber das scheint den meisten anderen Leuten absurd.
Manchmal geht es einfach nicht ohne professionelle Hilfe. Wir haben viel diskutiert und eine Menge Beziehungs-Ratgeber gelesen, bevor wir uns dazu entschlossen haben, zu einer Beratung zu gehen. Und es war wirklich die richtige Entscheidung. Unsere Probleme sind zwar nicht alle beseitigt, aber wir haben jetzt sozusagen die Spielregeln im Streit und allgemein in der Ehe festgelegt, an die wir uns zu halten versuchen. Aber es gibt da einige Dinge, die unsere Beraterin nicht lösen konnte, weil sie in der Psyche des einzelnen begründet liegen. Und das sind bei uns beiden Dinge, die uns vom Kopf her klar sind, die uns aber immer wieder in die Quere kommen, wenn der Kopf mal ausgeschaltet ist. Diese Dinge im Bauchgefühl zu ändern, das schaffen wir nicht aus eigener Kraft. Da werden wir auch wieder Hilfe von außen benötigen. Das ist dann der nächste Schritt. Mein Mann sieht leider noch nicht, dass er sich helfen lassen muss. Ich habe zwar ein wenig Angst davor, aber ich will es wenigstens versuchen. Leider ist es zurzeit nicht möglich, weil man so eine Therapie nicht in der Schwangerschaft anfangen kann, das macht kein Therapeut mit, weil durch die Hormone alles noch mehr durcheinander ist. Also muss ich wohl noch ein paar Monate warten.
Was ich damit sagen will: Man kann bei Problemen (egal ob nun Ehekrise oder Messietum) versuchen, sich am eigenen Schopf aus dem Sumpf zu ziehen und das sollte man auch. Bei manchen ist das schon die Lösung. Bei allen anderen ist es ein wichtiger Schritt, um das eigentliche Problem einzukreisen und sich dann professionelle Hilfe zu suchen. Denn das Problem auf der Kopfebene zu erkennen, ist wichtig, aber eine Änderung in der Bauchebene zu verankern, das schaffen leider nicht alle. Das muss man irgendwann einsehen und sich Hilfe suchen, anstatt sich jahrelang erfolglos abzustrampeln. Irgendwer hat doch erst vor kurzem hier geschrieben, dass es nicht genügt, sich einzureden, dass man es wert ist, wenn man es im tiefsten Inneren nicht so empfindet. Die Wurzel solch eines Problems sitzt manchmal so tief, dass man Hilfe von außen braucht.
Aber wie sucht man sich diese Hilfe? In meinem Fall werde ich unsere Beraterin nach einem Kollegen fragen, wenn ich soweit bin. Aber sonst? Das fragt man ja nicht so einfach wie man nach einem Zahnarzt oder Frauenarzt oder Schuhmacher fragt. Denn es ist nach wie vor irgendwie tabu. Deshalb weiß man auch nicht, wer so einen Tipp haben könnte, weil ja die anderen auch nicht davon erzählen. Einen Zahnarzt hat jeder. Einen Frauenarzt hat jede Frau. Aber wer kann mir einen guten Psychotherapeuten empfehlen?
Ach ja, noch ein Problem ist ja, dass wir Messies zum Perfektionismus neigen und daher wohl auch den Anspruch haben, es allein schaffen zu wollen und auch nicht um Hilfe bitten können. Das macht alles nur noch schwieriger. Wir müssen lernen, uns einzugestehen, dass wir es nicht allein schaffen müssen und dass wir auch nicht allein die Verantwortung tragen.
Zuletzt bearbeitet von Raubtigger am 14.02.2011, 10:29, insgesamt 2-mal bearbeitet |
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Locki

Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 13.01.2011 Beiträge: 8002
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Verfasst am: 14.02.2011, 09:23 Titel: |
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Liebe Mary,
ich habe eben Deinen Beitrag mit Gänsehaut gelesen und kann alles
so , ohne jeden Kommentar, unterstreichen.
1 000 000 000 x danke schön dafür .
Viele liebe Grüße Locki  _________________ Müde macht uns die Arbeit,
die wir liegen lassen ,
nicht die, die wir tun.
(Marie v.Ebner-Eschenbach )
Das Glück hängt nicht davon ab,
wie viel wir haben,
sondern wie viel Freude wir daran haben.
( Otto von Frohnau ) |
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Mary

Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 31.01.2011 Beiträge: 933
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Verfasst am: 14.02.2011, 20:24 Titel: |
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Hallo ihr beiden,
@Locki, vielen Dank, das freut mich so, dass es dich berührt hat!
@Raubtigger
Danke für deinen langen und ebenfalls offenen Eintrag
Hm... interessant, ich glaube ich habe da andere Erfahrungen gemacht. Meine echten Freunde und meine (engere)Familie wissen alle mehr oder weniger von meinem Problem. Die Wohnung selbst gesehen haben allerdings nur eine Freundin (die kommt immer mal wieder), da gibt es schon noch eine Hemmschwelle. Die, die es nur vom Erzählen kennen, können sich oft nicht so richtig was drunter vorstellen und unterschätzen es, inzwischen versuche ich aber so deutlich und offen wie möglich zu sein und nicht nur anzudeuten. Das ist aber nicht das Gleiche, wie die Wohnung zu zeigen, denn das Nicht-zeigen macht bei mir die Einamkeit aus.
Diese Scham in Bezug auf Psychotherapeuten kenne ich inzwischen nicht mehr so sehr. Schon vor einiger Zeit habe ich es (endlich) eingesehen, dass ich professionelle Hilfe brauche. Es geht mir nicht mehr wie früher darum, es allein schaffen zu wollen, ich weiss inzwischen, dass das nicht geht. Ich habe aber auch einfach noch nicht den passenden Helfer gefunden und es daher vorerst auf Eis gelegt. Einen guten Psychiater habe ich dennoch, auch wenn er leider keine Therapie macht. Dennoch tun mir die Gespräche sehr gut, und ich kriege ja jetzt auch Medis wegen meiner Stimmungsschwankungen.
Weisst du, ich habe da gar keine großen Berührungsängste mehr (früher hatte ich die toal) und finde das auch überhaupt nicht peinlich. Klar, man muss sich schon überlegen wem man da vertrauen kann, nicht jeder kann mit so was umgehen. Aber die allermeisten Menschen, die ich in meinem Leben wirklich näher kennengelernt habe, hatten Therapieerfahrung. Durch mein Umfeld hatte ich schon früh Kontakt mit der Psychiatrie.
was hilft das ganze Schämen denn? Ich bin sicher nicht die Einzige mit solch kuriosen Verstrickungen, auch wenn keiner drüber redet. Vielleicht macht es mir das Ganze leichter, dass ich ein paar solcher Leute privat kennengelernt habe.
Klar, meinem Chef oder Kollegen, irgendwelchen entfernten Bekannten werde ich das nicht auf die Nase binden. Aber die anderen Leute in meinem Leben, denen ich wirklich nah sein will - das geht für mich nur wenn ich ehrlich bin. Ich verstehe aber, dass nicht jeder damit so umgehen möchte oder kann.
Es war ein laaaanger, jahrzehntelanger Prozess, ich musste erst zusammenklappen um das für mich zu kapieren, aber dann war es soweit, und dies entspricht mir am meisten, auch wenn ich evtl. ein Risiko eingehe. Ich traue mir inzwischen aber recht gut zu, da gut einzuschätzen wem ich was sagen kann.
Liebe Grüße
Mary
n.v.
Zuletzt bearbeitet von Mary am 20.04.2015, 23:26, insgesamt 4-mal bearbeitet |
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Mary

Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 31.01.2011 Beiträge: 933
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Verfasst am: 14.02.2011, 20:56 Titel: |
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Nachtrag:
Therapeuten mit Kassenzulassung findest du über deine Krankenkasse, bzw. die kassenärztliche Vereinigung (Internet gucken) bringt eine Liste raus. Du kannst dort nach Region suchen. Du darfst bei jedem Therapeuten bis zu 5 sog. "probatorische Sitzungen" machen, d.h. du kannst ihn unverbindlich kennenlernen ohne einen Antrag bei der Kasse stellen oder die Therapie weiterfhren zu müssen. Du kannst so theoretisch viele Therapeuten erstmal "testen" (ich glaube allerdings, wegen der Überweisung nur einen pro Qartal).
Liebe Grüße
Mary |
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Raubtigger Gast
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Verfasst am: 14.02.2011, 22:00 Titel: |
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| Aha, Danke für die Tipps. Wie gesagt, es hat Zeit. Und dann frage ich erstmal unsere Beraterin, die ja selbst Psychologin ist. |
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Mary

Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 31.01.2011 Beiträge: 933
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Verfasst am: 15.02.2011, 12:45 Titel: |
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Klar, mach alles so wie es für ich richtig ist
Aber sag mal, hab ich dich irgendwie "verschreckt" oder überfahren mit meinem letzten Beitrag? Kam das "überheblich" rüber...? Ich kenne das wie gesagt total gut, was du beschreibst, und in vielen vielen Situationen jetzt noch, ich bin da auch keine Heilige...
Es war auch eine große Überwindung für mich in diesem Faden so extrem offen zu schreiben, aber ich glaube halt es tut mir gut... Ich wollte einfach ein bisschen Mut machen, dass ganz viele Menschen "sowas" in Anspruch nehmen, ob das jetzt Therapie oder Eheberatung ist. Ich schreibe das auch so "tough" um mir selber Mut zuzusprechen, dass es nicht so hoffnungslos ist wie es sich anfühlt. Sonst pack ich das einfach nicht.
Etwas verunsichert, denn ich lese deine Beiträge so wahnsinnig gerne lese und finde sie so toll und hilfreich!! Fand es auch sehr schön wie ehrlich du geschrieben hast, ich wollte dich nicht belehren oder ähnliches... Und mit dem Perfektionismus hast du total recht...
die Mary |
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Raubtigger Gast
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Verfasst am: 16.02.2011, 00:08 Titel: |
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Ach liebe Mary, keine Sorge, es ist alles okay.
Ob ich kurz oder lang antworte, ist einfach von meiner verfügbaren Zeit und Tagesform abhängig. Du hast mich keinesfalls erschreckt.
Muss mich auch jetzt kurz fassen. Bin leider etwas angeschlagen, weil mein Hals so kratzt. Ich bin mir nicht sicher, ob das eine beginnende Erkältung ist oder ob es durch den Staub kommt, den die Bauarbeiten aufwirbeln... |
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Trockenfisch
Anmeldungsdatum: 23.04.2008 Beiträge: 4999
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Verfasst am: 16.02.2011, 00:20 Titel: |
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Es gibt zwischen diesem hier
Es ist das Gefühl, ausgeliefert und überfordert zu sein
und
Ach ja, noch ein Problem ist ja, dass wir Messies zum Perfektionismus neigen
einen Zusammenhang.
Ich glaube, in unseren schlimmsten Zeiten haben wir eine Vision, wie wir leben möchten - und die könnte so makellos sein, dass wir das gar nicht schaffen können.
Wir schaffen aber, in vernünftigen Umständen zu leben, wenn wir uns von überzogenen Vorstellungen verabschieden.
Bei mir kann ich das an 2 Sachen festmachen - ich habe mich lange dagegen gewehrt, NICHT alles mögliche zu bügeln. Was für ein Hohn im Grunde...im größten Schlamassel sitzen und die Wäscheberge wachsen sehen - aber nö - das wird 1A gemacht - oder gar nicht.
(also läuft es eher auf "gar nicht" heraus").
Ich habe erst seit dem Zeitpunkt keine Wäscheberge mehr - wo ich mich dazu durchringen konnte, dass NICHT alles gebügelt werden muss...das hat gedauert.
Man muss wieder lernen, die Dinge im Verhältnis zu sehen.
In den schlimmen Zeiten sieht man die Verhältnismäßigkeit gar nicht mehr.
Anfangs hatte ich Klementine mal gefragt - im Zusammenhang mit aufzuräumenden Regalfächern - wenn ich doch jetzt nur noch ordentliche Regalfächer will...und da liegt aber ein persönliches Telefonverzeichnis dazwischen, das teilweise überholt..und teilweise "Kraut und Rüben" ist - sollte ich dann nicht erstmal das Telefonverzeichnis in ein neues übertragen, bevor ich weiter aufräume?
Ich bin Klementine ewig dankbar, dass sie sagte - nö, lass mal das Telefonregister sein - räum weiter auf!!
Und es zeigt mir - wie sehr man aus den Augen verlieren kann, was wichtig ist und was nicht...
Lieben Gruß
Fischi (die immer noch mit dem Kraut-und-Rüben-Telefonverzeichnis lebt
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Mary

Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 31.01.2011 Beiträge: 933
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Verfasst am: 16.02.2011, 02:20 Titel: |
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Hallo!
Raubtigger:
ok Ist bei mir auch so mit dem schreiben. Und ich finde es echt gut und mutig, dass ihr das macht (Beratung).
Fischi:
Du sprichst mir total aus der Seele! Auch deine Beispiele veranschaulichen das echt gut, sowas hab ich auch...
Ich hatte einmal vor einer Reise nichts vorbereitet (am Tag vor der Abreise schnell noch einen vorläufigen Pass ergattert und Glück gehabt, dass ihn dieses Land akzeptierte). Weil ich gar keine saubere Wäsche mehr hatte, glaubte ich für kurze Zeit ernsthaft, dass ich nicht fahren könnte! Auf die Idee einfach vor Ort zu waschen bin ich in dem MOment in meiner Panik einfach nicht gekommen, das musste mir meine Freundin sagen.
Das Beispiel mit dem Register könnte eins zu eins von mir sein. Früher habe ich ständig neue Tagebücher, Hefte etc. angefangen - die schöne Struktur oder Schönschrift hatte nach 2 Seiten nachgelassen und ich hatte das Gefühl, dass das einfach nicht geht, wenn es nicht durchgehend gleich ordentlich geführt ist. Während einer Therapie führte ich ein Seelentagebuch - schon nach ein paar Seiten und dann immer wieder hatte ich das Gefühl, ein neues (mit Übertrag natürlich ) anfangen oder es ganz lassen zu müssen, denn ich hatte hin und wieder einen Tag unstrukturiert oder gar nichts geschrieben. Diese Unvollständigkeit hat mich total aus dem Tritt gemacht, ich hatte ständig das Gefühl ich könnte etwas vergessen oder verlieren. Und das ist ja immer noch so.
Das ist schon so eine innere Zwanghaftigkeit. Du hast das echt gut beschrieben mit der Verhältnismäßigkeit, denn mit dieser Einstellung lohnt sich natürlich kein einziger kleiner Schritt... Wenn ich eine Tasse abspüle (abspülen würde ), fühle ich moch sofort verpflichtet, den ganzen Rest auch zu machen. Wenn ich am freien Tag früh aufstehen würde, würde der Druck den Tag sinnvoll nutzen, irgendwas erledigen zu müssen noch mehr umhauen, wie wenn ich erst nachmittags aus den Federn krieche.
"Ich glaube, in unseren schlimmsten Zeiten haben wir eine Vision, wie wir leben möchten - und die könnte so makellos sein, dass wir das gar nicht schaffen können. (...)
Wir schaffen aber, in vernünftigen Umständen zu leben, wenn wir uns von überzogenen Vorstellungen verabschieden. (...)
Man muss wieder lernen, die Dinge im Verhältnis zu sehen. "
Seltsam, im Beruf habe ich einen guten Blick dafür. Aber zuhause gerate ich in Panik und werde starr, wenn es nicht sofort eine Lösung für ein winzig kleines Problem gibt. In dem MOment habe ich auch null Ideen, was man tun könnte. Schon verrückt, dass es da so einen Unterschied gibt zwischen JOb und privat. Aber ich hab das Gefühl ihr kennt diese Gefühle eh selber alle, man muss gar nniy erklären. Echt beruhigend, schade, dass ich das nicht schon vor 10 Jahren wusste
Liebe Grüße
Mary
Zuletzt bearbeitet von Mary am 20.04.2015, 23:29, insgesamt einmal bearbeitet |
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Trockenfisch
Anmeldungsdatum: 23.04.2008 Beiträge: 4999
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Verfasst am: 16.02.2011, 12:48 Titel: |
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Aber zuhause gerate ich in Panik und werde starr, wenn es nicht sofort eine Lösung für ein winzig kleines Problem gibt. In dem MOment habe ich auch null Ideen, was man tun könnte
Diesen Widerspruch kenn ich auch - ich glaube, fast alle hier...ich denk mal beruflich oder in Hinblick auf andere denkt/handelt man einfach objektiver..und damit "vernünftiger"...während man, wenn es einen selber betrifft, schneller in einen Gefühlsstrudel kommt...der dann blockiert.
Ich finde dann den "Tunnelblick" hilfreich...sich wirklich nur auf eine Sache konzentrieren und alles andere möglichst ausschalten...das geht tatsächlich.
Nicht immer - aber wenn man dann wieder in eine Situation gerät, wo man fast Schnappatmung kriegen möchte, weil das gesamte Bild einen aus der Fassung bringt, dann...kann man wieder auf die Tunnelperspektive zurückkommen...und stellt später fest, dass die vielen kleinen Tunnelblickaktionen das Gesamtbild doch verändert haben...
Ich empfinde das wie eine "Technik", die man immer wieder trainieren kann..selbst, wenn das nicht ohne Rückschläge geht...
Hilfreich ist auch eine Oase, eine Insel....etwas, worauf der Blick fallen kann, wenn gerade nix mehr läuft und das einen wieder aufrichtet...eine freie Fläche, ein aufgeräumter Tisch mit Blumen...das kann wie ein Schluck Wasser in der Wüste sein..und einen dazu bringen, weitere Oasen zu schaffen. |
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Mary

Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 31.01.2011 Beiträge: 933
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Verfasst am: 03.04.2011, 01:27 Titel: |
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Hallo all,
ach jeee... mir ist grad ganz wehmütig ums Herz, und meine kämpferisch-trotzige Aufbruchsstimmung der ersten Beiträge kann ich grad gar nicht mehr so nachvollziehen.
Ich konnte nicht schlafen und hab mich jetzt doch an die Papiere gewagt. Uwääh... Vollstreckungsandrohungen vom Finanzamt, 800 Euro Zwangsgeld, und der Brief ist von Mitte Januar
sch...e!
Ich hab sicher schon an die 10 - 15 000 Euro für diesen scheiß ausgegeben und mche lebenslang damit rum! Das ist die ersehnte Weltreise, oder die tollen Klamotten, oder oder... Es wird zwar besser aber immer wieder raffe ich es in guten Phasen nicht, wie sehr ich Hilfe brauche, habe unrealistische Fantasien. Die Reue über das verlorene Geld tut richtig weh, die ganzen Jahre, all das vertane Leben, irgendwo starr auf dem Bett liegend...
Ich kann mich einfach nie wirklich vom Blick in die Vergangenheit lösen, und dass macht mich noch starrer. Auch wenns grad ganz gut läuft, und ich weiß ich muss einfach weitermachen, ich kann mit diesem reumütigen Grübeln einfach nicht aufhören!!!
Ich kann mich grad einfach nicht damt abfinden, wie alles war. Habe das Gefühl, gute Jahre, meine Jugend oder wie auch immer nicht genutzt zu haben.
Grrrr...
so, etwas Ärger abgeladen. Danke fürs Zulesen ihr Lieben, wie schön dass es euch gibt!
Mary |
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Messina

Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 20.05.2010 Beiträge: 8439 Wohnort: bei Hamburg
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Verfasst am: 03.04.2011, 09:53 Titel: |
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| Zitat: | | Vollstreckungsandrohungen vom Finanzamt, 800 Euro Zwangsgeld, und der Brief ist von Mitte Januar |
Das hatte ich auch mal. Ich hab (mit von meiner Freundin!) angerufen und hab den Rat gekriegt:
Zurücksetzung in den vorherigen Stand beantragen. Das hab ich mich fast nicht getraut, weil ich dachte, das wird sowieso nichts.
Aber mein damaliger Therapeut hatte ein Schreiben verfasst, aus dem hervorging, dass ich aufgrund meiner psychischen Lage nicht im Stande war, meine Post zu öffnen, hat es geklappt.
Ist keine Garantie, es ist Ermessenssache, ob das klappt. Aber ein Versuch ist es allemal wert.
Wenn du willst, reiche ich den damaligen meiner Freundin an dich weiter!
| Zitat: | | Ich kann mich grad einfach nicht damt abfinden, wie alles war. Habe das Gefühl, gute Jahre, meine Jugend oder wie auch immer nicht genutzt zu haben. |
Ja, daran hatte ich auch lange zu knacken.
Bis ich mit Hilfe einer ganz tolle Therapeutin Frieden schließen lernte mit dem Menschen, der ich nun mal bin.
Ich hab keinen anderen. BASTA!
Sie sagte sinngemäß, ich hätte 2 Möglichkeiten: entweder mich schlecht machen für meine Fehler oder Lösungsmöglichkeiten suchen.
Ich meinte: "Das sagt sich so leicht!"
Ihre Antwort hat mich dann doch sehr nachdenklich gemacht:
"Welchen Vorteil haben Sie, sich schlecht zu fühlen?"
Na ja, das war natürlich erst der Anfang...
Ich wünsche dir sehr, dass du bald in Thera kommst.
Auch wenn es dir so geht wie mir, dass die Therapeuten "alle blöd" sind... man kann mit jedem einen weiter kommen.
(Das hab ich damals natürlich nicht erkannt, erst viel später!)
Ich finde es super, dass du dich hier ausgesprochen hast, so kommt Luft an die Sache und muss nicht im Verborgenen gären!
Lass dich mal bisschen knuddeln!  _________________ Ja kleine Schnecke, besteige den Fuji,
aber langsam, langsam!
- Kobayashi Issa - |
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Mary

Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 31.01.2011 Beiträge: 933
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Verfasst am: 03.04.2011, 23:35 Titel: |
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Hallo Messina,
Danke
ich bin heute völlig depressiv im loch verschwunden. sch...e. kein zähneputzen, essen oder trinken. klo immer noch verstopft. Dabei habe ich soviel geschafft gestern. die 5 müllsäcke klamotten sind fast weg.
ich finde tatsächlich die theras alle blöd aber wenn is mir so schlecht geht werde ich wieder zugänglicher. ich bin so ein sturkopf.
es freut mich dass du "mein" thema auch kennst, und dich arrangieren konntest. vllt habe ich auhc eine chance.
und ja es ist ein fortschritt dass ich mich ausgesprochen habe, das mache ich sonst nie.
mehr geht heut nicht. tausend dank für deinen beitrag, es hat mir sehr gefholfen!
Mary  |
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Messina

Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 20.05.2010 Beiträge: 8439 Wohnort: bei Hamburg
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Verfasst am: 04.04.2011, 08:25 Titel: |
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| Zitat: | ich bin heute völlig depressiv im loch verschwunden.
...
Dabei habe ich soviel geschafft gestern. |
Das kennen wir alle: einen Tag klotzen wir ran, sind froh und auch bisschen stolz und denken, so geht es weiter.
PUSTEKUCHEN!
Nächsten Tag "hängen wir in den Seilen", manchmal auch viele Tage.
Das ist für uns normal.
Andere schütteln nur mit dem Kopf, aber wie emily so schön sagt, wir sind alle bisschen gaga.
Fühl dich mal lieb gedrückt
Und hier ein Kraftpaket für dich und ein paar Blümchen
Wirst sehen, es geht auch irgendwann wieder weiter.
Thera fand ich nicht mehr blöd, als ich mir sagte:
Bei einer Bergwanderung in unbekanntem Gebiet nimmt man ja auch einen Bergführer.
Skilaufen lernt man am besten mit einem Skilehrer.
Der Therapeut ist mein Coach.
Das gab mir die Freiheit, mich nicht arm und dumm und hilflos zu fühlen,
sondern anzuerkennen, dass ich mit fachkundiger Unterstützung erfolgreicher bin.  _________________ Ja kleine Schnecke, besteige den Fuji,
aber langsam, langsam!
- Kobayashi Issa - |
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