klaraputzich Hilfe zur Selbsthilfe in Putz- und Ordnungsfragen

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megapearl45 Gast
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Verfasst am: 07.01.2010, 21:11 Titel: meine Blockaden, versuche mal sie hier zu entsorgen |
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Hallo liebe Mitleser(innen),
Bevor ich mich nun morgen an ein neues Tagespensum begebe, probiere ich mal hier meine gedanklichen Altlasten abzuladen. Bestimmt kommt euch das eine oder andere davon durchaus bekannt vor.
Mein Blockaden-Tag
Der Wecker fiept, halb sechs, wieder ein Tag der was von mir verlangt. Wieder soll ich ein fröhliches Gesicht aufsetzen obwohl ich doch viel lieber liegen bleiben möchte unter der warmen weichen Decke, eingetaucht ins Dunkel des seligen Vergessens meiner Außenwelt. Ja, ich habe Verantwortung, ja ich muß endlich mal zusehen mein Chaos in den Griff zu bekommen. Ich habe Defizite, viele Defizite. ....
Ach Mensch, was mache ich hier schon wieder, ich muß doch aufstehen und die Pausenbrote für die Kinder schmieren, aber die Arbeitsplatte muss ja erst freigeräumt werden damit ich überhaupt den Teller hinstellen kann. Ach nein, es ist alles soooooviel und ich bin soooo klein.
Oh nein, jetzt gehts auch noch ins Selbstmitleid, das wird ja immer schlimmer. Also, raus jetzt aus dem Bett. Der Wecker fiept von neuem.
Aufsteh-Wahnsinn
Ich wecke die Kinder, schon mit dem quälenden Gefühl, hat jeder saubere Sachen GRIFFBEREIT? Sie sind ja vorhanden aber WO?
Was bin ich bloß für eine Mutter?!? Werden meine Kinder jemals lernen ordentliche Menschen zu werden? NICHT SO!!! Da ist der erste Satz "Mamaaa ich brauch Soooocken!!!" Schreck und Horror und Graus... wo war der Korb mit den Socken? Mir wird heiß und übel und schwindelig. Die Kids sind guter Dinge. Ich klebe im Bad und suche die Socken. Erleichterung... Sockenpaar sauber und trocken GEFUNDEN!!
Als nächstes folgt der Frühstücks- und Aufbruchmarathon.
Habe ich an alles gedacht? Die Brote sind geschmiert, die Ranzen gepackt, ist auch alles drin? Wie stehe ich da als Mutter wenn was fehlt?
Daniel muß im Rollstuhl festgeschnallt werden, seine Schienen angelegt bekommen, er ist sauer, mag nicht hin.... liegt das wieder an mir? Bin ich zu stressig für meine Kinder? Am liebsten möchte ich heulen. So, alle sind fertig, die Kinder zum Rausgehen und ich mit den Nerven.
Gerade noch erreichen wir den Schulbus, die Fahrerin schaut mich wieder mahnend an... Sie müssen zeitiger da sein. Ja, sie hat ja Recht, ich hab mal wieder wertvolle Zeit verschenkt ein Paar Socken zu suchen. Aber sowas kann ich ihr ja nicht erzählen, wie hört sich denn das anß
Ich bin nicht gut genug... da kommt die Gedankenschleife wieder an. Wegducken geht nicht, sie rollt über mich hinweg. Mach endlich Ordnung in Deinem Leben. Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg. Sei nicht so faul.
Mein Vormittag
Jetzt wäre die Zeit endlich mal was daran zu machen, am Chaos. Aber ich habe das Gefühl wie in Blei oder Beton gegossen zu sein. Die Arme sind schwer. Die Knie butterweich und die Psyche irgendwo zwischen Verzweiflung und Wegsehen. So verharre ich in meinem Bett oder auf einem Stuhl oder stehe in einem meiner Chaoszimmer und starre vor mich hin.
Nun fang endlich an.... fang an.... los fang an..... sei nicht so faul.... usw.
Das Telefon klingelt. Meine Freundin am anderen Ende berichtet freudig von ihrer Rundherumputzaktion und daß sie tatsächlich schon alles fertig hat... ich versinke in Scham. Warum schafft SIE das und ICH NICHT?
Nach dem Telefongespräch trete ich die Flucht an.. Schnell fort von dem Ort des Schreckens und der Schwere. Ok ich nehme noch das Leergut mit. Auf dem Weg habe ich das Gefühl die Leute sehen mir das Chaos und mein Messiesein im Gesicht an. Nun werd auch noch paranoid! Ich setze mich ins nächste Cafè bestelle mir einen Latte Macchiato. Genießen kann ich den nicht, denn ich kann mich ja eigentlich garnicht für irgendwas belohnen.
Ich komme zurück nach Hause. Es ist noch nichts gekocht. Es ist nicht gewaschen, also schnell eine Maschine Wäsche an. Ich sehe den Berg von Wäsche, den hatte ich schon mal komplett weg. Was ist passiert? Warum falle ich immer wieder zurück? Wer und was wird mich retten? Aber ich muß mich selbst retten, ich weiß. Schnell schmeiße ich mir ein paar Schokoriegel ein und dann gehe ich ins Bad um dort die Wäsche zu sortieren. Oh nein wie siehts denn HIER aus?
Fortsetzung folgt. ... Aus dieser Spirale möchte ich unbedingt raus. Diese Gedanken machen mich fertig und runter......wie schafft Ihr es solche Gedankenspulen zu durchbrechen?
Ich freue mich über jeden Tipp und Euer Mitschreiben
Liebe Grüße Megapearl |
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Verfasst am: 07.01.2010, 21:11 Titel: Anzeige |
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Trümmerjette Gast
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Verfasst am: 07.01.2010, 21:55 Titel: |
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| Zitat: | | Genießen kann ich den nicht, denn ich kann mich ja eigentlich garnicht für irgendwas belohnen. |
Oh doch.
Du hast zu dem Zeitpunkt schon vieles geschafft. Du bist trotz des Druckes aufgestanden und du hast zig Tätigkeiten verrichtet um deine Kinder zu versorgen.
Statt dir beim verdienten Kaffee Vorwürfe zu machen, halte dir vor Augen was du bereits geschafft hast und geniess ihn.
Nach der Pause gehts dann auch frischer ans Werk  |
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Raubtigger Gast
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Verfasst am: 07.01.2010, 22:20 Titel: |
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Was Du beschrieben hast, klingt alles sehr fremdbestimmt. Als würden die Dinge, die Wäsche, das Chaos, das Leben alle diese Dinge machen und Du fühlst Dich hilflos. Du versuchst, Dich selbst anzuschieben: "Mach endlich..." Du denkst immer "Ich muss."
Versuche es mal mit "Ich will!"
Ich WILL morgens in Ruhe mit den Kindern frühstücken und sie pünktlich zum Bus bringen.
Was ist dafür nötig?
- Kleidung am Vorabend rauslegen
- Schultaschen am Vorabend packen
- Brote am Vorabend schmieren
- Küche vor dem Schlafengehen immer aufräumen
Du musst eh Kleidung suchen, Brote schmieren und die Küche aufräumen. Aber es ist doch viel angenehmer, das abends zu machen, wenn Du noch wach bist und die Kids schon im Bett sind, als morgens unter Zeitdruck, müde und mit vier durcheinander wuselnden und plappernden Kindern.
So, das war der erste Vorschlag.
Den zweiten Punkt kennst Du schon:
Beziehe die Kinder mit in die Hausarbeit ein. Je nach Alter können sie schon Wäsche falten, Geschirr spülen oder das Bad putzen. Vor allem tust Du ihnen damit einen großen Gefallen, weil sie es eh lernen müssen, um später im eigenen Haushalt zurecht zu kommen. Je früher sie sich Routinen angewöhnen, desto besser.
Den dritten Punkt kennst Du auch schon:
Beseitigt immer die Beweise. Anfangs ist es nervig, aber Ihr werdet schnell merken, dass das unheimlich viel bringt.
Warum sitzt denn Daniel im Rollstuhl? |
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megapearl45 Gast
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Verfasst am: 08.01.2010, 09:25 Titel: Danke für Eure Antworten und Tipps |
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Hallo Trümmerjette und Raubtigger,
Ich danke Euch sehr für Eure Antworten und die Tipps die Ihr mir gebt. Ja, es stimmt, ich sehe oft nicht das was ich geleistet habe sondern schaue vor allem dorthin wo ich noch nichts getan habe, das macht natürlich kein gutes Gefühl beim Kaffeetrinken. Nächstes Mal werde ich mich darauf besinnen was ich schon getan habe. Ich glaube auch, dass mir dann der Kaffee besser schmecken wird.
Daniel ist mein ältester Sohn und durch einen Ärztefehler schwerstmehrfachbehindert, ich hattte damals eine Schwangerschaftsvergiftung und hätte im Grunde sofort entbinden müssen. Zeitlich wäre das auch kein Problem gewesen, denn wir waren schon in der 39.SSW. Aber die Ärzte wollten nicht einleiten und ließen es drauf ankommen, keine gute Entscheidung von ihnen denn Daniels Herztöne wurden immer schlechter und waren dann plötzlich ganz weg. Danach ging alles sehr schnell, Notkaiserschnitt in allerletzter Minute, Wiederbelebung 2 Mal, beim zweiten Mal kam er dann zum Glück wieder ... Geblieben ist uns eine spastische Lähmung aller vier Gliedmaßen, Fehlen der Sprache aber ein sehr fröhliches und kontaktfreudiges Kind, oder eher gesagt Jugendlicher. Er wird morgen schon 16.
Zurück zu meinem Chaos. Ja, es stimmt, Abends geht das alles wirklich viel besser und in Ruhe, Vorbereitung der Schultaschen etc. Ich hatte das auch schon mal hinbekommen. Aber nach einer schweren Krise in meiner Partnerschaft ging alles irgendwie den Bach runter.
Selbstbestimmung ist wahrscheinlich wirklich der Schlüssel zum Erfolg. Das ist auch ein Thema das in meiner Psychotherapie einen hohen Stellenwert einnimmt.
Die Kinder mit einbeziehen: Ja, das ist wirklich wichtig und an dieser Stelle merke ich wie schwer es mir inzwischen schon fällt neue Strategien in die Tat umzusetzen. Ich weiß, daß es Widerstände geben wird und schon da fange ich wieder an den Kopf in den Sand zu stecken. Es gab Zeiten in meinem Leben, da wären das nicht wirklich Hürden für mich gewesen. Natürlich werde ich das Thema angehen und die Kinder Schritt für Schritt mit einbeziehen. Nur werde ich immer mit der Angst zu kämpfen haben, daß Konflikte auf mich warten.
Ich bin echt froh hier gelandet zu sein. Es fühlt sich schon jetzt nicht mehr so tonnenschwer an, das ganze Problem.
Euch einen schönen Tag
Liebe Grüße
Megapearl |
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Raubtigger Gast
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Verfasst am: 10.01.2010, 02:02 Titel: |
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Hallo Megapearl,
es tut mir so leid, dass Deine erste Schwangerschaft so schlimm endete. Dass die Ärzte nicht einleiten wollten, ist mir ein Rätsel. Aber vielleicht war das vor 16 Jahren so üblich?
Deinem Sohn wünsche ich alles Liebe und Gute zum Geburtstag!
Was die Mithilfe im Haushalt betrifft, könntest Du regelmäßig eine Familienkonferenz einberufen, bei der alle zusammen am Tisch sitzen und Du das neue Ziel erklärst. Ein erster Schritt wäre hier das o.g. "Vorabendprogramm". Schließlich sind Deine Kinder groß genug, ihre Schultaschen allein zu packen und an Sportsachen etc. zu denken.
Der zweite Schritt wäre vielleicht das "Beweise beseitigen". Das könnte man mit einem Punktesystem koppeln. Immer wenn jemand Beweise hinterlässt, gibt es einen Punkt. Und bei 5 Punkten muss derjenige eine Aufgabe erledigen: den Müll rausbringen oder Geschirr spülen oder ein Fenster putzen. Das kannst Du dann spontan auswählen. Alternativ kannst Du auch jedes Mal einen Euro vom Taschengeld abziehen oder 30 Minuten von der Zeit am TV oder Computer.
Hab keine Angst vor Unfrieden. Du bist der Boss im Haushalt. Und ein Boss kann nunmal nicht Everybody's Darling sein. Außerdem ist Everybody's Darling nur ein anderer Name für Everybody's Depp...
Und lass Dich bei der Familienkonferenz nicht in die Defensive drängen. Der Grund für die Änderungen ist, dass Euer aller Leben entspannter werden soll. Deine Kinder wollen doch schließlich auch pünktlich zum Schulbus kommen und in Ruhe frühstücken. Betone, dass es so für Euch alle besser ist. Aber sag ruhig auch, dass Du nicht der Familien-Butler bist. |
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Gipsy Gast
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Verfasst am: 17.01.2010, 20:53 Titel: |
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Hallo Raubtigger,
natürlich hast du Recht von wegen Kids miteinbeziehen. Mir geht es wie Megapearls: wenn ich nur einen Konflikt oder Konfrontation ahne mache ich einen Rückzieher. Momentan habe ich schlichtweg nicht mehr die Kraft irgendwas durchzusetzen. Das kann natürl. auf lange Sicht keine Lösung sein. Versuche daran zu arbeiten. Im Augenblick fühle ich mich wie Jemand der einen Buschbrand bekämpft. Kaum habe ich einen Brandherd gelöscht und atme auf entdecke ich den nächsten.
Genug gejammert. Morgen beginnt eine neue Woche. Mal sehen was sie bringt.
LG Gipsy |
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