| |
| Vorheriges Thema anzeigen :: Nächstes Thema anzeigen |
|
|
| Autor |
Nachricht |
Ondaatjin
Anmeldungsdatum: 02.09.2006 Beiträge: 2
|
Verfasst am: 02.09.2006, 19:06 Titel: Terzinen über Vergänglichkeit |
|
|
"Du hast mich behext, Du alter Bokor!"
Sie lacht. Ein Lachen so hell und klar wie das morgendliche Funkeln der Gletscher.
Er runzelt die Stirn und fährt sich durch den eisblauen Haarschopf. Schmollend schiebt er die Unterlippe vor.
"Der Onda würde sowas nie machen, weißt Du das nicht?"
Sie kommt näher, lächelt und legt ihn sanft die Hände auf die Brust. Es ist, als ob nur für ihn die Sonne aufgeht.
"Dann muß es wohl allein an dir liegen", haucht sie.
Ihm stockt der Atem. Er, dem sonst nie die Worte fehlen, weiß nicht mehr, was er sagen soll. Tief atmet er durch und schließt die Augen.
Wieder lacht sie, läßt ihn los. Der Schnee knirscht unter ihren Füßen als sie einige Schritte von ihm weg macht. Nun erst getraut er sich wieder, sie anzusehen. Sein Blick folgt den Kaskaden ihres dunkelblauen Haars ihren Rücken hinab zu ihren sich wiegenden Hüften. In diesem Moment kommt sie ihm schöner vor als seine Loa Ezulji, auch wenn er weiß, daß er für diesen Gedanken später wird büßen müssen.
"Oh Weib, du bist so prachtvoll", entfährt es ihm.
Grinsend dreht sie sich zu ihm um, ihre Hauer blitzen weiß im hellen Licht, wie frisch gefallener Schnee. Da ist eine Herausforderung in ihren Augen als sie die Hand nach ihm ausstreckt.
Er ist der glücklichste Mann der Welt.
Noch spür ich ihren Atem auf den Wangen:
Wie kann das sein, daß diese nahen Tage
Fort sind, für immer fort, und ganz vergangen? |
|
| Nach oben |
|
 |
Anzeige
|
Verfasst am: 02.09.2006, 19:06 Titel: Anzeige |
|
|
|
|
| Nach oben |
|
 |
Ondaatjin
Anmeldungsdatum: 02.09.2006 Beiträge: 2
|
Verfasst am: 02.09.2006, 19:08 Titel: |
|
|
Mit Schwung wirft er den letzten Ast über die niedrige Mauer und läßt den Blick noch einmal über den makellos sauberen Hof des Humfó gleiten. Alles ist an seinem Platz. Die Speisen für die Loas sind gekocht und auf großen Platten angerichtet, die Prachtgewänder liegen bereit, Rauchwerk, scharfer Schnaps und sogar Blumen stehen als Opfergaben am Altar.
"Du bist schon fertig? Ich wollte dir doch helfen."
Er dreht sich zu ihr um und wie immer bleibt ihm das Herz stehen, als er sie in ihrer Pracht sieht. Ruhig steht sie da, die Erstgeborene an der Hand, den Säugling auf dem Arm. Und auch wenn sie erschöpft aussieht, ihr Haar glanzlos ist und ihre milchschweren Brüste tief hängen, weiß er doch immer noch nicht, ob sie oder die Loa Ezulji die schönere Frau in seinem Leben ist.
"Ich will nicht, daß du jetzt noch so schwer arbeitest", erklärt er sanft und sieht bedeutungsvoll auf ihren prall gewölbten Bauch.
Sie lacht ihr Mädchenlachen und mit ihrem Lachen geht die Sonne auf. Gemeinsam beobachten sie, wie die ersten Strahlen über den Hof wandern.
"Du mußt los, nicht wahr?"
Er nickt. Zwar kann er es immer noch nicht ganz begreifen, warum der Häuptling ausgerechnet ihn auf das Treffen mit den anderen Stammesführern mitnehmen will, aber er weiß, daß es wichtig ist. Es sind dunkle Zeiten und die Trommeln künden von grauenhaften Ereignissen.
Dies ist ein Ding, das keiner voll aussinnt,
Und viel zu grauenvoll, als daß man klage:
Daß alles gleitet und vorüberrinnt. |
|
| Nach oben |
|
 |
|
|
Du kannst keine Beiträge in dieses Forum schreiben. Du kannst auf Beiträge in diesem Forum nicht antworten. Du kannst deine Beiträge in diesem Forum nicht bearbeiten. Du kannst deine Beiträge in diesem Forum nicht löschen. Du kannst an Umfragen in diesem Forum nicht mitmachen.
|
|
|
|