Bruno Wanderer
Was betrübt, was beglückt in Worten ausgedrückt


 

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N°E°W°S (Bernhard)



 
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brunowanderer
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Geschlecht: Geschlecht:männlich
Anmeldungsdatum: 10.09.2006
Beiträge: 357
Wohnort: Wien / Oberzeiring

BeitragVerfasst am: 16.11.2013, 21:27    Titel: N°E°W°S (Bernhard) Antworten mit Zitat

KUNST/INHALT A°U°T°O°R°E°N

ZITATE-Online


Aktion Antenoria B°E°R°N°H°A°R°D[/b] Bildergalerie Darwin Grogger Kunst Litera Mayer Meller Ödstein Schefberger Skiptorium Trojani Vergil Wahl Zeitung
B°E°R°N°H°A°R°D
ANDROMEDIA http://de.wikipedia.org/wiki/Thomas_Bernhard http://www.facebook.com/pages/thomas-bernhard/10152262947 https://twitter.com/thbernhard http://www.thomas-bernhard-blog.de/ https://twitter.com/thbernhard(@thbernhard) http://www.ub.fu-berlin.de/service_neu/internetquellen/fachinformation/germanistik/autoren/autorb/bernh.html
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Post.A Post.B

• 2015-02-02 Bernhard Texte und Buchbeschreibungen it Übersetzung
https://translate.google.at/translate?sl=en&tl=de&js=y&prev=_t&hl=de&ie=UTF-8&u=http%3A%2F%2Fbernhardiana.blogspot.co.at%2F&edit-text=&act=url

• 2014-07-15
https://www.facebook.com/photo.php?fbid=920198374664417&set=a.220198171331111.73582.213857405298521&type=3&theater
https://www.flickr.com/photos/bruno-wanderer/14656148105/in/set-72157645693644635
https://picasaweb.google.com/110755859271321809326/ThomasBernhard?noredirect=1#5376420582494451986
https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Bernhardhaus094o.JPG

• 2014-02-16
1†Wahrheit&Zitate 2Auslöschung&Preise 3Italien 4Ursache
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°° Zu seinen Lebzeiten sorgten seine Werke für Diskussionen und Polemiken, heute gilt er als einer der bedeutendsten österreichischen Schriftsteller, sein Werk zählt zur Weltliteratur: Thomas Bernhard. (9.2.1931-12.2.1989)
°° Thomas Bernhard war als "Skandalautor", "Österreich-Beschmutzer" und Übertreibungskünstler geschmäht - 25 Jahre nach seinem Tod ist klar, wie zeitlos gültig sein Werk ist. Am 12. Februar 1989 ist der Dichter in Gmunden gestorben.
°° Fernsehinterviews von Thomas Bernhard zählen zu den beeindruckendsten Selbstzeugnissen einer Schriftstellerpersönlichkeit. Seine Ansichten über Gott und die Welt, seine Vorstellungen von Leben und Sterben, seine Gedanken zu Literatur und Theater sind von radikaler Tiefe und schonungsloser Offenheit. Vor der Kamera zeigt er sich aber auch als ein witzig-ironischer und charmant-überlegener Gesprächspartner.
°° In seinem Testament hat sich Thomas Bernhard gegen eine Aufführung seiner Theaterstücke in Österreich ausgesprochen und sich eine Vereinnahmung durch den österreichischen Staat verbeten. Der Kulturkampf rund um sein letztes Stück "Heldenplatz", Politikeraussagen und Beschimpfungen haben den schwerkranken Schriftsteller tief getroffen.
°° Das von Bernhard verfügte Aufführungsverbot seiner Stücke in Österreich wurde mit der Gründung der Thomas Bernhard-Privatstiftung durch seinen Halbbruder und Universalerben Peter Fabjan aufgehoben, die Aufführungen finden allerdings ohne die Patronanz und ohne Anwesenheit von Politikerprominenz statt, um damit Bernhards letztem Willen Rechnung zu tragen. http://www.3sat.de/page/?source=/theater/programm/62441/index.html
• Am 2014-02-12 war Bernhards 25. Todestag.
-- Vieles wurde und wird nun über Bernhard geschrieben, auch neue Bilder sind aufgetaucht, jedoch Sekundärliteratur und Nachdichtungen wird es bei Weltliteratur immer geben. Germanisten Historiker und Scheinberufene alle wollen sich dadurch in Szene setzen, jedoch der Originale kann weder nachgemacht noch interpretiert werden.
-- Vor allem und immer wieder fasziniert mich Bernhard mit seinem, fast möchte ich sagen, sprachlichen Gesang.
Sein Wörterspiel ist mit dem Liedern Schubert zu vergleichen, viele Wiederholungen doch keine Gleichheiten. Sowie Schubert nicht für jeden Musikanten und Sänger zugänglich ist, liegt es bei Bernhard nicht allen Lesern ist er verständlich – über ihn naturgemäß zu schreiben ist wenigen vorbehalten.

• 2014-02-10
Bildlegende H1-10=Horizontal V1-6=Vertikal
H1V1=KaffeehausWien1971 H2V1=KaffeehausWien1971 H3V1=2004.03.29 H4V1=2004.03.29 H5V1=1964.01.01 H6V1=18.04.1973 H7V1=1973.04.18 H8V1=1984.10.04 H9V1=1973.04.18 H10V1=1984.10.04
H1V2=1984.10.04 H2V2=1984.10.04 H3V2=1970.11.01 H4V2=2008.11.21 H5V2=1988.01.01GeneralprobeHeldenplatzBergtheater H6V2=1988.01.01wie/vor H7V2=2004.04.25Die/Ursache/bin/ich/selbstORF H8V2=1981.03.08Ohlsdorf H9V2=1981.03.08Ohlsdorf H10V2=2008.11.20
H1V3=1958.01.01TonhofMariaSaalKärnten H2V3=1958.01.01wie/vor H3V3=1958.01.01wie/vorGerhard+MajaLampersberg H4V3=1958.01.01wie/vorKlavierGerhardLampersberg H5V3=2010.01.20Wien H6V3=1968.01.01LesungSt.Veit/Glan H7V3=1968.01.01wie/vor H8V3=1976.01.01ProbeDieBerühmtenAkademietheaterWien H9V3=1971.01.01Salzburg H10V3=1970.11.01Wien
H1V4=1962.01.01Gesellschaft/für/Literatur/Wien H2V4=1971.01.01Salzburg H3V4=1988.11.04BurgtheaterHeldenplatzDemo H4V4=1988.11.04wie/vor H5V4=1988.11.04wie/vorClausPeymann H6V4=unbekannt H7V4=1988.11.04BurgtheaterHeldenplatzClausPeymann H8V4=1988.11.04wie/vor H9V4=1988.11.04wie/vor H10V4=1988.11.05wie/vor
H1V5=1981.03.08Ohlsdorf H2V5=2005.11.28 H3V5=2004.03.30 H4V5=2004.03.30 H5V5=1984.09.28WienSchanigarten H6V5=wie/vor H7V5=wie/vor H8V5=wie/vor H9V5=wie/vor H10V5=wie/vor
H1V6=wie/vor H2V6=wie/vor H3V6=wie/vor H4V6=1981.03.08Ohlsdorf H5V6=wie/vor H6V6=wie/vor H7V6=2005.11.28 H8V6=? H9V6=1988.11.04BurgtheaterHeldenplatzClausPeymann H9V6=wie/vor
http://www.picturedesk.com/bild-disp/search/specialsLB.action?ts=1392056027287&data=eyJyYnpwYXRoIjoiIiwibnJwIjo1MCwicmJ6aWQiOiJMMTE3MTExNiIsInJzIjowLCJwbiI6MSwiYnIiOltdfQ&searchID=f6fe407b-5215-4157-be3c-3243dc0256af
AUSLÖSCHUNG EIN ZERFALL
Sein Werk lebt ! Thomas Bernhard 2014-02-12 25 Jahre tot.
Thomas Bernhards (1931-1989) letztes großes Prosawerk „Auslöschung. Ein Zerfall“ (geschrieben 1981, veröffentlicht 1986) ist vielfach als „opus magnum” bezeichnet worden, als sein Hauptwerk, für das bezeichnend ist, was Thomas Bernhard ein Jahr vor Erscheinen gesagt hat: „Die Welt besteht nur aus Niederlagen und ernährt sich davon. Im ersten Stock spielt man Geige. Im Keller öffnet man die Gashähne. Eine typisch österreichische Mischung aus Musik und Nazismus.“ Mit Komik, Übertreibung und Auflösung aller Denkkategorien schrieb Thomas Bernhard mit diesem Roman „ein Geschenk an die Weltliteratur“. (Hermann Beil)
-- Die Kunstwelt hat den Kunstmensch hervorgebracht, umgekehrt der Kunstmensch die Kunstwelt, der künstliche Mensch die künstliche Welt und umgekehrt. Es ist gar nichts mehr natürlich, hatte ich zu Gambetti gesagt, nichts, überhaupt nichts mehr. Wir gehen aber immer noch davon aus, hatte ich zu Gambetti gesagt, daß alles natürlich ist, das ist ein Irrtum. Alles ist künstlich, alles ist Kunst. Es gibt keine Natur mehr. Wir gehen immer noch von der Naturbetrachtung aus, wo wir doch schon lange nurmehr noch von der Kunst-betrachtung ausgehen sollten. Dadurch, hatte ich zu Gambetti gesagt, ist alles so chaotisch. So falsch. So unglücklich. So tödlich konfus. http://www.berliner-ensemble.de/zugabe
Meine Preise
-- »Die Leute, die mich auf den Preis angesprochen haben, dachten alle, ich hätte natürlich den Großen Staatspreis bekommen, und ich war jedes Mal der Peinlichkeit ausgesetzt, ihnen zu sagen, dass es sich um den Kleinen handle, den schon jedes schreibende Arschloch bekommen habe. Und ich war jedes Mal gezwungen, den Leuten den Unterschied zwischen dem Kleinen und dem Großen Staatspreis auseinanderzusetzen, hatte ich das getan, hatte ich den Eindruck, dass sie mich überhaupt nicht mehr verstanden. Der Große Staatspreis, sagte ich immer wieder, sei für ein sogenanntes Lebenswerk und man bekomme ihn im höheren Alter und er werde von dem sogenannten Kunstsenat verliehen, der sich aus allen jene zusammensetze, die bisher diesen Großen Staatspreis bekommen haben und es gäbe nicht nur den Großen Staatspreis für Literatur, sondern auch den für die sogenannte Bildende Kunst und den für Musik etcetera. Wenn mich die Leute fragen, wer denn diesen sogenannten großen Staatspreis schon bekommen habe, sagte ich jedes Mal, lauter Arschlöcher und wenn sie mich fragten, wie denn diese Arschlöcher hießen, so nannte ich ihnen eine Reihe von Arschlöchern, die ihnen alle unbekannt waren, nur mir waren diese Arschlöcher bekannt. Und dieser Kunstsenat setze sich also aus lauter Arschlöchern zusammen, sagten sie, weil du alle, die in dem Kunstsenat sitzen, als Arschlöcher bezeichnest. Ja, sagte ich, in dem Kunstsenat sitzen lauter Arschlöcher und zwar lauter katholische und nationalsozialistische Arschlöcher und dazu noch ein paar Alibijuden. Mich widerten diese Fragen und diese Antworten an. Und diese Arschlöcher, sagten die Leute, wählen jedes Jahr neue Arschlöcher in ihren Senat, indem sie ihnen den Großen Staatspreis verleihen. Ja, sagte ich, jedes Jahr werden neue Arschlöcher in den Senat, der sich Kunstsenat nennt und ein unausrottbares Übel und eine perverse Absurdität in unserem Staate ist, gewählt. Es ist eine Versammlung der allergrößten Nieten und Schweinehunde, sagte ich jedes Mal.« http://www.glanzundelend.de/Artikel/bernhardmeinepreise.htm

--Scharfe Worte findet der frühere Burg-Direktor Nikolaus Bachler, der heute die Bayerische Staatsoper in München leitet: „Die Geschichte wirkt wie eine Farce von Qualtinger. Die Burg hat zwei Geschäftsführer und damit ein klares Vieraugenprinzip. Dann fährt man das Haus an den Rand der Pleite. Daraufhin entlässt ein Geschäftsführer den anderen – der zufällig die verdienteste Frau des Hauses ist. Schuld an dem Dilemma soll dann die mangelnde Subvention sein – und das in dem mit Abstand reichsten Theater der Welt. So viel Zynismus gibt es in keinem Theaterstück.“
-- Holding-Chef Springer, einer der bestbezahlten Manager des Landes, hält sich gern im Hintergrund. Bei journalistischen Anfragen werden Rückmeldungen möglichst lange hinausgezögert. Totstellen ist keine Kunst, jedenfalls keine subventionswürdige. http://www.profil.at/articles/1402/983/371467/burgtheater-neue-details-affaere-ex-geschaeftsfuehrerin-silvia-stantejsky

-- Thomas Bernhard. Ein Mythos. Ein literarischer Gigant. Viele Geschichten ranken sich um diesen berühmten österreichischen Schriftsteller und Lyriker. Manche sind wahr, andere sind frei erfunden.
-- So um das Jahr 1980 verfasste er die autobiographische Erzählung „Meine Preise“ mit der Absicht, etwas auf Lager zu haben, da die Krankheit des Schriftstellers bereits im Hintergrund lauerte. Schließlich kündigte er seinem legendären Verleger Siegfried Unseld die Veröffentlichung für das Jahr 1989 an. Doch vorher verstarb er.
-- Zwanzig Jahre nach seinem Tod erschien „Meine Preise“ und ist ein für Bernhardsche Verhältnisse relativ leicht zu lesender Prosatext. Bei insgesamt neun Preisverleihungen (“von 12 oder 13″) lässt uns Thomas Bernhard an seiner Gedanken- und Gefühlswelt teilhaben und schildert in bissiger, aber auch selbstironischer Weise die verschiedenen Veranstaltungen.
-- “Ich hatte immer ein schales Gefühl im Magen gehabt, wenn es darum ging, einen Preis in Empfang zu nehmen und mein Kopf wehrte sich jedes Mal dagegen. Aber ich war doch die ganzen Jahre, in welchen noch Preise auf mich zukamen, zu schwach, um nein zu sagen. Hier hat, so dachte ich immer, mein Charakter ein großes Leck. Ich verachtete die, die die Preise gaben, aber ich wies die Preise nicht strikt zurück. Es war alles widerwärtig, aber am widerwärtigsten empfand ich mich selbst.”
-- Der Höhepunkt des Preisreigens war die Verleihung des österreichischen Staatspreises, des Kleinen wohlgemerkt, der für ein einzelnes Werk (bei Bernhard für „Frost“) vergeben wird, im Gegensatz zum Großen, der das Lebenswerk eines Schriftstellers auszeichnet. Thomas Bernhard war „über die Nachricht, den Preis zu bekommen, überhaupt nicht begeistert, hatten doch vor mir schon eine Menge junger Leute diesen Preis bekommen und für mich in meinen Augen reichlich abgewertet gehabt”. Er betrachtet diese Preisverleihung als eine Gemeinheit, ja mehr noch, als eine Niedertracht.
-- “Aber so sehr ich auch von dem Gedanken, in das Ministerium hineinzugehen und mir den Kleinen Staatspreis abholen zu müssen, gewürgt worden bin, es rettete mich doch immer die Tatsache, dass auch dieser Kleine Staatspreis mit einer Geldsumme verbunden war, mit der Summe von fünfundzwanzigtausend Schilling damals, die ich, der ich über alle meine Köpfe verschuldet gewesen war, dringend gebraucht habe.”
-- Bei der Preisverleihung während der „Dankesrede“ des Autors kam es dann zum Eklat, der in die Literaturgeschichte einging, da er die Österreicher unter anderem pauschal als „Geschöpfe der Agonie“ bezeichnete. Der zuständige Kunstminister Theodor Piffl-Perčević verließ vor Zorn bebend, die Fäuste schüttelnd und Türen zuschlagend den Saal. Am nächsten Tag schrieb eine Tageszeitung, der Schriftsteller Thomas Bernhard sei „eine Wanze, die man vertilgen müsse.“
-- Die Basis war also gelegt, die Bernhard zum „Großen Österreichischen Staatsbeschimpfer“ werden ließ, zum bestgehassten, tiefstverabscheuten und meistverunglimpften Schriftsteller unseres Landes. Doch Thomas Bernhard ist in seinen selbstironischen Texten oft unerbittlicher gegen sich selbst als gegen die verhassten Funktionäre, Juroren oder Politiker. Thomas Bernhard hat den Literaturpreiszirkus Zeit seines Lebens verabscheut.
-- Ja mehr noch, er hat ihn gefürchtet und gehasst, und er hat über ihn gelacht, so gut es ging. Dieser Mann hat es wahrlich nicht leicht gehabt mit seiner Umwelt. Und mit sich selbst am allerwenigsten! http://www.literatur-blog.at/2010/08/thomas-bernhard-meine-preise/

-- Als Thomas Bernhard 1968 der „Österreichischen Staatspreis für Literatur" zuerkannt wurde, giftete er erst einmal darüber, dass es der „Kleine Staatspreis" war und nicht der „Große". Der „Kleine Staatspreis" wurde in der Regel hoffnungsvollen Talenten verliehen, während der „Große Staatspreis" den namhaften Künstlern vorbehalten war, die Republik wollte schließlich in deren Licht posieren.
-- Thomas Bernhard war 37 Jahre alt. Er hatte mit seinem ersten Roman „Frost" einen schüchternen Erfolg gelandet und schrieb ohne Unterlass. Er war, notiert er in dem eben erschienenen Band „Meine Preise", „über die Nachricht, den Preis zu bekommen, überhaupt nicht begeistert, hatten doch vor mir schon eine Menge junger Leute diesen Preis bekommen und für mich in meinen Augen reichlich abgewertet gehabt".
-- Trotzdem nahm er den Preis an. Einerseits gefiel ihm die Idee, genau dreißig Jahre nach seinem Großvater, dem Heimatdichter Johannes Freumbichler, mit dem Staatspreis ausgezeichnet zu werden. Freumbichler war die einzige Person, die in den zerrütteten Familienverhältnissen, in denen Bernhard aufgewachsen war - uneheliches Kind, Vater nicht vorhanden, wechselnde Aufenthaltsorte in Salzburg und Bayern, wirtschaftlicher Dauerengpass - Zuneigung für den Jungen übrig gehabt hatte und dessen künstlerische Ambitionen unterstützte.
Außerdem ging es um 25.000 Schilling.
-- 25.000 Schilling, etwa 3000 Franken, waren 1968 eine ernstzunehmende Summe, zumal für einen Schriftsteller, dessen Verkaufserfolge bis dahin mager gewesen waren. „Ich bin nicht gewillt", schreibt Bernhard, „fünfundzwanzigtausend Schilling abzulehnen, sagte ich, ich bin geldgierig, ich bin charakterlos, ich bin selbst ein Schwein."
-- Das Manuskript, aus dem nun der Band „Meine Preise" hervorgegangen ist, entstand 1980. Zu diesem Zeitpunkt war Bernhard bereits ein durchgesetzter Schriftsteller und Theaterautor. Der deutsche Regisseur Claus Peymann hatte sich mit Bernhard zu einem kongenialen Provokationsduo verbündet, dessen Spezialität darin bestand, aus dem Mittelpunkt der dramatischen Hochkultur, dem Burgtheater, dessen Publikum vor den Kopf zu stoßen - eine Strategie, die Peymann wenig später zum Burgtheaterdirektor machen würde und Bernhard zu dessen Raison d'être.
Die Skandale, die „Der Theatermacher", „Alte Meister" und vor allem „Heldenplatz" entfesselten, sind Legende. Bernhard legte seinen Schauspielern Beschimpfungsorgien in den Mund, ließ sie Österreich als ein Überbleibsel der Nazidiktatur verunglimpfen, attackierte prominente Zeitgenossen ad personam, den Kanzler Kreisky als „Walzertito", Elias Canetti als „Kleinschopenhauer", und immer wieder Österreich, als eine „Senkgrube der Lächerlichkeit", als einen „unter pseudosozialistischer Präpotenz in sich selbst delirierenden Kleinstaat", mit dem sich „ein denkender Mensch schon lange nicht mehr identifizieren" könne.
-- „Ich bin selbst ein Schwein": das bezog Bernhard darauf, dass er sowieso alle anderen für „Schweine" hielt, für „lauter Arschlöcher und zwar lauter katholische und nationalsozialistische Arschlöcher und dazu noch ein paar Alibijuden". Diese von Bernhard getroffene Beschreibung des Kunstsenats, der ihn für den „Kleinen Staatspreis" nominiert hatte, lässt sich bedenkenlos auf das gesamte Personal des gesamten Werks von Thomas Bernhard übertragen, inklusive seiner selbst.
Von „Frost" bis zur „Jagdgesellschaft", von der „Korrektur" bis „Heldenplatz", Bernhards Werk beschwört mit der selben Innigkeit die Ausweglosigkeit des Einzelnen, wie er die Allgemeinheit beschimpft, besudelt und verunglimpft.
Erstaunlich genug, dass Bernhards Skandalmaschine nur eine primitive Mechanik brauchte, um immer wieder anzuspringen: Bernhard schrieb einer seiner „Bernhard-Figuren", als welche die alten, verbitterten Österreich-Hasser in seinen Stücken Eingang in die Umgangssprache gefunden haben, einen Hassmonolog auf den Leib, Peymann übernahm die Inszenierung, die Salzburger Festspiele oder das Burgtheater besorgten, selbst in geiler Erwartung des zu erwartenden Wirbels, die Uraufführung.
Wenn sich nach der Uraufführung des „Theatermachers" etwa der damalige Finanzminister Franz Vranitzky mit der Bemerkung vernehmen ließ, Bernhard schreibe sich „unter Einstreifen guter Steuerschillinge die eigene Verklemmung vom Leib", griffen Solidarisierungs- und Verteufelungs-Zahnräder sofort ineinander. Die konservative Presse schäumte gewerbsmäßig, die Kulturliberalen verteidigten reflexhaft Bernhard, der in solchen Phasen regelmäßig von seinem Einsiedlerbauernhof in Oberösterreich nach Wien reiste und als Spaziergänger auf dem Graben den Hass der Bildungsbürger genoss, den er entfesselt hatte.
-- Dieses Muster ist in „Meine Preise" gut nachzulesen. Der Band, in dem Bernhard die Verleihung des „Grillparzerpreises", der „Ehrengabe des Kulturkreises des Bundesverbandes der Deutschen Industrie", des „Literaturpreises der Freien Hansestadt Bremen", des „Julius Campe-Preises", des „Österreichischen Staatspreises für Literatur", des „Anton Wildgans-Preises", des „Franz-Theodor-Csokor-Preises", des „Literaturpreises der Bundeswirtschaftskammer" und des „Büchner-Preises" dokumentiert, ist die Selbstbeschreibung von Bernhards Motivlage und seiner beklemmenden privaten Lebenssituation - in einer Zündholzschachtel.
-- In nur wenigen Geschichten enthüllt er die ganze Automatik der rücksichtslosen Arroganz, die ihn befähigte, nicht nur Feinde, sondern auch Zugewandte, Unterstützer und Freunde ohne die geringsten Bedenken bloßzustellen und der Lächerlichkeit preiszugeben.
-- Er porträtiert sich als armes Schwein, als einsames Kind, als Tuberkulosekranker, dem auch im Erwachsenenleben bloß die Freundschaft zur 35 Jahre älteren Hedwig Stavianicek bleibt, zu der er respektvoll „Tante" sagt und in deren Grab er 1989 schließlich bestattet werden wird. Sie - Bernhard nennt sie seinen „Lebensmenschen" - ist die einzige Person neben Großvater Freumbichler, der Bernhard mit so etwas wie Achtung begegnet.
Für alle anderen hat er nur Häme übrig - und Kälte.
-- In der Erzählung über die Entgegennahme des Anton-Wildgans-Preises diffamiert Bernhard etwa seinen langjährigen Freund Gerhard Fritsch auf beispiellose Weise.
Fritsch war Mitglied der Jury für den Wildgans-Preis, den die österreichische „Industriellenvereinigung" stiftete. Nachdem sich Bernhard gerade erst mit dem österreichischen Kulturminister angelegt hatte und dieser nicht daran dachte, an der Preisverleihung teilzunehmen, forderte Bernhard von seinem Freund einen „für mich selbstverständlichen Protest" und den „für mich genauso selbstverständlichen Austritt aus der Wildgans-Preis-Jury". Fritsch wollte aber nicht austreten, worauf ihm Bernhard die Freundschaft aufkündigte und den ein Jahr später erfolgten Selbstmord des erst 45jährigen mit beispielloser Gefühlsarmut notiert: „Nicht lange nach dieser Unterredung hat sich Fritsch an dem Haken seiner Wohnungstür aufgehängt, sein von ihm selbst verpfuschtes Leben war ihm über den Kopf gewachsen und hatte ihn ausgelöscht."
Als ob diese stumpfe Lakonie nicht ausreichen würde, um Bernhards Pointe, er sei charakterlos, er sei ein Schwein, von jedem Verdacht der Koketterie zu befreien, erzählt er im Kapitel über den Bremer Literaturpreis genauso lakonisch, wie er, als Preisträger im Jahr darauf selbst in die Jury berufen, für Elias Canetti votiert, was mit dem Hinweis „aber der ist ja auch Jude" abgeschmettert wird. Bernhard sieht sich freilich weder zu einem für ihn selbstverständlichen Protest noch zu einem für ihn genauso selbstverständlichen Austritt aus der Jury genötigt. Er meckert bloß über das Geschwätz und den Dilettantismus der Jury, und als schließlich Wolfgang Hildesheimer der Preis zuerkannt wird, ist es ausgerechnet Bernhard, der anmerkt, dass Hildesheimer auch Jude ist: Für ihn sei das die Pointe des Preises.
-- Als Thomas Bernhard es finanziell nicht mehr nötig hat, nimmt er keine Preise mehr an. Den „Prix Séguier", den „Prix Médicis", den „Antonio-Feltrinelli-Preis" holt er nicht ab. Die Honorare des Subventionstheaters haben ihn zum wohlhabenden Mann gemacht. Zu dem Haus in Obernathal bei Ohlsdorf, das er mit der Preissumme des Bremer Literaturpreises angezahlt hat, erwirbt er weitere Immobilien. Bernhard verschuldet sich regelmäßig, wie um sich selbst unter Druck zu setzen, weiterschreiben zu müssen.
Er schreibt permanent. Er findet ein Publikum, das Bernhards literarisches Tourette-Syndrom für bare Münze nimmt und sich dem depressiven Rauschen der ständig wiederholten und um sich kreisenden Motive von Tod, Sinnlosigkeit und Verderbtheit hingibt wie dem hypnotischen Lärm einer Death-Metal-Band.
-- Er weiß Verbündete hinter sich, die an seinem Beispiel für die Freiheit der Kunst kämpfen, ohne dass Bernhard sich ihnen deshalb auch nur im Geringsten verpflichtet fühlt: der Komponist Gerhard Lampersberg kann ein Lied davon singen. Nachdem er den jungen Bernhard jahrelang beherbergt und Eintritt in gehobene Künstlerkreise verschafft hat, liefert dieser in „Holzfällen" eine so heftige Diffamierung seines Gönners ab, dass sich dieser entschließt, das Buch verbieten zu lassen. Die wütende Diskussion über die Freiheit des Wortes, die darauf folgt, nützt am Ende wiederum Bernhard. Der darf sich in der Maßlosigkeit seiner Charakterschwächen bestätigt fühlen.
-- Bernhards ganze Bedeutung liegt darin, dass er zum Streitfall wurde und Streitfall geblieben ist. Auch 20 Jahre nach Thomas Bernhards Tod findet die Diskussion über seine Literatur in den Kulissen ihrer Motivlage statt.
Der Band „Meine Preise", eine Art Konzentrat von Bernhards Selbstbiographie, fällt dagegen aus der Art. „Meine Preise" ist ein gutes Buch, weil es nicht „Bernhard at his best" ist. Die Geschichten sind von einem vergleichsweise erstaunlichen Realismus. Die Prosa vermeidet, anders als in den Romanen Bernhards, den Kult der Repetition, der permanenten Auswringung der wenigen Motive, denen Bernhard Bedeutung beimaß.
-- Mit erstaunlicher Beiläufigkeit ist der Autor zu Geschichten fähig, die andere Farben als das ewige Grauschwarz von „Frost", dem „Untergeher", der „Auslöschung" tragen. Bernhard beschreibt, wie er mit der Preissumme des Campe-Preises ein neues Auto kauft, einen weißen Triumph Herald mit roten Ledersitzen und nach Jugoslawien fährt, um seine Erzählung „Amras" zu schreiben. Er beschreibt den Tag, die Luft klar und würzig, auf dem Meer kreuzen Schiffe, als er endlich das Gefühl hat, „mit keinem Menschen auf der ganzen Welt tauschen zu wollen." Und er deutet an, was er vielleicht für ein Schriftsteller geworden wäre, wenn er sich nicht dafür entschieden hätte, das Charakterschwein der deutschen Literatur zu sein.
-- Bernhard nimmt den „Kleinen Staatspreis" also an. In Anwesenheit des österreichischen Kulturministers Theodor Piffl-Perčević hält er eine kurze Rede, deren Anfang so banal wie programmatisch ist: „Es ist alles lächerlich, wenn man an den Tod denkt."
Dieser Satz beschreibt Thomas Bernhards Selbstbefreiung von jeder Moral, entbindet ihn von allen Pflichten. Es ist symptomatisch, dass der Satz zu den meistzitierten Thomas Bernhards zählt.
-- Bernhard wäre aber nicht er selbst, hätte er die Bühne bloß für eine Offenbarung Schopenhauer'scher Skepsis genützt. Schon wechselt er pseudokritisches Kleingeld, natürlich in österreichischer Währung.
-- „Wir sind Österreicher, wir sind apathisch; wir sind das Leben als das gemeine Desinteresse am Leben, wir sind in dem Prozess der Natur der Größenwahn-Sinn als Zukunft."
In diesem, mit Verlaub, sinnlosen Satz kristallisieren sich sowohl der künstlerische Impetus des Schriftstellers Bernhard als auch seine gesellschaftliche Wirkung. Unverständliche Sätze, die sich an irgendwelchen Schlüsselworten entlang hanteln, unargumentierte Ressentiments, aber der Minister springt sofort auf, schreit: „Wir sind aber trotzdem stolze Österreicher!" und verlässt den Saal.
-- Bernhard aber geht vergnügt nach Hause und schreibt auf, dass ihm der Minister, der ehemalige Sekretär der steiermärkischen Landwirtschaftskammer, mit seinem Schnauzbart schon immer ein Gräuel gewesen sei, „es mag sein, dass er etwas von steirischen Kälbern und Kühen und von obersteirischen Schweinen und von untersteirischen Mistbeeten verstand, von Kunst und Kultur verstand er jedenfalls nichts."
Geschmunzelt? So funktioniert Thomas Bernhard. Thomas Bernhard: „Meine Preise". Suhrkamp, 30,90 Franken. http://www.christianseiler.com/die-kunst-gemein-zu-sein.html

• 2014-01-12 http://www.schauspielhaus-graz.com/schauspielhaus/stuecke/stuecke_genau.php?id=17816(Holzfällen)

Heldenplatz: Selbstmord eines intellektuellen österreichischen Juden, ein Emigrant der nach der Rückkehr nach Wien, von seiner Wohnung am Heldenplatz in den Tod springt.
ZEITZEUGEN
Hr. Kreisky+? (SPÖ Bundeskanzler) Das darf man sich von T. B. nicht gefallen lassen
Hr. Zilk? (Bürgermeister von Wien) Die paranoische Selbstdarstellung eines Menschen.
Hr. Haider? (FPÖ Chef) Hinaus mit diesem Schuft aus Wien.
Hr. Sichrovsky (Zur Zeit EU Abgeordneter der FPÖ in Brüssel) Hier läßt ein Bochumer Theaterdirektor, einen Wiener Juden bellen wie einen deutschen Schäferhund.

Zu guter Letzt werden dann alle Dinge, die er zu Lebzeiten besessen hat, irgendwo zusammengetragen, als sogenannte "Sammlung", entweder in einer Villa oder in einem Schloß, das er sich selbst nie hätte leisten können und die Leute gehen dort hinein und gaffen alles an, und sagen, "schau, das ist die Jacke, die er getragen hat... "oder "schau, da hat er einen Zettel vollgekritzelt..," und der, um den es eigentlich geht, der kann vielleicht zuschauen und lacht über das ganze Theater und die Gedanken der Leute beim Anschauen der Sammlung, wie er zu Lebzeiten schon das meiste lächerlich gefunden hat und keiner von denen da unten weiß ...ist es eine Komödie, oder ist es eine Tragödie ?...
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https://picasaweb.google.com/110755859271321809326/MUSIK?noredirect=1#5303842570514747298(BernhardGedenkenDürrenschöberlMusikMayer)
https://picasaweb.google.com/110755859271321809326/Totenbuch#5732452478379045058(Grab)
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