brunowanderer Administrator
Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 10.09.2006 Beiträge: 357 Wohnort: Wien / Oberzeiring
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Verfasst am: 23.11.2012, 02:25 Titel: GRÜNMANDL (Humor) |
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KUNST/INHALT Zitate-Humor

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Sternstunden des Humors
Sonntag 12. September 2010 Ö1
Otto Grünmandl 1924-2000: "Ich bin Komiker".
"Höret, was Erfahrung spricht: Hier ist's so wie anderswo. Nichts Genaues weiß man nicht, dieses aber ebenso."
Mit seinen fantastischen Geschichten gewährte er immer wieder Einblicke in die Absurditäten des Lebens. Für sein Publikum war er Kaiser Nero, er nahm am "Einmannstammtisch" Platz, er präsentierte sich als Mann aus der Wirtschaft, als wilder Papagei oder berief das alpenländische Inspektoreninspektorat ein: Otto Grünmandl.
Ein ungewöhnlicher Kabarettist, der Zeit seines Lebens der Methode des ganz normalen Wahnsinns auf der Spur war. Und dabei wurde Otto Grünmandl in unterschiedlichsten Sparten aktiv: Der 1924 geborenen Tiroler aus Hall arbeitete als Hörspielautor und Schauspieler, als Textilkaufmann, Schriftsteller und Kabarettist. Er selbst verstand sich in erster Linie als Komiker. Und in dieser Rolle konnte Otto Grünmandl ganz unnachahmlich zum Ausdruck bringen. Der Vorhang geht auf... und zwar in Flammen!
Höret was Erfahrung spricht: hier ist's so wie anderswo.
Nichts Genaues weiß man nicht, dieses aber ebenso.
Mit Aussprüchen wie diesem verführte Otto Grünmandl sein Publikum gerne zu launigen Gedankenspielen, deren Ziel es war, Sachverhalte einmal aus einer anderen, einer neuen Perspektive zu betrachten. Genaue Beobachtungsgabe und die Liebe zum Detail waren die wesentlichen Zutaten, die Grünmandls unkonventionelle Geschichten ausmachten. Und danach gefragt, führte er den Erfolg eben dieser Geschichten auf deren ökonomisch rationalisierte Gestaltungsweise zurück, eine Methode, die er sich von der Wirtschaft abgeschaut hat.
"Ein Komiker muss ja nicht immer aus der Politik kommen", sagte Otto Grünmandl und bezeichnete sich in einem seiner Programme daher folgerichtig als "Mann aus der Wirtschaft". Und das war er ja auch irgendwie, denn bevor er Anfang der 1970er Jahre mit seinem Kollegen Theo Peer die alpenländischen Interviews zusammenstellte, bevor er sich der Kunst zuwandte, arbeitet der Tiroler in der Textilbranche.
Zwischen dem Komiker und dem Kaufmann sah Grünmandl auch im ganz normalen Leben sehr wohl Parallelen: "Man muss in beiden Fällen versuchen, die Kundschaft zu gewinnen. Als Kaufmann muss man anfangen darzustellen, zu schildern, zum Teil auf Bedürfnisse eingehen - das hat nichts mit Bescheißen zu tun, das ist eine Art von lustiger Aufklärung darüber, was man hat und was man nicht hat. Beim Kabarettisten ist es nicht ganz so, man hat es ja meist nicht nur mit einem Einzelnen zu tun, man hat ein Publikum als Gesprächspartner - wenn's gut geht."
Alpenländische Interviews
"In den alpenländischen Interviews beschäftige ich mich mit Spielarten des Österreichers. Das war nicht spezifisch tirolerisch von der Absicht her. Ich bin in Tirol geboren und aufgewachsen und da integriert man schon einiges in die eigene Person." So beschrieb Otto Grünmandl seine ersten Ausflüge in das kabarettistische Fach.
Stets schmückte Grünmandl seine Szenen und Geschichten mit reichhaltigen Detailkenntnissen. Das Chaos, erklärte der im März 2000 verstorbene Künstler einmal, das Chaos ist die gleichzeitige Anwesenheit vieler verschiedener Ordnungen. Auf wunderbare Weise schaffte er es als Erzähler, sein Publikum mit auf seine oft absurden Gedankenreisen mit zu nehmen. Und mit einem Mal konnte man die tragischen Tücken des Schicksals auch von ihrer komischen Seite sehen - ein Verdienst des Komikers.
Das Alpenländische Inspektoreninspektorat in Aktion Alpenländisches Inspektoreninspektorat
Mit Programmen, wie "Politisch bin ich vielleicht ein Trottel, aber privat kenn' ich mich aus", "Ein Fußbad im Schwarzen Meer", "Ich komme aus der Wirtschaft" oder mit dem "Alpenländischen Inspektoreninspektorat" wurde Otto Grünmandl - wie es Gerhard Polt einmal formulierte - zum Erzähler der skurrilen Wahrheit. Der tiefere Sinn von Grünmandls Geschichten, war - wenn überhaupt - dem höheren Unsinn verpflichtet. Und sein Publikum schätzte ihn als Meister der spröden wie feinsinnigen Erklärungsmodelle.
Egal ob er über das labyrinthische Wesen der Straßenverkehrsordnung sinnierte oder über die Maßnahmen, die es zu ergreifen gilt, wenn ein Mensch mit zu weit auseinander stehenden Zähnen Brot kaut, dabei aus dem Fenster sieht und die Fassade ansabbert. Letzteres war einer der typischen Fälle, bei dem das alpenländische Inspektoreninspektorat aktiv werden musste.
"Kabarettist ist eine Sache, die mit Öffentlichkeit zu tun hat. Weil wenn einer nur so vor sich hinschimpft und grantelt, das ist ja dann kein Kabarettist. Es genügt auch nicht, wenn man hergeht und ein paar Leute ärgert, das ist auch zu wenig. Es muss eine gewisse Anzahl an Personen sein, die man anspricht. Und da muss man sich Gedanken darüber machen, was man bringt und wie man's bringt und wo man's bringt. Wann, die Frage erledigt sich sofort: in den meisten Fällen macht sich ein Kabarettist abends zwischen 20:00 und 23:00 Gedanken. Während der übrigen Tageszeit, da weiß man nichts Genaues."
Ö1 Sommerserie Aufgezeichnet von Silvia Lahner und Ursula Burkert _________________ FORUMADMIN HP |
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