Phoebe

Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 04.02.2007 Beiträge: 72 Wohnort: Brachbach (nähe Siegen)
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Verfasst am: 01.11.2007, 20:41
Titel: Die Reifeprüfung |
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Heute verordnete ich allen meinen Pferden einen Ruhetag. Allen – bis auf einer kleinen braunen Stute. No Way stand heute eine schwere Prüfung bevor. Wir hatten ja hart an ihr gearbeitet, als sie zu uns kam, kannte sie nichts und niemanden und war sehr scheu. Mittlerweile hat sie sich prächtig entwickelt, sie schreckte zwar hin und wieder immer noch vor alltäglichen Dingen, aber alles in Allem war sie „desensibilisiert“. Ich schlenderte aus der Villa über den Hof, an dem großen Paddock vorbei, wo eine hübsche Scheckstute ihre Kreise zog. Es war die 2jährige True von Bibs, die ich vielleicht bald mein Eigen nennen durfte. Ich schaute ihren künstlerischen Manövern eine Weile zu. Ich stützte meine Arme auf das Gatter und hing meinen Gedanken nach. Einige Meter vor mir blieb die hübsche Stute stehen und schaute mich mit einem schief gelegten Kopf an, während sie mit dem Vorderhuf im Boden scharrte. Leise flüsterte ich ihr ein Geheimnis zu und riss mich nun endlich von ihr los, denn meine süße No Way stand schon aufgeregt in ihrer Luxusbox und wartete, sie stupste mich liebvoll an. „Na meine Maus, heute Abend wird es krachen und du musst durchhalten!“, diese Worte begleiten mich während ich die Stute ordentlich striegelte. Gegen 23.00 Uhr flackerte das Licht, das den Stall beleuchtete kurz auf. Ich blickte besorgt nach oben und schnaufte noch einmal durch. Schnell noch den Sattel und die Trense angelegt und schon dann führte ich die kleine auf den Hof und stieg wenig später in den Sattel. No Way tänzelte unruhig umher und ließ sich von meinen beruhigenden Worten nur wenig besänftigen. Denn heute….war HAALLOOWEEEENNN! Und da geht es in Kalifornien immer sehr abenteuerlich zu, schreiende Kinder in gruseliger Verkleidung und ordentlich Feuerwerkskörper. Für No Way war das eine große Herausforderung und ebenso für mich, und mit diesem doch etwas mulmigen Gefühl verließen wir nun im zackigen Schritt den Hof in Richtung Städtchen. Von weiten sah man schon die Lichter von Fackeln oder den Laternen der kleinen Kinder. Die Ohren der Stute drehten sich in alle Himmelsrichtungen und ihr Schweif ging 1:100 doch ich bemühte mich ruhig und gelassen zu bleiben und meine Aufregung zu unterdrücken. Es gelang mir anscheinend ziemlich gut, denn No Way entspannte sich langsam und marschierte tapfer die Straße entlang. Lobende Worte drangen an ihr Ohr als ich sie nach jedem 10. Schritt lobte und die Zügel lockerte. Die ganze Geschichte dauerte um die 45 Minuten und nur einmal wurde mir schwummrig, und zwar als ein hyperaktiver Junge kreischend aus einer Hecke hervorsprang und das „Monster aus der blauen Lagune“ imitierte, lief es sogar mir eiskalt über den Rücken, von meiner Stute ganz zu schweigen, die sprang aus dem Stand einen halben Meter hoch und stieg ein kurzes abgehacktes Wiehern aus, doch dann war der Schreck überstanden und wir kehrten frohen Mutes auf den Hof zurück. Um kurz vor Mitternacht erreichten wir das Gestüt und sprang erleichtert aus dem Sattel. Dann führte ich die kleine in den Stall und schloss hinter ihr die Boxentür, brachte ihr noch einige Apfelstückchen. Als ich den Stall verließ, blieb mir fast das Herz stehen. Bibs, Claire und Anna sprangen unter wildem Geheule und Getöse von rechts und links auf mich zu und ich weckte alles im Umkreis von 100 km auf. „AAAAAAAAAAAAHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHH!!!!!!!!!!“, schrie ich und stolperte erstmal zwei Schritte zurück und landete auf dem Hintern. Da hörte ich auch schon großes Gelächter von meinen Kammeradinnen und musste schließlich doch mit einstimmen. Die Szenerie war … unbeschreiblich! _________________ *****************************
"Das Leid brachte die stärksten Seelen hervor,
die allerstärksten Charaktere sind mit Narben übersät."
"Hat ein guter Mensch Schmerzen, sollten alle, die man "gut" nennen kann, mit ihm leiden!"
"Von allen Tieren ist der Mensch das einzige, das grausam ist. Kein anderes empfindet Vergnügen dabei, andere zu quälen!" |
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