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www.TIRITOMBA.eu Das Forum der klassischen Musik für Sängerinnen und Sänger

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Nachricht |
gioachino
wie zuhause


Geschlecht: 
Anmeldungsdatum: 07.06.2007
Beiträge: 835
Wohnort: 65830 Kriftel
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Verfasst am:
23.04.2009, 00:29 |
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Liebe Fliu,
ich sehe meine Mission darin, Euch - die jungen Leute - neugierig zu machen, auch auf das Biographische, was uns beim Verständnis von Komponist und Werk ein bisschen weiter hilft, wobei wir uns hüten sollten, stets von der Vita auf das Werk zu schließen.
Manchmal verstellt uns die Kenntnis des Lebens und der Schriften sogar den Blick auf die Kompositionen, wie z. B. bei Richard Wagner, was den Juden Leonard Bernstein zu dem Ausspruch veranlasste :
" Ich verfluche ihn - auf Knien ! "
Ciao. Gioachino  |
_________________ MiniMiniDiFiDi |
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Verfasst am:
23.04.2009, 00:29 |
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Rosenkavalier
hat sich eingelebt


Geschlecht: 
Anmeldungsdatum: 16.08.2007
Beiträge: 221
Wohnort: Brüssel
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Verfasst am:
23.04.2009, 09:32 |
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Also wenn ich so an meine Musiklehrer zurück denke: Die konnten auch nicht ansatzweise Neugier auf Musik oder gar die Geschichten drumherum wecken. Gut, ist schon ein wenig länger her und außerdem war Musik bei uns in der Schule immer das erste Fach, das gestrichen wurde, aber ob sich das wesentlich geändert hat.....?!?!? Meine Erinnerungen an den Musikunterricht sind Stückwerk: Freischütz, Brandenburgische Konzerte, Quintenzirkel - das war's aber auch schon.
Und wie Fliu schon sagt: Man merkt sich eh nicht alles.
| Zitat: | | Was die Eloquenz der Kicker betrifft, lieber Rosenkavalier, sind die Zeiten der " Stammler " Möller oder Schwarzenbeck längst vorüber. |
Nochmal zu den Fußballern: Di/Mi war DFB-Pokal Halbfinale. Die Interviews mit einigen der Akteuren zeigten, dass die Zeiten von Stammlern wie Andi Möller noch lange nicht vorbei sind ......
Was mich aber nicht davon abhält, weiter Fußball zu schaun und die Leistung derer, die da auf dem Platz rumrennen, auch anzuerkennen.
LG
Rosenkavalier |
_________________ Stimmfach 2. Dame |
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prima vista
schaut öfter vorbei

Geschlecht: 
Anmeldungsdatum: 07.06.2007
Beiträge: 92
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Verfasst am:
23.04.2009, 13:59 |
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Liebe Fliu,
deinem Beitrag vom 17.04., 23 UIhr...stimme ich voll zu! - Dem ist nichts mehr hinzu zu fügen! -
Habe aus Zeitgründen noch nicht alles gelesen. Werde ich nachholen. - Es sind bestimmt noch weitere gute Beiträge dabei.
Sangesfreudige Grüße,
prima vista
P.S. Hättest du vielleicht Lust und Zeit, ein Video von den Stimmbanden über YouTube hochzuladen. - Das wäre toll! - Ihr singt so schön und so homogen, habe ich in Erinnerung! |
_________________ Respektiert das Leben ! Wir haben nur eins ! |
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Fliu
hat sich eingelebt


Geschlecht: 
Anmeldungsdatum: 06.06.2007
Beiträge: 287
Wohnort: Wien/Bez. Eisenstadt
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Verfasst am:
23.04.2009, 14:20 |
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Wir haben bereits einige Stimmbande-Videos auf Youtube, Neues gibt es im Moment aber leider nicht! Dafür sollte in ca. 2 Wochen unsere CD endlich fertig sein *aufholzklopf*
| Zitat: | | und außerdem war Musik bei uns in der Schule immer das erste Fach, das gestrichen wurde, aber ob sich das wesentlich geändert hat.....?!?!? |
In meinem Gymnasium war es so, dass man sich in der Oberstufe zwischen Bildnerische Erziehung und Musikerziehung entscheiden musste. In Musik waren wir nur zu neunt, während weit mehr die andere Möglichkeit wählten, weil dort einfach weniger verlangt wurde  |
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Salome
Mitglied

Anmeldungsdatum: 01.06.2009
Beiträge: 48
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Verfasst am:
04.08.2009, 21:34 |
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Hallo,
viele meiner Bekannten können mit Operngesang und Musik auch nichts anfangen.
Das ist ihnen einfach zu fremd. Wenn sie in eine Konzert gehen, dann wählen sie lieber ein Rockkonzert. Das spricht sie einfach mehr an. Da können sie mitmachen. Sich ein bisschen dazu bewegen, mitklatschen und vor allen Dingen mitsingen, wenn sie dazu aufgefordert werden.
Eine Bekannte von mir ist bekennende Andre Rieu Anhängerin, weil sie dort die Gelegenheit kriegt Walzer zu tanzen oder mitzuklatschen oder mitzumachen. Ich denke das ist das Erfolgsrezept von Andere Rieu, daß er die Leute auffordert mitzumachen.
Ich habe da schon viele Gespräche geführt, weil ich wissen wollte warum die meisten Leute, die ich kenne nie freiwillig in eine Oper gehen würden.
Viele haben schon Problem damit eine Stunde stillzusitzen und zuzuhören.
Rock und Rhythm and Blues geht den meisten einfach schneller in die Hüften rein. Und dieses Hüftgefühl wollen die haben. Ein bisschen Spaß haben, mitschunkeln, hoch und runter hüpfen, mitklatschen und eben auch mitgrölen oder summen.
In die Oper zu gehen stellen sich viele dieser jungen Leute einfach wie Folter vor. Manche meinten es höre sich an wie Gebrüll und Geschrei.
Es gibt auch viele Hemmschwellen, die viele einfach nicht abbauen können. Ich komme ja mit vielen Studenten zusammen, keiner den ich aus den Seminaren kenne will freiwillig in die Oper oder zu einem Liederabend. Das ist bei denen mit extremer Langweile konotiert.
Sobald Oper im Fernsehen zu sehen ist, zappen die meisten schnell weg, lieber zu etwas mit Action und Thrill. Als ob Oper kein Action und Thrill hätte. Aber du mußt halt erstmal dahintersteigen.
Der Action und Thrill vom Film ist halt viel offensichtlicher. Da gehts gleich krachbumm zur Sache, wilde Verfolgungsszenen. Computeranimation, Kampfszenen und und und die ganze Palette. Es wird wenig geredet, dafür gibts mehr Feuerwerk auf die Ohren.
Bei meinem letzten Konzert, daß ich als Zuschauer besuchen durfte gabs Mozart. Das Durchschnittsalter lag bei 80 Jahren.
Wir können echt froh sein, daß es noch Menschen gibt, die freiwillig in ein Konzert gehen.
Ich meine, das Erfolgsrezept von Andre Rieu liegt einfach in der Romantik. Da kann man mal träumen und tanzen, muß nicht ne Stunde auf dem Stuhl hocken und rumhirnen was wohl der Regisseur mit dem und dem gemeint haben könnte.
Mir ist durchaus bewußt, daß bei Calixto Bieito auch Schweineblut über die Darsteller vergossen wird.
Vielleicht ist das der letzte verzweifelte Versuch junge Leute in die Oper zu locken.
Salome |
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Eponine
Hilfestellender

Geschlecht: 
Anmeldungsdatum: 15.06.2007
Beiträge: 342
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Verfasst am:
05.08.2009, 11:35 |
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ich empfinde grundsaetzlich nicht das nichtwissen als problem, sondern nur die tatsache, wenn es mit wehenden fahnen vor sich hergetragen wird - und das findet man leider ueberall.
wer z.b. noch nie auf einem rockkonzert war, kann die atmosphaere und das besondere nicht nachvollziehen - gleiches gilt fuer die, die noch nie in der oper waren. beide musikrichtungen haben gutes und schlechtes zu bieten - beide bieten genug, um damit ein ganzes leben "studierenderweise" zu verbringen. es ist also voellig legitim, schwerpunktmaessig nur das eine oder andere zu betrachten.
weniger legitim finde ich grundsaetzlich urteile ueber etwas, was man nicht kennt, da stimme ich voll zu. man findet diese ignoranz allerdings nicht nur gegenueber klassischer musik und entsprechender hintergrundinfo. ich bin fest davon ueberzeugt, dass viele "klassiker" fragen zur popkultur genausowenig beantworten koennen.
man kann eben nicht alles wissen - ob ich nun persoenlich das liebesleben von brahms und schumann oder das von elbow und den editors (wer weiss ueber das verbindende element, das sehr praegend fuer beider musik ist, bescheid?) spannender finde, ist eben eine persoenliche entscheidung. gute (!) popmusik ist ja nicht weniger biographisch als klassische musik - und auch nicht mehr ...
ich warte dann mal auf die beantwortung der frage zu den beiden bands, lieber gioachino - 'ne million kann ich aber leider nicht zahlen ;)
ich hoffe, dass dieses kleine beispiel zeigt, dass niemand alles weiss - beide fragen sind recht speziell, und eben NICHT allgemeinbildung. das muss man persoenlich nicht gut finden, es wird sich aber nicht aendern. ich koennte beide beantworten, weil ich nur eine blut-hirn- und keine klassik-pop-schranke im kopf habe. ich weiss aber auch, dass ich im grunde nichts weiss und jeden tag neues lerne. was das ist, wird zwangslaeufig von meinen hauptinteressen bestimmt, wie bei jedem ... |
_________________ "And the day came when the risk to remain tight in a bud was more painful than the risk it took to blossom." Anais Nin |
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Salome
Mitglied

Anmeldungsdatum: 01.06.2009
Beiträge: 48
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Verfasst am:
06.08.2009, 11:20 |
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Hallo,
für viele Menschen ist der Weg zum Opernhaus sehr weit. Viele können auch mit der italienischen/französischen Sprache nichts anfangen.
Du brauchst ja bestimmte Basics um einen Aufführung zu besuchen.
Eine gute Vorbereitung ist das A und O. Standards in der Allgemeinbildung, die das Bildungsbürgertum setzt, wären auch von Vorteil.
Viele verbinden die Oper nur mit Musik und merken erst hinterher was alles dahintersteckt.
Um was von der Handlung zu verstehen, sollte man vorher noch die Handlung lesen. Zu dieser Vorleistung haben viele erstmal keine Lust. Wenn du dann im Zuschauerraum sitzt und die deutsche Übersetzung eingeblendet wird, mußt du auch erstmal lesen wollen um dem Handlungsstrang folgen zu können. Es ist ja schließlich auch Theater. Und dann die Beurteilung der Inszenierung. Das geht auch nur dann, wenn du vorher andere Inszenierungen gesehen hast. Um den Vergleich zu haben. Das wollen viele auch nicht. Es sind also einige Grundbasics nötig: Das wären:
a.) Du solltest vorher was gegessen haben (mit knurrendem Magen in der Oper zu sitzen, geht gar nicht. Möglichst nicht mit Knoblauch.
b.) Du solltest nicht zuviel gegessen haben, auch nicht zuviel getrunken, sonst rennst du ständig aufs Klo
c,) Ruhig und still sitzen sollte dir keine Schwierigkeiten bereiten
d.) nicht tanzen, nicht mitsingen, nicht aufstehen
d.) Gespräche mit dem Nachbarn sind aus Rücksicht auf die anderen Besucher nicht erlaubt
e.) Auch nicht mit dem Fuß wippen, auch nicht mit der Hand schnippen, auch nicht mit dem Kopf wackeln
f.) Möglichst immer geradeaus gucken, nicht nach rechts, nach links
g.) Um die Handlung nachvollziehen zu können, vorher das Libretto gelesen haben und möglichst auswendig können.
h) Kein Getränk mitbringen, auch kein Salzgebäck aus der Handtasche hervorkramen
i.) Dich nicht erwischen lassen, wenn du vom 3.Rang versuchst, dir noch einen Platz im Parkett zu ergattern
j.) Ein schlaues und wissendes Gesicht ziehen
k.)Rechtzeitig nach der Pause wieder am Platz zurückkehren, damit nicht die ganze Reihe wegen dir aufstehen muß.
l.) Lachen nur, wenn alle anderen auch lachen. Nicht zu laut lachen. Nur an passender Stelle lachen. Dasselbe gilt für das Klatschen..Nie als erster klatschen, warten bis das Klatschen einsetzt, dann mitklatschen und rechtzeitig wieder aufhören.
m.) nicht einschlafen und dabei laut schnarchen
Mit dieser Vorbereitung hätte der Don Giovanni ein gelungener Abend werden können. Dazu braucht es geschultes Personal und einen kleinen Einführungskurs in Sachen, "Was sind die does was sind die dont´s" was ist sozusagen das kleine Operneinmaleins.
Die meisten Leute wissen um die Basics und das ist dann auch der Grund warum sie keine Lust haben in die Oper zu gehen. Um wirklich in den Genuss zu kommen kann es nicht schaden eine wenig Bildung in Sachen Ästhetik genossen zu haben.
Der dyonisische Aspekt der Musik kommt meines Erachtens nach beim bloßen Zuschauen zu kurz.
Es ist einfach diese passive Rezeption des Bühnengeschehens was für viele einfach keinen Spaß verspricht.
Junge Leute wollen sich bewegen und mitmachen.
Und eben genau das ist meiner Meinung nach der Grund, warum Andre Rieu so begeistert.
Die Leute lachen, fühlen sich entertainet, weil sie eben direkt angesprochen werden. Sie können sich sogar bewegen, schunkeln und mittanzen.
Was will Oper heute sein? Ein sakraler Ort der Andacht und der tradierten Konventionen oder ein Ort, der das Publikum wenigstens anspricht.
Grüezi
Salome |
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Belkanta
hat sich eingelebt

Geschlecht: 
Anmeldungsdatum: 24.06.2007
Beiträge: 178
Wohnort: 90766 Fürth
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Verfasst am:
06.08.2009, 18:57 |
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Hallo,
das erlebe ich auch mit älteren Menschen sehr oft: sie wollen unbedingt mitmachen und nicht nur passiv zuhören. Es wird schon mal eine Opernarie gerne gehört und sehr akzeptiert. Aber ausschlaggebend sind meist mitreißende Melodien, ähnlich wie Andre Rieu sie bringt.
Vielleicht liegt das auch an unserer sogenannten schnell-lebigen Zeit. Jedenfalls muss ich gestehen, es geht mir selbst so: Ich muss mich bewegen dürfen und kann nicht stundenlang stillsitzen, wenn ich Musik höre, vor allem sehr ernste Musik. Vielleicht ist das auch eine Temperamentssache, ich weiß es nicht.
Viele Grüße
Belkanta |
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Salome
Mitglied

Anmeldungsdatum: 01.06.2009
Beiträge: 48
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Verfasst am:
08.08.2009, 12:02 |
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Hallo Belkanta,
ich denke das Erfolgsrezpept von Andre Rieu ist eben genaus das.
Er animiert die Leute. Neulich habe ich ein Konzert von ihm im Fernsehen gesehen, gedreht auf dem Marktplatz von Maastricht. Eine Bombenstimmung, eine gut koordinierte Inszenierung und jeder Platz war besetzt. Bei "Adieu mein kleiner Gardeoffizier" haben dann alle mitgesungen, geklatscht und geschunkelt.
Was mir einfach gut gefällt ist die Betonung auf das Nicht-Virtuose sondern auf eine gute Stimmung.
Bei meinem letzten Konzert wurde Schostakowitsch gespielt. Es war sehr düster und bedrohlich. Und ein wenig hatte es Anklänge an eine Filmmusik mit düsterem Inhalt.
Jedenfalls herrschte eine Grabesstimmung im Saal. Dann kam noch eine virtuose Violinistin und spielte sehr schwierige, virtuose Stücke, die das gut informierte Publikum mit genügend Applaus honorrierte.
Viele, die halt so ein Konzert besuchen spielen in ihrer Freizeit selber z.B Geige. Nicht so virtuos wie die Berufsviolinistin aber oft erstaunlich ambitioniert
Solche Leute sitzen natürlich mit einer ganz anderen Erwartungshaltung im Publikum.
Deswegen ist es ja so wichtig, daß Menschen ein wenig mit Musikinstrumenten, Chören, Orchestern, Kapellen in Berührung gekommen sind.
Für Leute, die das einfach nicht wollen/können ist es sogar manchmal ganz ausreichend wenn sie in der Schule jemanden kennengeernt haben, der das macht um erstmal die Musik kennenzulernen und dann auch die Leistung zu honorieren, zu respektieren.
Oft haben die Schüler ja die Wahl und wählen Musik einfach ab.
Das ist leider sehr bedenklich.
Denn die Sprache der Musik ist sehr universell und wirklich ein Geschenk.
Gruß
Salome |
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Belkanta
hat sich eingelebt

Geschlecht: 
Anmeldungsdatum: 24.06.2007
Beiträge: 178
Wohnort: 90766 Fürth
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Verfasst am:
08.08.2009, 14:40 |
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Hallo Salome,
du sprichst beziehungsweise schreibst mir aus dem Herzen! Deshalb, soweit ich ehrenamtlich die Möglichkeit habe, kämpfe ich regelrecht dafür, dass erst einmal die Menschen sehr mit Musik in Berührung kommen, vor allem, wenn sie noch jung sind.
Jetzt erzähle ich dir - das schweift hier vielleicht ein wenig vom Thema ab - was ich noch vorhabe: Zusammen mit einer Freundin und Sangeskollegin (viel jünger als ich, das gibt eine gute Zusammensetzung für unseren Plan) eine Art musikalische Früherziehung, wie ich das für Kleinkinder kenne, für ältere Menschen.
Das klingt vielleicht im ersten Moment seltsam, ist es aber gar nicht. Ich stelle immer wieder fest, dass gerade Senioren in der Schule früher praktisch keine Musikerziehung hatten und deshalb auch leider nur eine sehr begrenzte Beziehung zur Musik finden - Oper schon gleich gar nicht. Es ist doch so, wenn man nur ein wenig davon versteht, und sei es erst einmal der Anfang mit Notenkenntnissen, Rhythmusgefühl, Musikhören mit Anleitung und Selbstmusizieren (vielleicht durch Orffsche Rasselinstrumente), ist man viel aufgeschlossener für Musik.
So, jetzt habe ich dir wohl einen kleinen Vortrag gehalten. Wenn mein oder unser Vorhaben auch nur ein wenig helfen könnte, zum besseren Zuhören bei einem Konzert beizutragen, könnte das zumindest ein kleiner Meilenstein bei dem ganzen Komplex sein.
Eines fehlt uns noch und ich warte immer noch auf eine zündende Idee: Der Titel für solch einen Kurs, der eben nicht auf Kleinkinder hinweist. Einen Träger für das ganze Vorhaben gibt es schon, aber unsere Überlegungen sind noch nötig, wie wir das machen könnten.
Jedenfalls setze ich mich allerorten ein, um den Menschen Musik mehr schmackhaft zu machen. Ich finde, sie ist nicht nur ein wichtiger Bestandteil unseres Lebens, sondern sie bietet auch enorme Hilfen, die wir nutzen sollten. Fröhliche und schwungvolle Musik wie bei Andre Rieu hilft den Menschen, aber auch ernste, getragene Musik sollte unbedingt ihren Platz haben.
Viele Grüße
Belkanta |
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Salome
Mitglied

Anmeldungsdatum: 01.06.2009
Beiträge: 48
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Verfasst am:
31.10.2009, 00:03 |
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| Belkanta hat folgendes geschrieben: | Hallo Salome,
du sprichst beziehungsweise schreibst mir aus dem Herzen! Deshalb, soweit ich ehrenamtlich die Möglichkeit habe, kämpfe ich regelrecht dafür, dass erst einmal die Menschen sehr mit Musik in Berührung kommen, vor allem, wenn sie noch jung sind.
Hallo Belkanta,
das ist absolut bemerkenswert. Es wird meiner Meinung nach viel zu wenig dafür getan, dass mehr junge Menschen an der Möglichkeit Musik partizipieren können. Die klassische Musik darf nicht ein Privilleg einer kleinen Elite sein, die sich diese musikalische Bildung aus Tradition und mit einem guten finanziellen Polster sichern kann und vor allen Dingen eben leisten kann. Wenn ich aus beruflichen Gründen sehen muss, wie schlecht es viele Menschen haben und sich aus Gründen von Hartz 4 nicht das nötigste leisten können. Wie soll man da noch an eine frühmusikalische Erziehung denken? Diese Menschen sind froh, wenn sie gerade mal über die Runden kommen. Gerade gegen Ende des Monats wird für viele Menschen das Geld extrem knapp. Ich sage, die Musikschule darf nicht länger eine lokal exponierte Stellung haben .Sie muss dahin kommen wo die jungen Menschne sich aufhalten. Eine Musikschule muss und sollte an einer ganz normalen Regelschule [b]integriert sein und Bestandteil einer jeglichen Schule. Das sind wir unseren Kindern schuldig.
Bildung darf nicht länger in die Händen einer kleinen Elite kummulieren, sondern sie muss gerecht verteilt werden. Gerade in unserer Gesellschaft, die immer mehr auf Wissen basiert, brauchen Kinder eine allumfassende Bildung. Kinder nach gut und schlecht auszusortieren und ihnen dann auch noch so elementare Dinge wie Musik zu verwehren ist wahrlich eine ganz furchtbare Sache.
Wenn man sich überlegt wie teuer die Instrumente sind, und wie Kinder immer mehr in Armut leben müssen, sich nicht mal das nötigste leisten können, immer mehr verwahrlosen, dann sehe ich einen absoluten Handlungsbedarf.
Wir müssen teilen lernen. Es kann nicht angehen, dass eine kleine Gruppe gewiefter Leute, alles an sich reißt und nichts hergeben will. Ja sogar im Überfluss leben und somit die meisten anderen nichts abbekommen können. Mich wundert in der Hinsicht eh nichts mehr. Meiner Meinung nach wird sich die Situation immer mehr verschärfen, es wird zu immer größeren Verteilungskämfpen kommen, gerade in Zeiten knapper Kassen.
Mein Praktikum habe ich an einem sozialen Brennpunkt absolviert mit armen Flüchtlingskindern, die aus Afghanistan fliehen mussten. Sie alle waren traumatisiert und hatten ihre Heimat verloren.
Im Jugendhaus haben wir sie dann betreut und ihnen Mut zugesprochen.
Mir ist dann aufgefallen, dass die Nachmittagsbetreuung gar keine musikalische Erziehung beinhaltete. Ich fragte nach Flöten und Trommeln und anderen kostengünstigen Instrumenten. Die Leiterin meinte, dass die Kinder ja was "mit Dosen basteln" könnten.
An Musikinstrumente war gar nicht zu denken. Ein anderes Mädchen wäre so gerne ins Ballett gegangen, aber ihre Mutter konnte ihr den Unterricht nicht bezahlen.
Ich sage, diese speziellen Schulen gehören kostenlos in jede Schule integriert. Spätestens mit den Ganztagsschulen müsste etwas in dieser Richtung passieren.
Die Produktion von musikalischer und damit sozialer Ungleichheit an den Schulen vermag nur für einen kleinen Teil die attraktive Teilhabe an dieser Gesellschaft zu sichern, der große Teil muss deswegen leer ausgehen. Es ist vergleichbar mit einer großen Torte. Wenn zwei sich die ganze Torte schnappen, statt die Torte gerecht zu verteilen bleibt halt für den Rest nichts mehr übrig. Nur weil die wenigen zuviel haben, haben die meisten zu wenig an Bildung. Ich meine jetzt hier natürlich die musikalische Bildung aber auch andere Bereiche. [/b]
Jetzt erzähle ich dir - das schweift hier vielleicht ein wenig vom Thema ab - was ich noch vorhabe: Zusammen mit einer Freundin und Sangeskollegin (viel jünger als ich, das gibt eine gute Zusammensetzung für unseren Plan) eine Art musikalische Früherziehung, wie ich das für Kleinkinder kenne, für ältere Menschen.
Das schweift überhaupt nicht vom Thema ab. Es gibt immer mehr ältere Menschen und sie brauchen immer mehr unsere Hilfe. Je älter sie werden, desto größter ist die Wahrscheinlichkeit, dass sie an Demenz erkranken. Und für solche Fälle bedarf es geeignete erwachsenenpädagogische Maßnahmen, die Musik gehört da auf jeden Fall dazu.
Früher waren wir eine Gesellschaft, die von einem starken jungen Sockel getragen wurde. Heute hat sich der Sockel umgedreht. Es gibt immer mehr alte Menschen und immer weniger Junge. Darauf muss die Gesellschaft reagieren und deswegen gibt es das neue Berufsfeld Altenbetreuerin. Das sind Menschen, die sich speziell um die Freizeit von alten Menschen kümmern. Sie lernen z.B mit Alzheimerpatienten umzugehen und zwar nicht im Sinne einer Pflege sondern im Sinne einer Freizeitgestaltung.
Das klingt vielleicht im ersten Moment seltsam, ist es aber gar nicht. Ich stelle immer wieder fest, dass gerade Senioren in der Schule früher praktisch keine Musikerziehung hatten und deshalb auch leider nur eine sehr begrenzte Beziehung zur Musik finden - Oper schon gleich gar nicht. Es ist doch so, wenn man nur ein wenig davon versteht, und sei es erst einmal der Anfang mit Notenkenntnissen, Rhythmusgefühl, Musikhören mit Anleitung und Selbstmusizieren (vielleicht durch Orffsche Rasselinstrumente), ist man viel aufgeschlossener für Musik.
Auf jeden Fall. Gerade die Musik, die unsere Gefühle anspricht, kann der Schlüssel sein um verkrustete emotionale Blockaden zu lösen, die sich mit der Zeit immer mehr verhärtet haben.
So, jetzt habe ich dir wohl einen kleinen Vortrag gehalten. Wenn mein oder unser Vorhaben auch nur ein wenig helfen könnte, zum besseren Zuhören bei einem Konzert beizutragen, könnte das zumindest ein kleiner Meilenstein bei dem ganzen Komplex sein.
Dein Vortrag ist aber wirklich interessant und spricht aktuelle politische und gesellschaftliche Themen an, denen wir uns in Zukunft zu stellen haben.
Eines fehlt uns noch und ich warte immer noch auf eine zündende Idee: Der Titel für solch einen Kurs, der eben nicht auf Kleinkinder hinweist. Einen Träger für das ganze Vorhaben gibt es schon, aber unsere Überlegungen sind noch nötig, wie wir das machen könnten.
Jedenfalls setze ich mich allerorten ein, um den Menschen Musik mehr schmackhaft zu machen. Ich finde, sie ist nicht nur ein wichtiger Bestandteil unseres Lebens, sondern sie bietet auch enorme Hilfen, die wir nutzen sollten. Fröhliche und schwungvolle Musik wie bei Andre Rieu hilft den Menschen, aber auch ernste, getragene Musik sollte unbedingt ihren Platz haben.
Das stimmt. Gerade Viele Menschen fühlen sich von Andre Rieu angesprochen, weil sie wegen der Walzermusik an ihre Jugend erinnert werden, als sie Walzer lernten, z.B für den Abschussball. Gerade das Walzertanzen wirkt wie ein Jungbrunnen. Sogar mir wird ganz schwummrig wenn Franz mich zum Walzer bittet. Mein Lieblingswalzer ist der Walzer von Cachaturia Walzer triste.
Ich bin mal gespannt wann Andre Rieu nach Stuttgart kommt.
Viele Grüße
Salome
Viele Grüße
Belkanta |
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Belkanta
hat sich eingelebt

Geschlecht: 
Anmeldungsdatum: 24.06.2007
Beiträge: 178
Wohnort: 90766 Fürth
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Verfasst am:
31.10.2009, 10:14 |
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Hallo Salome,
in Sachen Hilfe durch Musik kann ich dir weiteres Neue berichten. Ich kenne ein sehr groß angelegtes, offensichtlich genügend auch durch Sponsoren gedecktes Projekt, das ich ausgezeichnet finde:
Kinder und Jugendliche, die selbst große Schwierigkeiten im Leben haben, sei es aus gesundheitlicher Sicht oder auch durch ein sehr problematisches Elternhaus, erhalten Musikunterricht instrumental und auch im Chorgesang - speziell dort, wo ihre Interessen liegen (Instrumente dafür stehen auch zur Verfügung). Das finde ich einen Riesenschritt in unserer heutigen Ich-Gesellschaft. Es kümmern sich Fachkräfte um diese Kinder, sowohl auf psychologischen wie auf musikalischen Gebieten. Und das Ganze hat meine größte Hochachtung. Denn ich weiß auch aus eigener privater Erfahrung, was man mit Musik erreichen kann - oft, wenn gar nichts anderes mehr geht.
Beim Singen mit Demenzkranken denke ich mir jedesmal wieder: Es ist gar nicht zu beschreiben, was Menschen musikalisch hier noch können, auch wenn man sie sonst als geistig total weggetreten bezeichnen würde.
Und dann weiß ich noch etwas aus eigener Erfahrung: Um fit zu bleiben, wenn man im eigentlichen Beruf eine sehr lange Zeit nicht tätig sein kann und nur das Hausfrauen-Dasein hat, ist musikalische Arbeit (bei mir ist es mein Gesangsensemble) ein unglaublicher Aufmunterer, bei dem mit den Jahren sehr viel Neues dazugelernt werden kann.
Ich freue mich sehr, hier in dir eine Diskussionspartnerin gefunden zu haben, die mich in vielen Gedanken und Handlungen so anspricht.
Viele Grüße
Belkanta |
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Schneeflocke
junges Mitglied

Geschlecht: 
Anmeldungsdatum: 23.04.2010
Beiträge: 24
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Verfasst am:
16.01.2011, 20:19 |
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"Jetzt erzähle ich dir - das schweift hier vielleicht ein wenig vom Thema ab - was ich noch vorhabe: Zusammen mit einer Freundin und Sangeskollegin (viel jünger als ich, das gibt eine gute Zusammensetzung für unseren Plan) eine Art musikalische Früherziehung, wie ich das für Kleinkinder kenne, für ältere Menschen."
Genau so einen Prospekt habe ich kürzlich in der Musikbücherei gefunden, da wurde "Musikalische Späterziehung" angeboten.
Deutschland (aber nicht nur Deutschland) ist aber nicht deshalb so "arm" weil den Älteren die musikalische Vorbildung fehlt - gerade DIESE Altersgruppe, so etwa ab 70 aufwärts ist doch diejenige die noch Volkslieder kennen und singen, und dafür brauchen sie keine musiktheoretischen Kenntnisse und müssen auch nicht wissen wer sich nach dem Tod ihres Ehegatten um Clara Schumann gekümmert hat (das hätte ich auch nicht gewusst, aber jetzt weiß ich es).
Nein, das Problem ist das "Mittelalter". Die heutige mittlere Generation ist mit amerikanischer Dudelmusik aufgewachsen, und wessen "musikalische Muttermilch" dies gewesen ist, der findet klassiche Musik "öde" und "stinkweilig", um die Aussagen der zu Anfang genannten Fußballer zu zitieren. Ob diese Leute wohl, wenn sie in Rente sind und Zeit haben, noch einen Kurs in "Musikalischer Späterziehung" besuchen werden oder im Altersheim Volkslieder singen? Das glaubt ihr ja wohl selber nicht...
Schneeflocke |
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