Mia Reitschüler
Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 10.10.2006 Beiträge: 3 Wohnort: München
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Verfasst am: 15.10.2006, 19:07 Titel: Opus und der Baum |
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Das Wetter war etwas trüb als ich die Auffahrt zum Stall hochfuhr. Ich ging gleich zur Futterkammer und holte einige "Bestechungskarotten".
Im Stall war es noch ziemlich ruhig, weil es noch sehr früh war. Opus stand mit aufgerichteten Ohren in seiner Box und schnaubte aufgeregt. Es war mir ein Rätsel wie ein Pferd so viel Tatendrang besitzten konnte.
"Na mein Süßer gut geschlafen? Schau mal ich hab was für dich."
Etwas lustlos knabberte Opus die Karotten. Er erwachte erst wieder als ich das Halfter vom Hacken nahm und die Boxentüre öffnete. Sofort tänzelte Opus in seiner Box und ich bekam seinen Kopf nicht zu fassen.
"Jetzt ists aber mal gut." schimpfte ich und gab ihm einen Klaps. Das half und so ließ er sich ruhig das Halfter anziehen. Seine Hufe klangen hohl auf dem Boden der Stallgasse. Draußen war es schon ziemlich frisch, doch während dem Putzen kam ich schon ganz schön ins schwitzten. Aber da Opus´s helles Fell immer sehr schnell dreckig und ecklig aussah nahm ich es mit der Fellpflege sehr genau. Opus dößte mit gesenktem Kopf vor sich hin, wie er es immer tat. Erst als ich mit Sattel und Trense aus der Sattelkammer kam erwachte sein Lebensgeist wieder. Ich beeilte mich nicht und kontrollierte alle Schnallen und Riehmen mehrmals. Opus musste lernen, dass nicht er bestimmte wann wir mit dem Reiten anfangen. Ich stieg gleich am Putzplatz auf. Opus tribbelte auf der Stelle, ging aber nicht los. Das ließ ich gelten und so setzte ich mich langsam im Sattel ab. Ich nahm sofort die Zügel richtig auf und ritt in Richtung Wald. Opus´s ganzer Körper war angespannt. Er wollte rennen, obwohl er sichtlich Angst hatte vorm Gelände. Seine Ohren zuckten unsicher und er schwenkte ständig seinen Schweif, obwohl kaum noch Fliegen unterwegs waren. Im Wald war es herrlich still, nur ein paar Vögel hatten schon zum morgentlichen Konzert gerufen. Ich gab Opus eine halbe Parade und drückte leicht meine Schenkel an ihn. Etwas zu schwungvoll sprang er in den Trab und ich musste ihn sofort wieder zurück halten. Doch bald hatte er den ersten Übermut hinter sich gelassen und wir trabten durch den laubbedeckten Wald. Das raschelnde Laub machte Opus total nervös aber ich dachte, dass es sich schon legen würde, wenn wir noch ein bisschen weiter machten. Ich ließ meine Gedanken schweifen. Doch plötzlich wurde ich von Opus unsanft in die Realität zurück geholt. Er haute alle seine Hufe in den Boden und machte eine solche Vollbremsung, dass wir noch einige Zentimeter über den Boden schlitterten. Ich wurde nach vorne geschleudert. Doch ich hatte mich bald wieder gefangen. Das war auch gut so, denn nun wollte Opus nur noch ein, WEG!! Er ging rückwärts und als ich ihm das nicht erlaubte, seitwärts ich hatte alle Mühe ihn zum stehen zu bringen. Die ganze Zeit hatte ich gar nicht darüber nachgedacht was Opus so erschreckt haben könnte. Doch jetzt da er einigermaßen still stand sah ich suchend auf. Und da sah ich das "Monster" von dem Opus so schreckliche Angst hatte, es war ein umgefallener Baum, der quer über dem Weg lag. Nicht besonders groß oder dick.
"Du bist mir schon so ein Stadtpferd, maaan das ist n Baum!!" lachte ich.
Jetzt konnte ich für seine Reaktion überhaupt kein Verständniss mehr aufbringen und so trieb ich ihn bestimmt vorwärts. Ich blieb vor dem Baum stehen. Opus schnaubte aufgeregt und wollte schon wieder die Flucht ergreifen, aber diemal war ich vorgewarnt und so konnte ich ihn zurück halten. Nach einigen Minuten schnuffelte er neugierig an dem Baumstamm rum und fand sogar einige Blätter an denen er rumknabberte.
"Na? Ist das jetzt so schlimm? Ach mein kleiner Spinner!"
Ich tätschelte Opus glänzenden Hals und er schnaubte zufrieden.
Ich wendete ihn und ritt den Wald weg gut 20 Meter zurück. Ich wendete wieder und trabte an. Nach wenigen Metern galoppierte ich an und ritt Opus direkt auf den Baumstamm zu. Ich trieb ihn ordentlich vorwärts um keine Unsicherheit aufkommen zu lassen. Opus was sehr angespannt aber hatte sichtlich Spaß am galoppieren. Kurz vor dem Baum drückte ich nochmal meine Beine an Opus´s erwärmten Körper und drückte mich aus dem Sattel. Ich zweifelte nur einen klitzekleinen Moment doch Opus sprang, zwar im Verhältnis zu dem eher kümmerlichen Baum viel zu hoch, aber er sprang und das war die Hauptsache. Nach der Landung nahm ich die Zügel in eine Hand und lobte ihn mit der anderen. Ich ließ ihn noch weiter galoppieren. Erst so schnell er wollte, und der wollte sehr schnell..., dann nahm ich ihn zurück und galoppierte in Versammlung weiter. Die letzte Viertelstunde bis zum Stall ging ich im Schritt und Trab. Als wir am Stall ankamen war Opus nahezu trocken und da die Sonne nun rausgekommen war und die Luft erwärmte brachte ich Opus ohne Decke auf die Koppel. Er genoss es sichtlich und wälze sich ausgiebig. |
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