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Adventsfensterchen, das Vierte (4.12.) |
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Verfasst am: 04.12.2006, 00:40 |
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| dola |
| Allwissender |

Geschlecht:  |
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| Anmeldungsdatum: 12.04.2006 |
| Beiträge: 713 |
| Wohnort: FFB, |
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Ihr Lieben, ;-)
trotz der vielbeschworenen Besinnlichkeit dieses Zeitabschnitts fehlt mir ein wenig die Muse für ein Gedicht oder ein Rezept.
Ich sah mich aber angesichts der Tatsache, dass ich gefordert war, das wohl berühmteste Weihnachtslied zu interpretieren, dazu inspiriert, mir Gedanken zu machen darüber, wer und was hinter Dichtung und Komposition des "Stille Nacht" vor fast 200 Jahren stand.
Entstanden ist das Lied 1818 in Oberndorf bei Salzburg in Zusammenarbeit des dortigen Pfarrers Josef Mohr als Texter mit dem Kirchenmusiker Franz Xaver Gruber. Zur Christmette des genannten Jahres wurde es uraufgeführt.
Es ist nicht alles historisch belegt, was hierzu an Geschichten im Umlauf ist, aber Tatsache war wohl, dass die Christmette wegen gravierender Hochwasserschäden in der Kirche zu Oberndorf musikalisch improvisiert werden musste und ohne Orgelspiel stattfand. Und, was dem Vorstellungen Josef Mohrs sehr entgegenkam: Man löste sich vom Latein.
Bewegend ist die Lebensgeschichte Josef Mohrs. Geborern als nichteheliches Kind einer bitterarmen Frau, war es alles andere als selbstverständlich, dass er Priester werden konnte. Er muss sehr begabt gewesen sein, um überhaupt Förderung für dieses Studium zu erlangen. Die nichteheliche Geburt war zudem ein weiteres Hindernis, er benötigte eine Sondergenehmigung des Papstes.
Mohr stand für eine eher aufgeklärte Richtung der Kirche zur damaligen Zeit. Das manifestierte sich vor allem in dem betreben, in der Muttersprache zu predigen. Ihm war wichtig, dass das Volk in seiner Heimatsprache die Botschaft verstand. Dies wurde ihm fast zum Verhängnis, weil er nach dem Tod seines langjährigen Mitbruders mit einem konservativ denkenden Kleriker zusammenarbeiten musste, der dies missbilligte. Es ist den Berichten zu entnehmen, dass eine Schlammschlacht gegen Mohr entfesselt wurde, in der auch seine Herkunft durch den Schmutz gezogen wurde und die seinen Stand in der Gemeinde ernsthaft gefährdete. Noch in dieser Situation entstand das Lied.
Diese Informationen machen sehr nachdenklich. Mag uns die Art der Textung oberflächlich betrachtet sentimental vorkommen, so ist es doch wahrscheinlich, dass Josef Mohr auch die Verletzungen, die er durch die Diskriminierungen aufgrund seiner Herkunft erleiden musste, dort verarbeitet hat.
Auch Franz Xaver Gruber war ein Handwerkersohn. Man sagt, dass auch er Probleme mit Mohr gehabt haben soll, bevor sie ziemlich spontan, aus der Not geboren, eine Zusammenarbeit entwickelt haben, deren Ergebnis, ohne dass die beiden es ahnen konnten, bereits 200 Jahre Erfolg hat.
Dies sind nur einige gefilterte Punkte aus dem ganzen Geschehen. Diese Darstellung erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit.
Das berühmteste Weihnachtslied, denke ich, verdient es, unbeeinflusst von Kaufhausgedudel und Genervt - Sein davon, es in allen Variationen vorwärts und rückwärts zu hören, ernsthaft, durchaus zeitgemäß, aber mit Tiefgang interpretiert zu werden
Schöne Adventszeit111 weihnachten18
dola |
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_________________ Will der Alltag dich bezwingen,
geh dir einfach einen singen!!! |
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Verfasst am: 04.12.2006, 00:40 |
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Re: Adventsfensterchen, das Vierte (4.12.) |
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Verfasst am: 08.12.2006, 21:22 |
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| EmmyNoether |
| Mitglied |
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| Anmeldungsdatum: 22.04.2006 |
| Beiträge: 156 |
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| dola hat folgendes geschrieben: |
Das berühmteste Weihnachtslied, denke ich, verdient es, unbeeinflusst von Kaufhausgedudel und Genervt - Sein davon, es in allen Variationen vorwärts und rückwärts zu hören, ernsthaft, durchaus zeitgemäß, aber mit Tiefgang interpretiert zu werden
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Hallo dola,
wie schön, das zu lesen,
wie schön, daß Du es gesungen hast!
"Stille Nacht" ist für mich ein Leidensthema:
ich singe in verschiedenen Formationen, und Jahr für Jahr laufe ich mit meinem Wunsch, einmal im Leben "Stille Nacht" richtig schön zu singen, ins Leere. Oder anders noch: ich muß meinen Geisteszustand und Geschmack infrage stellen lassen. Zunächst wird mein Ansinnen jedoch stets für einen Witz gehalten...
Gruß v. Emmy |
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