suesses_hundi[RM]

Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 22.11.2006 Beiträge: 65 Wohnort: Österreich, Linz
|
Verfasst am: 24.11.2006, 01:07 Titel: Skilla |
|
|
In einer gut sortierten Welt, hoch oben hinter den sieben Hochhäusern lebte ein Babykind-mädchenfraugreisinnenvamp namens S., aber man nannte sie Skilla. Sie goss sich ständig Rote Wahrheit in Gläsern und andere Gesöffe in ihren Durchlauferhitzer.
Ab und zu (oder auch öfter) gönnte sie sich ein wenig Warmes und fütterte ihre fleischfressende Pflanze, die sie ständig und überall hin begleitete.
Ihr Verzweiflungsschrei, der ihr vor sieben Jahren aus dem Mund flog, hatte in Sinai schlafende Hyänen der Norm geweckt, die sie noch immer nachts in ihren Träumen verfolgten.
Der Schrei hatte sich, nachdem er die Hyänen unsanft geweckt hatte, auf Lichtgeschwindigkeit beschleunigt und terrorisierte seitdem aus Langeweile oder nur so zum Spaß Obrigkeiten aus aller Welt mit Gehirnattacken aus einem Brei von Substantiven, Personalpronomen und leeren Versprechungen.
Hieraus resultierten zahlreiche Musikrevolutionen und Amnesty International setzte sich für gequälte Gitarren und Keyboards ein. Soviel dazu.
Skilla jedoch lief mit Taschentüchern in den Ohren durch die Großstadt und suchte den, der die Hyänen zurück in die Wüste schickt, ihren Mr.Richtig.
- I Der Leguan -
Skilla stand früh morgens auf und besuchte ihren einzigen wahren Genossen, den alten Stadtleguan. Er lebt an einem Abwasserkanal am Ende der sortierten Welt, wo sie beginnt, etwas unsortierter zu werden, und weiß beinahe annähernd alles, was man wissen muss. Auf alles hat er eine Antwort und er kann stundenlang zuhören.
Bei dem Abwasserkanal angelangt rutschte Skilla den schmalen, schlammigen Pfad zu den Austauschbecken hinunter und begrüßte Leguan, der auf seinem Stammplatz, einem grasbedeckten Stein, saß und sinnierte. Cool wie immer, bewegte er nur kurz den Kopf, als er Skilla wahrnahm. Sie setzte sich und sie schwiegen eine Weile nur so vor sich hin, während die Austauschbecken emsig austauschten, was es auszutauschen gab.
" Die Hyänen sind nah, ich muss wieder um die Häuser ziehen " unterbrach Skilla die Stille,
" wir werden uns nicht mehr so oft sehen wie bisher ".
Er streckte ihr nur kurz die Zunge heraus. Da war es wieder, das unverkennbare Wissen Leguans. In seiner Weisheit, die er auf seinem Grasstein angehäuft hatte, erkannte er lange vor ihr, dass es so wesentlich leichter fällt, einen Genossen für lange Zeit (oder auch kurze) zu verlassen. Skilla streckte ihm also ebenfalls die Zunge heraus und legte ihm zum Abschied einen Beutel mit 1000 Flöhen, die sie über ihrem Kopf eingefangen hatte, auf den Stein.
- II Mo-Biken -
Ein Woche später, Skilla hatte ihren selbstgefilzten Rucksack gepackt, fuhr sie mit der U-Bahn zu einer Party. Es war eine Gartenparty mit jeder Menge warmem Hopfgebräu und Phosphorwürstchen, denen der Gastgeber bereits die Haare und Zähne entfernt hatte. Als sie auf der Party ankam, lagen sie bereits auf dem Grill und leuchteten vielversprechend. Sie setzte sich auf den krummen Rücken einer Holzbank und schaute sich die anderen Partyveteranen an.
Ihr gegenüber saß ein langhaariger Mo-Biker und sie grinste ihn einfach an, und bleckte ihre Zähne. Mit seinen braunen Augen piekste er sie dafür in die Schulter. Skilla verzog keine Miene, obwohl es ganz schön kniff. Sie grinste statt dessen noch breiter:
" ich will mit dir mo-biken, sofort, wenn`s geht ".
Der Jungenmann mit den spitzen braunen Augen stand schweigend auf, nahm ihre Hand und führte sie zu seinem Mo, das wilde Gesöffe schlürfte und gerade angeregt eine Harley anknötterte.
" Steig auf "
befahl der Jungenmann knapp, und Skilla schwang sich auf den schwarz glänzenden Sattel. Der Mo-Biker startete, gab dem Mo eine Hand voll Gas und schon flogen sie über die Großstadt hinweg. Sie flitzten über Wiesen, durch Wälder und Täler hindurch und Skilla hielt sich mit beiden Armen an dem Biker fest. Kleine, geschäftige Bienen mit Aktenkoffern klatschten gegen ihr Visier und ein paar Gräser und Blätter surften eine Weile auf Ihrer Schulter mit. Zurück auf der Party nahm Skilla ihre Taschentücher aus den Ohren und wischte ihr Visier sauber.
" Dank "
rief sie Mo-Biker zu, doch der hatte bereits sein altes Gesprächsthema ausgepackt und trug es zu einer Animierdame. Skilla setzte sich wieder auf die Holzbank und führte ein amüsantes (oder auch nicht so amüsantes) Gespräch mit einem Eigenhaarfetischisten, der ihr seine selbstgemachte Haarkur aus Entenei und Polyester empfahl.
Kurz vor dem Ende der Party setzte sich Skilla noch einmal zu dem Biker und küsste ihm unvermittelt beiläufig die äußere Mundschleimhaut wund. Sie überlegte, ob sie ihm ein wenig Warmes zapfen sollte, doch sie ließ es. Sie wollte sich gerade der Nacht übergeben, als der Biker ihr noch 7 mal hinterher rief, er würde am nächsten Tag Kontakt mit ihr aufnehmen. Skilla nickte, winkte und hielt Ausschau nach der U-Bahn, die sich grunzend näherte. Wenn die Zeit reif wäre, würde Bikers Warmes ein willkommenes Festmahl werden.
Am nächsten Tag merkte Skilla , dass ihr blaues Kontaktgerät erst heiser, und dann ganz verstummt war. Das hatte der Mo-Biker getan !!! Obwohl Skilla es so anstierte, dass es vor Angst Wurzeln schlug und sich am Telefontisch festkrallte, gab es viele verkrochene Tage keinen Ton mehr von sich, nicht einmal ein Krächzen.
Aus lauter Frust schnappte sie sich im Treppenhaus den kläffenden Yorkshire-Terrier der Nachbarin und nahm einen tiefen Zug Warmes. Eine wahrhaft üble Mahlzeit, die verkrochenen Tage mussten ein Ende haben ! Skilla schloss ihre Gedanken und Sehnsüchte an den Biker in eine Schachtel und verbrannte sie mit einem magischen Ritual auf der Fensterbank. Die Asche schüttete sie in ihren Ausschnitt, damit würde sie das nächste Wochenende würzen.
- III HipHop Front -
Der Freitag kam ganz außer Atem an, Skilla nahm Rucksack und fuhr in die Kneipe. Hier verstreute sie die Asche in ihrem Haar und bald darauf erschien ein Bekannter mit einem blutjungem Anwärter.
Skilla goss sich Rote Wahrheit und andere Gesöffe in ihren Boiler und der Anwärter erzählte ihr Neues von der Hip-Hop-Front, auch er trank das ein oder andere Glas und verriet ihr die geheimen Schlachtpläne der Hip Hopper, ihre Verstecke und Parolen, die sich, so wie er erzählte, alle 7 Sekunden änderten. Bliebe man nicht ständig an der Front der Hip-Hop Revolution auf dem Laufenden, was dann wäre alles verloren, denn dann wäre man raus.
Er lud sie ein, die restliche Nacht in einem solchen Versteck zu verbringen, um dort eine Yomanparty zu feiern. Skilla nickte (warum nicht), sprang vom Hocker und sie fuhren zu einem alten Haus. Dort war jedoch bereits alles eilig und sinnentleert zurückgelassen worden, nur ein paar alte Flyer putzten ihr verstaubtes Gefieder an den Kalkwänden.
Der Anwärter brach in Tränen aus und stammelte ständig " zu spät, ich bin zu spät, ich bin raus, zu spät "
vor sich hin, er ging Skilla auf die Nerven. Kurzerhand packte sie ihn und nahm ihm sein ganzes jämmerliches Warmes in einem langen Zug. Danach kehrte sie allein in die Kneipe zurück.
Der Hocker, auf dem sie gesessen hatte, war bereits betrunken umgefallen und ihr Bekannter schlief neben ihm. Das, was von der Nacht übrig war, kehrte eine Bedienung unter den Tisch und Skilla verließ gähnend die Kneipe. Sie lief hierher und dorther, der morgen lugte schon um die Ecke und ihre Füße trugen sie an einem Plakat vorbei, auf ihm ein Jungenmann, er warb für die Poprevolution. Sein Stachel guckte wohlerzogen aus der Lichtung seines keuschen Waldes. Skilla merkte, dass sich ihre fleischfressende Pflanze regte, die hatte sie ganz vergessen und in letzter Zeit arg vernachlässigt.
Zu Hause angekommen, hatte sie ihre blättrige Gefährtin wieder vergessen, diese war jedoch hellwach und hatte angefangen, leise vor sich hin zu summen. Ein Lied, dass nur fleisch-fressende Pflanzen kennen, es handelt von Stacheln und schwarzen Wildpferden.
In dieser Nacht schlief Skilla sehr unruhig, die Hyänen waren dicht an der Grenze zum Bewusstsein, sie schienen Pause zu machen. Wollüstig rieben sie ihre Leftzen aneinander, lagen dicht zusammengerückt im Schein des Mondes und summten ebenfalls ein Lied.
IV -Mr. Wanttobe-
Am Tag darauf bekam Skilla Besuch. Der Bekannte brachte einen Fremden mit. Dieser verlangt nach Tee, tanzte durch die Wohnung und streute, - aus alter Gewohnheit, wie er sagte-, Ideen in den Raum. Diese blieben liegen und traten sich im Laufe des abends im Teppichboden fest.
Man unterhielt sich über dieses (oder auch jenes), und die Zeit flog um die Uhr herum, bis ihr schwindelig wurde und die Minuten sich in einer leeren Schachtel Glimms schlafen legten. Da wurde es dann Zeit für den Abschied. Sie verabredeten sich für den überübernächsten Tag, der Fremde lud Skilla in seine Fledermaushöhle ein.
______*_______
Skilla bat ihren Wagen, es noch einmal zu versuchen. Seit Stunden suchten sie mit vereinten Kräften nach der knapp beschriebenen Fledermaushöhle. Wagen machte fast schlapp und hatte Durst. Endlich, fast wären sie wieder daran vorbeigefahren, entdeckte Skilla eine alte Decke, die vor einer Höhle hing, parkte und steckte sich ein Gummi in den Mund. Vor der Decke hing ein hölzernes Namensschild
"MR. WANTTOBE" Ein Engländer also.
In der Höhle von Mister angelangt war Skilla erst einmal erstaunt. Überall Pappfledermäuse, Pappmonster und Pappmumien. Mitten in diesem Pappkarton saß Mr. Wanttobe und lächelte über ihr Erstaunen. Er saß auf einem Sperrmüllthron, eine Kanne Tee und zwei nachtblaue Tassen auf dem Tisch neben sich. Skilla legte Rucksack, der all IHRE Ideen vorsichtig aufbewahrte, neben seinen warmen Ofen und setzte sich auf den Boden.
Die Ideen hatte sie mitgenommen, um sich für ihren ruinierten Teppichboden zu rächen, sie würde sie mit dem gekauten Gummi einfach unter seinen Tisch kleben und seinen Thron würde sie mit genialen, perfekt gefeilten Einfällen beflecken. Immerhin klebten seine Ideen nach wie vor an ihren Füßen.
Mr. Wanttobe nahm den Teebeutel aus der Kanne und goss Skilla den heißen Tee ein. Mister hatte Flüssigdünger aufgelegt und Pflanze putzte munter ihre Blätter. Wanttobe und Skilla rauchten Glimms, plauderten ein wenig über Wolken und Hagel, die Musikrevolution im Allgemeinen und Besonderen, und Skilla fühlte sich überaus wohlig und eingelullt, sie dachte noch nicht einmal an Warmes, sie war zufrieden.
Plötzlich jedoch zeigte Mister sein wahres Gesicht. Blitzschnell griff er in Rucksack, nahm kurzerhand all ihre Ideen und knickte sie arrogant lächelnd in der Mitte durch. Dann warf er sie in einen alten Blechtopf, in dem er Brennmaterial für seinen Ofen sammelte.
Rucksack lag zusammengesunken in der Ecke und als sei noch nicht genug geschehen, fing Mr. Wanttobe an, sie mit glühenden, gezackten Fragen über ihre uralten, in Vergessenheit geratenen Träumen zu quälen. Er schlang raue Hanftaue um ihre linke Herzkammer und wollte gerade fester zuziehen, als Skilla so schnell sie konnte zum Höhlenausgang stürzte, den Vorhang zur Seite schlug und in Wagen sprang. Erst auf halbem Wege fiel ihr auf, dass sie Rucksack vergessen hatte... Wanttobe nahm am nächsten Tag Kontakt mit ihr auf, um ihr zu berichten, dass er seine Nase in Rucksack gesteckt habe und sich - trotz der gähnenden Leere - in dessen Hohlraumduft verliebt habe. Trotzdem sei er bereit, ihn ihr bald möglichst wieder auszuhändigen.
Sie gingen tibetisch essen. Rucksack hatte Skilla neben sich liegen und er schlief an ihrem Knöchel. Wanttobe hatte keine Entschuldigung unter seinem Dreispitz aus Pappe versteckt und als Skilla dies erkannte, verwandelte sie sich in einen Panther und mit ihrem buschigen Schwanz verteilte sie sorgfältig Honig um seine äußere Mundschleimhaut.
Sie wusste genau, er würde nun mit seinem Stachel Pflanze füttern wollen, doch das hatte noch Zeit. Zunächst war es erfrischend Mister dabei zu beobachten, wie seine Mundschleimhaut verklebte und die Landstraße seines Gehirns keine schlauen Worte mehr beförderte.
Sein Stachel übernahm die Aufgabe zu denken und aus den Luken seiner Augen zu sprechen. Skilla zog ihren Schuh aus und sagte ihm guten Tag. Nachdem sie die tibetischen Speisen in den Boiler befördert hatten, war es um Wanttobe geschehen. Skilla hatte gewonnen. Sie nahm ihm ein wenig von seinem Warmen und ein Sklave war geboren. Eine Zurechtweisung nach ihren Regeln, mit ihren Methoden.
Skilla und Pflanze wollten sich nun amüsieren. Sie gingen in eine Monsterdisko und tanzten um die ganze Nacht herum. Skilla schaffte es, die grauenhaften Monster weitestgehend zu ignorieren, obwohl deren goldene Ketten furchterregend um faltige Hälse wippten, so dass ihr das tibetische Essen fast verloren ging. Das Warme dieser Kreaturen roch ultraviolett.
Später dann durfte Mister ihre Venusfalle mit seinem ausgefahrenen Lattenzaun füttern. Nachdem dies geschehen war, bedeckte er Skilla mit einer Schicht öliger Sklaventränen, aus unerfindlichen Gründen war sie gerührt. Sie schlief zufrieden ein, genährt und befriedigt ruhte Pflanze im Schatten ihrer Schenkel. Dann und wann, so nahm sie sich kurz vor dem einschlafen vor, würde sie einen Tee bei Mister Wanttobe trinken.
In dieser Nacht schienen die Hyänen ebenfalls schlaff und müde zu sein, sie fraßen, behäbig auf ihren Bäuchen liegend, an ein paar Rüben herum, die auf einem weiten Acker wuchsen.
V -Von Schmetterlingen und Pinguinen-
Wieder in ihrem Gemach angelangt, legte Skilla erst einmal eine Scheibe in ihren Player. Ein paar angetrunkene Punkrevoluzzer hüpften in ihrer Box hin und her und sangen von Hopfgebräu, anderen Gesöffen und vom baldigen Tode der Ordnung. Skilla summte mit und räumte ein wenig in ihrem Kopf auf. In ihrer Birne hatten sich in der letzten Zeit recht übelriechende Gedanken niedergelassen, es wurde Zeit, sich darum zu kümmern.
Skilla nahm einen und hielt ich gegen das Licht. Er war blassgrün, zog dümmliche Fratzen und schwenkte ein Schild in seiner rechten Hand.
"DIE NORM SIEGT"
stand dort in gelben Lettern geschrieben, Skilla drehte ihm den Hals um und warf ihn in den Papierkorb. Seinen Kollegen erging es nicht besser, einem ganz schmierigem Gedanken, der sie als alternde Diva beschimpfte und ein Schild
"NIEDER MIT SKILLA"
schwenkte, riss sie Arme und Beine aus und machte aus seinen Überbleibseln einen Ohrring. Mit aufgeräumten Kopf und dem neuen Ohrschmuck stieg Skilla in die U-Bahn zur Stadt.
In einer Kneipe, in der die Jalousien wie verknitterte Seelen herabhingen, suchte sie sich einen freien Platz. Langsam füllte sich die Kneipe und ein paar Evagesichter setzten sich neben sie. Ihre einfältig gerollten Haare warfen sie alle 7 Minuten über die Schulter zurück und beim Reden flogen Schmetterlinge aus ihren Mundschleimhäuten. Diese führten einen kleinen, einstudierten Tanz auf, hingen sich unter die Decke, verwandelten sich dort in Maden und fielen herab.
Skilla schüttelte sich die Haare, um das Ungeziefer loszuwerden, und zog um zur Theke. Sie setzte sich mit dem Rücken zu den Evagesichtern auf einen geduldig aussehenden Hocker. Ein paar Flaumjungen glimmten aufgeregt ihre ersten Glimms und links von ihr verhakelten welche ihre Stahlspangen ineinander. Sie war ein wenig früh in dieser Kneipe, das Aufräumen hatte sie durstig gemacht.
Eine Stunde später (oder früher) setzte sich der Pinguinmann zu ihr. Er trat einfach so in die Pfütze ihres Lebens. Skilla bewunderte sein schwarz glänzendes Gefieder. Um seinen Schnabel hatte er einen seidenen Schal aus Psychopharmaka geschlungen. Er erzählte sehr viel über Schlösser in England, Schottland und anderen Gefilde, die er besucht hatte und in der Batiktasche seiner Erinnerungen aufbewahrte.
Allerlei Sonderbares hatte er zu berichten, Skilla konnte ihn jedoch immer schlechter verstehen. Als sie an seinem Schal zog, fielen plötzlich weitere 77 erdachte Geschichten aus dem Loch in seinem Schnabel. Für ausgedachte Storys hatte Skilla keine Zeit, deshalb half sie ihm nicht, als der Pinguinmann sie wieder aufsammelte und in seltsamer Formation hastig in seinen Schnabel zurückstopfte.
Den Schal zog er daraufhin so fest, dass man ihn gar nicht mehr verstand. Beleidigt verschwand er aus der Kneipe, noch nie war jemand auf die Idee gekommen, an seinem Schal zu ziehen !!! Die Evagesichter hatte er undeutlich schnatternd ins Schlepptau genommen.
Scheinbar wollte er sein Gefieder noch etwas länger in der Pfütze ihres Lebens baden, denn kurze Zeit später kehrte er wieder zurück und bot ihr ein Mosaik aus aufgespießten Schmetterlingen zum Geschenk an. Skilla lehnte dieses Kunstwerk jedoch dankend ab, auch seine überdrehte Wärme wollte sie nicht kosten.
Sie starrte einfach nur an die Kneipenwand und bestellte sich ein Glas Rote Wahrheit. Eine Glimm nach der anderen rauchend spürte sie sehr deutlich die Schlechte kommen. Sie ahnte, dass sie diesmal für lange Zeit bleiben würde.
In dieser Nacht kamen die Hyänen sehr nahe an sie heran. Während sich Skilla hin und herwälzte, flüsterten sie ihr die letzten Worte verlorener Seelen ins Ohr.
VI -Der Lifeguard-
Wochen später, der Pinguinmann hatte seine Krallen längst an ihrem Kontaktboy abgewetzt, besuchte Skilla erneut den kahlen Ort der merkwürdigen Begegnungen.
Dort traf sie den bestaussehendsten Lifeguard, den die sortierte Welt zu bieten hatte. Irgendwie kam er ihr bekannt vor. Sein Warmes roch nach Lack und Lederspray, sie hörte das verlockende rote Rauschen durch die Kneipenklänge hindurch. Es war jedoch das geliehene Blut, er war ihresgleichen.
Der Lifeguard lud sie nach diesem oder auch jenem Gesprächsthema in seine frisch gestrichenen Gemächer ein. Kaum sah sie im Flur seine Lackschuhe in der Ecke unter dem Spiegel stehen, fiel es ihr schlagartig wieder ein. Sie hatten sich schon mal gegenseitig ein Stück des Lebens weitergezerrt. Damals, als sie noch keine Konsumentin, sondern erst in der Ausbildung dazu war, hatten sie im Park ihre Schleimhäute gesaugt, an Stachel und Pflanze getastet. Er hatte sein Aussehen seitdem enorm erfolgreich bekämpft.
Der Schöne führte sie in sein Wohnzimmer und zeigte auf eine Leinwand. Er gab frisch gezapftes Klinik-Red, warme pürierte Tomaten und Whisky in einen Shaker und mixte gekonnt ein Spezialgesöff. Dann trat er zur Leinwand und malte ihr ein Körperbild zum Thema "Glimms". Er nahm seine Aufgabe als Lifeguard ernst und malte sehr kontrastreich. Sie müsse auf die Glimms verzichten, so schmiss er in karminrot an die Leinwand, wenn sie Pflanze weiterhin mit Anabolika voll pumpen würde. In eutergelb erklärte er ihr, wie die Glimms dies und jenes verstopften. In hellem Blau veranschaulichte er die Vorteile eines Verzichtes. Skilla bat ihn, sein Bild zu beenden, ihr war mulmig geworden. Er hing das Gemälde befriedigt mit einem Laken zu.
Sie erzählten sich noch ein paar Guten-Tag Geschichten. Skilla hatte nach all den edlen Gesöffen mit Auto vereinbart, zum Ruhen neben dem Schönen zu verweilen, dies sollte jedoch nur in geschwisterlicher Umarmung zum Schlafe führen. An einer Verklettung war sie noch nicht interessiert und auch nicht an dem guten alten Stacheltanz. Skilla wollte lediglich einen Ofen aus Fleisch, an dem sie sich wärmen konnte. Manchmal war die Einsamkeit nicht genießbar und ein wenig Haut schien ihren bitteren Geschmack zu verbessern und die Schlechte ein wenig zu vertreiben.
Der schöne Lifeguard hatte jedoch eine Säge in seiner Brust. Sie hörte nur kurz auf die Nacht zu kürzen, wenn er sich umdrehte. So lag sie wach neben ihm und seufzte. Als er zwischendurch aufwachte schien er dies unerklärlicherweise als Zeichen zu einer spontanen Vermehrung anzusehen.
Er warf sich auf sie und fing an, mit der Zunge ihre Vorhöfe auszukehren. Er wollte offensichtlich seinen Tentakel geputzt bekommen. Skillas Fassung schaukelte an einem seidenen Faden, sie war an einen dieser linkischen, einfallslosen Systemfortpflanzer geraten!
Die von dem Geschlechte der Systemfortpflanzer waren nicht mal so selten, in sehr jungen Jahren war sie ihnen öfter mal begegnet, und sie ging ihnen aus dem Wege, sobald sie sich zu erkennen gaben. Es sind ganz nette Gesellen, die Nächte und das Vermehren jedoch verbringen sie immer in der gleichen rituellen, apathischen Art und Weise, wenn sie ein Opfer haben.
Dies geht folgendermaßen vonstatten: Der linke Arm des Opfers wird hochgelegt, die Achsel wird begrüßt, dann werden nach einer Achteldrehung die Vorhöfe mit der Zunge ausgekehrt. Dreimal wird die Zunge in den Hals des Opfers gesteckt um dann ebenso oft über die Rutsche ihres Halses zu gleiten. Daraufhin wird bereits der Tentakel ausgefahren und steht zur Benutzung bereit.
Skilla wollte ihrer Pflanze um alles in der Welt keine solche Mahlzeit zumuten, sie musste erkennen, dass auch der Beauty niemals in der Lage sein würde, die Hyänen der Norm zu besiegen und zurückzuschicken.
Diese sind nämlich zweifellos auch langweilig und systematisch, nicht animalisch, wild und leidenschaftlich. Der Gesuchte musste für die Erfüllung des Normfluches eben diese Attribute (neben vielen anderen) vorweisen können, da war sie sich ganz sicher.
Hastig verließ sie seine Wohnung, ohne ihm das Zeichen eines erwünschten Wiedersehens auf die Mundschleimhaut zu pappen.
VII - Das Hologramm-
Skilla saß an einem Brunnen in der Stadt, aß ein Eis und las das Tagebuch eines Mitmenschen. Dieser durchforstete ebenfalls das Gehölz der Großstadt auf der Suche nach JENER, die den Vulkan in seinem Kopf löschen könne.
Das Buch war ungeheuer ungehörig, deshalb bemerkte Skilla zunächst den beschriebenen Zettel nicht, der frech vor ihr hin- und hersegelte. Der Zettel klappte seine Tragflächen ein und fiel schlaff auf ihre Füße. Endlich bemerkte sie ihn. Irgendein Jungenmann hatte ein paar Worte von ihr, die dicht neben ihm durch die Luft geflogen waren, eingefangen und kurzerhand eingepackt. Sie würden ihm gefallen, so schrieb er, und er hätte gern noch mehr. Eine Kontaktnummer war ebenfalls dabei. Skilla rief ihn von der nächsten Kontaktzelle aus an, sie verabredeten sich wie es sich gehört für den überübernächsten Tag.
Der Zettelschreiber war blond, Bassgitarrist und bastelte in seiner Freizeit höchst sonderbare Denkmodelle, die er in eine Waldorff Vitrine stellte. Dort gammelten sie vor sich hin und man durfte sie bestaunen. Beim ersten Treffen jedoch sah sie die verstaubte Vitrine noch nicht.
Stattdessen beschwipste er Skilla mit einem Wolkenlächeln und hexte ihr mit Blümchenaugen leuchtende Kränze um den Kopf. Er war vom Geschlechte der Löwen und legte einen Bann auf Skilla, bevor sie realisieren konnte, was vor sich ging. Immerzu glücklich lächelnd folgte sie ihm, auf einer seiner Bass-Saiten sitzend, überall hin. Er pflegte ihre Pflanze wie ein studierter Botaniker.
Dann jedoch, es war ein Tag, an dem er sich einen Duschvorhang aus schweigenden Fischen kaufte, beichtete er ihr, dass er ein Hologramm war. Seine Wirklichkeit werde nur bestimmt von den Ideen in seiner Vitrine. Sie schaute sich die Vitrine näher an. Dort lag schwarzweißes, altes Gedankengut eindimensional auf ein paar alten Porzellantellern herum. Ein paar Bass-Saiten lagen müde neben einem vergilbten Notenblatt. Sie würde ihn niemals besitzen, ihn nie so, wie er wirklich war erleben, ihn nie durchschauen, sein Warmes würde sie also nie mental nähren.
Nachdem er so den Löwenbann von Skilla heruntergenommen hatte, erkannte auch sie, dass er ein Hologramm war, und verschwand tieftraurig und verbittert aus seinem Gemach. Sie trieb Wagen so schnell voran, dass er auf tränennasser Fahrbahn fast ins schleudern geriet. Noch immer haftete der Bann wie ein rosa Nebel an ihr fest.
Sie fuhr direkt zu Leguans Stammplatz. Die Nebelwolke klemmte sie in die Fahrertür ein, man musste sie ja nicht gleich sehen! Sie hetzte den Weg hinunter zu den Austauschbecken. Leguan saß da und döste in der Sonne.
Skilla erzählte traurig von ihren bisherigen Erlebnissen bei ihrer Suche. Sie beendete ihre Erzählung mit dem Löwenmann. Er blieb unbeeindruckt und trat mit dem linken Fuß einen Schritt nach vorne. Skilla, die sich nun schon etwas besser fühlte, lief noch einmal hoch zu Wagen und kehrte mit der mittlerweile zerknautschten, bemitleidenswert aussehenden rosa Wolke zurück. Sie zeigte ihm, was vom Löwenmann übrig war. Er drehte träge den Kopf, rollte das linke, (oder auch das rechte) Auge, und schlürfte mit seiner langen, klebrigen Zunge alles auf.
Sofort war Skilla geheilt, keiner ihrer Gedanken schien noch etwas für das Hologramm übrig zu haben. Sie küsste Leguan zum Dank auf die Schuppen und lief eilig in ihr Gemach.
- VIII Glimms -
Skilla lag auf ihrem Bett und lernte die Flecken und Risse ihrer Zimmerdecke auswendig. 3 Tage hatte sie nun schon, durch die Ermahnungen des Lifeguard angeregt, auf Glimms verzichtet. Sie hatte geahnt, sie würde durch die Hölle gehen müssen. Gebückt schleppte sich Skilla zum Bad. Das Klo verdrehte die Augen streckte die Zunge heraus und Skilla ließ sich etwa zum 7. Mal an diesem Tag darauf nieder.
Sie betrachtete, an nichts, (außer an Glimms vielleicht) denkend, ihren vernarbten Lieblingsstoff, der nun auf ihren Knöcheln herabhing. Sie stand erst wieder auf, als das Klo anfing zu schnarchen, zog unverrichteter Dinge ihre Stoffe hoch und wollte gerade das Glimmandenken von ihren Fingern bürsten, als sie im Spiegel sah, dass sich hinter ihr ein Tor geöffnet hatte.
Sie drehte sich um und trat an den Eingang ihres Unterbewusstseins. Eine schmale Wendeltreppe mit seltsam schmatzenden, braunen Stufen führte tief hinab in den vor ihr geöffneten, dunklen Schlund. Ein Geräusch, ähnlich einem röcheln oder pfeifen drang zu ihr herauf. Langsam schlich sie sich haltsuchend Stufe für Stufe die gewundene Treppe hinunter. Ihre suchenden Hände ertasteten ein seltsames Tau.
Fremdartig pulsierte es in rhythmischen Abständen durch ihre Hand, fühlbar floss dort eine warme Flüssigkeit hindurch. Nachdem sie die letzte Stufe verlassen hatte, stand sie mitten in der Dunkelheit. Das unnatürliche Röcheln schwoll zu einem immensen Getöse an. Skilla stopfte ihre Taschentücher fester in die Ohren und tastete sich mit den Füssen am Boden rutschend vor.
Plötzlich wurde es taghell und das Licht brannte beißend in den Augen. Schwere Steinaschenbecher flogen wie lautlose Geschosse durch den Raum und Skilla musste sich immer wieder ducken, um ihnen auszuweichen. Sie stand direkt vor einem grauen Heißluftballon. Einer Lunge.
Diese blähte sich auf und spie dröhnend einen großen, zähen und ekeligen Haufen Auswurf auf Skilla. Während sie noch versuchte, sich von diesem ekelhaften Schleim zu befreien, schwoll die Lunge erneut an und ein Armee brauner, krötenähnlicher Dinger mit Rasiergebissen und brennenden Streichholzspeeren und Flammenwerfern in den Pfoten stürmte heraus, direkt auf sie zu, kletterte wild auf ihren Körper einhackend an ihr herauf.
Skilla wälzte sich auf dem Boden, um sie zu zerquetschen, eine nie enden wollende Masse an Dingern blies immer weiter aus der Lunge heraus. Ihre Augen mit den Händen schützend schaffte sie es wankend wieder aufzustehen, während die gerade abgeschüttelten und halb zerquetschten Dingviecher unbeirrt ihren Körper wieder hackend hinaufkrochen.
In dem Moment traf sie ein schwerer Marmoraschenbecher an der Schläfe. Die Haut platzte ihr auf und halb ohnmächtig vor Schmerz ging sie nochmals zu Boden. Unnachgiebig und roh bissen sie nun in ihre Wunden und rissen schmatzend große Fleischstücke heraus. Mit letzter Kraft kroch Skilla Richtung Wendeltreppe. Am Fuß der Treppe ließen die Dinger endlich von ihr ab und lösten sich in Rauchschwaden auf. Sie stemmte sich stöhnend die Stufen hoch, der braune Glibber an den Wänden saugte sich gierig schmatzend wie ein Parasit in den Ritzen ihrer Hände fest.
Endlich oben angelangt stürzte Skilla mit einem Satz zurück ins Bad. Während sie noch benommen nach Luft rang, bot ihr eine Kakerlake in Cowboystiefeln, die breit grinsend am Eingang zur Hölle lehnte, eine Glimm an.
Skilla warf sie mitsamt den Glimms aus dem Bad und schaute an sich herunter. Es waren keine Spuren mehr zu sehen, keine Wunden waren an ihrem Boiler auszumachen, selbst die Stoffe waren wieder unversehrt. Nur ihre Haare standen angesengt und kurz von ihrem Kopf ab. Als sie hochschaute, stand sie wieder vor dem Spiegel, der nichts als blaue Kacheln zeigte. Der Höllenschlund war verschwunden. Sie schrubbte ihre Hände mit Ochsenseife eckzahnweiß, färbte ihre Haare lila, verließ das Bad und rauchte 3 Monde und sieben Tage keine Glimm mehr.
(Nur dann und wann verließ sie ihr Gemach um Warmes zu zapfen, wahllos, anspruchslos, mal bei der Nachbarin, deren Wärme alt und knittrig schmeckte und bei einem Verkäufer, den sie unauffällig beim Stapeln von Erfrischungsstäbchen überraschte. Doch mit den Anstrengungen des Glimmverzichtes war sie so gefordert, dass sie ihre Suche nicht weiter fortsetzen konnte. Eines Tages zertrat sie jedoch die Kakerlake im Bad und rauchte genüsslich deren Erbe.)
Bis zu diesem Zeitpunkt hatte auch Pflanze geruht und war nun schwach und kränklich. Sie brauchte dringend eine kleine Abwechslung.
- IX Sumpftauchen -
Skilla packte Rucksack und fuhr zum Tanzzoo. Dort traf sie einen Lacklakaien, der ständig an ihrer Kurzhaarfrisur herumzupfte. Aus bravourösen Gründen hatte er sich ein schwarzes Schaf um den Hals gehängt, welches er sogar in der Zoohitze nicht ablegte. Es guckte tuckig vor sich hin und blökte leise. Plötzlich und unvermittelt wollte der Lacklakai ihren Nacken zapfen.
Skilla verknotete seinem Schaf das Beinfell, rieb sich den Hals und verzog sich beleidigt in die Bar nebenan, um sich auf diesen Schock in alter Manier Rote Wahrheit und andere Gesöffe in den Boiler zu gießen. Wo war ihre Erkennung geblieben, ihre Ausstrahlung, die ihresgleichen sofort erkannten? Es wurde höchste Zeit für eine stärkende Mahlzeit!
Mit aufgefülltem Boiler betrat sie wieder den Zoo. Die Tanzgefreiten auf der Bewegungsfläche marschierten im Gleichschritt auf und ab. Skilla lief tanzend durch sie hindurch und brachte sie durcheinander, während ihre schlechte Stimmung vergebens die gute in der Tiefgarage suchte.
Zwischendurch nahm sie 3 kleinen Perlhühnern direkt nach deren Toilettengang ihr Warmes und lächelte bei dem Gedanken, dass sie sich auf dem Klo doch tatsächlich zu Tode gestylt hatten...
Dann sah sie, wie sich ein bekannter Zwerg an die Theke setzte. Er diskutierte laut mit seinem Stachel. Skilla unterbrach das Gespräch der beiden und erzählte dem Zwergenmann von der in der Tiefgarage verschollenen Guten, und von der suchfaulen Schlechten, die sehr anhänglich zu sein schien, wo sie nun schon mal da war. Sie erzählte ihm von dem Karussell in ihrer Birne und dem jungen Mitreisenden, der, besoffen wie er war, das Fahrgeschäft ihres Gehirns einfach nicht mehr anhielt.
Später am Abend bemerkte Skilla, dass ihr nach Sumpftauchen war, nach wirklich richtig derbem schlechten, und dafür musste nun Bekannter dienen. Sumpftauchen ist eine Sportart, die Skilla ca. 7 Jahre vorher kennenlernte und deren eigenartiger Genuss in seiner ureigensten Eigenart lag, ziemlich eigenartig zu sein, soviel dazu.
Schon nach kurzer Zeit und eigenartig viel Roter Wahrheit in Gläsern konnte es losgehen, sumpfig zu werden. Der Stachel des Bekannten hatte schon die ganze Zeit gegen die Musik angeschrieen und hüpfte ziemlich unruhig in der Hose des Bekannten auf und ab. Pflanze schien bereits an Düngerdealer geraten zu sein, völlig bedröhnt lallte sie mit dem Stachel des Bekannten die Totenlieder mit.
Meist endete das Sumpftauchen eh im alten Stacheltanz, also warum nicht heute auch. Gesagt, getan, man einigte sich auf das Gemach von Skilla. Kaum dort angelangt, forderte der Stachel des Zwergs ihre Sumpflilie auch schon zu einem eigenartigen Tanz auf.
Beim Frühstück rauchten Skilla und Zwerg einige Glimms und lachten über dieses (oder auch jenes) Eigenartige. Pflanze jedoch schwieg beleidigt vor sich hin. Stachel hatte sie unsanft überrumpelt, war beim tanzen ständig auf ihre Blätter getreten und überhaupt verkündete sie entschieden, ein für alle mal kein Sumpfgewächs zu sein !!!
Zwergenkollege verabschiedete sich dann eigenartig höflich, sein Stachel war offensichtlich befriedigt, friedlich schlief er seinen Rausch in der Tiefe des Stoffes aus.
X -Von Haien und anderen Sachen-
Skilla hörte nicht auf die Allüren ihrer blättrigen Gefährtin, die noch immer noch herumzeterte, sondern nahm den Wechsel ihres Gemachs in Angriff, der heute anstand.
Sie verstaute ihre 7 Sachen in große Faltkartons und band sie mit Schnüren aus Zeit und Augenblicken fest. Nachdem sie die Kartons in ihre neue Behausung geschafft hatte, strich sie noch einmal durch die Hallen ihres alten Gemachs. Die Tür ließ sie offen stehen, und als sie gerade ein noch geöffnetes Fenster schließen wollte, stand auf einmal ein Hai im Anzug mitten im Raum.
Er überreichte ihr ein Schreiben, in dem aufgeführt war, dass Skilla eine hohe Summe Knetstoff entrichten müsse. Man würde das Erlebte von den Wänden kratzen müssen und das sei sehr kostenintensiv. Das Erlebte eines Kindmädchenfraugreisinnenvamps sei im Übrigen nur mit Spezialmitteln zu entfernen.
Zum Nachdruck bleckte der Hai seine Rasierklingenzähne, schnappte nach einer schwarzen Phrase, die Skilla an der Wand zurückgelassen hatte, und spuckte sie wieder aus. Skilla zahlte knurrend, nahm ihm daraufhin unverbindlich lächelnd sein Warmes und der Hai verwandelte sich in ein Fischstäbchen, das sie auf dem Weg zu ihrer neuen Behausung genüsslich aß.
Diese war wie für Skilla gemacht. Sie wurde von Balkon umarmt, der ihre Entscheidung, diese hohe Behausung als neues Gemach zu wählen, begründet hatte. In Balkon erkannte sie sofort einen neuen Genossen, der Leguan sehr ähnelte. Er war ruhig und besonnen, zeigte auf die Großstadt und bot seinen Rücken sanft und unermüdlich als Sitzgelegenheit auf ihrem Adlerhorst an.
Skilla setzte sich auf ihn und genoss die Aussicht. Sie war sich sicher, sie würde sich viele Monde blendend mit Balkon unterhalten und das SelteneGefühl durchströmte sie so sehr, dass sie ein paar Perlen vergoss, die sich in glitzernde Eiskristalle verwandelten.
In dieser Nacht träumte sie das erste Mal seit langen nicht von den Hyänen. Sie war jedoch auf der Hut. Das SelteneGefühl hatte nämlich den Nachteil, die Hyänen unsichtbar zu machen, so dass sie Skilla von allen Seiten angreifbar machten.
Sie spürte ihre Anwesenheit, sie lauerten noch immer sehr nah, hier und da hörte sie das unverkennbare Heulen und Knurren, doch eine Ortung war nicht möglich.
Für das SelteneGefühl zahlte sie gern mit diesem gefährlichen Verlust.
XI -Das Froschasyl-
Das neue Kontaktgerät schrie heiser und teilte Skilla mit, dass sie auf eine Spezialgesöffparty eingeladen sei. Sie packte Rucksack und winkte nach der U-Bahn. Ihre Pflanze hatte sie enthusiastisch mit einem parfümierten Hauch Seide umgeben und auf der Party waren tatsächlich jede Menge leckere Kandidaten der Gattung Sapiens.
Skilla mixte sich ein Spezialgesöff und lud ein solches Leckerchen mit einem Wink zu sich auf die Couch ein. Es setzte sich zu ihr sofort fingen ihre Zungen an zu häkeln. Erst später erfuhr sie den Namen, Marc Planet. Er kam von dem nicht weit entfernten Planeten NumbArea, Skilla war dort auch schon drei bis sieben mal gewesen, so genau interessierte es sie nicht.
Er war eigentlich nur auf der Durchreise, blieb jedoch an den Kanten der Großstadtuniversität hängen. Mittlerweile wollte er gar nicht mehr zurück. Mitten in diesem interessanten (oder auch nicht so interessanten) Gespräch knallte der Mo-Biker gegen die Mauer ihres Gedächtnisses und brach sich bei diesem rasanten Auftritt sein Handgelenk.
Mo-Biker beachtete es nicht, statt dessen stellte er sich vor ihr inneres Auge und starrte sie trotzig an. Skilla wollte sich wieder Mr. Planet zuwenden, als Mo-Biker seinem Mo das Gas wegnahm und sich breitbeinig vor sie hinstellte. Er steckte die Hände in die Taschen seines Leders und schwieg. Handgelenk verlangte krächzend nach einem Gips.
Das Schweigen Mo`s war kein uninteressantes Schweigen, es wehte ihr sanft um den Hals und berührte samtig ihr Ohr. Pflanze reckte und streckte sich, sie fand offensichtlich, dass Mo wie ein ganz besonderer Imbiss schwieg, Skilla befahl ihr jedoch zu schweigen, beleidigt zog sie sich zurück.
Dann aber verschwand Mo so plötzlich, wie er erschienen war, und Skilla nahm die Party wieder wahr. Sie verließen das Gesöffelager zu viert, eine Freundin und zwei der besonders leckeren, blutjungen Anwärter, um in einem nahegelegenem Teich ihre Boiler zu erfrischen. Das Wasser war angenehm kühl, sie schwammen gemeinsam mit ein paar Ratten und Ottern im seichten Gewässer.
Erst als ein paar Kampfmücken ihre Nachtsichtgeräte einschalteten und zum Angriff summten, verließen sie widerwillig den See. Um zu trocknen, denn sie waren noch immer wie die Nacht sie schuf, liefen sie zu einem nahegelegenem Gehöft, aus dem das laute Quaken eines Froschasyls klang. Mit getrocknetem Boiler stiegen sie in ihre Stoffe und liefen nacktfüßig zurück in die Großstadt.
Am nächsten Morgen nahm Skilla ihr Kontaktgerät und sprach mit Mo. Er litt an einer Amne-sie, konnte sich an den Besuch in ihrem Kopf nicht erinnern. Handgelenk befand sich in Gips und schlief, man hörte es an einem leisen schnarchen. Er wünschte durchaus einen Krankenbesuch.
Skilla fuhr in sein ebenfalls ganz junges Gemach und wollte sich von dem Schweigen Mo`s überraschen lassen. Er wohnte auf einem Sofa, das bequem und groß war. Sie lauschten einer Weile seiner Musikmaschine. In den Boxen spielten Mo-Biker angestrengt Gitarre und sangen vom biken und zelten. Skilla trank ein Glas Rote Wahrheit und hoffte, sein Schweigen überlisten zu können. Sie kniff und stupste es, trat ihm in die Seite, es erwies sich als äußerst hartnäckig. Skilla wurde es ein wenig langweilig und gerade, als sie im Begriff war, das Sofa Mo`s ohne einen Zug Warmes zu verlassen, nahm der sein Schweigen, machte einen Knoten hinein und verstaute es in seinem Leder.
Skilla kümmerte sich einige Tage um Handgelenk. Pflanze war seltsam ruhig, dabei hatte Skilla nur ihretwegen nochmals Kontakt zu Mo aufgenommen. Der flocht ständig einen Zopf aus seinem Schweigen, (längst war es wieder hervorgeholt worden). Nach genauerer Betrachtung des schweigenden Zopfes stellte Skilla mit erschrecken fest, dass der Mo-Biker mit seinem Schweigen nur die Leere in seiner Birne würzte und interessanter machen wollte.
Somit gab es nichts mehr zu fragen, nichts mehr zu klären, sie sog tief sein Lauwarmes ein und verließ seine Couch und damit sein Leben.
XII - Eiszeit -
Ein wenig oder auch viel später erkrankte Skilla schwer. Ihre Gehirnwindungen waren mit Ihrem Innersten verknotet, kein Warmes der Welt konnte die Stricke entwirren. Das SelteneGefühl war schon lange, lange nicht mehr zu Besuch. Sie schnappte halbverrosteten Wagen und fuhr zu Leguan, doch er war nicht an seinem Platz. Verlassen lag der Stein an den Austauschbecken, die während der ganzen Zeit weiterhin emsig ausgetauscht hatten, was es auszutauschen gab. Das Gras auf dem Stein war verdorrt und bräunlich. Skilla versuchte auf dem Stein Platz zu nehmen, doch er war zu klein für sie.
Sie setzte sich daneben und überlegte. Das Rauschen der Austauschbecken wurde immer leiser und leiser. Sie dachte sieben Tage und sieben Nächte an nichts anderes als an Nichts. Dann entschied sie, zu einem Psychodad zu gehen, der die Verknotungen lösen sollte.
_____*______
Skilla schrie.
Sie schrie so laut, dass dem Psychodad Tränen in den Augen standen. Während Skilla sich mit Händen und Füßen wehrte, zog er an den vielen Enden ihrer Verknotungen, ohne dass sich der große Knoten löste. Er benutzte die verschiedensten Werkzeuge, eines hieß Vergangenheit, und schmerzte sie besonders. Skilla litt und quälte sich, doch plötzlich hielt sie inne. Bei näherem Hinsehen erkannte sie, dass die Instrumente des Psychodads irgendwie durchsichtig waren.
Sie waren aus den erkalteten Tränen anderer geschmiedet und sie konnte durch sie hindurch sehen wie durch eine Wand aus klarem Eis.
Von diesem Moment an taten die Instrumente nicht mehr weh, sondern sie brachten Skilla zum lächeln. Sie amüsierte sich eine Weile (oder auch kürzer). Es tat weh zu erkennen, dass die Methoden, die beim gemeinen Sapiens alles wieder an seinen Platz brachten, bei ihr nicht funktionieren wollten. Ihr gelangweiltes Lächeln wurde so scharf wie das eines gereizten Panthers, sie nahm sich sein Unterkühltes und ging.
Als sie durch die Tür der Praxis trat, fröstelte sie. Eine Verwandlung war mit ihr geschehen. Mit ihr und der ganzen Großstadt.
Täglich sank die Temperatur um Skilla herum um 0,07° Celsius. Alle Gefühle fingen an, zu erkalten, ihre Bewegungen wurden immer langsamer und träger, alles gefror und erstarrte zu einer bizarren Eislandschaft. Die Homo Sapiens um Skilla herum schienen dies nicht wahrzunehmen, doch Skilla wusste ganz genau :
Das ENDE von ALLEM, was je anfing, nahte.
Sie traf ihre Vorbereitungen sehr sorgfältig, nur dazu war sie imstande, alles andere war ungreifbar geworden, alles rückte ab. Balkon wurde taub und Leguan hatte sich tief unter einen ihr unbekannten Stein vergraben. Es ging dem ENDE zu. Ihre Verknotung schmückte sie mit einem gefährlichen Gesicht, dass sie aus einem Grabstein meißelte. Die Glimms ersetzten Leguan und Balkon, sie vergaß beide Genossen, ließ sie in ihrem Gedächtnis zu Eisskulpturen erstarren, während sie an den Glimms sog, als wäre es das kostbare Warme.
Skilla zog nun selber an ihren Stricken und webte sich nach und nach einen eisernen Umhang aus ihnen, den sie nie ablegte. Aus ihren Boxen sägte sie Särge, in denen die Toten Lieder sangen, die ihre Seele stets auf Temperatur hielten, so dass diese nie ganz zu schwingen aufhörte. Die Friedhofbewohner sangen von Eulen, die in der Nacht ein weiches Bett aus Efeu webten und dazu sang der Wind die Melodie von schweigenden Gräbern.
Sie ernährte sich nur von billigem Klinik-Red. Das gepanschte aus dem Sterbespital war kalt wie das Eis, das sie umgab. Zu einem frischen energiereichen Zug direkt an der warmen Tränke eines Sapiens-halses war sie einfach zu schlapp. Die Norm starrte sie nachts mit unnatürlich riesigen Augen an. Skilla schenkte ihnen ein kaltes Grinsen und lachte ihr neues, raues Lachen. So dicht sie auch waren, eine Wand aus Eis trennte sie dennoch. Skilla hatte keine Angst mehr vor ihnen, auch wenn ihr stetiges Scharren an der Eiswand bereits einen feinen Riss verursacht hatten, durch den der verrottete Todeshauch wie ein feiner Nebel aus Angst hindurchdrang.
XIII - This is the END
Skilla lag dicht an ihrer Sargbox, als die Geschwister Unwetter lautstark ihren Besuch ankündigten. Sie hatte es sich gemütlich gemacht, die Totenkerzen brannten, sie las die Beerdigungspredigt eines Mitmenschen. Da sie so lange in dieser unbewegten Haltung dagesessen hatte, hatte sie zunächst Mühe, ihre festgefrorenen Glieder zu bewegen.
Doch das Gewitterpaar kam näher und rief sie in unerbittlicher Weise.
Mit eiskalten Fingern öffnete sie die Tür zu Balkon, um zu verstehen, was Gewitter rief. Sie schüttelte sich und befreite die Eiszapfen aus den Haaren und ihren Ohren. Langsam blätterte auch das Eis aus ihrem klammen Gesicht und zum ersten mal nach langer (oder noch längerer) Zeit konnte sie ihr Gesicht ertasten und bewegen.
Es fühlte sich ungewohnt an, einen anderen Gesichtsausdruck auszuprobieren. Sie war noch ein wenig mit ihrem Gesicht beschäftigt und betrachtete sich in einer Eisscholle, die auf Balkon herumlag, als das Gewitterpaar sie mild zurechtwies.
" Komm an die Brust Balkons und breite die Arme aus " rief es aus den Wolken.
Skilla fror, die kühle Tochter Kälte hielt sich noch immer dicht bei Gewitter, so dass sie ihre Augen nicht öffnen konnte, ohne dass sie vereist wären.
" Rufe Wind hinter uns hervor " befahlen sie donnernd und krachend.
Skilla rief leise nach Wind. " Wind, alter Freund, komm herbei, sei mein Gast ".
Die Perlen der Freude quollen zwischen ihren Lidern hervor und liefen ihre Wangen herab, als der gute, alte Wind auftauchte und sie kraftvoll umwehte.
" Öffne Deine Augen" klang erneut ein sanfter Befehl aus der Luft.
Hörte denn keiner diese Instruktionen? Nein. Sie waren nur für sie bestimmt, die Menschheit saß dumpf hinter ihren Öfen.
Skilla nahm ihre Finger und hielt die Augen offen. Wind wehte durch die Winkel ihrer Augen und befreite sie von ein paar Eiskristallen und Perlen, die dort fest hingen.
" Was sieht du ? " kam es von oben.
Sie sah plötzlich durch all die Schichten der Welt hindurch und Blitz schickte ein gleißendes Zucken durch ihren Körper.
Auf Balkon standen nun vier Genossen.
* Ein Indianer, der ihr Knie aufschlug und verwundete
* Ein Rabe, der ihr zuzwinkerte
* Eine Zauberin, die ihr Kräuter reichte
* Das Gewitterpaar und Wind in heller Gestalt
" Ich sehe alles, was ich brauche, die für mich richtigen Dinge" antwortete Skilla und die vier Anwesenheiten begannen sich zu verwandeln, sie wurden kleiner und kleiner, nahmen eine rötliche Farbe an, und als die seltsame Metamorphose vorüber war, war ein roter Kater für Skilla geboren.
" Dein Gefährte der all das Richtige vereint, für immer und ewig in dieser Gestalt " raunte der Wind in ihr Ohr und in Skilla herrschte Ruhe.
- Epilog -
In dieser Nacht träumt Skilla einen Abschied.
Die Sonne verdunkelt sich zu einer Sichel, die Kälte ist der Leere des Universums gewichen. Ein Vakuum aus Illusion und Traum umschlingt die Welt, Fische schreien, Bäume brechen sich entwurzelt das Genick, das Meer streckt die Arme aus und krallt sich schäumend ins Erdreich. Sterne schlagen enthauptet tiefe Wunden in das Fleisch der Welt. Elefanten zertrampeln ihre Käfige und Wale rufen zum letzten Gesang, während die Möwen sich kreischend in die Fluten der Unendlichkeit stürzen, verdunkelt sich die Sonne endgültig hinter einem Vorhang aus tiefem Kummer.
Das Alphatier der Hyänen tritt dicht an Skilla heran.
Skilla macht einen Schritt auf ihn zu. In ihrer Hand ein Schwert aus Kälte und Eis. Im Maul der Hyäne Zähne aus Schmerz und Pein. Skilla legt ihm das Schwert zu Füßen, verbeugt sich. Sie legt ihren eisernen Umhang ab, faltet ihn sorgfältig und legt ihn zärtlich neben sich. Sie kniet sich neben ihn und richtet den Blick auf dem Boden, bereit zu sterben.
Der schlechte Atem innerer Qualen schlägt ihr warm ins Gesicht. Leicht liegen die Hände auf ihrem Schoß. Eine Ameise schleppt eine Uhr an ihr vorbei. Eine Träne tropft auf das Glas und verliert sich dann im Wüstensand.
Der Hauch des Todes durchdringt nun jede Faser ihres Körpers. Die Norm schlägt ihre Fänge in ihren pochenden Hals und Skilla schließt die Augen. _________________ Das hundi von meinem Frauchen Lady Morgana ist. und sehr stolz drauf ist
Mein Vampir name lautet God of Trannsylvania Lautet
 |
|