morgana Administrator

Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 18.11.2006 Beiträge: 153 Wohnort: leverkusen
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Verfasst am: 22.11.2006, 16:09 Titel: der begriff legende |
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legende (v. lat.: legendum = "zu lesendes") bezeichnet ursprünglich eine geschichte zum lesen oder auch vorlesen.
im gegensatz zur sage, die mündlich tradierte geschichten von göttern und helden aus der vorzeit überliefert, will die legende einen tatsächliche ereignisse erfassenden bericht zur frommen erbauung und belehrung des lesers schildern.
ursprünglich bestanden legenden aus den lebensbeschreibungen der heiligen.
man unterscheidet märtyrerlegenden, die nach dem tod eines märtyrers zu wuchern begannen, sowie heiligenviten, bei denen bereits zu lebzeiten stoff für eine künftige legende gesammelt wurde.
letztere dienen unter berücksichtigung der besonderen spezifika der historischen quellenforschung.
kult-legenden berichten über den ursprung oder die herkunft bestimmter religiöser orte, bräuche und gegenstände.
nach andré jolles wird die legende als eine sogenannte einfache form verstanden.
lateinische legendensammlungen sind seit dem 7. jahrhundert bekannt. weite verbreitung fand die bekannte legenda aurea des jacobus de voragine (1263-1273), der die gewaltige legendenstofffülle der zeit sammelte und für kultische zwecke verfügbar machte.
in deutschland entstanden die ersten legenden um 900 und gipfelten in mittelhochdeutschen versepen.
die bekanntesten waren u. a. die des hartmann von aue, konrad von würzburg oder rudolf von ems.
die reformation leitete das ende des legendenkultus ein.
nachdem luther die legende als nützlich und fein zu lesendes werk nach der bibel zunächst billigte, griff er sie mit dem wortspiel „die lügende“ scharf an.
da die mittelalterlichen heiligenlegenden oft unkritisch wunder, erscheinungen und andere übersinnliche dinge beschrieben und oft auf sagenhafter überlieferung beruhten, wurde der begriff legende im kritischen sprachgebrauch der neuzeit zu einem synonym für einen historisch nicht oder schlecht belegten bericht und meist abwertend gebraucht.
nachdem legenden in der zeit der aufklärung dem kritischen interesse nicht standhielten, wurden sie in der romantik wieder geachtet.
zahlreiche schriftsteller des 19. jahrhunderts beginnend mit einem plädoyer herders schufen neue legenden.
dazu zählten goethe legende vom hufeisen, kleist, die heilige cäcilie oder die gewalt der musik.
im 20. jahrhundert fand die legende bis hin zur parodie antilegende eine neue beachtung. _________________
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