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Andreas Tanis
Chronist der Vampire




Anmeldungsdatum: 04.11.2006
Beiträge: 42

BeitragVerfasst am: 04.12.2006, 01:27    Titel: Antworten mit Zitat

Tanis zuckte leicht mit der Schulter.
Im Grunde dachte er ähnlich wie Sethan.
Er mochte Viktor nicht.
Er mochte Viktors Auftreten nicht.
Und er wusste, dass Viktor ihn nicht leiden konnte, weil er Markus Geschöpf war.
Und weil die einzige mutige Tat, die er jemals vollbracht hatte, diejenige gewesen war, sich auf Markus Seite zu schlagen.
Aber er fürchtete dennoch den Zorn des Vampirfürsten und er wusste um dessen Einfluss, daher zog er sich zumeist vor ihm zurück, gab ihm keinen Anlass über ihn zu zürnen - obwohl ihm klar war, dass allein sein Anblick dem Vampir schon wütend werden ließ, wenn er ihn auf dem falschen Fuß erwischte.

Viktor war gefährlich und unberechenbar und das waren zwei Komponenten, die Andreas Tanis suspekt waren und seinerseits vorsichtig werden ließen.

"Um so unangenehmer wird es, ihm über den Weg zu rennen." Warf Tanis unglücklich ein und seufzte.
Es war nicht so, dass er sich wünschte, Viktor würde bekommen, was er verlangte, oder worauf er aus war.
Aber trotzdem war es ihm lieber, wenn Markus ihm die Stirn bot, als wenn Viktor seinen Zorn an anderen ausließ - ihm zum Beispiel.

Er sah sich um, als er glaubte das Verklingen von Schritten auf den Korridoren zu hören, und entspannte sich dann wieder, als sie sich entfernten.
Keine Nachtschatten. Die trampelten nicht.
"Nachtschatten ja..." Antwortete er.
"Bei denen wundert mich schon lange nichts mehr." Er schüttelte resignierend den Kopf.
"Sie sollen ja inzwischen keinerlei Gefühle mehr hegen. Für nichts. Für niemanden. Das ist doch kein Leben. Völlig ohne Leidenschaft. Völlig ohne Verlangen. Ohne Persönlichkeit." Er stieß einen verächtlichen Laut aus, und sah zu Sethan, der ihn ruhig, aber noch immer lächelnd musterte.

Man brauchte doch etwas, wofür es sich zu leben lohnte?
Was Tanis auch nach Jahrhunderten noch reizte, waren Bücher und die Geschichte die sie erzählten - die er sie erzählen ließ.
Die wahre Unsterblichkeit lag für ihn nicht im Blut, sondern im Wissen - und in Erfahrungen, die andere machten, niederschrieben, und ihm dadurch eröffneten.
Markus Leidenschaft, das wusste er, lag in seinem Wunsch, alles zum Guten zu wenden und seinen Bruder eines Tages erlösen zu können.
Die Leidenschaft der Pathfinder gehörten den Pfaden und den Geschichten, die sie ihnen erzählten.
Die Nachtschatten jedoch hatten nichts dergleichen.
Sie waren stumpfe, leere Hüllen, mehr nicht.
Und das war traurig.

_________________
Wissen bedeutet Macht.
Wahres Wissen allerdings gewinnt man nicht aus Büchern, sondern nur aus Erfahrung.
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BeitragVerfasst am: 04.12.2006, 01:27    Titel: Anzeige

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Sethan
Meisterschüler




Anmeldungsdatum: 23.11.2006
Beiträge: 30

BeitragVerfasst am: 05.12.2006, 10:50    Titel: Antworten mit Zitat

Sethan musterte Tanis weiterhin mit großem Interesse und es war fast so, als könnte er seine Gefühle und Gedanken erraten.
Auch die Schüchternheit des Chronisten trat wieder hervor und Sethan fragte sich, was den Vampir zu solchen Emotionen veranlasste.

Der Pathfinder vertrat die These, dass jeder auf dieser Welt für etwas nützlich war und eine Rolle spielte in dem Erzählverlauf den die Geschichte ihnen allen vorgab.
Andreas Tanis gehört genauso zu dieser Geschichte, nur war sich der Chronist wohl darüber noch nicht ganz im Klaren.

„Das ist doch kein Grund den Kopf hängen zu lassen.“ sagte Sethan freundlich und mit einem Lächeln. „Sei lieber froh, dass du ein anderes Dasein fristen darfst.“

Wenn Sethan sprach, hatte man manchmal das merkwürdige Gefühl, als würde er einen durchleuchten.
Trotzdem vermittelte er einem auch eine Menge positiver Energie, zumindest dann, wenn er es wollte.

„Manchmal kann es zwar einschüchternd und kompliziert sein, aber wir haben dafür eine Menge Zeit und die sollten wir auch nutzen, für all die vielen Erzählungen und Geschichten dieser Welt.“
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Andreas Tanis
Chronist der Vampire




Anmeldungsdatum: 04.11.2006
Beiträge: 42

BeitragVerfasst am: 05.12.2006, 16:09    Titel: Antworten mit Zitat

"Ja, schon..." Entgegnete Tanis und nickte leicht.
"Aber manchmal glaube ich, dass selbst die Ewigkeit nicht ausreicht, um alle Geschichten zu sammeln, die es auf der Welt gibt." Er zuckte mit der Schulter.
"Die Geschichten entstehen aus den Geschöpfen heraus. Aus den Wesen, die sie erleben. Aus Schicksalen. Aus Unglück. Aus Liebe. Aus Zeit. Sie entwickeln sich mit uns, und lassen sich nicht einfangen und auf Papier bannen." Tanis Augen hatten zu Leuchten begonnen, als er von Geschichten und deren Hintergründen gesprochen hatte, doch nun beruhigte er sich wieder.

"Aber dann ist da noch diese andere Art von Geschichte. Die gegenwärtige, unveränderbare Geschichte, deren Teil wir sind und die wir nicht beeinflussen können." Tanis Gesicht verdüsterte sich ein klein wenig.
"Ich habe immer an dem Vorsatz festgehalten, dass Geschichte sich wiederholt. Inzwischen weiß ich, dass diese These häufig zutrifft. Aber es ist deprimierend zu sehen, dass man selbst dann nichts zu ändern vermag, wenn man weiß was geschieht."
Wieder zuckte der Chronist mit der Schulter, und lächelte nun schief, als er bemerkte, dass das zwar alles schön und gut, aber nicht Thema ihrer Unterhaltung gewesen war.

"Ja und äh... aus diesem Grunde habe ich mich im Übrigen beschlossen, die Geschichte zu beobachten, und aufzuschreiben, anstatt zu versuchen, mich einzumischen. Kein besonders eindrucksvolles Lebensziel, wenn man die Ewigkeit vor sich hat, ich weiß."

Jaja, die Ewigkeit... die ihm Markus geschenkt hatte.
Von der er damals nicht gewusst hatte, was sie bedeutete.
Die ihm Wissen versprochen hatte.
Wissen, welches ihn dazu veranlasst hatte, sich dem Vampir hinzugeben, und zu einem Geschöpf der Nacht zu werden, das dem Sonnenlicht auf alle Zeit abschwor.

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Sethan
Meisterschüler




Anmeldungsdatum: 23.11.2006
Beiträge: 30

BeitragVerfasst am: 05.12.2006, 17:12    Titel: Antworten mit Zitat

Fasziniert hatte Sethan dem anderen Vampir zugehört.
Dieses Gespräch entwickelte sich zu einer überaus interessanten Diskussion.
Da der Pathfinder bisher noch nicht wirklich viel mit Tanis gesprochen hatte, war ihm gar nicht bewusst gewesen, wie viele Gemeinsamkeiten sie besaßen.
Man musste lange suchen, um jemanden in dieser Festung zu finden, der sich für Bücher und Geschichten interessierte und dazu kein Pathfinder war.

„Die Geschichte ist nicht starr und reglos. Man kann sie ändern, nur muss man auch wissen, wie.“ erwiderte Sethan geheimnisvoll.

Er sah oft Ereignisse kommen und wusste, wie er darauf zu reagieren hatte.
Das war eine Gabe, für die er sehr dankbar war.
Sie half ihm auch die meisten Dinge leicht zu nehmen, selbst wenn es sich um ein schweres Schicksal handelte.

„Aber es ist ein bewundernswerte Aufgabe, die Geschichte niederzuschreiben. Schließlich bedarf es solchen Personen, um unsere Gegenwart für die Nachwelt zu erhalten.“

Sein Lächeln wurde noch eine Spur spöttischer.

„Falls du irgendwann über meine unbedeutende Wenigkeit schreiben solltest, notiere, dass ich in meinem menschlichen Leben ein Bierliebhaber gewesen bin.“
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Andreas Tanis
Chronist der Vampire




Anmeldungsdatum: 04.11.2006
Beiträge: 42

BeitragVerfasst am: 05.12.2006, 17:38    Titel: Antworten mit Zitat

Tanis lächelte erneut schief.

Nachwelt? Welche Nachwelt?
Wer würde wohl länger auf dieser Erde wandeln, als sie?
Was würde wohl übrig bleiben, wenn ihre Herrschaft über diese Welt einmal zu Ende ging?
Dunkelheit und Leere.
Wer las schon, was er niederschrieb?
Und wann hatte ihn interessiert, ob es jemand las?


Er nickte leicht.
Bei den Pathfindern war es ja ohnehin anders.
Sie lebten nicht ewig.
Sie starben nicht.
Sie verschwanden einfach, als hätte es sie nie gegeben.

Und von diesem Sichtpunkt ab wirkte Sethans Aussage, so spöttisch sie gemeint sein mochte, nicht mehr halb so absurd wie im ersten Augenblick.

"Bier." Stellte er fest, und nickte.
"Wie kann man nur eine Vorliebe für derlei bitteres Gesöff hegen?" Fragte er grinsend.
"Was dir fehlt, ist ein vernünftiger, über die Jahre hinweg gereifter Wein... dann vergisst du ganz schnell die Bedeutung des Wortes "Bier"."[/b] Er zwinkerte Sethan nun tatsächlich zu, fühlte sich sicher genug, es zu tun, und er begann die Anwesenheit des Pathfinders tatsächlich zu genießen.
[b]"Und... gegen einen guten Jahrgang kommt kaum etwas an... von Menschlichen Körperflüssigkeiten einmal abgesehen."
Er grinste wieder, und unter seinen Lippen traten deutlich die spitzen Eckzähne des Vampirs hervor.

"Sonst noch etwas, das die Welt über dich erfahren sollte? Düstere Geheimnisse? Abartige Vorlieben? Also, abartige Vorlieben, die über den Biergenuß hinausgehen?"

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Sethan
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Anmeldungsdatum: 23.11.2006
Beiträge: 30

BeitragVerfasst am: 05.12.2006, 18:11    Titel: Antworten mit Zitat

„Jetzt wo du es ansprichst.“ begann Sethan fröhlich in der Vergangenheit zu schwelgen. „Wein liebe ich auch sehr. Damals gab es bei Vater Ottokar immer den besten Messwein.“

Er erinnerte sich an die Sonntagsmesse, in der der Mönch, zunächst über die Verruchtheit des Weibes herzog und anschließend den Messwein in einem Zug austrank.
Manchmal hatte Sethan sich in den Keller geschlichen, um selbst von dem Wein zu kosten, doch fand er ihn zur damaligen Zeit nicht sehr wohlschmeckend und nahm lieber mit den Mahlzeiten der Nonnen vorlieb, bei denen auch ab und zu von der Köchin Bier ausgeschenkt wurde.
Natürlich nur in geringen Mengen und nur für diejenigen Personen, die ihr am Herzen lagen.

Einiges hatte sich seit dieser Zeit verändert.
Sethan selbst eingeschlossen.
Er hatte nichts mehr mit dem schmächtigen, unscheinbaren Jungen gemein, der er zu Lebzeiten gewesen war.
Nur sein Hang zu Büchern und Geschichten lebte weiter fort.

„Düstere Geheimnisse, die zugleich auch oft sehr peinlich sind, habe ich zuhauf. Ich erzähle sie besser niemandem im Schloss weiter, sonst würde man jeglichen Respekt vor mir verlieren.“
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Andreas Tanis
Chronist der Vampire




Anmeldungsdatum: 04.11.2006
Beiträge: 42

BeitragVerfasst am: 05.12.2006, 22:36    Titel: Antworten mit Zitat

"Na, dann brauchst du mir gegenüber kein Blatt vor den Mund zu nehmen." Antwortete Tanis lachend.
"Ich besitze niemandes Respekt, und respektiere prinzipiell jeden." Die grünen Augen begannen sich wieder unruhiger in dem Raum hin und her zu bewegen.

Muss ich ja.
Entweder das, oder ich gehe unter.
Und ich hatte schon immer einen Hang zum Überleben.
So ist das.
Manche von uns sind geschaffen zum Herrschen.
Andere zum Dienen.
Ich war nie ein Herrscher.
Also blieb mir nur das Dienen.


"Das mag für dich vielleicht komisch klingen, ist für mich aber der einfachste Weg, Problemen zu entgehen."

Und es gibt nur ein Wesen, um dessen Willen ich Risiken eingehe.
Nur ein Wesen, für das ich freiwillig Probleme in Kauf nehme.
Und das ich sein Vertrauen genieße, ist für mich alles andere als normal, selbst wenn ich weiß, dass es andere gibt, die ihm näher stehen.


"Ich war noch nie für meinen Mut bekannt, weißt du?" Er lächelte ein wenig spöttisch.
"Aber was ich einmal erfahre, vergesse ich nicht. Und was ich einmal lese, bleibt mir ebenfalls im Gedächtnis. Das macht mich wohl in irgendeiner Hinsicht nützlich."

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Sethan
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Anmeldungsdatum: 23.11.2006
Beiträge: 30

BeitragVerfasst am: 07.12.2006, 09:30    Titel: Antworten mit Zitat

„Ich glaube du unterschätzt dich gewaltig.“ erwiderte Sethan und seine Augen fixierten die des anderen Vampirs, gerade so, als könnte er ihm damit direkt in seine Seele sehen.

Sethan sprach Dinge nicht ohne Grund aus.
Er log nicht, nur um damit jemand anderen eine Freude zu machen, denn er hielt nichts von diesen Oberflächlichkeiten.
Der Pathfinder vertrat die Meinung, dass die Wahrheit zwar sehr oft schmerzte, doch immerhin noch besser war, als freundlich gemeinte Lügen.
Lügen verfälschten alles.

„Vielleicht beweist du nicht gerade Mut im Umgang mit anderen Vampiren.“ setzte Sethan weiter fort, denn erinnerte sich an Andreas Auftritt in der Bibliothek.

Der Chronist schien nervös und unsicher bei seinem Anblick zu sein.
Ein Verhalten dass er zwar von einigen anderen gewohnt war, doch nicht in diesem Ausmaß.
Für Sethan war es auch keine Schwierigkeit aus der Körpersprache seines Gegenübers zu lesen und sofort zu wissen, wann eine Situation unangenehm für die anderen wurde.

„Aber du hast einen Sinn fürs Überleben und das ist in solchen unsicheren Zeiten manchmal sogar wichtiger als blinde und gedankenlose Zuversicht in seine eigenen heroischen Gefühle.“
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Andreas Tanis
Chronist der Vampire




Anmeldungsdatum: 04.11.2006
Beiträge: 42

BeitragVerfasst am: 11.12.2006, 15:55    Titel: Antworten mit Zitat

Andreas grinste kurz.
"Ist nett von dir, das zu sagen." Erwiderte er.
"Und noch netter zumal ich weiß, dass du das nicht einfach nur so sagst... glaube ich wenigstens..." Er legte den Kopf kurz schief.

Ihr Pathfinder seid doch dafür bekannt, dass ihr die Wahrheit allem anderen vorzieht?
In der Wahrheit liegt die Stärke?
Oder so ähnlich?
Nein?


"Aber was du da sagst, klingt dennoch, als würdest du dir Sorgen machen." Fügte er vorsichtig hinzu, und stellte damit wieder einmal unter Beweis, dass er über einen scharfsinnigen Verstand und eine gute Beobachtungsgabe verfügte, auch wenn vorallem Viktor ihm beides recht häufig absprach.

Tanis beobachtete die Entwicklungen "am Hofe" der Vampire jetzt schon seit einigen Jahrhunderten mit wachsendem Interesse, aber auch wachsender Sorge, und er war fast überzeugt, dass es bei den Pathfindern nicht anders war - nicht anders sein konnte.
Ihre Lage spitzte sich zu, es lag etwas in der Luft, und wäre Tanis nicht zu feige gewesen, hätte er seinen Arm darauf verwettet, dass ihnen der große Knall erst noch bevorstand.
Und dass es die Ruhe vor dem Sturm war, die sie im Augenblick umfing.
Er hatte sich nie wirklich und gleichzeitig unendlich oft Gedanken darüber gemacht, wie ihre Zukunft wohl aussehen mochte.
Und bei allen Szenarien, die er sich erdacht hatte, war es am Ende zu einer gewaltigen Konfrontation zwischen seinen beiden Lieblingsvampirältesten gekommen.
Tanis hatte sich Notizen darüber angefertigt, versucht, sich selbst und seinen Thesen zu widersprechen, aber er glaubte dennoch, dass es so oder ähnlich eintreffen würde.
Was ihn unsicher war, dass er die Auswirkungen nicht kannte, die es für ihn haben würde.
Ob er es überlebte.
Auf wessen Seite er sich schlagen sollte, und auf welche er sich tatsächlich schlagen würde.
Er war kein Krieger.
Die Pathfinder genau so wenig, aber Tanis war sich noch nicht ganz sicher, ob sie nicht dennoch gute Chancen gegen Viktors Nachtschatten haben würden.
Immerhin trugen sie ihre Kampfstäbe nicht umsonst.

"Ein wenig Zuversicht ist manchmal dennoch nicht ganz verkehrt am Platz." Erwiderte er leise.
"Zumal dann, wenn Zuversicht alles ist, was bleibt." Die grünen Augen fixierte versunken den Einband seines Buches, bevor er wieder aufsah, um dem Pathfinder in die Augen zu sehen.
In ihnen lag Sicherheit und Furchtlosigkeit, und Tanis wusste, dass er niemals derart gelassen werden würde.
Bei allem, was er war, wurde er dominiert durch seine Ängste und Unzulänglichkeiten.
Aber Tanis war intelligent genug, zu erkennen, dass das nur menschlich war.
Und dass es dieser Zug war, den Markus an ihm schätzte.
Auch wenn er es nicht verstand.

Er hob kurz die Hand und wandte seine Aufmerksamkeit dann wieder gänzlich Sethan zu.
"Und? Was glaubst du, wird passieren?" Fragte er ihn neugierig, wusste er doch, dass manch Pathfinder dazu fähig war, die Pfade der Vergangenheit und der Zukunft zu betreten.

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Sethan
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Anmeldungsdatum: 23.11.2006
Beiträge: 30

BeitragVerfasst am: 12.12.2006, 23:02    Titel: Antworten mit Zitat

Sethan betrachtete ihn abschätzend.
Der Chronist besaß einen schärferen Verstand, als zunächst angenommen und wies dazu noch eine sehr gute Beobachtungsgabe auf.
Ein Umstand, der das Überleben in dieser unüberschaubaren und komplizierten Welt sicherte.

Der Pathfinder legte den Kopf leicht schief, als er sich Tanis’ letzte Frage durch den Kopf gehen ließ.
Der Chronist wusste anscheinend, bei welchen Fragen es sich lohnte, auf die passende Antwort zu warten und er begriff, weshalb Markus ihn für die Ewigkeit erwählt hatte.

„Ich mache mir keine Sorgen über die Zukunft, denn sie kommt früh genug.“ erwiderte er mit einem wissenden Lächeln.

„Die Zeit ist kein starres Konstrukt, sie fließt und sie verändert sich. Genauso verändern sich auch die Pfade und der Blick auf die Zukunft oder sogar auf die Vergangenheit.“

Als er sprach nahm seine Stimme einen merkwürdig melodischen Klang an und sein Blick richtete sich in die Ferne, als ob er gerade in diesem Moment mit den Auswirkungen der Zeit konfrontiert wurde.
Es dauerte jedoch nicht lange, nur den Bruchteil eines Augenblicks, und Sethans Geist kehrte wieder zurück in die Gegenwart.

„Zuversicht ist deshalb eine würdige Waffe gegen die Furcht vor dem Nahenden.“
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Andreas Tanis
Chronist der Vampire




Anmeldungsdatum: 04.11.2006
Beiträge: 42

BeitragVerfasst am: 13.12.2006, 23:07    Titel: Antworten mit Zitat

Tanis sah den Pathfinder ruhig an, und ließ sich seine Worte durch den Kopf gehen.
Dann runzelte er die Stirn.
„Wie kann sich der Blick auf die Vergangenheit ändern?“ Fragte er neugierig.

„Ich meine, mir ist klar, dass die Zeit nicht starr und schon gar nicht fest vorgefasst ist, und unsere Zukunft sich mit den Entscheidungen der Gegenwart verändert… wie aber kann sich in der Gegenwart verändern, was in der Vergangenheit bereits geschah?
Wäre das nicht ein Paradoxon?
Eine Gegensätzlichkeit, die so nicht geschehen kann?“
Fragte er, lehnte sich nun zum ersten Mal seit ihr Gespräch begonnen hatte, in dem unbequemen Stuhl zurück, um Sethan herausfordernd anzusehen.

Er mochte nichts von Zeitreisen verstehen, nichts von den Pfaden, auf welchen Sethan wanderte.
Aber er war durchaus in der Lage, Dinge zu erfassen, und zu diskutieren, sowohl auf philosophischer als auch rein wissenschaftlicher Ebene.

Die grünen Augen schimmerten sachte, und Tanis ganze Haltung verriet, dass er sich wirklich wohl fühlte – was in Gesellschaft anderer ausgesprochen selten vorkam.

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Sethan
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Anmeldungsdatum: 23.11.2006
Beiträge: 30

BeitragVerfasst am: 16.12.2006, 12:11    Titel: Antworten mit Zitat

Sethan hatte mit einer derartigen Frage gerechnet.
Für die meisten Personen schien die Vergangenheit etwas Unveränderbares zu sein, das als gegebene Tatsache hingenommen wurde.
Nur einige wenige wussten, dass die Zeit weitaus komplizierter war.

„Auch die Vergangenheit ändert sich, selbst durch dein eigenes Handeln.“ antwortete er dem Chronisten und ein sanftes Lächeln spielte um seine Lippen.

Sein Gegenüber schien gar nicht zu wissen, welch große Macht er durch sein Tun besaß.
Andreas Tanis war das Gedächtnis dieser Gesellschaft.
Er war dafür verantwortlich das Geschehene für die kommenden Generationen niederzuschreiben.
Eine bedeutende und verantwortungsvolle Aufgabe, wie Sethan fand.

„Das Vergangene ist im Wandel, durch jeden neuen Blickwinkel, der an der Oberfläche der Zeit erscheint. Denn die Tatsache für sich genommen beweist gar nichts, es sei denn man betrachtet sie im Lichte einer bestimmten Interpretation.“
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Andreas Tanis
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Anmeldungsdatum: 04.11.2006
Beiträge: 42

BeitragVerfasst am: 09.01.2007, 16:22    Titel: Antworten mit Zitat

Tanis runzelte kurz die Stirn.
Er versuchte, sich vorzustellen, was Sethan meinte und tatsächlich entstand in ihm eine Ahnung dessen, was der Pathfinder beschrieb.

"Du meinst... also... wenn ich etwas erlebe, und mich Jahre später daran zurückerinnere, werde ich es anders sehen, als zu dem Zeitpunkt, als ich es erlebt habe. Mögen weitere Jahre vergehen, in denen ich mir neues Wissen, neue Fertigkeiten, und neue Erfahrungen aneigne, dann werde ich dieses spezielle Ereignis wiederum mit ganz anderen Augen sehen, als zu dem Zeitpunkt, als ich zum ersten Mal darauf zurückgeblickt habe?" Versuchte Tanis nun seine Vorstellung, oder besser die Umsetzung dieser Vorstellung mit Worten zu umschreiben.

"Ohjemine..." Stieß er schließlich hervor und stöhnte leise auf, während er ein gequältes Gesicht machte.
"Das heißt, ich werde nie damit fertig werden, alles aufzuschreiben... weil ich eigentlich alles wieder und wieder schreiben müsste... da es nicht mehr stimmig ist, mit dem Wissen, welches ich heute habe..." Er sank ein klein wenig in sich zusammen, und schien mit sich und dieser neuen Erkenntnis zu hadern.
"Irgendwie wünsche ich mir gerade, das nie erfahren zu haben..." Die grünen Augen blitzten kurz auf.
"Aber das wünschst du dir ja immer, Andreas, und werden tut trotzdem nix draus... Da ist nur deine verfluchte Neugier Schuld dran..." Er sah auf, als wäre er sich eben erst wieder der Tatsache bewusst geworden, dass es der falsche Zeitpunkt war, um Selbstgespräche zu führen, weil er einen Gesprächspartner hatte, und sah Sethan entschuldigend an.
"Ich äh..." Er biss sich auf die Lippen.
'Führe Selbstgespräche, weil sonst niemand mit mir spricht?'
"Ignoriere mich am Besten..."

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Sethan
Meisterschüler




Anmeldungsdatum: 23.11.2006
Beiträge: 30

BeitragVerfasst am: 09.01.2007, 20:52    Titel: Antworten mit Zitat

„Keine Sorge, ich unterbreche dich, falls mir langweilig wird.“ Erwiderte Sethan mit einem Grinsen.

Der Pathfinder hatte ihm zugehört und er war beeindruckt. Dermaßen schnell hatte
es bisher keiner von den anderen Vampiren begriffen, worum es bei der Aufdeckung vergangener Ereignisse ging.
Nicht dass Sethan sehr viel mit anderen Vampiren sprach. Diejenigen, mit denen er sprach jedoch, wollten sich nicht mit derlei Überlegungen den Kopf zerbrechen.
Das war einer der Gründe, weshalb Sethan seine Zeit lieber in der Bibliothek verbrachte und die anderen Vampire mied.

„Dieses Projekt stellt eine große Herausforderung dar.“ sagte Sethan feierlich, als Tanis eine Pause einlegte.
„Aber dadurch wird es erst interessanter für dich werden und du wirst an deinen Aufgaben wachsen. Und falls es doch nichts wird, kannst du noch immer Oberfolterer im Kerker werden oder dich zu den Speichelleckern gesellen, die stets um die Ältesten herumscharwenzeln.“
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Andreas Tanis
Chronist der Vampire




Anmeldungsdatum: 04.11.2006
Beiträge: 42

BeitragVerfasst am: 10.01.2007, 01:33    Titel: Antworten mit Zitat

Tanis rollte kurz mit den Augen.
"Ihhhh dann müsste ich mich ja zu Kraven gesellen..." Er grinste breit.
"Da kann ich genauso gut gegen ne Kerkerwand reden - die hört mir wenigstens zu." Der Vampir schüttelte den Kopf.
"Den Folterposten werd ich leider ausschlagen müssen..." Fügte er noch immer grinsend hinzu.
- Ich kann kein Blut sehen.
Okay. Scherz beiseite.

"Ich kann es nämlich nicht wirklich ertragen, andere Schmerzen leiden zu sehen, die genauso gut meine sein könnten. Ich lebe nämlich nach einem Prinzip, welches sich bislang recht gut bewährt hat." Er machte eine kurze feierliche Pause.
"Was du nicht willst das man dir tut, das füg auch keinem andern zu." Die grünen Augen leuchteten erneut fröhlich.
"Und das, mein Freund, habe ich nicht aus Büchern gelernt."
Er lehnte sich wieder ein wenig in dem Stuhl zurück, um Sethan nachdenklich zu mustern.
'Man wächst an seinen Aufgaben.
Mag sein, dass das stimmt.
Aber ist denn jeder für große Aufgaben gemacht?
Und ist diese Aufgabe nicht vielleicht zu groß für mich?'


"Ich werde über deine Worte nachdenken." Er grinste wieder.
"Und was ist dein Alternativplan dafür, wenns mit den Pfadfinderdingsis nicht klappt? Also, nicht dass ich deine Fähigkeiten, dein Können oder dich anzweifeln würde. Aber ich habe das ungute Gefühl, dass da was im Busch ist, und dass es... vielleicht auch die Pathfinder betrifft. Und.. meine unguten Gefühle bedeuten nur selten etwas gutes." Er zuckte die Schulter.
Ja Tanis, wie eloquent du heute doch wieder bist!
Ungute Gefühle bedeuten nichts Gutes?
Wenn das nicht mal höchstes Sprachniveau ist...!
Und du willst belesen sein?
In einem anderen Leben vielleicht!
Verlierer!

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