Einstrich - Keinstrich



 
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Panzermann
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Anmeldungsdatum: 05.01.2006
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BeitragVerfasst am: 14.08.2007, 21:40    Titel: Einstrich - Keinstrich Antworten mit Zitat

Im Frühjahr 1982 wird der neunzehnjährige Joerg Waehner nach einer
Denunziation in Karl-Marx-Stadt auf offener Straße von der Stasi
verhaftet. Er wird verhört und der „staatsfeindlichen Hetze, öffentlicher
Herabwürdigung und geplanter Republikflucht“ beschuldigt. Auch wenn
nichts bewiesen werden kann, folgt die Strafaktion des MfS unmittelbar.
Verbot von Auslandsreisen und Isolation durch sofortigen Einzug zum
Militär.
Joerg Waehners NVA-Tagebuch beschreibt das Leben in der
Zwangsgemeinschaft in Uniform, den stupiden Dienst und die ruppigen
Vorgesetzten und seine Suche nach dem Urgroßvater, der am gleichen
Ort in der Nazizeit umkam. Waehner kämpft mit seiner Einsamkeit, seiner
Sehnsucht und dem Verdacht, dass man ihn weiter beobachtet.
Nach dem Ende der DDR wird der Verdacht bestätigt. Waehners Stasi-
Akte belegt, dass sein Leben in der Armee und auch danach minutiös
überwacht wurde, und gibt Auskunft über alle, die über ihn berichtet
haben.

Lesung mit Joerg Waehner:
Einstrich - Keinstrich
18 Monate in der Nationalen Volksarmee und die Stasi immer dabei - NVA-Tagebuch


30.08.2007, 18:00 Uhr

Ort: Dresden, BStU-Außenstelle, Riesaer Str. 7
(Mitveranstalter Die Bundesbeauftragte für die Stasi-Unterlagen, Außenstelle Dresden)
für alle Interessierten, Lehrer / Pädagogen, Polizei, Bundeswehr

Teilnahmegebühr: keine
Anmeldung/Info: Frau Barbe 0351 85318-44 oder Frau Daum -30,
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BeitragVerfasst am: 14.08.2007, 21:40    Titel: Anzeige

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Panzermann
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Geschlecht: Geschlecht:männlich
Anmeldungsdatum: 05.01.2006
Beiträge: 89
Wohnort: Schirgiswalde

BeitragVerfasst am: 06.09.2007, 21:00    Titel: Antworten mit Zitat

Einstrich – Keinstrich

Einer der (Museums-)Ausstellungsräume der Bundesbeauftragten für die Stasiunterlagen war am 30.08.2007 mit fast 30 Personen gut besucht.





Joerg Waehner stellte sein Buch vor.
In der knapp 90minütigen Lesung gab der Autor einen ersten Einblick in das Buch und auch in sein Leben.

„Armee, das ist mein Gefängnis mit neunzehn. Eine Zwangsgemeinschaft in Uniform, mit fremden Menschen, mit sich selbst.“*

Hier wird es jetzt keine Rezension des Buches geben, dafür muss ich es erst einmal komplett lesen. Smilie

Interessant ist die Geschichte von Joerg Waehner auf jeden Fall. Er stand dem politischen System der DDR skeptisch und eher ablehnend gegenüber. Mit 19 Jahren wurde er denunziert und geriet so mit der Stasi aneinander. Von da an folgten Bespitzelungen, Überwachungen und Wohnungsdurchsungen.
Schließlich wurde er zur NVA einberufen. Ganz bewusst wurde er in eine Kaserne kommandiert, in der keine Person aus seiner Umgebung diente bzw. einberufen worden war.
Seine Freundin erhielt im gleichen Zeitraum die Bewilligung für ihren Ausreiseantrag in die BRD. – Für Waehner war es ganz klar: bewusste und gezielte Isolation!!!

Nun sollte er, über den die Stasi Akten und Überwachungsprotokolle anlegte, auch noch für dieses System als Soldat dienen.

„Einstrich – Keinstrich“ der Buchtitel beschreibt nicht nur das Tarnmuster der NVA Uniform, sondern auch das Gefühl des Autors: ein kleiner Strich (Mensch) unter vielen, und doch allein und nichts.


Im Anschluss an die Buchlesung entwickelte sich noch eine lebhafte Diskussion. Es waren zahlreiche NVA-Gediente anwesend, die über ähnliche Erfahrungen, wie Waehner, berichteten.
Frau Barbe von der Sächsischen Landeszentrale für politische Bildung moderierte die Diskussion und motivierte das Auditorium zu Beiträgen.


Als Bundeswehrsoldat war ich mal wieder der „Einzelkämpfer“ unter den Besuchern.
Eines wurde durch die Buchlesung und die Diskussion wieder sehr deutlich und durch Frau Barbe wunderbar hervorgehoben:
Vorträge und Buchlesungen mit Opfern und Zeitzeugen von NS-Diktatur oder DDR-Regime sind notwendig und sollten jeden Bürger erreichen um auf die Errungenschaften wie Menschen-, Bürgerrechte und Rechtsstaat hinzuweisen. Die vielen Rechte und Freiheiten werden sehr oft als eine Selbstverständlichkeit hingenommen, ohne ihren Wert wirklich zu schätzen. Gerade als Soldat muss man Wissen wofür man einsteht und das nicht nur beim Gelöbnis/Vereidigung in der aktiven Dienstzeit.


Am Ende der Veranstaltung stand Joerg Waehner noch für Fragen und zum Signieren der Bücher zur Verfügung.


(zum Hintergrund der Widmung: Joerg Waehner hatte in seiner Wohnung einen als Paket verpackten und entsprechend frankierten Pflasterstein mit einem Zettel versehen, auf dem geschrieben stand: "Wurfsendung an die politische Justiz!" - Diese "Wurfsendung" fand die Stasi bei der Hausdurchsuchung... Diesen Spruch fand ich, wie auch der Autor, einen sehr passenden ´Widmungstext` zum Signum.)



* Waehner, Joerg: Einstrich-Keinstrich. NVA Tagebuch, Köln 2006.
(Verlag: Kiepenheuer & Witch)
ISBN: 10: 3-462-03674-2
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