Sunna1962 ..lebt sich ein

Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 03.12.2006 Beiträge: 33 Wohnort: Bayern
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Verfasst am: 03.12.2006, 19:51 Titel: Steinbock |
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Steinbock
Am 22. Dezember, gleich nach der Wintersonnenwende, tritt der Steinbock seine Regentschaft an. Dies ist die kärgste, unwirtlichste und kälteste Zeit des Jahres. Die Temperaturen in unseren Breitengraden sind jetzt meist konstant unter den Nullpunkt gesunken, und die Natur scheint stillzustehen. Der Boden ist hart gefroren, und außer dem Krächzen der Raben und Krähen läßt sich kein Vogelruf vernehmen. Schnee und Reif halten das gefrorene Land wie unter einem weißen Leichentuch begraben.
Aber die Sonne hat ihren Tiefpunkt bereits überwunden, und auch wenn wir es noch nicht sehen, beginnt sich das Leben auf und im Schoß der Erde schon auf den neuen Kreislauf vorzubereiten.
Ähnlich verborgen wie die schlafende Natur, wirken auch die Kräfte und Gefühle des Steinbock-Menschen. Nach außen hin machen diese Menschen oft einen kühlen und unnahbaren Eindruck. Sie tragen ihr Herz nicht auf der Zunge, und es ist für andere nicht leicht zu ergründen, was darinnen vorgeht.
Einer der Gründe für diese Verschlossenheit mag sein, daß Steinbockgeborene oft schon früh den Ernst des Lebens erfahren und mit Verantwortung konfrontiert werden. In ihrer Jugend scheint ihnen manches schwerer zu fallen als anderen Vertretern des Tierkreises, und auch beim Lernen kommen sie eher langsam voran. Dabei sind sie nicht etwa weniger intelligent als andere – sie möchten eine Sache nur durch und durch verstanden haben, und dafür brauchen sie eben mehr Zeit. Bei Steinbock-Kindern bekommt man manchmal den Eindruck, es mit ernsten, kleinen Erwachsenen zu tun zu haben.
Der strenge Saturn, der stets dafür sorgt, daß die Bäume nicht in den Himmel wachsen, ist der Planetenherrscher dieses Zeichens. Er hat seine Schützlinge mit Ernsthaftigkeit ausgestattet, aber auch mit einem zähen Beharrungsvermögen, mit dem kaum ein anderes Zeichen mithalten kann.
Ein weiterer Grund für das unnahbare Auftreten des Steinbocks ist sein Streben nach gesellschaftlicher Anerkennung. Meist ist er konservativ und legt großen Wert auf Konventionen. Er hinterfragt nicht und ist erst recht kein Rebell, sondern er ist bestrebt, sich innerhalb des vorgegebenen gesellschaftlichen Rahmens einen Platz zu schaffen.
Dieser Platz in der Gesellschaft ist vorzugsweise oben. Der Steinbock verkörpert den Gipfelstürmer, der sich ein Ziel gesetzt hat und keine Mühen scheut, es zu erreichen. Für seine Karriere ist er gewillt, hart und ausdauernd zu arbeiten. Dabei er hat es nicht etwa eilig wie beispielsweise der Löwe, den auch die Luft in den gesellschaftlich höheren Gefilden lockt. Der Steinbock geht stetig und mit kleinen Schritten voran. Er hat alle Zeit der Welt – denn er ist sicher, daß er sein Ziel erreichen wird.
Das Zeigen von Gefühlen freilich könnte seiner Karriere hinderlich sein – glaubt er zumindest. Er befürchtet, sein gesellschaftliches Ansehen könnte darunter leiden, wenn er sich von seiner weichen Seite zeigt. Und eine solche hat er durchaus. Der Steinbock ist zu tiefer Liebe fähig, er kann sogar romantisch werden. Und er hat einen wunderbaren, etwas trockenen Humor.
Aber es ist nicht nur sein Ansehen, um das der Steinbock fürchtet. Noch mehr fürchtet er, in seinem weichen Kern verletzt zu werden. Er selbst weiß, daß er mehr ist als der strebsame Karrieretyp – und er hat Angst, daß andere das auch entdecken könnten.
Wie alle Erdzeichen ist er ein Materialist. Emsig ist er dabei, Vermögen zu schaffen und beiseite zu legen. Dabei ist er allerdings kein Epikuräer wie der Stier, der Besitz braucht, um aus dem Vollen schöpfen zu können. Der Steinbock mag es eher spartanisch. Lieber nicht so üppig, aber dafür gediegen und teuer. Klasse statt Masse, ist sein Prinzip.
In seinem Beruf kann er ganz aufgehen. Arbeit ist für ihn Lebenszweck. Steinbock-Menschen fühlen sich vor allem hingezogen zu Berufen im Staatsdienst, in der
Verwaltung und im Bankwesen. Nicht selten landen Steinböcke in Vertrauenspositionen. Auch die Immobilienbranche bietet ihnen gute Möglichkeiten.
Wollen sie eine akademische Laufbahn einschlagen, wählen sie meist Naturwissenschaften oder Wirtschaftslehre.
Auch in der Politik sind Vertreter dieses Zeichens überdurchschnittlich oft anzutreffen.
Teilen ist nicht seine Stärke. Schließlich hat er hart und lange für seinen Wohlstand gearbeitet – warum sollte er nun andere einfach daran teilhaben lassen? Andere sollen sich daran gewöhnen, daß man Leistung zu bringen hat, wenn man etwas besitzen will. Das ist jedenfalls seine Devise, und darin kann er unerbittlich sein. Es gibt Steinböcke, die Dinge aus ihrem Besitz, von denen sie sich trennen möchten, lieber zerstören als sie zu verschenken.
Wenn er nicht beizeiten lernt, daß das Leben nicht nur aus Arbeit besteht und daß auch seine Gefühle ihre Daseinsberechtigung haben, wird sich das in Depressionen niederschlagen. Nicht selten versucht der depressive Steinbock, seinen Kummer mit Alkohol zu betäuben.
Geht der Karriereweg der Steinbock-Menschen zunächst auch langsam und mühselig an, schaffen sie in der zweiten Lebenshälfte dank ihres Fleißes und ihrer Beharrlichkeit doch meist den Durchbruch.
Überhaupt wird die zweite Lebenshälfte für die meisten Steinböcke ruhiger und angenehmer als die erste. Ist erst der Gipfel erreicht, erlaubt sich auch der Steinbock, Gefühl zu zeigen und nicht mehr alles so verbissen zu sehen. Oft macht sich das auch im Äußeren bemerkbar: sehen junge Steinböcke häufig aus wie kleine Erwachsene, so wirken ältere Steinböcke außergewöhnlich jung – wie eine Pflanze, die erst im Winter erblüht. _________________ Leben ist ein Feuerprozeß. Je reiner der Geist ist, desto heller, feuriger das Leben.
~ Novalis ~ |
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