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Anmeldungsdatum: 01.11.2006 Beiträge: 702
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Verfasst am: 12.07.2007, 13:32 Titel: Walsprache hat eine Grammatik |
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Walsprache hat eine Grammatik
Die Gesänge von Walen folgen einer strengen Grammatik. Das haben Meeresforscher des Howard Hughes Medical Institute (HHMI) herausgefunden. Eine komplexe Sprache pflegen nur wenige Lebewesen - sie gilt unter Verhaltensforschern als Zeichen großer Intelligenz.
Foto: DPAEin Dreijähriger schwimmt mit einem weißen Belugawal
Lange war für Biologen die Grammatik der menschlichen Sprache der Inbegriff menschlicher Überlegenheit. Jetzt müssen sie die Hierarchien neu überdenken. Denn noch ein Wesen bedient sich einer Sprachstruktur, die festen Regeln und Bausteinen folgt: der Wal. Vor allem während der Paarungszeit werden die Tiere gesprächig. Buckelwale zum Beispiel bezirzen die Weibchen mit einem ganz bestimmten Lied. Die Gesänge der Wale sind sogar regional unterschiedlich gefärbt. Sie unterscheiden sich in Tonhöhe und -folge nicht nur zwischen Walarten, sondern auch zwischen Populationen derselben Art. Damit sich das weibliche Geschlecht nicht langweilt, variiert der Sänger von Mal zu Mal. Die Abfolge von Schreien, Knarzen, Stöhnen, Pfeifen haben die Meeresforscher mithilfe eines Computerprogramms aufgeschlüsselt. Die Software sammelte die unterschiedlichen Elemente und Geräusche und untersuchte sie hinsichtlich Satzbau und Semantik. Fazit: Software und Gutachter stimmten überein, dass in den Gesängen Grundformen grammatikalischer Regeln zu finden seien. Demnach bestehen die kürzesten Informationseinheiten, man könnte sie Sätze nennen, aus sechs Elementen, die längsten bringen es auf 180 bis 400 Bausteine. Zum Vergleich: Ein menschliches Wort transportiert bis zu zehn Bedeutungen, je nachdem ob es in Einzahl oder Mehrzahl, Aktiv oder Passiv vorkommt, fragend oder verneinend gemeint ist.
Ob aber die Farbigkeit und Komplexität der menschlichen Sprache tatsächlich unsere Überlegenheit zementiert, hält Studienleiter Ryuji Suzuki für fraglich: Schließlich sei die Unterwasserwelt mit der unseren nicht zu vergleichen. Unter Wasser bewegt sich der Schall viermal schneller als in der Luft - allein deshalb wäre es schon sehr verwunderlich, wenn sich die Meeresbewohner der gleichen Gesprächsformen bedienten, sagt Suzuki. |
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