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infoshark Administrator
Anmeldungsdatum: 01.11.2006 Beiträge: 702
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Verfasst am: 18.11.2006, 22:33 Titel: Lecker, teuer - und vom Aussterben bedroht |
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Züchtung soll Blauflossenthunfisch retten
Sushi vom Blauflossenthunfisch ist für Japaner eine Delikatesse. Weil der Fisch so begehrt ist, ist er nicht nur teuer, sondern auch vom Aussterben bedroht. Die Züchtung des Thunfisches könnte seine Rettung sein, doch sie ist schwierig.
Ein Kran zieht den Thunfisch an einer Kette aus einer Wanne mit Eiswasser. Drei Meter lang und über 320 Kilogramm schwer ist das elf Jahre alte Tier. Es ist ein so genannter "Roter Thunfisch", wegen der Farbe an den Flanken oft Blauflossenthun genannt. Vorsichtig wird der mächtige Fischkörper an seiner Kette in eine Holzkiste abgesenkt. Dann schaufeln die Männer von der Kinki-Universität in der japanischen Provinz Wakayama die Kiste bis zum Rand voll mit Eis.
Bis zu 10.000 Euro pro Fisch
In zwei Tagen wird der Thunfisch in seiner ganzen Schönheit in einem bekannten Sushi-Restaurant in Tokio liegen und feierlich angeschnitten. Für jeden Gourmet ist Sushi und Sashimi vom Blauflossenthun die allergrößte Delikatesse. Die starke Nachfrage sorgt allerdings nicht nur dafür, dass ein einzelner Thun einem Fischer bis zu 10.000 Euro einbringen kann. Sie hat auch dazu geführt, dass diese "Diamanten des Meeres" völlig überfischt sind. Manche Biologen geben dem Blauflossenthun nur noch zwei Jahre bis zum Aussterben.
Methode der Fischer "wirklich brutal"
Im Mittelmeer zum Beispiel werden fast nur noch kleine und junge Tiere gefangen. Die Zahl der erwachsenen Fische ist innerhalb von 30 Jahren um achtzig Prozent gefallen. Im letzten Jahrzehnt begann die Industrie deshalb damit, den Thun zu mästen. Die Schwärme werden vom Flugzeug aus gefunden, dann dampfen die Fangschiffe los. Mit einem Ringnetz kreisen sie einen Schwarm ein und schleppen ihn zur Küste. Dort werden die Fische in ihren Käfigen ein halbes Jahr lang mit Makrelen gemästet. Doch durch diese Technik sind die Bestände noch mehr bedroht. "Vor der spanischen Küste zum Beispiel findet man keine Thunfische mehr. Deshalb fangen die Fischer aus Spanien Schwärme von Blauflossenthun vor Sizilien und schleppen sie vor die spanische Küste", erklärt der japanische Thunfisch-Experte Hidemi Kumai. "Ihre Methode ist wirklich brutal. Weil sie die Jungfische fangen, wird die Grundlage für den Fortbestand dieser Art immer dünner."
Für den Niedergang war bisher vor allem Japan verantwortlich. Japaner essen 80 Prozent aller Blauflossenthunfische. Allerdings konkurrieren sie inzwischen mit neureichen Chinesen um die besten Stücke, etwa jene fettreichen Fleischscheiben aus dem Bauchbereich, die man unter dem Namen Toro verkauft. Der Preis von diesem Fleisch ist so gestiegen, dass japanische Edelrestaurants bereits überlegen, es von der Speisekarte zu nehmen.
Japan halbiert freiwillig die Fangquoten
Selbst der Preis von gewöhnlichem Thunfisch in der Dose hat sich in den letzten zehn Jahren verdreifacht. Für ihren Thunfisch-Appetit wollen sich die Japaner aber international nicht so kritisieren lassen wie für den Walfang. Erst im vergangenen Monat halbierten sie freiwillig ihre Fangquoten für den pazifischen Blauflossenthun. Zugleich wollen sie ihre Versorgung langfristig sicherstellen, und zwar durch das Züchten der Thunfische. Vor zwei Jahren gelang ihren Forschern ein wissenschaftlicher Durchbruch: Erstmals auf der Welt züchteten sie aus Eiern, die Thunfische in Gefangenschaft legten, neue Tiere.
Plexiglasbehälter im Labor der Kinki-Universität von Wakayama zeigen die verschiedenen Lebensstadien des Thunfischs vom Ei zum ausgewachsenen Tier. Forscher Yoshifumi Sawada erklärt: "Verglichen mit dem großen Fischkörper sind die Eier des Thuns sehr klein, ihr Durchmesser beträgt nur ein Millimeter. Dafür gibt es Millionen davon. Um sie großzuziehen, braucht man viele Techniken." Seit dem Zuchterfolg ist das Fischerei-Institut etwa eine Flugstunde westlich von Tokio aktiv ins Geschäft mit dem Thunfisch eingestiegen. Sein Ziel ist, schon bald jährlich 200.000 Kleinfische für japanische Mastbetriebe zu produzieren. Damit könnte Japan seine Menge an gemästetem Thunfisch verdoppeln.
"Natur-Thunfisch hat mehr Muskeln"
Die Zuchtkäfige für den Blauflossenthun liegen in einer Bucht nahe Kushimoto. Jedes Netz hängt an einem Stahlring mit einem Durchmesser von 30 Metern. In einem Netz schwimmen dreitausend Jungfische, in einem anderen sechs ausgewachsene Tiere. Instituts-Mitarbeiter Tokihiko Okada schaufelt kistenweise Makrelen über den Käfigrand. Die schlanken Thunfische rasen an die Oberfläche und schnappen nach dem silbrig glänzenden Futter. "Gezüchteter Blauflossenthun lässt sich am Aussehen und Geschmack erkennen", erklärt Okada. "Natur-Thunfisch hat mehr Muskeln, weil er mehr schwimmt. Sein Fleisch ist deshalb fest, die fettarmen Teile haben einen starken Eigengeschmack. Fleisch vom gemästeten Thunfisch ist fettreicher und eher pink."
Doch die Zucht hat ihre Tücken: Blauflossenthunfische legen ihre Eier nicht in jedem Gewässer ab. Strömung und Temperatur müssen stimmen. Die Fische müssen sich ständig bewegen, selbst beim Schlafen. Sonst bekommen sie nicht genug Sauerstoff zum Atmen. In Gefangenschaft entwickeln sich ihre Flossen nicht immer gleichmäßig. Die Tiere können dann nicht so gut steuern und verletzen sich an den Netzen ihre empfindliche Haut. Bei lauten Geräuschen erschrecken sie, rasen in die Netze und brechen sich das Genick.
Thunfische sollen Vegetarier werden
Zudem sind die Thunfische beim Futter sehr wählerisch. Bis jetzt fressen sie nur andere Fische. Das ist teuer und ökologisch schädlich. "Das Futter entscheidet über Beschaffenheit und Geschmack des Fleisches", so Projektleiter Hidemi Kumai. "Wir erforschen noch, welches Aroma und welchen Geruch das Futter haben muss und welches Füllmittel wir einsetzen können. Wenn wir die Thunfische dazu bringen, unser Futter zu fressen, dann könnten wir auch die Fleischqualität weiter verbessern." Das werde aber noch fünf, sechs Jahre dauern. Im Idealfall sollen die Thunfische Vegetarier werden. |
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Verfasst am: 18.11.2006, 22:33 Titel: Anzeige |
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