Hassan Dabbagh
Imam Al-Rahman-Moschee, Leipzig
Hassan Dabbagh ist ein frommer Diener Allahs und seiner Lehren. Wir sagen im Islam, so beteuert er: Wer einen Menschen tötet, tötet alle Menschen. Folgerichtig lehnt er die Ermordung der jungen Türkin Hatun Sürücü, die in Deutschland wie eine Deutsche leben wollte und von ihrem Bruder getötet wurde, entschieden ab: Mord ist keine Ehre und der Islam kennt keinen Ehrenmord, betont Hassan Dabbagh. Der Vorbeter der Leipziger Al-Rahman-Moschee legt großen Wert auf die Trennung von Religion und Tradition. Ehrenmorde seien in der islamischen Welt selten geworden und fänden ihre Begründung ausschließlich in den überlieferten Traditionen einzelner Familien. Ich finde es sehr bedauerlich, wenn man Ehrenmord mit dem Islam verbindet. Selbstjustiz könne man auch in Europa - mitten unter Christen, im südlichen Italien beispielsweise - antreffen. Ob im Fall Sürücü die Familie in den Mord involviert war oder ob der jüngste Sohn seine Schwester eigenmächtig hinrichtete, mag der Imam nicht beurteilen: er kenne den Sachverhalt nicht detailliert. Urteil und Strafmaß hält er jedoch für gerechtfertigt. Es sei von der deutschen Justiz ausgesprochen und begründet worden - und somit für ihn maßgeblich. So sieht er auch keinen Grund für eine Ausweisung der Familie Sürücü. Man kann nicht eine ganze Familie unter Generalverdacht stellen. Seiner Ansicht nach wäre eine Ausweisung nur dann begründet, wenn die Familie zugibt, am Mord beteiligt gewesen zu sein. Selbst die Absicht der Sürücüs, das Sorgerecht für das Kind der Getöteten zu beantragen, hält Hassan Dabbagh für legitim: Wenn die Familie in Ordnung ist und das Wohlergehen des Kindes garantieren kann, warum nicht? Schließlich gebe es in Deutschland keine Sippenhaft, man könne nicht alle Familienmitglieder für eine Tat verurteilen, die nur einer begangen habe. Dass die Tat Folge einer misslungenen Integration ist, dass es ein Integrationsproblem in Deutschland gibt, glaubt Hassan Dabbagh nicht. Er fühle sich in die deutsche Gesellschaft voll integriert. Integrationsunwillige Migranten gibt es seiner Ansicht nach nicht. Keiner erwartet, in Deutschland seine Kultur 1:1 weiterleben zu können, jeder einwanderungswillige Ausländer weiß, dass er sich auf vielen Ebenen eingliedern muss. Um diesen Menschen die Integration zu erleichtern, sei es jedoch wichtig, den Migranten das Gefühl zu geben, sie seien in Deutschland willkommen. Vor allem hier liege noch vieles im Argen.
KurzVita:
Hassan Dabbagh ist syrischer Abstammung, lebt aber bereits seit zwölf Jahren in Deutschland und ist deutscher Staatsbürger. Der muslimische Gelehrte arbeitet im Bereich der Islamaufklärung. Seit 1995 ist er Imam und Vorsitzender der Al-Rahman-Moschee in Leipzig.
Mehr zur Person:
http://www.alrahman-moschee.de
(Ich auch seit 12 jahren =)
Q.:
http://www.sabine-christiansen.de/gast.jsp?gast=30