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Re: die Bibel und die Tiere

Anonymous - 28.03.2006, 07:56
die Bibel und die Tiere
Karlheinz Deschner: Das schwärzeste aller Verbrechen
Biblischer Tierschutz? Archaischer Respekt vor dem nicht-menschlichen Leben? Der nackte Egoismus einer Viehzüchterreligion!

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»Für mich ist das Leben eines Lamms nicht weniger
wertvoll als das Leben eines Menschen. Und ich
würde niemals um des menschlichen Körpers willen
einem Lamm das Leben nehmen wollen. Je hilfloser
ein Lebewesen ist, desto größer ist sein Anspruch auf
menschlichen Schutz vor menschlicher Grausamkeit.«
Mahatma Gandhi
***************************************

Für das Christentum beginnt die Tragödie des Tiers, die größte Tragödie auf Erden, im Alten Testament. Doch werden darin Tiere nicht ganz freundlich bedacht? Zusammengesackten Eseln soll man aufhelfen, verirrte Schafe zurückführen, überhaupt »für sein Vieh« sorgen. Denn: »Hast du Vieh, so warte sein, und bringt's dir Nutzen, so behalte es.«

Biblischer Tierschutz? Archaischer Respekt vor dem nicht-menschlichen Leben? Der nackte Egoismus einer Viehzüchterreligion! Da sind sich, wie in so vielen Greueln - doch im krassen Kontrast zum Monismus der alten Asiaten, Indianer -, die monotheistischen Gottesanbeter einig. »Allah ist's, der für euch das Vieh macht«, rühmt der Koran. »Die einen Tiere sind zum Reiten da, die anderen zum Essen. Und ihr habt den Nutzen davon« (40. Sure, Vers 79 f.)

Auch liegt die Generallinie fest, von der ersten Bibelseite an: »... und machet sie euch untertan und herrschet ...«

Klingt hart? Herzlos? Aber nein. Heiße »herrschen« doch, so das Hirtenschreiben der deutschen Bischöfe 28, 1980, nicht Willkür, Zerstörung, sondern »liebende Sorge, hegendes Wahren«. Oder, so das Sekretariat der Deutschen Bischofskonferenz am 4. Oktober 1993: »Fürsorge und Verantwortung«. Bedeute der Begriff »untermachen/unterwerfen«, so 1985 auch eine »Gemeinsame Erklärung des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland und der Deutschen Bischofskonferenz »Verantwortung wahrnehmen für die Schöpfung«: nicht »Unterdrückung«, »Ausbeutung«. Gott bewahre! Nein: »Das Herrschen des Menschen über die Tierwelt ... erinnert an das Walten eines Hirten gegenüber seiner Herde.«

Wie wahr, meine Herren, wie wahr - wenn Sie sich gütigst mit Theodor Lessing erinnern, warum denn der Hirte, auch und gerade der »gute Hirte«, seine Herde hegt? Erstens damit er sie scheren kann, zweitens damit er sie fressen kann! (Der Talmud reiht gelegentlich den Hirtenberuf unter die »Räuberberufe« ein.)

Gewiß, vor der Sintflut wurden einige Tiere bewahrt. Und just diese Stelle (Buch Genesis oder 1. Mose 8,15 - 19) empfiehlt natürlich das Sekretariat der Deutschen Bischofskonferenz (4. 10. 1993, S. 69) »für die Liturgie«; unterschlägt aber glatt die gleich folgende Fatalität (Buch Genesis 8,20 f.): das teilweise Opfern des geretteten Viehs und der überlebenden Vögel durch Noah »auf dem Altar. Und der Herr roch den lieblichen Geruch...«

Oh, wir kennen diese Nase! Riecht sie nicht Blut noch immer gern?

Und gleich dröhnt es abermals: »Furcht und Schrecken vor euch sei über allen Tieren auf Erden und über allen Vögeln unter dem Himmel ... und über allen Fischen im Meer; in eure Hände seien sie gegeben. Alles, was sich regt und lebt, sei eure Speise...« Doch selbst diese furiose Freßanweisung, so das glaubenswarme Werk des Katholiken Rost »Die Fröhlichkeit in der katholischen Kirche«, ist ein »Kulturbefehl«, ein »Imperativ der Freude und Fröhlichkeit ...«

Und bloß ein Blättchen weiter in aller Freude und Kultur, da beehrt, halali, Herr »Nimrod« die Schöpfungsordnung - »und war ein gewaltiger Jäger vor dem HERRN«: biblischer Aufgang des Open-air-bestivals, der Nobel-Variante des Schlachthauses von heute, die hehrste Herren-, Heger-, Pflegerlüge - indes für die EKD, Texte 41, 1991: »ethisch vertretbar«. Ja, »alles hast du unter seine Füße getan«, jauchzt der Psalmist. Und die ewig gehetzte, gequälte, gemeuchelte Kreatur, was ziemt der dafür? Zu »loben den Namen des HERRN«! »Lobet den HERRN auf Erden, ihr großen Fische und alle Tiefen des Meeres ... ihr Tiere und alles Vieh...«

Gott, welch schöne »Schöpfungsnähe«! Da die Fressenden, dort jene, die froh sein können, daß man sie frißt.

Las ich doch erst unlängst vom Dogmatik-Kolleg eines »heute berühmten deutschen Bischofs« (gibt es denn einen berühmten?), der im Rahmen der »Schöpfungslehre« erklärte, es könne ja »dem Fisch und dem Hasen gar nichts Besseres (!) passieren, als vom Menschen gegessen zu werden, denn dies entspreche der Rangmäßigkeit der Schöpfungsordnung« - und wurde von fünfhundert Hörern, sicher gut christlichen, »mit wohlgefälligem Lachen« belohnt.

Einst darbte in Israel der Esel, Lasten schleppend, durch Krieg und Frieden. Schafe (deren eines Bein man, im Rahmen der Schöpfungsordnung, häufig an den Schwanz band) waren eine der wichtigsten »Versorgungsquellen«. Es gab sehr viele Rinder, die man beim Ziehen, Pflügen, Dreschen mit scharfen Stacheln auf Trab oder auch Gott darbrachte. Nach dem 1. Buch der Könige 8,62 f. schlachtete Salomo bei der Tempeleinweihung dem Herrn 22 000 Rinder und 120000 Schafe, alles aus Respekt vor dem Schöpfer und der Schöpfung. (Übrigens bestimmte das mosaische Gesetz gerade jene Tiere zum Schlachtopfer, die man in Ägypten göttlich verehrte.) Als Leckerbissen galten Rindfleisch, der Schwanz des Schafes, ganz junge Ziegen, während das schlichtere Volksmaul vor allem Fisch verschlang. Pferde ließ David, der nichts ohne Gott tat, gern lähmen und liquidieren. Tiere, die einen Menschen tödlich verletzten, mußten gesteinigt, Tiere, mit denen man koitierte, gleichfalls kaputtgemacht werden.

Vielleicht zeigt bereits dies kleine Bibelbestiarium, wie man da, mit den Hierarchen der EKD und der Catholica (1985) zu sprechen, Verantwortung wahrnahm für die Schöpfung. Wie »das Tier als beseeltes Lebewesen« (Buch Genesis 2,17 - 19) »einbezogen in den Gottesbund« wird (Buch Genesis 9,8 ff.). Wie zwischen Eigentümer und Tier »eine Art Gemeinschaftsbezug« waltet. Wirklich schön gesagt. Zwar streifen die Herren in einer weiteren Gemeinsamen Erklärung von 1989 plötzlich den »nüchternen« Bibelblick »für die harte und erschreckende Realität der Lebensphänomene«, verharmlosen freilich gleich wieder: »Leben lebt immer auch auf Kosten anderen Lebens« - als sei damit all das vergossene Tierblut gerechtfertigt, neben dem, quantitativ gesehen, das in sämtlichen Kriegen geflossene Menschenblut ganz und gar bedeutungslos erscheint.

Das Elend der Tiere, dieser permanente Massenmord, der eigentlich jeden auch nur halbwegs Sensiblen sofort um den Verstand bringen müßte (und zwar ganz ungeachtet der tiefen Tolstoi-Sentenz: Solange es Schlachthöfe gibt, wird es auch Schlachtfelder geben), resultiert im jüdisch-christlichen Raum aus der ebenso albernen wie anmaßend aufgeblasenen Bibellehre von der Gottebenbildlichkeit des Menschen, der »Spitzenaussage alttestamentlicher Anthropologie« (Walter Gross), aus jenem arroganten Anthropozentrismus also, wonach dicht auf Gott der Mensch kommt und dann erst der Rest der Welt. Während in der vorchristlichen Rangfolge des Heidentums, im Hellenismus, nach Gott der Makrokosmos rangierte und der Mensch in die Natur eingereiht, nicht über sie gestellt wurde, was für jede evolutive Sicht selbstverständlich ist. Doch für »die christliche Sicht des Verhältnisses von Mensch und Tier bleibt grundlegend, wie die Bibel ... dieses Verhältnis bestimmt« (EKD Texte 41, 1991, S. 4).

Im Neuen Testament, in dem das Tier eine viel geringere Rolle spielt, ist ein Wort gleich des ersten Christen bezeichnend, dieses Abschreckungsobjektes kat exochen. Fragt Paulus doch nach dem zitierten Diktum des Deuteronomiums, dem dreschenden Ochsen nicht das Maul zu verbinden, im typischen Krone-der-Schöpfung-Pathos (nebenbei, trotz Bestreitung, seiner Entlohnung wegen): »Sorgt sich Gott etwa um die Ochsen? Oder redet er nicht allenthalben um unseretwillen?« Wie der Völkerverderber (Brief des Paulus an die Römer 1,22ff.) tiervergötternde Heiden ja auch »Narren« schmäht, weil sie »gedient dem Geschöpf statt dem Schöpfer«.

Und Jesus vernichtet, falls wir der Bibel glauben dürfen, zwecks Heilung eines einzigen Menschen - eines der fulminantesten, von allen Synoptikern berichteten neutestamentlichen Strafmirakel - zweitausend Schweine. Und wieder bestätigt sich das Wort der deutschen Oberhirten beider Konfessionen: »In den Zeichen und Wundern Jesu wird deutlich, zu welcher Herrlichkeit die Schöpfung berufen ist« - »und sie ersoffen im Meer ...« Wann wird der Herr Patron der Tierschützer werden? (Oder Patron der Ausländer, die er »Hunde«, Matthäus 15,22-26, Patron der Schwulen, die er gleichfalls »Hunde«, ja »Säue« nennt, Matthäus 7,6; gilt dies Fluchwort doch den homosexuellen Tempeldienern der Kanaaniter.)

Später setzen auch die Kirchenväter das Tier infam herab - wie die Frau, die das Juden-Christentum dem Tier oft annähert: das 3. Buch Mose stellt die Frauen den Haustieren gleich. Für Kirchenlehrer Augustinus ist sie, wie das Tier, nicht nach Gottes Ebenbild geschaffen (mulier non est facta ad imaginem Dei). Und nach Thomas von Aquin, der die Frauen noch selbstherrlicher, noch tiefer demütigt und gegen schädliche Tiere Exorzismen sowie Justizprozesse anrät, kennt das »animal brutum« nur Fraß und Koitus.

Mit wahrem Haßvergnügen werfen die größten katholischen Heiligen ihren Mitmenschen Tiernamen an den Kopf, bevorzugt andersgläubigen Christen: »Tiere in Menschengestalt«, »Füchse«, »Wölfe«, »tolle Hunde«, »schmutzige Schweine«, »Schlachtvieh für die Hölle«; indes etwa Luther den Heiligen Vater »Krokodil« tituliert, »Drachen und Höllendrachen«, »Bestie der Erde«, »Papstesel«, »Papstsau« und so weiter. (Ist ja auch die Frau für Luther »ein Kind«, »ein halbes Kind«, »ein Toll Thier«.)

Entsprechend figuriert das Tier in der christlichen Kunst. Zwar ist es - durch die ferne Erinnerung an seine einstige Dignität, ja Göttlichkeit - noch lange ambivalent, versinnbildlicht zum Beispiel der Fisch (vordem der Atargatis heilig, der halb fischgestaltigen aramäischen Fruchtbarkeitsgöttin, dann zur Fastenzeit ein sehr begehrtes Freßprodukt) sogar Christus. Doch unvergleichlich häufiger verkörpern Tiere das Böse. Sie werden verhäßlicht, dämonisiert; am schlimmsten die Schlange, die, als der Erde am nächsten, das meistverehrte Tier der Urreligionen ist; die in vorbiblischer Zeit Weisheit, Fruchtbarkeit, Wiedergeburt, im Indischen als die sich in den Schwanz Beißende (d. h. Endlose) die Zeit symbolisiert, den Kreislauf des Universums, die menschliche Lebenskraft; die Schlange, die man auch im griechischen Delphi, lange vor der Klassik, als Sinnbild des Lebens, der Erneuerung, als sacrum empfindet, bis sie Apollo, der Gott der Vernunft, erschlägt.

Und im Alten Testament verführt die Schlange die Frau, die ihrerseits wieder den Mann betört, worauf die Kirche durch zwei Jahrtausende das Weib mit Eifer und Geifer verunglimpft, benachteiligt und die Schlange wie kaum ein anderes Tier verteufelt: Inbegriff der Sünde nun, Staubfresserin, nicht mehr Wiedergeburt verheißend, sondern Tod; die Jungfer Marie, die reine, zertritt ihr den Kopf.

Wie dem auch sei - wer kennt nicht in romanischen, in gotischen Christentempeln all die Greuelkreaturen, die zerquälten Tiergesichter von irgendwelchen Heiligenquanten zerquetscht. An Portalen, Tympana, an Kapitellen mutiert das Tier zur Eestie: Raben, Hunde, Hasen, Kröten, Esel, Löwen, Wölfe, Widder, Drachen, samt und sonders Satansbiester, Teufelsfratzen; womit implizit stets auch der »Sünder«, das »Tier in uns« getreten wird, die Sexualität. »Der Teufel«, schreibt Friedrich Heer, wird da dem Volk präsentiert »als ein <Vieh>, ein <schweinisches Vieh«>.

Luther, der ja »teglich« mit Beelzebub »tzu Hare ligen« mußte, »er schläfet viel mehr bei mir als meine Käthe«, weiß ihn »verborgen in den Affen und Meerkatzen« und vielen anderen, zumal jedoch in der Schlange. Die ewige Seligkeit von »Belferlein und Hündlein« freilich verkündet er mitnichten.

Zum puren Vergnügen marterten mittelalterliche Christen im Spiel vom Geflügel bis zu den Rindern alles zu Tode. Schweine worden am Strang gesetzesgerecht hingerichtet, Hunde als Teufelsgehilfen gepeinigt und lebendig auf dem Scheiterhaufen verbrannt. Auch Katzen flogen am Johannistag in ganz Westeuropa fuhrenweise ins Feuer; in Metz veranstaltete man mit ihnen, unter klerikaler Patronanz, entsetzliche Autodafes bis zur Mitte des 18. Jahrhunderts.

»Grausamkeit gegen Tiere«, notiert Alexander von Humboldt, »kann weder bei wahrer Bildung noch wahrer Gelehrsamkeit bestehen.«

Aber bei wahrer Religion! Tausende von Tieren wurden vom 9. bis zum 19. Jahrhundert - segensreiche Nachwehen alttestamentlicher Theokratie - strafverfolgt und barbarisch exekutiert, häufig wegen sogenannter Bestialität (sodomia ratione generis). Auch den Klerus bedrohte man dafür mit Strafen, erst recht die Laien, und wollte noch die lasterhaften Tiere umgebracht und den Hunden vorgeworfen sehen. Doch auch Hunde büßten, hatten sie gesündigt, schrecklich, wie jene »Punzenlecker«, die man 1771 im Pariser Raum, waren sie Rüden, sämtlich konfiszierte und verbrannte. (Schon der Talmud verwehrte, Analoges insinuierend, Witwen die Aufzucht von Hundewelpen.) Denkwürdig, beiläufig, daß die Kirche - die jetzt, wie sie selbst zugeben mußte, ihre erst »in den letzten Jahrzehnten« entwickelte »Verantwortungsethik« lanciert (Arbeitshilfen 113, 1993, des Sekretariats der Deutschen Bischofskonferenz

S. 10) - das von den Juden übernommene Gesetz gegen Bestialität auch auf die Juden selbst ausgedehnt hat. Galt doch der Koitus zwischen Christ und Jüdin - hier knüpften, wie nicht selten dann in dieser Hinsicht, die vom Kirchenschwachsinn inspirierten Nazis an - als gleichwertig dem mit einem Tier! Manchmal auch der Verkehr mit Türken, Sarazenen, »insofern als solche Personen in den Augen des Gesetzes und unseres heiligen Glaubens sich in keiner Weise von den Tieren unterscheiden«.

Nun gibt es Christen, die gern jenen, der dem Bruder Esel predigte, den Vögeln, als Alibi benutzen, Franz von Assisi, diese fast singuläre Lichtgestalt in all den finsteren Geschehnissen der Kirchengeschichte. Seine Beziehung aber zum Tier, wie halbherzig auch immer - er wandte sich bei eklatanten Roheitsakten »nicht gegen die Rohheit selbst und erst recht nicht gegen die Rohlinge persönlich« (G. M. Teutsch) - , nahm man nie wirklich ernst; Papst Innozenz III. verwies ihn, laut Überlieferung, an die Schweine.

Und dreieinhalb Jahrhunderte später, 1567, verbot Pius V. - Inquisitor und heilig - durch die Bulle »De salute gregis« zwar Stierkämpfe »für ewige Zeiten«; doch nicht, wie meist hingestellt, als Humanitätsakt auch gegenüber den Stieren und oft grauenhaft krepierenden Pferden, sondern nur, wie § 1 testiert, wegen der »häufigen Todesfälle von Menschen, Verstümmelungen menschlicher Glieder und Gefahr für das Seelenheil«.

Wieder dreihundert Jahre darauf, Mitte des 19. Säkulums, untersagte Pius IX. die Eröffnung eines Tierschutzbüros in Rom; habe der Mensch doch, was Tiere betrifft, keinerlei Pflichten - und 1985 erfolgte der erste Schritt auch zu seiner Heiligsprechung kraft offizieller Anerkennung seiner »heroischen Tugend«.

Und heute? Klipp und klar erklärt 1993 der »Katechismus der Katholischen Kirche«: »Gott hat die Tiere unter die Herrschaft des Menschen gestellt, den er nach seinem Bilde geschaffen hat. Somit darf man sich der Tiere zur Ernährung

und zur Herstellung von Kleidern bedienen. Man darf sie zähmen, um sie dem Menschen bei der Arbeit und in der Freizeit dienstbar zu machen. Medizinische und wissenschaftliche Tierversuche sind in vernünftigen Grenzen sittlich zulässig ...«

Ja, hält dieser katholische Katechismus nicht weiter Tür und Tor offen für jede Scheußlichkeit gegenüber einer ganz und gar wehrlosen, ganz und gar schuldlosen, aber ganz und gar versklavten Kreatur? Gegenüber Geschöpfen, die oft in ihrem Erleben, Fühlen, wie Genetik, Biologie, Verhaltensforschung, wie ja auch alltägliche Erfahrungen zeigen, uns in vielem sehr ähnlich, uns nicht selten inniger, treuer zugetan sind selbst als menschliche Freunde?

Doch fort und fort darf das animal rationale mit (nicht nur) katholischem Plazet Leichen genießen; fort und fort darf es weiter sich vollstopfen mit Fleisch und Fisch bis zum Rande seines Fassungsvermögens, wofür Jahr um Jahr Milliarden »Mitgeschöpfe« verröcheln müssen, weit mehr als die Hälfte unbetäubt: ist ja auch nach den EKD Texten 41, 1991, das »Gewaltverhältnis« zwischen Mensch und Tier »grundsätzlich unaufhebbar«.

Und weiter darf der Mensch, laut »Weltkatechismus«, sich geschäftlich der Tiere bedienen. Und wie bedient er sich? Indem er Robben-Babys vor den Augen ihrer Mütter zu Tode knüttelt. Indem er Karakul-Lämmer gleichsam pränatal aus dem Mutterleib prügelt. Indem er in den Ferkel-und Hühnerbatterien, den Mastboxen und Dunkelställen die ihm rettungslos, ihm wie Sachen, nein, wie Dreck Ausgelieferten derart zusammenpfercht, daß sie in ihrer Not einander Schwänze und Ohren abbeißen oder die eigenen Jungen fressen.

Man bedient sich der ohnmächtigen Kreatur auch, der »Mitgeschöpfe«, indem man ungezählte Kälbchen auf qualvollstem Transport ihren Schlächtern lebend, sterbend, schon krepiert zukarrt, um die »Frühvermarktungs-«, die »Herodes-Prämie« zu kassieren, ein Schimpf-und-Schand-Geld sondergleichen, für das ich dem zuständigen Minister telegraphisch seinen eigenen Namen vorschlug - Deutschland ist führend!

Weiter darf das Monster der Schöpfung Tiere zum Amüsement gebrauchen. Und wie gebraucht es sie? Indem es zum Beispiel Enten, Gänsen, Hühnern um die Wette die Köpfe abreißt. Indem es beim »Steer Busting« die Tiere mit dem Lasso an den Hinterläufen fängt und herumschleift, bis sie sterben. Indem es Stieren, vor ihrem Todeskampf in der Arena, die Nase mit Watte verstopft, die Augen mit Vaseline verkleistert. Indem es an gewissen Heiligenfesten in Spanien mit pfarrherrlichem Beistand Ziegen und ihre Jungen lebend vom Kirchturm stürzt.

Und »natürlich« darf der Mensch auch künftig seine »Mitgeschöpfe« kaum vorstellbar gräßlich zu Tode schinden. Zwar sollen Tierversuche für die Medizin heute wissenschaftlich wertlos sein - doch auch andernfalls wäre ich ausnahmslos dagegen.

Ihr Wert für die Wirtschaft aber ist unbestritten. Und liest man, »daß der Vatikan einer der größten Aktionäre einer bekannten Pharma-Firma« sei, »welche Vivisektion betreibt«, so wird wohl deutlich, warum noch die fürchterlichste Tortur der Welt, diese gesammelte immerwährende Grausamkeit bis zum Tod, für das Papstgeschäft »sittlich zulässig« ist, warum auch und gerade für Seine Heiligkeit Johannes Paul II. Tiere »natürlich ... Gegenstand (! ) von Experimenten sein« können (23. 10. 1982) - von Experimenten, die der Hindu Gandhi »das schwärzeste aller Verbrechen« nennt. (Diesem Verbrechen fielen 1989 allein in Deutschland - nach einem allerdings sehr unvollständigen Regierungsbericht - 2,64 Millionen Tiere zum Opfer.)

Freilich, wie sollte die Gemeinschaft der Heiligen (und Scheinheiligen), wie sollte eine monopolistische Marktform im Mantel der Religion, die jahrhundertelang auch »Ebenbilder Gottes« unbarmherzig peinvoll-böse mund- und mausetot machte, deren phänomenalster Werbeautor Augustin,

angeblich »umflossen vom milden Glanze unbegrenzter Güte« (Martin Grabmann), in Wirklichkeit Urvater aller mittelalterlichen Henkersknechte, schon um 400 sogar das Foltern - selbst von (schismatischen) Christen - nicht nur eine Bagatelle im Vergleich zur Hölle nennen, sondern geradezu als »Kur« (emendatio) heils- und inquisitionsgeschichtlich etablieren konnte, wie sollte eine Kirche, die unmittelbare und mittelbare Mörderin von Hunderten von Millionen schuldloser Menschen, tierisches Leben nicht nur verbal, nicht nur sub specie momenti und sei es mit noch so sonorer Phraseologie in Sonntagsreden, Tiergottesdiensten, durch Tiersegnen, Weihwasserbespritzen et cetera, sondern tatsächlich schützen? Wie sollte sie Tieren eine »Seele« zugestehen, die sie, beim Rauben fremder Länder, noch Menschen anderer Rasse und Lebensart absprach!

Auch viele Rom-Katholiken empörte dieser »Weltkatechismus«. Renato Moretti, der wackere Franziskaner, schrie gar: »Satan ist im Vatikan eingezogen!« - und irrte nur in der Zeitform, dem Präsens, allerdings um Jahrhunderte.

Immerhin gibt es Gottesdiener, beschämend wenige, die nicht bloß moderat für die »unbeweinte Kreatur« streiten (Joseph Bernhart), sondern die auch den »Verrat der Kirchen an den Tieren« geißeln (Carl Anders Skriver), dabei aber das Christentum rechtfertigen, reinwaschen wollen oder, wie der sicher meritenreiche Oxforder Theologe und Tierethiker Andrew Linzey, wenigstens den »Geist des Evangeliums«, das doch ohne jeden bestimmten Anhalt dafür ist. Nirgends lehrt der evangelische Jesus: Schützt die Tiere - nach dem Zeugnis der Evangelisten hat er vielmehr »bei zweitausend« getötet.

Und Albert Schweitzer? Der hoch zu schätzende Lehrer der »Ehrfurcht vor dem Leben«? Aber war er überhaupt, in letzter Konsequenz, Christ? Der exzellente Kenner der Leben-Jesu-Forschung, der resümiert: »Der Jesus von Nazareth, der als Messias auftrat, das Gottesreich verkündete und starb, um seinem Werk die Weihe zu geben, hat nie existiert«? Der redliche Denker, der noch drei Jahre vor seinem Tod schwarz auf weiß beteuert, »daß die ethische Religion der Liebe bestehen kann, ohne den Glauben an eine ihr entsprechende, die Welt leitende Gottespersönlichkeit«? Es ist nicht mein Problem.

Mit Vorliebe sucht man heute das Alte Testament zu salvieren. Ungeachtet duzendweiser wutschäumender Ausrottungsdirektiven seines Götzen betont man die angebliche Achtung der »Schrift« vor dem Leben, ihr altes Schöpfungswissen, die Schöpfungsgemeinschaft von Mensch und Tier und so weiter - nichts als vages, sich auch schnell in Widersprüche verhaspelndes Gestammel oder glatte Heuchelei; ein blamabler Bankrott. In aller Regel nämlich ist aus der Bibel ganz klar das Gegenteil herauszulesen und deshalb auch ganz klar das Gegenteil hervorgegangen. Und zu dem Auftrag, der ihr so fatal voransteht und unserer Historie geradezu posaunenhaft präludiert, gehört nun einmal untrennbar der Nachhall, die Wirkung.

Wie erbärmlich jedoch, die Wurzeln des Unheils im Alten Testament, im Christentum zu ignorieren und die Schuld dafür besonders und immer wieder auf das entchristlichte (gewiß nicht zu entlastende, hemmungslos entfesselte, nichts als profitgeile) Wirtschaftssystem der Moderne zu schieben. Denn wie Hitlers Ermordung der Juden die Konsequenz ihrer fast zweitausendjährigen blutrünstigen Verfolgung durch die Kirchen ist, so ist die jeder Beschreibung spottende moderne Vermarktung des Tieres nichts als die technisch forcierte und »perfektionierte« Fortsetzung einer nie abreißenden Total-Verbrennung* durch alle christlichen Zeiten, das Resultat letztlich des Anfangsschreis: »Machet sie euch untertan.« Seit zwei Jahrtausenden brüstet sich die Christenheit, das Tieropfer von Anfang an abgeschafft zu haben; stimmt. Und doch hat sie mehr Tiere geopfert als jede andere Religion - nur nicht mehr Gott, sondern dem eigenen Bauch."

* Hier stand ursprünglich das Wort »Holocaust«. Doch PC - die herrschende political correctness - verbietet es, zumal seit der Walser-Bubis-Debatte im Winter 1998/1999, das Wort »Holokaust« oder englisch holocaust mißbräuchlich zu verwenden. Einzig und allein die rassistisch motivierte Ermordung von Millionen europäischer Juden durch Nazis in Hitlers Machtbereich dürfe Holokaust genannt werden. Eine Inflationierung des Begriffs sei es, wenn alle möglichen anderen Völker- und Massenmorde als »Holokaust« bezeichnet würden. Und wenn auch noch, so verfügen die Wächter der political correctness, im hysterischen Jargon der Tierschützer von einem »Holokaust der Tiere« gesprochen werde, dann liege die latent judenfeindliche Entwertungsstrategie klar zutage.

Ich halte dagegen: Umgekehrt wird ein Schuh draus! Das altgriechische Wort holokaustos bedeutet »ganz und gar verbrannt«: ein Brandopfer zur Verehrung der Toten und der Götter, bei dem alle opferbaren Teile des Opfertieres auf dem Altar verbrannt wurden. Also waren es amerikanische Marketing-Designer, die den Begriff holocaust von den auf Götteraltären geopferten Tieren auf die industriell vernichteten Juden übertrugen - was eigentlich politisch höchst inkorrekt ist, ein Euphemismus.

http://www.tierversuchsgegner.org/texte/deschner-verbrechen.html

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grüße
tara
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