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Onkel Ben - 03.02.2006, 22:22
Pink Floyd
Als sich 1965 die englische Gruppe Pink Floyd im Londoner Ufo-Klub zum ersten mal mit ihrer Kombination von Musik, Licht und Collagen vorstellte, gab es weit auseinandergehende Meinungen.
Einige sahen in der Musik und den Texten, in denen ein Leben geschildert wurde, daß weitab vom Etablissement lag, eine Alternative gegen die auf Kommerz getrimmten Pop-Songs der damaligen Zeit. Andere empfanden die elektronischen Experimente als Versuch, elitäre Vorstellungen ohne Rücksicht auf den Publikumsgeschmack zu realisieren. Das Einbeziehen mystischer Klangstrukturen und irritierender Lichteffekte, ließ eine zeitlang sogar den Verdacht aufkommen, Pink Floyd bemühe sich um die musikalisch- optische Ausbeutung von Rauschzuständen. Solchen Verdächtigungen traten die Musiker mehrfach entgegen: "Die Leute bringen uns mit Underground-Anliegen in Verbindung. Mit Dingen, mit denen wir nichts zu tun haben." (David Gilmour). Bei anderer Gelegenheit meinte Richard Wright : "Wir sind einfach vier Musiker, die Musik machen. Wir verwenden viel vom Rock'n Roll und etwas aus anderen Medien."
Pink Floyd konnte dem Ansinnen vieler seiner Fans, unentgeltlich zu musizieren um so dem Kommerz zu entgehen, aus Gründen der Existenzsicherung nicht nachgeben, sondern mußte zur Realisierung ihrer immer kostspieliger werdenden Quadroeffekte hohe Eintrittspreise verlangen. Dieses führte unter anderem auch zur weiteren Zersplitterung der Zuhörerschaft.
In der Zwischenzeit meldeten sich jedoch aus dem Lager der E-Musik nicht wenige ernst zu nehmende Stimmen, die den vier Musikern - zumal sie inzwischen ihre Lichtschau auf das Übliche reduziert hatten - echtes Neuerertum zubilligten.
Diese Hoch und Tief's kann ein Blick in die Biographie dieser Gruppe möglicherweise noch erhellen.
Pink Floyd weist als eine der wenigen Ausnahmen eine künstlerische Entwicklung nach, in der die Ausweglosigkeit dieses Gesellschaftssystems, in die sich auch die Pink-Floyd-Musiker verstrickt sehen, immer sichtbarer geworden ist. Waren ihre frühen Produktionen noch orientierungslos, unübersehbar subjektiv in Text und Musik, so wurde das weitere Schaffen von Pink Floyd zunehmend stimmiger und homogener. Die Texte nahmen weitaus realistischere Formen an, wurden in ihren kapitalismuskritischen Aspekten immer schärfer und erreichten mit dem Ende 1979 erschienenen Doppelalbum The Wall, auf dem Angst und Abscheu der Pink Floyd-Autoren vor dem Kapitalismus bis hin zu Visionen eines furchtbaren neuen Krieges und einer drohenden faschistischen Barbarei beschrieben sind, ihren Höhepunkt.
Ihre Musik nimmt im Gegensatz zur Masse der populären Musik die negativen Erfahrungen und die Leiden der Menschen in sich auf. Sie ehrt sie dadurch, daß sie nichts beschönigt und belügt. Aber es ist nicht nur die komplexe und in hohe künstlerische Form gebrachte kritische und realistische Haltung, die die Musik von Pink Floyd so berühmt gemacht hat.
Wenn man sich gelegentlich danach fragt, was wohl ihren Erfolg bei vielen Jugendlichen begründet, so kommt man erstmal auf eine solche Kategorie wie das Zeitgemäße. So verschwommen dies auch sein mag, tief eingelassen in die Musik von Pink Floyd sind sinnliche Erfahrungen der wissenschaftlich-technischen Entwicklungen, der geradezu technische Rationalismus, der heute das gesellschaftliche wie individuelle Leben mit all seinen Konsequenzen durchdringt. Immer mehr Menschen machen ihre Erfahrungen mit der sich rasant entwickelnden Industrie und Technik. Wir erkennen z.B. am Geräusch Hubschrauber, Autos, wir identifizieren die akustischen Merkmale einer sich hermetisch schließenden Tür und merken genau an der Art des Klangs, ob etwa eine Beethoven-Sinfonie klirrend aus einem winzigen Taschenradio quietscht, oder ob sie mit vollem Volumen aus einer 60-Watt-Hifi Anlage powert.
All diese akustischen Merkmale des Alltages sind Indiz der Musik von Pink Floyd. Viele Klangbilder der Gruppe tragen Symbolcharakter und sind Rätsel, die sich nur schwer oder gar nicht auflösen lassen. Viele erschließen sich nur durch den jeweils beigefügten Text.
In dem Spektrum des besonderen Musikausdruckes, den die Gruppe verfolgt und der auch nicht vorrangig zum Tanzen, sondern zur Versenkung und Denkstimulierung gedacht ist, spielt die Zeit als Thema oder thematischer Bestandteil oft eine große Rolle.
Bandmitglieder:
Roger Keith (Syd) Barrett, 6. Januar 1946
George Roger Waters, 9. September 1943
Richard William Wright, 28. Juli 1945
Nicholas Berkeley Mason, 27. Januar 1945
David Jon Gilmour, 6. März 1946
CD´s:
The Piper at the Gates of Dawn..........5 August 1967
A Saucerful of Secrets...................29 June 1968
More.....................................27 July 1969
Ummagumma.............................25 October 1969
Atom Heart Mother.....................10 October 1970
Meddle...............................11 November 1971
Obscured by Clouds........................3 June 1972
The Dark Side of the Moon...............24 March 1973
Wish You Were Here..................15 September 1975
Animals...............................23 January 1977
The Wall.............................30 November 1979
The Final Cut...........................21 March 1983
A Momentary Lapse of Reason..........8 September 1987
Delicate Sound of Thunder............22 November 1988
The Division Bell.......................30 March 1994
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