Alle Beiträge und Antworten
PSK - 05.02.2006, 02:49
Heiße Debatte zum Karikaturen-Streit
Schreibt doch mal, was ihr so denkt!
Nikolas Möller - 05.02.2006, 12:56
Dazu muss ich die Karikaturen erstmal sehen.
Stell mal ein paar rein..................Bidde!
PSK - 05.02.2006, 15:35
Hier sind sie alle zwölfe:
http://www.brusselsjournal.com/node/698/
Möchte allerdings anfügen, daß es schon längst nicht mehr um die Karikaturen geht. Es geht um die m.E. vollkommen unangemessene Reaktion der Islamischen Welt auf dieselben! Besonders Geschmackvoll finde ich die Karikaturen zwar auch nicht, aber deswegen Botschaftshäuser anzuzünden geht doch ein bißchen weit, oder?
PSK - 05.02.2006, 16:20
Hier noch ein interessantes Interview vom Spiegel (Quelle: http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,399203,00.html):
Zitat:
"Professionelle Cartoonisten würden so etwas nicht tun"
Shujaat Ali, Zeichner bei al-Dschasira, spricht im Interview über die Aufregung in der islamischen Welt. Er fordert ethische Cartoon-Regeln und stellt sich westlicher Kritik an arabischen Zeichnern.
SPIEGEL ONLINE: Sie arbeiten als Cartoonist für al-Dschasira. Wie haben Sie reagiert, als Sie die dänischen Mohammed-Karikaturen zum ersten Mal sahen?
Ali: Es liegt in der Verantwortung von Journalisten, ethisch zu handeln. Religion ist ein sehr sensibles Thema, ich denke, dass kein professioneller Cartoonist auf der Welt jemals versuchen würde, Religion auf diese Weise anzugehen. Es gibt einen informellen ethischen Code unter Karikaturisten in den Medien, und der schließt zwei Arten von Zensur ein: die eine ist Selbstzensur, die andere ist professionelle Zensur.
SPIEGEL ONLINE: Sie sprechen von Zensur, als ob dies eine gute Sache wäre - ein Akt der Selbstdiziplinierung.
Ali: Ja, ja, ja. Und es liegt in der Verantwortung des Journalisten, diesen ethischen Code zu befolgen. Das ist sehr wichtig.
SPIEGEL ONLINE: Kommt dieses ethische Regelwerk auch dann zur Anwendung, wenn Muslime ihre eigene Religion kritisieren?
Ali: Lassen Sie mich einen lustigen Vorfall erzählen: Als ich begann, für die pakistanische Zeitung "News International" zu zeichnen, nahm ich mir die Freiheit heraus, die Islamisten-Partei während der Wahlen zu kritisieren. Ich kritisierte sie dafür, dass sie Religion in eine falsche Richtung steuert. Meine Zeitung weigerte sich, meine Karikaturen zu veröffentlichen, so gab ich sie an eine andere Zeitung weiter. Die Bilder verursachten einen Aufruhr, die Islamisten-Partei griff die Büros der Zeitung mit Feuerwaffen an.
SPIEGEL ONLINE: Sie sagen, dass Karikaturisten sensibel in ihren Zeichnungen sein sollten. Sie wurden aber vom US-Außenministerium selbst der mangelnden Sensibilität bezichtet. Als Sie einen Comic zeichneten, der tote US-Soldaten zeigte und ein anderes mit Gas-Tanks, die die zusammenbrechenden Türme des World Trade Centers überlagern, beschwerte sich Washington. Al-Dschasira entfernte die Bilder von der Website. Dachten Sie an die Gefühle der amerikanischen Zuschauer, als Sie diese Bilder zeichneten?
Ali: Mein Ziel war damals, die US-Regierung anzugreifen und nicht die amerikanische Bevölkerung. Ich fand die Entscheidung meines Chefs nicht akzeptierbar - er wurde auch sehr heftig dafür kritisiert. Von einem professionellen Standpunkt war es nicht der richtige Schritt, denn eine professionelle Organisation muss seine Journalisten beschützen. Wir analysierten die Gefühle der Amerikaner in diesen Cartoons. Deshalb beschwerte sich die Regierung, während wir aus der amerikanischen Bevölkerung keine Beschwerden hörten.
SPIEGEL ONLINE: Viele Kritiker im Westen bezeichnen die Proteste in der arabischen Welt als scheinheilig. So beschweren sich viele Araber über negative Klischees über den Islam. Jüdische Gruppen beschweren sich dagegen über antisemitische Darstellungen ihrer eigenen Religion in arabischen Zeitungen. Viele Karikaturisten in der islamischen Welt sind doch klar antisemitsch.
Ali: Da stimme ich zu, und das tut mir Leid. Wir sollten die Religion anderer Leute respektieren. Es ist in Ordnung, dass Zeichner Politiker oder Regierungen aufs Korn nehmen, aber nicht Religionen.
SPIEGEL ONLINE: Hier im Westen haben Zeichner das Recht auf Satire, ganz unabhängig vom Gegenstand. Und es ist die Aufgabe der Regierung, die freie Meinungsäußerung zu schützen. Wie können die dänische Regierung und das dänische Volk dafür verantwortlich gemacht werden, dass eine Zeitung Karikaturen veröffentlicht?
Ali: Wenn die Regierung die Medien nicht davon abhält, Religionen zu attackieren, was zu großen Spannungen führen kann, besteht die Gefahr, dass diese Regierung ihr internationales Ansehen beschädigt.
SPIEGEL ONLINE: Der Westen hat Jahrhunderte dafür gekämpft, Rede- und Meinungsfreiheit zu sichern. Sie gehören nun zu den Grundfesten unserer Gesellschaft. Quer durch Europa sehen deshalb viele die Proteste als Angriff auf ihre demokratischen Grundwerte an.
Ali: Freiheit ist wichtig, und dafür kämpfe ich auch hier. Das Problem ist aber, dass wir Grenzen setzen müssen. Wenn man als Karikaturist Menschen oder Regierungen oder etwas anderes kritisieren will, darf man einfach bestimmte Grenzen nicht überschreiten. Jegliche Übertreibung ist hier schädlich.
SPIEGEL ONLINE: Als Antwort haben Araber Abbildungen des dänischen Premierministers Anders Fogh Rasmussen verbrannt, dänische Produkte boykottiert, Dänen bedroht und Flaggen des Landes verbrannt. Dänische Vertretungen wurden angegriffen. Die Reaktion der Muslime hat viele im Westen schockiert. Ist das übertrieben?
Ali: Ich denke, dass es eine richtige Sache ist, die dänischen Zeichner zu korrigieren und die Gefühle der Massen zu zeigen. Wir können keine Verunglimpfungen des Propheten, den wir verehren, tolerieren. In jeder Religion, auch im Christentum, gibt es Menschen, die in ihrer Religiosität sehr emotional sind. Innerhalb meiner eigenen Religionsgemeinschaft kritisiere ich Menschen, die Grenzen überschreiten. Sie sollten auch kritisiert werden, auch muslimischer Extremismus ist schlecht. Wir sind keine Engel, aber Menschen. Als Menschen sollten wir uns untereinander respektieren. Und unsere Religion.
Das Interview führte Michael Scott Moore . Das Gespräch wurde in der deutschen Fassung leicht gekürzt und bearbeitet. Übersetzung: jaf
Purzel Wld! - 05.02.2006, 20:07
Ich versteh' die Irsinnigen da unten nicht. Die Karrikaturen sind eigentlich total bescheiden, die Aussagen schwachsinnig und lustig sind sie auch nicht. Aber deswegen gleich Botschaften in Brand setzen? Das kann's irgendwie nicht sein. Da ist keine Verhältnismäßigkeit mehr gegeben. Ein Angriff auf die Botschaft eines Landes ist ja ein Angriff auf das Land selbst. Also eigentlich eine Kriegserklärung. Es ist beängstigend, wie leicht sich die Islamische Welt oder zumindest ein nicht zu verachtender Teil radikalisieren lässt. Und die Politik reagiert hier recht zurückhaltend wie ich finde, die USA und GB wieseln sich raus, würd' ich auch machen wenn ich ein paar hunderttausend Mann mitten im Irak stehen hab'. Deutschland kritisiert auch sehr verhalten. Jetzt bin ich mal gespannt ob der Chirac seinen großen Worten von vor ein paar Tagen auch Taten folgen lässt...
Purzel Wld! - 06.02.2006, 13:03
Ah die Politik kommt so langsam in die Pötte. Einfach mal Nachrichten lesen...
engie - 06.02.2006, 15:46
Die Antwort
Man kann die islamische Welt auch etwas verstehen. Die Karikaturen sind wirklich geschmacklos und man muss die Pressefreiheit auch nicht ausnutzen. Natürlich rechtfertigt das Ganze keine Angriffe auf Botschaften, Entführung, Gewalt....
Eine Antwort einer Arabischen Zeitung (ich denke es geht ihnen darum uns ihre Gefühle wegen den Mohammed Karikaturen zu vermittlen):
Freedom of speech
@Purzel
Sieht schon ungewöhnlich aus unsere Fahne brennen zu sehen, ist man gar nicht gewohnt.
Purzel Wld! - 06.02.2006, 16:14
Seh' ich auch zum ersten Mal...
Nikolas Möller - 06.02.2006, 16:31
Komisches Gefühl...
Gehören wir jetzt auch zu den Bösen?
Treppe Wld! - 10.02.2006, 22:34
In der Tat ein mulmiges Gefühl, jetzt kann man sich ungefähr vorstellen wie der Durchschnitss-Amerikaner empfindet wenn er jeden Tag sowas auf CNN sieht.
Aber vielleicht hat das ja auch was gutes. Es könnte eine Chance für die westliche Welt und vor allem für Europa (EU intern und die transatlantischen Beziehungen) sein sich wieder zu einigen und eine gemeinsame Linie zu fahren. Denn ich glaube nicht, dass wir Deutschen uns lange noch als ''vom Terrorismus ungefährdet'' sehen können.
Als aussenpolitischer Realist (bezeichnung der Schule) denke ich, dass solch ein Konflikt nicht durch lange Verhandlungsrunden im New Yorker UN-Gebäude und durch gegenseitiges Einvernehmen gelöst wird, sondern nur durch die Anstrengungen der der darin verwickelten Nationalstaaten. Solche Anstrengungen können sehr unterschiedlich ausschauen, von Boykott, Sanktionen und Handelsembargo bis hin zu Grenzblockaden und der Verletzung der nationalstaatlichen Souveränität. Ich bin der festen Überzeugung, dass das ''Iran-Problem'' durch militärische Mittel in irgendeiner Art und Weise beseitigt wird. Die Frage die sich mir dann stellt ist in welchem Umfang wird solch eine Intervention von statten gehen und wer wird sie durchführen. Die USA da als Verdächtigen ins Auge zu fassen ist zwar legitim aber vielleicht etwas voreilig, denn Israel fühlt sich sicherlich schneller direkt bedroht als die USA (=> geopolitische Lage) und ist für Rigoroses vorgehen bekannt. Jedoch stehen auch andere Gewehr bei Fuss, Frankreich hat erst vor kurzem sehr laut mit dem Säbel gerasselt und auch für die britischen Sicherheitsvorstellungen ist ein mit Atomwaffen ausgerüsteter Iran untragbar. Für Europa wäre es gut, wenn man sich im Rahmen der GASP zu einem geschlossenen Vorgehen entscheiden könnte, zu erwarten ist dies jedoch nicht. Und selbst wenn alle EU-Staaten ein gemeinsames Papier verabschieden würden, so wären es im Endeffekt doch wieder einzelne Nationalstaaten die handeln. Aber für mich ist klar, dass dieser gelenkte Terror folgen haben muss.
Purzel Wld! - 12.02.2006, 10:43
Treppe Wld! - 13.02.2006, 00:29
Ich nehme an der unten stehende Artikel bezieht sich auf die oben gezeigte Karrikatur.
Iran verärgert über Fußball-Karikatur im "Tagesspiegel"
Im "Tagesspiegel" erschien am vergangenen Freitag eine Fußballkarikatur.
Der Zeichner machte darin den Bundeswehreinsatz im Rahmen der
Fußball-Weltmeisterschaft zum Thema.
In der Zeichnung sind Fußballer des Irans als Selbstmordattentäter bzw.
mit Waffen dargestellt. Im Iran wurde diese Zeichnung als "schamlos"
bezeichnet.
Das Sportblatt "90" erklärte: "Es ist jetzt klar, dass die Deutschen von den
Zionisten beeinflusst sind und sich zu deren Vogelscheuche degradiert
haben." Im Iran wird "Zionisten" mit Israel gleichgesetzt.
Herrlich mal wieder die zionistische Weltverschwörung angepriesen, das
hat sich doch vor 60 Jahren mal ganz ähnlich angehört.
Diesen aussenpolitischen Provokationen sollten unsere führenden Politiker entschlossener Gegenübertreten.
Treppe Wld! - 13.02.2006, 00:30
Solangsam glaube ich ja, dass man im Iran noch nicht so ganz verstanden hat was Karrikaturen sind.
Sören - 14.02.2006, 19:34
ICh verstehe diese Aufregung um die Karrikaturen nicht wirklich, um ehrlich zu sein Verstehe ich
aber auch manche der karrikaturen einfach nicht.
Was den Iran angeht glaube ich kaum das es da allzuschnell zu
millitärischen Aktionen kommen wird. Die amerikaner oder andere
werden vieleicht mal einpaar Marschflugkörper oder Bomber losschicken,
aber ich glaube nicht das damit viel erreicht wäre.
Wiso auch? Also ich würde wahrscheinlich als Iran in solch einem Fall erstrecht
am Bau einer Atomwaffe weiterforschen, denn sie sehen ja am
Beispiel Nordkorea, dass wer Atomwaffen hat ( oder behauptet sie zu
haben) sicher ist. Und an einen Einmarsch/ eine Besetzung des Irans
halte ich nichtnur für unrealistisch sondern sogar für unmöglich, 1.
Ist der Iran zu groß, und man sieht ja schon im kleinen
beschaulichen Irak was dann los ist.
2. Würde das die ganze region nurnoch mehr instabilisieren und
damit nur zu noch größeren Problem führen.
Also das Thema Iran und Atomwaffen wird uns noch eine ganze weile beschäftigen
edit by admin: vergesst nicht die return taste!!!!
Mit folgendem Code, können Sie den Beitrag ganz bequem auf ihrer Homepage verlinken