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da_hanf - 20.02.2006, 18:36:10
Gedichte oder andere lyrische Texte
Ich persönlich mag Gedichte. Hier kann man Gedichte reinschreiben, die einem gefallen egal ob witzig, ernst, tiefgründig oder sonst was.
das hier find ich genial ^^:
The Leader
I wanna be the leader
I wanna be the leader
Can I be the leader?
Can I? I can?
Promise? Promise?
Yippee, I'm the leader
I'm the leader
OK what shall we do?
Roger McGough
Noctor - 20.02.2006, 18:49:07
Das hier finde ich schon, von Richard Dehmel:
Die Stille Stadt
Liegt eine Stadt im Tale,
Ein blasser Tag vergeht.
Es wird nicht lang mehr dauern
Bis weder Mond noch Sterne
Nur Nacht am Himmel steht.
Von allen Bergen drücken
Nebel auf die Stadt,
Es dringt kein Dach, nicht Hof noch Haus,
Kein Laut aus ihrem Rauch heraus,
Kaum Türme noch und Brücken.
Doch als dem Wandrer graute,
Da ging ein Lichtlein auf im Grund
Und aus dem Rauch und Nebel
Begann ein leiser Lobgesang
Aus Kindermund.
da_hanf - 20.02.2006, 18:52:30
das is echt schön
Christian Morgenstern ist einer meiner Lieblings Dichter:
Der Seufzer
Ein Seufzer lief Schlittschuh
Auf nächtlichem Eis
Und träumte von Liebe und Freude.
Es war an dem Stadtwall,
und schneeweiß
glänzten die Stadtwallgebäude.
Der Seufzer dachte an ein Maidelein
Und blieb erglühend stehen.
Da schmolz die Eisbahn unter ihm ein –
Und er sank – und ward nimmer gesehen.
Noctor - 20.02.2006, 23:10:22
Richard Dehmel ist einer meiner Lieblingsdichter, hier noch eins:
Nächtliche Scheu
Zaghaft vom Gewölk ins Land
fließt des Lichtes Flut
aus des Mondes bleicher Hand;
dämpft mir alle Glut.
Ein verirrter Schwimmer schwebt
durch den Wald zum Fluß,
und das dunkle Wasser bebt
unter seinem Kuß.
Hörst du, Herz? die Welle lallt:
küsse, küsse mich!
Und mit zaghafter Gewalt,
Mädchen, küss´ich dich.
Dribbl_Nibbl - 21.02.2006, 16:07:00
also ich kenn nur eins und das geht so
advent advent ein lichtlein brennt
erst 1
dann 2
dann 3
dann 4
dann steht das christkind vor der tür ^^
Noctor - 21.02.2006, 16:14:40
du bist unglaublich^^ sooo... lyrisch^^
da_hanf - 21.02.2006, 16:32:51
woa ich bin beeindruckt *rofl* :rollen:
Noctor - 09.06.2006, 21:49:45
mir wieder eingefallen! Ich finde den Erlkönig von Goethe genial!
Wer reitet so spät durch Nacht und Wind?
Es ist der Vater mit seinem Kind.
Er hat den Knaben wohl in dem Arm,
Er faßt ihn sicher, er hält ihn warm.
Mein Sohn, was birgst du so bang dein Gesicht?
Siehst Vater, du den Erlkönig nicht!
Den Erlenkönig mit Kron' und Schweif?
Mein Sohn, es ist ein Nebelstreif.
Du liebes Kind, komm geh' mit mir!
Gar schöne Spiele, spiel ich mit dir,
Manch bunte Blumen sind an dem Strand,
Meine Mutter hat manch gülden Gewand.
Mein Vater, mein Vater, und hörest du nicht,
Was Erlenkönig mir leise verspricht?
Sei ruhig, bleibe ruhig, mein Kind,
In dürren Blättern säuselt der Wind.
Willst feiner Knabe du mit mir geh'n?
Meine Töchter sollen dich warten schön,
Meine Töchter führen den nächtlichen Reihn
Und wiegen und tanzen und singen dich ein.
Mein Vater, mein Vater, und siehst du nicht dort
Erlkönigs Töchter am düsteren Ort?
Mein Sohn, mein Sohn, ich seh'es genau:
Es scheinen die alten Weiden so grau.
Ich lieb dich, mich reizt deine schöne Gestalt,
Und bist du nicht willig, so brauch ich Gewalt!
Mein Vater, mein Vater, jetzt faßt er mich an,
Erlkönig hat mir ein Leids getan.
Dem Vater grauset's, er reitet geschwind,
Er hält in den Armen das ächzende Kind,
Erreicht den Hof mit Mühe und Not,
In seinen Armen das Kind war tot.
Korax - 13.06.2006, 22:15:31
hier eins meiner Lieblingsgedichte
DER RABE
Eines Nachts, aus gelben Blättern mit verblichnen Runenlettern
Tote Mären suchend, sammelnd von des Zeitenmeers Gestaden,
Müde in die Zeilen blickend und zuletzt im Schlafe nickend,
Hört´ ich plötzlich leise klopfen, leise, doch vernehmlich klopfen
Und fuhr auf, erschrocken stammelnd: "Einer von den Kameraden,"
"Einer von den Kameraden."
In dem letzten Mond des Jahres, um die zwölfte Stunde war es,
Und ein wunderlich Rumoren klang mir fort und fort im Ohre,
Sehnlichst harrte ich des Tages, jedes neuen Glockenschlages;
In das Buch vor mir versenken wollt´ ich all mein Schmerzgedenken,
Meine Träume von Lenoren, meinen Gram um Leonore,
Um die tote Leonore.
Seltsame, phantastisch wilde, unerklärliche Gebilde,
Schwarz und dicht gleich undurchsicht´gen, nächtig dunklen Nebelschwaden
Huschten aus den Zimmerecken, füllten mich mit tausend Schrecken,
So daß ich nun bleich und schlotternd, immer wieder angstvoll stotternd,
Murmelte, mich zu beschwicht´gen: "Einer von den Kameraden,"
"Einer von den Kameraden!"
Alsbald aber mich ermannend, fragt´ ich, jede Scheu verbannend,
Wen der Weg noch zu mir führe: "Mit wem habe ich die Ehre?"
Hub ich an, weltmännisch höflich: "Sie verzeihen, ich bin sträflich,
Daß ich Sie nicht gleich vernommen; seien Sie mir hochwillkommen!"
Und ich öffnete die Türe - nichts als schaudervolle Leere,
Schwarze, schaudervolle Leere.
Lang in dieses Dunkel starrend, stand ich fürchtend, stand ich harrend,
Fürchtend, harrend, zweifelnd, staunend, meine Seele ganz im Ohre -
Doch die Nacht blieb ungelichtet, tiefes Schwarz auf Schwarz geschichtet,
Und das Schweigen ungebrochen, und nichts weiter ward gesprochen,
Als das eine, flüsternd, raunend, das gehauchte Wort "Lenore",
Und ich flüsterte: "Lenore!"
In mein Zimmer wiederkehrend und zum Sessel flüchtend, während
Schatten meinen Blick umflorten, hörte ich von neuem klopfen,
Diesmal aber etwas lauter, gleichsam kecker und vertrauter,
An dem Lades nist es, sagt´ ich, und mich zu erhaben wagt´ ich,
Sprach mir Mut zu mit den Worten: "Sicher sind es Regentropfen,
Weiter nichts als Regentropfen."
Und ich öffnete: Bedächtig schritt ein Rabe, groß und nächtig,
Mit verwildertem Gefieder ins Gemach und gravitätisch
Mit dem ernsten Kopfe nickend, flüchtig durch das Zimmer blickend,
Flog er auf das Türgerüste, und auf einer Pallasbüste
Ließ er sich gemächlich nieder, saß dort stolz und majestätisch,
Selbstbewußt und majestätisch.
Ob des herrischen Verfahrens und des würdigen Gebarens
Dieses wunderlichen Gastes schier belustigt, sprach ich: "Grimmer
Unglücksbote des Gestades an dem Flußgebiet des Hades
Du bist sicher hochgeboren, kommst du geradewegs von den Toren
Des plutonischen Palastes? Sag, wie nennt man dich dort?" - "Nimmer!"
Hört´ ich da vernehmlich: "Nimmer!"
Wahrlich, ich muß eingestehen, daß mich eingen Ideen
Bei dem dunklen Wort durchschwirrten, ja, daß mir Gedanken kamen,
Zweifel vom bizarrsten Schlage; und es ist auch keine Frage,
Daß dies seltsame Begebnis ein vereinzeltes Erlebnis;
Einen Raben zu bewirten mit solch ominösem Namen,
Solchem, ominösen Namen.
Doch mein düsterer Gefährte, sprach nichts weiter und gewährte
Mir kein Zeichen des Beachtung. Lautlos stille ward´s im Zimmer,
Bis ich traumhaft, abgebrochen (halb gedacht und galb gesprochen)
Raunte: "Andre Freunde gingen, morgen hebt auch er die Schwingen,
Läßt dich wieder in Umnachtung." Da vernahm ich deutlich "Nimmer".
Deutlich und verständlich: "Nimmer".
Stutzig über die Repliken, maß ich ihn mit scheuen Blicken,
Sprechend: Dies ist zweifelsohne sein gesamter Schatz an Worten,
Einem Herren abgefangen, dem das Unglück nachgegangen,
Nachgegangen, nachgelaufen, bis er auf dem Trümmerhaufen
Seines Glücks dies monotone "Nimmer" seufzte allerorten,
Jederzeit und allerorten.
Doch der Rabe blieb possierlich, würdevoll, und unwillkürlich
Mußt´ ich lächeln ob des Wichtes: Alsdann mitten in das Zimmer
Einen samtnen Sessel rückend und mich in die Polster drückend,
Sann ich angesichts des grimmen, dürren, ominösen, schlimmen
Künders göttlichen Gerichtes, über dieses dunkle "Nimmer",
Dieses rätselhafte "Nimmer".
Dies und anderes erwog ich, in die Traumeslande flog ich,
Losgelöst von jeder Fessel. Von der Lampe fiel ein Schimmer
Auf die violetten Stühle, und auf meinem samtnen Pfühle
Lag ich lange, traumverloren, schwang mich auf zu Leonoren,
Die in diesen samtnen Sessel nimmermehr sich lehnet, nimmer,
Nimmer, nimmer, nimmer, nimmer.
Plötzlich ward es in mir lichter und die Luft im Zimmer dichtrer,
Als ob Weihrauch sie durchwehte. Und an diesem Hoffnungsschimmer
Mich werwärmend, rief ich: "Manna, Manna, schickst du Gott, Hosianna;
Lob ihm, der die Gnade spendet, der dir seine Engel sendet!
Trink, o trink aus dieser Lethe und vergiß Lenore!" - "Nimmer!"
Krächzte da der Rabe. "Nimmer!"
"Nachtprophet, erzeugt vom Zweifel, seist du Vogel oder Teufel,
Triumphierend ob der Sünder Zähneklappern und Gewimmer
Hier, aus dieser dürren Wüste, dieser Stätte geiler Lüste,
Hoffnungslos, doch ungebrochen, und noch rein und unbestochen,
Frag´ ich dich, du Schicksalskünder: Ist in Gilead Balsam?" - "Nimmer,"
Krächzte da der Rabe, "nimmer!"
"Nachtprophet, erzeugt vom Zweifel, seist du Vogel oder Teufel -
Bei dem göttlichen Erbarmen, lösch nicht diesen letzten Schimmer!
Sag´ mir, find ich nach dem trüben Erdenwallen einst dort drüben
Sie, die von dem Engelschore wird geheißen Leonore?
Werd´ ich sie dort einst umarmen, meine Leonore?" - "Nimmer,"
Krächzte da der Rabe, "nimmer!"
"Feind, du lügst, heb´ dich von hinnen," schrie ich auf, beinah von Sinnen,
"Dorthin zieh, wo Schatten wallen unter Winseln und Gewimmer,
Kehr´ zurück zum dunklen Strande, laß kein Federchen zum Pfande
Dessen, was du prophezeitest, daß du diesen Ort entweihtest,
Nimm aus meiner Brust die Krallen, hebe dich von hinnen!" - "Nimmer,"
Krächzte da der Rabe, "nimmer!"
Und auf meinem Türgerüste, auf der bleichen Pallasbüste,
Unverdrossen, ohne Ermatten, sitzt mein dunkler Gast noch immer.
Sein Dämonenauge funkelt und sein Schattenriß verdunkelt
Das Gemach, schwillt immer mächtiger und wird immer grabesnächtiger -
Und aus diesen schweren Schatten hebst sich meine Seele nimmer,
Nimmer, nimmer, nimmer, nimmer.
Bibabutzemann - 14.07.2006, 19:09:06
ich hasse raben -.- :D
da_hanf - 14.07.2006, 20:03:55
das ist mein Mai gedicht in dem lyrischen JAhreszeitenkalender en ich für Kuli machen musste:
Die Schaukel
Wie schön sich zu wiegen,
Die Luft zu durchfliegen
Am blühenden Baum!
Bald vorwärts vorüber,
Bald rückwärts hinüber, -
Es ist wie ein Traum!
Die Ohren, sie brausen,
Die Haare, sie sausen
Und wehen hintan!
Ich schwebe und steige
Bis hoch in die Zweige
Des Baumes hinan.
Wie Vögel sich wiegen,
Sich schwingen und fliegen
Im luftigen Hauch:
Bald hin und bald wieder,
Hinauf und hernieder,
So fliege ich auch!
Heinrich Seidel
da_hanf - 09.09.2006, 11:39:47
Der Text stand in meine Deutschbuch und is einfach nur genial:
Leider kein Microsofti - Eine Sprachmusterverschiebung
Computerprogrammierer Mike zog es mal wieder magnetisch in die Disko, den Pool der Objektverknüpfung. Für den Fall eines Erstellens weit reichender Verknüpfungen hatte er sicherheitshalber sein persönliches Anti-Virus-Programm in seiner rechten Hosentasche. Gleich an der Eingangstür ließ eine echt scharfe Maus mit gigantisch langem Laufwerk seinen Datenspeicher heißlaufen. Sogleich startete er seine Anmachattacke, indem er erst einmal den physischen Abstand komprimierte. Das ganze im Sinne der Leistungsoptimierung reichlich aufgetragene Deodorant kitzelte seinen Berechnungen zufolge gerade in diesem Moment die Datenbahn in ihrer Nase.
"Na, wie wär's mit 'nem Ehernplatz in meiner Ablage?" - "Nee danke, Alter! Auf die Option kann ich echt verzichten. Ich steh nicht so auf Machosprüche. Da is' mir eine Microsofti echt lieber."
Offensichtlich war sie nicht kompatibel. Auch beim zweiten Objekt war er nicht besonders erfolgreich. Als er nämlich versuchte, seine Hand wie zufällig auf ihr zu installieren, blitze ihr männliches Zubehör ihn böse an und drohte bei erneutem Installationsversuch mit totalem Systemausfall. Seine Freundin sei nämlich keine Shareware. Zu allem Übel tauchte dann auch noch seine Verflossene auf, die die gelöste Verknüpfung partout aktualisieren wollte. Da entschloss er sich zum schnellen Rückzug, was es ihm ermöglichte, noch an diesem Abend sein Buch "Windows für glückliche Singles" mit dem Untertitel "Dein Computer - dein zuverlässigster Beziehungspartner" zu beenden, das später ein absoluter Bestseller in der Megabyte-Junkie-Szene wurde, was er aber natürlich zu diesem Zeitpunkt noch nicht wissen konnte, und so definierte er das Ganze nach kurzem Durchchecken seiner Speicherverwaltung als Absturztag.
Julia Wessel (Klasse 10)
Noctor - 09.09.2006, 12:18:40
Einmal dein Leben
Wolf Wondratschek
Du gehst die Straße lang,
als wolltest du in die Sonne reiten.
Unter dir die Asphalt-Skyline.
Hinter dir zwei Ewigkeiten.
Du gehst die Straße lang
und fühlst dich stark genug.
Einmal dein Leben.
Der Rest ist Betrug.
Sie wollte leben,
das war alles, was sie wollte.
Sie ging die Straße bis zum Ende
und sah die Farben unsichtbarer Gegenstände
und malte nachts die Sterne an mit Lippenstift:
Sie suchte ihr Leben, aber sie gaben ihr Gift.
Sie suchte nach dem Glück, das sie nicht fand,
und ging allein und weiter und verschwand.
Du gehst die Straße lang
und fühlst dich stark genug, um ehrlich zu sein:
Geh weiter,
und wenn es sein muss,
geh allein.
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