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Ollie - 15.11.2007, 23:07
Judt im Interview
OFC-Kapitän im Interview
„Wir als Mannschaft tragen Mitschuld“
Von Jörg Daniels
OFC-Kapitän Judt: Wir hätten keine Probleme gehabt, mit Frank weiterzuarbeiten.
15. November 2007
Gibt es bei den Offenbacher Kickers neuen Schwung mit dem neuen Fußballtrainer? Kapitän Judt bejaht dies: „Jörn Andersen bevorzugt das schnelle Spiel nach vorne. Absolut top, wie er uns vorbereitet hat“, sagt er im folgenden FAZ.NET-Interview.
Der neue OFC-Trainer Jörn Andersen bezeichnet sich als Genauigkeitsfanatiker. Bei seinem Amtsantritt 2003 in Oberhausen hat er die Kabine neu streichen lassen. Was hat sich unter ihm bislang bei den Kickers verändert?
Wir können jetzt eine Viertelstunde vor dem Trainingsstart auf den Platz und spielen fünf gegen zwei. Jörn Andersen sieht es gerne, wenn wir schon ein bisschen in Schwung gekommen sind. In der Kabine hat Wolfgang Frank die gleiche Dusche wie die Mannschaft benutzt. Andersen geht in die Gästekabine.
Bevor Sie 2003 zum OFC gewechselt sind, hatten Sie in Oberhausen ein Sondierungsgespräch mit dem neuen Cheftrainer Andersen. Mit welchem Gefühl haben Sie die Unterredung beendet?
Ich hatte schon den Eindruck, dass er auf meiner Position, der linken Seite, Veränderungen im Sinn hatte. Aber das lag wohl eher an der Vereinsführung. Für mich war ohnehin klar, dass ich Oberhausen verlasse.
Kam Ihnen der Gedanke, dass das nicht der richtige Trainer für Sie sei?
Natürlich geht man erst mal nicht mit einem positiven Eindruck aus dem Gespräch heraus, wenn man das Gefühl hat, nicht mehr unbedingt erwünscht zu sein. Mit Jörn Andersen habe ich darüber gesprochen, es kam und kommt deswegen kein Krach und kein Ärger auf. Ich bin in Offenbach sein Kapitän und erster Ansprechpartner. Das hat mir unser neuer Trainer klar gesagt.
Beschlich Sie ein mulmiges Gefühl, als Sie von seiner Verpflichtung gehört haben?
Nein. Man ist jedoch ein bisschen zweifelnd. Du weißt nicht genau, was auf dich zukommt. In Offenbach habe ich ein gewisses Standing. Wenn ich meine Leistung bringe, kommt der Trainer nicht an mir vorbei.
Gibt es Spieler, die Frank nachtrauern?
Wir hätten keine Probleme gehabt, mit ihm weiterzuarbeiten. Von meiner Seite und dem Großteil der Mannschaft ist Wolfgang Frank nichts vorzuwerfen. Die Ära Frank aber ist vorbei. Jetzt geht es darum, die neue Situation zu meistern und den neuen Schwung mitzunehmen.
Haben sich einige Spieler womöglich sogar über den Trainerwechsel gefreut?
Das glaube ich nicht. Man trägt ja auch als Mannschaft eine Mitschuld, dass wieder ein Mensch seinen Arbeitsplatz verloren hat. Gerade menschlich ist Frank nichts vorzuwerfen. Vielleicht war er manchmal zu gutmütig.
Inwiefern?
Vielleicht hätte er manchmal die härtere Linie fahren müssen. Teilweise muss man die Schuld vielleicht auch bei mir und dem Spielerrat suchen. Bei kleinen Undiszipliniertheiten hätten auch wir härter durchgreifen müssen.
Demnach war Frank kein harter Hund?
Ich habe ihn als nicht weichen, aber angenehmen Trainer erlebt.
In der vorletzten Länderspielpause hatte Frank hart trainieren lassen. Jetzt ist wieder Spielpause, und der Fleißarbeiter Andersen hat das Kommando übernommen. Sind die Kickers im kommenden Spiel in Gladbach platt?
Nein. Zwar ist das Training sehr hart. Einige Spieler haben schwere Beine. Andersen hat aber gesagt, dass er das Pensum runterschrauben wird.
Der Norweger gilt als moderner Trainer. Wie bekommt das die Mannschaft im Training zu spüren?
Die Belastung ist anders. Andersen bevorzugt das schnelle Spiel nach vorne. Wir machen deshalb in den Übungen viel mit Schnelligkeit und Sprints. Die Mannschaft ist begeistert von den Einheiten.
War Frank kein moderner Trainer?
Mit so einem Ausdruck kann ich nichts anfangen. Eigentlich geht es darum, Erfolg zu haben.
Es heißt, Andersen bringe der Mannschaft die Spielfreude zurück. Haben Sie manchmal das Gefühl, der neue Trainer will der Mannschaft das Fußballspielen beibringen?
Macht das nicht jeder Trainer, dass er versucht, der Mannschaft das Fußballspielen beizubringen?
Wer kann besser motivieren? Andersen oder Frank?
Es ist absolut top, wie Andersen das Training gestaltet und die Mannschaft gegen Wehen Wiesbaden vorbereitet hat. Es gibt gar nichts zu meckern. Das war bei Frank aber nicht anders.
Worin unterscheiden sich beide?
Bei Frank gab es immer ein Motto, unter dem das jeweilige Spiel stand. Es war beeindruckend, wie er sich stets etwas einfallen lassen hat.
Als Cheftrainer hat Andersen in der zweiten Liga nicht die Erfahrung im Abstiegskampf wie sein Vorgänger Frank. Könnte das zum Problem werden?
Ich denke, dass ist kein großer Nachteil. Diese Erfahrung muss jeder Trainer machen, wenn er sie noch nicht hat.
Die Fragen stellte Jörg Daniels.
Text: F.A.Z.
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