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Wanderin, Wanderer, höre meine Geschichte von Abanien und lasse
sie dir eine Warnung sein.
Vor langer, langer Zeit, als noch Drachen durch die Lüfte zogen
und unheimliche Wesen die Wälder durchstreiften, gab es ein
verlorenes Tal genannt Abanien. Niemand hatte je davon gehört,
bis eines Tages im Jahre 3708 vor unserer Zeit Licht ins Dunkel
der Geschichte fiel. Aus dieser Zeit stammen die ersten
Schriften von dem Schicksal der Bewohner Abaniens, gesammelt von
dem sagenhaften Löwenherz. Das Tal gedieh, und gar viele
Bewohner lebten dort.
Allein, Abanien war kein günstig Schicksal beschieden, und es
zerfiel in zahllose Fürstentümer, den Parsimonien. Und das Tal
der Altvorderen fiel zurück in die Dunkelheit der Geschichte.
Es geht die Mär von gar fürchterlichen Trollen und Kobolden, die
in dem vierten Seitental Abaniens lebten seit Anbeginn der
Zeiten. Sie hatten wenig mit Abanien gemein, und doch waren es
Abanier.
Wanderin, Wanderer, nenne niemals den Namen des vierten
Seitentals. Gar viele grauenhafte Geschichten gäbe es von dort
zu erzählen. Solltest du jemals ins Tal geraten, wappne dich
wohl, wer weiß, wie dir geschähe.
Um diese Zeit mussten auch die Ringe der Macht, die Adminien,
entstanden sein. Niemand weiß, wer sie schmiedete, welchen
Einfluss sie haben und ob sie auch wirklich existieren.
Doch nach einiger Zeit es gab wieder Hoffnung. Plötzlich erhob
sich das Königreich Ohnerfia, regiert von dem gar tüchtigen und
tugendhaften Königspaar Librio und Libria. Abanien erblühte und
erstrahlte, die Bevölkerung wuchs, und es wurde gar bekannt auf
diesem Erdkreis. Aus fernen Landen kamen Gesandte, und viele
fanden Zuflucht in Ohnerfia.
Und genau so plötzlich wie es erschien, genauso plötzlich
verschwand Ohnerfia. Der ganze Glanz war in einem Augenblick
verschwunden, die Verwirrung musste gar fürchterlich für die
Bewohner gewesen sein. Niemand weiß, was mit dem Königspaar
geschah. Wurde es vom Aberwolf geholt, wurde es hinterrücks
gemeuchelt, floh es, war es in andere Gefilde berufen? Nur das
Paar kennt die ganze Wahrheit.
Und wieder drohte das Vergessen über Abanien hereinzubrechen.
Aber nach kurzer Zeit fand sich Abanien unter dem Zeichen der
Chrysantheme zusammen. Das Tal begann wieder zu erblühen, doch
gab es einen dunklen Schatten. Das Tal zerfiel in das milde
Südabanien und in das raue Nordabanien. Im Norden beratschlagte
nun das Thing.
Immer schon getrennt durch einen reißenden Fluss, zerbrachen
immer mehr Brücken. Die Schönheit des einen Teils geriet im
anderen Teil in Vergessenheit. Einst geeint mit gemeinsamen Ziel
wurde das Tal zerschnitten duch den Fluss, der immer reißender
und wilder wurde.
Mitten im Fluss auf der kleinen Insel Wikini stand in einem
letzten Vermittlungsversuch ein kleines Büchlein bereit. Jeder
der wollte, konnte dort Worte des Sachverstands und der
Verständigung eintragen. Aber ach, der Wächter des Büchleins
waren zu wenige. "Was kümmert uns das Büchlein? Es steht doch
nichts Rechtes darin!", so hieß es. Sollten die Wächter auf der
Insel doch selbst alleine alles machen. Und jene Zauderer
vergaßen, dass dem Büchlein nicht von den Wächtern allein Leben
eingehaucht werden konnte, sondern auf die Mithilfe aller
angewiesen war.
Doch halt, es gab auch weitere Hoffnungsschimmer. Statthalter
und andere Einwohner im Zeichen der Blume tummelten sich im
Norden, und unbescholtene Bürger aus dem Norden zog es in den
Süden.
Wanderin, Wanderer, solltest du jemals ins Tal Abanien geraten,
sei auf der Hut. Entscheide dich wohl, auch wenn du nicht
willst, du musst. Gehst du in den Süden oder in den Norden?
Achte auf deine Worte: Ein unbedachtes Wort in einer Herberge,
und du findest dich auf der Straße wieder.
Wanderin, Wanderer, solltest du jemals in beiden Teilen leben
oder gar vermitteln wollen: Mache dich kundig und erwarte harte
Gefechte - aber nicht unbedingt Vernunft. Obwohl du noch nie
davon gehört hast und es dich auch nicht kümmert, das Geflecht
der Altvorderen, der Chrysanthemen, des Things und der Trolle
aus dem Seitental, dessen Namen nicht genannt werden darf, ist
verwickelt, verworren und wird auch dich in den Abgrund ziehen.
Wanderin, Wanderer, solltest du jemals einen Ring der Adminien
finden, wisse wohl: Dieser bringt große Macht, aber auch große
Verantwortung. Hüte dich vor den bösen Einflüsterungen, welche
dieser Ring mit sich bringen mag. Stets versucht er, dich auf
eine Seite zu ziehen.
Wanderin, Wanderer, ich, der diese Zeilen schrieb, irre nun in
Abanien herum. Vom Norden in den Süden, vom Süden in den Norden,
kurz verweilend auf der Insel, stets suchend nach dem Ausgang
aus dem Tal. Lasse dir mein Schicksal eine Warnung sein.
Zuletzt geändert von Michelus am 11.11.2007, 14:08, insgesamt 1-mal geändert.
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