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Ganta - 04.11.2007, 20:58
Wie viel Beziehungserfahrung brauche ich wirklich? (lang)
Eine "Warnung" vorneweg: dieser Text ist sehr lang und befasst sich mit meiner persönlichen Meinung und Idee zu einem bestimmten Teilaspekt der AB-Problematik. Wer mich kennt weiß, das ich manchmal zu solchen "Abhandlungen" neige, die ein zu dicker Brocken sind für das, was ein durchschnittlicher Leser hier erwartet. Deshalb erwarte ich auch keine große Resonanz oder Diskussion, aber vielleicht sind für manche ein, zwei Ideenanstösse dabei. Wenn man sich wie ich mind. 7 Jahre mit dem Thema auseinandersetzt kommt halt einiges zusammen
Meine Thematik oder Grundfrage ist diesmal: Wieviel Beziehungserfahrung brauche ich, um in eine Beziehung zu starten? Oder anders: was macht Beziehungserfahrung in meinen persönlichen Augen aus? Brauchen wir sie überhaupt?
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Im Forum taucht oft der Begriff "Beziehungserfahrung" auf. Eine Frage: was stellt ihr euch konkret unter "Beziehungserfahrung" vor? Diesen Punkt will ich wirklich mal hinterfragen, weil er immer wieder auftaucht, und immer sehr schwammig. Das hört sich so an, als ob alle anderen Normalos vorher eine Ausbildung oder Prüfung gemacht hätten. Ein "Elternführerschein", wie manche ihn fordern. Die Wahreheit ist, dass viele, oder vielleicht sogar die meisten gar nicht wissen, wie man eine Beziehung führen soll! Es wird einfach gemacht, und es läuft dann mehr oder wenig recht und schlecht.
Warum werden diese ganzen Beziehungsratgeber und Beziehungstherapeuten gebraucht? Weil es der "normale" Rest auch nicht besser weiß! Wenn es sie überhaupt interessiert. Was soll es im Bereich der Beziehungserfahrung geben, dass sich einem nicht mit gesundem Menschenverstand erschliesst?
Das Argument, man müsse wahnsinnig qualifiziert sein, um gewissen Ansprüchen überhaupt zu genügen ist ein Mythos. Viele glauben man müsse den perfekten Lebenslauf vorweisen können, um sich auf eine Führungsposition im oberen Management eines internationalen Konzern zu bewerben. Dabei geht es höchstens um eine Stelle im mittleren Bereich. Die typische Perfektionsfalle: man will im voraus alle Probleme beseite räumen um sich ihnen nicht stellen zu müssen, anstatt mit seinen Aufgaben zu wachsen.
Viele ABs meinen mit "Beziehungserfahrung" wahrscheinlich dieses notwendige learning-by-doing Element. Weil alles andere steht in Büchern: vor meiner ersten Beziehung habe ich schon Eheratgeber durchgeackert. Damit war ich der Mehrheit schon voraus. Die praktischen Probleme des Beziehungsalltags stellen nicht das eigentliche Hinderniss dar, falls man nicht auf den Kopf gefallen ist und zwei linke Hände hat.
Sprich: linkisches Verhalten ist nicht eine Frage der (Beziehungs)Erfahrung, sondern eine Frage der Person, und wie sie sich unter Stress verhält. Weil das finde ich den eigentlichen Punkt: wie geht man mit seinen eigenen Gefühlen um? Weil man wird vielen Gefühlen ausgesetzt, die man aushalten muß. Daran muß man sich gewöhnen, bis es normal geworden ist. Das ist in meinen Augen "Beziehungserfahrung": die Fähigkeit Beziehungsstress auszuhalten. Wie kann man Stress besser aushalten? Man kennt Lösungsmöglichkeiten und hat auch Vertrauen in die eigene Fähigkeit Probleme zu lösen. Ähnlich wie bei der Berufserfahrung: man ist schon mit soviel konfontiert worden, dass einen nicht mehr viel überraschen kann.
Viele der Lösungsmöglichkeiten kann man sich wie gesagt anlesen. Auch bei diesem Thema. Jetzt muss man auch Vertrauen in sich selbst haben, dass man diese Probleme lösen kann, oder zumindest aushält, wenn sie auf einen zukommen. Man kann sie, wie in anderen Lebensbereichen nicht vorhersagen. Würde man sich irgendwelche Horrorszenarien ausmalen, was passieren könnte, würde man draufgehen. Man braucht eine Art blindes Vertrauen in einen selbst, dass man mit unvorhergesehenen fertig wird.
Deshalb bringt es nichts alle Möglichkeiten zu erörtern was passieren könnte. Hier bei der AB-Problematik: was in einer Beziehung passieren könnte. Man könnte sich hunderte einzelne Problemfälle ausmalen und sie präventiv vorwegnehmen wollen: es wird doch immer etwas passieren.
Es ist doch ähnlich wie beim Projektmanagement: Jeder weiß, es gibt kein Projekt irgendwelcher Art, daß von vorne bis hinten glattläuft. Irgendwas passiert immer. Gute Projektführer kalkulieren unvorhergesehenes möglichst ein, indem sie zB. Zeitpuffer einplanen. Hätten sie kein blindes Vertrauen in sich, auch mit nicht einplanbarem fertig zu werden könnten sie keine Nacht ruhig schlafen.
Oder wie Susan Jeffers es sinngemäß sagt: Angst ist der Ausdruck der Vorstellung "Ich werde nicht damit fertig!"
Ihr habt also konkret in dieser Situation "Ich lerne einen Partner kennen" die Vorstellung: Es gibt also diese Situation, und falls was passiert werde ich emotional nicht damit fertig werden. Also gehe ich dem vorher aus dem Weg bis ich die praktische Erfahrung gemacht habe, nicht jedesmal ausflippen zu müssen.
"Ausflippen" werdet ihr aber von Zeit zu Zeit praktisch gesehen immer! Anderen passiert das auch, die werden ebenso mit unverhergesehnem emotionalen Stress konfrontiert. Die Frage ist: wie gehe ich damit um, was traue ich mir zu?
Beziehungserfahrung ist in meinen Augen wie bei Berufserfahrung das blinde Selbstvertrauen in sich, mit unvorhergesehenem fertig zu werden (auch wenn ich mich hundertmal wiederhole finde ich diese genaue Definition wichtig. Zumindest in einem bestimmten Rahmen.
Woher kommt dieses Vertrauen? Es entwickelt sich! Man hat schon solche und solche Situationen bewältigt und weiß oder glaubt zu wissen: beim nächsten mal wird es wieder klappen. Zum Beispiel ist es durch Studien belegt dass jemand, der mit seiner Firma zum ersten mal pleite geht mehr Stress erlebt als jemand, dem dies zum dritten mal passiert. Weil zweiter eben die praktische Erfahrung gemacht hat, dass er nach der Pleite wieder auf die Beine kommt. Wie man so schön sagt: er glaubt an sich!
Was schliessen wir daraus? ABs trauen sich zuwenig zu. Das dürfte offensichtlich sein, da wird mir keiner widersprechen. Warum trauen sie sich zuwenig zu? Weil sie nicht stressresistent genug sind. Weil sie glauben oder die praktische Erfahrung gemacht haben, mit emot. Stress nicht fertig zu werden. Was passiert wenn man glaubt mit einer Situation nicht fertig zu werden? Man bekommt Angst davor. Was passiert bei Angst? Man traut es sich erst rechtn nicht zu. So schliesst sich die Abwärtsspirale.
DIe Frage sollte man in meinen Augen umformulieren. Nicht: "welche konkreten Probleme habe ich zu erwarten, und wie kann ich diese im Vorfeld lösen?" Sondern: "Solle ich es mir zutrauen?"
Wenn die Frage kommt, ob man sich etwas zutrauen soll erwägt man meisten die Pros und Kontras. Was im besten Fall passieren kann, was im schlechtesten. Soll ich mir zutrauen mich selbständig zu machen? Was kann im besten Fall passieren, was im schlechtesten? Was benötige ich, damit aus dem schlechtesten kein katastrophaler Fall wird, zB. eine lebenslange Schuldenfalle?
Was kann Dir, geneigter Leser, also im besten und schlechtesten Falle passieren? Um es überspitzt zu formulieren: dein körperliches Leben ist höchstwahrscheinlich nicht in Gefahr. Finanzielle Risiken hast Du selbst in der Hand. Andere Verbindlichkeiten hast Du ebenso selbst in der Hand. Du kannst zB. entscheiden, ob du heiraten willst oder nicht. Etc. Also die praktischen Gesichtspunkten spielen hier auch wieder eine sehr untergeordnete Rolle.
Was konkret passieren kann, und ich glaube das geht allen ABs so, sind die emotionallen Risiken. Diese sind aufgrund praktischer Erfahrungen durchaus "real", oft in Form von Angst vor der Angst. Das sind Aussagen wie: "Wenn ich einen Korb bekomme/ enttäuscht werde wirft mich das für X Jahre zurück". Dann sind wir wieder bei der Stressresistenz. Hätte man hingegen den Glauben "Sollte die Sache mit dem Partner nicht hinkommen werde ich das schon aushalten" wäre das Risiko sehr viel geringer. Man würde einfach ausprobieren. Und das tun die Normalos letztendlich auch: sie probieren es einfach.
Die Frage an Euch ist also: welche Szenarien spielen sich bei Euch im Kopf ab bei der Vorstellung, sich auf eine Frau/ einen Mann einzulassen? Bisher waren die Antworten oft: Ich werde den Ansprüchen nicht gerecht werden. Ich würde in eine bestimmte Rolle gedrängt etc. Was würde in eurer Vorstellung die Konsequenz dieses (Horror)Szenarios sein? Meine Interpretation: Ich würde es furchtbar finden eine Niederlage einzustecken. Ich würde in eine Situation kommen, in denen ich die Anforderungen an mich nicht meistern oder kontrollieren kann.
Was wäre die emotionalle Konsequenz? Für ABs viel größer als für Normalos, weil sie eben mehr Angst davor haben. Man hat ein gewissen Zutrauen in sich, Situationen bis zu einer gewissen Grenze wegstecken zu können. Normalos können meist solche "schlimmsten Fälle" meist wegstecken. Sie kennen ihre Grenze, oder glauben diese zu kennen. Die Frage ob man es selber zB. aushalten könnte an Krebs zu erkranken würden die allermeisten mit Nein beantworten. Dort sehen sie (in diesem extremen Fall) für sich die Grenze: mit vielem werde ich fertig, aber Krebs wäre für mich zuviel!
Das Angstlevel für ABs vor Beziehungsstress liegt dort oben, wo bei Normalos etwa "Autounfall" angesiedelt ist: Wenn sowas schlimmes passiert werde ich nicht damit fertig!
Was passiert aber, wenn der schlimme Fall tatsächlich Eintritt, die sogenannte Krise? Wenn man an Krebs erkrankt, in einem Autounfall schwer verletzt wird. Oder subjektiv gleichwertiges? Manche werden mit so etwas fertig, andere nicht. Manche wachsen in ihrer Krise, lernen dazu, werden damit fertig. Andere stürzen ab. In der Forschung ist man sich bei weitem noch nicht einig, was diese Krisenresistenz ausmacht (Resilienz), und warum der eine mit schweren Krisen klarkommt und der andere nicht. Es ist nicht vorhersagbar, und es ist wahrscheinlich nicht trainierbar.
Emotionale, subjektive Gefahren sind aber im Endeffekt genauso real wie andere auch. Wenn jetzt Ihr also wißt oder glaubt, daß eine Frau oder ein Man ihn überfordern würde, dann ist dem so. Das lässt sich nicht wegreden oder wegdenken. In meinen Augen hilft dann am besten an der eigenen Einstellung zu arbeiten: die Situation so zu beleuchten, dass der Dramatik die Luft herausgelassen wird. Dass man realen Gefahren von eingebildeten unterscheidet und sich immer wider fragt: "Was kann im schlimmsten Fall wirklich passieren? Und wie schlimm wird es wirklich letztendlich sein?"
Für ABs dürfte die schlimmste Konsequenz sein: ein emotionaller Absturz bis hin zum Nervenzusammenbruch. Zieht man dies in Erwägung sollte man sich Gedanken darum machen, wie man diesen mehr oder weniger großen Zusammenbruch abfedern könnte. Gibt es da praktische Lösungen wäre die Konsequenz nicht mehr so schlimm, folglich würde man sich mehr zutrauen, mehr auf das Risiko zugehen.
Weil egal wie wir es drehen und wenden werden, diese oder andere Szenarien besprechen: Risiko steckt immer drin. Man kommt nur darum herum, indem man es ganz vermeidet, und das ist auf lange Sicht vielleicht das grösste Risiko! In quasi allen Ex-AB Geschichten gibt es dieses Element: "Ich bin an diesem oder jenen Punkt über meinen Schatten gesprungen". Ein Risiko wurde eingegangen. Der Zirkel wurde durchbrochen. Der frühere AB hat sich etwas zugetraut.
Die Ent-ABisierung ist also möglich falls man Wege findet mit möglichem Scheitern emotional fertig zu werden. Viele versuchen dieses Scheitern so gering wie möglich zu halten, fahren einen Kuschelkurs in der heimlichen Hoffnung jemand möge sie erreten. Der kurz gesagt die Arbeit für sie übernimmt. Nach meiner Ansicht ist dabei zuviel Wunschdenken dabei, um realistisch zu sein.
Meine Antwort ist also: mache für Dich persönlich eine "Gefahrenanalyse". Stelle nicht in den Vordergrund, wie du mögliche Probleme im voraus ausräumen kannst, weil Du ohnehin mit Problemen konfrontiert wirst. Frage dich eher, wie du "mit Erfolg scheitern" kannst. Nicht: "Was könnte passieren?", sondern: "Was mache ich, wenn was passiert, weil passieren wird es ohnehin?!"
Sehe das ganze als eine Aufgabe, die das Leben zu einem gegebenen Zeitpunkt an Dich stellt. Und Du brauchst das Zutrauen, es dann bewältigen zu können, oder zumindest aushalten zu können. Du sagst, dass Du dir diese Aufgabe schwer vorstellst. Die Antwort kann nur sein: Du wirst es zum gegebenen Zeitpunkt lernen! Weil eine andere Behauptung würde nur Aussagen: Ich scheitere sowieso. Damit kann nichts gelingen.
Die andere, vielleicht wesentlichere Frage ist: willst Du es selber, oder hält dich deine Angst davor ab? Allgemein glaube ich, dass viele Angst vor ihrer Courage haben und schieben ersteres vor, reden sich die Trauben sauer. Will man eine Beziehung tatsächlich nicht, oder flüstert einem die Angst dabei ins Ohr? Bleibt man dabei sachlich, oder schwappen die Gefühle hoch? Daran sieht man, "wer" das sagen (Ich oder die Angst) in diesem Fall hat. Wenn Du es willst, dann mach es auch. Irgendwann mußt Du über deinen Schatten springen. Du musst nur dafür sorgen, bei einem Scheitern nicht zu sehr abzustürzen. Alles andere kommt dann zum gegebenen Zeitpunkt.
Kasi76 - 05.11.2007, 01:31
Interessante Abhandlung über ein Thema was wohl viele Bewegt und gerade AB´s !
Lange Rede (war´s ja auch) & mein Verstehen zu diesen Thema sind:
Erfahrungen in diesen Bereich sind das eine - Wünsche & Vorstellungen in diesen Bereich das andere !
Wer beides hat kann auch die Klippen umschwimmen ! Fehlt eins wird´s verdammt schwer !
Aber aus Wunsch & Vorstellung entsteht Sehnsucht & Verlangen und aus diesen resultiert die Motivation & der Ansporn seine Ziele zuerreichen !
Ein Ziel erreicht man nur über den Weg der dort hinführt ! Auf den weg liegen oft Steine & da sind auch Hindernisse ! Wenn du genug Motivation hast kannst du sie beseite räumen oder um sie herumgehen denn Bedenke: DU hast ein Ziel; DU willst dieses Ziel erreichen; Und nur DIESER Weg führt dort hin also mach dich auf den Weg und beschreite Ihn !
Abschließend möchte ich sagen das mir beim schreiben dieses Textes das Lied "Dieser Weg" von Xavier Naidoo in denn Sinn kommt !
Würde sagen: Höre es dir mal an - Es hilft & hat so viel wahres !
Ganta - 05.11.2007, 02:14
Hallo Kasi76!
Ich gebe Dir da vollkommen recht. Es läuft schon ein bisschen hinaus auf die Aussage: Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg.
Die Wahrheit ist keine bequeme, und solange man sie nicht akzeptiert kommt man auch nicht voran. Andererseits macht das Annehmen des steinigen Weges vieles einfacher, da es auch eine Lösungsmöglichkeit und Perspektive bietet.
Ich will den ABs aber nicht die Motivation absprechen. Wenn man daraus schliesst, dass einer keine Beziehung bekommt, weil er nicht motiviert genug ist, tut demjenigen unrecht. Aber der Motivation steht eins gegenüber: die Angst. Nur wenn die Motivation größer ist als die Angst kann man handeln.
Durch Verlangen kann man zum einen seine Motivation steigern. Zum andern sollte man versuchen seine Ängste zu mindern. Diese Punkte habe ich auch im obigen Text beschrieben. Am besten geht man dieses Problem von beiden Seiten an.
Im übrigen finde ich dieses Lied wirklich schön, auch wenn ich kein ausgesprochener Naidoo-Fan bin.
Kasi76 - 05.11.2007, 20:51
Danke !
Solltest du dir auch mal anhören:
"Ich werd die Welt verändern"
- Revolverheld
Frechdachs-75 - 06.11.2007, 09:00
Oha,
hab lange gebraucht es zu lesen, und das ist der Kernsatz für mich :
Zitat: Sprich: linkisches Verhalten ist nicht eine Frage der (Beziehungs)Erfahrung, sondern eine Frage der Person, und wie sie sich unter Stress verhält. Weil das finde ich den eigentlichen Punkt: wie geht man mit seinen eigenen Gefühlen um? Weil man wird vielen Gefühlen ausgesetzt, die man aushalten muß. Daran muß man sich gewöhnen, bis es normal geworden ist. Das ist in meinen Augen "Beziehungserfahrung": die Fähigkeit Beziehungsstress auszuhalten. Wie kann man Stress besser aushalten? Man kennt Lösungsmöglichkeiten und hat auch Vertrauen in die eigene Fähigkeit Probleme zu lösen. Ähnlich wie bei der Berufserfahrung: man ist schon mit soviel konfontiert worden, dass einen nicht mehr viel überraschen kann.
Wenn man ehrlich zu sich selbst ist, dann wird jeder AB'ler mit 30+ von sich sagen, stehe mit festen Beinen im Berufsleben und mich kann so leicht nichts umwerfen :twisted:
Weil man aber eine Beziehung nicht gleich setzt mit Beruf und Streß, sondern als was komplett anderes, was man neu erlehrnen muß, wie Flugzeug fliegen etc. versucht man das ganze Risiko auf Null zu setzen.
Im Beruf würde jeder sagen Risiko = 0 , Gewinn = 0 !
Warum wenden wir wohl nicht das wissen aus dem Berufsleben bei einer Beziehung an, weil keiner auf diese Idee gekommen ist :lol: Daher danke für diesen Denkanstoß, weil man dadurch auf neue Ideen kommt ...
Lucia1977 - 06.11.2007, 10:47
Hallo Ganta!
Ich will mich Deinen Worten zu 100% anschließen.
In meiner Entwicklung war ich mir zwar vielem nicht bewusst, aber im Nachhinein kann ich sagen, dass ich tatsächlich an dem Punkt, an dem ich mir meiner Ängste bewusst war, ihnen ins fiese Gesicht gesehen hab und mich aber - und das ist das Wichtigste - trotzdem nicht habe unterkriegen lassen, auch den Sprung geschafft habe zu denken:
Jede Erfahrung, ob gut oder schlecht, ist eine Erfahrung und bringt mich auf dem Weg aus der Erfahrungslosigkeit ein Stückchen weiter. Scheitern gehört zum Leben, Ausprobieren auch - das eine gibt es nicht ohne das andere.
Es ist natürlich keine garantierte Erfolgsformel, aber auf diese Weise habe ich es langsam und mühevoll gelernt, mich selbst anzunehmen, mir selbst vertrauen zu lernen und etwas gelassener mit meiner Erfahrungslosigkeit umzugehen, mit den Dingen, die ich mir selbst vorwerfe bzw. vorgeworfen habe usw.
Danke für Deine Gedanken, Ganta!
LG
L.
Lucia1977 - 06.11.2007, 10:49
P.S.:
Ich führe jetzt seit fast einem halben Jahr eine Beziehung und wir beide hatten absolut null "Beziehungserfahrung". Es klappt trotzdem! :)
Jemima - 06.11.2007, 10:51
OFF TOPIC - sorry...
Lucia,
fast ein halbes Jahr ist das schon wieder?
Leute, wie die Zeit vergeht... :shock:
Lucia1977 - 06.11.2007, 10:54
:yes:
Unglaublich, gell?
Ganta - 06.11.2007, 11:58
Danke für die positive Resonanz!
Praktische Dinge, die ich in meiner Beziehung gelernt habe:
- Sie hat mir erstmal den Kleiderschrank ausgemistet
- Ich habe gelernt: mische dich nie in die Küchenordnung einer Frau ein!
- Wann sind Intimitäten angebracht, und wann will sie etwa im Bad allein bleiben? (liebestoll läuft man ihr fast immer hinterher :lol: )
etc.
Also Dinge, die meist in den Bereich "Junggesellenwohnung" hineinfallen.
Mr. T. - 06.11.2007, 13:42
Ganta hat folgendes geschrieben: Danke für die positive Resonanz!
Praktische Dinge, die ich in meiner Beziehung gelernt habe:
- Sie hat mir erstmal den Kleiderschrank ausgemistet
- Ich habe gelernt: mische dich nie in die Küchenordnung einer Frau ein!
- Wann sind Intimitäten angebracht, und wann will sie etwa im Bad allein bleiben? (liebestoll läuft man ihr fast immer hinterher :lol: )
etc.
Also Dinge, die meist in den Bereich "Junggesellenwohnung" hineinfallen.
Ist bei mir bis jetzt noch nicht passiert.... :specht:
Sati - 06.11.2007, 18:05
Frechdachs-75 hat folgendes geschrieben:
Wenn man ehrlich zu sich selbst ist, dann wird jeder AB'ler mit 30+ von sich sagen, stehe mit festen Beinen im Berufsleben und mich kann so leicht nichts umwerfen :twisted:
Hm, ich weiß nicht, ob das generell so zutrifft... Ich für meinen Teil (30+ und berufstätig) finde meinen Beruf immer wieder emotional ziemlich belastend. Ich habe mir schon oft genug gedacht: Oh Mann, wenn ich jetzt zusätzlich noch Beziehungsstress hätte, würde mir das echt den Rest geben!
Klar, eine glückliche Beziehung wäre in schwierigen beruflichen Situationen vermutlich ganz wunderbar. Aber leider gibt es keine "Glücksgarantie" für Beziehungen.
Und gerade die Suche nach und der Aufbau von Beziehungen ist ja schon mit einigen emotionalen Turbulenzen verbunden. Da denke ich mir dann schon öfter: Oh nee, das packe ich jetzt nicht auch noch... :ohnmacht:
Wie war das weiter oben:
Zitat: Was schliessen wir daraus? ABs trauen sich zuwenig zu. Das dürfte offensichtlich sein, da wird mir keiner widersprechen. Warum trauen sie sich zuwenig zu? Weil sie nicht stressresistent genug sind. Weil sie glauben oder die praktische Erfahrung gemacht haben, mit emot. Stress nicht fertig zu werden. Was passiert wenn man glaubt mit einer Situation nicht fertig zu werden? Man bekommt Angst davor. Was passiert bei Angst? Man traut es sich erst rechtn nicht zu. So schliesst sich die Abwärtsspirale.
Sehr richtig.
Jemima - 06.11.2007, 18:51
Sati hat folgendes geschrieben: Klar, eine glückliche Beziehung wäre in schwierigen beruflichen Situationen vermutlich ganz wunderbar. Aber leider gibt es keine "Glücksgarantie" für Beziehungen.
Und gerade die Suche nach und der Aufbau von Beziehungen ist ja schon mit einigen emotionalen Turbulenzen verbunden. Da denke ich mir dann schon öfter: Oh nee, das packe ich jetzt nicht auch noch... :ohnmacht:
genau! so ähnliche Gedanken hab ich auch oft.
Beziehung "haben" stell ich mir schön vor. Nach nem stressigen Tag nach Hauuse kommen und... aufgefangen werden. oder sowas.
Haben wär schön. Aber das suchen und bestimm auch das aufbauen is so verdammt anstrengend, kräfte- und hoffnungszehrend...
nocheiner - 11.11.2007, 14:11
Hallo,
nach meinem Eindruck wird heutzutage für und gegen alles viel zu oft Angst als Argument benutzt. Nach dem Motto 'Wer etwas tut - ist mutig', 'Wer etwas nicht tut - ist feige und hat Angst'. Wer das als Lebensmotto bevorzugt, dem kann ich nur viel Glück wünschen.
Ich mache viele Dinge nicht, weil ich dazu keine Lust habe. Klassisches Beispiel Kochen. Ich esse gerne interessante Sachen, habe aber keine Lust zum Kochen. Eine Furcht vorm Herd habe ich bei mir noch nicht entdeckt.
Wenn die Leute Angst, Furcht vor der Beziehung hätten, würden sie wahrscheinlich nicht so viel davon in den 'schönsten Farben' träumen, wie man hier oft lesen kann. Ich habe zumindest noch von keinem Fall gehört, wo jemand Furcht vorm Fliegen oder vor Spinnen hat und in seinen Träumen genau diese Situation geniesst.
Ich habe eher den Eindruck, viele Menschen machen einfach auch nur eine klassische Kosten-Nutzen-Analyse - 'Lohnt es sich für mich?'. Nur ist es auf diesem emotionalen Gebiet wahrscheinlich unüblich, es zuzugeben.
Der Begriff Motivation ist ja schon gefallen. Da Andere passendere Worte gefunden haben, kopiere ich sie mal:
Zitat: Dass ein rein kognitiv orientierter Motivationsbegriff zu kurz greife ist in jüngster Zeit ... geltend gemacht worden. Vielmehr sei auch der gesamte Bereich des Fühlens als Motivationsfaktor einzubeziehen. Dies legen auch viele alltagssprachliche Formulierungen nahe: Wir gehen z.B. ins Kino, weil wir "Lust" dazu haben. Wir meiden Menschen und Situationen, die wir "nicht leiden" können. Wir geben als Grund für ein Verhalten oder Interesse an, es mache "Spaß", "Freude". Wir essen, weil es schmeckt, suchen nach Wohlbehagen, Schönheit, Entspannung, Schmerzfreiheit, weniger Leiden usw.
...
Von zentraler Bedeutung ... ist die grundlegende Tatsache, dass dem weit verbreiteten Missverständnis begegnet werden sollte, es sei wichtig, dass ein Mensch motiviert ist.
Vielmehr darf prinzipiell festgestellt werden, dass jeder Mensch eine ihm eigene Motivationslage bzw. ein Geflecht von Antrieben und Handlungsstrategien besitzt, das ihn bei seiner Wahl der jeweils als für ihn selbst optimal empfundenen Handlungsweise zumeist unbewusst leitet. Es stellt sich also nie die Frage ob ein Mensch motiviert ist, sondern wie er motiviert ist.
Mit dieser Erkenntnis darf nicht verwechselt werden, dass sog. pro-aktiv motivierte Menschen, welche über einen höheren Reflektionsgrad darüber verfügen, was sie antreibt und wie sie diese Bedürfnisse gezielt einsetzen können, um sich selbst zu motivieren, zumindest im Arbeits- und Leistungsprozess höher angesehen werden als Menschen, denen ihre Motivationskonzepte nicht so bewusst sind und die daher als re-aktiv bezeichnet werden. Letztgenannte Menschen brauchen häufig ein externes Anreizkonzept, das sich ihrer persönlichen Präferenzen und Erfahrungen bedient, sind aber vom Prinzip her nicht weniger stark motiviert...
Einen derart sekundär motivierten Menschen als nicht motiviert zu bezeichnen, darf als fachlich unhaltbare Verkürzung gelten. Auch kann die Pauschalisierung möglicher Handlungsmotive ... auf faule und träge Menschen bzw. fleißige und selbstmotivierte Akteure nicht überzeugen. Dieses Menschenbild entspricht in keiner Weise mehr den heutigen Erkenntnissen zur Handlungsmotivation ..., die für jede Vermeidungsstrategie auch ein Motiv sucht und in der Zielkonflikte, insbesondere innerer und oft unbewusster Ziele sich in keinem Fall nur durch die Beschreibung von Leistungsverweigerung erfassen lassen.
Viele Menschen sehen die Belohnung für ihre Handlungen und die damit mögliche Anerkennung im sozialen Kontext (Partnerwahl ...) als Hauptantrieb für ihre Tätigkeit an ...
Sati hat folgendes geschrieben: Ich für meinen Teil (30+ und berufstätig) finde meinen Beruf immer wieder emotional ziemlich belastend. Ich habe mir schon oft genug gedacht: Oh Mann, wenn ich jetzt zusätzlich noch Beziehungsstress hätte, würde mir das echt den Rest geben!
Ich geniesse meine Freizeit, um mich auszuruhen. Für mich ist es auch schwierig, Kraft für mehr zu finden.
Wer Energie übrig hat, sollte sie ruhig einsetzen. Viele Vereine klagen z.B. über Mitgliederschwund. :klassiker:
Vielleicht noch zum Schluss.
Ein Ziel, das ich mal hatte, war nicht nur im normalen Alltag eine Win-Win Situation zu erreichen, sondern auch im Privaten. Leider ist mir auf diesem Weg die Kraft abhanden gekommen, jetzt konzentriere ich mich nur noch auf das Mögliche.
Zitat: Win-Win lässt sich nur dann erzielen, wenn 1) kein Interessengegensatz vorliegt und 2) es gelingt, die Interessen zu artikulieren.
... Sobald es gelingt herauszufiltern, was hinter Forderungen und Äußerungen steckt, statt sich mit Vordergründigem zu beschäftigen, kann eine sachliche Diskussion darüber geführt werden, welche Lösungsvariante die Interessen aller Beteiligten abdeckt.
Bei der Win-Win-Strategie geht es nicht darum, die eigene Position durchzusetzen oder gezwungenermaßen Abstriche zu machen, sondern eine dauerhafte Lösung zu finden, die von allen Beteiligten getragen und akzeptiert wird. Hier wird eine Situation geschaffen, in der jeder die Wahrnehmung und auch das Gefühl hat, durch diese Lösung etwas zu gewinnen und nicht zu verlieren.
Mitunter bewegen sich ...Familiensituationen gezielt in einer Atmosphäre der kultiviert verdeckten Feindseligkeit und mit großer Freude am Gewinner-Verlierer-Prinzip. So ist auch die entsprechende Kommunikation häufig deutlich von Konzepten geprägt, in dem z.B. die persönlichen Elemente einer Sachdiskussion in den Mittelpunkt der Auseinandersetzung rücken ...
Verkürzt könnte man auch sagen: das Win-Win-Prinzip erfordert das Mitdenken für den Gegner, so dass auch dieser ein Feld findet auf dem er gewinnen kann. Dazu sind die meisten Menschen nicht bereit oder in der Lage.
Es ist zwar hart formuliert (Gegner ...), aber ich glaube, es geht in eine für mich passende Richtung. :wink:
Bis dann
nocheiner
nocheiner - 11.11.2007, 14:18
Hallo,
ich merke, ich werde alt.
Jetzt habe ich glatt die Quellen für Motivation und Win-Win-Situation vergessen.
Da ich woanders als Wiki-Baby bezeichnet werde, sollte ich es mir wahrscheinlich leisten können. :wink:
Bis dann
nocheiner
Jemima - 11.11.2007, 14:22
hatte mich schon gewundert, ein Beitrag von nocheiner und kein einziger Link drin ;).
Aldhafera - 11.11.2007, 17:27
Kurz rausgepickt... und eingemischt
Lucia1977 hat folgendes geschrieben: ...im Nachhinein kann ich sagen, dass ich tatsächlich an dem Punkt, an dem ich mir meiner Ängste bewusst war, ihnen ins fiese Gesicht gesehen hab und mich aber - und das ist das Wichtigste - trotzdem nicht habe unterkriegen lassen, auch den Sprung geschafft habe zu denken:
Jede Erfahrung, ob gut oder schlecht, ist eine Erfahrung und bringt mich auf dem Weg aus der Erfahrungslosigkeit ein Stückchen weiter. Scheitern gehört zum Leben, Ausprobieren auch - das eine gibt es nicht ohne das andere. Genau so erlebte ich das auch. Der Brückenschlag von diesem Denken zum Handeln war dann irgendwie fast kleiner, als der Weg zu der von dir beschriebenen Einstellung.
Noch ein paar ungeordnete Gedanken dazu:
Wie war das noch? Wir haben nichts zu verlieren - außer unserer Angst.
Unsere Ängste, unser Leid - dies ist uns bekannt. Und auch, wie wir damit umgehen. Es ist uns vertraut. Jeder Schritt da hinaus ist ein Schritt in für uns unbekanntes Gebiet. Fremd, unvertraut, verunsichernd. Könnte nicht "etwas da draußen" alles noch viel schlimmer machen?
Sicher, wir bewegen uns im Kreis. Es entwickelt sich nichts, wir kommen nicht vorwärts. Aber den Rand unseres mittlerweile ausgetretenen Pfades überklettern? Er schützt doch auch!
Und was schützt er? Uns? Oder doch nur unsere Ängste?
Ein Panzer, eine Rüstung, bieten auch Schutz. Gleichzeitig sind sie aber unflexibel, beengend und lassen nur wenig Wachstum/Entwicklung zu. Sie halten uns auch... gefangen. Man muss nicht gleich alles von sich werfen und sich quasi "nackt" allen Herausforderungen stellen. Aber vielleicht reicht ein wärmender Wollpulli statt dem eisernen Harnisch. Kuschliger und bequemer ist ersterer doch allemal, oder? :wink:
So, jetzt bitte ich Ganta um Entschuldigung für diesen Überfalleingriff in seinen Thread :oops: und geh mal schnell Kaffee kochen...
LG,
Aldhi
Matilda - 26.11.2007, 23:38
Hallo,
hier ein Erfahrungsbericht zum Thema Angst und wie man sie überwindet an Hand eines anderen Beispiels:
Ich war früher ständig erkältet und hatte einmal im Quartal eine Nebenhöhlenentzündung die nur mir Antibiotika weg zukriegen war. Das kam meisten dann wenn ich mich auf irgendwas besonders gefreut hatte oder etwas vor hatte.
Was habe ich dagegen getan: Vitamintabletten geschluckt, nicht mit nassen Haaren vor die Tür gehen (hat meine Mutter früher immer gesagt), gesund ernähren, Sport treiben, warm anziehen, Klimaanlagen meiden (sofern es geht).
Was hats gebracht: Nix.
Dann hab ich mir gedacht: Scheiß egal, bringt sowieso alles nix, jetzt lass ich den ganzen Kram und provoziere halt einfach mal eine Erkältung. Ist doch auch schön mal wieder ein paar Tage auf der Couch liegen zu können.
Was ist passiert: Nix. Ich bin einfach nicht krank geworden.
:(
Seit dem mach ich mir keine Gedanken mehr darüber. War wohl auch ein Kopfproblem.
So in der Art versuche ich jetzt auch meine Bindungsängste in den Griff zu bekommen. Mal sehn obs klappt.
Gruß
Kasi76 - 27.11.2007, 00:37
Matilda hat folgendes geschrieben: Seit dem mach ich mir keine Gedanken mehr darüber. War wohl auch ein Kopfproblem.
...denke das haben wir Ab´s alle ! Probleme sind erst dann Probleme wenn man sie als Probleme sieht - lieber als Herrausvorderung ansehen, die man bewältigen kann ! Einen Weg lernt man erst dann kennen wenn man ihn beschritten hat...! :wink:
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