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Butzi - 03.04.2008, 13:10
Berufliche Entwicklung von AB`s
Eine der interessanten Aussagen des Buches " Unberührt " - ich unterstelle diesen Klassiker als hier allgemein bekannt - ist in meinen Augen der Hinweis auf die Auswirkungen des unfreiwilligen Alleineseins auf die berufliche Entwicklung der Betroffenen.

Vereinfacht ausgedrückt kommen die einschlägigen Studien zu dem Ergebnis, dass viele AB trotz einer sehr guten, zumeist akademisch geprägten Ausbildung später nicht in entsprechend dotierte Stellungen gelangen, sondern einer deutlich geringer qualifizierten Tätigkeit nachgehen ( müssen ).

Die hieraus zwangsläufig folgenden wirtschaftlichen Einschränkungen behinderten den ohnehin gehemmten AB zusätzlich bei seiner Partnersuche.

Ganz praktisch beschreibt das Buch das Beispiel eines Betroffenen, der sich nicht in der Lage sieht, eine Einladung in ein Restaurant oder Kino auszusprechen, da ihm hierfür schlicht das Geld fehlt.

Mich würden Eure Erfahrungen zu dem Thema interessieren.
Fabian - 03.04.2008, 13:16

Hi Butzi

ein ähnlicher Thred wurde HIER schon gestartet. Soweit ich das sehe gibt es da nur bedingt ein erkennbares Muster.
Butzi - 03.04.2008, 13:21

Sorry ! Hatte ich nicht gesehen. War auch schon länger nicht mehr im Forum. Trotzdem Danke für den Tipp.

Gruß Butzi
Tamino - 03.04.2008, 19:48
Re: Berufliche Entwicklung von AB`s
Butzi hat folgendes geschrieben: Eine der interessanten Aussagen des Buches " Unberührt " - ich unterstelle diesen Klassiker als hier allgemein bekannt - ist in meinen Augen der Hinweis auf die Auswirkungen des unfreiwilligen Alleineseins auf die berufliche Entwicklung der Betroffenen.



Ich denke, der Ursache-Wirkung-Mechanismus funktioniert etwas anders, aber es ist etwas Wahres dran, um es kurz zu sagen. Nicht das unfreiwillige Alleinsein ist Ursache für eine mäßige berufliche Entwicklung, sondern fehlende kommunikative Fähigkeiten sind Ursache für beides - das Alleinsein und die mäßige berufliche Situation. Mir ging es beruflich nie wirklich schlecht, habe aber auch einiges nicht erreicht, was weniger an der Leistungsfähigkeit lag.

Na, vielleicht belebt sich der Thread doch wieder. So überflüssig find ich ihn gar nicht.

Tamino
ElizaJane - 03.04.2008, 20:10

Ich bin weit unter meinen Möglichkeiten geblieben. Der Grund ist, dass ich aufgrund extrem unselbständiger Erziehung einfach nicht wusste, was mir liegt, welche Fähigkeiten ich habe und wo meine Grenzen liegen. So traf ich viele falsche Entscheidungen.
Cindy - 03.04.2008, 20:52

Ist bei mir nicht so und darüber bin ich auch enorm erleichtert. Ich habe bis jetzt in Sachen Ausbildung/ Sudium/ Beruf Gott sei Dank Riesenglück.
cavecanem75 - 03.04.2008, 20:54
Re: Berufliche Entwicklung von AB`s
Tamino hat folgendes geschrieben:
Ich denke, der Ursache-Wirkung-Mechanismus funktioniert etwas anders, aber es ist etwas Wahres dran, um es kurz zu sagen. Nicht das unfreiwillige Alleinsein ist Ursache für eine mäßige berufliche Entwicklung, sondern fehlende kommunikative Fähigkeiten sind Ursache für beides


Das sehe ich auch so. Bei mir würde ich sagen, mangelnde Kommunikationsfähigkeiten, Angst vor Verantwortung, chronische Aufschieberitis etc. sind Bestandteile meiner Persönlichkeit die sowohl den Erfolg im Beruf als auch bei Frauen behindern.
Butzi - 04.04.2008, 10:08

Vielen Dank für Eure Stellungnahmen !

Ich sehe es so : Eine etwaig unterbliebene berufliche " Karriere " ist nicht Folge des AB-Seins, sondern nur eine parallele Erscheinung hierzu, die letztlich auch ihren Grund in der Persönlichkeit / Charakter des Betroffenen hat.

Zumindest ist das bei mir so : Ich bin ausgesprochen schüchtern, und ich kann mich nicht " verkaufen ", weder auf dem Arbeits- noch auf dem Beziehungs- " markt ".

Besonders eklatant wird das bei Vorstellungsgesprächen, die für mich der reinste Horror sind. Ich weiß einfach nicht, wie ich dort überzeugend " rüberkommen " soll, obwohl ich fachlich vielleicht nicht schlechter bin als die Mitbewerber.

Insoweit treten hier bei Partner- und Arbeitsplatzsuch durchaus Parallelen auf.
solitair73 - 04.04.2008, 19:59

ich würde das eher nach berufen differenzieren.
solche, bei denen es auf integration in ein team, kommunikation, die bildung und nutzung von netzwerken angeht, oder führungspositionen, bei denen auch mal eine blutgrätsche vonnöten ist sind für introvertierte, sensible leute mit wenig selbstbewusstsein natürlich erheblich schwerer zu bewältigen, als für andere menschen, die was diese "soft skills" angeht auf normalniveau oder besser sind.

daher denke ich, dass bei möglicherweise gleich gutem oder vielleicht sogar besserem theoretischen fachwissen der "Normalmensch" auf jeden Fall im Vorteil ist.

Dagegen könnte ich mir vorstellen, dass es bei Berufen, bei denen es mehr auf den einzelne Fähigkeiten ankommt, die unabhängig von anderen Leuten entfaltet werden müssen, z.B. Künstler, Musiker, Wissenschaftler mit Einschränkungen, bei denen generell Situationen tiefgründig analysiert werden müssen eher der "AB" im Vorteil sein könnte.
ElizaJane - 04.04.2008, 21:33

Ich bin in meinem ersten Beruf, Krankenschwester, aus anderen Gründen gescheitert. Es hat mir Spaß gemacht, einen Beruf zu lernen, der mit Menschen zu tun hat. Meine Eltern wollten immer, dass ich im Büro arbeite und das wollte ich nicht. Allerdings bin ich so extrem unselbständig erzogen worden, dass ich in dem so praktischen Beruf wie dem der Krankenpflege völlig überfordert war.
Mr. T. - 05.04.2008, 10:25

Damit habe ich bis jetzt keine Probleme.Gelernt aufm Bau(Schornsteinbau).Da war es egal,was für einen Status man hat.Eine reine Männerwelt.Körperlich Arbeiten lag mir schon immer.Im Büro sitzen könnte ich nicht.Außer als ich beim Bund war,mußte ich es mal ab und zu.(Als damaliger Zeitsoldat kam ich aber häufig raus).
Auch in meiner jetztigen Tätigkeit komme ich ganz gut klar. Ist zwar auch ne Knochenmaloche,aber ich bin froh das ich über die Runden komme.
Storm-eye - 05.04.2008, 11:00

Nun ja, bei mir sieht es allerdings auch so aus, dass meine Persönlichkeit (bzw. Charakter) ein gewisses Hindernis sowohl im persönlichen wie auch im beruflichen Bereich darstellt. Obwohl von meinen Fähigkeiten her eigentlich recht gut "ausgestattet", habe ich ein ziemliches Problem damit, mich zu "verkaufen". Schule und Studium habe ich (auch recht erfolgreich) ohne Probleme abgeschlossen, aber dann...? Im sogenannten "freien Wettbewerb", wo jeder von sich absolut überzeugt sein und was hermachen muss? Das liegt mir einfach nicht. Ursprünglich wollte ich nach meinem Bio-Studium in die Wissenschaft, aber bei dem Konkurrenzdruck und den Eifersüchteleien unter Wissenschaftlern... nein danke. Ich bin dann in den Bereich "Bildung" abgewandert und als Lehrer aktiv geworden (Lehrinhalte zu erklären, kann ich scheinbar, aufgrund des positiven Echos, recht gut.) Auf dem "Partnermarkt" dann genau das gleiche; wenn man zuwenig Selbstbewusstsein hat und ab einem bestimmten Alter auch noch die Erfahrungen fehlen.... schwierig.
Wuehlmaus - 05.04.2008, 11:27

Hinter jedem erfolgreichem Mann steht eine starke Frau :roll:
Butzi - 07.04.2008, 08:42

Ich sehe es ähnlich wie solitair73 :

Berufliche Anforderungen, die ein gewisses Maß an Durchsetzungsfähigkeit, sprich " Ellbogen " voraussetzen, sind für den AB nur schwer zu meistern.

Als Anwalt bin ich daher eine ziemliche Fehlbesetzung, weil viele Mandanten einfach ein zackiges Auftreten erwarten, auch wenn inhaltlich kaum etwas dahinter steckt.

Mein früherer Chef war so ein Typ : Beide Staatsexamen erst im dritten Anlauf und mit Sondergenehmigung knapp bestanden, mithin fachlich absolut inkompetent, aber dafür als früherer Zeitsoldat ein extrem autoritäres Auftreten.

An was für einen Dummschwätzer sie geraten waren, haben die Mandanten dann erst im Regressprozess gemerkt, weil sie sich durch das Auftreten hatten blenden lassen. Ich kann das einfach nicht.
Fabian - 07.04.2008, 11:16

Butzi hat folgendes geschrieben: Berufliche Anforderungen, die ein gewisses Maß an Durchsetzungsfähigkeit, sprich " Ellbogen " voraussetzen, sind für den AB nur schwer zu meistern.
Es gibt viele ABs die wohl recht durchsetzungsfähig sind, wenn es nicht um den Partnermarkt geht.
zweiundvierzig - 07.04.2008, 11:28

Fabian hat folgendes geschrieben: Butzi hat folgendes geschrieben: Berufliche Anforderungen, die ein gewisses Maß an Durchsetzungsfähigkeit, sprich " Ellbogen " voraussetzen, sind für den AB nur schwer zu meistern.
Es gibt viele ABs die wohl recht durchsetzungsfähig sind, wenn es nicht um den Partnermarkt geht.

Das kann ich so unterschreiben. Natürlich hat man - gerade dann, wenn man es beruflich mit Frauen zu tun hat - leider Gottes Hemmungen. Ich habe aber keine Probleme damit insgesamt auf Menschen zuzugehen und auf fachlicher Ebene zu kommunizieren. Small-Talk fällt mir an sich auch nicht schwer. Aber man merkt in gewissen Situationen schon, dass man irgendwo Defizite hat.

Mir wird es persönlich immer dann bewusst, wenn irgendwelche Ausflüge anstehen, bei denen auch die Partnerinnen eingeladen sind und obendrein eventuell noch etwas geplant ist, was man nicht kennt. Ich war zum Beispiel noch nie bowlen und es ist mir irgendwie unangenehm das zu sagen. Genauso wie es mir unangenehm ist zu sagen "Ich bin noch nie in den Urlaub geflogen" bzw. "Ich war seit 10 Jarhen nicht mehr im Urlaub".

Insgesamt kann ich von mir behaupten, dass ich nach langen Jahren Duststrecke (überqualifiziert für die Aufgaben bei meinem Ex-Ex-Arbeitgeber) endlich einen Job gefunden habe, der schon immer mein absoluter Traumjob war. Die Bezahlung ist im Rahmen (mehr könnte natürlich sein, aber das ist ja bei jedem so ;) )
cocabo - 12.04.2008, 23:11

ihr zählt jetzt immer die negativen eigenschaften auf. ich finde der ab-status kann auch vorteile haben, z.B. hat man mehr zeit für die arbeit, kann auch mal überstunden machen, sich "reinhängen" usw. - mit partnerin wäre das ganze schwieriger bzw. man hätte wahrscheinlich auch weniger lust und motivation dazu.
zweiundvierzig - 12.04.2008, 23:27

cocabo hat folgendes geschrieben: ihr zählt jetzt immer die negativen eigenschaften auf. ich finde der ab-status kann auch vorteile haben, z.B. hat man mehr zeit für die arbeit, kann auch mal überstunden machen, sich "reinhängen" usw. - mit partnerin wäre das ganze schwieriger bzw. man hätte wahrscheinlich auch weniger lust und motivation dazu.
Dein Wort in des Arbeitgebers Ohr. Und das bekommst Du von Deinem Arbeitgeber gedankt? Und die Boni die Du vielleicht bekommst teilst Du mit wem? Was machst Du in der Zeit, in der Du die Überstunden abfeierst?
Sorry, aber diese Argumentation ist löchrig.
Strubbel - 13.04.2008, 07:08

cocabo hat folgendes geschrieben: ich finde der ab-status kann auch vorteile haben, z.B. hat man mehr zeit für die arbeit, kann auch mal überstunden machen, sich "reinhängen" usw. - mit partnerin wäre das ganze schwieriger bzw. man hätte wahrscheinlich auch weniger lust und motivation dazu. Das mag gelten, wenn es schon an sich positiv ist, (viel) gearbeitet, Überstunden gemacht, sich reingehängt, Leistung erbracht zu haben. Wenn es damit schon genug ist, um mit sich selbst und seinem Leben zufrieden zu sein. Ich persönlich habe andere Wertigkeiten - aber wenn Du darin Deine Erfüllung findest, sei es Dir von Herzen gegönnt.
Tamino - 13.04.2008, 15:21

Also ich finde das Argument von cocabo durchaus berechtigt. Nun ist Arbeit nicht gleich Arbeit. Es gibt ja Menschen, die vernünftige und interessante Dinge den Tag über tun. Und wenn man da dann abends mitten drin hängt, will man das zu Ende bringen. Geht mir jedenfalls auch hin und wieder so.
Strubbel - 13.04.2008, 19:38

Na ja, sag ich doch: Wenn die Arbeit schon in sich selbst einen Sinn birgt, dann gilt das Argument natürlich. Wenn man, wie "zweiundvierzig", den Sinn außerhalb der Arbeit sieht, also etwas braucht, wofür man arbeitet, dann wird es wohl nicht sonderlich überzeugen. Ich für meinen Teil lasse mich gern vom Arbeiten ablenken und lege keinen gesteigerten Wert darauf, für meinen Arbeitgeber jederzeit verfügbar zu sein und unbehelligt vom Partner Überstunden machen zu können.
cocabo - 14.04.2008, 00:51

wahrscheinlich kommt es auch stark auf den beruf an. mein job ist abwechslungsreich, kreativ, ich habe nette kollegen und es macht mir spaß. kann natürlich sein dass das ein asphaltierer oder fließbandarbeiter anders sieht ;)

ausserdem geht es nicht darum, sein komplettes leben nach dem job zu richten. aber wenn man mal wieder einen durchhänger hat (vom odb abgelehnt worden o.ä.) dann kann es ab und zu auch mal ganz gut tun, sich mit der arbeit etwas abzulenken und da ein paar wochen durchzupowern. und normalerweise zahlt sich das auch aus...
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