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Gottfried - 02.05.2008, 07:42
[29] TV Gelnhausen - TSG Haßloch
Vorbericht aus dem GT:
Klartext vom TVG-Coach: Rack fordert Anspruchsdenken
Regionalliga: Gelnhausen will neunten Heimsieg in Folge - Gegner Haßloch mit de Hooge
Mindestens zwei Ziele bleiben dem TV Gelnhausen drei Spieltage vor Schluss noch in der Handball-Regionalliga Südwest: Tabellenplatz fünf verteidigen und die Siegesserie in eigener Halle ausbauen. Am Samstag könnte der neunte Erfolg in Serie gelingen - aber zu Gast ist die TSG Haßloch, die die Barbarossastädter im Hinspiel eine Halbzeit lang regelrecht demütigte. Wie von allen guten Geistern verlassen: So war der TVG an jenem 1. Dezember in Haßloch über das Parkett getaumelt. Nach 30 Minuten hatte sich ein brutales Defizit von zehn Treffern angehäuft (8:18) - "wir haben uns richtig dumm angestellt", blickt Trainer Rack illusionslos zurück. Und dennoch hätte sein Team dieses Spiel fast noch gewonnen. Nach dem Seitenwechsel diktierte Gelnhausen das Geschehen, holte Tor um Tor auf, war drauf und dran, die Partie zu kippen und verlor am Ende doch knapp mit 25:27.
"Diese erste Halbzeit und die zweite Halbzeit unseres jüngsten Spiels gegen Groß-Umstadt müssen uns als Negativ-Beispiel vor Augen stehen: So dürfen wir uns einfach nicht präsentieren", betont der TVG-Trainer. Diese Warnung schärfte Rack seinen Spielern im Rahmen der Nachbetrachtung zu Wochenbeginn noch einmal ein. "Es war keine Besprechung, sondern eher ein Monolog meinerseits", schildert der 48-Jährige den Charakter dieser Teamsitzung. Quintessenz der deutlichen Ansprache: "Das ist nicht unser Anspruch!"
Gegen Haßloch will sich Rack zu keiner Phase des Spiels einen Schlendrian leisten, "denn das könnte die Partie kosten, da Haßloch ein Team auf Augenhöhe ist." Vor allem sind die Pfälzer ein Musterbeispiel an Ausgeglichenheit: Zwölf Siege, zwölf Niederlagen, 803:803 Tore und 27:27 Punkte.
Und die TSG scheint immer für eine Überraschung gut zu sein: So zauberte der Klub am 4. April plötzlich Peter de Hooge aus dem berühmten Hut. Der 36-jährige Spielmacher verfügt über 14 Jahre Zweitliga-Erfahrung (Leutershausen/Friesenheim) und hatte gerade eine viermonatige Handball-Pause hinter sich. Zuvor hatte bereits der charismatische Wilfried Job ein Intermezzo als Trainer gegeben, das ausgerechnet nach dem TVG-Gastspiel beendet war. Seitdem führt Kai Christmann die sportlichen Geschicke und der will in Gelnhausen gewinnen. Die Qualität dazu hat die Mannschaft: Haßloch siegte beispielsweise in Nieder-Olm (32:25), ein Kunststück, das in dieser Saison keinem anderen Team gelang. Beim TVG sind Nielsen und Zimmermann leicht angeschlagen, alle anderen Spieler sind einsatzbereit.
TVG: Camdzic, Zimmermann, Vrabel; Deinet, Indset, Hubbert, Wacker, Stallmann, Schwaab, Nielsen, Jambor, Trinczek, Freiwald, Ruhrmann, Pilgrim.
Gottfried - 05.05.2008, 07:04
Spielbericht aus dem GT:
TV Gelnhausen - TSG Haßloch 39:39
TVG braucht 39 Tore für einen Punkt
Regionalliga: Im Spiel gegen Haßloch bestürmen sich zwei starke Offensivreihen, Abwehrarbeit spielt keine Rolle
39 Tore für einen Punkt: In einer stürmischen aber gutklassigen Auseinandersetzung gegen die TSG Haßloch reichte dem Handball-Regionalligisten TV Gelnhausen selbst die zweitbeste Trefferausbeute der Saison nicht zum Sieg. Gewinner beim 39:39 (19:19)-Remis waren die knapp 400 Zuschauer. Sie sahen
bis zu vier Treffer in einer einzigen Spielminute und ein spannendes Finale. "Für die Trainer war es nicht so toll", räumten nach dem Schlusspfiff dagegen die beiden Coaches ein. Sowohl TVG-Mann Louis Rack als auch der Haßlocher Kai Christmann brandmarkten die ganz schwachen Defensivleistungen ihrer Teams: "Das war ein Spiel praktisch völlig ohne Abwehr."
In der Tat: Es war ein Duell, in dem beide Seiten den Blick ausschließlich nach vorne richteten. Ein Aufeinanderprallen zweier starker Offensivreihen, die bei jedem Vorstoß schnell ihre Wurfkraft ausspielten. Dabei hatte zunächst Gelnhausen kraftvoller gewirkt: 4:2 (5.) und 6:4 (6.) führten die Gastgeber, die den neunten Heimsieg in Serie anvisiert hatten.
Dann aber zielte auch Haßloch in diesem Hochgeschwindigkeitsspiel besser. Mit fünf Volltreffern in Folge rissen die Pfälzer das Kommando an sich (6:9/12.) und erst beim 17:17 (25.) waren die Barbarossastädter wieder auf Augenhöhe. Dennoch wirkte Haßloch, obwohl mit nur acht Feldspielern im Einsatz, bissiger, zielstrebiger und selbst bei höchstem Tempo ausgebuffter. Vor allem der kraftvolle Dalius Rasikevicius überzeugte als Ballverteiler und Vollstrecker, Peter Bohunicky war ein dankbarer Empfänger und beeindruckend effizienter Verwerter von dessen Anspielen.
"Haßloch war dichter am Sieg dran", musste auch Rack am Ende feststellen, hatte die TSG doch die meiste Zeit die Führung inne. Doch Gelnhausen bewies Kämpferqualitäten. Vor allem der nach dem Seitenwechsel ins Spiel gebrachte Peter Jambor befeuerte die TVG-Attacken mit enormer Energie. Mit vier Treffern binnen acht Minuten hielt Jambor sein Team zunächst in Schlagdistanz zum Gegner, dann knallte er den Ball in Unterzahl zum 30:30 ins Netz (46.). Dieses Tor trieb auch das Publikum auf die Beine: Bis zum Schluss war nun auch auf den Rängen jede Menge Adrenalin im Spiel.
Und der offene Schlagabtausch gewann von Minute zu Minute an Rasanz, denn beide Seiten griffen nun wild nach dem Sieg. Erneut in Unterzahl gelang dem im Laufe der Partie immer stärker werdenden Philip Deinet das 31:31 (47.), Anders Indset schaffte das 33:33 (51.). Dann schmetterte Torwart Jasmin Camdzic einen Überzahl-Angriff des Gegners ab und im Gegenzug warf Indset mit dem 34:33 die erste Führung nach 44 minütiger Durststrecke heraus (53.). Doch Haßloch antwortete mit neuer Wucht, beim 34:35 (54.) und 35:36 (55.) hatten die Pfälzer die Nase vorn.
Drei Zeigerumdrehungen vor Schluss trieben die Spieler das hektische Attackieren und damit die Spannung schließlich auf die Spitze: Indset trifft zum 38:37 (57.), Camdzic pariert den Gegenangriff famos, dann knallt ein von Indset abgefeuerter Ball nur an den Pfosten des Haßlocher Tores (58.). Wenige Momente später steht es 38:38, dann behält Deinet unter Zeitdruck die Nerven und Gelnhausen führt 39:38 (59.). Haßloch stürmt nach vorn, der TVG, jetzt in Überzahl, fängt den Ball aber ab. Heiko Trinczek stiehlt sich im Rücken des Gegners an den Kreis und zu ihm kommt schließlich die Lederkugel per langem Pass. Aber dann das große Missgeschick: Statt freistehend den Ball zu fangen und die Partie mit dem 40. Treffer zu entscheiden, springt ihm das Spielgerät an den Fuß: Ballbesitz für Haßloch, ein letzter Vorstoß und Rasikevicius peitscht den Ball zum 39:39-Endstand ins Netz. Kein Sieg für Gelnhausen, aber ein gerechtes Ergebnis.
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