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Verfügbare Informationen zu "Was wäre wenn (aka version 2.0)"

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Abseitsfalle - 12.09.2007, 22:18
Was wäre wenn (aka version 2.0)
Da einige Stories so langsam auslaufen und andere ein wenig ins Stocken geraten, werde ich hier mal mit meinem zweiten Versuch beginnen. Für den Anfang werden die Teile erst mal mit niedriger Frequenz erscheinen. Und wenn die nächste Geschichte dann ausgelaufen ist, schalte ich einen Gang hoch.

Titel gibt es noch nicht, aber so schlecht finde ich den Titel auch nicht. Wenn jemand Ideen haben sollte, würde sich ja auch das Feedback Forum anbieten.

Ach ja, egal wie viel Ihr bettelt, vor Sonntag gibt es keinen zweiten Teil, da ich noch ein paar Tage unterwegs sein werde und nichts reinstellen kann...

Gruß und viel Spaß beim ersten Teil

Eure Abseitsfalle
Abseitsfalle - 12.09.2007, 22:22

Sie stand nun schon seit fast einer halben Stunde unter der Dusche. Immer wieder seifte sie sich ein, aber das Wasser spülte alles sofort wieder weg und gab ihr das Gefühl, dreckig zu sein. Darum wiederholte sie es immer wieder. Mittlerweile war ihre Haut an vielen Stellen schon abgeschürft und gerötet, aber der Zwang sich zu waschen, überstrahlte nach wie vor alles. Irgendwann fiel ihr ein, dass sie doch zur Arbeit musste. Hastig drehte sie den Wasserhahn zu, obwohl sie sich noch immer nicht sauber fühlte. Wie sollte sie das nur überstehen? Auch mit dem Handtuch würde sie den Schrecken der letzten Nacht nicht loswerden können. Und jeder würde es ihr ansehen. Alle würden sich über sie lustig machen. Hastig zog sie sich an und machte sich auf den Weg zum PK.
Abseitsfalle - 16.09.2007, 09:48

Die Dienstbesprechung hatte schon begonnen, als Franzi endlich das PK 21 erreichte. Sie stürmte in die Umkleide und hatte schnell ihre Uniform angezogen. Der Vorteil des Zuspätkommens war, dass sie nicht auf einen Kollegen treffen würde und niemand sie belästigen würde.

Die Kollegen wunderten sich schon. Normalerweise war sie immer pünktlich und heute kam Franzi eine Viertelstunde zu spät zur Besprechung. Ihre Haare waren noch klatschnass und nur mit einem Haargummi flüchtig zusammengebunden. „Schön, dass Du uns doch noch mit Deiner Anwesenheit erfreust.“ Berger hatte an diesem Tag keine besonders gute Laune. „War die morgendliche Körperpflege wichtiger als unsere Einsatzbesprechung? Oder meinst Du etwa, es sei nicht wichtig, pünktlich hier zu erscheinen.“ Franzi sagte nichts, sondern starrte nur zu Boden. „Was ist Franzi?“ Berger wurde laut. „Möchtest Du mir und den Kollegen nicht endlich sagen, welchen Grund Deine Verspätung hat?“ Melanie und Boje konnte sich ein Lachen nicht verkneifen. Nils warf Melanie einen ernsten Blick zu und schüttelte leicht den Kopf. Erst da merkte sie, dass es wohl gerade ein schlechter Zeitpunkt für Schadenfreude war. Berger setzte zum großen Finale an. „Vielleicht solltest Du langsam mal anfangen, Deine Aufgabe hier ernst zu nehmen. Im Ernstfall kannst Du Boje auch nicht 20 Minuten warten lassen. Oder hat man Dir auf Deinem Lehrgang vielleicht eingetrichtert, Pünktlichkeit würde überbewertet? Mit der Berufsauffassung bist Du hier auf jeden Fall falsch.“ Franzi stiegen die Tränen in die Augen. Sie hielt es nicht mehr aus und rannte so schnell sie konnte aus Berges Büro. „Martin, war das wirklich nötig?“ Kopfschüttelnd machte sich Nils auf den Weg, um nach Franzi zu sehen. „Nils, wir sind noch nicht fertig!“ Er ignorierte Bergers Warnung und verließ dessen Büro. „Nils, verdammt noch mal!!!“ Berger wurde nun wirklich laut und selbst Boje zuckte kurz zusammen.

Wolle telefonierte gerade und wies Nils in Richtung der Umkleide. Schnellen Schrittes folgte er ihr. Franzi saß dort und starrte auf den Boden. Als Nils hereinkam, blickte sie kurz auf, um dann wieder zu Boden zu schauen. Er ging zum Waschbecken, griff nach dem Handtuch und warf es Franzi zu. „Hier. Eine Abreibung von Martin reicht schon. Du solltest Dich nicht auch noch erkälten.“ Sie fing es auf und trocknete sich die nassen Haare ab. Aber sonst reagierte sie nicht weiter auf ihn. Franzi hoffte, dass er einfach wieder gehen würde. Das war ihr alles viel zu eng und zu intim. Warum merkte er denn nicht, dass sie allein sein wollte? Und wenn er es merkte, warum ignorierte er es dann so?

Nils setzte sich neben sie. „Was ist los?“ Er klang ehrlich besorgt, das merkte Franzi sofort. Dennoch konnte sie nicht mit ihm reden. „Nichts, ich habe einfach verschlafen.“ Ihr Ton war kühl und gereizt. „Franzi, jeder da drin hat gesehen, dass Du nicht einfach nur verschlafen hast. Und ich habe mir ziemlichen Ärger mit Martin eingehandelt. Jetzt möchte ich schon ganz gerne wissen, wofür.“ „Ich hab Dich nicht darum gebeten, mir nachzulaufen.“ „Franzi…“ freundschaftlich legte er seinen Arm um ihre Schulter als sie urplötzlich aufsprang. „Lass mich in Ruhe! Ist das verdammt noch mal klar?!“ Nils war von ihrer Aggressivität vollkommen überrascht. „Schon verstanden.“ Nils ging und ließ sie allein.

Franzi war wütend, vor allen Dingen auf sich selbst. Warum hatte sie ausgerechnet an Nils ihre Wut und ihren Schmerz ausgelassen? Der konnte doch nun wirklich am wenigsten dafür. Sie wusste nicht mehr ein noch aus.
Abseitsfalle - 16.09.2007, 11:00

„Und? Was hat unser Küken? Alles wieder in Ordnung?“ Nils bemerkte Melanies herablassenden Unterton. „Gar nichts ist in Ordnung. Sie ist ordentlich an die Decke gegangen.“ „Das soll ja passieren, wenn man erwischt wird.“ Nils schaute Melanie strafend an. „Deine Menschenkenntnis in allen Ehren, aber da ist mehr im Busch als ein kaputter Wecker.“ „Meinst Du wirklich?“ „Sonst wäre sie nicht so aggressiv geworden. Aber mit mir redet sie auch nicht. War denn noch irgendwas in der Besprechung?“ „Das Übliche eben. Du sollst aber noch mal zu Berger reinkommen.“ Nils seufzte. „Na prima, bei seiner Laune wird das ja ein Spaziergang werden.“

Er ging noch kurz zu Boje rüber, der sich gerade mit Wolle unterhielt. „Na, was ist mit Franzi los? War das bisschen Druck schon zu viel für die zarte Seele?“ „Boje, das ist wirklich nicht die richtige Zeit für schlechte Witze. So, wie sie drauf ist, ist es wirklich ernst. Ich hab versucht, mit ihr zu reden, aber sie blockt völlig ab.“ „Ist ja nichts Neues. Du kannst ja gern mal mit ihr auf Streife fahren.“ Boje fand Bergers Standpauke und Franzis Reaktion darauf noch immer höchst amüsant. „Bitte, halt Dich heute etwas zurück und sprich sie nicht darauf an. Ich mache mir wirklich Sorgen.“ „Wenn Du meinst.“ „Danke. Und jetzt werde ich mir mal meine Strafpredigt von Martin abholen.“

„Herein!“ Nils hatte an Bergers Bürotür geklopft und nach dessen Aufforderung sein Büro betreten. „Du wolltest mich sprechen?“ „Ja, kannst Du Dir das nicht vorstellen? Setz Dich!“ Berger war immer noch sauer. „Nils, ich dulde nicht, dass einfach jemand meine Einsatzbesprechung verlässt und ich dulde es schon mal gar nicht, dass Du Dich dann noch meinen Anweisungen widersetzt. Haben wir uns da verstanden?!“ „Nein!“ Nils entgegnete Berger energisch, woraufhin dieser verblüfft auf sah. „Martin, das war absolut überflüssig wie Du mit Franzi umgesprungen bist. Und so wie ich sie gerade erlebt habe, ist sie nicht nur einfach zu spät gekommen.“ „Nils, das ist mir egal.“ „Mir aber nicht. Ich hab als Dienstgruppenleiter eine Verantwortung gegenüber den Kollegen und die nehme ich sehr ernst.“ „Du hast auch eine Verantwortung mir gegenüber!“ „Martin, worum streiten wir uns hier? Du weißt, dass Du Dich jederzeit auf mich verlassen kannst. Also erzähl mir nicht, ich würde meiner Verantwortung gegenüber meinem Revierleiter nicht gerecht. Franzi braucht Hilfe und mich mache mir wirklich große Sorgen.“ „Nils, das ist eine Frage von Loyalität und Anstand. Von beidem hast Du mir gegenüber gerade sehr wenig gezeigt. Du kannst Dir als Dienstgruppenleiter ebenso wenig eine derartige Extrawurst herausnehmen wie alle anderen Kollegen. Nils, ich habe auch andere Optionen. Vergiss das nicht!“ „Geht es Dir echt nur darum? Ich sag Dir etwas, ich bin für Franzi und für die anderen Kollegen da, wenn sie mich brauchen. Ich bereue nichts und würde es jederzeit genauso wieder tun. Wenn Dir das nicht passt, dann musst Du daraus eben Deine Konsequenzen ziehen.“ Die Drohung zeigte bei Berger einige Wirkung. Jedenfalls war er von Nils' Entschlossenheit überrascht. „Darüber reden wir noch. Du kannst gehen. Aber ich warne Dich. Treib es nicht zu weit!“
Abseitsfalle - 16.09.2007, 13:18

„Hey Meermann, Du lebst ja noch.“ Melanie hatte schon auf ihn gewartet. „Haha, ganz schön witzig. Der hat vielleicht eine Laune. Sind Franzi und Boje schon weg?“ „Ja, die sind eben zur Tür raus. Sie hat sich auch wieder gefangen.“ Nils war beruhigt, auch wenn er diesem Frieden nicht traute. Dass er wegen Franzi gerade indirekt seinen Posten als Dienstgruppenleiter zur Verfügung gestellt hatte, verschwieg er Melanie ebenso. Sie würde es nicht verstehen. „Wolle, hast Du was für uns?“ „Ja Nils, es geht in die Kastanienallee. Dort prügeln sich zwei Nachbarn. Peter 21/5 ist auch schon unterwegs.“ „Na bravo.“

Die beiden machten sich auf den Weg. Nils musste die ganze Zeit an Franzi denken. Das passte gar nicht zu ihr. Warum war sie nur so ausgerastet. Und Berger? Würde er das wohl durchziehen? „Erde an Nils! Denkst Du etwa immer noch an Franzi?“ „Ist das etwa verboten?“ Nils war sauer, merkte aber schnell, dass Melanie schon kapierte, dass er sich Sorgen machte. „Entschuldige, aber ich werde aus ihr nicht schlau. Warum redet sie nicht mit mir?“ „Soll ich es mal versuchen? Von Frau zu Frau redet es sich manchmal leichter.“ „Genau Melanie, auf Deine spitze Zunge wird sie natürlich gewartet haben.“

Nils und Melanie waren gleichzeitig mit den Kollegen am Einsatzort angekommen und hörten schon von Weitem lautes Geschrei. Das würde mal wieder einer der Einsätze werden, auf die sie überhaupt keine Lust hatten.
Abseitsfalle - 17.09.2007, 18:12

Als die beiden den Streit geschlichtet hatten und einen der Täter mit aufs Revier brachten, platzten sie mitten in einen großen Streit zwischen Boje und Franzi. „Das ist mal wieder so typisch, Boje. Du merkst auch gar nicht, was Du den ganzen Tag für einen Mist erzählst.“ Wütend rauschte sie an Melanie und Nils vorbei nach draußen. Die beiden waren total verblüfft. „Läuft das immer so bei Euch?“ fragte der Schläger, den sie gerade hereinführten. „Das ist gerade Dein kleinstes Problem.“ Melanie führte ihn in den Verhörraum. Boje sah Nils ratlos an. „Ich hab ihr nur einen Witz aus der Zeitung vorgelesen, ehrlich Nils.“ Auch Nils wusste nicht weiter. „Ist gut. Kannst Du mir dennoch einen Gefallen tun und Melanie bei der Vernehmung unterstützen? Ich probiere noch mal mein Glück bei Franzi und komme dann gleich nach.“ „Geht klar.“

Nils ging zu Franzi nach draußen. Sie hockte auf dem Bordstein. „Was war das denn gerade?“ „Hast Du doch gesehen. Ich hab Boje endlich mal meine Meinung gesagt.“ „Ach komm hör auf, da steckt doch mehr dahinter. Franzi was ist los mit Dir?“ Nils Ton war immer noch besorgt aber resoluter als am Morgen. „Es ist nichts. Das habe ich Dir schon gesagt!“ „Das kannst Du sonst wem erzählen. Zwei solche Ausraster an einem Tag sind einfach nicht normal.“ „Darf ich nicht auch mal einen schlechten Tag haben?“ Sie war nun regelrecht wütend. Nils merkte, dass sie ein Problem zu haben schien, aber er wollte und konnte nicht nachgiebig sein. „Franzi damit eines klar ist. Du musst Dich hier im Griff haben, sonst kannst Du Deinen Job nicht machen.“ „Das habe ich.“ Franzi wirkte nun deutlich entspannter. „Okay.“ Nils stand auf und wollte wieder ins PK gehen. Nach ein paar Metern hielt er kurz inne und drehte sich um. „Du weißt, dass Du jederzeit mit mir reden kannst?“ Sie nickte nur.

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Franzi riss sich für den Rest der Schicht zusammen. Mit Boje sprach sie kaum noch und dann auch nur das Nötigste. Irgendwann war Feierabend und sie machte sich auf, um das PK pünktlich verlassen zu können. Vor dem Revier wartete Malte Ohlsen auf sie. „Nanu, was machst Du denn hier?“ „Meine freie Zeit mit Dir verbringen. Komm lass uns etwas unternehmen.“ Er legte seinen Arm um ihre Schultern, woraufhin sich Franzi vehement Luft verschaffte. „Ich habe keine Zeit.“ „Franzi, was ist los? Seit Du aus Flensburg wieder da bist, hast Du Dich total verändert“ „Wenn Du ein Problem damit hast, kann ich das auch nicht ändern.“ Malte war von ihrer abweisenden Haltung geschockt. Gleichzeitig war er aber nicht bereit, das weiter so einfach hinzunehmen. „Franzi, was soll das? Du hast mir wochenlang erzählt, dass es mit uns etwas ganz besonderes sei. Und jetzt, wo Du offensichtlich ein Problem hast, redest Du nicht mit mir darüber. Wo ist da die Logik?“ „Ach lass mich doch in Ruhe.“ Franzi ließ ihn stehen, schwang sich auf ihr Rad und war schnell verschwunden.

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„Ey Meermann, Kundschaft!“ Nils hatte die Szene besorgt vom Fenster aus beobachtet und wurde nun von Melanie aus seinen Gedanken gerissen. „Warum ich? Wir haben doch längst frei. Das soll die Spätschicht machen.“ „Nils“ Erst jetzt drehte er sich um und merkte, dass sie ihm den Telefonhörer hinhielt. „Meermann“ „Nils?“ „Ole, was gibt es denn?“ „Hast Du Zeit?“ „Theoretisch ja, aber warum fragst Du? Warst Du nicht mit Rainer verabredet?“ Nils war überrascht, dass Ole sich meldete. Die Zeit mit seinem Vater war ihm sonst immer so wichtig. „Darum geht es ja. Wir wollten zusammen Fußball spielen gehen, aber er hat keine Zeit. Und meine Freunde bringen alle ihre Väter mit. Bitte Nils, ich will da nicht schon wieder allein auftauchen müssen.“ Für Nils war es kein Wunder, dass Oles Vater sich mal wieder aus dem Staub gemacht hatte. Und nun musste er es wieder ausbügeln. Andererseits war Ole ja nicht daran schuld. „Also gut, die Melanie reißt sich sowieso darum, den letzten Bericht noch fertig zu schreiben. Ich mach mich auf den Weg. In 20min bin ich zu Hause.“ „Geht das nicht auch schneller?“ Nils musste bei Oles Ungeduld schon wieder ein wenig schmunzeln. „Ich werde sehen, was sich machen lässt. Bis gleich.“ Er legte auf und machte sich auf den Weg zur Umkleide. „Du lässt mich jetzt nicht wirklich mit dem Bericht alleine?“ „Wieso soll ich Dir noch das Händchen halten?“ Er lächelte sie an, aber sie schien nicht sonderlich begeistert zu sein. „Melanie, wärst Du bitte so freundlich und würdest den Bericht heute schreiben?“ „Wenn Du mich so lieb bittest.“ Mit einem zufriedenen Grinsen machte er kurze Zeit später Feierabend. „Spinner“ murmelte sie, als er das PK verließ, musste dann aber auch schmunzeln.
Abseitsfalle - 17.09.2007, 20:13

Franzi hatte es nicht lange zu Hause ausgehalten. Sie brauchte frische Luft. Den ganzen Tag irrte sie durch Hamburg und fand keine Ruhe. Nach Hause wollte sie nicht, aber sie wollte auch nicht mit jemandem reden müssen. Alles war so unerträglich und sie wusste, dass sie selbst im Moment am unerträglichsten war. Irgendwann begann es zu regnen, aber das störte sie nicht. Die Nacht würde wiederkommen und damit ihre Erinnerungen. Sie fürchtete sich davor und auch wenn sie immer noch allein sein wollte, wurde das Bedürfnis, mit jemandem zu reden, von Stunde zu Stunde größer.

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Anna hatte das Abendessen fast fertig, als es an der Tür klingelte. Hatten Nils und Ole mal wieder keinen Schlüssel dabei? Sie ging zur Tür und war überrascht, die tropfnasse Franzi vor sich zu sehen. „Ist Nils da?“ „Nein, tut mir leid, der ist noch mit Ole unterwegs.“ „Na ja, da kann man nichts machen.“ Franzi wollte schon wieder gehen, aber Anna hielt sie zurück. „So lass ich Dich bestimmt nicht wieder nach draußen. Du holst Dir ja den Tod. Komm rein.“ Franzi wollte das nicht. „Nein, ich gehe schnell nach Hause. Ich will Dir auch keine Umstände machen.“ „Du machst mir mehr Umstände, wenn ich Dich morgen mit Lungenentzündung in der Notaufnahme habe. Nee ehrlich Franzi. So kannst Du nicht nach draußen. Komm rein. Ich beiße auch nicht.“ Ein wenig widerwillig stimmte Franzi doch zu. Anna verschwand kurz im Schlafzimmer und kam dann mit einem Stapel frischer Klamotten zurück. „Hier, ich weiß nicht, ob wir die gleiche Größe haben, aber das wird schon passen. Im Badezimmer liegen noch frische Handtücher. Magst Du einen Tee?“ „Ja, gerne.“ Franzi verschwand im Bad. Anna war ein wenig irritiert von ihrem Verhalten. Normalerweise war sie so fröhlich, aber davon war gerade gar nichts zu spüren.

Kurze Zeit später kamen Ole und Nils zurück. Beide waren genauso nass wie Franzi, aber im Gegensatz zu ihr auch noch über und über mit Dreck beschmiert. Anna seufzte. „Wie seht Ihr denn bitte aus?“ Glücklicherweise hatten die beiden aus der letzten Strafpredigt gelernt und die Schuhe draußen gelassen. „Manchmal muss man für den Sieg eben Opfer bringen.“ Nils gab Anna einen Kuss auf die Wange. Sie wischte sich schnell den Dreck aus dem Gesicht. Die beiden waren total überdreht. „Wir gehen dann mal duschen.“ „Tut mir leid, Jungs. Aber das geht im Moment nicht. Das Bad ist gerade belegt.“ „Von wem denn?“ Nils drehte sich überrascht um. „Von Franzi“ „Was? Franzi ist hier? Und warum ist sie im Bad?“ „Sie war klatschnass. Darum habe ich ihr ein paar frische Klamotten gegeben und sie unter die Dusche gesteckt. Ich glaube, sie hat irgendein Problem.“ „Hat sie das etwa gesagt?“ Nils war ganz aufgeregt. „Nein, aber sie ist so anders. Warum fragst Du?“ „Na ja, ich hatte den ganzen Tag schon die Vermutung. Franzi war so gereizt und ist ständig an die Decke gegangen. Aber sie wollte partout nicht mit mir reden.“

Kurze Zeit später ging die Badezimmertür auf und Franzi kam heraus. Nils und Anna standen noch im Flur. „Alles klar bei Dir?“ Nils machte sich wirklich Sorgen. „Zumindest geht es mir etwas besser. Du hast gesagt, ich könnte jederzeit mit Dir reden.“ „Na klar.“ Er schaute an sich herunter. „Aber gib mir bitte fünf Minuten, ja?“ Sie nickte und musste bei seinem verdreckten Anblick sogar ein wenig lächeln. Nils gab Anna noch einen flüchtigen Kuss und verschwand dann im Bad.
Abseitsfalle - 18.09.2007, 19:34

Als Nils aus der Dusche kam, wartete Anna schon auf ihn. „Sie ist im Wohnzimmer.“ „Okay, dann halt mir mal die Daumen, das sie endlich mit mir redet.“ Er gab ihr noch einen Kuss und ging dann zu Franzi. Er spürte, dass seine Gegenwart ihr nicht ganz geheuer war und fragte sich, woran das wohl lag. Nils vermied bewusst zu starke Nähe. Sie sagte nichts und er schwieg auch. Druck war bei ihr gerade das absolut falsche Mittel. „Nils, mir geht es beschissen.“ fing sie plötzlich an. Die Nachricht kam für ihn nicht überraschend, aber vielleicht würde sie ihm endlich einmal sagen, worum es ging. „Aber wenn ich daran denke, dass ich darüber reden muss. Das ist einfach nicht auszuhalten. Ich kann mit niemandem reden, weder mit Dir noch mit Malte und schon gar nicht mit Boje.“ Nils war ratlos. Wie sollte er ihr helfen, wenn sie nicht mit ihm reden wollte. „Franzi ich bin immer für Dich da und helfe Dir, wo es geht. Aber ehrlich gesagt, ich weiß nicht, wie.“ Er setzte sich in einigem Abstand zu ihr aufs Sofa. Sie schaute ihn an und Tränen stiegen ihr in die Augen. „Ich hab einfach nur Angst davor, alleine zu sein.“ Nils fühlte sich hilflos. Was sollte er tun? Eigentlich müsste sie jemand in den Arm nehmen, dachte er. Und gleichzeitig erinnerte er sich, wie sie ausgerastet war, als Malte sie in umarmen wollte. Irgendwann beruhigte sie sich von selbst ein wenig und Nils hatte eine Idee. „Okay, dagegen können wir ganz einfach etwas tun. Du schläfst heute Nacht hier. Das Sofa ist wirklich bequem.“ Er reichte ihr ein Taschentuch. „Danke“ Franzi wischte sich die Tränen ab. „Da nicht für. Und jetzt lass uns mal schauen, was Anna gekocht hat.“

Ole und Anna saßen schon beim Essen, als Nils und Franzi in die Küche kamen. Anna hatte vorsorglich für vier Personen gedeckt. Sie setzten sich zu den beiden und aßen in Ruhe. Nachdem Essen verschwand Franzi im Bad, während Anna und Nils sich um den Abwasch kümmerten. „Ich hab ihr gesagt, dass sie heute Nacht hier schlafen kann. Das ist doch kein Problem oder?“ „Natürlich nicht, aber meinst Du, dass das die Lösung ist? Du musst, was unternehmen.“ „Ich weiß, aber mit mir will sie nicht reden und mit Malte anscheinend auch nicht. Ich glaube, dass sie irgendwie bedrängt worden ist.“ „Du meinst...“ „Keine Ahnung. Aber es würde erklären, warum sie körperliche Nähe im Moment überhaupt nicht erträgt. Habe sie heute nach der Schicht vor dem PK mit Malte gesehen. Als er sie umarmen wollte, ist sie regelrecht ausgerastet.“ „Klingt ziemlich eindeutig.“

„Na, habt Ihr Eure Analyse beendet? Und was ist das Ergebnis?“ Nils und Anna hatten Franzi gar nicht bemerkt und waren total erschrocken. Sie rannte aus der Wohnung. „Franzi warte!“ Nils folgte ihr. Vor dem Haus blieb sie stehen. Als Nils dazu kam, fing sie an. „Warum redet Ihr hinter meinem Rücken über mich? Ich dachte, ich könnte Dir vertrauen. Ich dachte, Du seist anders.“ „Franzi, natürlich kannst Du mir vertrauen. Aber ich mache mir Sorgen. Ich merke doch, dass Du irgendein großes Problem mit Dir herumschleppst. Ich will Dich nicht unter Druck setzen, aber versteh bitte, dass ich da mit Anna drüber reden musste. Es reicht schon, dass ich bei den Kollegen nicht offen sein kann. Bitte, außer Anna wird niemand davon erfahren, wenn Du es nicht willst.“ Franzi beruhigte sich ein wenig und Nils nahm allen Mut zusammen, um ihr eine entscheidende Frage zu stellen. „Franzi, ich weiß, dass Du nicht drüber reden willst und das musst Du auch nicht. Du kannst hier so lange bleiben wie Du willst. Ich stelle keine Bedingungen. Aber wenn Du kannst, beantworte mir bitte nur eine Frage. Hat Dich jemand irgendwie belästigt oder vergewaltigt?“ Franzi erstarrte, doch der Kampf gegen die Wahrheit dauerte nur Sekundenbruchteile. Sie brach in Tränen aus und fiel Nils um den Hals.

Nachdem Franzi sich ein wenig gefangen hatte, nahm Nils sie wieder mit rein. Er holte Decken und ein Kissen für sie und machte ihr auf dem Sofa einen Schlafplatz. „Wenn etwas ist, Anna und ich sind drüben.“ Sie nickte nur. Er wollte gerade gehen als plötzlich. „Nils?“ „Ja?“ „Danke“ Sie umarmte ihn noch einmal. „Mach Dir keine Gedanken, für so etwas sind Freunde doch da.“

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Anna wartete schon im Schlafzimmer auf Nils. „Und?“ Sie merkte, dass er bedrückt war. „Wir hatten Recht.“ „Verdammt! Was ist passiert? Wer hat ihr das angetan?“ „Mal langsam, Anna. Das hat sie mir nicht erzählt. Ich hab sie nur gefragt, ob ihr etwas Derartiges passiert ist. Mehr hätte sie mir wohl auch nicht sagen können.“ „Und das akzeptierst Du so einfach?“ „Was soll ich denn sonst tun? Wenn ich sie unter Druck setzen würde, dann würde sie doch eh sofort wegrennen. Und dann ist sie ganz allein. Das will ich auf keinen Fall riskieren.“ „Wenn Du meinst.“ Anna war skeptisch. Wenn Franzi wirklich vergewaltigt worden war, dann musste etwas geschehen. „Soll ich mal mit Malte reden?“ „Bitte nicht!“ Nils wurde regelrecht vehement. „Aber er muss es doch wissen.“ „Er sollte es aber auch von ihr erfahren und vor allen Dingen müssen wir aufpassen, dass der Täter nicht gewarnt wird.“ Anna schaute ihn ungläubig an. „Nils, das kann doch jetzt nicht Dein Ernst sein. Du glaubst doch nicht etwa, dass Malte...“ „Anna, ich glaube gar nichts. Aber so lange Franzi nicht redet, müssen wir alle Möglichkeiten in Betracht ziehen.“ „Manchmal bist Du mir wirklich unheimlich.“ „Wieso das denn?“ „Malte würde nie...“ „Anna, wenn wir jetzt zu viele Informationen verbreiten, dann wird der Täter möglicherweise gewarnt sein und dann wird es umso schwieriger.“ „Sag mir dann bitte Bescheid, in welchem Gefängnis ich meinen Kollegen besuchen kann.“

Anna drehte sich zur Seite und löschte das Licht. Wie konnte er nur allen Ernstes Malte zutrauen, Franzi etwas anzutun. Nils wollte zu einer Erklärung ansetzen, aber er musste auch erkennen, dass sie nicht mit ihm reden würde. Anna begriff nicht, dass er als Polizist gar keine andere Wahl hatte unabhängig davon, ob er das Malte wirklich zutraute. Nils dachte noch lange über Franzi und Annas Unverständnis nach.

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Nils stand am Morgen erst nach Anna auf. Sie war schon in der Küche und trank Kaffee, als er ganz verschlafen hereinkam. „Ist sie schon wach?“ „Ich glaube nicht. Es ist alles ganz ruhig.“ Nils setzte sich zu ihr an den Tisch. „Bist Du noch sauer?“ Anna setzte die Kaffeetasse ab. „Ich bin nicht sauer. Ich kann nur nicht verstehen, wie abgebrüht Du mit dieser Situation umgehst.“ „Warum meinst Du, dass ich abgebrüht bin? Nur weil ich meinen Job mache? Anna, wenn Du eine Diagnose stellst, kannst Du Dich auch nicht von Deinen Gefühlen zu Deinem Patienten leiten lassen. Wir müssen im Job eben einige Dinge tun, die sehr unangenehm sind. Oder was meinst Du, wie ich mich bei der ganzen Sache fühle.“ Anna griff nach seinen Händen. „Tut mir leid. Ich weiß doch, wie Du es meinst. Es ist nur manchmal schwierig für mich, damit umzugehen.“ „Für mich ja auch. Ich schaue mal nach, was Franzi macht.“

Nils betrat das Wohnzimmer ganz leise, um sie nicht zu erschrecken. Doch er merkte schnell, dass sie nicht mehr da war. Ratlos stand er im Zimmer. Wie konnte er ihr nur helfen? Auf dem Tisch lag ein Zettel. „Ist sie weg?“ Anna war ebenfalls ins Wohnzimmer gekommen. Er reichte ihr das Papier.

Danke für alles, aber ich kann nicht bleiben. Franzi
Abseitsfalle - 18.09.2007, 22:12

Nils machte sich auf den Weg zum PK Gedanken um Franzi. Würde sie heute trotzdem zum Dienst kommen? Erleichtert stellte er fest, dass sie schon da war, als er aufs Revier kam. Franzi selbst war unsicher. Wie würde Nils reagieren? Würde er sie vor allen Leuten darauf ansprechen? Aber er war wie jeden Morgen, begrüßte die Kollegen und ging dann Richtung Umkleide. Sie schaute ihm hinterher. Kurz bevor er durch die Tür ging, drehte er sich noch einmal um und nickte ihr zu. Franzi war erleichtert. Ihr Geheimnis war bei ihm gut aufgehoben.

Die Einsatzbesprechung verlief ohne größere Vorkommnisse. Martin machte noch eine spitze Bemerkung über Franzis pünktliches Erscheinen und handelte sich dadurch einen bösen Blick von Nils ein. Nach der Besprechung bat Berger ihn, noch einen Moment zu bleiben. „Weißt Du schon mehr über Franzi?“ „ Ja, ein wenig. Aber sie hat mich darum gebeten, mit niemandem zu reden.“ Nils hoffte, dass sich Berger dadurch beruhigen ließ. „Und? Was hat sie gesagt?“ „Martin hörst Du mir nicht zu?“ „Nils, ich erwarte von Dir, dass Du mich auf dem Laufenden hältst, was in Deiner Dienstgruppe passiert.“ „Das mache ich auch. Du weißt, dass eine Kollegin ein Problem hat, mit dem sie im Moment nicht klar kommt. Sie hat mich aber ins Vertrauen gezogen und das werde ich respektieren.“ „Jaja, das ist ja schön und gut, dass Du für Franzi da bist, aber ich muss doch wissen, was bei meinen Leuten vor sich geht. Also sag mir endlich, was mit Ihr los ist.“ Berger erhöhte nun den Druck auf Nils. „Martin, ich denke, dass ich mich gestern ziemlich eindeutig dazu geäußert habe, wie ich meine Position sehe. Und daran hat sich nichts geändert.“ „Nils!“ Berger wurde nun laut und schlug mit den Händen auf den Tisch, so dass es die Kollegen draußen hören konnten. „Verdammt noch mal, sag mir endlich, was mit Franzi los ist, sonst...“ „Sonst was?“ Nils wurde nun ebenfalls laut. „Willst Du mir wieder mit anderen Optionen drohen? Martin, ich klebe nicht auf meinem Posten. Wenn Du einen Dienstgruppenleiter suchst, der alle Geheimnisse seiner Kollegen sofort an Dich weiter trägt, dann bin ich der Falsche. Ich werde Franzi nicht hintergehen und wenn Du das nicht akzeptieren kannst, dann musst Du eben die entsprechenden Konsequenzen ziehen.“ Wütend stürmte Nils aus Bergers Büro und schlug die Tür zu. Eigentlich wollte er direkt zu seinem Schreibtisch, aber er merkte, dass alle Blicke auf ihn gerichtet waren. Die Kollegen hatten den Streit bemerkt, auch wenn sie nicht wussten, worum es ging. Er drehte sich auf dem Absatz um und ging nach draußen an die frische Luft.

Franzi folgte ihm. Er stand vorm PK und schaute auf den Hafen hinaus. Sie stellte sich neben ihn und versuchte zu erahnen, wohin er blickte und was er wohl dachte. „Hast Du...?“ Vorsichtig näherte sie sich der Antwort, vor der sie sich so fürchtete. „Mit Berger geredet? Nein, Franzi. Ich glaube zwar, dass Du einen Fehler machst, wenn Du Dich niemandem öffnest und alles in Dich hineinfrisst, aber ich werde ihm nichts sagen. Darauf kannst Du Dich verlassen.“ „Und Berger? Ich meine, Euer Streit war nicht zu überhören.“ „Ach Martin versteht das nicht. Das ist aber nicht Deine Baustelle, Franzi.“ „Ist es doch. Ich meine, wenn Du jetzt wegen mir Ärger bekommst.“ Nils drehte sich Franzi zu. „Zwischen Martin und mir ist alles gesagt. Und wenn er meinen Standpunkt nicht akzeptiert, dann muss er sich eben einen neuen Dienstgruppenleiter suchen.“ „Nils bitte, das kann doch nicht Dein Ernst sein.“ „Doch das ist es. Und das hat nichts mit Dir zu tun. Es geht ums Prinzip. Wenn Du oder irgendwer sonst mich ins Vertrauen zieht, dann geht es Martin Berger nun mal nichts an. Welchen Sinn hat meine Position denn sonst? Ich mache mich nicht zum Hampelmann des Revierleiters.“ Franzi schien immer noch unzufrieden. „Aber Du kannst doch nicht einfach wegen mir Deinen Job schmeißen.“ „Das tue ich auch nicht. Ich würde ihn höchstens wegen Martin schmeißen. Nur bitte sag niemandem etwas davon. Ich will nicht, dass es die Runde macht.“ „Okay, aber was wird jetzt aus Dir?“ „Mach Dir nicht so viele Gedanken. Das wird schon. Du solltest Dich jetzt erst mal um Dich kümmern. Ich will Dich nicht drängen, aber Du solltest mit jemandem reden.“ Nils sah Melanie aus dem PK kommen. „Oh je, das sieht nach Einsatz aus. Franzi, Du weißt, dass Du jederzeit zu mir kommen kannst und immer bei uns zu Hause willkommen bist.“ Sie nickte. „Und melde Dich, wenn Du hier im Job nicht mehr klar kommst. Ich bin für Dich da. Dann finden wir schon ne Lösung.“ „Alles klar, aber ich glaube, Du musst so langsam.“ Franzi schaute zu Melanie rüber, die schon ungeduldig auf ihren Kollegen wartete. Nils lief zu ihr rüber. Nils stieg zu Melanie ins Auto.

„Und wo geht es hin?“ „Zur Europa Passage, zwei kleine Ladendiebe einsammeln.“ „Na dann mal los.“ „Ich war schon vor zwei Minuten fertig.“ Melanie schaute ihn fordernd an. „Jaja, Du bist perfekt und ich nicht. Können wir dann?“ Nils lächelte. Er wusste genau, wie er kontern musste. „Ist wirklich alles in Ordnung bei Dir?“ „Klar, wieso?“ „Na ja, der Streit mit Berger. Dann hast Du offensichtlich Geheimnisse mit Franzi.“ „Melanie, bitte nicht. Ich hab mich schon mit Martin wegen Franzi gestritten. Das sollte doch reichen, meinst Du nicht?“ „Schon gut, ich mein ja nur.“ „Melanie, kannst Du bitte einfach losfahren.“ „Mach Dich mal locker, Meermann.“ „Vielleicht hab ich aber einfach keine Lust locker zu sein. Also bitte.“ Nils war inzwischen doch genervt. Konnte sie ihn nicht einfach in Ruhe lassen. Melanie schwieg und fuhr einfach los.

Vor dem Einkaufszentrum wartete schon ein Mitarbeiter, der sie zum Büro des Hausdetektivs führte, wo dieser schon wartete. „Gut, dass Sie kommen. Holger Müller, ich bin hier der Sicherheitsbeauftragte.“ „Meermann, Polizei Hamburg, das ist die Kollegin Hansen. Sie haben uns gerufen?“ Er nickte. „Und? Wie alt sind sie dieses Mal?“ „Das wollten sie nicht sagen. Sie sind eher schweigsam. Aber ich denke, dass sie so zehn bis zwölf Jahre alt sind. Eigentlich der Klassiker: Videospiele.“ „Was meinen Sie mit 'eigentlich'?“ Melanie kam seine Ausdrucksweise irgendwie komisch vor. „Na ja, das war dann doch ein wenig kurios. Ich habe den Dieb geschnappt und dann kommt da plötzlich sein Komplize, schreit mich an und zerrt an meinem Arm. Dann habe ich ihn auch mit eingesackt.“ Melanie und Nils schauten sich verwundert an. Eigentlich waren Ladendiebstähle doch eher Routine und die kleinen Übeltäter meist total eingeschüchtert. „Na dann schauen wir uns die beiden doch mal an.“

Holger Müller führte sie in den kleinen Raum und Nils erlebte eine Überraschung. „Ole!“
Abseitsfalle - 19.09.2007, 17:56

Ole war es ziemlich peinlich, dass ausgerechnet Nils und Melanie vorbei kamen. „Sag jetzt nicht, Du hast geklaut.“ „Nee, das war doch der Bengel, der mich angeschrien hat.“ Mischte sich der Detektiv ein. Ole wirkte ziemlich eingeschüchtert und ängstlich. Nils merkte sofort, dass er anders war als sonst. Auch der andere Junge hatte totale Angst. Was war hier nur los? Normalerweise liefen solche Delikte doch immer recht harmlos ab. Die meisten Ladendetektive bemühten sich bei aller Konsequenz doch immer noch um eine möglichst entspannte Atmosphäre. Aber hier war davon nichts zu spüren.

Nils entschied sich, die beiden Jungen schon einmal mit zum Auto zu nehmen, während Melanie die letzten Details mit Herrn Müller abklärte. Auf dem Weg nach draußen versuchte er, den beiden ein wenig die Angst zu nehmen. Er war zwar immer noch sauer auf Ole, aber er wollte auch hören, wie die beiden Jungen die Sache sahen. „Mach Dir mal keine Sorgen. Das kriegen wir alles schon wieder hin. Sagst Du mir Deinen Namen?“ „Alexander Mathiesen.“ „Ich bin Nils.“ „Meine Eltern dürfen davon aber nichts erfahren.“ Nils dachte an die Worte von Holger Müller: Der Klassiker. „Das wird sich leider nicht vermeiden lassen, Alexander. Aber ich habe noch nie erlebt, dass der Ärger so groß wurde, wie vorher befürchtet. Setz Dich schon mal ins Auto.“ Nils öffnete ihm die Tür und der Junge stieg ein.

Als er die Tür geschlossen hatte, drehte er sich Ole zu. „So und nun zu Dir, Sportsfreund. Was ist das denn für eine Aktion?“ „Na ja, er war eben allein gegen dieses Ar***loch und...“ „Ole!“ Nils unterbrach ihn. „Na ja ist doch wahr.“ „Zuerst hat Alexander aber das Videospiel eingesteckt oder etwa nicht? Woher kennst Du ihn eigentlich?“ „Ich kenne ihn gar nicht, aber er war doch ohne Chance so allein.“ „ Es ist zwar nett, dass Du Dich für ihn einsetzen willst, aber das geht zu weit.“ „Ach, was weißt Du denn schon. Lass mich einfach in Ruhe.“ Der Junge war plötzlich total aggressiv. Nils griff nach seinem Arm und drehte Ole wieder zu sich um. „Was ist los Ole?“ Der wollte sich losreißen. „Aua, das tut weh. Lass mich los.“ Nils ließ ihn. Er war ratlos. „Ole bitte, wir konnten doch immer über alles reden. Das passt doch alles nicht zu Dir. Ich will nur verstehen, warum Du das gemacht hast.“ Nils ruhiger Ton beruhigte Ole ein wenig. „Sag mir bitte, was passiert ist. Ole, wir haben doch immer alles hin gekriegt.“ „Du glaubst mir doch eh nicht.“ Ole schien Nils immer noch nicht richtig zu trauen. „Und warum sollte ich das nicht tun?“ „Weil...“ er schaute Nils an, der ihn fragend anschaute und offensichtlich wirklich auf eine Antwort zu warten schien. „Ach ich weiß nicht… Glaubst Du mir denn, dass er Alexander geschlagen hat?“ „Wer?“ „Na dieser Detektiv, dieser Müller. Er hat ihn in eine Ecke gezogen in den Magen geschlagen und an die Wand gedrückt.“ Nils war schockiert. „Hat er Dir etwa auch was getan?“ „Na ja nicht so richtig.“ Ole zögerte. „Was heißt: Nicht so richtig? Ole, Du musst mir schon sagen, was passiert ist.“ Nils war angespannt. Was war dort nur passiert? Ole zog seinen linken Ärmel hoch und zeigte ihm den blauen Oberarm. „Er hat mich nicht geschlagen. Aber als ich abhauen wollte, hat er mich am Arm gepackt. Das hat ganz schön weh getan. Und er hat mir gedroht. Nils, ich bin so froh, dass Ihr uns da rausgeholt habt. Ich hatte solche Angst.“ Er fiel Nils um den Hals, der seinerseits total erschüttert war. „Okay, setz Dich schon mal ins Auto und mach Dir keine Sorgen. Das regeln wir schon.“ Nils fragte derweil Alexander Mathiesen, der Oles Geschichte bestätigte.

Melanie erkannte Nils' besorgtes Gesicht als sie aus dem Kaufhaus kam. „Was ist los?“ Nils konnte sich kaum noch zusammenreißen. „Dieses A******* hat die Kinder geschlagen.“ Melanie war fassungslos. „Was? Ole etwa auch?“ „Nein, aber er hat ihn ziemlich grob behandelt, sein ganzer Arm ist blau. Am liebsten würde ich da jetzt reingehen und diesen Mistkerl verprügeln. Der hat es doch nicht besser verdient.“ Melanie musste ihn festhalten, damit er sein Vorhaben nicht wirklich in die Tat umsetzte. Wenn es um Ole ging, verstand er keinen Spaß. „Nils, das bringt doch nichts!“ Er wehrte sich nicht mehr und blieb stehen. „Ich weiß, aber ich hab so eine verdammte Wut.“ Melanie erkannte, dass Nils wie üblich mit der Aggressivität seinen Schock überdeckte. „Ich weiß, Nils.“ „Am besten, wir fahren zum EKH. Die beiden müssen untersucht werden und Anna wird sicher wissen wollen, was mit Ole ist.“ Melanie war froh, dass er sich wieder beruhigt hatte.

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Von unterwegs aus rief Nils die Eltern von Alexander Mathiesen an und bat sie, ins EKH zu kommen. Anna wunderte sich, dass Nils und Melanie mit Ole und einem ihr unbekannten Jungen vorbei kamen. „Ole! Ist etwas passiert?“ Nils nahm Anna zur Seite, die gar nicht verstand, warum die drei im EKH waren. Sie machte sich schon ein wenig Sorgen. „Was ist los? Hat Ole etwas angestellt?“ „Anna bleib ruhig. Ole hat die Freistunde dafür benutzt, ins Kaufhaus zu gehen und ist dabei in einen Ladendiebstahl verwickelt worden.“ „Was?“ Anna wollte zu Ole, aber Nils hielt sie fest. „Jetzt bleib doch mal hier und lass es Dir von mir erklären. Ole hat nicht geklaut. Es war dieser Alexander Mathiesen und der ist vom Kaufhausdetektiv erwischt worden.“ „Und warum seid Ihr dann hier?“ „Dieser Detektiv war anscheinend nicht gerade zimperlich mit den Jungs. Oles Arm ist ganz blau und Alexander hat er wohl ziemlich massiv geschlagen.“ Anna war entsetzt. „Ole ist da wohl rein geraten, weil er dem Jungen helfen wollte. Ihr müsst die beiden mal gründlich durchchecken. Wir brauchen ein genaues Untersuchungsergebnis, damit wir stichhaltige Beweise gegen diesen Müller in der Hand haben. Kannst Du dafür sorgen?“ Anna nickte nur. „Ich schau mal, welcher Kollege gerade Zeit hat.“ Nils' Aussagen hatten sie ziemlich geschockt. Kurze Zeit später kam sie zurück und nahm die beiden Jungen mit in ein Behandlungszimmer.

„Nils? Das sind die Eltern von Alexander Mathiesen.“ Nils gab den beiden die Hand. „Hauptkommissar Meermann, wir hatten telefoniert. Hat meine Kollegin sie schon informiert?“ „Ja, das ist wirklich schrecklich.“ Er konnte den Schock in den Augen der Eltern deutlich sehen. Besonders Frau Mathiesen war sehr geschockt. Ihr Mann wirkte dagegen ein wenig wütend, aber ebenso hilflos. „Und was passiert jetzt?“ „Natürlich ist es nicht richtig, dass Ihr Sohn geklaut hat. Uns geht es aber jetzt vor allen Dingen darum, dass wir diesen Schläger aus dem Verkehr ziehen. Deswegen sind wir auch ins Krankenhaus gefahren. Ihr Sohn wird gerade auf eventuelle Verletzungen untersucht, damit wir ein genaues Bild haben.“

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Nach ein paar Minuten kam Anna aus dem Behandlungszimmer zurück. „Was ist mit den beiden?“ Nils war ein wenig angespannt. Melanie hatte ihm erzählt, welche stumpfen Bemerkungen über „Zero tolerance“ Holger Müller in ihrer Gegenwart gemacht hatte. Außerdem hatte er ihr gegenüber ziemlich eindeutige und anzügliche Bemerkungen gemacht. Alexanders Eltern schienen ziemlich erstaunt über Nils' besorgte Reaktion. „Sind eigentlich alle Polizisten emotional so in die Fälle verwickelt wie Sie?“ „Ähm, nein. Entschuldigen Sie, Herr Mathiesen. Sie kennen sich ja noch gar nicht. Das ist Dr. Anna Jacobi, meine Lebensgefährtin … und die Mutter von Ole, dem Jungen, der mit ihrem Sohn zusammen gefasst wurde. Anna, das sind Herr und Frau Mathiesen.“

Anna gab beiden die Hand. „Also, so wie es aussieht haben beide noch einmal Glück gehabt. Mehr als ein paar Prellungen haben die Kollegen bis jetzt nicht entdeckt. Sie machen noch einige Untersuchungen, aber die sind sicher bald abgeschlossen.“ Sie drehte sich Nils und Melanie zu. „Ihr kriegt dann einen ausführlichen Bericht von Dr. Dietrich.“ „Und wie wollen Sie das Schwein nun dran kriegen, Herr Meermann.“ „Ganz einfach: Sie werden ihn anzeigen. Die Kollegen am PK 21 wissen Bescheid, dass sie kommen. Am besten fahren Sie sofort hin, damit Ihr Sohn seine Aussage machen kann. Meine Kollegin und ich fahren dann noch mal in die Europa Passage, um uns ein genaues Bild von Herrn Müller zu machen.“ Die Mathiesens waren einverstanden.
Abseitsfalle - 19.09.2007, 21:06

Ein gute Stunde später waren Nils und Melanie wieder auf dem Revier. Alexander Mathiesen hatte seine Aussage bereits gemacht und war mit seinen Eltern nach Hause gefahren. Martin Berger wartete schon auf die beiden. „Habt Ihr mehr herausfinden können?“ „Der Kaufhausleiter war sehr überrascht von den Anschuldigungen, denn Holger Müller war ihm eigentlich als äußerst korrekter Mitarbeiter bekannt. Man konnte sich die Vorfälle nicht erklären. Wir haben nach den Überwachungsvideos gefragt, aber die verwaltet natürlich Müller selbst. Darauf wird also höchstwahrscheinlich nichts zu sehen sein.“ Nils hatte Melanie das Reden überlassen. Er war ziemlich sauer über die ignorante Haltung der Kaufhausleitung, aber dennoch konnte er seine Wut nicht vor Martin verbergen. Außerdem war er auf seinen Chef immer noch sauer. Der legte es nun darauf an, ihn aus der Reserve zu locken. „Was meinst Du dazu Nils?“ Nils zählte innerlich bis drei, bevor er antwortete. „Für mich klingt das alles zu perfekt. Ich meine, der schlägt offensichtlich die beiden Jungen, aber es soll vorher nie zu einem Übergriff gekommen sein? Das glaube ich nicht. Wir sollten diesen Müller mal gründlich überprüfen und schauen, was er sonst noch so getan hat.“ „Okay, dann tut das bitte und haltet mich auf dem Laufenden.“

Nils nickte und wollte mit Melanie gerade wieder gehen, als Berger sich noch mal mit ihm befassen wollte. „Nils bleibst Du bitte hier.“ Nils stand mit dem Rücken zu ihm und verdrehte die Augen. „Natürlich, Martin“ Er drehte sich um und setzte zu einem ironischen Lächeln an. Melanie schloss die Tür. „Worum geht es?“ Fragte er leicht genervt. „Setz Dich bitte!“ Nils gehorchte. „Kannst Du Dir das nicht denken? Es geht natürlich um Franzi.“ „Martin, meine Meinung hat sich seit heute Morgen nicht geändert.“ Nils war genervt und zeigte das deutlich. „Du, es interessiert mich nicht, was Du denkst. Ich will wissen, was mit Franzi los ist und erwarte von Dir endlich eine Antwort.“ Nils schwieg, denn er fürchtete, dass er jedes Wort bereuen würde, was er jetzt sagen würde. Außerdem wollte er Berger damit demonstrativ zeigen, dass er Franzis Geheimnis nicht verraten würde. Berger hatte Mühe, diese Provokation zu tolerieren und nicht an die Decke zu gehen. „Na gut, wie Du willst. Aber ich warne Dich. Wenn irgendwas passiert, dann mache ich Dich dafür verantwortlich. Du kannst gehen.“ Bergers scharfer Ton sollte Nils noch einmal deutlich machen, dass er es ernst meinte.

Als Nils aus Bergers Büro kam, wartete Melanie schon auf ihn. „Schon die zweite Standpauke in so kurzer Zeit und der Kopf ist immer noch dran. Meermann, Du bist echt ein Überlebenskünstler.“ „Fragt sich nur, wie lange noch.“ „Was meinst Du?“ Melanie war überrascht, denn sie hatte eigentlich den Spruch nicht ernst gemeint. Sie wusste, dass Martin große Stücke auf Nils hielt. „Ach nicht so wichtig. Hast Du schon etwas herausfinden können?“ „Es gab vereinzelt mal Anzeigen, aber keine in diesem Spieleladen und alle wurden auch relativ schnell wieder zurückgezogen. Außerdem ging es in den meisten Fällen um Belästigung und nicht um Gewalt.“ „Aber so unwahrscheinlich ist das dann auch nicht. Immerhin hat er Dich doch auch ziemlich eindeutig angesprochen.“ „Du meinst also, er tyrannisiert die Opfer unterschiedlich?“ „Das wäre zumindest ein Ansatzpunkt. Ich hol mir einen Kaffee. Willst Du auch?“ „Nein danke.“

Im Pausenraum traf er auf Franzi. „Na bist Du in Ordnung?“ Nils goss sich einen Kaffee ein und sah sofort, dass er sich die Antwort selbst geben konnte. „Du warst wieder bei Martin?“ „Ja, er macht ziemlichen Druck.“ Franzi sah ihn flehend an. „Keine Angst, Dein Geheimnis ist bei mir gut aufgehoben. Darauf kannst Du Dich verlassen.“ „Aber was ist mir Dir?“ „Was soll mit mir sein? Franzi, das ist nicht Dein Problem, sondern eine Sache zwischen Martin und mir.“ „Die Dich Deinen Job kosten könnte.“ „Nicht so laut!“ Nils schaute sich um, ob einer jemand in der Nähe war. Er wollte nicht, dass die Kollegen davon zu viel mitbekamen. „Ja, zwischen ihm und mir herrscht gerade ziemlich dicke Luft, aber das gibt sich schon wieder, okay?“ Franzi nickte, auch wenn sie ihm nicht wirklich glaubte. Plötzlich schaute Melanie durch die Tür. „Ich will ja nicht stören, aber ich habe ein Opfer von diesem Müller ausfindig gemacht, das mit uns reden würde.“ Nils nickte. „Ist gut, ich komme schon.“ Er wollte schnell hinterher, aber Franzi auch nicht so einfach allein lassen. „Kommst Du klar?“ „Ja sicher, Boje und ich gehen gleich auf Streife.“ „Wenn etwas ist, rufst Du mich an!“ Sie nickte nur und Nils folgte Melanie.

„Na, wird das etwa etwas Ernstes zwischen unserem Küken und dem Dienstgruppenleiter? Muss Anna sich etwa Sorgen machen?“ Melanie forderte es heraus und bekam eine deftige Antwort. „Ach quatsch, red doch einfach nicht immer so viel über Dinge, von denen Du nun wirklich überhaupt keine Ahnung hast. Franzi ist total am Boden und Du hast nichts Besseres zu tun, als Deine Witze darüber zu machen. Bravo, Frau Kollegin, das ist wirklich ein tolles Betriebsklima. Ach ja, Anna weiß übrigens Bescheid. Nicht, dass Du da auch noch Dein Gift verspritzen willst!“ Den Rest der Fahrt redeten die beiden kein Wort miteinander. Melanie war wütend über seine Aussagen. Er hatte nicht das Recht, sie so zu beschimpfen, das war zu hart und ungerecht. Nils hatte genauso wenig Redebedarf. Er musste erst mal seine unglaubliche Wut in den Griff kriegen. Als sie am Ziel angekommen waren, sprang Melanie doch über ihren Schatten. „Tut mir leid, Meermann. Ich hab da gerade wirklich nicht gerade feinfühlig reagiert. Das hätte ich nicht sagen sollen.“ Nils seufzte. „Ach schon gut. Ich war doch nicht besser. Mir tut es auch leid. Ich weiß nur langsam nicht weiter. Franzi hat mich ins Vertrauen gezogen und ich will ihr nicht in den Rücken fallen. Gleichzeitig prasselt es von überall auf mich ein. Weißt Du, dass Berger mir die Hölle heiß macht, kann ich ertragen. Aber dass Du jetzt auch noch damit anfängst. Tut mir leid, dass ich da nicht so souverän mit umgehen kann. Verrätst Du mir trotzdem, wo wir sind?“ „In dem Haus wohnt Maren Schumann. Sie hat das Einkaufszentrum verklagt, weil sie von einem der Mitarbeiter verfolgt worden war. Den Namen konnte und wollte sie damals allerdings nicht nennen und darum hat man das Verfahren dann auch eingestellt.“ „Na dann lass uns mal schauen, was sie zu sagen hat.“
Abseitsfalle - 20.09.2007, 16:32

„Peter 21/2 für Peter 21“ „Peter 21/2 hört“ „Franzi, ich hab hier eine unangenehme Sache für Euch. Passanten haben eine schwer verletzte Person vor der Jugendherberge an den Landungsbrücken entdeckt. Ein Sexualdelikt ist wahrscheinlich.“ Franzi konnte keine Antwort geben. Wolles Informationen hatten sie total aus der Bahn geworfen. „Peter 21/2, erbitte Bestätigung!“ Boje nahm Franzi den Hörer aus der Hand. „Wolle, das ist verstanden, wir sind auf dem Weg.“ Er gab Gas. „Franzi alles in Ordnung?“ So langsam fing sie sich wieder und konnte einigermaßen klar denken. „Ja, alles klar. Ich war nur ein wenig in Gedanken.“ Kurze Zeit später waren sie am Einsatzort angelangt. Boje lief sofort zum Fundort. Neben den Ersthelfern hatten sich Unmengen an Schaulustigen eingefunden. Franzi war ihm gefolgt, blieb aber wie versteinert stehen, während Boje die Gaffer zum Weitergehen aufforderte. Sie konnte ihren Blick nicht von der jungen Frau abwenden. Zu sehr schien deren Schicksal ihrem zu gleichen. Das Opfer war kaum älter als sie und sah übel zugerichtet aus. Ihr Rock war zerrissen und blutverschmiert. Der Täter musste sie nicht nur vergewaltigt haben, sondern hatte sie anschließend auch noch zusammengeschlagen. Der Anblick und die Erinnerungen an ihr eigenes Schicksal verschwammen.

„Franzi! Franzi! Lass mich hier nicht alles alleine machen.“ Sie hörte Bojes Worte, war jedoch unfähig zu reagieren. „Franzi!“ Er rüttelte an ihr und riss sie so aus ihrem Tagtraum. Sie schaute ihm in die Augen und dann wieder zum Opfer. Dann wurde ihr plötzlich ganz schlecht. Franzi riss sich von Boje los und rannte weg. Er wollte ihr eigentlich hinterher rennen, aber hier war immer noch ein Job zu erledigen. Inzwischen waren auch Malte und Philipp mit dem NEF eingetroffen. Sie versorgten das Opfer während Boje den Tatort so gut es ging absperrte. Die Spurensicherung und die Kripo hatten ebenfalls schon vor der Jugendherberge aufgeschlagen, befragten Zeugen und suchten nach jeder noch so kleinen Spur, die zum Täter führen könnte. Bojes Job bestand jetzt nur noch darin, den Leuten den Rücken frei zu halten. Er war sauer, weil er sich in dieser Situation von Franzi im Stich gelassen fühlte. Sie hockte in einer Ecke und hatte sich offensichtlich gerade übergeben, aber sein Mitleid hielt sich in Grenzen.

Malte und Philipp machten sich mit dem Opfer auf den Weg zum RTW. Boje sorgte dabei für freie Bahn. „Wie sieht es aus?“ „Ziemlich übel, wir werden uns beeilen müssen.“ sagte Philipp. „Boje, wo ist eigentlich Franzi“ Malte hatte sich gewundert und entdeckte sie erst als Boje in ihre Richtung wies. „Die hat sich ne Auszeit genommen.“ Malte war besorgt, denn sie sah gar nicht gut aus. Aber der Job ließ ihm dafür gerade keine Zeit. Für das Opfer zählte jetzt jede Minute und brauchte seine gesamte Aufmerksamkeit. Er rannte zum RTW, der sich unmittelbar in Bewegung setzte.

Für Boje war auch nicht viel mehr zu tun. Er ging zu Franzi. „Sag mal, was ist denn mit Dir los? Arbeitest Du jetzt gar nicht mehr oder was?“ Boje war ziemlich wütend. „Es ging halt nicht, tut mir leid.“ „Nein Franzi, das Einzige was hier nicht geht, ist Dein Verhalten. Du willst Polizistin sein? Dann musst Du Dich auch im Griff haben.“ „Danke, dass Du es endlich mal aussprichst. Ich bin also nicht die Richtige! Boje, heute ist Dein Glückstag, denn ich werde gehen und meinen Platz räumen, damit Du endlich mit richtigen Kollegen arbeiten kannst.“ Sie schob ihn zur Seite und lief weg. „Franzi!“ Er rief ihr hinterher, aber sie reagierte nicht und lief die Treppen zur Hochbahn hinunter.
Abseitsfalle - 20.09.2007, 18:40

„Frau Schumann, wenn wir diesen Detektiv wirklich hinter Gitter bringen sollen, dann brauchen wir natürlich auch ihre Aussage und das offiziell.“ Melanie war ungeduldig. Am Telefon war sie doch noch bereit für ein Treffen und nun wollte sie nicht aussagen. Maren saß wie ein Häufchen Elend am Küchentisch. „Wollen Sie wirklich, dass dieser Mistkerl damit durch kommt?“ Melanie wurde laut. Nils griff sie vorsichtig am Arm und zog sie ein Stück zur Seite. „Melanie, so kommst Du doch nicht weiter.“ flüsterte er ihr ins Ohr. Dann setzte er sich zu Maren an den Tisch.

Er saß einfach nur da und wartete darauf, was passieren würde. Maren wirkte plötzlich ein wenig gefasster. „Es tut mir leid, aber ich kann nicht aussagen. Ich kann nicht.“ „Das müssen Sie auch nicht. Wir sind nicht gekommen, um Sie zu irgendetwas zu zwingen.“ Er griff nach ihrer Hand und schaffte es mit der Zeit, ihr Vertrauen zu gewinnen. Jedenfalls wirkte Maren nicht mehr so verschlossen. „Frau Schumann, aber bitte gestehen Sie meiner Kollegin und mir unsere Fragen zu. Wir merken doch auch, dass sie damit noch nicht abgeschlossen haben. Und Sie wissen das auch, sonst wären Sie doch vorhin auch nicht bereit gewesen mit uns zu reden. Heute haben wir zwei Jungen auf dem Revier gehabt, von denen einer massiv geschlagen wurde. Ich will Sie nicht unter Druck setzen, Frau Schumann. Ich will nur, dass Sie wissen, warum wir hier sind. Sie sind nicht die einzige Geschädigte und eine Aussage gegen Herrn Müller würde nicht nur Ihnen helfen sondern auch vielen Opfern, die vielleicht noch kommen mögen.“ Maren verzweifelte. Sie wusste, dass er Recht hatte, aber ihr fehlte die Kraft. „Bitte, Herr Meermann, ich kann nicht aussagen, selbst wenn ich wollte. Ich kann nicht.“

Auch Nils musste einsehen, dass sie hier nicht weiterkommen würden. Jedenfalls war im Moment nichts aus Maren Schumann heraus zu holen. „Also gut. Trotzdem danke, dass Sie Zeit für uns hatten. Wenn Ihnen noch etwas einfällt oder Sie Hilfe brauchen, hier ist meine Karte...“ Nils stand auf. „Komm, Melanie. Wir gehen. Einen schönen Tag noch Frau Schumann.“ Nils wollte eigentlich schnell zum Auto zurück, aber Melanie hielt ihn schon im Flur fest. „Warum gehen wir denn einfach?“ Sie schien ein wenig sauer. „Was sollen wir denn tun, Melanie? Ihr Handschellen anlegen und sie dann so lange in Beugehaft nehmen, bis sie endlich aussagt? Sie ist doch keine Schwerverbrecherin.“ „Aber sie deckt ihn.“ „Meinst Du wirklich, dass sie das freiwillig macht? Schau sie Dir doch an. Maren Schumann ist total traumatisiert. Wir sollten nichts von ihr fordern, was sie nicht kann.“

„Und dieser Fiesling kommt damit durch? Nils, das darf nicht sein!“ „Wir müssen uns eben einen anderen Weg zum Ziel suchen. Dass wir Maren Schumann nicht zu einer Aussage bewegen konnten, heißt ja nicht, dass wir den Fall aufgeben.“ Melanie gingen die Argumente aus und im Grunde sah sie ein, dass er Recht hatte. Bei Frau Schumann würden sie vorerst nicht weiterkommen. „Melanie, wir kriegen ihn schon dran.“ „Bist Du sicher?“ „Jedenfalls wäre es blöd, wenn wir jetzt aufgeben würden. Komm wir fahren erst mal zurück zum PK und schauen mal, ob wir an einer anderen Stelle vielleicht weiterkommen. Und außerdem kann ich dann heute vielleicht endlich mal wieder pünktlich Feierabend machen.“ „Pläne Meermann?“ „Neugierig Hansen?“ Nils lächelte vielsagend. „Na ja, nichts Großartiges. Anna und ich wollen Essen gehen. Wir haben schon so wenig Zeit füreinander. Ich freue mich schon." Die beiden stiegen ins Auto und machten sich auf den Weg ins PK.
Abseitsfalle - 20.09.2007, 19:44

Als Nils und Melanie zurück aufs PK kamen, merkten Sie sofort, dass etwas vorgefallen sein musste. Es dauerte auch nicht lange und Martin zitierte Nils in sein Büro. Auf seinem Schreibtisch lagen eine Dienstwaffe und ein Ausweis. „Kannst Du Dir vorstellen, was das zu bedeuten hat?“ Nils hatte eine böse Vorahnung. „Franzi?“ „Ja, sie ist nach dem letzten Einsatz hier aufgetaucht, hat wortlos ihre Sachen hier abgegeben und ist gegangen.“ „Und warum?“ „Ich hatte gehofft, Du könntest mir das sagen.“ Sein Ton wurde deutlich schärfer. „Martin, ich kann Dir nicht sagen, worüber Franzi und ich gesprochen haben. Meine Gründe solltest Du inzwischen kennen.“ „Nils!“ „Jetzt beruhig Dich doch mal. Im Moment ist Franzi sicher nicht diensttauglich und es ist gut, dass sie das selbst anscheinend einsieht. Ich habe jetzt gleich eh frei und werde mal zu ihr fahren. Dann schauen wir mal.“ „Nils das geht so nicht! Ich habe Dich gewarnt. Ich werde das so nicht mehr hinnehmen. Entweder Du sagst mir jetzt, was los ist oder...“ „Oder was?“ Nils hatte sich lange um eine Entspannung der Situation bemüht, aber nun platzte ihm der Kragen. Revierleiter Berger war von seinem plötzlichen Stimmungsumschwung verblüfft und sagte gar nichts. „Oder was, Martin? Du suchst Dir einen neuen Dienstgruppenleiter? Glaubst Du, dass ich davor Angst habe?“ „Traust Du mir nicht zu, dass ich den Mut habe, es durchzuziehen?“ Nils fühlte sich wie im falschen Film. „Martin, geht es hier um Machtspielchen oder willst Du wirklich etwas für Franzi tun?“ „Ich will vor allen Dingen die Kollegen schützen und da geht es eben erst in zweiter Linie um Einzelschicksale. Ihr Verhalten ist nicht hinnehmbar und Deines ebenso wenig. Nils Du lässt mir anscheinend keine Wahl. Ich werde Melanie kommissarisch zur neuen Leiterin der Dienstgruppe ernennen.“

Martin hatte erwartet, dass Nils irgendwie geschockt sein musste, aber es schien, als interessierte es ihn nicht mal. „Nils, hast Du verstanden, was ich gesagt habe.“ „Natürlich.“ „Aber es scheint Dich nicht besonders zu stören.“ „Warum sollte es? Als Du mich zum Dienstgruppenleiter gemacht hast, dachte ich ernsthaft, es würde Dir darum gehen, dass die Kollegen jemanden haben, an den sie sich in schwierigen Zeiten wenden können. Aber da habe ich mich wohl getäuscht. Wenn Du so wenig Vertrauen in meine Arbeit hast, dass Du mir beim allerersten größeren Konflikt die Dienstgruppenleitung wieder entziehst, dann hast Du es mir eh nicht wirklich zugetraut.“ „Nils, das stimmt nicht und das weißt Du.“ „Und woher soll ich das wissen? Eigentlich sollte es Dir doch um Franzi gehen, aber stattdessen verstrickst Du Dich in irgendwelche Machtspielchen, die Deiner Autorität eher schaden als nutzen.“ Berger schlug wütend auf den Tisch. „Natürlich geht es mir um Franzi. Ich bin aber auch noch für andere Kollegen verantwortlich. Hast Du vielleicht eine Ahnung, welches Risiko Boje eingegangen ist?“ Berger erzählte Nils von den Vorfällen an der Jugendherberge und redete sich nun richtig in Rage. „Was glaubst Du, was passiert wäre, wenn Boje und Franzi in einen Hinterhalt geraten wären und sie sich gegenseitig nicht unterstützt hätten? Nils, verdammt noch mal, hörst Du mir überhaupt zu?!“ Er war total in Gedanken gewesen und überhörte Berger völlig. „Martin, tut mir leid. Ich muss weg.“ „Nils!“ Martin tobte, aber Nils ging ohne zu zögern aus seinem Büro.

Draußen traf er auf Boje. „Hat Martin Dich informiert?“ Nils nickte und ging an ihm vorbei zu seinem Schreibtisch. „Nils, das geht so nicht. Wenn Franzi mich so im Stich lässt, hat das doch keinen Sinn. Ich muss mich auf sie verlassen können. Wenn sie mit dem Job nicht klar kommt, dann muss sie eben gehen.“ „Was regst Du Dich so auf? Das hat sie doch getan.“ Nils war wütend auf Boje. Er griff nach seinen Autoschlüsseln und ging. „Nils, warum bist Du denn jetzt so sauer?“ Nils drehte sich um und ging zurück. „Das kann ich Dir ganz genau sagen. Ich habe Dich gestern darum gebeten, auf Franzi aufzupassen. Bravo Boje, das hat ja prima funktioniert.“ sagte er zynisch und ging. Melanie hatte alles mit angehört und lief ihm hinterher. „Nils, warte doch. Boje hat Recht. So kann das nicht laufen mit Franzi.“ „Schön, dass Ihr beiden Euch da so einig seid.“ Er ging weiter und ließ sie stehen. „Na prima und ich darf wieder alle Berichte schreiben oder wie?“ „Dann lass sie halt liegen. Ich mache das morgen schon. Keine Sorge, Frau Dienstgruppenleiterin“

Dann stürmte Nils aus dem PK. „Wie hat er das denn jetzt gemeint?“ Melanie schaute Boje fragend an, der seinerseits mit den Schultern zuckte. Keiner der beiden hatte eine Idee, was das bedeuten sollte. „Melanie, kommst Du bitte mal in mein Büro?“ Berger stand plötzlich hinter ihnen. „Klar Martin, was gibt es denn? Hat es mit Nils zu tun?“ „Darüber reden wir besser unter vier Augen.“ Er hielt ihr die Tür zu seinem Büro offen und schloss sie dann hinter sich.
Abseitsfalle - 20.09.2007, 22:03

Nils hatte den Streit mit Boje und Melanie schnell hinter sich gelassen. Die Sorge um Franzi war größer. Der Anblick des Vergewaltigungsopfers musste sie ziemlich geschockt haben. Er hoffte, dass sie zu Hause war. Nils klingelte bei Franzi und war erleichtert, als sie ihm öffnete. Er sah sofort, dass es ihr richtig schlecht ging. „Franzi, ich hab gehört, was passiert ist. Warum hast Du mich nicht angerufen?“ Sie sagte nichts, sondern fiel ihm nur um den Hals. Nach einiger Zeit wurde es ihr allerdings unangenehm, mit Nils so offen im Hausflur zu stehen.

„Willst Du vielleicht reinkommen?“ „Warum nicht.“ Nils betrat ihr kleines Zwei-Zimmer Appartement. Sie war nett eingerichtet. Franzi führte ihn ins Wohnzimmer und holte dann ein paar Getränke aus der Küche. Sein Handy klingelte. „Oh Entschuldigung.“ „Schon gut.“ Nils zog es heraus und sah, dass Melanie versuchte, ihn zu erreichen. Er drückte den Anruf weg und schaltete sein Handy aus. „Du kannst aber ruhig dran gehen.“ „ Ich glaube, es ist besser, wenn ich das Gespräch auf morgen verschiebe.“ Dann saßen sich beide gegenüber und schwiegen. Minutenlang sagte keiner der beiden etwas. Nils wollte sie nicht bedrängen und Franzi suchte ihrerseits nach den richtigen Worten, um ihre Situation zu erklären. „Ich hätte gar nicht erst arbeiten dürfen.“ Irgendwann fing sie doch an zu erzählen. „Als ich dieses Opfer gesehen habe, konnte ich gar nichts mehr machen. Weißt Du eigentlich, wie es ihr geht?“ „Es soll sehr schlecht aussehen. Mehr weiß ich aber nicht.“ Franzi wurde kreidebleich. Einen Moment schwieg sie und versuchte sich zu fangen. „Nils, es ist besser, wenn ich den Job aufgebe. Ich kann das nicht mehr.“ „Franzi das ist Unsinn. Du bist eine sehr gute Polizistin und wahrscheinlich viel besser als Du selbst denkst. Es ist doch kein Wunder, dass Du in diesem Fall ein Problem hast. Was meinst Du, wie es mir in den ersten Tagen nach der Attacke in diesem Kellergewölbe ging. Ich war total neben der Spur. Und als dieses Mädchen dann plötzlich mit dem Messer vor mir stand. Ich wusste gar nicht, was ich machen sollte. Alles war wieder da, der Schmerz, die Angst. Franzi das ist ganz normal. Wir sind doch auch nur Menschen.“ „Aber Boje hat Recht. Ich habe versagt und das darf nicht passieren.“ „Boje würde das aber anders sehen, wenn er wüsste, was Dir passiert ist.“ „Du willst doch wohl nicht, dass...“ „Nein Franzi. Aber Du solltest Dich in seine Lage versetzen. Er kann die Situation nicht beurteilen, weil er nicht alle Fakten kennt. Und deswegen solltest Du Dich davon nicht so abschrecken lassen. Ich würde Dich nur um eines bitten.“ „Und das wäre?“ „Geh zu einem Arzt und lass Dich krank schreiben. Du bist nicht diensttauglich und damit wärst Du auf der sicheren Seite. Wenn Du willst, frage ich Anna mal.“ „Das wäre nett.“

Anna! Nils schaute auf die Uhr. „Mist schon so spät. Ich war doch mit Anna zum Essen verabredet. Sie wartet sicher schon. Also dann, ich muss los.“ „Willst Du wirklich so bei Anna auftauchen?“ Franzi musste ein wenig schmunzeln. Nils schaute an sich herunter und ihm wurde erst jetzt bewusst, dass er immer noch seine Uniform trug. „Na ja, das kann ich jetzt wohl nicht mehr ändern.“ Er verabschiedete sich von Franzi und machte sich auf, um Anna zu treffen.
Abseitsfalle - 21.09.2007, 16:40

Melanie, Boje und Wolle hatten nach der Schicht entschieden, noch auf ein Bier zusammen wegzugehen. Die Nachricht, dass Berger Nils von seinem Posten entbunden hatte und Melanie vorläufig zur Leiterin der Dienstgruppe gemacht hatte, war für alle ein Schock gewesen. „Ich gehe da morgen hin und sage Berger, dass ich es nicht machen werde.“ „Und dann? Melanie, Du glaubst doch nicht wirklich, dass Berger sich davon umstimmen lässt. Es liegt nicht an Dir. Das ist ne Sache zwischen Nils und Martin.“ „Du hast ja Recht, Wolle. Aber ich fühl mich so beschissen. Ich will den Posten doch gar nicht.“ „Tja stimmt, so eine Position ist auf dem Weg zur Kripo nur hinderlich. Schade Melanie, aber Du wirst uns wohl oder übel noch etwas erhalten bleiben.“ Boje versuchte die gedrückte Stimmung mit ein wenig Humor aufzuheitern. „Deine Scherze waren auch schon mal besser und vor allen Dingen nicht so deplatziert wie dieser. Mensch Boje, es geht um Nils.“ Wolle war ebenfalls nicht begeistert von Bojes Humor. „Melanie hat Recht. Es kann doch echt nicht sein, dass Berger da einfach so einen Schnitt macht. Welchen Fehler soll Nils sich denn erlaubt haben, dass so etwas gerechtfertigt wäre.“

„Na ja, es kann eigentlich nur mit Franzi zu tun haben.“ Boje und Wolle waren ein wenig erstaunt. „Wie meinst Du das denn?“ „Na ja, dass Nils letztens aus der Einsatzbesprechung gestürmt ist, habt Ihr doch selbst gesehen. Danach hat es mehrmals zwischen Berger und ihm gekracht und immer ging es irgendwie um Franzi. Ich weiß nicht, was da läuft.“ „Franzi scheint irgendein dickes Problem zu haben.“ Boje war genervt. „Fängst Du auch noch mit dieser Nummer an, Wolle? Franzi hat ein Problem und das besteht darin, dass sie zu weich für diesen Job ist.“ Wolle verdrehte die Augen. Wie konnte er nur so ignorant sein. „Genau Boje. Daran wird es liegen. Sag mal, hast Du in den letzten Tagen auch nur einmal wirklich auf Franzi geachtet?“ Boje wollte gerade zu einer Antwort ansetzen, als Melanie ihn unterbrach. „Boje, bitte! Wolle hat Recht. Da muss irgendetwas passiert sein. Nils hat heute im Wagen schon so eine Andeutung gemacht.“ „Was meinst Du?“ „Na ja, sie hat ihn anscheinend irgendwie ins Vertrauen gezogen und Berger hat ihn wohl ziemlich unter Druck gesetzt, weil Nils ihm nichts davon erzählen wollte.“ „Und Du meinst, dass die Degradierung nun damit zu tun hat, dass er sich geweigert hat?“ „Da bin ich mir ziemlich sicher. Ich rede morgen einfach noch mal mit ihm. Hoffentlich ist er auf mich jetzt nicht sauer.“

Die drei bestellten noch eine Runde und versuchten, an andere Dinge zu denken.
Abseitsfalle - 22.09.2007, 00:49

Nils brauchte nicht lange, bis er an dem Restaurant angekommen war, in dem er mit Anna verabredet war. Glücklicherweise fand er direkt vor der Tür einen Parkplatz. Nils beeilte sich. Er war 20 Minuten zu spät und hoffte, dass Anna nicht schon gegangen war. Erleichtert sah er sie dort sitzen. Aber sie war nicht allein. Rainer – ihr Ex-Mann – saß mit ihr am Tisch. Die beiden schienen sich prächtig zu amüsieren. Nils betrachtete sie eine Weile. Warum saß Anna dort mit ihm? Und warum waren sich die beiden so vertraut? „Kann ich Ihnen vielleicht helfen?“ Nils hatte den Kellner gar nicht bemerkt, der ihn wegen seiner Uniform ein wenig kritisch betrachtete. „Ähm, nein danke. Ich bin hier verabredet und habe die Dame schon gefunden.“

Nils ging zwischen den Tischen entlang zu Anna und Rainer. „Wie siehst Du denn aus?“ war Annas wenig freundliche Begrüßung. Nils war sein Aufzug auch unangenehm. „Tut mir leid. Es war heute ein ziemlich stressiger Tag. Hat alles länger gedauert als geplant. Aber zum Glück hast Du Dich ja prima amüsiert.“ war Nils' spitze Antwort. „Na ja, Anna, was soll's? Hemd und Krawatte sind doch ein passendes Outfit.“ war Rainers süffisante Bemerkung, über die er selbst sich am meisten amüsierte. „Komm setz Dich. Die Leute schauen schon.“ Anna war die Sache fast schon peinlich, was Nils nur noch wütender machte. Er setzte sich zu den beiden an den Tisch. Sie redeten über alte Zeiten und mussten immer wieder lachen. Rainer machte Anna Komplimente und sie schien das sehr zu genießen. Nils war immer unzufriedener mit der Situation. Er fühlte sich wie das dritte Rad am Wagen. Warum waren sie zum Essen verabredet, wenn Anna dann doch nur Augen für Rainer hatte? „Möchten Sie schon etwas zu trinken bestellen?“ Schon wieder riss ihn der Kellner aus seinen Gedanken und reichte ihm die Karte. „Ach so, ja... oder nein doch nicht. Ich kann eh nicht bleiben. Vielen Dank.“ Anna drehte sich irritiert Nils zu. „Was soll das denn?“ „Ich will einfach nur nicht weiter stören. Einen schönen Abend noch.“ Nils stand auf und ging. „Ist der immer so?“ fragte Rainer verblüfft. „Mist.“ Anna sprang auf und lief ihm hinterher. „Nils warte doch!“ Vor dem Restaurant blieb er stehen.

„Nils bitte komm wieder mit rein.“ „Warum? Damit Ihr mir weiter beweisen könnt, wie gut Ihr Euch versteht? Anna ich hatte einen richtigen Sch****tag. Ich brauche das echt nicht. Oder stellst Du Dir das unter einem schönen Abend zu zweit vor?“ „Was sollte ich denn machen? Er war auf einmal da.“ „Ja, was solltest Du machen? Und er ist natürlich auch um so Vieles perfekter als ich.“ Nils blickte an sich herunter. Es war ihm selbst am peinlichsten, sich nicht umgezogen zu haben. „Weißt Du was Anna, mir geht es echt besch*****, mein Tag war grauenhaft und ich hätte Dich echt gebraucht. Aber das scheint ja im Moment zu viel verlangt zu sein. Am besten gehst Du wieder rein und lässt ihn nicht warten. Das ist sicher amüsanter als mit mir.“ Dann ließ er sie einfach stehen. „Nils“ Anna klang ein wenig verzweifelt, aber er reagierte gar nicht auf ihren Ruf. Schon war er um die nächste Ecke verschwunden.

Anna war immer noch ein wenig sauer. Er kam zu spät und hatte sich nicht einmal umgezogen. Andererseits schien es ihm wirklich nicht gut zu gehen. Und sie konnte sich auch vorstellen, dass Rainers Anwesenheit nicht gerade Jubelstürme bei Nils entfacht hatte. Dann entschied sie sich, zu Rainer zurückzugehen. „Und? Ist er sauer?“ „Ach lass uns von etwas anderem reden.“ Anna blieb noch eine ganze Zeit mit Rainer in dem Restaurant. Die lockere und gelöste Stimmung war allerdings verschwunden. Immer wieder musste Anna an Nils denken. Am liebsten wäre sie sofort nach Hause gefahren, aber sie fühlte, dass er sich erst abreagieren müsste.
Abseitsfalle - 22.09.2007, 12:57

Nils war einfach fertig. Das war nicht sein Tag. Der riesige Streit mit Berger, der ihn als Dienstgruppenleiter abgesetzt hatte, dann war er noch mit Melanie und Boje aneinander geraten, um Franzi machte er sich mehr Sorgen denn je und zum Schluss wollte Anna ihren Abend offensichtlich lieber mit ihrem Ex-Mann verbringen. Dabei hätte er sie gerade heute wirklich gebraucht. Nils ging direkt in die Küche. Er holte sich eine Flasche Bier aus dem Kühlschrank und setzte sich an den Küchentisch. Damit würde er den Frust des Tages herunter spülen. Plötzlich ging die Tür zu Oles Zimmer auf. „Wolltest Du nicht mit Mama Essen gehen?“ „Eigentlich schon, aber das ist nicht ganz so gut gelaufen. Ich will jetzt eigentlich nur noch schlafen gehen.“ Ole wusste, dass er auch schon im Bett sein sollte und wurde ganz verlegen, auch wenn Nils dazu gar nichts gesagt hatte. „Ich geh auch gleich ins Bett.“ „Schon gut, Ole. Kein Stress.“ „Ist wirklich alles in Ordnung?“ Nils kam Ole irgendwie komisch vor, er konnte aber nicht sagen, woran das lag. „Jaja, ich bin nur müde. Und bei Dir? Wie geht es Deinem Arm?“ „Schon besser. Blaue Flecken kriegt man doch auch beim Fußball.“ Nils musste schmunzeln. „Du Nils?“ „Ja?“ „Werden die uns bald auch so verfolgen wie Alexander?“ „Ich weiß es nicht, Ole. Aber Anna und ich sind ja für Dich da. Und außerdem sind wir den Tätern ja auf der Spur. Mach Dir keine Sorgen. Bald haben wir sie und dann ist es vorbei.“ „Okay.“

Erleichtert verschwand Ole wieder in seinem Zimmer. Auf dem Weg ins Bad kam Nils daran vorbei und entdeckte das kleine Schild an seiner Türklinke. Anna hatte es einmal auf einem Lehrgang aus dem Tagungshotel mitgehen lassen, nachdem Ole sich massiv beschwert hatte, dass sie einfach so in sein Zimmer kam. Wenn er allein sein wollte, hängte er es einfach mit der roten Seite an seine Klinke. „Do not disturb“ war dann für Anna und Nils das eindeutige Zeichen, ihn erst mal nicht zu stören. Das war vor allen Dingen wichtig gewesen, als die beiden frisch verliebt waren und Ole mit der Beziehung nichts anfangen konnte. Sie hatten gemerkt, dass es besser war, dem Jungen dann seine Ruhe zu lassen und die Einführung des Schildes hatte die Beziehung doch deutlich entspannt. Mittlerweile brauchte er es praktisch gar nicht mehr. Nils griff danach. „Kann ich mir das mal ausleihen?“ Ole war ein wenig überrascht. „Klar, aber wofür brauchst Du es denn?“ „Nicht so wichtig? Gute Nacht und mach nicht mehr ganz so lange, ja?“ „Alles klar.“

Als Anna nach Hause kam, bemerkte sie das rote Schild sofort an der Wohnzimmertür. Schlief Franzi etwa wieder hier? Leise öffnete sie die Tür zum Schlafzimmer, um Nils nicht zu wecken. Aber er schlief gar nicht dort. Seine Seite des Bettes war komplett leer. Im ersten Moment ärgerte sie sich maßlos und ging schnellen Schrittes zum Wohnzimmer, blieb dann aber doch vor der Tür stehen. Sie überlegte eine ganze Weile, ob sie trotzdem hineingehen sollte. Hatte sie ihn wirklich so sehr verletzt? Rainer war nun mal Oles Vater und Teil ihres Lebens. Das musste Nils doch akzeptieren. Sie entschied sich, das Gespräch darüber auf den nächsten Tag zu verschieben.

Nils hatte ihren Schatten durch die Glastür gesehen. Einerseits wünschte er sich nichts mehr, als dass sie einfach nur hereinkam und sie beide diesen blöden Streit beendeten. Andererseits war er nicht grundlos ins Wohnzimmer gezogen. Er hatte sich den Abend anders vorgestellt. Bei Ole ins zweite Glied rücken zu müssen, fiel ihm schon schwer genug. Bei Anna würde er dieses Spiel nicht mitmachen.
Abseitsfalle - 22.09.2007, 20:45

Musik

Am nächsten Morgen stand er früh auf und ging zwei Stunden eher als notwendig zur Arbeit. Anna und Ole schliefen beide noch. Er wollte beiden aus dem Weg gehen und den Tag nicht mit einem großen Streit beginnen. Und vor allen Dingen wollte er nicht, dass Ole allzu viel davon mitbekam. Nils entschied sich, seinen Wagen stehen zu lassen und zu Fuß zu gehen. Auf dem Weg dachte er über seine Zukunft nach. Wie würde es auf dem PK nun ablaufen mit Melanie als Dienstgruppenleiterin? Nils war nach wie vor von seinem Verhalten überzeugt. Wenn Berger ihm diese Loyalität zu seinen Kollegen nicht eingestehen würde, dann würde er gern darauf verzichten, mit allen Konsequenzen. Und Anna? Sie war im Moment sein eigentliches Problem. Sie waren so glücklich miteinander gewesen, aber seit Oles Vater aufgetaucht war, fiel dieses Glück wie ein Kartenhaus in sich zusammen. Als er auf dem Revier ankam, setzte er sich an die Berichte, die am Vortag liegen geblieben waren. So vermied er weiteren Ärger mit Melanie und konnte sich gut ablenken.

Annas erster Weg nach dem Aufstehen führte ins Wohnzimmer. Sie wollte in Ruhe mit Nils reden. Umso erstaunter war sie, dass er gar nicht mehr da war. Sein Bettzeug lag ordentlich über der Sofalehne und war der einzige Beweis dafür, dass er heute hier geschlafen hatte. Anna musste sich erst mal setzen und tief durchatmen. Sie hatte die Situation völlig anders eingeschätzt. Erst jetzt wurde ihr bewusst, dass sie die Sache ernster nehmen musste, wenn sie Nils nicht verlieren wollte. Dann ging sie in die Küche und machte Frühstück.

Kurze Zeit später kam Ole verschlafen aus seinem Zimmer. „Oh, hat der Wecker heute funktioniert.“ „Haha, sehr witzig.“ Ole war mal wieder ein richtiger Morgenmuffel. „ Ist Nils noch im Bad?“ Anna hatte Mühe, die Fassung zu wahren. „Nein, Du kannst reingehen. Nils ist schon zur Arbeit.“ Ole dachte sich wenig dabei. Er war immer noch gar nicht richtig wach. Anna schaute aus dem Fenster. Sein Wagen stand noch vor der Tür. Sie machte sich keine wirklichen Sorgen, dennoch kam die Situation ihr komisch vor.

Als Ole aus dem Bad kam, saß Anna schon am Tisch und trank Kaffee. „Warum war Nils denn gestern viel eher da als Du? Habt Ihr etwa Streit?“ „Nein“, log Anna „Nils war einfach nur müde. Er hatte einen anstrengenden Tag. Und ich hab noch eine alte Freundin getroffen.“ „Und deswegen hat er auf dem Sofa geschlafen und wollte nicht gestört werden?“ Anna versuchte weiter, ihre Lüge vor Ole aufrecht zu erhalten. „Ole es ist wirklich alles in Ordnung. Er war eben müde und wollte nicht, dass ich ihn später noch wecke. Das ist alles.“ Ole überzeugte das nicht wirklich, aber er fragte nicht weiter nach. Anna kam sich komisch dabei vor, dass sie ihren Sohn anlog. Aber hätte er es denn verstanden, wenn sie ihm die Wahrheit erzählt hätte? „Ich muss jetzt auch zur Arbeit. Trödel bitte nicht wieder so lange, sonst kommst Du zu spät zur Schule.“ „Mama, Du kennst mich doch.“ Maulte Ole. Anna lächelte. „Eben deswegen.“ Sie gab ihm noch einen Kuss auf die Wange und machte sich dann auf den Weg ins EKH.
Abseitsfalle - 23.09.2007, 14:41

Melanie wunderte sich ein wenig, dass Nils schon da war. Sein Auto stand nicht vor der Tür und es war auch noch ziemlich früh. „Nanu? Schon da Meermann?“ „Ich hab doch gesagt, ich schreibe die Berichte.“ Seine Antwort war ein wenig unterkühlt. „Nils wegen gestern...“ „Schon gut, ich bin nicht mehr sauer.“ Das hörte sich zwar nicht so an, aber Melanie war ein derartiger Waffenstillstand lieber als ein weiterer Streit. Nils würde sich bestimmt bald beruhigen.

Plötzlich ging sein Handy. Nils verdrehte die Augen, weil er befürchtete, dass Anna mit ihm reden wollte. Aber das war nicht Annas Nummer im Display. „Meermann?“ „Hallo?“ Er hörte eine weibliche Stimme am anderen Ende der Leitung. Sie klang sehr schwach. „Wer spricht denn da bitte?“ „Er belästigt mich wieder. Es wird nicht aufhören. Ich kann nicht mehr... ich will nicht mehr.“ Plötzlich erkannte Nils die Stimme. „Frau Schumann?“ Niemand meldete sich. „Frau Schumann, können Sie mich hören?“ Melanie hatte alles mitbekommen und beobachtete die Situation gespannt. „Frau Schumann, bleiben Sie, wo Sie sind. Wir sind gleich bei Ihnen.“ Nils und Melanie eilten aus dem PK, sagten nur Wolle, wo sie waren. Im Flur begegneten sie Martin Berger. „Wo wollt Ihr denn hin? Gleich ist Einsatzbesprechung!“ „Keine Zeit“ mehr konnte Melanie in der Eile nicht sagen und Nils hatte momentan sowieso keinen Gesprächsbedarf.

Sie sprangen ins Auto und Nils trat aufs Gas. „Meinst Du wirklich, sie tut sich etwas an?“ Melanie war von Nils' Eile ein wenig überrascht. „Sie klang so, als hätte sie das schon getan.“ „Was meinst Du?“ „Sie wirkte ziemlich abwesend, so als sei sie nicht mehr richtig bei Bewusstsein.“ „Sicher?“ „Nein, aber ich befürchte es. Sie sprach davon, dass sie nicht mehr könne und wolle. Ich mache mir echt Sorgen.“ Nach ein paar Minuten waren sie an dem Mietshaus angelangt, in dem die Wohnung von Maren Schumann lag. Nils klingelte und klopfte energisch an die Wohnungstür. „Frau Schumann, machen Sie bitte auf. Frau Schumann, hören Sie mich? Hier ist die Polizei.“ Wieder klopfte er an, aber es passierte nichts. Beherzt trat Nils die Tür ein und die beiden stürmten in die Wohnung. Zuerst fanden sie nichts, bis Nils im Bad nachschaute. Dort lag Maren mit aufgeschnittenen Pulsadern. Überall war Blut. „Melanie! Schnell! Ruf einen RTW und bring mir den Verbandskasten aus dem Auto.“ Geistesgegenwärtig griff Nils nach zwei Handtüchern und wickelte sie so fest er konnte um Marens Handgelenke.
Abseitsfalle - 23.09.2007, 22:24

Nils presste die blutgetränkten Handtücher fest auf Maren Schumanns Wunden. Es musste jetzt schnell gehen. Er war sehr erleichtert, als Melanie endlich mit dem Verbandskasten wieder da war. „Die Rettung ist gleich da. Wie sieht es aus?“ „Nicht gut, sie muss schnell ins Krankenhaus. Zieh Dir Handschuhe an und halt dann mal bitte.“ Nils ließ Melanie auf die Handgelenke drücken, während er sich auch Handschuhe anzog und den Verbandskasten öffnete. Dann legte er Maren Schumann einen Druckverband an. Anna hatte ihm das immer wieder gezeigt und jetzt saß jeder Handgriff perfekt. Als Philipp und Malte eintrafen, waren die Blutungen fürs Erste gestoppt.

„Mensch Nils, unser Job wird echt langweilig, wenn Du uns immer die ganze Arbeit abnimmst.“ „Haha, ich denke, es bleibt noch genug Arbeit für Euch übrig.“ war Nils' wenig freundliche Antwort an Philipp Haase. Melanie sah ihrem Kollegen den Schock deutlich an. Sie zog ihn aus dem Bad. „Was ist denn mit Dir los?“ Nils wischte sich den Schweiß von der Stirn und lehnte sich erschöpft an die Wand. „Wir hätten mehr tun müssen. Du hattest Recht. Wir hätten nie und nimmer so einfach gehen dürfen.“ „Nils mit Vorwürfen kommst Du jetzt auch nicht weiter. Und außerdem hast Du doch alles richtig gemacht. Sie hätte gestern nicht mit uns geredet, das mussten wir akzeptieren. Das hast Du selbst gesagt.“ „Ja, das habe ich, aber ich hab mich verdammt noch mal geirrt!“ schrie er. Melanie sah nun die Angst in seinen Augen und hatte in etwa ein Gefühl dafür, wie er sich jetzt fühlen musste. „Nils, beruhig Dich doch. Wir haben alles getan und Maren Schumann hätte gestern nie und nimmer ausgepackt. Und selbst wenn. Wer sagt Dir, dass sie sich danach nicht doch die Pulsadern aufgeschnitten hätte? Nils sie hat Dich angerufen. Das hätte sie nicht getan, wenn sie Dir nicht zumindest ein wenig vertrauen würde.“ „Wenn Du meinst.“ Nils spürte wie sich der Schock langsam legte. Das Gefühl der Ohnmacht wurde so langsam schwächer. Dennoch machte er sich weiter pausenlos Vorwürfe und überlegte, wie er das alles hätte verhindern können. Daran hatten auch Melanies gut gemeinte Worte nichts ändern können.

Maren wurde auf einer Trage aus dem Zimmer getragen. Nils stand der Schock noch immer ins Gesicht geschrieben. „Nils, mach' Dir mal keine Sorgen. Es sieht ganz gut aus.“ Malte hatte bemerkt, wie sehr Nils das Schicksal der jungen Frau mitgenommen hatte. „Wir bringen sie ins EKH, Melanie.“ „Alles klar.“ Sie hatte immer noch Mühe Nils aufzurichten. Er stand im Flur und schaute nur zu. „Komm Meermann, hier ist unser Job erledigt. Wir fahren auch ins Krankenhaus und schauen, was mit ihr ist.“ Sie schlossen die Wohnungstür ab und gingen zum Einsatzwagen.

***************

Im EKH warteten die beiden darauf, dass es endlich Neuigkeiten von Maren Schumann gab. Je länger sie warten mussten, desto nervöser wurde Nils. Nach fast endloser Zeit kam Anna aus dem Behandlungsraum. Nils sprang auf und wollte auf sie zugehen, um dann doch stehen zu bleiben. Irgendetwas schien ihn zurück zu halten. Melanie registrierte das auch. Gab es Probleme zwischen den beiden? Anna wirkte auch ein wenig gehemmt. Dann fasste Nils sich doch ein Herz. „Anna, wie geht es ihr?“ „Sie schafft es, aber sie ist wirklich sehr schwach. Der Blutverlust war enorm. Ohne die gute Erstversorgung wäre sie wahrscheinlich verblutet.“ „Tja, da kannst Du Dich gleich hier bei ihrem Retter bedanken.“ Melanie zeigte dezent auf Nils, dem das gar nicht Recht war. „Ich hab schon davon gehört. Malte und Philipp waren schwer begeistert.“ Nils ignorierte Annas Worte völlig. „Können wir sie sprechen?“ Er versuchte, das Thema zu wechseln. Außerdem würde er sich erst wirklich entspannen können, wenn er sie gesehen hatte.

Anna schüttelte den Kopf. „Nein, tut mir leid. Sie ist noch viel zu schwach. Wenn alles gut geht, könnt Ihr sie morgen sprechen. Heute geht das aber nicht.“ Sie merkte auch, wie schockiert Nils immer noch war. Er war regelrecht abwesend. „Was ist denn mit ihr überhaupt los?“ Sie schaute ihn an, aber er war immer noch in Gedanken. Melanie schaltete sich ein. „Die Frau hat damals auch Anzeige gegen den Kaufhausdetektiv Müller erstattet, der Ole gestern so bedrängt hat. Das Verfahren wurde aber damals eingestellt. Gestern wollte sie erst mit uns reden, hat es sich aber dann doch wieder anders überlegt. Na ja und heute hat sie sich die Pulsadern aufgeschnitten. Dann hat sie Nils angerufen.“

Anna hatte in etwa eine Ahnung, wie Nils sich fühlen musste. Sie kannte ihn gut und wusste, dass ihn solche Fälle nur selten kalt ließen. „Nils, es wird alles wieder gut werden. Dank Deiner ersten Hilfe hat sie es überlebt.“ Sie griff nach seiner Hand und wollte ihn beruhigen. „Mach Dir keine Sorgen. Sie wird durchkommen und das hat sie Dir zu verdanken. Es wird alles gut.“ Aber Nils blieb abweisend und zog seine Hand zurück. Bewusst vermied er jeglichen Blickkontakt mit Anna. „Okay, dann kommen wir morgen wieder.“ Er machte sich auf den Weg zum Ausgang. Anna sah Melanie fragend an, die ihrerseits nur mit den Schultern zucken konnte, und lief dann Nils hinterher. „Nils warte! Geh doch nicht so einfach.“ Er blieb stehen und drehte sich um. „Ist noch etwas mit Frau Schumann?“ „Nein, aber mit uns. Wegen gestern...“ Nils verdrehte die Augen. „Anna, was gibt es denn da zu reden? Willst Du mir erzählen, wir gut es Dir mit Rainer gefallen hat? Ich hab schon genug eigene Probleme, das brauche ich nicht auch noch.“ Dann ließ er sie stehen. Anna drehte sich Melanie zu. „Was meint er denn mit Problemen?“ „Er hatte gestern einen richtig dicken Streit mit Berger. Danach hat er ihn von seinem Posten als Dienstgruppenleiter entbunden. Es hängt irgendwie mit Franzi zusammen. Mehr weiß ich auch nicht. Er redet ja nicht drüber.“ „Was?“ Anna war schockiert. In einiger Entfernung öffnete sich die Tür zur Notaufnahme und der nächste Patient kam rein. „Hast Du das etwa nicht gewusst?“ Anna schüttelte den Kopf. Sie konnte sich das nicht erklären. Doch dafür war jetzt keine Zeit. Der eingelieferte Patient brauchte sie.

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Melanie folgte Nils, der vor dem EKH auf sie gewartet hatte. „Hey Meermann. Was ist denn los?“ „Nicht so wichtig.“ Er stieg ins Auto ein. „Nicht so wichtig?“ Melanie hatte die Tür geöffnet und blickte ungläubig ins Einsatzfahrzeug. „Du lässt Anna total abblitzen, erzählst ihr kein Wort von Deiner Degradierung und dann soll es nicht so wichtig sein? Das kannst Du mir nicht erzählen.“ „Melanie, ich will nicht drüber reden, klar? Können wir dann fahren?“ „Natürlich“ Sie stieg ein und fuhr zurück zum PK.
Abseitsfalle - 24.09.2007, 20:47

Musik

In der Mittagspause saß Anna vorm EKH. Aus dem Krankenhaus herauszukommen war an manchen Tagen unheimlich wichtig und wenn es so ruhig war wie heute, leistete sie sich gerne diesen Luxus. Sie setzte sich und biss in einen Apfel. Von der Bank aus konnte sie die Dachspitze des PK 21 sehen. Sie dachte an Nils und den gestrigen Abend. Er hatte sie gebraucht und sie hatte ihn auflaufen lassen. Es war wirklich alles schief gelaufen. „Anna?“ „Franzi! Was machst Du denn hier?“ „Na ja, ich hab da ein Problem...“ Franzi wusste nicht, wie sie anfangen sollte. Sie setzte sich neben Anna. „... ich glaube, Du weißt ungefähr worum es geht oder?“ Anna nickte und Franzi war erleichtert, dass sie keine Details preisgeben musste. „Ich kann so einfach nicht mehr arbeiten. Es ist die Hölle. Nils hat mir geraten, mich krank schreiben zu lassen. Er meinte, dass Du vielleicht...“ „Klar, kein Problem. Aber ich brauch' dafür noch ein paar Informationen. Lass uns mal reingehen.“ Anna stand auf, aber Franzi blieb sitzen und schaute etwas verzweifelt. „Keine Angst, Du musst mir nichts darüber erzählen, es geht nur um ein paar Formalitäten. Und Deine Kollegen werden auch nichts erfahren. Das läuft alles sehr diskret.“ Franzi war erleichtert und folgte ihr ins Gebäude.

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Nils stand vorm PK und blickte auf den Hafen hinaus. Immer wieder schweifte sein Blick ab und er betrachtete das Logo des EKH. Wie es Maren Schumann wohl ging? Warum war sie so verzweifelt, dass sie sich umbringen wollte? Er konnte sich das nicht erklären. Auch wenn er ihr am Ende das Leben gerettet zu haben schien, konnte das Nils nicht aufmuntern. Er musste an Franzi denken. War sie ebenfalls gefährdet? Würde sie sich auch etwas antun? Nils griff nach seinem Handy und wählte ihre Nummer. „Ja?“ „Hi Franzi, ich bin's Nils. Ich wollte mal hören, wie es Dir geht.“ „Alles so weit in Ordnung. Bin gerade bei Anna im EKH. Du hattest Recht. Ich sollte mich krank schreiben lassen.“ Anna! Er musste an seinen Streit mit ihr denken und wie unangenehm ihm die Begegnung heute Morgen gewesen war. Nils hatte keine Ahnung, wie es mit ihm und Anna weitergehen sollte. „Bist Du noch da, Nils? Nils?“ Franzi riss ihn aus seinen Gedanken. „Ja, entschuldige. Ich bin noch da. Gut, dass Du es jetzt regelst. Ich melde mich einfach später noch mal bei Dir.“ „In Ordnung. Soll ich Dir Anna noch mal geben.“ „Ähm, nein danke, ist nicht nötig. Außerdem muss ich auch weiter. Mach's gut Franzi.“ Hastig legte Nils auf. Er wollte und konnte im Moment nicht mit Anna reden.

Franzi schaute ungläubig ihr Handy an. „Was ist denn mit dem los?“ „Was meinst Du?“ Anna versuchte diesem Gespräch aus dem Weg zu gehen und tat als könne sie sich das auch nicht erklären. „Erst ist er total in Gedanken und dann will er nicht mit Dir reden.“ Anna beschäftigte sich mit dem Papierkram. „Sicher wieder ein Einsatz. Ich schreibe Dich erst mal zwei Wochen krank. Du solltest aber wirklich psychologische Hilfe in Anspruch nehmen. Wenn Du willst, kann ich Dir eine Kollegin empfehlen. Hier ist ihre Karte.“ Franzi nahm die Karte an. „Danke, ich werde es mir überlegen. Und was geschieht jetzt noch?“ „Ich leite die Krankmeldung an Euren Chef weiter und dann hast Du erst einmal Ruhe.“ „Und Nils? Habt Ihr wegen mir Ärger?“ Franzi befürchtete, dass er wegen so komisch war und wollte es nun genau wissen.

„Was meinst Du?“ „Na ja, Er war doch gestern nach dem Dienst noch bei mir. Und dann hat er glatt seine Verabredung mit Dir vergessen.“ „Er war bei Dir?“ Franzi war ein wenig verwundert. „Hat er das nicht erzählt? Ich hab gestern den Job geschmissen. Deswegen auch die AU. Ich habe bei einem Einsatz richtig versagt. Was ist denn überhaupt zwischen Euch los? Du bist auch so komisch.“ „Unsere Verabredung ist ziemlich schief gelaufen. Mein Ex-Mann ist dort auch aufgetaucht und ich saß mit ihm am Tisch, als Nils rein kam. Er hat das nicht sehr sportlich genommen.“ Anna fragte sich, warum sie das Franzi alles erzählte. Aber in ihr stieg immer stärker die Erkenntnis auf, dass sie am Vorabend Einiges verbockt hatte. Die Sorge um Franzi, die Probleme an der Arbeit. Sie hätte wirklich für Nils da sein müssen. „Ist es denn ein Wunder?“ Anna schaute Franzi fragend an. „Wie jetzt?“ „Na ja, wenn Nils dort mit seiner Ex gesessen hätte, Du hättest auch ziemlich sparsam aus der Wäsche geschaut.“ „Aber das ist doch etwas anderes. Rainer ist Oles Vater.“ „Und was hat das mit Dir und Nils zu tun?“ Anna konnte darauf nichts antworten.

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In dem Moment kam Malte ins Zimmer. „Franzi!“ Sie war mit einem Mal wieder total verschlossen. „Was willst Du denn hier?“ Der Angstschweiß stieg ihr auf die Stirn. Anna merkte das und machte sich Sorgen. Irgendetwas war zwischen den beiden nicht in Ordnung. „Ich will einfach nur mit Dir reden.“ Malte wirkte ratlos und hilflos. „Ich... ich hab keine Zeit. Ich muss jetzt auch weg.“ Sie vermied jeden Blickkontakt mit Malte. In der Tür drehte sie sich noch kurz um. Malte schaute sie erwartungsvoll an, aber sie blickte an ihm vorbei. „Anna, bitte rede mit Nils und schafft das aus der Welt, ja?“ „Keine Sorge, das werde ich.“ Dann ging sie. „Franzi, warte doch.“ Malte wollte ihr hinterherlaufen, aber Anna hielt ihn fest. „Lass sie gehen. Das bringt jetzt nichts.“

„Aber ich kann sie doch jetzt nicht allein lassen. Sie braucht doch jemanden. Und außerdem halte ich das nicht mehr aus. Anna, irgendwas Schlimmes ist mit ihr passiert und ich weiß nicht was. Wie soll ich ihr denn helfen? Bitte sag mir, warum sie bei Dir war? Ist sie krank?“ „Malte, Du weißt genau, dass ich nicht mit Dir darüber reden darf.“ Anna fiel es sichtlich schwer, Malte nichts von der Vergewaltigung zu erzählen. Er war nicht nur ein Kollege sondern auch ein guter Freund und sie konnte nicht mit ansehen, dass er so leiden musste. „Aber warum redet sie mit Nils und nicht mit mir?“ „Das kann ich Dir nicht sagen. Lass ihr Zeit. Sie wird auf die zu kommen, wenn sie soweit ist.“ „Und wann soll das sein?“ „Ich weiß es doch auch nicht, aber Du hast doch gesehen, wie weit Du damit kommst, wenn Du ihr das Messer auf die Brust setzt. Ich weiß, dass es sehr schwer ist, aber Du brauchst einfach ein wenig Geduld.“ „Nein, Anna“ schrie Malte und war über seinen eigenen Wutausbruch erschüttert. „Du hast überhaupt keine Ahnung wie das ist.“ Sagte er, aber dieses Mal sehr viel leiser. Dann ließ er sie stehen. „Malte“ Aber Anna kam nicht mehr an ihn ran. Es war schwer, ihn einfach so gehen zu lassen. Aber sie konnte ihm nicht sagen, was mit Franzi los war.

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Melanie war kurz vor Ende der Pause nach draußen gegangen. „Na alles klar bei Dir?“ Er starrte weiter auf den Hafen hinaus, schien aber keinen bestimmten Punkt zu fixieren. „Das hast Du doch heute Morgen gesehen.“ Seine Laune hatte sich nicht wirklich gebessert. Melanie kannte diese Phasen bei ihrem Kollegen und wusste, dass er nicht sie meinte. „Eure Verabredung ist wohl nicht so gelaufen, wie Du Dir das vorgestellt hast oder?“ „Nein, ganz im Gegenteil. Ich war noch bei Franzi und dementsprechend bin ich viel zu spät gewesen. Dann auch noch in Dienstuniform, es war einfach total blöd.“ „Und da war Anna natürlich sauer.“ „Nein, inzwischen hatte Anna sich mit ihrem Ex-Mann amüsiert.“ Nils drehte sich zu ihr. „Weißt Du Melanie, ich halte es ja schon kaum aus, dass er bei Ole alles an sich reißt und ich nicht mehr als der Lückenbüßer sein darf. Wenn ich jetzt bei Anna auch nur noch auf Abruf stehen darf und zurückstecken muss, sobald er auftaucht... das kann ich nicht.“ „Nils, jetzt warte es doch erst einmal ab. Das regelt sich alles schon. Du liebst sie doch und sie liebt Dich auch.“ „Und was ist das für eine Liebe, die nur dann Platz hat, wenn der Ex-Mann gerade mal keine Zeit hat?“ „Ich bin mir sicher, dass das so nicht stimmt. Du solltest mal mit Anna reden. Ihr braucht einfach noch etwas Zeit.“ „Danke, dass Du mich aufmuntern willst. Das klappt zwar nicht so richtig, aber es fühlt sich gut an, dass jemand da ist.“ Melanie lächelte und klopfte ihm freundschaftlich auf die Schulter. „Dafür bin ich doch da, Meermann.“

Dann wurde sie aber doch ein wenig zögerlich. „Da wäre noch etwas, worüber wir mal reden müssten. Ich meine wegen gestern. Dass Martin mir Deinen Posten gegeben hat.... Nils, ich war nie darauf aus, das musst Du mir glauben.“ „Melanie, das weiß ich doch. Du hast das doch nicht entschieden, sondern Martin. Auf ihn müsste ich sauer sein.“ „Ich möchte halt nicht, dass das jetzt irgendwie zwischen uns steht.“ „Keine Angst, das tut es nicht. Ich habe doch über die Konsequenzen Bescheid gewusst als Berger mich vor die Wahl gestellt hat. Und zu den Bedingungen verzichte ich sehr gern auf den Posten.“ „Nils, so solltest Du nicht reden. Die Kollegen sind alle auf Deiner Seite. Sie wollen sich bei Berger für Dich einsetzen.“ Nils drehte sich wieder um und schaute auf den Hafen hinaus. „Das ist sehr nett von Euch, aber ich möchte das nicht. Das ist eine Sache zwischen Berger und mir.“ „Nils, das stimmt nicht. Es geht uns alle an, wer von uns der Dienstgruppenleiter ist.“

„Ihr macht es Euch schön einfach, aber ich muss es dann am Ende ausbaden.“ Er wurde ziemlich laut. „Tut mir leid, Melanie. Aber das war alles ziemlich viel. Ich weiß gar nicht, wie ich das im Moment alles auf die Reihe kriegen soll. Der Streit mit Anna, die Probleme von Franzi. Ich bin gerade wirklich froh, den Posten nicht mehr zu haben und wenn es weiter so läuft wie in den letzten Tagen, dann will ich ihn auch nicht wieder haben. Es freut mich, dass Ihr daran Anteil nehmt, aber wenn mich jemand ins Vertrauen zieht, dann rede ich da mit niemandem drüber. Und so lange Martin das nicht akzeptiert, werde ich die Stelle auch nicht wieder annehmen. Also bitte sag den Kollegen, dass mich ihr Einsatz freut, aber dass sie sich das bitte sparen sollen.“ „Okay, ich finde es zwar schade, aber ich kann Dich verstehen.“

„Peter 21/1 Anton für Peter 21.“ Nils griff nach seinem Funkgerät „21/1 Anton hört.“ „Nils, fahrt doch bitte mal zu Familie Mathiesen. Die haben sich gerade gemeldet und wollen offenbar die Anzeige gegen diesen Holger Müller zurückziehen.“ Nils war überrascht. „Warum das denn? Haben sie irgendwas dazu gesagt?“ „Nein, der Anruf war ein wenig diffus. Frau Mathiesen hat noch etwas von einem Hund geredet, aber ich bin da nicht durchgestiegen.“ „Alles klar, wir fahren hin und schauen mal nach, was dort passiert ist.“
Abseitsfalle - 25.09.2007, 19:23

Melanie und Nils stiegen ins Auto ein und fuhren los. „Meinst Du, da besteht ein Zusammenhang zwischen dem Selbstmordversuch von Maren Schumann und der zurückgezogenen Anzeige?“ Melanie konnte sich keinen Reim darauf machen. „Keine Ahnung, aber es sieht schon verdächtig danach aus, dass alle Leute, die gegen diesen Herrn vorgehen in irgendeiner Art und Weise bedroht werden. Am besten rufe ich mal Anna an, bevor Ole auch noch dran ist.“ Nils griff nach seinem Handy und wählte Annas Nummer. „Jacobi?“ „Anna, ich bin es.“ „Nils.“ sie schien überrascht. „Was gibt es denn?“ „Kannst Du dafür sorgen, dass Ole nach der Schule nicht allein ist? Vielleicht kann er ja bei einem Freund bleiben oder zu seinem Vater.“ „Wieso? Was ist denn passiert?“ „Wir befürchten, dass die Leute, die gegen diesen Kaufhausdetektiv vorgehen danach massiv bedroht werden. Die Mathiesens wollen ihre Anzeige auch zurückziehen. Wir sind gerade auf dem Weg zu Ihnen.“ „Ist Ole etwa in Gefahr?“ Anna klang sehr besorgt. „Dafür haben wir bisher keine Hinweise. Bleib erst mal ruhig. Wir wissen ja noch nicht einmal, warum die Mathiesens plötzlich auf rechtliche Schritte verzichten wollen. Ich will nur kein unnötiges Risiko eingehen.“ „Okay, Rainer wollte eh mit Ole ins Kino gehen. Ich frage ihn mal, ob er auch schon eher Zeit hat. Das regle ich schon. Aber haltet mich bitte auf dem Laufenden, ja?“ „Natürlich, das machen wir. Und mach Dir keine Sorgen. Bis später dann.“ „Ach Nils?“ „Ja?“ Anna zögerte ein wenig. „Können wir heute Abend mal in Ruhe miteinander reden? Ich glaube, wir haben Einiges zu klären.“ Er seufzte. „Okay, ich werde sehen, dass ich pünktlich hier heraus komme.“

*****************

Nils und Melanie brauchten nicht lange, um zum Haus der Mathiesens zu kommen. Frau Mathiesen schien die Präsenz der Polizei ein wenig peinlich zu sein. Sie schaute sich genau um und wurde erst ruhiger, als die Tür geschlossen war und offensichtlich niemand die Polizisten vor ihrem Haus bemerkt hatte. „Ist alles in Ordnung? Werden Sie verfolgt?“ Nils war ihr seltsames Verhalten sofort aufgefallen. „Ja, entschuldigen Sie. Die Nachbarn... wenn die ihren Wagen vor unserem Haus sehen, dann geht der Tratsch wieder los.“ Sie wirkte unsicher und bat die beiden ins Wohnzimmer. „Frau Mathiesen, unsere Kollegen haben uns informiert, dass Sie Ihre Anzeige gegen Holger Müller zurückziehen wollen. Nun fragen wir uns schon, woran das liegt. Der Fall ist doch eindeutig und die Untersuchungsergebnisse belegen das auch.“ „Ist das nicht unsere Entscheidung?“ Frau Mathiesen fühlte sich ein wenig in die Ecke gedrängt. „Was ihre Anzeige betrifft, natürlich. Aber wir haben den Bericht vom EKH und allein schon deswegen werden wir weiter ermitteln müssen. Es gibt konkrete Hinweise, die wir auch ohne ihre Anzeige nicht ignorieren können.“

Frau Mathiesen setzte sich aufs Sofa und schlug die Hände vors Gesicht. Nils setzte sich neben sie. „Wollen Sie uns nicht sagen, was wirklich der Grund ist?“ „Der Grund ist, dass wir uns endlich wieder sicher fühlen wollen. Seit gestern wird meine Familie massiv bedroht. Die ganze Nacht klingelte das Telefon und morgens lag dann Tiffi tot im Garten.“ „Wer ist bitte Tiffi?“ fragte Melanie. „Unser Hund, aber das habe ich Ihren Kollegen doch bereits am Telefon gesagt. Man hat ihn erschossen. Und daneben lag dieser Zettel.“ Sie gab Melanie ein Stück Papier. „Ziehen Sie die Anzeige zurück, sonst geht es Ihnen bald wie ihrem Hund.“ „Frau Mathiesen, es tut mir leid um ihren Hund. Aber bitte lassen Sie sich nicht einschüchtern. Wir werden ihm das alles nachweisen und dann kommt er damit nicht mehr durch.“ Nils mischte sich ein und versuchte ihr Mut zu machen. „Und wenn doch?“ „Keine Angst. Dieser Müller ist kein großer Verbrecher. Denn wenn er das wäre, würde er sicher nicht als Ladendetektiv arbeiten. „Meinen Sie wirklich.“ „Natürlich. Solche Leute machen immer Fehler. Wir brauchen nur mutige Menschen, die ihre Anzeige auch aufrecht erhalten.“ Nils' ruhige und besonnene Art bestärkte Frau Mathiesen.

„Da wäre dann aber noch etwas.“ „Ja, was denn?“ Melanie zögerte, denn sie wusste, dass es sicherlich eine heikle Sache war. „Der Hund. Wo ist er?“ „Wieso wollen Sie das wissen?“ „Na ja, wenn wir ihn obduzieren lassen würden, könnten wir mit Hilfe des Projektils die Waffe bestimmten, mit der ihr Hund erschossen wurde.“ „Mein Mann und Alexander haben ihn schon hinten im Garten bei den Rosen beerdigt.“ Frau Mathiesen wurde es dann plötzlich doch zu viel. „Hören Sie, ich kann das nicht. Bitte gehen Sie jetzt. Wir bleiben dabei und ziehen die Anzeige zurück. Alexander sagt, er sei nicht geschlagen worden und von daher gibt es für sie auch nichts zu ermitteln.“ „Aber die Prellungen? Interessiert Sie das denn gar nicht?“ Melanie war durch den plötzlichen Umschwung von Frau Mathiesen total überrascht und konnte es nicht fassen. „Was sind schon ein paar Prellungen gegen Ruhe und Sicherheit? Bitte gehen Sie!“ „Aber...“ „Schon gut, Melanie“ Nils unterbrach sie. Er bedankte sich bei Frau Mathiesen und dann gingen Melanie und er nach draußen.

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Auf dem Weg zum PK unterhielten sie sich über das Geschehene. „Dieser Müller muss aber ordentlichen Terror veranstaltet haben. Solche Angst, wie sie hatte.“ Melanie konnte immer noch nicht fassen, dass die Mathiesens ihre Anzeige zurückziehen würden. „Stimmt. Aber weißt Du, was ich mich frage? Wie hat er das alleine hinbekommen? So einen massiven Psychoterror ohne Spuren und so überzeugend, dass wirklich keiner sich traut, etwas auszurichten. Woher weiß er von dem Hund? Er musste ihn umbringen, sich dorthin schleichen und den Zettel deponieren, zwischendurch noch anrufen und dann dürfen wir ja auch den Terror bei Maren Schumann nicht vergessen. Das kann er doch alles gar nicht allein geschafft haben.“ Melanie schaute zu ihrem Kollegen rüber. „Meermann, Meermann, manchmal machst Du mir mit Deinem Spürsinn richtig Angst. Das Blöde ist nur, dass wir jetzt wieder bei Null anfangen müssen. Uns fehlen wichtige Zeugenaussagen.“ „Stimmt nicht so ganz. Immerhin haben wir die Aufzeichnungen des EKH. So müssen wir den Fall nicht komplett zu den Akten legen.“ „Also fahren wir noch mal zum Einkaufszentrum und fühlen Müller auf den Zahn?“ „Vielleicht ist das eine schlechte Idee. Er soll sich sicher fühlen, aber wir könnten den Leiter der Europa-Passage noch mal befragen und ihm über unsere Probleme berichten.“ „Was versprichst Du Dir davon?“ Melanie verstand nicht ganz, worauf ihr Kollege hinaus wollte. „Na ja, der Buschfunk wird funktionieren und wenn sich der oder die Täter sicher fühlen und aus der Deckung wagen, sind wir da.“ „Klingt gut, aber meinst Du, dass es funktionieren wird?“ „Es ist zumindest einen Versuch wert.“ Melanie wendete bei der nächsten Gelegenheit und fuhr Richtung Europa-Passage.

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„Tut mir leid, ich kann Ihnen da nicht weiterhelfen. Und ich will es ehrlich gesagt auch nicht.“ Peter Jensen, der Leiter des Einkaufszentrums hatte sich sofort Zeit für Melanie und Nils genommen. „Wie? Sie wollen es nicht?“ Melanie war fassungslos. „Herr Müller ist einer meiner besten und zuverlässigsten Mitarbeiter. Was meinen Sie, wie es hier aussah, bevor er zu uns gekommen ist. Geklaut haben die Leute. Und jetzt herrscht hier endlich wieder Ordnung. Wer etwas mitgehen lassen will, der wird auch erwischt und zur Rechenschaft gezogen.“ „Und wie sieht die Rechenschaft aus? Nächtliche Drohanrufe, Belästigung, das Töten von Haustieren. Gehört diese Art von Psychoterror auch zum Aufgabenbereich von Herrn Müller?“ „Herr Meermann, können Sie beweisen, dass mein Mitarbeiter dahinter steckt?“ „Nein, aber wer sollte sonst ein Interesse daran haben, diese Leute zum Schweigen zu bringen? Bitte helfen Sie uns. Es wäre doch auch in ihrem Sinne. Oder wollen Sie sich dadurch den Ruf ihres Ladens kaputt machen lassen?“ „Natürlich will ich das nicht, aber ich will auch nicht den Ruf von Herrn Müller zerstören, nur weil ein paar dahergelaufene Ladendiebe meinen, ihn zu Unrecht beschuldigen zu müssen.“ „ Zu Unrecht?! Eines seiner Opfer liegt seit heute Morgen im EKH, weil sie den Terror nicht mehr ausgehalten hat und Sie sorgen sich allen Ernstes um den Ruf ihres Mitarbeiters?“ „Haben Sie denn Beweise, dass er dahinter steckt oder hat Frau Schumann ihn angezeigt?“ Beide schwiegen. Melanie wollte gerade etwas sagen, als Nils sie unterbrach. „Nein, leider haben wir nichts davon in der Hand.“ Melanie warf Nils einen auffordernden Blick zu, aber er ignorierte diesen völlig. „Sehen Sie und deswegen soll ich meinen besten Mitarbeiter beschuldigen? Bitte gehen Sie, an dieser Hetzjagd werde ich nicht teilnehmen.“ Nils gab sich kleinlaut. „Entschuldigen Sie, das respektieren wir natürlich. Und vielen Dank noch einmal, dass sie sich die Zeit für uns genommen haben.“

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Jensen brachte die beiden Polizisten noch zur Tür. Melanie musste sich ziemlich zusammenreißen. Erst im Wagen platzte es aus ihr raus. „Warum hast Du ihn nicht festgenagelt. Der kann doch gar nicht wissen, dass Frau Schumann das Opfer ist. Jedenfalls haben wir mit ihm nicht darüber gesprochen.“ „Eben.“ Nils schaute Melanie auffordernd an. „Du meinst also, Jensen ist der zweite Mann.“ „Ich bin mir sogar ziemlich sicher. Hast Du bemerkt, dass er genau dieselben Parolen von Zucht und Ordnung losgelassen hat wie dieser Müller. Und dann hat er ihn immer als seinen besten Mitarbeiter dargestellt. So oft, dass es schon richtig unglaubwürdig wurde. Ich würde sagen, wir haben die beiden.“ „Und was machen wir jetzt?“ Nils sah auf die Uhr. „Erst einmal fahren wir zurück zum PK. Vielleicht kann ich ja heute endlich mal wieder pünktlich Feierabend machen.“ „Och Du Ärmster. Soll ich mal mit Martin reden?“ „Bitte nicht. Vor allen Dingen wären mir im Moment ein paar Überstunden ganz lieb.“ Melanie wusste sofort, dass er Anna meinte. „Nils, Du kannst ihr nicht ewig aus dem Weg gehen. Du liebst sie, dann stell Dich ihr.“ „Ich weiß, aber Du hast sicher Verständnis dafür, dass ich mir momentan schönere Dinge vorstellen kann.“ „Ich habe ja auch nicht gesagt, dass es leicht wird. Aber da musst Du durch und ich bin mir sicher, dass es Dir danach besser gehen wird.“ Nils wusste nicht so richtig, ob er Melanie das glauben konnte. Er musste immer wieder daran denken, wie vertraut Anna und Rainer im Restaurant gewesen waren und kam sich bei dem Gedanken daran so ausgeschlossen vor.
Abseitsfalle - 25.09.2007, 20:55

Als Nils nach Hause kam, hatte Anna für die beiden gekocht. „Da bist Du ja endlich. Das Essen ist gleich fertig.“ Er war immer noch nicht wirklich glücklich mit der Situation, aber zumindest hatte er gerade keine Lust mehr auf Streit. „Und ist alles okay bei Dir?“ Anna schien das erste Mal seit Langem wirklich daran interessiert zu sein. Jedenfalls kam es Nils so vor. „Ja, alles okay. Ich bin zwar ziemlich froh, dass der Tag vorbei ist, aber es geht mir gut.“ „Schön.“ Sie streichelte ihm über die Wange. „Frau Schumann geht es übrigens schon wieder besser. Ich denke, Ihr könnt sie morgen sprechen.“ Nils fiel ein Stein vom Herzen. Nicht auszudenken, wenn sie gestorben wäre. „Und Franzi? Sie war doch bei Dir, nicht wahr?“ „Ich hab sie zwei Wochen krank geschrieben und ihr eine Psychologin empfohlen. Wollte sie gestern echt den Dienst quittieren?“ Nils wirkte bedrückt. „Ja, sie war mit Boje unterwegs zu diesem Vergewaltigungsopfer an den Landungsbrücken.“ „Ach Du je.“ „Und danach hat sie wohl die Brocken hingeworfen. Ich hab versucht, bei Martin zu retten, was noch zu retten war und war dann bei Franzi.“ „Und deswegen bist Du dann so spät gekommen und hast Dich nicht mehr umgezogen.“ Nils nickte. „Aber gut, wahrscheinlich hätte ich gar nicht mitkommen müssen. Du warst ja in bester Gesellschaft und prima versorgt.“ „Nils, bitte ich will mich heute nicht mit Dir streiten.“ „Glaubst Du, dass ich das will?“ „Und warum machst Du dann so ein Drama daraus, dass Rainer da war?“

„Anna, kannst Du Dir nicht vorstellen, wie es mir dabei geht? Seit Wochen kann ich nichts mit Dir oder mit Ole unternehmen, ohne dass er dabei ist. Natürlich ist er Oles Vater und natürlich will ich, dass er ein gutes Verhältnis zu ihm hat. Aber er lässt mir keinen Platz. Ich hätte Dich gestern wirklich gebraucht. Ich hab überhaupt keine Ahnung, wie es mit Franzi weitergehen soll. Und dieser riesige Streit mit Berger. Ich habe einfach auch mal jemanden gebraucht, der mich dabei unterstützt oder sich nur mal meine Probleme anhört und einfach da ist. Eigentlich bin ich davon ausgegangen, dass Du diejenige bist, auf die ich in diesen Momenten zählen kann. Und dann sitzt Du da mit Rainer. Ihr seid so vertraut gewesen, dass ich mich wie ausgestoßen gefühlt habe. Bei Ole ins zweite Glied rücken zu müssen, ist für mich schon schwer genug. Wenn ich bei Dir jetzt auch noch die zweite Geige spielen muss, halte ich das nicht mehr aus.“ „Nils, ich weiß, dass es schwierig ist, aber Du spielst nicht die zweite Geige. Ganz bestimmt nicht.“ Nils sah Anna in die Augen und begriff, dass sie es wirklich ernst meinte.

In dem Moment ging die Wohnungstür auf und Ole kam mit seinem Vater im Schlepptau herein. Die beiden waren total aufgeregt. „Hey. Na, wie geht es Euch? Ole und ich waren schon in der Nachmittagsvorstellung und da dachten wir, dass wir zu viert einen gemütlichen Abend verbringen könnten.“ Nils sah Anna entgeistert an, die ihrerseits nicht wusste, wie sie die Situation retten sollte. Sie lächelte ein wenig gequält. „Schön, dann geht doch schon mal ins Wohnzimmer, ja?“ Das musste sie Ole und Rainer nicht zwei Mal sagen. Die beiden verschwanden sofort und lautstark. „Na prima“ Nils seufzte. „Nils, es tut mir leid. Ich wusste wirklich nicht, dass die beiden schon nachmittags ins Kino gehen würden.“ „Schon klar.“ Er konnte seine Enttäuschung nur schwer verbergen. „Bitte lass uns deswegen nicht streiten.“ „Gib mir fünf Minuten, ja? Ich geh mich eben umziehen.“ Er ließ sie stehen und verschwand im Schlafzimmer. Anna wusste, wie unglücklich Nils mit der Situation war.

Nils saß im Schlafzimmer auf dem Bett und versuchte seine Gefühle zu ordnen. Er war wütend, hätte auf alles einprügeln können, was ihm in die Quere kam. Er war enttäuscht, dass der gemeinsame Abend mit Anna schon wieder geplatzt war. Aber vor allen Dingen war er traurig. Es war alles perfekt gewesen, bis Oles Vater aufgekreuzt war. Und nun war nichts mehr wie es einmal war. Dass Ole und Rainer sehr viel Zeit miteinander verbrachten, verstand er noch irgendwie. Es fiel ihm schwer damit zu leben, weil er den Jungen ins Herz geschlossen hatte, aber irgendwie schaffte er es, sich damit zu arrangieren. Aber dass Anna ihn so im Stich ließ und ihnen noch weniger gemeinsame Zeit blieb, konnte er kaum ertragen. Er fühlte sich so allein und gleichzeitig von der Situation so erdrückt, dass ihm die Luft zum Atmen genommen wurde. Aus dem Wohnzimmer hört er Anna, Ole und Rainer lachen. Es war in diesem Moment einfach unerträglich. Er konnte sich nicht freuen und je mehr er von der Ausgelassenheit nebenan mitbekam, desto weniger konnte er dort bleiben. Er ging zum Kleiderschrank, griff nach seinem braunen Kapuzenshirt und der schwarzen Jogginghose und zog sie an. Dann kramte er seine alten Sportschuhe unter dem Bett hervor, zog sie an und schlich sich aus der Wohnung.

Anna hatte interessiert zugehört, was Rainer und Ole zusammen gemacht hatten. Sie war froh, dass die beiden wieder ein enges Verhältnis zueinander hatten. Ole hatte so sehr unter dem Weggang seines Vaters gelitten, da war es ein Geschenk, dass Rainer sich so sehr um ihn kümmerte. Plötzlich hörte sie die Wohnungstür ins Schloss fallen. Nils! Anna schreckte hoch, stürmte zum Fenster und sah ihn gerade noch hinter der nächsten Hausecke verschwinden. In dem Moment wusste Anna, dass sie einen Fehler gemacht hatte. „Hat da etwa jemand keine Lust auf Familienleben?“ Sie hatte nicht bemerkt, dass Rainer neben ihr stand. Seine Bemerkung machte sie wütend. „Ach komm, das stimmt nicht und das weißt Du ganz genau!“ „So, weiß ich das? Und warum flüchtet er dann?“ „Weil Du ihm keinen Raum lässt und versuchst, seinen Platz einzunehmen.“

„Moment mal“ Rainer wurde jetzt sehr energisch und Ole wurde jetzt auch aufmerksam. Was war da zwischen seinem Vater, seiner Mutter und Nils? „Eines wollen wir hier mal klar stellen. Ich bin Oles Vater und nicht Nils!“ „Glaubst Du, dass Nils das nicht weiß?“ „Dann verstehe ich nicht, warum ich seinen Platz einnehme.“ „Rainer, Du bist NUR Oles Vater, Du bist aber weder der Mann in meinem Leben noch der Mann, der hier mit mir und Ole lebt. Das ist Nils! Du kannst Ole so oft sehen wie Du willst, aber versuch nicht, Nils aus meinem Leben zu drängen.“ Anna ließ ihn stehen. „Und was wird das jetzt?“ „Jetzt schaue ich, dass ich ihn finde.“ Anna sah, dass Ole der Streit schon ein wenig geschockt hatte. „Ole, tut mir leid. Wir holen das sicher nach.“
Abseitsfalle - 26.09.2007, 20:13

Musik

Nils war gelaufen ohne wirklich darüber nachzudenken, wohin er eigentlich lief. Auch der Regen störte ihn nicht. Es regnete immer stärker, aber Nils merkte nicht wie nass er bereits war. Das Laufen war wie eine Befreiung für ihn. Sein Leben war ihm in letzter Zeit wie ein Gefängnis vorgekommen. Er hatte das Gefühl, vollkommen die Kontrolle zu verlieren. Es war als würde dieser Ausbruch ihm neue Kraft geben. Zum ersten Mal seit Wochen fühlte er sich richtig frei und konnte wieder durchatmen. Ohne besondere Mühe trugen ihn seine Füße kilometerweit quer durch die Hamburger Nacht. Immer wieder dachte er an Anna. Er wollte sie nicht verlieren, aber so konnte es nicht weitergehen. Er konnte nicht mehr zurückstecken und er wollte es auch nicht. Die Gedanken waren kaum zu ertragen und trieben ihn immer weiter von dem Ort weg, der bis gestern noch sein zu Hause gewesen war.

Anna fuhr durch Hamburg und hoffte, dass sie Nils irgendwo finden würde. Dabei fragte sie sich immer wieder, ob sie das Richtige tat. Nils war abgehauen, weil er allein sein wollte und sie fuhr ihm sofort hinterher. Andererseits musste sie ihn finden. Sie hatte ihn gestern schon einfach so gehen lassen und es war falsch gewesen. Sie mussten sich endlich aussprechen, sonst würde sie vielleicht keine echte Chance mehr bekommen. Anna fuhr alle Strecken ab, von denen sie wusste, dass Nils dort öfter joggen ging. Aber nirgendwo war er zu finden. Nach einer Stunde entschied sie sich, zu seinem Lieblingsort in Hamburg zu fahren. Von dort aus konnte man den gesamten Hafen überblicken. Anna hoffte, ihn dort finden zu können. Er musste einfach dort sein. Und tatsächlich stand er klatschnass im Regen und schaute auf die Elbe hinaus. Anna nahm sich einen Regenschirm, stieg aus dem Auto aus und ging zu ihm hin.

Nils hatte sie bemerkt starrte aber weiter in die Ferne. „Familienabend schon zu Ende?“ „Der hat gar nicht stattgefunden.“ „Ach und dann hast Du mal nachgeschaut, wo sich der Lückenbüßer aufhält.“ „Nils, der Familienabend hat nicht stattgefunden, WEIL Du nicht da warst. Du gehörst dazu und Du bist mir wichtig.“ „So wichtig, dass ich immer der Erste bin, der zurückstecken muss?“

Anna dachte an die letzten Wochen und musste sich eingestehen, dass da etwas dran war. „Nils, es tut mir leid. Die Aktion gestern war einfach blöd von mir. Dein Stress mit Berger, die Sorge um Franzi, ich weiß, dass Du mich gebraucht hättest und ich nicht für Dich da war. Ich hätte nicht so sein dürfen, vor allen Dingen nicht weil Rainer so ist wie er ist.“ Nils starrte weiter auf die Elbe hinaus und zeigte keine Reaktion. „Ich weiß, dass es für Dich nicht einfach ist und ich würde es auch gerne ändern. Aber ich kann Rainer nun mal nicht aus Oles Leben verbannen und ich will es auch nicht.“ Nils schwieg weiter. „Bitte rede mit mir! Friss das nicht alles in Dich hinein.“ Für Anna war es schwer, sein Schweigen zu ertragen. „Nils, was erwartest Du von mir? Was soll ich tun?“

Er drehte sich zu ihr um und sah ihr tief in die Augen. „Ich will nur wissen, wo ich bei Dir dran bin. Was soll ich denn denken? Wir sind zum Essen verabredet und Du sitzt dort mit Rainer, heute platzt er dann in unseren gemeinsamen Abend. Dass er so viel mit Ole macht, ist schon schwierig genug für mich. Und jetzt mischt er sich auch noch in unsere Beziehung ein. Seit er da ist, machen wir kaum noch etwas allein. Überall ist Dein Ex-Mann dabei und überall reißt er mit seinen Urwaldgeschichten alles an sich. Bei Ole existiere ich nur noch, wenn Rainer mal wieder einen spontanen Termin hat und seine Versprechen nicht einhält. Damit klar zu kommen, ist schon schwer genug für mich. Und jetzt drängt er sich auch noch zwischen Dich und mich. Anna, ich will Dich nicht auch noch verlieren.“ Dann drehte er ihr den Rücken zu und ging ein paar Schritte. Anna spürte, dass Nils eigentlich gar nicht wütend war. Er war vor allen Dingen verzweifelt. Sie folgte ihm und obwohl es immer noch stark regnete, legte sie den Schirm zur Seite. „Hey, schau mich an.“ Mit ihren Händen fixierte sie sein Gesicht und sah ihm tief in die Augen. „Du wirst mich nicht verlieren. Und Ole auch nicht. Ich liebe Dich.“ Dann nahm sie ihn in den Arm. Der Regen prasselte auf beide herunter, doch das war in diesem Moment egal. Anna wusste, wie sehr Nils die Bestätigung brauchte, dass sie ihn liebte und für ihn da sein würde. „Komm wir fahren nach Hause. Du bist ja ganz nass. Nicht dass Du Dich noch erkältest.“ Nils hatte nicht mehr viel zu sagen. Er nickte nur und folgte ihr wortlos zum Auto. Mittlerweile zitterte er stark.
Abseitsfalle - 26.09.2007, 21:36

Zu Hause sprang Nils direkt unter die warme Dusche. Es war als könne er den Frust und die Wut der letzten Zeit ein wenig von sich abwaschen. Er stand ziemlich lange unter dem warmen Wasserstrahl bis er nicht mehr fror. Als er aus der Dusche stieg, saß Ole im Bad und wartete auf ihn. „Warum bist Du heute Abend gegangen?“ Nils trocknete sich ab. „Ole, das ist nicht so einfach zu erklären.“ „Ist es wegen Papa?“ „Ja, auch. Die Situation ist einfach gerade sehr schwierig für mich. Aber zerbrich Dir mal nicht meinen Kopf.“ „Aber ich sehe doch, dass Du traurig bist. Nils, ich will nicht, dass Du traurig bist.“ Nils hielt inne. Oles Sorgen rührten ihn ein wenig. „ Ole, das ist nett von Dir und ich weiß, dass Du das nicht möchtest. Aber Du kannst daran im Moment einfach nichts ändern. Mach Dir nicht so viele Gedanken, ich komme klar.“ Für Ole war das nur ein schwacher Trost. Ein wenig enttäuscht ging er wieder und Nils zog sich an. Was sollte er dem Jungen sonst sagen? Ole würde nicht verstehen, was er wirklich über Rainer dachte.

Als Nils aus dem Badezimmer kam, musste er stark husten. Anna hörte das und eilte in den Flur. „Oh je, das hört sich aber gar nicht gut an. Am besten gehst Du mal sofort ins warme Bett und ruhst Dich aus, bevor das noch schlimmer wird.“ Anna schob ihn liebevoll ins Schlafzimmer. „Leg Dich schon mal hin. Ich bin gleich wieder da.“ Nils legte sich ins Bett und war total erledigt. Kurze Zeit später kam Anna mit einer heißen Tasse Tee zurück. Sie gab ihm den Tee und setzte sich zu ihm ans Bett. Nils nahm einen Schluck und merkte, dass ihm die Wärme gut tat. „Und? Besser?“ Er nickte. „War eine ziemlich blöde Aktion oder?“ „Nils, jetzt mach Dir doch keine Vorwürfe. Die müsste ich mir eher machen. Ich hab mich so darüber gefreut, dass Rainer endlich wieder da ist und Interesse an Ole hat. Aber darüber hätte ich Dich niemals vergessen dürfen. Versuch jetzt zu schlafen. Ich gehe auch gleich ins Bett.“

Anna ging ins Wohnzimmer, wo Ole und Rainer auf sie warteten. „Ich glaube, er schläft.“ „Na ja, nach der Aktion.“ Anna schaute ihren Ex-Mann strafend an. „Du weißt, wie ich darüber denke. Es ist schon spät. Am besten gehst Du jetzt.“ Rainer verabschiedete sich von Ole und Anna brachte ihn noch zur Tür. Als er weg war, stand Ole plötzlich hinter ihr. „Meinst Du ich soll mich nicht mehr mit Papa treffen?“ „Warum das denn?“ „Wegen Nils.“ Anna war ganz erstaunt, dass ihr Sohn so viel von dem Streit mitbekommen hatte. „Nein Ole, das musst Du nicht.“ „Aber Nils geht es schlecht seit Papa wieder da ist. Erinnere Dich doch. Er ist seit Wochen schon so komisch. Immer wenn Papa dabei ist, ist Nils ganz anders... so traurig.“ Anna war erstaunt, dass Ole es viel eher bemerkt haben musste als sie selbst. „Das hat aber nichts mit Dir zu tun. Du kannst Dich weiter mit Papa treffen. Nils sieht das sicher auch so. Aber er und ich müssen einfach darauf achten, dass wir beide genügend Freiraum haben. Weißt Du, solche Abende zu viert wie heute Abend sind schön, aber wenn Nils und ich so gar nichts mehr zu zweit machen können, dann ist das eben ein Problem. Aber mach Dir keine Sorgen. Das wird schon besser werden.“ „Meinst Du wirklich?“ „Natürlich und jetzt Abmarsch ins Bett. Ist schon spät.“ Ole war ein wenig beruhigter und ging in sein Zimmer.

Als Anna ins Schlafzimmer kam, war Nils noch wach. „Na, meinst Du, dass Du morgen eine Erkältung hast?“ „Keine Ahnung, aber ich hätte sie wohl verdient. So eifersüchtig wie ich war.“ „Ach Nils, das war doch eine normale Reaktion. Ich hätte einfach merken müssen, wie schlecht es Dir dabei geht. Wenn sogar Ole merkt, dass etwas nicht stimmt.“ „Hat er mir Dir darüber gesprochen?“ „Ja und ich fühle mich echt schlecht. Ole hat schon wochenlang bemerkt, wie anders Du warst während mir das überhaupt nicht aufgefallen ist. Er wollte sogar ernsthaft aufhören, sich mit Rainer zu treffen.“ „So etwas Ähnliches hat er mir vorhin im Bad auch vorgeschlagen. Als ich aus der Dusche kam, saß er dort und meinte, er wolle nicht mehr, dass ich traurig sei. Ich wusste gar nicht, was ich dazu sagen soll.“ Anna hatte sich umgezogen und stieg zu Nils ins Bett. „Ich hab ihm gesagt, dass er sich weiter mit Rainer treffen soll. Und wenn Du und ich konsequent darauf achten, genug Zeit für uns zu haben, dann wird das schon. So wie jetzt zum Beispiel.“ Sie kuschelte sich eng an Nils. „Schlaf schön.“
Abseitsfalle - 26.09.2007, 22:25

Nils war froh, dass er sich keine Erkältung eingefangen hatte, als er am nächsten Morgen aufstand. Anna war schon wach, als er in die Küche kam. Sie hatte Kaffee gemacht. Nils setzte sich noch ein wenig verschlafen an den Tisch. Einerseits fand er seine Flucht von gestern Abend ziemlich daneben, andererseits war das wahrscheinlich notwendig gewesen, um Anna bewusst zu machen, wie es ihm dabei ging. „Und bist Du erkältet?“ Anna gab ihm eine Tasse. „Nein, zum Glück nicht. Ich hab ein wenig Kopfschmerzen, aber es geht schon.“ Gemeinsam tranken die beiden Kaffee und frühstückten.

Nils setzte Anna an diesem Tag vor dem EKH ab. „Wenn Du doch noch krank wirst, komm vorbei. Wir haben hier alles Nötige.“ „Das glaube ich Dir.“ Sie gab Nils zum Abschied noch einen Kuss. „Du Anna, bevor ich es vergesse. Meinst Du, wir können Frau Schumann heute sprechen?“ „Das kann ich Dir nicht mit Sicherheit sagen. Sie war ziemlich fertig.“ „Schon komisch, dieser Müller scheint alle Leute massiv unter Druck zu setzen.“ Nils verschwieg ihr, dass der Kaufhausleiter ebenfalls darin verwickelt zu sein schien. „Könnt Ihr denn gar nichts gegen ihn ausrichten?“ „Ohne die Anzeigen der direkten Opfer wird das schwierig. Ich hatte gehofft, dass Frau Schumann uns vielleicht doch weiterhilft.“ „Ich ruf Dich an.“ „Danke. Ciao“ Anna schloss die Tür und eilte ins EKH.

Als Nils aufs Revier kam, wartete Melanie schon auf ihn. „Na Meermann, ausgeschlafen?“ „Na ja, einigermaßen.“ „Alles wieder im Lot zwischen Anna und Dir?“ „Kann man so sagen. Ich glaube, wir haben beide gemerkt, dass wir an unserem Glück arbeiten müssen. Wir können übrigens heute vielleicht Frau Schumann treffen. Anna wollte aber erst die Morgenvisite abwarten.“ „Vielleicht bringt uns das ja weiter. Aber lass uns erst mal unsere Visite hinter uns bringen. Martin wartet sicher schon.“ „Jawoll, Frau Dienstgruppenleiterin!“ „Nils, bitte nenn' mich nicht so. Du konntest das auch nie ausstehen.“ „Schon gut, ich meine es ja nicht so.“

Berger hatte an diesem Tag offensichtlich bessere Laune, was Nils zwar mit ein wenig Wohlwollen registrierte. Es änderte aber nichts an der Tatsache, dass er das Verhalten seines Chefs nach wie vor unmöglich fand. „Und wie sieht es mit Eurem Kaufhausdetektiv aus.“ „Was die Beweise angeht leider ziemlich mies.“ Melanie war frustriert. „Die Mathiesens haben ihre Anzeige zurückgezogen, Frau Schumann wollte sich sogar umbringen, aber niemand will aussagen. Zumindest haben wir mittlerweile den mehr als begründeten Verdacht, dass Holger Müller durch den Kaufhausleiter gedeckt w