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dawnation - 09.10.2007, 17:15
Fragen
Hallo miteinander
Ich habe mich vor einem Weilchen hier im Forum angemeldet, bin bekennende Ligyrophobikerin (v.a. Luftballons) seit ich denken (hören) kann, und habe über die letzten Wochen die verschiedenen Einträge und Voten im Stillen verfolgt.
Mir fällt auf, dass sich viele hier etwas "schämen" oder gegen ihre Angst sträuben. Klar fühle ich mich besser, seit ich weiss, dass ich nicht die Einzige auf diesem Planeten bin, die Knallerei hasst und Luftballons meidet wie der Teufel das Weihwasser. Und trotzdem, ich weiss vom Arzt, dass ich ein übersensibles Gehör habe (wurde das bei Euch auch festgestellt?) und somit ein Knall bei mir über der Schmerzgrenze liegen mag, wo andere nicht mal zucken. Einigermassen naheliegend, oder ? Andererseits sehe ich auch den einen oder anderen Vorteil darin, angefangen damit, dass ich empathisch gut nachempfinden kann, wenn jemand Ängste hat, wovor auch immer, und entsprechend sensibel mit meiner Umwelt umgehe. Ich habe auch keine Ambitionen, mir einen Umgang mit knallenden Luftballons anzueignen (bei Euren Umschreibungen wird mir manchmal etwas mulmig ...), weil mich ja vor allem die Tatsache wahnsinnig macht, dass ich die Kontrolle über den Knall nicht habe (i.e. Knallerei in Händen anderer Leute).
Ich kann die Ambition eines Ligys nicht richtig nachvollziehen, sich freiwillig der Knallerei zu exponieren. Angstbewältigung ? Glaubt Ihr, dass Ihr Eure Angst jemals loswerdet ? Ich will hier niemanden entmutigen, ehrlich, es ist die Neugier, die mich treibt. Manchmal nervt mich meine Phobie, klar, aber sie ist ein Teil von mir und macht mich neben vielem anderem zu dem was ich bin.
Thunder - 09.10.2007, 22:23
Hi Dawnation,
ich für meinen Teil muss sagen, dass mir das "auseinandersetzen mit dem Feind" sehr gut getan hat.
Ich steh mittlerweile der Knallerei wesentlich gelassener gegenüber als noch vor 2, 3 Jahren...
Und das bezieht sich sowohl auf Feuerwerk, als auch auf Ballons
ilona - 10.10.2007, 11:07
Hallo dawnation
Ich denke schon, dass man die Angst los werden kann. Von Psychologen weiß ich, dass es nie ganz weg gehen wird, SCH..., aber immerhin soll es erträglich werden. Ist doch auch nicht schlecht. Also ich gebe die Hoffnung nicht auf und ich finde auch, dass du es nicht tun solltest. Woran möchtest du sonst festhalten?
dawnation - 11.10.2007, 08:29
Vermutlich hat jede/r eine etwas andere Art und Weise, mit der Angst einen Umgang und etwas mehr Gelassenheit zu finden. Für mich liegt die Taktik eher darin, dem Thema nicht mehr so viel Aufmerksamkeit zu schenken, mich wegen der Angst nicht selber fertig zu machen, und das funktioniert für mich ganz gut, nachdem die Angst meine ersten 20 Lebensjahr ziemlich klar dominiert hat.
Ilona, ich bin eine unverwüstliche Optimistin und will hier ganz sicher nicht vermitteln, dass die Angelegenheit hoffnungslos ist, im Gegenteil.
Bron - 11.10.2007, 10:25
@dawnation
Natürlich ist die Phobie ein Teil von Dir - sie ist ein Teil von uns allen. Aber das schliesst nicht aus, dass man nicht versuchen kann (früher oder später vielleicht sogar sollte), etwas dagegen zu unternehmen. Das funktioniert genau so, wie Du Dir schlechte Angewohnheiten (ganz profane Dinge wie: WC-Deckel nicht runterklappen, Licht brennen lassen usw.) abgewöhnen willst. Wir arbeiten ständig an uns, wollen vorwärts kommen und "bessere" Menschen werden. Daran musst Du gerade als bekennende Optimistin auf jeden Fall glauben. Deshalb ist es in meinen Augen völlig natürlich, dass man die für sich betrachtet eher schlechte oder zumindest störende Eigenschaften (wie zum Beispiel eine Phobie) irgendwie ablegen möchte.
Um die Angst zu bewältigen, führt kein Weg an kontrollierter Konfrontation vorbei. Das habe ich inzwischen gelernt und das bestätigt auch jeder Psychologe/Psychiater. Wie weit man dabei gehen will und vor allem: in welchem Tempo man vorwärts machen will, muss jederman selber entscheiden. Wenn Du sagts, Du seist mittlerweile ruhiger geworden im Umgang mit der Phobie, dann liegt dies wohl darin begründet, dass auch Du viel Erfahrungen in Angst-Situationen gesammelt hast. Nur so kannst Du gelassener werden, nämlich genau dann, wenn Du merkst, dass es doch eigentlich gar nicht so schlimm ist, wenn es knallt, dass du es überlebst, wenn es knallt, dass es jedes mal ein wenig einfacher ist, wenn es knallt und dass du jedesmal ein wenig stärker wirst, wenn es knallt. Letzteres ist ein wichtier Punkt der Motivation, sich der Angst zu stellen. Es ist ein gutes Gefühl, wenn man eine Angst-Situation erfolgreich überstanden hat. Mir jedenfalls geht es so. Ich fühle mich nach jeder Konfrontation in meinem Selbstvertrauen gestärkt und dies alleine ist schon Grund genug, die Angst ab und zu beim Kragen zu packen, ihr in die Augen zu schauen, von ihr zu lernen um sie irgendwann einmal ad acta legen zu können. Dies geschieht natürlich immer im Wissen darum, dass wir unsere Angst nie vergessen werden und sie auch dann noch, wenn sie uns nicht mehr zu schaffen macht, immer noch ein Teil unseres Lebens, unserer Geschichte ist.
Wie hat doch Hermann Hesse im Gedicht "Stufen" so trefflich geschrieben:
Wir sollen heiter Raum um Raum durchschreiten,
An keinem wie an unsrer Heimat hängen,
Der Weltgeist will nicht fesseln uns und engen,
Er will uns Stuf` um Stufe heben, weiten.
Ein Teil des "Weltgeistes" manifestiert sich für uns Lygiophobiker in der Angst. Es gilt sie zu erkennen und als Chance anzunehmen. Schliesslich ist das alles hier doch nur eine grosse Spielwiese.
Grüsse, Bron
dawnation - 11.10.2007, 13:10
@Bron
Herzlichen Dank für Deine Worte ! Du erwähnst Einges, was auch mich darin bestärkt, meine Angst als positive Herausforderung und Motivation zum Wachsen zu erkennen, und nicht als Defizit und Grund, an mir selber zu zweifeln. Und ich mag Hesses Gedicht, sehr ...
vanessa - 14.10.2007, 15:05
Hey Downation,
willkommen hier bei uns! :wink:
Ich finde deine Frage interessant. Ich selbst habe mich auch noch keiner Konfrontation ausgesetzt. Außer jetzt im Sommer bei kleineren Gewittern.
Ansonsten könnte ich mir auch nicht vorstellen, freiwillig Ballons zerplatzen zu lassen oder ähnliches.
Ich denke aber, dass jeder Mensch seinen persönlichen Umgang mit der Angst finden muss. Für mache ist eine Konfrontation die einzige Möglichkeit, damit zu leben und daran zu arbeiten, dass es besser wird. Und für andere - mich eingeschlossen - ist es einfacher, offensiv damit umzugehen und zu sagen "ja, ich habe diese Angst und ich stehe dazu". Du gehörst vermutlich auch dazu, oder?
ilona - 15.10.2007, 20:17
Hallo Vanessa
Ich möchte dich jetzt nicht angreifen, aber ich möchte gerne etwas zu deinem Beitrag sagen.
Ich stehe auch zu meiner Angst, aber ich denke trotzdem, dass es besser ist wenn ich übe und sehe es passiert etwas als "tatenlos" herumzusitzen und mir zu sagen: "Ich habe halt die Angst und verkrümel mich wenn etwas ist," als es überhaupt nicht versucht zu haben.
dawnation - 16.10.2007, 10:19
... ich denke, Vanessa hat schon recht, wenn sie sagt, dass jeder für sich herausfinden muss, wie er/sie am besten mit der Angst umgeht, weil jeder wieder andere Bedürfnisse und Ausprägungen hat, anders funktioniert, und das soll auch so sein.
Es will hier sicher niemand den anderen angreifen, wir sitzen ja alle im selben Boot, nur was für den einen funktioniert, kann für den anderen halt kontraproduktiv sein, that's all ... Wollte mit diesem Thema nicht ins Wespennest stechen, tut mir leid !
vanessa - 17.10.2007, 10:56
Danke euch beiden für eure Antworten.
Ich hab das auch nicht als Angriff verstanden, Ilona.
Ich für mich habe herausgefunden, dass ich der Angst lieber aus dem Weg gehe, als mich der Konfrontation auszusetzen.
Und wenn es nicht zu Extremsituationen kommt, kann ich so mit der Angst auch gut leben.
ilona - 17.10.2007, 18:57
Hi ihr Zwei
Ich wollte auch nur sagen, dass auch ich zu meiner Angst stehe, auch wenn ich übe.
Wer nicht üben möchte, oder kann, aus welchem Grund auch immer, ist ja egal. Ich würde auch nie jemanden zum Üben zwingen, höchsten motivieren.
Ich sehe es einfach so, dass sicher viele hier zur Angst stehen, bzw. im Forum alle. Was außerhalb der Seiten passiert muss sowie so jeder für sich selbst entscheiden.
Rookie_One - 19.10.2007, 15:11
Mit der Konfrontation ist das so eine Sache... Wenn z.B. wie bei mir der Angstfokus bei Silvesterböllern liegt, ist es das Jahr über relativ leicht. Die gezwungene Konfrontation erfolgt dann fast nur die Tage um Silvester herum. Im restlichen Jahr könnte man fast meinen, dass die Einschränkungen im Leben durch die Angst nur minimal sind. An Silvester wird es einem dann erst wieder richtig bewusst, wie stark die Einschränkungen wirklich sind.
Übrigens: Silvester naht unerbittlich... So lang ist es nicht mehr bis dahin. Es fangen schon die ersten Leute an zu fragen "was hast du an Silvester vor" - und damit muss ich mir auch schon die ersten Ausreden einfallen lassen, nicht auf irgendwelche Partys zu gehen. Wie ist das bei Euch?
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