iphpbb - Forenarchiv: Archivbeitrag des Forums Lübeck und Umgebung
Verfügbare Informationen zu "Das zum Thema Steuer !!!"

  • Qualität des Beitrags:
  • Beteiligte Poster: Markus Zahn
  • Forum: Lübeck und Umgebung
  • Forenbeschreibung: Unterhaltung und Meinungen und Grüße
  • aus dem Unterforum: Soziales?Was heißt sozial und was beinhaltet es eigentlich???
  • Antworten: 3
  • Forum gestartet am: Donnerstag 02.02.2006
  • Sprache: deutsch
  • Link zum Originaltopic: Das zum Thema Steuer !!!
  • Letzte Antwort: vor 3 Monaten, 19 Tagen, 2 Stunden, 25 Minuten
Alle Beiträge und Antworten
Markus Zahn - 11.03.2008, 20:56
Das zum Thema Steuer !!!
http://www.stern.de/wirtschaft/finanzen- Zitat: versicherung/finanzen/613358.html?q=gerechte

EXTRA: Steuerfahndung

Beginn des Artikels
Abgaben

Wer zahlt eigentlich noch Steuern?
Diesen Artikel: Drucken Weiterempfehlen

© Thomas Willemsen Was Steuerflüchtlinge empfehlen: Boris Becker, Michael Schumacher und Niki Lauda werben in einem Prospekt für einen Fonds in Dubai


Von Andreas Hoffmann

Über 540 Milliarden Euro kassiert der deutsche Fiskus in diesem Jahr. Die weitaus größte Last tragen die Arbeitnehmer. Ist das gerecht? Nein, aber darum geht es in der Steuerpolitik schon lange nicht mehr.

Derzeit kursiert in besseren Kreisen ein Hochglanzprospekt. Darin werben die drei Steuerflüchtlinge Niki Lauda, Michael Schumacher und Boris Becker für eine Geldanlage in Dubai. Offen zum Steuersparen im Ausland aufrufen dürfen Firmen wie "Alternative Capital Invest" nicht. Aber das Kleingedruckte lässt keine Zweifel: Die Anlage ist diskret und vor dem deutschen Fiskus sicher. Ab 10.000 Euro ist man dabei.

Gut für den, der vermögend ist. Die Masse müht sich beim Steuersparen vergebens. Auch wenn Anwälte und Bankberater das Gegenteil versprechen: Millionen Arbeitnehmer können dem Fiskus nicht entrinnen, weil sie nicht mobil sind. Wer an der Supermarktkasse sitzt oder an der Werkzeugmaschine steht, kann nicht über Rechtskonstruktionen seinen Wohnsitz ins Ausland verlagern. Den Arbeitnehmern bieten Schweizer Behörden keinen Steuernachlass, damit sie sich wie Michael Schumacher am Genfer See niederlassen. Das ist Pech. Die wichtigsten Steuern und ihre Entwicklung


ANZEIGE


Aber Glück für den Fiskus. Weil er Geld braucht. "Der Staat muss für die Arbeitnehmer keinen roten Teppich ausrollen", sagt Wolfgang Wiegard, Steuerexperte beim Sachverständigenrat der Bundesregierung. Das verstoße zwar gegen das Gerechtigkeitsempfinden, sei aber nützlich. Moment mal. Geht es beim Steuersystem nicht um Gerechtigkeit, darum, dass die starken Schultern mehr tragen als die schwachen? Jeden Tag perlt den Politikern dieses Sozialmantra über die Lippen.


Der Staat braucht Einnahmen
Eine hübsche Legende. Beim Steuersystem geht es zunächst mal um Geld. Um Einnahmen, die der Staat benötigt, weswegen Finanzminister Peer Steinbrück bekennt: "I love cash." Der Staat bezahlt damit Lehrer, Polizisten und Soldaten, er überweist den Hartz-IV-Empfängern die Miete, den Familien das Kindergeld, bessert den Alten ihre Rente auf. Er unterstützt Kohlekumpel und Bauern, kauft Militärjets, baut Straßen und Schienen.

Der Staat ist ein Geldjunkie und deshalb nicht wählerisch. Er holt sich den Stoff, wo er ihn am leichtesten bekommt: bei den Arbeitnehmern. Wenn am Monatsende das Gehalt fließt, fließt auch die Lohnsteuer. Im vergangenen Jahr 132 Milliarden Euro. Wer eine CD kauft oder sich die Haare schneiden lässt, gibt auch dem Staat - die Mehrwertsteuer. 170 Milliarden Euro zuletzt. Weiter umzingelt sind wir von: Kraftfahrzeugsteuer, Biersteuer, Lotteriesteuer oder Alkopopsteuer.


Mehr zum Thema
Steueraffäre Liechtenstein: Der Bankerpresser von RostockKaum eine dieser Steuern ist gerecht. Den Fiskus interessiert es nicht, ob der Steuerzahler im Ferrari oder im Fiat an der Tankstelle vorfährt. Hauptsache, Benzin wird gezapft, viel Benzin, weil dann viel Mineralöl- und Mehrwertsteuer fließen.


Keine politisch brisanten Zahlen
Die Hauptlast des Steuerstaats schultern die Arbeitnehmer, zwei Drittel bis drei Viertel der 540 Milliarden Euro stammen aus ihren Taschen, schätzen Experten. 100 Milliarden zahlen die Firmen, und vielleicht 20, 30 Milliarden Euro geben die Zins-Menschen ab, die Geld arbeiten lassen. Genau weiß es keiner, weil es über die Steuern viele Zahlen gibt, nur diese politisch hochbrisanten nicht. "Die Einkommensteuerstatistik ist eine Blackbox", sagt Steuerexperte Clemens Fuest, der Steinbrücks wissenschaftlichen Beirat leitet.

Wie bitte? Die Arbeitnehmer zahlen am meisten, die Firmen ein bisschen, die Besitzer von Aktien kaum? Klarer Fall für Lafontaine. Linke, übernehmen Sie!

Doch die Verhältnisse taugen nicht zum Klassenkampf. Arbeitnehmer - und damit Lohnsteuerzahler - ist nicht nur der Mann bei VW am Band. Auch Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann und Ex-Postmann Klaus Zumwinkel sind (oder waren) abhängig beschäftigt. Sie zahlen Lohnsteuer. Unternehmer wie Textilfabrikant Wolfgang Grupp von Trigema zahlen Einkommensteuer. Und die Begüterten beiderlei Typs zahlen nicht wenig. Nach einer Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung trägt das reichste Prozent der Deutschen von der gesamten Lohn- und Einkommensteuer 22 Prozent, das wären etwa 42 Milliarden Euro. Die unteren 50 Prozent schultern nur 5 Prozent, also knapp 10 Milliarden Euro.


Reiche zahlen weniger
Die Elite stützt also den Staat, aber deutlich weniger als früher, was selbst Reiche wie den Hamburger Reeder und Millionär Peter Krämer empört. "Die Steuersätze für Erben sind lächerlich. Und die 0,6 Prozent Vermögensteuer für Reiche, die wir früher hatten, wären doch heute ganz in Ordnung", sagt er. Laut DIW ist der Anteil, den die Superreichen beitragen, inzwischen um ein Fünftel geringer als Anfang der 90er Jahre. Das hat Gründe. Der Spitzensteuersatz sank, und bei den Reichen wachsen die Einnahmen aus Vermögen und Unternehmensgewinnen überproportional, sie machen mittlerweile 95 Prozent ihrer Einkommen aus - bei denen aber ist der Zugriff für den Fiskus am schwersten. Auch dank Anlagefirmen wie Alternative Capital Invest, die Niki Lauda, Boris Becker und Michael Schumacher aufmarschieren lassen.

Wo Stars strahlen, folgt das Fußvolk. Jörg Huber kennt es. Wenn der 48-jährige Beamte an der Grenze zur Schweiz in Bietingen steht, kann er die Dilettanten unter den Steuerflüchtigen leicht erkennen: Manchmal sind es die Schuhe, wie bei dem Mann, der im Sommer Winterstiefel trug, um darin Bündel aus 500-Euro-Scheinen zu verbergen. Oder der wacklige Griff eines Spazierstocks. Ein 64-Jähriger hatte darin 70.000 Euro versteckt.
Clevere tragen exakt 9999 Euro bei sich, weil sie Bargeld erst ab 10.000 Euro anmelden müssen. Dabei suchen die Zöllner vor allem nach Hinweisen auf Geldwäsche und Terrorfinanzierung; Schwarzgeldschieber und Steuerhinterzieher finden sie nebenbei. Über den Fall Zumwinkel lacht Zöllner Huber: "Da zahlt der Staat fünf Millionen Euro für eine heimlich kopierte CD aus Liechtenstein, dabei hätten wir belastende Daten in Massen und müssen unsere Augen zumachen."


Keine Hinweise auf Geldwäsche
Erst am Vormittag hielt Huber Kopien von Scheckeinzahlungen über 3,5 Millionen Euro in Händen. Doch er konnte nichts unternehmen, weil konkrete Hinweise auf Geldwäsche fehlten. Früher hätten sie solche Daten an das Heimatfinanzamt gemeldet, worauf die Ertappten Steuern oft nachzahlen mussten. Vor drei Jahren habe die Oberfinanzdirektion das beendet. "Das kam wohl aus dem Ministerium, weil es den Oberen nicht gepasst hat", sagt der Zöllner. Die damals zuständige Oberfinanzdirektion Karlsruhe wollte sich zu den Vorwürfen gegenüber dem stern nicht äußern.

Offiziell reden die Politiker ganz anders. Nahezu jeder Finanzminister wollte bislang den Geldfluss über die Grenzen unterbinden. In der Praxis scheiterten alle. Als Gerhard Stoltenberg 1989 eine moderate Quellensteuer von zehn Prozent auf Kapitaleinkünfte einführte, flohen die Milliarden in Koffern über die Grenzen. Nachfolger Theo Waigel kapitulierte und schaffte die Steuer sechs Monate später ab. 1993 führte Waigel sie dann wieder ein, weil ihn die Karlsruher Verfassungsrichter dazu zwangen. Seitdem zahlen alle Bürger 30 Prozent Zinsabschlagsteuer auf die meisten Kapitalanlagen.

Hans Eichel versuchte es auf die freundliche Tour und wollte Steuerflüchtigen "eine Brücke zur Ehrlichkeit" bauen: durch eine Amnestie, wenn sie ihre auswärts versteckten Vermögen heimholten. Doch lediglich 1,4 Milliarden Euro kamen so in die Kasse, ein Drittel dessen, was sich Eichel erhofft hatte.


Gepäppelt wurden die Falschen
Dass ausgerechnet die Deutschen gern Steuern sparen, liegt auch an den Politikern. Sie haben die Bürger darauf abgerichtet, seit Jahrzehnten. Alles fing in der Stunde null an, als US-Amerikaner und Briten extrem hohe Unternehmensteuersätze von 95 Prozent vorschrieben, um möglichen Konkurrenten das Leben schwer zu machen. Damals entdeckten die Politiker die Steuervergünstigung. In den 70er Jahren wollte Weltökonom Helmut Schmidt den Wohnungsbau ankurbeln, und der steuerlich geförderte "Bauherr" erblickte das Licht der Welt, die Immobilienpreise stiegen - doch dem Wohnungsbau half all das wenig. Später wollten die Politiker den kriselnden Werften helfen, dem ostdeutschen Wohnungsbau, den Biogasanlagen oder dem deutschen Film - jeweils mit Steuervorteilen. Gepäppelt wurden oft die Falschen. Dafür boomte der Schiffbau in Südkorea und die Filmindustrie in Hollywood, weswegen dortige Produzenten über das "stupid german money" (dummes deutsches Geld) spotteten.
Banker und Steuerberater lieben komplizierte Steuergesetze. Neue Gesetze versprechen neue Kunden. Als Anfang des Jahrtausends Hans Eichel die Steuerregeln für Dividenden änderte und Aktien stärker belastete, gebar die Geldindustrie die "Zertifikate" auf ausgewählte Aktien. Mit diesem Finanzpapier kassiert der Anleger weiter Dividenden steuerfrei, und aus dem Nichts entstand eine Zertifikate-Industrie mit einem Volumen von 100 Milliarden Euro im Jahr 2005. Weltweit einmalig.

Auch künftig sind die Jobs der Berater sicher. Finanzminister Steinbrück will 2009 die Abgeltungsteuer einführen, womit Kapitaleinkünfte nur mit 25 Prozent belastet werden statt mit dem individuellen Einkommensteuersatz von bis zu 42 Prozent. Schon holen Berater aus der Schublade Produkte wie "Dachfonds", und Steuerexperte Fuest klagt: "Die Abgeltungsteuer ist ein Konjunkturprogramm für die Bankbranche."


Starker Steuerspartrieb
Beim Steuersparen "verdampft der Realitätssinn", urteilt das "Handelsblatt". Joachim Poß, langjähriger SPD-Steuerexperte, weiß warum: Beim Deutschen sei der "Steuerspartrieb stärker ausgeprägt als der Sexualtrieb". Kurios, denn die Deutschen sind kaum stärker belastet als die Bürger anderer Länder. Tatsächlich ist die Steuerquote, also der Anteil, den der Staat vom erwirtschafteten Wohlstand nimmt, seit Jahren stabil und liegt bei 22 Prozent. Damit rangiert Deutschland am unteren Ende der Industriestaaten. Wenn man Abgaben wie für Kranken- und Rentenkassen hinzuzählt, steigt die Quote auf 38,8 Prozent, womit sich die Bundesrepublik immer noch im Mittelfeld der Industrieländer befindet. Zudem rätseln die Forscher, ob wir zu viel oder zu wenig zahlen. Auf die Frage: "Sind die Steuern zu hoch?" sagte in einer breit angelegten Umfrage der "Financial Times Deutschland" die eine Hälfte der Ökonomen: "Ja" - und die andere: "Nein".

Wo vieles unklar ist, müssen die Parolen eindeutig sein. Einfach und gerecht soll das Steuersystem werden. Das sagen alle, solange es vage bleibt. Ein einfaches System will aber keiner. Die vielen Bankmenschen und Steuerberater bestimmt nicht, weil sie dann ihren Job los sind. Die Firmen auch nicht, weil sie nicht mehr mit waghalsigen Konstruktionen das Finanzamt umgehen könnten. Was gerecht ist, weiß sowieso keiner. Soll der Reiche zehn-, oder tausendmal stärker besteuert werden als der Durchschnittsdeutsche? Sollen Bauern auch künftig billiger tanken dürfen? Muss der Staat dem Arbeitnehmer die Fahrtkosten zum Job ersetzen, und ab welcher Entfernung ist das gerecht, ab 40 Metern oder 40 Kilometern?

Experten und Politiker werden bis zum Jüngsten Tag darüber streiten, dabei ist heute schon klar: Sollte die Steuerklärung je auf einen Bierdeckel passen, müssen die Steuern trotzdem bezahlt werden - von den Arbeitnehmern. Für sie gibt es kein Entkommen.

Mitarbeit: Frank Donovitz, Mathias Rittgerott, Jan Boris Wintzenburg
stern-Artikel aus Heft 10/2008


http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,540463,00.html
Zitat:
Alle Artikel
Drucken | Senden | Leserbrief | Bookmark 10. März 2008 webnews Yigg folkd Mister Wong Linkarena Del.icio.us Schrift:
US-BANKMANAGER
Wie sich die Milliarden-Vernichter rausreden
Von Marc Pitzke, New York

Selten zuvor war der US-Kongress mit einer solchen Riege der Reichen konfrontiert: Manager amerikanischer Banken haben im Parlament ihren Kurs während der Kreditkrise verteidigt. Sie haben versagt, trotzdem kassiert - und finden das gerecht.

New York - Die Herren stehen wir Zinnsoldaten nebeneinander und heben die Hand zum Eid. Gemeinsam verdienten sie in den vergangenen fünf Jahren fast eine halbe Milliarde Dollar. Die Großkonzerne unter ihrer Regie setzten allein im letzten Halbjahr mehr als 20 Milliarden Dollar in den Sand. Dieser Widerspruch, der die Exzesse der US-Kreditkrise wohl besser versinnbildlicht als jede Statistik, war am vergangenen Freitag im Kontrollausschuss des Repräsentantenhauses zu bestaunen.


AFP
Ausschuss-Zeugen (von links): Ex-Citigroup-Chef Prince, Citigroup-Aufseher Parsons, Ex-Merrill-Lynch-Chef O'Neal, Merrill-Lynch-Manager Finnegan, Countrywide-Gründer Mozilo


Bei den Herren handelte es sich um die Ex-Vorstandsvorsitzenden der Finanzhäuser Merrill Lynch und Citigroup , Stanley O'Neal und Chuck Prince, sowie den Noch-Chef der größten US-Hypothekenbank Countrywide Financial , Angelo Mozilo.

Es war das erste Mal überhaupt, dass die drei Top-Akteure der Finanzkrise seit deren Beginn in einem Raum waren. Der Ausschuss hatte sie vorgeladen, um die "zwei unterschiedlichen, wirtschaftlichen Realitäten in unserem Land" auszuleuchten, wie es der Demokrat Henry Waxman sagte, der Vorsitzende des Gremiums: Die Konzerne taumelten ins Verderben - während ihre Bosse dafür sogar noch belohnt wurden.

"Die meisten Amerikaner leben in einer Welt, in der Versagen reale wirtschaftliche Konsequenzen hat", schimpfte Waxman zum Auftakt der Sitzung, in der die Manager mehrere Stunden lang in die Zange genommen wurden. "Doch die Spitzenmanager unserer Nation scheinen nach anderen Regeln zu leben."

Der Sturz des "American Dream Builders"


FORUM

Zu hohe Manager- Gehälter?
Diskutieren Sie mit anderen SPIEGEL-ONLINE-Lesern!

Diese Sonderregeln offenbarte die Anhörung nun auf besonders deutliche Weise - mit den Worten der hochkarätigen Abzocker selbst. Es waren Ausreden, Ausflüchte, Rechtfertigungen. Und sie klangen wie Hohn in einem Land, das unaufhaltsam in eine Rezession rutscht.

Dass US-Spitzenmanager überbezahlt sind, ist eigentlich ja nichts Neues. "Business Week" spricht von der "Ära der Steroide" - in Anspielung auf die aufsehenerregenden Anhörungen zum Doping im US-Baseball, die kürzlich vor demselben Ausschuss stattfanden.

Doch was genau sich dabei hinter den Fassaden der Finanztürme abspielt, welches elitäre Denken dem zu Grunde liegt, das wurde hier spektakulär klar: Die "Master of the Universe", wie Tom Wolfe sie schon 1987 in seinem Wall-Street-Schlüsselroman "Fegefeuer der Eitelkeiten" titulierte, leben, denken und handeln in einer völlig eigenen Kunstwelt.

Zum Beispiel der 69-jährige Countrywide-Chef Mozilo. Der dauergebräunte, weißhaarige Metzgersohn, den sie einst den "American Dream Builder" nannten, war der einzige der Vorgeladenen, der seinen Job noch hat. Wenn auch nicht mehr lange: Countrywide ist so angeschlagen, dass es nun von Bank of America geschluckt wird. Sobald die im Januar beschlossene Übernahme perfekt ist, muss Mozilo abtreten.

22 Millionen Dollar als Notdürftigstes

Allein 2007 machte Countrywide 1,6 Milliarden Dollar Miese. Die Aktie verlor 80 Prozent ihres Wertes. Nach verschiedenen Berichten vom Wochenende nahm darüber hinaus nun auch das FBI Betrugsermittlungen gegen Countrywide auf. Die internen Firmenakten, die Countrywide dem Ausschuss zähneknirschend vorlegte, zeigen aber eine ganz andere Seite der Münze.


GESCHASSTE BANKENCHEFS: ABSPRUNG MIT GOLDENEM FALLSCHIRM
Fotostrecke starten: Klicken Sie auf ein Bild (8 Bilder)



Zur gleichen Zeit bekam Mozilo von seinem Verwaltungsrat ein Grundgehalt von 1,9 Millionen Dollar zugesprochen, plus 20 Millionen Dollar in Aktienoptionen. Insgesamt hat er als Vorstandschef seit 1998 rund 250 Millionen Dollar eingestrichen. Allein im vorigen Jahr, als die Kreditkrise richtig losbrach, stieß er Aktien im Wert von 121 Millionen Dollar ab.


IHRE MEINUNG IST GEFRAGT

Diskutieren Sie über diesen Artikel
Mozilos versuchte, diese Diskrepanz vor dem Ausschuss als klassisches Beispiel des "amerikanischen Traums" zu porträtieren. Er habe Countrywide zusammen mit seinem Partner David Loeb "in der Küche seiner New Yorker Wohnung" gegründet, sagte er. "Wir hatten einen gemeinsamen Traum." Er habe der Company sein "ganzes Leben gewidmet".

Die Unsummen, die er dafür bekam, seien an seiner Leistung orientiert gewesen: "Wenn es unserer Firma gut ging, ging es mir gut." Jede Kritik sei "gröblich übertrieben". So habe er 2007 keinen Bonus erhalten und verzichte bei der Übernahme durch Bank of America auch "freiwillig" auf eine Abfindung. Oder anders herum: Die fast 22 Millionen Dollar, die ihm jetzt dennoch gezahlt wurden, sind nur das Notdürftigste.

"Glück, harte Arbeit und Chancen"


SUBPRIME
Als Subprime werden Schuldner mit niedriger Bonität bezeichnet, arme Menschen, die sich den Kredit, den sie aufnehmen, eigentlich nicht leisten können. Dieser Sektor des Kreditmarktes entwickelte sich seit Anfang Juni 2003 in den USA, nachdem der damalige US- Notenbank- Chef Alan Greenspan den Leitzins auf ein Prozent abgesenkt hatte. Dadurch nahmen plötzlich viele Menschen Kredite für Hypotheken auf - ohne zu bedenken, dass sie diese später, bei höheren Zinsen, wieder zurückzahlen müssten. Der Markt boomt: Allein in den vergangenen zwei Jahren sollen US- Finanzdienstleister 3200 Milliarden Dollar an Hypothekendarlehen ausgegeben haben - rund 20 Prozent an Kunden geringer Bonität. Wie sehr Mozilo freilich nach jeder weiteren Extraleistung gierte, enthüllte ein internes Memo, das der Ausschuss auftrieb. Da drohte Mozilo in einer Email im Oktober 2006, den Konzern zu verlassen und 36 Millionen Dollar Abfindung einzufordern, wenn ihm das Board nicht sofort genügend "Respekt und Anerkennung" zolle - sowie gewisse Sonderwünsche erfülle. Etwa "Reisen mit dem Privatflugzeug auf Kosten der Company".

Mit dem Memo konfrontiert, demonstrierte Mozilo Betretenheit: "Ich bitte um Entschuldigung. Ich bedauere diese Worte." Dafür, trotzdem weiter abkassiert zu haben, während seine Kunden ins Elend gestürzt wurden, entschuldigte er sich aber nicht.

Eine ähnliche Haltung zeigte Ex-Merrill-Lynch-Chef O'Neal. Sein Brokerhaus verlor im letzten Jahr zehn Milliarden Dollar, der Aktienwert schrumpfte auf fast die Hälfte. O'Neal - der in seinen sechs Jahren als CEO mehr als 163 Millionen Dollar verdiente - musste im Oktober abtreten, handelte sich dazu jedoch eine clevere Lösung aus: Er wurde offiziell nicht gefeuert, sondern durfte freiwillig "in den Ruhestand treten", was ihm Anspruch auf ein Pensionspaket im Wert von 161 Millionen Dollar sichert.

Auch O'Neal spielte das herunter, und präsentierte sich lieber als Beispiel des "American Dreams": "Mein Großvater, James O'Neal, wurde 1891 als Sklave geboren." Alles, was er erreicht habe, "war das Resultat jener einzigartigen Kombination aus Glück, harter Arbeit und Chancen, wie es sie nur in diesem Land gibt."

Der "große Reibach"

O'Neal führte noch ein anderes, häufig genutztes Argument an: Die anderen machten es ja genauso. "Die Finanzindustrie zahlt seit langem schon hohe Entlohnungen." Sein Gehalt stehe also "im Einklang mit dem Besoldungsniveau der Industrie".


Bilanztermine:

Montag
Blackstone
Six Flags

Wirtschaftstermine:

Montag
Großhandel

Dienstag
ICSC Ladenkettenindex
Handelsbilanz
Redbook Einzelhandelsindex
ABC/Washington Post Verbrauchervertrauen

Mittwoch
MBA Refinanzierungsindex
Staatshaushalt

Donnerstag
Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe
Importpreise
Einzelhandelsumsätze
Lagerbestände
DJ- BTMU Konjunkturbarometer

Freitag
Verbraucherpreisindex
Reuters/University of Michigan Verbraucherklima Ach ja, und übrigens: Für das Subprime-Kreditdesaster sei er sowieso nicht persönlich verantwortlich: "Ich habe die täglichen Aspekte des Merrill-Geschäfts mit hypothekarisch gesicherten Wertpapieren nicht gemanagt."

Dass diese Vorstandsherren nicht die geringste Reue zeigen, merkte der Ausschuss auch an Chuck Prince, dem Ex-Chef der Citigroup. Wie Merrill Lynch verlor die größte US-Bank 2007 rund zehn Milliarden Dollar und fast die Hälfte ihres Aktienwerts. Prince dagegen bekam zum Abgang im November - ebenfalls als freiwilliger "Ruhestand" getarnt - 10,4 Millionen Dollar Bonus und 28 Millionen Dollar Aktienoptionen. Sowie weiter laufende Leistungen im Wert von 1,5 Millionen Dollar pro Jahr für die nächsten fünf Jahre. Inklusive Büro, Sekretärin und Chauffeur.

Prince nannte das nur "fair". Unter seiner Ägide habe Citigroup schließlich "etliche nennenswerte Erfolge" erzielt. Auch habe er "hart gearbeitet", um die Interessen des Managements mit denen der Shareholder "in Einklang zu bringen". Und dann sagte er etwas, was nahelegte, dass er seinen goldenen Fallschirm sogar eher als Schmerzensgeld betrachtet: "Es ist nie leicht, von einer Firma zurückzutreten, der man seine ganze Karriere gewidmet hat."


MEHR ÜBER...
Wall Street Hypothekenkrise US-Kongress zu SPIEGEL WISSEN Am Ende der Sitzung blieb ein schaler Nachgeschmack - und das Gefühl, dass sich wenig ändern wird. "1980 verdienten Vorstandschef 40-mal so viel wie ein Durchschnittsarbeiter", sagte Waxman. "Heute bekommen sie 600-mal so viel." Zehn Prozent aller US-Konzerngewinne fließen inzwischen allein den CEOs zu - selbst wenn sie ihre Unternehmen ins Unheil stürzten.

Es ist eine alte Weisheit, an die kürzlich auch "Fortune"-Kolumnist Allan Sloan erinnerte: Die entthronten Chefs müssten eine Weile lang schlechte Presse erdulden, würden letztlich aber "den großen Reibach machen". Fazit: "Selbst wenn du an der Wall Street in Flammen aufgehst, darfst du das Geld noch behalten."
Markus Zahn - 24.03.2008, 22:13

http://www.bundesfinanzministerium.de/nn_3380/DE/Wirtschaft__und__Verwaltung/Steuern/001__Starke__Schultern.html?__nnn=true
Zitat:
Starke Schultern tragen mehr
Neue Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) belegt gerechte Verteilung der Steuerlast

Spitzenverdiener tragen am meisten zum Einkommensteueraufkommen bei – und damit zur Finanzierung des Staates. Überdies reduziert das System der progressiven Einkommensbesteuerung die Einkommensungleichheit in Deutschland. Das hat eine am 25. Februar 2008 publizierte Studie des DIW ermittelt. Ihre Ergebnisse und Schlussfolgerungen decken sich weitgehend mit denen des Bundesfinanzministeriums, auch wenn diese im Detail auf anderen Berechnungsgrundlagen basieren.

Die Kernergebnisse der DIW-Studie (Untersuchungszeitraum 1992-2002) zur Steuerlastverteilung:

Die obersten zehn Prozent zahlen mehr als 50 Prozent des Einkommensteueraufkommens in Deutschland.
Das oberste eine Prozent trägt zu über 20 Prozent zum Steueraufkommen bei.
Die weniger gut verdienende Hälfte hingegen trägt lediglich fünf Prozent bei.
Parallel dazu die Berechnungen des Bundesfinanzministeriums:

Von den oberen fünf Prozent der Steuerpflichtigen stammen 40 Prozent des Steueraufkommens;
von den unteren 50 Prozent der Steuerpflichtigen nur 6,2 Prozent.
Wer wie viel zum Steueraufkommen beiträgt, ist über die Jahre relativ konstant geblieben.
BMF: Spitzenverdiener zahlen ab 51.215 € zu versteuernden Einkommen 42 Prozent
Die Studie des DIW kommt allerdings auch zu dem Schluss, dass die 450 reichsten Deutschen im Schnitt nur 34 Prozent an Einkommensteuern zahlten. Dieses Ergebnis des DIW ist jedoch Folge eines anderen Einkommensbegriffs. Damit sind die Auswertungen nicht direkt mit den üblicherweise veröffentlichten Analysen zur Steuerbelastung vergleichbar.

Das Bundesfinanzministerium hat in seinen Berechnungen einen Durchschnittssteuersatz von 42 Prozent für die 450 Steuerfälle mit dem höchsten zu versteuernden Einkommen ermittelt (Jahr 2002).

Sozial gerechtes Einkommensteuersystem
Entscheidend ist aber, dass das DIW – unabhängig von diesen methodischen Unterschieden – die Wirksamkeit des Systems belegt: Die Progression lässt den Steuersatz mit der Höhe des Bruttoeinkommens steigen. Ein deutlicher Umverteilungseffekt der Einkommensteuer sei statistisch nachweisbar.

Es ist ein Märchen, dass Reiche kaum Steuern zahlen.
Um es mal so zu sagen,meiner Meinung zahlen die Steuerzahler,sprich wir (sorry)kleinen Würstchen den Löwenanteil aller Steuern.Wer soll denn den Müll glauben,das Reiche den größten Anteil aller Steuern zahlen?Die verpissen sich doch sonst wohin ins Ausland,nachdem Sie deutsche Arbeitnehmer ausgelutscht haben.ist doch auch klar,das die Reichen alles abstreiten und sich als Representatoren Deutschlands sehen.Dann möchte ich in Zukunft kein Deutscher mehr sein,denn diese Peinlichkeiten und Dekadenzen,die im Fernsehen gezeigt werden,bei RTL Explosiv und Exclusiv und auf Pro7 Taff finde ich persönlich abstossend,während woanders Menschen gequält werden,gejagt werden,verhungern ,gefoltert und eventuell auch hingerichtet werden.Man nehme nur das derzeitige Thema China.Davon mal abgesehen könnten wir auch ein Steuerparadies sein,nicht nur für uns Arbeiter alle Steuern um mindestens 10 % niedriger wären als jetzt,könnte sich der Markt in Deutschland nicht nur wieder stabilisieren sondern gar flurieren.Ihr habt Recht,man kann bei der derzeitigen Politik nicht mehr durchsteigen,wer die meiste Steuerlast trägt.Wer überhaupt was macht.Der angeschisene ist am Ende wieder nur der Bürger,der für sein Lohn schwer arbeiten muß und deren Renteneintrittsalter immer weiter nach hinten geschoben wird,bis sich die Rente nicht mehr lohnt.HerrSchäuble will ja die Rente erst ab 70 für Arbeiter.Wo soll das noch hinführen ???
Markus Zahn - 05.04.2008, 21:33

http://www.bpb.de/wissen/TQ0PLW,0,Steueraufkommen_nach_Steuerarten.html
Ist recht interessant !!!Deshalb muß ein Arbeiter heutzutage nicht weniger wert sein als nach dem Krieg.Ich kann nichts dafür,das es Adolf Hitler und seine Grausamkeiten gab.Man vergisst einfach,das es nach dem Krieg auch noch weitere Generationen gab bzw. noch gibt,die rein gar nichts mit dieser Vergangenheit zutun haben,aber damit belastet werden.Mit welchen Recht ? Ich lebe heute und will ,wie alle anderen auch ,ganz einfach LEBEN DÜRFEN !!!Arbeit gibts es noch und nöcher,durch die Globalisierung und Zertifizierung und Bewertung von Menschen und deren Leistungsfähigkeit wird es wieder zusowas kommen,was wir mal leider hatten.Es sind ja jetzt schon Gründe vorhanden,das Menschen zu Bespitzeln,siehe Lidl und Konsorten.Ein schlichter aber bösartiger Generalverdacht gegen alles was sich bewegt,aber nebenbei die Pins der Kunden mittels der installierten Kameras ausspähen ,was?So fängt es an und am Ende werden vermeindlich wertlose Menschen wieder eleminitert oder was ???Hauptsache die Damen und Herren aus Wirtschaft und Politik so wie unsere Promis haben Geld ,noch und nöcher.Sollen die doch daran ersticken,ich hoffe qualvoll !!!Zum anderen ist doch so:Geht es dem Volk schlecht ,geht es der Regierung auch schlecht.Da kann mal sehen,wie gut unsere Volksvertreter noch leben.Fragt sich immer,wo die das illegal Geld herhaben.
:n68:
Mit folgendem Code, können Sie den Beitrag ganz bequem auf ihrer Homepage verlinken
Weitere Beiträge aus diesem Forum
Neues Unterhaltsrecht? - gepostet von Markus Zahn am Sonntag 22.10.2006
Schade eigendlich - gepostet von Markus Zahn am Mittwoch 10.01.2007
Russpartikelfilter - gepostet von mzahn13 am Dienstag 14.02.2006
Immer mehr Unfälle?! - gepostet von mzahn13 am Donnerstag 03.08.2006
Schuldig oder Nichtschuldig ? - gepostet von Chrissy am Donnerstag 25.01.2007
Ein glückliches neues Jahr 2008 - gepostet von Chrissy am Donnerstag 10.01.2008
Gewalt gegen Frauen - gepostet von Chrissy am Freitag 05.10.2007
Ähnliche Beiträge
Standardfrage =) - gepostet von Mitz am Dienstag 18.09.2007
Naruto - gepostet von Oburi am Samstag 28.01.2006
Heaven shall burn | Neues Video - gepostet von Behemoth am Sonntag 03.02.2008
@Hörnchen - gepostet von Norgi am Donnerstag 30.03.2006
Qualifikationskurs - gepostet von Johannes Braunstein am Dienstag 25.04.2006