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kessy - 18.03.2008, 18:47
Irland tötet Border Collies am laufenden Band
Kleine Zeitung" vom 16.03.2008 Seite: 63 Ressort: LEBEN Von: KARIN RIESS
Steiermark
Aus einem Hundeleben
In Irland werden pro Jahr mehr als 15.000 Hunde eingeschläfert. Der Verein
"Uisneach Border Collie Rescue" vermittelt gerettete Tiere nach Österreich.
KARIN RIESS
Clarence hat Glück gehabt. Der irische Border Collie hat 2003 in Linz eine
neue Heimat samt Familienanschluss gefunden, in der er am 17. März bereits
zum fünften mal den irischen Nationalfeiertag St. Patrick's Day erlebt. Sein
Frauchen, Bettina Falzeder, hat den schneeweißen Vierbeiner über den Verein
"Uisneach Border Collie Rescue" aus Irland zu sich geholt. Dort war der
gehörlose Rüde in einem der irischen Dog Pounds gelandet. Für die meisten
Hunde ist in diesen staatlichen Tierheimen Endstation. Auf der Insel wurden
2003 mehr als 20.000 Hunde in den Dog Pounds eingeschläfert, im etwa gleich
großen Schottland waren es im selben Jahr 800 Vierbeiner. Die Situation hat
sich dank der knapp hundert Tierschutzvereine, die auf der Insel tätig sind,
zwar verbessert, pro Jahr sterben dort aber immer noch über 15.000 Tiere.
Züchten und einschläfern
"In Irland genießen nur Nutztiere hohen Stellenwert. Wenn ein Hütehund also
nicht zur Arbeit taugt, wird er einfach aussortiert" , erklärt Doris Klein,
Obfrau des Vereins "Irische Hunde in Not e.V.", der die Arbeit der irischen
Organisation in Deutschland unterstützt. Ähnlich wie den Border Collies geht
es den irischen Windhunden: Sie werden auf der Rennbahn verbraucht und dann
entsorgt.
Die Dog Pounds werden so zahlreich frequentiert, weil die Tiere dort
kostenlos eingeschläfert werden. Einmal dort gelandet, haben die Tiere fünf
Tage Zeit, bevor die Tötungsspritze gesetzt wird. "Viele Collies oder
Windhunde erleben diese Galgenfrist nicht, weil die Rassen als
unvermittelbar gelten", sagt Klein. Border Collies repräsentieren einen
Anteil von etwa 40 Prozent aller in Irland gehaltenen und eingeschläferten
Hunde. Ein weiterer Grund für die überfüllten Tierheime ist, dass in Irland
so genannte "Puppy-Farms" legal sind. Die Bauern züchten Hunde, um das
Familieneinkommen aufzubessern. Nach dem Motto: Jeder züchtet sie, aber
niemand braucht sie. "Viele Tiere werden nicht einmal in die Dog Pounds
gebracht. Sie werden ertränkt, erschlagen oder ausgesetzt", schildert Doris
Klein.
Clarence ist mit heilem Fell davongekommen. Er ist eines von rund 700
Tieren, die Uisneach Border Collie Rescue in den letzten Jahren in den
deutschsprachigen Raum vermittelt hat, 20 davon leben heute in Österreich.
"Ich habe Clarence auf der Homepage des Vereins gesehen, und es war Liebe
auf den ersten Blick", erzählt Bettina Falzeder, die einen Club für
Hundesportarten betreibt. Und ein paar Monate später hatte Clarence ein
neues Plätzchen, in dem er auch nicht lange der einzige Ire blieb: Cheally,
eine Border Collie-Dame, die heute als Therapiehund arbeitet, folgte.
Probleme bei der Eingewöhnung der geretteten Hunde gab es kaum. Wer
Interesse an einer Adoption hat, muss wissen, dass Border Collies keine
Schoßhunde sind: "Sie brauchen regelmäßig Bewegung und sind sehr gelehrig.
Hütehunde wollen Aufgaben, die sie geistig fordern", weiß die
Oberösterreicherin. Das macht die familienfreundliche n Vierbeiner perfekt
für Hundesportarten wie Agility, bei dem Hindernisparcours absolviert
werden.
Mit ihrer Liebe zu den Hunden von der grünen Insel hat Bettina Falzeder auch
ihren Bekanntenkreis angesteckt: Zehn Border Collies bilden in Linz bereits
eine kleine irische Enklave.
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