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Schauspielschule Köln - 16.06.2008, 13:25
Liliom-Franz Molnár am 20+21.06.08 im Arkadas Theater Köln
Deutsches Zentrum für Schauspiel & Film
Der „Verein zur Förderung von Theaterprojekten für Blinde, Behinderte, Kinder und Jugendliche e.V.“ präsentiert
Liliom
Von Franz Molnár
(Deutsch von Alfred Polgar)
Liliom, das ist durch alle Zeiten der Strizzi, der Schiffschaukelbremser, der Halbstarke, das Ghettokid, der aktenkundige Problemfall, die ewige Unterschicht. „Vorstadtlegende“ nannte 1909 Franz Molnár sein Stück aus dem Budapester Stadtwäldchen, einem schäbigen Vergnügungsviertel für die kleinen Leute, krimineller Bodensatz, Halbwelt. Die einstige Budenstadt ist längst abgerissen, doch noch heute locken dort ärmliche Fahrgeschäfte – Tristesse pur. Die Vorstädte, das sind heute die Banlieus, die Ghettos, Kieze, Plattenbauten, die no-go-areas: Heimat der Zukunftslosen.
So einer ist Liliom: großmäulig, brutal, ein Poser, Weiberheld und Abhänger, Hilfsarbeiter, arbeitslos, kriminell. Und doch: wenn er Julie trifft, die sich bedingungslos für ihn entscheidet, hofft selbst er, dass „ aus einem nichtsnutzigen Kerl…auch noch ein Mensch“ werden kann. Und vermasselt es, denn geliebt zu werden, hält er am wenigsten aus, da schlägt er zu.
Aber Liliom ist auch ein Gaukler - ein Künstler, sagt die Chefin- der zu bezaubern vermag. Sein Freiheitsdrang ist nicht zu brechen, wird er entlassen, ist’s ihm recht, ein „Hausmeister“ ist er nicht, und lieber ersticht er sich, als sich einsperren zu lassen.
Was fängt man mit so einem an? Auch die himmlischen Behörden geraten mit ihm an ihre Grenzen, er kann nicht gerettet werden, er richtet sich selbst.
Die Inszenierung von Géza Melczer-Lukács überträgt das Geschehen behutsam in die Gegenwart. Seine Figuren sind coole junge Leute, die trotz des molnár’schen Tons (in der Übersetzung von Alfred Polgar) besonders in der Sprachlosigkeit ihrer Gefühlswelt erschreckend heutig wirken.
Das Spiel der Geschlechter dreht der ungarische Regisseur kurzerhand um: Liliom, der Macho, scheitert auch an der Stärke der Frauen. Und so besetzt Melczer-Lukács auch schon mal gegen den Strich: die Muskat ist ein Transsexueller, die oberste Behördenautorität eine Frau, gerade auch im Himmel…
Eine formale Besonderheit der Inszenierung liegt in dem Ansatz, das Stück auch für Sehbehinderte und Blinde erlebbar zu machen. Geräusche werden choreographisch eingesetzt und Duftcollagen erweitern die Ausdrucksmittel. Die verwendete Musik untermalt nicht, sondern überträgt assoziativ Stimmungen und Inhalte.
Theater für alle Sinne – eine Einladung an die Zuschauer, sich darauf einzulassen!
Liliom:Sie-Min Park
Julie: Verena Gross
Marie: Ramona Frauenrath
Die Muskat: Alexander Ehlers
Ficsur: Benjamin Holland
Wolf Beifeld: Alfio Muscia
Die Polizeipräsidentin: Yasmin Lichtenstein
Frau Linzmann: Anna Spicher
Regie: Géza Melczer-Lukács
Kostüme: Karin Kroemer
Bühne: Burkhard Gerkens
Tonkollage: Miroslav Wilner
Géza Melczer-Lukács
Regieassistenz: Anna Spicher
Arkadas Theater e.V.
Bühne der Kulturen e.V.
Platenstr. 32
50825 Köln
http://www.arkadastheater.de
Premiere 20.06.2008 20.00 Uhr
Vorstellung 21.06.2008 20.00 Uhr
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