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Izabella - 08.07.2007, 10:31
"Dödling tryek"
Hier also mal meine Einleitung zur neuen Story. :wink: Der Titel heißt übersetzt 'tödlicher Drang', was besseres fiel mir nicht ein. Solltest du noch Vorschläge haben, nur her damit, weiß ja, das du so was besser kannst als ich... *g*

Unangenehm, unüberhörbar und nervtötend. Assoziationen denen er noch unzählige hätte hinzufügen können, wenn das schrille, anhaltende Piepsen inzwischen nicht sogar seine Gedankengänge beeinflussen würde. Es einfach überhören, sich in Ruhe dem laufenden Radioprogramm und dem gedeckten Frühstückstisch widmen zu können, wünscht er sich immer wieder, doch das Geräusch blieb. Wurde zunehmend lauter und verfolgte ihn durch die ganze Wohnung. Hallte durch die dünnen Wände. Wie sich Menschen mit Tinitus fühlen mussten, erlebte er jeden morgen selbst und nahm sich vor, endlich etwas gegen das beinahe schmerzliche Piepsen zu unternehmen, was jedoch nie in die Tat umgesetzt wurde. Der Alltag ließ es ihn vergessen, bis es am nächsten Tag wieder in sein Bewusstsein drang. Laut, kontinuierlich und unberechenbar.
Die Hand um seine warme Kaffeetasse gelegt, in der anderen Hand die aktuelle Zeitung, schob er unsanft seinen Stuhl zurück, dass er geräuschvoll über den Boden scharrte. Ebenso unsanft knallte er die Tasse auf die Tischplatte, dass der Kaffee über den Rand schwappte. Die Zeitung landete daneben. Seine Geduld war längst überschritten, was an seinem Gesichtsausdruck nicht zu übersehen war. Mit stechendem Blick fixierte er sein Ziel. Als er die kleine Küche verließ wurde gerade die Badezimmertür geöffnet und mit einem breiten Grinsen trat sein Kommilitone und WG-Kollege in den Flur. Um seine Hüften nur eine Badetuch gewickelt, die Haare noch nass. „Der Hammer liegt griffbereit im Werkzeugkasten. Soll ich ihn dir holen? Wäre mir ein Vergnügen.“ Mit einem verächtlichen ‚Ach, halt die Kla**e’, überhörte er den stichelnden Satz seines Freundes und riss stürmisch die Tür am Ende des Flures auf. Der dumpfe Schlag war nicht zu überhören, als die Tür gegen die Wand schlug. Friedliche Dunkelheit umfing ihn, hätte in diesem Moment nicht wieder der schrille Ton sein Lied begonnen.
„Könntest du dieses Ding endlich einmal zum Schweigen bringen. Ich beabsichtige nicht mein restliches Hörvermögen wegen eines Weckers zu verlieren.“ Ungnädig warf er die Worte in den Raum, rechnete jedoch nicht damit, dass etwas geschah. Seit Wochen ein alltägliches Spiel.
„Sie weiß eben, wie sie dich wieder an ihr Bett locken kann. Na los, gib deiner Süßen nen Kuss und stell endlich das Piepsen ab, bevor sich die Kranführer im Hafen wegen Lärmbelästigung beschweren.“ „Ich bringe gleich dich zum Schweigen, wenn du dich nicht bald aus meinen Angelegenheiten heraus hältst.“ Seine Nerven schon aufs äußerste gespannt, schaffte sein WG-Kollege es mit Bravour seine Wut noch weiter anzustacheln. „Spar’ dir weitere Kommentare und lass mich in Frieden“, warnte er ihn knurrend, bevor er eilig das dunkle Zimmer durchschritt, dabei einen Bücherstapel umstieß und mit einem kräftigen Ruck die Vorhänge öffnete. Das helle Licht der Sonne strömte in das Zimmer. Fiel auf das Eisenbett im Raum, wie auch auf den immer noch piepsenden Wecker davor. Ein Handgriff genügte und es herrschte erholsame Stille. Erleichtert atmete er auf, wollte seinen Unmut jedoch nicht verborgen halten. „Wie lange willst du das hier eigentlich noch fortführen? Uns spiel’ mir nicht vor, du würdest tief und fest schlafen, denn ich kenne niemanden, der bei diesem Krach nur annähernd schlafen könnte. Du hast unter unsere Beziehung einen Schlussstrich gezogen, nicht ich, also was soll dieses Theater?!“
Dumpf und leise drangen die wütenden Worte an ihr Ohr, kämpften sich mit großer Mühe in ihr Bewusstsein. Benommen öffnete sie die Augen, als wäre sie soeben aus einem tiefen Koma erwacht, und richtete sich in ihrem Bett auf. Das sofort einsetzende Schwindelgefühl ignorierte sie, ebenso wie die Gänsehaut und der kalte Schauer, der über ihren Rücken lief, trotz der angestauten Wärme im Raum. Er hatte das Fenster geöffnet und sich lässig gegen das Fensterbrett gelehnt.
„Ich erwarte eine Antwort, Izabella. Was bezweckst du mit dem allmorgendlichen Terror und erzähl’ mir nicht schon wieder, du würdest deinen Wecker einfach nicht hören. Dazu müsste man schon in tiefe Bewusstlosigkeit sinken.“ Ihre blonden Locken fielen ihr sanft auf die zierlichen Schultern und vermittelten das Bild eines Engels, doch bei genauerer Beobachtung bemerkte man ihre trüben, blauen Augen und ihre blasse Gesichtsfarbe. Sie sah mitgenommen aus und hatte Mühe sich zu orientieren. Die vorwurfsvollen Fragen ihres Ex-Freundes ignorierte sie, stand vorsichtig auf und tapste in das Gemeinschafts-Bad der WG.

Nur eine Viertelstunde später verließ Izabella die WG und machte sich auf den Weg zur nächsten U-Bahn-Station, um pünktlich ihre Schicht in einem Café in der Speicherstadt beginnen zu können. Mit diesem Job finanzierte sie sich ihr teures Studium in der Hansestadt.
Im hektischen Treiben des Morgens fiel Izabella nicht weiter auf, doch auch wer sie genauer in Augenschein genommen hätte, hätte nichts mehr von ihrem trüben Blick und ihrer fesselnden Müdigkeit bemerkt. Ein sanftes Lächeln lag auf ihrem Gesicht und ein wenig Farbe sorgte dafür, um ihren Augen die nötige Ausdruckskraft zu verleihen. Leichtfüßig, mit einem, mit Kaffee gefüllten Pappbecher in der Hand, lief sie die vielen Treppen zur U-Bahn hinunter und warf einen kontrollierenden Blick auf eine große Bahnhofsuhr. Die U-Bahn musste jeden Moment einfahren und sie durfte sie nicht verpassen. „Marco wird sich freuen, wenn er die Tische und Stühle schon wieder alleine aufbauen muss“, erinnerte sie sich selbst und erhöhte ihr Tempo. Das Geräusch ihrer dünnen Absätze hallte an den kahlen Wänden wieder und wurde von der einfahrende Bahn übertönt. „Das die auch nie Verspätung haben, wenn man es braucht.“ Izabella rannte schon fast und überholte gerade eine Gruppe Touristen, als sie spürte, wie ihr schwarz vor Augen wurde. Ihr Puls raste, ihr Herz schlug hart gegen ihre Brust und sie versuchte sich verzweifelt auf den Beinen zu halten, das Schwindelgefühl zu überwinden. Sie durfte ihm nicht nachgeben. Nicht jetzt. Ihre Hand tastete nach der kahlen, Rettung versprechende Wand, doch noch bevor ihre Fingerspitzen sie berührten, gaben ihre Knie nach und Izabella sank benommen zu Boden. Als ihr Kopf auf dem harten Stein aufschlug, war sie bereits bewusstlos. Der schwarze Kaffee verteilte sich über den Boden.
Kathrin - 11.07.2007, 13:21

Genüsslich atmete er tief ein, als er die ersten Schritte in das Gebäude setzte. Endlich konnte er diesen Geruch wieder bis in die letzten Poren seines Körpers aufnehmen und ihn geniessen. Mit einem glücklichen Lächeln auf den Lippen setzte er sich wieder langsam in Bewegung und ging auf die Rezeption zu. Zwar stieg in ihm mit jedem Schritt den er ging die Nervosität was die neue Arbeitsstelle bringen würde, aber sein Selbstbewusstsein hatte er dennoch nicht abgelegt. Die Blicke der Frauen an denen er vorbei ging ignorierte er ebenso wie sämtliches Geflüster unter vorgehaltener Hand. Nur zu oft hatte er dieses Szenario schon miterlebt und er wusste, dass die meisten Leute ihn mit ihren Blicken fixierten wenn er an ihnen vorbei ging. Er war groß und man sah seinem Körper deutlich an, dass er jede freie Minute mit Sport verbrachte. Einzig die lange, breite Narbe die seinen Hals und einen Teil der Backe zierte ließ die Leute dann doch wieder den Blick von ihm abwenden. Ohne die Narbe hätte man ihn auch fast als männliche Schönheit bezeichnen können, aber so war für die Frauen eher der durchschnittstyp, aus dem man sich nichts machte und von dem man nichts wollte. Fast schon fasziniert ließ er seinen Blick durch die langen Gänge des Krankenhauses streifen und blickte den Notärzten gebannt hinterher. Wenn er jetzt dann erst noch seine normalen Klamotten gegen die Arbeitskleidung getauscht hätte wäre sein Traum in Erfüllung gegangen.

"Entschuldigung, kann ich Ihnen helfen?" Erschrocken fuhr er herum und blickte seine Gegenüber forschend an. Die dunkelbraunen Locken und das Muttermal im Gesicht hatten ihn sofort fasziniert, aber schon an ihrem weißen Kittel sah er, dass sie selbst Ärztin war und er es lieber langsam angehen lassen sollte. "Moin. Ja, ich sollte mich bei Dr. Dietrich melden." "Dann müssen Sie der neue Arzt sein, der frisch vom Studium kommt, richtig?" Ihre Direktheit verblüffte ihn. Sah man es ihm schon von außen an, dass er von der Uni kam und die Approbation in der Tasche hatte? "Ich frage mal lieber nicht ob man mir das ansieht, aber ja der bin ich. Jakob Schwarz." Freundlich streckte er ihr die Hand zur Begrüßung hin und die Tatsache, dass sie ja im Prinzip seine Kollegin war, konnte er noch nicht so richtig begreifen. Dass die Ärztin ihm gegenüber aber zum lachen anfing als er sich vorgestellt hatte, brachte ihn nun doch aus dem Konzept und etwas verunsichert blickte er sie fragend an. "Anna Jacobi. Denke es wird noch ein paar Verwechslungen geben mit den Namen." "Ja das ist gut möglich. Wie läuft das hier intern so? Duzt man sich gegenseitig?", wagte er einen raschen Vorstoß, um die offensichtlichen Fettnäpfchen vermeiden zu können. "Ja generell schon. Für Dr. Dietrich gelten natürlich andere Regeln, aber untereinander halten wir das recht locker. Also keine Scheu, ich bin Anna." "Okay Anna. Weil dann bin ich nicht Jakob, sondern Jamie." "Ich versuchs mir zu merken, ja? Weil ...", weiter kam Anna nicht mehr, denn ihr Piepser riss sie aus der lockeren Atmosphäre und sie schaltete augenblicklich um, um dem Patienten die bestmögliche Versorgung bieten zu können. "Ach ja, dritter Stock, Zimmer 315", ohne ein weiteres Wort zu verlieren ließ sie Jamie alleine stehen und eilte auf die Intensivstation.

Während er sich auf dem Weg zu seiner neuen Chefin machte, ließ er sich diese erste Begegnung schon durch den Kopf gehen. Die Ärztin hatte einen netten Eindruck gemacht und er hoffte Dr. Dietrich wäre Charakterlich auch so einzuordnen. Er hatte zwar schon viel über sie gehört, wollte sich aber selbst ein Bild von ihr machen. Als er dann eine halbe Stunde später wieder aus dem Zimmer der Ärztin kam war seine gute Laune und auch das Selbstbewusstsein in Hinblick auf sein medizinisches Wissen verflogen. Schon die ersten Minuten hatte sie ihm klar gemacht, dass er im Prinzip nichts wusste und es mehr als schwer haben wird. Den geplanten Rundgang hatte sie dann auch ausfallen lassen, weil sie meinte er würde das schon selbst schaffen und sie noch ein wichtiges Telefongespräch zu führen hatte.

Mit Hilfe einiger Schwestern fand er letztlich den Weg zu der Küche wo sich normalerweise der Notarzt und Rettungssanitäter tummelten wenn nichts zu tun war. Zögerlich klopfte er an und hoffte, dass wenigstens die Kollegen alle so nett wären wie Dr. Jacobi. Als er den Raum betrat herrschte eine fast schon unheimliche Stille und er blickte unsicher in die Runde. Erst als er sich vorgestellt hatte rührten sich die andereren aus ihrer Starre und begrüßten ihn mal mehr oder weniger freundlich. Laut der Chefin sollte er an diesem ersten Tag gleich den NAW und RTW begleiten. Vorsichtig musterte er den zuständigen Notarzt und konnte nicht sofort einordnen ob ihm dieser sympathisch war oder nicht. "Also gut Schwarz, am besten du gehst dich gleich mal umziehen. Das was du nicht hast wird dir Malte Olsen leihen und dann mach ich dich klar für den NAW. Die Schicht beginnt in exakt 15 Minuten." Ohne irgendeine Wiederrede zuzulassen stand Dr. Philipp Haase auf und verließ eilig den Raum. Fast schon ungläubig blickte Jamie ihm hinterher und folgte dann langsam dem Rettungsassistenten. "Mach dir nix draus, der ist immer so." Dankbar blickte Jamie Malte an und ein paar Minuten später hatte er sich dann auch umgezogen und war noch nervöser als zuvor. Jetzt würde sich entscheiden ob die guten Noten gerecht waren die er seinen Prüfungen bekommen hatte.

Kaum dass Malte ihm den Weg zum NAW gezeigt hatte und Philipp gerade angefangen hatte ihm zu erklären wo er was fand ging der erste Einsatz los. "Hast dir ja nen tollen Tag ausgesucht Schwarz. Wenn der so bleibt sind wir heute abend wie tot." Eilig sprang Jamie zu Philipp und Malte in den NAW und kaum dass die Türe zu war rasten sie auch schon aus der Garage hinaus. "Wie viel traust du dir jetzt dann zu? Wir haben eine bewusstlose Person in der U-Bahn." Fragend drehte sich Philipp zu dem jungen Arzt um und wollte eine ehrliche Selbsteinschätzung hören. Würde dieser sagen, er könnte die komplette Versorgung übernehmen, wäre für Philipp klar, dass er nur ein Hochstapler war. Er wollte versuchen so etwas mehr über diesen herauszufinden. "Ich weiß es ehrlich gesagt nicht. Wäre mir aber ganz Recht, wenn ich mich mehr im Hintergrund halten könnte. Wir hatten das während dem Studium nicht so häufig." Zufrieden mit der Antwort drehte sich Philipp ohne ein weiteres Wort zu sagen wieder zurück und blickte konzentriert auf die Straße.

"Entschuldigung, lassen Sie uns hier bitte mal durch. Hallo!" Bepackt mit allen medizinischen Geräten und auch schon der Trage des RTW eilten die drei Mediziner die unzähligen Treppen der U-Bahn Station hinunter. Rasch ließen sie die Sachen auf den Boden sinken als sie bei der bewusstlosen Frau angekommen waren. Gespannt beobachtete Jamie alle Handgriffe von Philipp und reagierte dennoch blitzschnell, als dieser alles für einen Zugang von ihm benötigte. Eilig suchte er die Sachen zusammen und reichte sie dem Notarzt. "Was genau ist hier eigentlich passiert?" Fragend blickte er zu den umstehenden Personen auf und erhoffte sich genauere Details zu erfahren. Einfach so konnte eine so junge Frau nicht bewusstlos zusammenbrechen.
Izabella - 14.07.2007, 10:51

Ein demonstratives Kopfschütteln und ahnungsloses Schulterzucken ging durch die Reihen der Schaulustigen, als der Medizinier sie direkt ansprach. Wenige drehten sich sogar um, als hätten sie nichts gehörtt und setzten ihren Weg fort, aus Angst helfen zu müssen.
"Welche Geschichte wäre dir lieber Kollege? Die vom mysteriösen Unbekannten, der sie ausgeraubt und zusammengeschlagen hat, die vom eifersüchtigen Freund oder die Tatsache, das mal wieder keiner etwas gesehen hat? Jetzt machen Sie schon Platz. Sie sehen doch, das hier keine neugierigen Zuschauer benötigt werden!" Mit lauter Stimme trieb er die verbliebene Menschenmenge auseinander und seine Größte genügte, um sie zum weitergehen zu bewegen, Widersprüchen entgegen zu wirken. "Von denen wirst du keine brauchbaren Informationen erhalten. Ist immer so. Hauptsache sie bekommen eine dramatische Rettung zu sehen. Die rücken erst mit der Sprach heraus, wenn wir längst weg sind und unsere Kollegen hier mit einem Gespräch auf dem Polizeikommissariat drohen", gab Malte kurz seine jahrelange Erfahrungen an Jamie weiter, bevor er sich über ihre Patientin beugte und vorsichtig deren blutende Kopfplatzwunde versorgte. Eine Ringerlösung ergoss sich bereits in ihre Venen und Philipp nahm den Beutel und reichte ihm den Polizisten, welcher ihnen gerade indirekt vermittelt hatte, das es keine Ergebnisse gab.
"Moin Boje. Habt ihr etwas, was uns weiterhelfen könnte?" "Negativ. Franzi ist zwar noch dran, aber wir konten nicht einmal die Personalien feststellen und ohn Personalien keine detaillierten Angaben und keine Vorgeschichte. Und wie sieht es bei euch aus?" Mit dem Funkgerät in der Hand und einen einschüchternden Eindruck hinterlassend , was seine Größe betraf, ließ Oberkommissar Bernd Thomforde einen musternden Blick über den neuen Kollege von Malte und Philipp gleiten. Prägte sich den Namen auf dem, an der roten Rettungsjacke befestigten Schild gut ein, bevor er sich wieder dem Notarzt zuwandte. "Einen Gewaltübergriff kann ich bereits ausschließen, ebenso wie erheblichen Alkoholkonsum. Alles weitere jedoch könnte durchaus möglich sein. Schwangerschaft, Drogenkonsum, vorausgegangenen Erkrankungen. Nichts ist auszuschließen." Philipp griff noch einmal kurz nach seiner Lampe und leuchtete der jungen Frau in die Augen, doch eine Pupillenreaktion blieb aus. "Wir intubieren, Schwarz. Die tiefe Bewusstlosigkeit könnte uns sonst während der Fahrt Probleme bereiten. Malte, Puls und Blutdruck?" "Unverändert niedrig." "Verdammt, häng' noch ne HAES dan und miss den Blutzucker. Unterzucker wäre auch eine naheligende Möglichkeit." Die Anweisungen hallten an den Wänden wieder und obwohl sie in der Konstellation noch nie zusammen gearbeitet hatten, schienen sie ein perfektes Team zu sein.

Kalt. Der steinerne Boden auf dem sie lag war kalt und sie spürte, wie ihr Körper zu zittern begann, um sich vor dieser Kälte zu schützen. Sie wollte ihre Arme eng um sich legen, um sich zu wärmen, doch ihr Körper gehorchte ihr nicht. Was war geschehen? Ein dumpfer Schmerz pochte unaufhörlich in ihirem Kopf und hinderte sie daran einen klaren Gedanken zu fassen. Um sie herum herrschte Dunkelheit und auch die fremden Stimmen, die ihr so nah und in nächsten Augenblick wieder so weit entfernt vorkamen, gaben ihr nicht die nötige Orientierung. Izabella wollte ihre Augen öffnen, sehen was passiert war, doch ihre Lider bewegten sich kein bisschen. Sie fühlte sich wie eine steife Puppe, zu keiner Bewegung, zu keiner Handlung zu keiner Reaktion fähig. Müdigkeit überkam sie, doch sie kämpfte erfolgreich dagegen an und ihre Gedanken überschlugen sich beinahe, auf der Suche nach einer Antwort auf ihre Fragen.
Unerwartet zuckte ihr Körper zusammen, als jemand nach ihrer Hand griff und sie festhielt. Panisch versuchte sie sich dagegen zu wehren, ihre Hand aus der Umklammerung zu befreien, doch noch immer war ihr keine Bewegung möglich. Endlich konnte sie die Augen öffnen und alle Geräusche um sich herum wieder wahrnehmen. Natürlich, sie war auf dem Weg zur Arbeit gewesen, als sie ein plötzliches Schwindelgefühl überkam. Sie musste gestürzt sein.
Vorsichtig bewegte sie ihren schmerzenden Kopf und sah einen Arzt neben sich knien, der ihr soeben eine Spritze verabreichte. Dass sie wach war, schien er noch nicht registriert zu haben. Für einen kurzen Moment schloss sie die Augen, um sie sofort wieder zu öffnen, mit dem festen Entschluss, den Versuch zu unternehmen und einer Einlieferung ins Krankenhaus zu entgehen.
Kathrin - 14.07.2007, 20:46

"Nichts da, Sie bleiben schön liegen." Rasch kniete sich Jamie wieder neben der Patientin auf den Boden und zwang sie dazu liegen zu blieben. Von Jamies Stimme alarmiert lenkte Philipp seine Aufmerksamkeit wieder unmittelbar auf die Patientin und er zog rasch die kleine Taschenlampe aus seiner Jacke. Zum Wiederholten Male leuchtete er ihr in die Augen, konnte aber noch immer keine deutliche Reaktion der Pupillen feststellen. "Himmel ich verstehe das einfach nicht", leise fluchend drehte sich Philipp wieder zu Malte und Jamie um. "Wir nehmen sie mit ins EKH, ich will sie mir genauer ansehen. Irgendetwas stimmt hier nicht." Relativ schweigsam packten sie sämtliche Sachen wieder in den Rucksack und die Koffer zurück und hoben die junge Patientin vorsichtig auf die Trage. Während Boje ihnen den Weg nach oben freimachte und Jamie und Malte die Trage hoch trugen wirbelten die Gedanken des jungen Arztes wild durcheinander. Ein inneres Gefühl sagte ihm, dass er etwas übersehen hatte. Etwas, was ihnen sagen könnte weshalb die junge Frau zusammengebrochen war. "Schwarz!", hart blaffte Philipp seinen Kollegen an und holte ihn somit aus seinen Gedanken zurück in die Wirklichkeit. Noch während Jamie seinen Gedanken nachgehangen war hatten sie den RTW erreicht und die Trage sollte auf das Metallgestell geschoben werden. Nachdem sich die Türen des RTW's geschlossen hatten und Malte bereits eingestiegen war, nahm Philipp Jamie zur Seite. "Merks dir am besten gleich. Wir haben hier keine Zeit zu träumen oder jedem einzelnen Schicksal nachzuhängen, klar? Sieh zu, dass du uns das NAW zurück ins EKH fährst. Malte und ich begleiten auf dem RTW." Ohne ein weiteres Wort zu verlieren drehte er sich auf dem Absatz um und stieg rasch in den RTW.

Den ganzen Weg zurück überlegte er fieberhaft auf was die Symptome und Merkmale hindeuten könnten, aber er kam anfangs auf keine Lösung, schließlich musste er sich auch dauernd auf den Verkehr konzentrieren. Wie immer wenn er aufgeregt war und ihn eine Sache nicht los ließ begann auch jetzt die lange Narbe zu jucken und er strich vorsichtig darüber. Wie wenn das ein Auslöser gewesen war, lichtete sich plötzlich der Nebel in seinem Kopf und er konnte jedes einzelne Symptom zuordnen. Wie ein Puzzel begannen die Merkmale sich zusammen zu setzten und als er das Ergebnis dann geistig vor sich sah war er sich fast sicher, dass es so sein musste. Mit den ganzen Geräten im Wagen kannte er sich nicht aus, wollte Philipp das aber irgendwie nicht sofort über Funk mitteilen. Zu oft hatte er bei vorherigen Praktias gehört wie sich die Ärzte beschwerten, dass die jungen Ärzte immer versuchten alles besser zu wissen. Er wollte keiner von ihnen sein und nahm sich vor, Philipp in der Notaufnahme darauf anzusprechen. Aber kaum dass er den NAW neben dem RTW abgestellt hatte verfiel alles in solche eine Hektik, dass ihm keine Zeit blieb den Notarzt zur Seite zu nehmen. "Zirka 20-jährige Patientin. Ist in der U-Bahn bewusstlos zusammengebrochen, Kreislauf instabiel und auch nach zwei HAES unverändert niedrig. Kaum Pupillendifferenz und nur kurz ansprechbar." Rasch zählte Philipp alles auf, was Anna für die Übernahme benötigen würde und verschwand ohne auf Jamie zu achten in der Notaufnahme und einem der angrenzenden Behandlungszimmer. "Mach dir nix draus, der ist immer so", freundschaftlich legte Malte dem jungen Arzt eine Hand auf die Schulter und dirigierte ihn bestimmt in die Richtung der kleinen Küche. "Du gönnst dir jetzt am besten mal ne Tasse Kaffee, und dann erzähl mal ein bisschen was von dir." Wiederspruchslos ließ sich Jamie mitziehen, hing mit seinen Gedanken aber immer noch bei der Patientin und dem unbestätigten Verdacht, weshalb sie zusammen gebrochen war.
Izabella - 14.07.2007, 21:02

Nach der kurzen Untersuchung in der Notaufnahme hatte man Izabella auf Station gebracht, um ihren Zustand und ihre Werte weiterhin zu beobachten. Eine Diagnose hatte man immer noch nicht stellen können, dazu gab es auf der einen Seite zu wenig Symptome und auf der anderen Seite zu viele Symptome die sich widersprachen. Die Ärzte bekamen weder Blutdruck noch Puls unter Kontrolle und man hatte bei den Untersuchungen sogar festgestellt, dass sie erniedrigte Körpertemperatur hatte. Vollkommen unlogisch, bei den momentan heißen Außentemperaturen.
Izabella hatte die Augen geschlossen und hörte das regelmäßige Piepsen des EKGs, doch in Wirklichkeit lauschte sie auf die unregelmäßigen Schritte auf dem Flur. Auf keinen Fall wollte sie hier bleiben und weitere Untersuchungen über sich ergehen lassen. Erfolgschancen würde es keine bringen und sämtliche Tests würden negativ verlaufen. Als sie sich sicher sein konnte, dass es auf dem Gang leiser wurde und nur noch hin und wieder jemand an ihrem Zimmer vorbei ging, stand sie auf und löste sich von den Geräten, bevor sie sich umzog und dann leise zur Tür ging. Sicherheitshalber öffnete sie diese leise und vorerst einmal nur einen Spaltbreit. Niemand war zu sehen und so nutzte sie ihre Chance, um zu verschwinden.
Kathrin - 14.07.2007, 21:27

Gerade als Malte und er bei der zweiten Tasse Kaffee waren und angeregt diskutierten ging die Tür auf und die beiden Männer verstummten sofort. "Nur keine falsche Scheu, ich beiße nicht", lachend betrat Anna das kleine Zimmer und griff gleichzeitig nach einer Tasse Kaffee und einem Stück Kuchen aus dem Kühlschrank. "Ne Anna, so hochwertig waren unsere Gespräche nun auch wieder nicht." Grinsend blickte Malte die Ärztin an und zwinkerte Jamie kurz zu. Die beiden hatten sich innerhalb der kurzen Zeit nun schon fast angefreundet und kamen blendend miteinander aus. Vom Alter her war zwischen ihnen auch nicht so viel Unterschied, und dass sie es beide unter Philipp nicht so einfach hatten machte sie sozusagen zu Verbündeten. "So so, infizierst du jetzt Jamie auch schon mit deinen intelligenten Gesprächen." Verwirrt blickte Malte zwischen Anna und Jamie hin und her. "Ach ja, bin ich ja noch gar nicht dazu gekommen. Sag bitte nicht Jakob zu mir. Jamie finde ich besser." "Ist auch okay." Noch ehe die beiden hätten weiterreden können ging ein neuer Einsatz ein und sie sprangen gleichzeitig auf und liefen nach draußen zu dem NAW. Konzentriert und angespannt nahm Jamie im NAW Platz und hoffte bei diesem Einsatz würden sie nicht vor so viele Rätsel stoßen.
Izabella - 14.07.2007, 21:36

Philipp wartete bereits bei den Fahrzeugen auf seine Kollegen und gab kurz die Details des nächsten Einsatzes weiter. Auffahrunfall bei den Landungsbrücken, zwei verletzte Personen, eine Person davon eingeklemmt. Nur wenige Sekunden nach dieser kurzen Übermittlung sprangen die Motoren an und mit Blaulicht und Martinshorn rasten NAW und RTW auf die Straße. Die Gedanken von allen dreien war bei ihren nächsten Patienten und bei der Situation die sie erwarten würde.

Sie konnte es noch gar nicht fassen, wie einfach es doch gewesen war, unerkannt aus dem Krankenhaus zu entkommen. Ohne ihre Personalien würde man nicht feststellen können, wo sie sich aufhielt. Gut gelaunt machte sich Izabella erneut auf den Weg zu ihrer Arbeit, auch mir mehr als einer entschuldbaren Verspätung. Allerdings konnte sie sich nun die Fahrt mit der U-Bahn sparen, denn vom EKH aus, war die Speicherstadt ja gleich um die Ecke. Erschrocken zuckte sie zusammen, als dicht neben ihr zwei Einsatzfahrzeuge vorbei fuhren und blickte den Wagen noch lange hinterher.
Kathrin - 15.07.2007, 11:15

Am Einsatzort herrschte für Jamie ein unbeschreibliches Chaos und eine Hektik, mit der er nicht sofort fertig wurde. Während Malte und Philipp ruhig an die Sache rangingen und es für sie auch mehr oder weniger ein Routineeinsatz war, musste er an seine Grenzen gehen um damit fertig zu werden, was sich ihm hier bot. Der Fahrer war in seinem Wagen komplett eingeklemmt geworden und konnte nur mit Hilfe der Feuerwehr geborgen werden, während der Beifahrer sich sogar selbst hatte befreien können. Nur unter großer Mühe schaffte Jamie es ruhig zu bleiben und die Erstversorgung des Beifahrers zu übernehmen. Insgeheim war er Philipp und Malte dankbar dafür, dass sie ihn nicht für die Versorgung des Fahrers eingeteilt hatten. In dem Moment wäre er nicht fähig gewesen irgendeine genaue Diagnose stellen zu können, geschweige denn den Patienten richtig zu versorgen. "Nun kommen Sie. Setzen Sie sich mal hier hin, ich werde mir dann mal die Platzwunde ansehen. Haben Sie sonst noch irgendwo Schmerzen?" Vorsichtig stüzte Jamie den Beifahrer und ließ ihn auf dem Trittbrett des RTW hinsetzen. "Kümmern Sie sich doch um ihre eigenen Angelegenheiten. Mir fehlt nichts." Die starke Alkoholfahne die ihm entgegenwehte machte ihm einiges klar, und er verstand weshalb sich der Patient gar so rüde benahm. "Ob Ihnen was fehlt oder nicht, lassen Sie mal meine Sorge sein. Vorsicht, ich klebe Ihnen jetzt die Wunde zu." Unbeirrt fuhr Jamie fort den Mann zu behandeln und ließ sich auch durch dessen Sprüche nicht durcheinander bringen. Erst als der Mann im RTW saß und von den Kollegen in ein nahegelegenes Krankehaus zur Überwachung gebracht wurde, merkte Jamie wie sehr ihn der Einsatz geschlaucht hatte.

"Na komm Kollege, Mittagspause." Jamie schreckte aus seinen Gedanken hoch, als Malte ihm auf die Schulter schlug und bereits in Zivil vor ihm stand. Er war immer noch so in Gedanken gewesen, dass er ihn nicht hatte kommen hören. Langsam erhob er sich aus dem Stuhl und ging rasch zu den Umkleiden. Ein Arbeitsplatz am Rand der Speicherstadt war wie ein Traum und er beschloss die nähere Umgebung etwas besser zu erkunden. Zwar kannte er sich in Hamburg gut aus, und während des Studiums war er mit seinen Kumpels auch oft durch die Stadt gezogen, aber alleine machte ihm so etwas noch viel mehr Spass. Lässig schlenderte er an den Fleeten entlang und blieb hin und wieder lange an den unzähligen Brücken stehen. Die Aussicht die sich da immer wieder bot war einfach umwerfend und er konnte nicht genug davon bekommen. Leise vor sich hin pfeifend ging er noch weiter und wollte fast schon wieder umkehren, als er eine Person am Boden liegen sah. Rasch beschleunigte er seinen Gang und kniete neben der jungen Frau, deren Gesicht er nicht sehen konnte nieder. "Hallo! Kann ich Ihnen irgendwie helfen?"
Izabella - 15.07.2007, 19:22

Benommen drehte sie ihren Kopf in die Richtung aus der die tiefe, männliche, aber doch beruhigende Stimme kam. Sie versuchte das Gesicht des Mannes zu erkennen, der neben ihr kniete, doch ihr Körper wollte ihr heute einfach nicht gehorchen. Nur ein verschwommenes Bild nahm sie wahr und Panik ergriff sie. Wie konnte es sein, dass ihr Kreislauf bereits zum zweiten Mal an diesem Tag schlapp machte und sie bewusstlos auf der Straße zusammenbrach? Sie war heute Früh ja nicht enmal zu ihrem alltäglichen Trainingseinheiten gekommen, die sie ansonsten absolvierte. Was hatte sie ihrem Körper also schon abverlangt, was er nicht hätte leisten können?
Der Versuch sich auf ihren Händen abzustützen und aufzusetzen misslang und mit einem lautlosen Seufzer wandte sie sich wieder von dem Fremden ab, dessen Stimme sich so bekannt für sie anhörte. "Bitte... ich will nicht... nicht zurück ins Krankenhaus...", flüsterte sie leise, bevor sich ihre Augen schlossen und sie wieder bewusstlos wurde.

Als Izabella ihre Augen vorsichtig öffnete umfing sie ein dämmriges gelbes Licht. Immer noch benommen und mit dem Gefühl soeben aus einem stundenlangen Tiefschlaf aufgewacht zu sein, versuchte sie sich aufzurichten, auch wenn sie jetzt bereits wusste, dass man sie zurück in das Krankenhaus gebracht hatte, aus dem sie geflohen war. Sie war mit einem EKG verbunden und eine Ringerlösung ergoss sich langsam durch den Venenzugang in die Vene der linken Hand. Trotz der Medikamente, die man ihr, in ihrer Bewusstlosigkeit verabreicht hatte, fühlte sie sich nicht besser. Das Piepsen des EKGs machte sie nervös und die übliche Krankenhausluft erinnerte sie an ihren letzten Krankenhausaufenthalt, den sie auch da selbst beendet hatte. Tränen stiegen Izabella in die Augen und ein leises Schluchzen kam über ihre Lippen. Hatten die Ärzte bereits herausgefunden, was ihre Symptome zu bedeuten hatten oder bereiteten sie die nächsten Untersuchungen vor? Bluttest, Drogentest und was man sonst noch in Anbetracht zog, was ihr fehlen könnte. Der Gedanke daran, dass die Ärzte bereit die Diagnose in Händen hielten ließ ihr schlecht werden und ein heftiger Schmerz fuhr durch ihren Magen. Am ganzen Körper begann sie erneut zu zittern und doch rührte sie die Bettdecke nicht an, die man ihr nur leicht übergelegt hatte. Erniedrigte Körpertemperatur dran hatte sie sich längst gewöhnt.
Tief verzweifelt schluchzte Izabella auf und ließ ihren Tränenströmen freien Lauf. Sie war eine Gefangene in den Händen der Ärzte, die ihre Vorgeschichte nicht interesssieren würde, sondern die sie nur in eine andere Klinik verweisen würden, wo sie noch mehr Gefangene war, mit strengen Vorschriften und Regeln. Reichte es nicht, dass sie sich selbst zur Gefangenen machte?
Leise und vorsichtig wurde ihre Zimmertür geöffnet und kaum sah Izabella die rote Dienstjacke, schloss sie die Augen und stellte sich schlafend. Sie wollte niemanden sehen, mit niemanden reden und niemanden zuhören müssen. Sagten ihr doch alle die gleichen Worte, dass alles wieder gut werden könnte. Solange sie es selbst nicht wollte, würde sich auch nichts ändern. Leise trat jemand an ihre Bettseite und ging dann um das Bett herum, um, so vermutete sie es zumindest, ihre Werte zu überprüfen, die sich nicht verändert hatten. Wieder hörte sie wie die Tür geöffnet wurde und eine zweite Person den Raum betrat.
"Lass dich lieber von Philipp hier drin nicht entdecken. Er sieht es als Notarzt nicht gerne, wenn man ein Schicksal eines Patienten zu nahe an sich heran lässt. Wobei ich mir manchmal denke, dass auch er sich viel mehr Gedanken um seine Patienten macht, als er zugeben möchte. Wo hast du sie eigentlich gefunden? Wir wollten gerade die Polizei einschalten, als dein Anruf kam." Auch wenn die Stimme der Ärztin ruhig und freundlich klang, so wusste Izabella, das sie nie Vertrauen zu ihr fassen konnte. "Welche Erklärung hättest du eigentlich für die unverändert niedrigen Werte, Jamie?" Ihr stockte der Atem, als sie die Frage hörte und innerlich spürte sie ein Gefühl der Erleichterung, denn noch immer fehlte den Ärzten die Diagnose.
Kathrin - 16.07.2007, 13:11

Als Anna hinter Jamie den Raum betreten hatte drehte er sich langsam zu ihr um und blickte ihr offen ins Gesicht. Wie oft hatte er im Studium die Worte der Professoren gehört, die ihnen immer wieder klar gemacht hatten, dass Mitleid der falsche Weg war um den Patienten zu helfen. Wie genau hatten sie sich das eingeprägt, man hätte sie im Schlaf wecken können und sie hätten den Satz aufgesagt. Aber jetzt im echten Leben kam ihm der Satz fast wie blanker Spott vor. Wie sollte man es nur schaffen sich so abzuschotten und nichts mehr an sich heran zu lassen? "Ich weiß, dass Mitleid der falsche Weg ist Anna, aber ich kann mich nicht dagegen wehren. Wenn sie das hat was ich vermute, wird eine schwere Zeit auf sie zukommen. Sie lag auf dem Weg zu dem Cafe, hinten in der Speicherstadt. Du weißt schon, der Nobelschuppen. Es war mehr Zufall dass ich sie entdeck habe." Nachdenklich drehte sich Jamie wieder zu der jungen Frau um. Sollte sich seine Befürchtung wirklich bewahrheiten? Es würde zumindest auch annähernd erklären weshalb sie aus dem Krankenhaus geflohen war. "Ich will mich hier nicht als jemand aufspielen der alles weiß, aber diese Krankheit war eines der letzten Themen im Studium. Schau, viel zu niedrige Körpertemperatur, den Willen immer weiter zu machen, egal was der Körper sagt. Das eingefallene Gesicht, der schlechte Gesamtzustand und ein viel zu niedriger Blutdruck. Eigentlich kann es nur Magersucht sein, aber ich bin mir nicht ganz sicher. Dazu müsste man zuerst mit ihr reden." Langsam drehte er sich wieder um und blickte lange die scheinbar schlafende Patientin an. Hatte er wirklich Recht oder würde es eine andere, einfachere Erklärung dafür geben?
Izabella - 16.07.2007, 15:19

Vollkommen gleichgültig, ob man hinter ihre Täuschung bemerken würde, rollte sich Izabella wie ein ängstliches Kleinkind unter der weißen Decke zusammen und suchte Schutz vor dem, was auf sie zukommen würde. Tests, Gespräche und neugierige Psychater, die versuchen wollte ihr zu helfen und sie aus dem Teufelskreis zu befreien, doch ihr konnte keiner helfen. Leise liefen ihr wieder die Tränen über das Gesicht und sie unterdrückte ein lautes Schluchzen, um die Aufmerksamkeit der beiden Ärzte nicht auf sich zu lenken. Vielleicht wäre es besser gewesen man hätte sie gar nicht gefunden und ihr Körper wäre in eine tiefe Bewusstlosigkeit gesunken. Es wäre ihr egal gewesen, ob sie auf der Intensivstation im Koma lag, so hätte sie zumindest keine Kraft aufbringen müssen, um sich der Herausforderung und den Kampf gegen den Teufelskreis zu stellen.
Anna füllte ein Protokoll, das sie in der Hand hielt, mit nötigen Informationen aus und beobachtete ihren jungen Kollegen aus den Augenwinkeln heraus. "Unsere Kollegen vom PK haben gerade angerufen. Noch immer ist keine Identität bekannt, was allerdings hilfreich wäre, um Angehörige zu verständigen."
Kathrin - 16.07.2007, 15:30

Jamie fasste die wenigen Worte der Ärztin als Auftrag auf die Identität der Frau heraus zu finden. Geistesabwesend nickte er Anna zu und blickte ihr hinter her als sie wieder aus dem Zimmer ging. Leise ging er um das Bett herum und blickte die Patientin an. War er, der er ja nur sehr wenig Erfahrung aufweisen konnte wirklich der Richtige um eine Art Vertrauen aufzubauen? Langsam kamen die Selbstzweifel in ihm hoch und er fühlte sich nicht mehr wohl in seiner Haut. Zögerlich zog er sich einen Stuhl an das Bett und überlegte was er sagen sollte. Wie alt sie wohl war? Jünger als er? Angesichts ihrer Tränen, die immer noch wie Bäche über ihr Gesicht liefen beschloss er sie sanft anzureden. Vielleicht würde er es ja schaffen und konnte eine Art Vertrauen aufbauen. "Wie fühlen Sie sich?" Eine schlichte Frage, die trotzdem nicht dämlicher hätte sein können, schimpfte er sich selbst. Weil, wie sollte sie sich schon fühlen?
Izabella - 16.07.2007, 15:42

Alles hatte sie mitgehört, was die beiden Ärzte untereinander ausgestauscht hatten und sie war fest entschlossen kein einziges Wort über ihre Lippen gleiten zu lassen. Man würde sie hier nicht festhalten können und in eine Psychatrie würde sie sich auch nicht bringen lassen. Niemals! Ihre Willenskraft kehrte zurück und ohne darauf zu achten, ob ihr Kreislauf wieder bereit dafür war, setzte sie sich stürmisch auf und funkelte den jungen Arzt aus geröteten Augen an. Seinen mitleidigen Blick konnte er sich sparen, diente er doch nur dazu, um das in Erfahrung zu bringen, zu was er beauftragt worden war. "Wann kann ich das Krankenhaus verlassen?" Keine Unsicherheit und kein Zittern lagen in ihrer Stimme, sondern tiefe Entschlossenheit. Erneut spürte sie ein Schwindelgefühl, doch sie schloss nur kurz die Augen und schon war es überstanden. Wie als hätte sie eine starke Schutzmauer vor sich aufgebaut, wollte sie den Arzt auf keinen Fall näher als nötig an sich heran kommen lassen. Er sollte ihretwegen ihre Werte kontrollieren und ihr aufbauende Medikamente verabreichen, doch mehr würde sie nicht zulassen.
Kathrin - 16.07.2007, 15:51

"Das Krankenhaus verlassen? Ich fürchte nicht so schnell. Und ein zweites Mal werden wir Sie nicht ausbüxen lassen." Jamie versuchte genauso viel Entschlossenheit in seine Stimme zu legen, aber er spürte, dass es ihm nur halb so gut gelungen war wie er gewollt hatte. Irgendetwas musste ihn ja schließlich von den erfahrenen Ärzten unterscheiden, auch wenn er es nicht wollte. "Man kann Sie zwar nicht gegen Ihren Willen hierbehalten, aber es wäre wirklich sinnvoller hier zu bleiben. Nein nein, stop", Jamie hob abwehrend die Hände, als er sah, dass die junge Frau zu einem Protest ansetzen wollte. "Ich will hier keinen Psychologen spielen, dafür habe ich nicht studiert, aber ich will, dass Sie von sich aus einsehen, dass das keine Möglichkeit ist so weiter zu machen." Beharrlich blieb Jamie dabei was er dachte und versuchte es ihr klar zu machen. Noch hatte er keine Ahnung warum er das alles überhaupt tat, denn wie Anna vorhin schon gesagt hatte, keiner würde es für gut halten was er hier tat. Aber auf der anderen Seite war er niemand, der einfach so vergessen konnte.
Izabella - 16.07.2007, 15:59

"Hören Sie auf! Ich brauche weder Ihr Mitleid, noch Ihre guten Ratschläge! Es ist mein Leben das ich zerstöre und auch sie werden mir nicht helfen können etwas daran zu ändern. Sie können vielleicht reden und mich hier gefangen halte, mich mit Beruhigungsmittel ruhig stellen, aber wirklich helfen können Sie nicht. Verschwinden Sie, ich will niemanden von euch Notärzten sehen, die einen vergessen, nachdem sie ihre Unterschrift unter das ausgefüllte Protokoll gesetzt haben." Ihre Stimme überschlug sich beinahe und wieder flossen die Tränen, doch Izabella wollte ihren Willen durchsetzen und sich nicht wie eine Geisteskranke behandeln lassen. Vielleicht hatte sie ihrem Körper mehr zugemutet, als er hatte vertragen können, doch sie würde es in den Griff bekommen, wenn sie nur wollte. Alleine und nicht hier in diesem Krankenhaus. Fehlte nur noch das man vor ihrem Fenster Gitter anbrachte und die Türklinke entfernte, um sie an einer erneuten Flucht zu hindern. Unruhig wanderten ihre Augen durch das Zimmer und sie spürte wie sich ihr Puls beschleunigte, ihre Atmung schneller ging. Die Wände schienen auf sie zuzukommen und sie wollte raus hier. Einfach weg...
Kathrin - 16.07.2007, 16:19

Als er sie ansah, wie sich die Augen vor Angst weiteten und sie immer unruhiger wurde spürte er plötzlich ein Gefühl, das er nur sehr selten hatte. Er war mit der Situation überfordert, wusste nicht was er tuns sollte. Er war es gewesen, der die Patientin so aufgeregt hatte. Sollte er um Hilfe bitten? Ihr einfach ein Beruhigungsmittel geben? Schweisperlen sammelten sich auf seiner Stirn und er versuchte angestrengt nach zu denken. Was hatten sie auf der Uni immer gelacht wenn die Dozenten von solchen Fällen gesprochen hatte. Als Unfug hatten sie es abgetan. Und jetzt stand er genau vor so einer Situation und wusste nicht mehr weiter. Irgendwie musste er zusehen, dass er die Patientin beruhigte. Aber wie? Zögerlich näherte er sich wieder dem Bett, nach dem er bei ihren verbalen Angriffen empört aufgesprungen war. Vorsichtig griff er nach ihrer Hand und strich sanft darüber, während er sie mit der andern Hand an der Schulter festhielt. "Ich werde gehen, mir mein Gerede sparen, aber ich will erst, dass du dich wieder beruhigst. Es gibt doch für alle Situationen einen Ausweg." Ohne es zu merken war er mitten im Satz ins 'Du' gerutscht und er hoffte, dass er so einen etwas besseren Draht zu ihr bekam.
Izabella - 16.07.2007, 19:57

"Verschwinde!" Keinerlei Energie lag mehr in ihrer Stimme und es war nur noch ein leises Flüstern, dass über ihre Lippen drang. Selbst der zornige Blick ihrer Augen schien sich entspannt zu haben und sie ließ sich benommen in ihr Bett zurück gleiten, kuschelte sich verschüchterte in die Bettdecke, wie ein kleines Kind das Angst vor den Konsequenzen hatte. Ihr zierlicher Körper zuckte immer wieder leicht zusammen, wenn sie versuchte die aufsteigenden Schluchzer zu unterdrücken. Müde schloss sie die Augen und obwohl sie das bekommen hatte, was sie wollte ergriff sie erneut die Angst. Leise Schritte drangen an ihr Ohr und die Tür wurde geöffnet. Er hatte sein Versprechen gehalten. Tatsächlich hielt er sich daran und ging, nachdem sie sich beruhigt hatte. "Bitte bleib. Ich will nicht alleine sein... in diesem schrecklichen Raum... es riecht hier alles nach Krankheit..." Wieder war es nur ein Flüstern und auch wenn sie ihre Augen nicht öffnete, so war sie sich sicher, dass er zumindest stehen geblieben war.
Kathrin - 16.07.2007, 20:57

Zögerlich und unsicher was er als nächstes tun sollte blieb Jamie an der Tür stehen. Er hatte sich daran halten wollen was er ihr versprochen hatte. Aber wieso nur hielt sie ihn jetzt zurück? War es ihr wirklich wichtig, dass er blieb oder war es nur die Ruhe vor dem nächsten Sturm, der auf ihn zukommen würde? Fragend ging er wieder zu ihrem Bett zurück und ließ sich erneut auf den Stuhl fallen. Ein kurzer Blick über die angeschlossenen Geräte genügte um festzustellen, dass diese unverändert niedrig, aber weitesgehend stabil waren. Ohne ein weiteres Wort zu sagen blieb er auf dem Stuhl sitzen und musterte sie. Hübsch war sie ohne Zweifel, wenn auch stark von ihrer Krankheit gezeichnet. Sie war noch so jung, er schätzte sie jünger als sich selbst. Würde sie den Kampf gewinnen oder letzten Endes doch Verlierer sein? "Ich kann da bleiben, wenn du das willst. Wenn aber ein neuer Einsatz kommt muss ich weg. Sobald ich fertig bin komme ich dich danach wieder besuchen. Verrätst du mir dafür zumindest deinen Vornamen?" Jamies Worte waren kaum mehr ein Flüstern, aber er war sich sicher, dass sie ihn verstand. Er konnte nur hoffen, dass er so viel Vertrauen aufbauen konnte, dass sie sich nicht aufgab.
Izabella - 16.07.2007, 21:14

"Damit du meinen Namen dann an deine Kollegen von der Polizei weiter geben kannst? Ich habe keine Vorgeschichte die euch weiter helfen kann und morgen werde ich das Krankenhaus auf eigene Verantwortung verlassen, noch bevor ihr mir einen Psychater an's Bett gesetzt habt." Wieder sträubte sie sich gegen seine Hilfe und seinen vorsichtigen Annäherungen, um ihr Vertrauen zu gewinnen, doch sie wollte auch nicht daran denken, dass sie wieder alleine sein würde, wenn er zu einem Einsatz gerufen wurde.
Immer wieder fielen ihre Augen zu, denn ihr Körper verlangte nach Schlaf, dem sie ihm jedoch nicht geben würde. Was würden sie mit ihr machen, wenn sie sich nicht mehr wehren konnte? Würde man ihr ausreichend Beruhigungsmittel geben, um sie ohne Aufsehen zu erregen, auf eine andere Station zu verlegen? Eine Station die für sie besser geeignet war? Gerade als Izabella in einen leichten Schlaf gefallen war, wurde die Tür stürmisch geöffnet und Malte betrat den Raum. "Ach, hier bist du. Philipp sucht dich schon überall und ist ziemlich schlecht gelaunt. Anna gab mir den Tipp, das ich dich hier finden würde. Schläft sie?"
Kathrin - 16.07.2007, 21:27

Erschrocken drehte sich Jamie ruckartig zu Malte um und funkelte ihn an. Das Feuer das in seinen Augen loderte war keine Wut gestört worden zu sein, sondern Entschlossenheit der jungen Patientin zu helfen. Er konnte nicht sagen wieso er es vor hatte, aber seltsamerweise fühlte er sich zu ihr hingezogen. "Ich weiß nicht ob sie wirklich schläft. Aber was ich sicher weiß, ist, dass sie jede Gelegenheit nutzen wird um hier abzuhauen. Ja, Philipp wird sauer sein. Ich weiß auch, dass ich der kleine, dumme Arzt bin, der von nichts ne Ahnung hat, aber ich kann sie nicht einfach ihrem Schicksal überlassen. Alleine findet sie nicht wieder heraus aus dem Teufelskreis." Unentschlossen stand Jamie auf und wollte auf der einen Seite die junge Frau nicht alleine lassen, aber auf der anderen Seite wusste er auch, dass er einen Job zu machen hatte. Und dieser bestand eindeutig nicht daraus stundenlang am Bett einer Patientin zu sitzen. Ungeachtet Maltes Blickte warf Jamie noch einmal einen Blick zurück und konnte doch nicht erahnen wie tief sie schlief. "Ich komme nach Dienstschluss wieder, versprochen."
Izabella - 16.07.2007, 21:36

Malte schloss die Tür wieder hinter sich und hielt Jamie zurück. "Was meinst du mit Teufelskreis? Hat man bereits herausfinden können, was ihre Symptome zu bedeuten haben? Und was Philipp angeht, mach' dir nicht zu viele Gedanken, auch wenn er dein Vorgesetzter ist. Es ist besser du hörst nicht auf alles was er sagt." Ein Grinsen breitete sich auf dem Gesicht des Sanis aus und er machte schnell einer Krankenschwester Platz, die mit einem vollen Essenstablett ihm entgegen kam und die Tür öffnete, aus der sie soeben gekommen waren. Einen wunderbaren Duft verströmte das Essen und ließ Maltes Magen knurren. "Irgendwann werden wir noch kläglich Verhungern, während unseres Dienstes. Was hältst du davon, wenn wir mal nachsehen, ob Anna noch etwas von ihrem Kuchen im Kühlschrank stehen hat? Philipp wird dort sicherlich auch uns warten." Augenzwinkernd setzte sich Malte in Bewegung, als ein klirrendes Geräusch zu vernehmen war und ein verwunderter Ausruf.
Kathrin - 16.07.2007, 21:46

In seiner Vermutung bestätigt wirbelte Jamie herum und rannte zur Türe zurück aus der er gerade gekommen war. Jedes Lachen auf seinen Lippen war eingefroren und er achtete nicht mehr weiter auf Malte. Ohne auf die Schwester zu achten zwängte er sich an ihr vorbei und war mit einem Satz wieder neben dem Bett. Die Werte waren unverändert geblieben, was allerdings nicht zur Beruhigung diente. Izabella saß erneut senkrecht im Bett und funkelte die Schwester böse an. Sanft griff Jamie sie am Arm und wollte ihr dadurch zeigen, dass er da war. Er konnte nur hoffen, dass sie sich diesmal auch so schnell beruhigen würde wie zuvor. "Hey. Ist ja gut. Du musst nichts essen, was du nicht willst. Und den Schwestern werde ich gleich sagen, dass sie dir nur das bringen sollen was du willst und auch nur wann du willst, ja?" Sanft, aber bestimmt nahm er sie an den Schultern und drückte sie wieder zurück ins Kissen. "Und jetzt ruh dich einfach aus. Du wirst deine Kraft morgen brauchen, wenn du schon wieder gehen willst."
Izabella - 16.07.2007, 21:55

Verwundert war Malte seinem jungen Kollegen gefolgt und beobachtete ein Bild, das noch mehr Fragen aufwarf. Was hatte diese merkwürdige Reaktion ihrer Patientin zu bedeuten und was noch viel seltsamer war, wie wusste Jamie, wie er sie beruhigen konnte? Mit einem Kopfschütteln lehnte sich Malte gegen den Türrahmen und wollte dem weiteren Verlauf der Situation folgen. Die Krankenschwester hatte damit begonnen, das Chaos zu beseitigen und ihr Blick verriet, wie empört sie über dieses Verhalten war.
Sie zitterte, ihr war schlecht und alles um sie herum nahm sie nur verschwommen war. Den Griff um ihren Arm spürte sie erst, als der junge Arzt sie vorsichtig zurück in ihre Kissen gelegt hatte. Sie wollte sich dagegen wehren, hatte Angst, das man ihr ein Mittel verabreichte, nur um sie ruhig zu stellen, doch sein Griff ließ sofort nach, als sie wieder lag. "Ich will ja, aber es geht nicht...", schluchzte sie plötzlich auf. Gerade als sie zu einer weiteren Antwort ansetzen wollte entdeckte sie Malte an der Tür und sie wandte ihren Kopf von Jamie ab und schloss die Augen. Es war ein Verhör, nichts weiter, um endlich zu erfahren, wo sie wohnte und wer zu informieren war.
Kathrin - 16.07.2007, 22:05

Sanft streichelte Jamie ihr immer wieder über den Arm und blickte sie ehrlich an. Er spürte, dass er einen kleinen Zugang zu ihr schon gefunden hatte, aber sie immer noch Angst hatte er könnte sie irgendjemanden ausliefern. Als sie den Kopf demonstrativ von ihm weg drehte und wieder die Augen schloss drehte auch er kurz den Kopf und sah Malte in der Tür stehen. Jetzt wurde ihm auch klar warum sie erneut abgeblockt hatte. Sie musste ja fast schon denken, er würde nur ein Spielchen mit ihr spielen, aber das tat er nicht. Durch eine Kopfbewegung und einem flehenden Blick sah er Malte an und schickte ihn weg. Erst als auch die Krankenschwester das gröbste aufgesammelt hatte und die Türe geschlossen hatte wand er sich wieder ihr zu. "Was willst du und es geht nicht? Aufhören? Das geht nicht von alleine. Keine Sorge, ich habe den Kollegen hinausgeschickt, und habe keineswegs vor irgendwelche Personalien von dir auszuquetschen um sie an sonst wen weiter zu geben. Alles was ich will, ist dein Vertrauen. Ich will dir helfen."
Izabella - 16.07.2007, 22:27

"Du willst mir helfen? Gerade du! Lautet der Leitsatz unter Ärzten nicht, nur nicht mitleiden und ein Schicksal zu nah an sich heran lassen? Es soll kein Vorwurf sein, aber dir begegnen am Tag unzählige Patienten, die alle ihre eigenen Geschichte haben, warum solltest du dich ausgerechnet um mich kümmern wollen. Weil ich noch mehr bemitleidenswerter, wie alle anderen bin? Ich brauche dein Mitleid nicht und es wäre auch für dich besser, wenn du einfach mein Protokoll abtippst, es zu meinen Unterlagen hinzufügst und mich behandelst, wie jeden anderen Patienten hier auch." Es waren harte Worte die aus ihrem Mund kamen und sie bereute sie bereits, kaum waren sie ausgesprochen. Er war der Erste gewesen, der sich wirklich um sie bemüht hatte. Versucht hatte ihr Hoffnung zu machen. Izabella wusste wie sinnlos es war, denn wenn sie erst einmal wieder in ihrer alten Umgebung war, würde sich jeder ihrer guten Vorsätze in Luft auflösen und zu einer Therapie fehlte ihr der Mut und der Wille es auch wirklich durchzustehen. "Du kannst mir nicht helfen und du sollst es auch nicht. Warum hast du mich nicht einfach liegen gelassen?" Sie hatte nicht einmal mehr den Mut ihn anzusehen und entzog ihm sogar ihre Hand, um sich vollkommen abzuschotten. Was wenn sie ihm ihr Vertrauen schenkte und doch nur wieder enttäuscht wurde?
Kathrin - 17.07.2007, 10:04

Jamie stand auf und entfernte sich von ihrem Bett. Wieso nur ging er nicht einfach und ließ sie ihren Dickkopf durchsetzen. Malte hatte Recht, Philipp und auch Anna würden es nicht gutheißen was er hier tat. Aber er konnte nicht einfach gehen und sie vergessen. Nachdenklich blieb er am Fenster stehen und blickte gedankenverloren auf ihr Bett. Was musste sie alles bereits durchgemacht haben, dass sie überhaupt kein Vertrauen mehr fassen konnte? "Ich konnte dich nicht liegen lassen. Nicht nur wegen dem Eid der Ärzte. Schau, das ist mein erster Arbeitstag heute, du bist der erste Einsatz gewesen. Glaubst du wirklich ich will heute abend nach Hause gehen im Wissen nicht alles versucht zu haben?" Langsam ging Jamie wieder zu ihrem Bett zurück und blieb am Fußende stehen. Fest umgriff er das Ende des Bettgestells und die Knöchel traten weiß hervor. "Wenn du es wirklich willst, dann kannst du es schaffen. Nicht alleine und nicht sofort. Aber wenn du es wirklich willst, dann gehe ich jetzt zu meinen Kollegen zurück, trinke in aller Ruhe meinen Kaffee und werde mich nicht weiter kümmern. Wenn es das ist was du willst, bitte. Zwingen kann ich dich eh zu nichts. Bleib weiter die anonyme Patientin. Aber dann seh wenigstens zu, dass du beim nächsten Fluchtversuch wirklich weg kommst, ja?"
Izabella - 17.07.2007, 16:02

Hart traf sie sein letzter Satz und sie schloss wieder die Augen, um ihre erneut aufsteigenden Tränen zumindest noch so lange zurück zu halten, bis er gegangen war. Er sollte ihre Hilflosigkeit und Schwäche nicht sehen. "Bitte geh!" Es war keine Bitte, sondern nur noch ein leises Flehen, dass sie hervor brachte und Izabella wusste, sie hätte nur diesen einen entscheidenden Schritt tun müssen, um ihrem Leben eine neue Wendung und wieder einen Sinn zu geben. So jedoch versteckte sie sich wieder in ihrem Schneckenhaus, in das keiner eindringen konnte. Warum ging er nicht endlich? Auf was wartete er? Das sie es sich anders überlegte? Gerade als sie sich aufrichten wollte und ihre letzte Kraft dazu aufwenden, ihn mit klaren Worten aus den Raum zu schicken, wurde die Tür wieder geöffnet und ein weiterer Arzt kam herein. Dessen Gesichtsausdruck verhieß nichts Gutes. "Schwarz, kann ich dich bitte mal unter vier Augen sprechen? Zwar meinte ich, die Worte die ich dir durch Malte habe ausrichten lassen, waren deutlich genug, aber ihr Ex-Studenten meint wohl, ihr müsstet euch in eurem Job erst einmal selbst beweisen." Philipp war schlecht gelaunt, besser gesagt, äußerst wütend über das Verhalten seines neuen Arztes. Was bildete sich dieser eigentlich ein? Glaubte er, er konnte alles machen, was ihm gerade behagte? "Ein bisschen plötzlich, wenn ich bitten darf."
Kathrin - 17.07.2007, 16:17

Mit einem letzten, langen und intensiven Blick auf das Bett drehte Jamie sich um und wusste, dass jetzt der schlimmste Teil seines ersten Tages komme würde. Ja Malte und Anna hatten ihn gewarnt und ihm mehr oder weniger angeschafft, er solle sich nicht so intensiv um die Patientin kümmern. Er hatte sie ignoriert und war seinem Gefühl gefolgt. Jetzt bekam er die Quittung dafür, aber er würde es wegstecken können. Sein Gewissen sagte ihm immer noch, dass es richtig war was er gemacht hatte. Weiterhin aufrecht ging er hinter Philipp hinaus und hoffte die Standpredigt des Notarztes würde nicht zu heftig ausfallen. "Was willst du Philipp? Willst du mich gleich rauswerfen, nur weil ich versucht habe der Patientin zu helfen? Habt ihr zumindest schon herausgefunden was sie hat oder müsst ihr euch zum Schluss noch auf die Meinung eines kleinen dummen Ex-Studenten verlassen?"
Izabella - 17.07.2007, 16:26

"Könntest du mir bitte einmal erläutern für was man in einem Krankenhaus, wie diesem hier Arbeitspläne benötigt, wenn doch jeder macht was er gerne möchte? Für was hast du studiert, wenn du den Job einer Krankenschwester übernimmst und den Patienten Händchen hälst oder dich als Hobby-Polizist aufspielst? Dein Job ist es uns auf dem NAW zu unterstützen und keinen Diagnosen zu fällen oder Identitäten ausfindig machen. Solltest du das kapiert haben, wäre es nun äußerst freundlich von dir, du würdest Malte beim Reinigen des NAWs behilflich sein, außer natürlich du ziehst einen Besuch bei Dr. Dietrich vor, um dir deinen Aufgabenbereich erläutern zu lassen. Das da drin ist eine Patientin, die wir Erstversorgt habe und alles weitere übernimmt das Personal hier im Krankenhaus und wenn es dich beruhigt, es wurde nach deiner Diagnose, bereits ein Psychologe angefordert." Klar und deutlich stellte Philipp seinen Standpunkt dar und wollte keinen Widerspruch gelten lassen. Weder jetzt und heute, noch zu einem anderen Zeitpunkt. Zwar hatte er Jamie nicht angeschrieen, aber seine Stimme vermittelte deutlich, wie wütend er war.
Kathrin - 17.07.2007, 19:20

Jamie stand immer noch aufrecht und selbstbewusst da und blickt Philipp direkt in die Augen. Auch er würde nicht klein bei geben, aber auch nicht unbedingt einen handfesten Streit vom Zaun brechen. "Ich werde jetzt gar nicht versuchen meinen Standpunkt klar zu legen, weil es eh sinnlos wäre. Aber ich wünsche dem Psychologen viel Spass mit der Patientin." Ohne ein weiteres Wort zu verlieren drehte Jamie sich um und ließ Philipp alleine stehen. Zwar war es nicht das Verhalten, das man sich von dem jungen Arzt wünschte, aber er konnte nicht aus seiner Haut heraus. Sich für etwas entschuldigen, was einem nicht leid tat war für Jamie das schlimmste und er tat es auch nicht oft. Schweigend ging er die Gänge des Krankenhauses entlang und machte sich auf den Weg zu Malte. In den Garagen angekommen blieb Jamie erst einmal stehen und versuchte innerlich wieder ruhiger zu werden. Malte gegenüber brauchte er seinen Unmut nicht auslassen, denn der Rettungassistent hatte ja noch versucht ihn weg zu holen. Erst als er das Gefühl hatte sich wieder unter Kontrolle zu haben trat er neben Malte und ergriff einen der Lappen die am Boden lagen. "Wo soll ich dir helfen?"
Izabella - 17.07.2007, 19:59

"Lass mal, ich bin soweit fertig, schließlich ist mir der Luxus, eine helfende Hand zur Seite zu haben, noch völlig unbekannt. Scheint du hast heute Glück und unser U-Bahn-Einsatz, bleibt dein Einziger. Glaub aber nur nicht, dass das jeden Tag so läuft." Grinsend schloss Malte die Türen des Wagens, nachdem er den Schlüssel wieder unter der Sonnenschutzblende verstaut hatte und drehte sich zu Jamie um. "Du versuchst ihr zu helfen und sie lässt dich abblitzen, habe ich recht? Das wird dir in unserem Beruf nicht nur einmal passieren und es ist besser du gewöhnst dich daran. Wie oft, wurden wir schon zu Fällen mit häuslicher Gewalt gerufen und die Frauen, die von ihren Männer beinahe blutig geschlagen wurden, schickten uns unverrichteter Dinge wieder fort. Man kann niemanden zu seinem Glück zwingen. Vor allem Magersucht ist ein heikles Thema, wenn es sich denn bestätigen sollte. Allerdings kann ich nicht verstehen, dass sie so stur bleibt und ihren Namen nicht preis gibt. Ich meine, jeder der im Krankenhaus liegt wäre doch froh um jeden Besuch." Verständnislos schüttelte Malte den Kopf. "Na komm, lass uns Feierabend machen. Der Tag morgen wird sicherlich um einiges anstrengender, vor allem wenn unser Herr Dr. Haase miese Laune hat und davon gehe ich aus, außer du hast dich bei ihm brav entschuldigt. Hast du aber nicht, nehme ich an."
Kathrin - 18.07.2007, 08:50

"Nein, entschuldigt habe ich mich in der Tat nicht. Weil ich einfach der Meinung bin, dass es nicht komplett falsch war was ich gemacht habe. Wir hatten seit der Mittagspause keinen einzigen Einsatz mehr und bevor ich die Zeit tot sitze kümmere ich mich lieber noch um die, die es brauchen." Gemeinsam gingen Malte und Jamie wieder zurück in Richtung Umkleiden. Jamie wusste nicht wie er seinen Standpunkt erklären sollte, oder ob er es überhaupt tun sollte, aber irgendwie hatte er das Gefühl mit Malte besser darüber reden zu können. "Und warum sie so stur ist, kann ich auch verstehen. Wenn du solche Probleme hättest, dir jemanden suchst der dir hilft und zum Schluss wahrscheinlich doch von allen fallen gelassen wirst, dann hast du keine Lust das noch öfter durch zu machen." In der Zwischenzeit waren die beiden in der Umkleide angekommen und schweigend hängte Jamie seine Notarztjacke in den Spind. Nachdenklich starrte er sie an und ließ sich den Tag noch einmal durch den Kopf gehen. So hatte er ihn sich wirklich nicht vorgestellt, und der Ärger mit Philipp wollte ihm auch nicht aus dem Kopf. Ob er es noch einmal riskieren sollte nach Feierabend bei der jungen Frau vorbei zu schauen? Irgendwie hatte er das Gefühl sie würde ihm jetzt mehr sagen. Aber was würde Philipp dazu sagen wenn er ihn wieder in dem Zimmer entdeckte? Unsicher was er machen sollte ließ er sich auf die Bank sinken und strich sich vorsichtig über die immer noch juckende Narbe.
Izabella - 18.07.2007, 14:32

*****

"Ja, Izabella Janke. Man hat sie heute Vormittag wegen Kreislaufproblemen hier eingefliefert und es wäe sehr freundlich von Ihnen, wenn Sie nicht meine kostbare Zeit verschwenden würden und mir endlich mitteilen, auf welchem Zimmer ich meine Freundin finde. Zeit ist Geld, was ihnen nicht bewusst zu sein scheint." Seine braungebrannten, muskulösen Arme auf der Theke der Rezeption abgestüzend und die junge Krankenschwester mit einem eisigen Blick fixierend, sah er zu, wie sie erneut den genannten Namen in ihren Computer eingab und verständnislos den Kopf schüttelte. "Tut mir leid, aber eine Izabella Janke ist nicht verzeichnet. Sie müssen sich täuschen." Nicht nur seine tiefe Stimme war mit einem ungeduldigen Unterton behaftet, sondern auch seine Gesichtszüge verfinsterten sich zusehends. "Nun hören Sie mir einmal genau zu. Ich habe vor wenigen Minuten einen Anruf von meiner Freundin erhalten, dass ich sie hier unverzüglich abholen soll und nun sagen Sie, das dies nicht möglich ist." "Das habe ich nie behauptet." Unsicher, wie sie reagieren sollte wanderten die Augen der Krankenschwester wieder zu ihrem Bildschirm, der ihr eindeutig mitteilte, dass es keine Patientin mit diesem Namen gab. Nervös fing sie an mit einer langen Haarsträhne zu spielen, blickte den Gang entlang, ob nicht irgendwer kam, der sie erlösen konnte, doch es war kurz vor Feierabend und man bereitete sich auf den Dienstwechsel vor. "Sie scheinen mit diesem Beruf vollkommen überfordert zu sein, also was halten sie davon, wenn ich Ihren Vorgesetzten um Hilfe bitte?" Ein schäbiges Grinsen legte sich auf das Gesicht des jungen Mannes, als er sich leicht von der Rezeption abstieß. Natürlich war ihm sein abwertendes und auffälliges Verhalten bewusst, doch von einer kleinen Krankenschwester wollte er sich nicht vera****en lassen. Er war ein Typ, den viele Frauen sofort als Macho definiert hätten. Gutaussehend, sportlich, eingebildet und sich seinen Stärken durchaus sicher. Mit seiner engen, dunkelblauen Designer-Jeans, dem weißen, weit geöffneten Sommerhemd und der teuren Sonnenbrille in der Hand spiegelte er nicht das Bild wieder, was er eigentlich war. Ein einfacher Student.
"Also, wie sieht es aus? Werde ich heute noch zu meiner Freundin gebracht oder ist eine Unterredung mit Ihrem Chef von Nöten?
Kathrin - 18.07.2007, 14:47

Unsicher ob er noch einmal zu der jungen Frau gehen sollte oder nicht ging er gemeinsam mit Malte zum Eingang. Noch hatte er es mit seinem Gewissen nicht ausgemacht, als sie am Empfang vorbei gingen. Zuerst interssierte ihn der junge Mann nicht, der mit der Schwester diskutierte, als aber die Schwester immer wieder beteuerte, keine Patientin mit dem Namen aufgenommen zu haben wurde er hellhörig. Unter dem Vorwand etwas vergessen zu haben verabschiedete Jamie sich von Malte und ging wieder zurück. Erst als der Rettungsassistent zur Türe hinaus gegangen war trat Jamie hinter den Empfang und blätterte scheinbar interessiert ein paar Blätter durch. "Hören Sie, wenn ich den Namen nicht in der Patienten Liste finde, dann kann ich Sie auch nicht zu Ihrer Freundin bringen." Die junge Schwester wurde immer nervöser und tippte verzweifelt die unterschiedlichsten Varianten des Namens in den Computer. "Wie sieht Ihre Freundin denn aus?" Entschlossen der Schwester zu helfen mischte sich Jamie in das Gespräch ein und hoffte es wäre nicht die Person die er dachte. Mit so einem Kerl, der sofort ausrastete würde sie es nie schaffen die Krankheit zu besiegen.
Izabella - 18.07.2007, 14:57

"Ich weiß zwar nicht, was Sie das angeht, zumindest sehen Sie nicht so aus, als könnten Sie mir weiter helfen, aber nun gut. Izabella hat blonde Locken, blaue Augen und ist äußerst zierlich." Sein Handy begann zu klingeln und ohne darauf zu achten, wo er sich befand, zog er es heraus und nahm ab. Nur wenige Sekunden dauerte das Gespräch, was die Miene des jungen Mannes jedoch nicht veränderte. Ungeduldig und genervt sah er Jamie und die Krankenschwester an. Kaum hatte er wieder aufgelegt und sein Handy weggesteckt, setzte er auch schon wieder zu weiteren provozierenden Sätzen an. "Nun, ist Ihnen eine solche Patientin bekannt oder wollen auch Sie mir erzählen, ich würde mich täuschen. Natürlich, ich stehe hier im falschen Krankenhaus oder vielleicht hat meine Feundin mich auch angelogen." Er war wütend, zornig und konnte auf einmal nicht mehr verstehen, warum er sich bereit erklärt hatte, Izabella aus dem Krankenhaus abzuholen. Ihre Beziehung war beendet und dies sollte endlich einmal deutlich werden. Warum sie die WG nicht einfach verließ, konnte er nicht begreifen.
Kathrin - 18.07.2007, 15:09

Während des Telefonats war Jamie langsam aber sicher in eine Art Abwehrstellung gegangen. Er hatte keine Lust sich von dem Gegenüber fertig machen zu lassen. Konnte er dem Mann einfach Auskunft geben und ihm sagen wo Izabella lag, oder sollte doch lieber zuerst mit Philipp oder Anna darüber reden? Er beschloss für diesen Tag keine Alleingänge mehr zu machen und drehte sich rasch zum Telefon um. "Anna? Pass auf, ich steh grad noch am Empfang und habe einen Mann gegenüber, der zu unserer namenlosen Patientin will. Soll ich ihn zu ihr lassen? Ja? Okay, danke." Erleichtert legte Jamie auf und wand sich wieder zu dem muskulösen Mann um. "Ich denke ich habe sehr wohl etwas mit dem Fall Ihrer Freundin zu tun. Ich bin der Notarzt, der sie mit erstversorgt hat. Na kommen Sie, oder wollen Sie doch nicht zu Ihrer Freundin?!" Mit einem ebenso rauen und harten Ton sprach Jamie seinen Gegenüber an und ging zielstrebig voran. Während er wieder zu dem Zimmer ging, in dem er schon den ganzen Nachmittag verbracht hatte fragte er sich immer wieder ob es wirklich der Freund der Patientin war oder ob das nur so gesagt war.
Izabella - 18.07.2007, 15:34

"Es stellt sich nicht die Frage, ob ich zu meiner Freundin möchte, sondern ob ich zu ihr kann, schließlich hat sich mich angerufen, damit ich sie hier abholen komme. Das sie auch ständig in Schwierigkeiten geraten muss, wie ein Kleinkind, das ständig einer Aufsicht bedarf." Seinen genervten Ton behielt er bei und folgte dem jungen Arzt, jedoch ohne ihm eine 'Danke' für seine Bemühen entgegen zu bringen. Er wollte etwas, also bekam er es auch, das war schon immer so gewesen.

Izabella lag in ihrem Bett und fixierte die Tür. Wie lange würde es noch dauern, bis ihr Ex-Freund endlich hier auftauchte? Es hatte sie viel Kraft und Überredungskunst gekostet, ihn überhaupt soweit zu bringen, sich als ihr Freund auszugeben und sie hier heraus zu holen. Sie konnte einfach nicht länger hierbleiben und darauf warten, dass ihre Testergebnisse das bestätigten, was der junge Arzt längst vermutete. Steif und fest war sie davon überzeugt, dass sie nicht der Magersucht verfallen war. Ja, vielleicht hatte sie es mit ihren Diäten etwas übertrieben, aber Kreislaufprobleme konnte doch jeder bekommen, ohne gleich Magersüchtig zu sein.
Kathrin - 18.07.2007, 15:51

Ohne ein weiteres Wort zu verlieren ging Jamie eilig den langen Flur entlang und steuerte zielsicher auf das Zimmer zu. Er hatte auf die letzten Sätze keine Antwort mehr gegeben, denn der Mann war eh schon gereizt genug und er wollte ihn nicht noch komplett auf die Palme bringen. Bevor Jamie die Türe öffnete stoppte er noch einmal und drehte sich zu dem anderen um. "Sie können Ihre Freudin ruhig besuchen, aber mit einer Entlassung wird es sehr schlecht aussehen. Wir haben die Ursache für den Kreislaufzusammenbruch heute Morgen und Mittag noch nicht herausgefunden. Und Sie sollten sie auf keinen Fall aufregen." Mit eisigem Blick drehte sich Jamie wieder um und klopfte hart an die Tür, ehe er sie aufzog. Er selbst blieb in der Tür stehen und ging erst nach dem angeblichen Freund in das Zimmer. Zunächst wollte er sich im Hintergrund halten und beobachten wie die Begrüßung ablief. Irgendwie traute er dem ganzen nicht. Leise schloss er die Türe wieder und lehnte sich an die Wand, so dass er zunächst alles sehen konnte, selbst aber unerkannt blieb.
Izabella - 18.07.2007, 16:00

Das laute Klopfen hatte sie aus einem leichten Schlaf geholt, in dem sie in der langen Wartezeit gefallen war und doch brauchte sie nur Sekunden, um zu realisieren, wer da ihr Zimmer betreten hatte. Über ihr Gesicht huschte zum ersten mal an diesem Tag ein Lächeln und als wäre sie vollkommen gesund richtete sie sich auf. "Schön das du da bist. Ich hatte schon die Befürchtung du würdest mich hier im Krankenhaus lassen. Hast du mit den Ärzten gesprochen? Kann ich mit dir nach Hause? Nun sag schon, Daniel." Mit einem drängenden Ausdruck in den Augen, wünschte sich Izabella er würde näher an ihr Bett kommen, ihr sagen das sie gehen konnte, doch er blieb in einigem Abstand stehen und hatte seine Hände in den Hosentaschen vergraben.
"Du hast mir am Telefon gesagt, du wärst heute morgen zusammen gebrochen und um deinen Kreislauf zu stabilisieren hat man dich hier her gebracht. Der Typ eben hat mir jedoch erklärt, dass du hier bleiben musst, weil noch keine Diagnose fest steht. Kanns du mir erklären, was das soll? Gehört das auch zu deinen Spielchen?" Ihm war es egal, dass der Notarzt den Raum ebenfalls betreten hatte und das seine Tarnung eventuell auffliegen würde. Izabellas Spielchen gingen ihm gehörig gegen den Strich.
Kathrin - 19.07.2007, 09:39

Unsicher und verwirrt blickte Jamie immer wieder zwischen Daniel und Izabella hin und her. Er hatte keine Ahnung was er von der Szene halten sollte, die sich vor seinen Augen abspielte. Der eiskalte Ton von Daniel hatte sich noch nicht gelegt und er begrüßte die Patientin auch nicht so, wie man es als Freund hätte vermuten können. Immer wieder fragte Jamie sich was zwischen den beiden wirklich stand. Langsam, aber entschlossen trat er aus dem Schatten der Tür und lehnte sich lässig an die Wand am Fußende des Bettes. Fragend musterte er Izabella und überlegte, was er sagen sollte. "Du kannst noch nicht entlassen werden, wenn noch nicht einmal feststeht was du hast. Meine Vermutungen sind zu wage. Und das mit dem Abhauen was ich heute nachmittag gesagt habe. Warte doch noch eine Stunde, bis ich sicher zu Hause bin und es nicht mitbekomme." Mit den Augen fixierte er Izabella und wünschte sich, er könnte durch seine Worte auch nur irgendetwas bewirken. Aber was hatte er heute schon geschafft? Er hatte den ganzen Nachmittag bei ihr verbracht, versucht sich um sie zu kümmern, aber sie hatte ihn nur immer wieder wegschicken wollen und an den Ärger mit seinem Vorgesetzten wollte er gar nicht denken. Weshalb nur war er mit in das Zimmer gegangen? Langsam begriff er, dass Malte und Philipp recht hatten, wenn sie sagten, Abstand wäre besser als Nähe. Jetzt wo er ihr gegenüberstand konnte er plötzlich begreifen was sie gemeint hatten.
Izabella - 19.07.2007, 14:08

"Deine Vermutung sind zu wage? Was interessieren mich deine Vermutungen? Mein Kreislauf hat schlapp gemacht, na und. Passiert das nicht jedem Menschen einmal? Es ist auf jeden Fall kein Grund, länger hier zu bleiben und ob es dir passt oder nicht, ich werde das Krankenhaus jetzt und sofort verlassen." In Izabellas Augen konnte man deutlich ihre Entschlossenheit sehen. Sie würde nicht klein bei geben und Daniel zeigen, in welches Loch sie seit ihrer Trennung gestürzt war. Niemals. Er sollte nicht erkennen, wie sehr sie darunter litt, ihn in den Armen einer anderen zu wissen. Stark und selbständig wollte sie sich geben und deshalb durfte sie hier nicht im Krankenhaus bleiben, sich von einen Arzt erzählen lassen, dass ihre Symptome Anzeichen für das Krankheitsbild der Magersucht waren.
"Soll ich mir die Zugänge selbst entfernen oder erklärst du dich dazu noch bereit?", erkundigte sich Izabella herausfordernd und schlug bereits die Bettdecke zurück, um aufstehen zu können. Daniel verdrehte genervt die Augen und verliße mit einem wütenden 'Ich warte draußen' das Zimmer.
Kathrin - 19.07.2007, 14:14

Auch nachdem Daniel das Zimmer verlassen hatte blieb Jamie immer noch an der Wand stehen und blickte Izabella lange an. Waren seine Vermutungen wirklich falsch oder war nur sie zu stur um es einzusehen? War das was sich am Nachmittag in diesem Zimmer abgespielt hatte alles nur ein Spiel und Taktik gewesen? Hatte sie nur so schwach getan oder war sie es wirklich? "Was soll das ganze hier eigentlich? Wir liefern dich Vormittags ein, Mittags verschwindest du einfach wieder, Nachmittags tust du mal so als würdest du wirklich Hilfe wollen, und jetzt? Jetzt rufst du diesen Daniel an, der wahrscheinlich nicht mal dein Freund ist, willst dir selbst die Zugänge entfernen und wieder abhauen. Sag mal, was geht in dir eigentlich vor? Das heute Nachmittag war dann, so nehme ich an, auch alles nur gespielt, um nicht alleine zu sein?" Sauer funkelte Jamie Izabella an und musste sich anstrengen nicht komplett auszuflippen. Was bildete sie sich eigentlich ein? Meinte sie wirklich, es würde ihn nicht berühren was mit ihr los war? Provozierend bewegte er sich keinen Millimeter von seinem Platz weg und sah sie nur an. Er würde ihr die Zugänge so schnell nicht entfernen.
Izabella - 19.07.2007, 14:30

Sie merkte wie ihr erneut die Tränen kamen und schnell blickte sie auf den Boden, um den jungen Arzt nicht ansehen zu müssen. Es stimmte, er hatte heute Nachmittag viel für sie getan, obwohl er es gar nicht hätte tun müssen, doch sie wollte nicht hier bleiben. Konnte das Gefühl nicht ertragen, dass man ihr nichts als Mitleid entgegen brachte und morgen ein Psychater versuchen wollte all ihre Probleme zu analysieren. Izabellas Finger wanderten zu dem Pflaster das über dem Zugang klebte und vorsichtig begann sie es zu entfernen. Sie wollte weg hier, mit oder ohne Daniel war ihr egal. Einfach nur weg.
"Ich hab dir gesagt, du sollst mich behandeln wie jede andere Patientin auch, dann wäre es dir jetzt egal, ob ich einfach so verschwinden würde. Was erwartest du von mir? Das ich brav im Bett liegen bleibe und darauf warte, dass man mir einen Psychologen an das Bett setzt? Vergiss' einfach was ich dir heute Nachmittag gesagt habe und da wir uns ja sowieso nicht wieder begegnen werden, kann es dir auch egal sein, ob Daniel mein Freund ist oder nicht."
Kathrin - 19.07.2007, 14:43

Resigniert stieß sich Jamie von der Wand ab und ging zurück zur Türe. Der Gang des Krankenhauses war wie verlassen und er blickte rasch nach links und rechts, in der Hoffnung eine Schwester oder einen anderen Arzt zu sehen. Gerade als er den Kopf wieder zurückziehen wollte sah er einen weißen Mantel um die Ecke huschen. Rasch rannte er hinter her und holte Anna schnell ein. "Anna? Kannst du mir mal schnell helfen?" Erschrocken drehte sich die Ärztin um und blickte den jungen Kollegen fragend an. "Jamie, was machst du noch hier?" "Pass auf. Die Patientin von heute morgen in der U-Bahn will heim. Kannst du sie entlassen? Ich habe vorhin nur noch ihren angeblichen Freund zu ihr gebracht. Sonst wäre ich schon lange zu Hause, noch mehr Stress mit Philipp brauche ich nicht." Eilig ging Jamie hinter Anna her und während diese noch eine Schwester beauftragte die Entlassungspapiere vorzubereiten ging Jamie wieder zu Izabella ins Zimmer hinein um seinen Rucksack zu holen. "Hast bekommen was du wolltest. Meine Kollegin wird dich jetzt dann wahrscheinlich auf eigene Verantwortung entlassen. Soll ich dir jetzt alles Gute wünschen, wo du ja eh glaubst, dass dir nichts fehlt? Wahrscheinlich nicht. Pass auf dich auf."
Izabella - 19.07.2007, 15:06

Izabella sah nicht auf. Sie war nicht fähig Jamie anzusehen, so unmöglich wie sie sich ihm gegenüber benahm. Doch was sollte sie tun? Hier im Krankenhaus bleiben und eine Therapie beginnen? Nein, das konnte sie nicht, fiel es ihr doch viel zu schwer, sich überhaupt einzugestehen, dass sie Hilfe brauchte. Da war es schon leichter, die Flucht anzutreten und sich seinen Ängsten nicht stellen zu müssen. "Es tut mir Leid...", flüsterte sie, doch Jamie hatte bereits das Zimmer verlassen. Innerhalb von wenigen Minuten waren die Formalitäten erledigt und Izabella konnte tatsächlich das Krankenhaus verlassen, allerdings mit der Bedingung, dass sie sich von einem Arzt dringend noch einmal durch checken lassen sollte. Sie würde es nicht tun, dass wusste sie.
Mit Daniel redete sie auf dem Weg nach Hause kein Wort und auch als sie ihre WG betraten, zog sie sich sofort in ihr Zimmer zurück. Sie wollte alleine sein und niemanden sehen. Das Klopfen an ihrer Tür ignorierte sie und noch Stunden nach der Entlassung lag sie mit geistesabwesendem Blick auf ihrem Bett und beobachtete den Himmel, der durch ihr Fenster zu sehen war. Sie hatte die Möglichkeit bekommen, ihr Leben wieder unter Kontrolle zu bringen, doch sie hatte den nötigen letzten Schritt dazu nicht geschafft. Enttäuscht über sie selbst, liefen Tränen der Wut über ihr Gesicht und sie sah immer wieder Jamies Gesicht vor sich, der nicht glauben wollte, was sie ihm sagte. Erst spät in der Nacht schlief Izabella endlich ein und wurde am nächsten Morgen wieder durch Daniel geweckt, der durch das nervtötende Klingeln ihres Weckers in ihr Zimmer gestürmt kam.

****

"Kannst du mir bitte mal verraten, wie du es schaffst, dir ständig die richtigen Schichten auszusuchen. Kaum fährst du auf dem NAW mit, haben wir den ganzen Tag kaum Streß." Malte hatte sich nach seinem Dienst bereits umgezogen und wartete auf Jamie, der noch schnell ein Protokoll ausfüllen wollte. Dem jungen Arzt und dem Sani war aufgefallen, dass sie beinahe den selben Weg nach Hause hatten und so hatte sich Malte bei Jamie erkundigt, ob er diesen nicht ein Stück mitnehmen sollte.
Kathrin - 19.07.2007, 15:32

"Ne, verrate du mir mal lieber wann die Schichten sind wo mehr los ist", lachend schlug Jamie das Klemmbrett zu und übergab es einer vorbeigehenden Krankenschwester. "Wenn immer so wenig los ist wenn ich Dienst habe, dann lerne ich ja nie was. Stress kann doch auch ein schönes Gefühl sein, findest du nicht? Außerdem hätte ich dann nicht so viel Zeit mich um irgendwelche sturen Patienten zu kümmern." Wenn er genauer darüber nachdachte merkte er erst, wie sehr er sich in die Sache mit der Patientin vom Vortag hineingesteigert hatte. Sie ging ihm auch jetzt noch nicht aus dem Kopf, aber suchen wollte er sie jetzt auch nicht. Mit einem kurzen Blick auf die Uhr drehte er sich in Richtung Umkleiden um. "Du wartest schon noch schnell auf mich?" Ohne eine Antwort von Malte abzuwarten eilte Jamie zu den Umkleiden und entledigte sich schnell seiner Dienstklamotten. In Jeans und T-Shirt eilte er zu Malte zurück und ging gemeinsam mit ihm zu dessen Auto. "Lass mich einfach die Kreuzung vor meiner Wohnung heraus, das letzte Stück lauf ich heim."
Izabella - 19.07.2007, 15:40

"Und ich hatte mir schon ein kühles Bierchen ausgerechnet und eine Besichtigung deiner Wohnung. Nein, schon in Ordnung, ich lass dich an der Kreuzung raus", lachte Malte. "Schließlich habe ich ja noch weitaus besseres zu tun, als meinen Kollegen auch noch nach der Arbeit auf die Nerven zu gehen und wegen unserer Patientin gestern, zerbrich dir nicht den Kopf. Sie wird schon irgendwie klar kommen und ihr Freund wird sich ja wohl auch um sie kümmern." Malte winkte rasch Franzi und Boje zu, die sich dem EKH näherten, bevor er in seinen Wagen stieg und die Motor anspringen ließ. Das Jamie den ganzen Tag an ihrer Patientin gedacht hatte, war ihm nicht entgangen. Zwar hatte er während der Einsätze nicht den Eindruck erweckt, als wäre er mit seinen Gedanken wo anders, doch immer wieder war er auf das Thema zu sprechen gekommen. Nicht wirklich verwunderlich, war es doch ein schweres Schicksal das sie da miterleben hatten müssen und noch viel schwerer war es zu akzeptieren, dass sie keine Hilfe von ihnen wollte.
Kathrin - 19.07.2007, 15:51

"Ne weißt du was, das Bier holen wir einander mal nach, ja? Ich glaube ich brauche einfach noch bisschen Zeit, bis ich mich an die Arbeit gewöhnt habe." Die restliche Fahrt über schwiegen sie sich mehr oder weniger an und erst als sie an besagter Kreuzung angekommen waren und die Ampel gerade auf Rot stand löste sich Jamie von dem Blick aus dem Seitenfenster. "Danke fürs mitnehmen und bis morgen dann." Mit einem kurzen Blick über die Schulter sprang Jamie rasch aus dem Auto und rannte zum Gehweg. Das Hupen der anderen Autofahrer ignorierte er einfach und setzte gedankenverloren seinen Weg fort. Er musste irgendwie seine Gedanken von Izabella lösen, sonst würde er sich noch selbst fertig machen. Gedankenverloren ging er noch ein paar Lebensmittel einkaufen, ehe er sich in seiner Wohnung müde aufs Bett fallen ließ. Der Tag war zwar nicht stressig, aber dennoch ungewohnt anstrengend gewesen und so überhaupt nicht mit dem Studium zu vergleichen.
Izabella - 19.07.2007, 16:04

Malte hatte seinem jungen Kollegen nur kopfschüttelnd hinterher gesehen und fühlte sich auf einmal an seine ersten Arbeitstage zurück erinnert. Wie sehr hatte er sich damals in seine ersten Einsätze hinein gesteigert und wollte manche Dinge einfach nicht akzeptieren, die für ihn jetzt vollkommen normal erschienen. Jamie würde noch etwas brauchen, doch dann würde auch er irgendwann einsehen, dass es sinnlos war, jedes Schicksal so nahe an sich heran zu lassen.

Schwarz. Klar und deutlich stand der Name in Großbuchstaben auf dem Klingelschild vor der geschlossenen Haustüre, durch die sie nur kommen würde, wenn sie klingelte. Nervös fuhr sie sich durch ihre Haare und verließ den schattigen Hauseingang. Was sollte sie ihm sagen? Einfach so hier auftauchen, was hatte sie sich eigentlich dabei gedacht? Zögerlich ging sie ein paar Schritte bevor sie sich doch wieder umwandte und zu dem Haus zurückkehrte. Ihre zierlichen Finger wanderten zum Klingelknopf, doch als hätte ihr dieser einen elektrischen Schlag verpasst, zuckte sie zurück und schüttelte den Kopf. Nein, sie konnte das nicht tun.
Kathrin - 19.07.2007, 16:12

Wie lange er so dagelegen hatte konnte er am Schluss nicht mehr sagen, aber er hatte lange über die ersten Arbeitstage nachgedacht und war zu dem Schluss gekommen, Izabella wirklich aus seinen Gedanken zu verbannen. Aber liegend, und im Bett würde ihm das nicht gelingen, er musste raus, und wollte endlich mal wieder in seinem alten Sportclub auftauchen, wo er sich zuletzt vor einem Jahr hatte blicken lassen. Entschlossen das Training als Maßnahme gegen Stress zu nutzen öffnete er seinen Kleiderschrank und zog die immer noch gepackte Sporttasche heraus. In der Küche schnappte er sich rasch noch einen Apfel und eine Flasche Wasser, ehe er die Wohnungstüre hinter sich zuzog. Mit einem entspannten Lächeln auf den Lippen ging er die Treppen hinunter und hielt einer älteren Dame freundlich die Türe auf. Draußen angekommen atmete er erst einmal wie befreit ein und setzte sich dann langsam in Bewegung. Er war gerade mal ein paar Meter weit gekommen, als er die blonden Haare wahrnahm. Sofort gefror sein Lächeln im Gesicht und er packte die Sporttasche fester. Was wollte sie hier? Er war gerade auf dem besten Weg gewesen sie zu vergessen, nachdem sie ihn so abgefertig hatte.
Izabella - 19.07.2007, 16:21

Wieder hatte Izabella es nicht gewagt ihr Vorhaben durchzuziehen und war im Begriff sich auf den Weg zur Uni zu machen, wo ihre nächsten Vorlesungen stattfinden würden. Sie studierte Psychologie an der Universität Hamburg und wusste daher genau, wie ein Psychologe bei seinen Patienten vorging. Ein einfaches Gespräch, aus dem man doch so viel erfahren konnte. Analysen, Tests, Befragungen und was noch so alles dazu gehörte, um das zu erfahren was man wissen wollte. Es interessierte sie, aber niemals wollte sie sich selbst solchen Anwendungen unterziehen. Izabella warf einen kurzen Blick zurück zu dem Haus, wo Jamie wohnte, als sie erstarrt stehen blieb, um sofort loszulaufen, in der Hoffnung er habe sie nicht gesehen. Was sollte er nur von ihr denken, wenn er sie hier jetzt sah? Die U-Bahn-Station war nicht weit entfernt und sie war sich sicher, dass er sie nicht erkannt bzw. gesehen hatte und so konnte sie entkommen ohne das er wusste, das sie hier gewesen war. Eine Straße weiter jedoch, musste Izabella stehen bleiben und sich gegen eine Häuserwand lehnen, um ihrem Körper Ruhe, vom schnellen Laufen zu gönnen.
Kathrin - 19.07.2007, 16:28

Noch weitaus verwunderter, dass sie erneut vor ihm davonlief folgte er ihr. Nur die U-Bahn Station konnte ihr Ziel sein, weiter würde sie in dem Tempo zu Fuß eh nicht kommen. Sie war einfach zu ausgelaugt und entkräftigt. Rasch eilte Jamie ihr hinterher. Bereits jetzt hatte sich der Arzt in ihm wieder durchgesetzt, und er hoffte sie würde nicht schon wieder zusammenbrechen. Als er dann um das Hauseck bog und sie an der Wand lehnen sah musste er sich zwingen sie nicht mitleidig anzusehen. Mitleid war ja genau das was sie nicht wollte. Mit einem gewungenen Lächeln auf den Lippen ging er zu ihr und stellte sich neben sie. "Warum suchst du mich zuerst und läufst dann doch wieder davon? Was ist dein wirkliches Problem Izabella?" Betont beiläufig stellte er ihr die Fragen, fast so als wäre es ein Gespräch unter alten Bekannten und nicht unter Fremden.
Izabella - 19.07.2007, 16:43

Benommen schüttelte sie den Kopf, weil sie kaum Luft bekam und so nicht fähig war ihm zu antworten. An der kalten Mauer des Hauses ließ sie sich auf den Boden sinken. Was sollte sie ihm antworten? Seine Frage war geschickt gestellt. "Warum fragst du mich das? Ist dir überhaupt bewusst, was du damit auslösen würdest, wenn ich dir dies jetzt beantworte? Ich würde meine Hoffnung in dich setzen, weil du der Erste bist, der mir wirklich zu hört und doch könntest du meine Hoffnung nicht erfüllen. Es war ein Fehler hier aufzutauchen, deshalb wollte ich auch nicht, dass du mich siehst." Sie hustete und legte ihren Kopf in den Nacken, um so wieder besser zu Atem zu kommen. Seinen Blicken wich sie aus und wünschte sich, sie hätte sofort den Weg zur Uni genommen und nicht zum EKH, um sich dort nach dem jungen Notarzt zu erkundigen. Es hatte sie einige Überredungskunst gekostet, um seine Adresse überhaupt ausgehändigt zu bekommen. "Du willst zum Sport?", lenkte sie das Gespräch auf ein anderes Thema als sie die Tasche in seiner Hand entdeckte. Weit weg von sich und ihren Problemen.
Kathrin - 19.07.2007, 20:25

Jamie warf kurz einen Blick auf die Sporttasche in seiner Hand und blickte dann wieder zu Izabella. Sie versuchte ihn abzulenken, um nicht mehr über sich selbst reden zu müssen. Sollte er darauf eingehen? Er beschloss genau das zu tun, in der Hoffnung sie würde noch mehr Vertrauen zu ihm fassen, damit er ihr helfen könnte. "Ja, ich war gerade auf dem Weg zum Fechten. War ich schon viel zu lange nicht mehr, genauer gesagt schon ein Jahr nicht mehr." Jamie plapperte einfach drauf los und erzählte ihr alles mögliche über den Sport, ließ sie dabei aber nie aus den Augen. Irgendwann fasste er sie sanft am Arm und zog sie wieder in die Höhe. Langsam dirigierte er sie in Richtung seiner Wohnung zurück. "Machst du eigentlich auch Sport? Na jetzt komm erst mal mit hoch in die Wohnung, damit sich dein Kreislauf wieder erholen kann." Immer noch mit einem lächeln auf den Lippen, aber unruhigen Gedanken zog er sie fast schon mit hoch in seine Wohnung. Während er seine Sporttasche einfach ins Eck warf bat er sie, sich hinzusetzen. Jeder mit einem Glas Wasser vor sich saßen sie sich dann schweigend gegenüber. "Na komm, erzähl mal ein bisschen was von dir. Von mir weißt du ja nun doch schon wesentlich mehr als ich von dir."
Izabella - 19.07.2007, 20:40

Das Glas Wasser fest mit ihren Händen umschlossen starrte sie auf die Tischplatte vor sich und musterte nur hin und wieder die Wohnung des jungen Arztes. Am Liebsten wäre sie aufgestanden und einfach gegangen, doch da er sie sogar in seine Wohnung mitgenommen hatte, wollte sie nicht mit Unfreundlichkeit glänzen. Vertrauen hatte sie jedoch längst noch nicht in ihn gefasst, auch wenn er es so aussehen lassen wollte, als wäre es nur ein lockeres Gespräch zwischen ihnen. Seine Mimik und seine Gesten sprachen eine andere Sprache. Die Sprache eines Arztes.
"Was willst du hören?", fragte Izabella Jamie provozierend und ihre Augen funkelten wieder gefährlich, als müsste sie jeden Moment damit rechnen, dass er etwas im Schilde führte. "Willst du den Hobby-Psychologen mimen und weitere Diagnosen anstellen? Oder willst du vor deinen Kollegen nur angeben und mich deshalb dazu überreden mit dir zurück ins Krankenhaus zu gehen? Was willst du? Warum interessierst du dich so für mich?"
Kathrin - 19.07.2007, 20:49

Bei ihren harten, exakt überlegten Worten verschluckte er sich an seinem Wasser und brauchte einige Zeit bis er wieder genug Luft bekommen hat. Mit dem Handrücken wischte er sich die Tränen aus den Augen und starrte sie verblüfft an. Glaubte sie wirklich noch, dass er nur dienstlich handelte, dass er sich sonst nicht für sie interssierte? "Wer bitte schön redet davon, dich wieder ins Krankenhaus bringen zu wollen? Was sollte ich meinen Kollegen beweisen wollen? Dass ich wirklich so ein Idiot bin, der sich ständig den Anweisungen seines Vorgesetzten wiedersetzt? Hör mir mal zu, mir hat der Ärger an meinem ersten Tag schon gereicht. Und der Grund warum du hier in meiner Wohnung sitzt und mir irgendwelche Sachen unterstellst, ist ein anderer. Meine Güte, vielleicht finde ich dich interessant?" Sauer und eine Spur verletzt stand Jamie auf und drehte ihr den Rücken zu. Er hatte einfach keine Lust mehr, sich ständig anhören zu müssen, dass er das alles nur aus Mitleid tat. Plötzlich kam ihm ein Gedanke und er drehte sich wieder zu Izabella um. "Sag mal, woher wusstest du überhaupt wo ich wohne? Und weshalb bist du gekommen? Nur um mir zu sagen, dass das was ich im Krankenhaus gemacht habe Schwachsinn war?"
Izabella - 19.07.2007, 20:59

Wieder senkte sie ihre Augen und war nicht fähig ihn anzusehen. Warum nur durchbrach er bloss immer mit den einfachsten Fragen ihre mit Mühe aufgebaute Schutzmauer, hinter sie sie stets versuchte das zu verbergen, was sowieso keinen interessierte. "Ich glaube, es ist besser ich gehe jetzt." Langsam stand Izabella auf und plötzlich wurde ihr bewusst, dass sie es machte wie immer. Kam eine schwierige Situation auf sie zu, ergriff sie die Flucht. Die Zeit, dass sie den Kampf eingegangen war, war längst vorbei. Ihr Selbstvertrauen war gebrochen worden und ebenso ihr starker Wille, auch wenn er hin und wieder als Selbstschutz zum Vorschein kam. "Ich muss zur Arbeit..." Eine unverkennbare Ausrede. Ein Fluchtversuch, der ihr diesmal nicht gelingen würde, dass wusste Izabella. Sie musste sich der Situation stellen, ob sie wollte oder nicht. Doch was würde Jamie dann von ihr halten? Ja, vielleicht interessierte er sich jetzt für sie, weil er neugierig auf ihr Geheimnis war, aber was wenn sie ihm alles erzählen würde? Würde er sie dann genauso fallen lassen, wie Daniel?
Kathrin - 19.07.2007, 21:08

Einen Moment lang hatte Jamie geglaubt ihre Mauer durchbrochen zu haben, aber das Glücksgefühl währte nur kurz und er erkannte, dass sie auch diesmal wieder alles daran setzten würde zu verschwinden. Mit ein paar langen Schritten hatte er den Raum rasch durchquert und stellte sich ihr in den Weg. "Du sagst dauernd, ich würde es nicht schaffen dir zu helfen. Aber wie soll ich das auch, wenn ich nicht mal die Gelegenheit dazu bekomme? Jeder Satz ist, ich würde dir nicht wirklich helfen wollen. Warum mache ich das dann hier alles?" Zögerlich ging Jamie einen weiteren Schritt auf sie zu und blickte sie nachdenklich an. Nur zu gerne hätte er ihr vorsichtig seinen Finger unter das Kinn gelegt und sie gezwungen ihn anzusehen, aber er wusste nicht ob es sie nicht noch mehr einschüchtern würde. "Ich sags dir nur ungern, aber wenn du jetzt wirklich gehst, werde ich dir wirklich nie helfen können. Und dann brauchst du gar nicht mehr her kommen oder im Krankenhaus nach mir fragen. Ich kann nur den Leuten helfen, die sich auch helfen lassen." Rasch trat Jamie einen Schritt zur Seite und gab somit den Weg zur Wohnungstüre frei. Würde sie wirklich gehen und sich wieder nicht helfen lassen?
Izabella - 19.07.2007, 21:17

Izabella fühlte sich in die Ecke gedrängt und vor einer Entscheidung stehend, die sie nicht treffen wollte. Sie glaubte ihm, dass er ihr helfen wollte, aber würde er das wirklich tun? Zu viel sprach dagegen. Wie konnte sie ihm vertrauen, wo sie doch gar nichts über ihn wusste? Unsicher hob sie ihren Kopf und sah ihn an. Die Narbe in seinem Gesicht war ihr noch nie so deutlich aufgefallen. Vielleicht deshalb, weil sie ihn nie wirklich angesehen, sondern immer nur als Gefahr betrachtet hatte? Izabella blickte zur Wohnungstür. Es waren nur wenige Schritte. Schritte die einfacher zu gehen waren, als hier stehen zu bleiben. "Es ist unfair, mich vor eine solche Wahl zu stellen, ist dir das bewusst." Leise und schüchtern kamen die Worte über ihre Lippen, doch sie nahm Blickkontakt zu ihm auf.
Kathrin - 19.07.2007, 21:25

Mit einem kleinen, zaghaften Grinsen im Gesicht sah er sie an. Der schüchterne Blick verriet ihm, dass er sie jetzt vielleicht so weit hatte, dass sie ihm vertraute und noch nicht ging. "Ja, ich weiß vor welche Wahl ich dich stelle, aber du kannst selbst aussuchen was du machst." Mit leiser Stimme gab er ihr die Antwort und irgendwie fühlte er sich zu ihr hingezogen. Nicht auf die Art, die er sonst kannte, sondern auf eine andere. Er wollte ihr wirklich helfen. Gerade jetzt merkte er, dass es wohl das erste Mal war, dass er jemanden wirklich und bedingungslos helfen wollte. Izabella faszinierte ihn irgendwie und das Mitleid, das er unweigerlich für sie empfand konnte er zurückhalten. Ihren fragenden Blick an seinen Hals hatte er nicht übersehen, aber zuerst wollte er sie so weit haben, dass sie da blieb und seine Hilfe nicht verweigerte. Den Grund für die lange, hässliche Narbe würde sie schon noch früh genug erfahren. "Also was ist? Hier bleiben oder gehen?"
Izabella - 19.07.2007, 21:50

Hin und hergerissen zwischen ihren Gefühlen, was sie nun tun sollte, wandte sie sich wieder von ihm ab und griff nach ihrem noch halbgefüllten Wasserglas. "Wie willst du mir helfen, selbst wenn ich hier bleiben sollte? Es macht doch alles keinen Sinn", flüsterte Izabella und führte das Glas zu ihrem Mund und trank einen Schluck. Gerade als sie das Glas zurück auf den Tisch stellen wollte, gaben ihre Kräfte nach und es glitt zwischen ihren Finger hindurch und landete auf dem Boden, wo es in tausend Scherben zersprang. Erschrocken blickte sie auf das Chaos zu ihren Füßen, ließ sich jedoch sofort auf die Knie fallen und begann die Scherben aufzusammeln. "Es tut mir leid. Das wollte ich nicht..." Tränen liefen über ihr Gesicht, doch es war nicht das zerbrochene Glas, die diese Tränen hervorbrachten, sondern der ernorme Druck der auf ihr lastete. Jeder andere hätte nicht lange benötigt, um eine Entscheidung zu treffen, doch Izabella wusste einfach nicht, ob sie Jamie wirklich ihr Vertrauen schenken konnte. Sie zuckte zusammen, als sie sich an einer Glasscherbe schnitt, doch kein Laut kam über ihre Lippen.
Kathrin - 19.07.2007, 22:06

Schnell ging Jamie in seine kleine Küche und holte sich einen Lappen und eine Kehrrichtschaufel. Schweigend kniete er sich auch auf den Boden und fegte sie kleinen Glassplitter zusammen. Als er auch das restliche Wasser zusammengewischt hatte stellte er die beiden Sachen achtlos auf den Tisch und kniete sich wieder auf den Boden. Sanft berührte er Izabella an den Schultern und zog sie mit in die Höhe. Vorsichtig zog er die weinende Frau in eine leichte Umarmung. "Hey ist doch nichts passiert", leise redete er auf sie ein und strich ihr immer wieder über den Rücken. Ohne genau zu wissen was er tat hielt er sie einfach weiterhin fest und hoffte sie würde sich wieder beruhigen. Irgendwann löste er sich wieder sanft von ihr und merkte, dass sie ihren Finger festhielt. "Lass mal sehen. Ah ist nur eine kleine Scherbe. Komm mit in die Küche, ich mach sie dir raus und dann ein Pflaster drüber." Rasch ging er vor in die Küche und holte eine Pinzette und ein Pflaster aus seinem kleine Kästchen mit diversen Medikamenten und begann ihr den Splitter aus dem Finger zu ziehen.
Izabella - 19.07.2007, 22:34

Ganz ruhig hielt sie ihren Finger, bis Jamie das Pflaster befestigt hatte. Seine leichte Umarmung hatte ihr gut getan und ein sonderbares Gefühl hatte sie durchströmt, soetwas wie Geborgenheit. "Du hattest Recht gestern...", begann sie zögerlich. "Daniel ist nicht mein Freund. Nicht mehr. Ich bin vor zwei Jahren nach Hamburg gezogen, weil wir uns während seines Urlaubs in Schweden kennengelernt hatten. Meine Eltern meinten immer wir wären das perfekte Paar. Wir waren es vielleicht..." Izabella fuhr sich achtlos über ihre verweinten Augen und hasste ihre momentane Hilflosigkeit, die ihr mit Sicherheit ins Gesicht geschrieben stand. "Ich wohne mit ihm immer noch in einer WG. Mit ihm und seiner neuen Freundin, aber das stört mich nicht, schließlich habe ich mich von ihm getrennt." Langsam senkte Izabella ihren Blick, drehte sich um und ging zur Wohnungstür. Dieser Weg war einfacher und sie war ihn in den letzten Wochen oft genug gegangen. Vielleicht war es feige, aber nicht so unverschämt, als einem jungen Arzt ihre Probleme aufzuhalsen. Ihre Hand griff nach der Türklinke. "Du möchtest mir helfen, aber du kannst es nicht, genauso wenig, wie ich mich aus meinem Teufelskreis befreien kann. Jeden Tag nehme ich mir vor, mein Sportprogramm zu ignorieren und alles zu Essen auf was ich gerade Lust habe, doch es gelingt mir nicht. Vielleicht, treffen wir uns irgendwann im EKH wieder und du bekommst die Möglichkeit mir zu helfen, weil mein Körper bereits aufgegeben habe. Der Einzige der noch aufgeben kann, denn ich habe es bereits." Immer leiser wurde ihre Stimme und sie öffnete behutsam die Tür, um die Wohnung zu verlassen. Würde er sie zurückhalten? Würde sie sich zurückhalten lassen?
Mit einem lauten Knall fiel die Tür ins Schloss. Auf der Treppe waren leise Schritte zu hören und dann war es still. Izabella jedoch, hatte das Haus nicht verlassen. Benommen hatte sie sich auf den steinernen Boden am Fuße der Treppe sinken lassen.
Kathrin - 21.07.2007, 13:47

Benommen blickte Jamie ihr hinterher und war zu keiner Reaktin fähig. Sie hatte schon wieder jede Hilfe von ihm abgelehnt und war abgehauen. Wie nur sollte er ihr noch begreiflich machen, dass er wirklich helfen wollte und ihr nicht irgendwelche leeren Versprechungen machte? Als er sich aus seiner Starre löste eilte er zu dem Fenster, das zur Straße hinunter zeigte. Weit aus dem Fenster gelehnt versuchte er sie irgenwo noch zu erspähen, denn recht weit konnte sie noch nicht gekommen sein. Um die Ecke zur U-Bahn konnte sie noch nicht gebogen sein, denn dazu hätte sie rennen müssen, was er angesichts ihres Kreislaufes bezweifelte. Wo war sie nur? Sie würde doch nicht schon wieder zusammengebrochen sein? Plötzlich war sein ganzer Körper wieder voll mit Adrenalin und er wirbelte herum. Der Gedanke daran, dass sie vielleicht schon im Hausflur zusammengebrochen war jagte ihm einen kalten Schauer über den Rücken. Ihr durfte einfach nicht schon wieder etwas passiert sein. Sicher griff er nach seinem Hausschlüssel und riss die Türe auf. Die ganzen Treppen, die er benötigte um nach untern zu kommen waren ihm noch nie so lange und zahlreich vorgekommen wie in dem Moment. Etwas außer Atem stoppte er auf dem letzten Treppenabsazt, als er sie am Boden sitzen sah. Unsicher ob er sie berühren sollte oder sich noch näher zu ihr gesellen sollte ließ er sich mitten auf der Treppe nieder und blickte sie an. "Du kannst es nicht alleine schaffen. Aber wenn du jemanden hast, der dir wirklich helfen will, dann ist es möglich den Teufelskreis zu durchbrechen. Lass es zu, dass dir jemand hilft bevor du dich komplett kaputt machst."
Izabella - 22.07.2007, 16:17

"Sieh mich doch an! Wie soll ich mich noch weiter kaputt machen, wo deutlich genug zu erkennen ist, wie sehr ich meinen Körper strapaziert habe? Und obwohl mir das alles mehr als bewusst ist, bin ich nicht fähig Hilfe anzunehmen. Ich schaffe es einfach nicht." Vorsichtig stand Izabella auf und lehnte sich gegen die kalte Wand des Eingangs. Ihr leerer Blick war auf Jamie gerichtet und all ihre Entschlossenheit, die noch vor wenigen Minuten in seiner Wohnung gezeigt hatte, war wieder einmal verschwunden. Sie sah aus, wie ein verzweifeltes Kleinkind, dass nicht wusste, wo die schützende Nähe seiner Mutter war und hilflos durch die Straßen irrte.
"Du hast mit Sicherheit genug eigene Probleme, als das du dich auch noch um mich kümmern musst. Ich würde dir nur noch mehr Probleme bereiten und irgendwann würdest du nichts mehr von mir wissen wollen, weil dir die Geduld fehlen würde, also warum sollen wir dieses Risiko überhaupt eingehen?"
Kathrin - 22.07.2007, 16:28

"Vergiss meine Probleme, die sind im direkten Vergleich zu deinen unbedeutend. Ich kann zwar manchmal ungeduldig werden, aber nicht, wenn ich weiß was ich will. Und das einzige was ich im Moment will, ist dir helfen." Rasch stand Jamie wieder von der kalten Treppe auf und ging auf Izabella zu. Er sah in ihren Augen, wie die Entschlossenheit verschwand und sie immer deutlicher drohte zusammen zu brechen. Wie lange würde es noch dauern, bis sie begriff, dass er ihr wirklich helfen wollte? Wie würde sich sein Leben dann verändern? Er konnte sich nur annähernd vorstellen wie es weiter gehen sollte, aber irgendetwas an ihr faszinierte ihn so sehr, dass er alles dafür tun wollte. Er wollte ihr wirklich helfen, ohne irgendwelche Forderungen zu stellen. "Jetzt komm erstmal wieder mit hoch und ruh dich aus. Wenn du so weitermachst, muss ich dich wirklich im Krankenhaus besuchen, und darauf habe ich ehrlich gesagt keine Lust." Erneut nahm er sie sanft am Arm und zog sie näher an sich heran und ging die Treppen wieder hinauf in seine Wohnung.
Izabella - 22.07.2007, 16:44

Sie ließ es geschehen und wehrte sich nicht mehr gegen seine Hilfe, da sie das Gefühl hatte, es wäre sowieso sinnlos. Jamie hatte die Entschlossenheit und das Durchhaltevermögen, was ihr fehlte und so würde sie nur durch Flucht entkommen können. Eine Flucht, die sie nicht mehr antreten wollte, zu oft war sie vor dem nächsten entscheidenden Schritt geflohen, der alles hätte verbessern können. Izabella fühlte sich an einem Punkt angekommen, an welchem sie das Gefühl hatte, wenn sie einen Schritt zurück ging, würde sie in ein noch tieferes Loch stürzen, aus welchem sie nie mehr entkommen konnte.
In Jamies Wohnung ließ sie sich erschöpft auf sein Sofa sinken und schloss für einen Moment die Augen. Daran, dass ihre körperlichen Kräfte schon lange nicht mehr ausreichten hatte sie sich gewöhnt und so wollte sie sich auch gar keine Ruhe gönnen. Entschlossen schlug sie ihre Augen wieder auf und suchte den Blick des jungen Arztes. "Ich weiß, ich habe mich die ganze Zeit nur gegen deine Hilfe gewehrt und bin immer wieder davor weggelaufen, aber vielleicht hast du Recht... alleine werde ich es nicht schaffen und zu einer Therapie mit stationären Aufenthalt kann ich mich im Moment noch nicht überwinden..."
Kathrin - 22.07.2007, 16:52

Langsam und erneut mit zwei Gläsern und einer Flasche Wasser in der Hand ließ er sich neben ihr auf das Sofa sinken. Nachdenklich goss er sich ein Glas voll und trank es rasch aus. Innerlich total aufgewühlt blickte er sie an und überlegte sich seine nächsten Worte genau. Mit dem was er jetzt sagen wollte würde er sowohl ihr, als auch sein eigenes Leben komplett verändern. "Ich weiß, dass ich dich zu nichts zwingen kann. Ich bin vielleicht gut im Überreden, aber zwingen werde ich dich zu nichts was du nicht willst. Vielleicht solltest du die erste Zeit jetzt erstmal zu sehen, dass du wieder etwas zu Kräften kommst." Als er merkte, dass sie zu einem Widerspruch ansetzen wollte schüttelte er rasch den Kopf. Er hatte noch nicht alles gesat, was er loswerden wollte. "Und mit zu Kräften kommen meine ich nicht nur körperlich, sondern viel mehr seelisch. Du musst vielleicht erstmal dich selbst wieder finden und mit dir ausmachen was genau du willst. Und erst wenn du genau weißt was du willst, können wir weiter sehen, ob es sinnvoller ist das ganze ambulant oder stationär zu machen."
Izabella - 22.07.2007, 17:11

"Und wie soll ich das schaffen? Wenn ich dazu fähig wäre, mein Leben von heute auf morgen einfach umzustellen, hätte ich es längst getan, aber mein Leben beginnt jeden Tag gleich und endet gleich. Ich weiß nicht, wie ich das schaffen soll..." Izabella war verzweifelt. Jamie wollte ihr Halt geben, aber sie konnte sich einfach nicht vorstellen, wie er das schaffen wollte. Hatte er doch selbst genug zu tun, mit seinem Job im Krankenhaus und auch sie war beschäftigt mit ihrem Studium, ihrem Job als Kellnerin und ihrem Ex-Freund und seiner neuen Freundin. Für einen kurzen Moment sah sie ihre Chance darin, einfach aus der WG auszuziehen, doch das würde sie weder psychisch noch physisch meistern können und vor allem, wo sollte sie nach ihrem Auszug hin. Sie kannte niemanden in Hamburg und zu ihren Eltern zurück nach Schweden wollte sie auch nicht, jetzt wo sie Jamie kennen gelernt hatte. Eine Therapie in einer Klinik wäre das einzig sinnvolle, auch wenn sie das nicht wollte.
Kathrin - 22.07.2007, 17:20

"Ich sage doch auch nicht, dass du das von heute auf morgen machen sollst und schaffen kannst. Aber du musst zumindest einmal einen Anfang wagen." Erneut rückte Jamie ein Stück näher an Izabella heran und legte seinen Arm leicht um ihre schmalen Schultern. Hatte sie wirklich so einen starken Willen, dass sie ihr ganzes Leben ändern konnte? Wie lange sie wohl schon magersüchtig war? Immer mehr nagende Fragen kamen in Jamie hoch und er begriff, dass er von ihr so gut wie gar nichts wusste, außer dass sie mit einem Daniel und dessen neuer Freundin in einer WG wohnte. "Erzähl mir was von dir. Ich will wissen, was du so machst, was für Freunde du hast, welche Hobbys, alles. Geb mir die Chance dich gleich von Anfang an richtig zu kennen." Langsam löste er sich wieder von ihr und stand auf. Während er sie so im Arm gehalten hatte, hatte er immer deutlicher gemerkt, wie erschöpft sie doch war und, dass es sie furchtbar fror. Rasch ging er in sein kleines Schlafzimmer holte eine Decke aus dem Schrank. Mit dieser bewaffnet ließ er sich wieder aufs Sofa sinken, zog sie erneut an sich heran und wickelte die Decke um sie. Wenn er schon so viel von ihr wissen wollte, sollte sie sich wenigstens geborgen fühlen.
Izabella - 22.07.2007, 17:34

Wie, als hätte sich ihr ganzer Widerstand, den sie bisher gegenüber Jamie geleistet hatte, in Luft aufgelöst, akzeptierte sie seine Fragen und war sogar bereit ihm von ihrem Leben zu erzählen. Durch nur wenige Gesten und Sätze hatte er ihr an diesem Tag zu verstehen gegeben, dass sie ihm vertrauen konnte, wenn sie nur wollte. Es war schwierig für sie, doch sie wollte ihm zumindest eine Chance geben. Nicht alle Männer waren so, wie Daniel. "Sei' mir bitte nicht böse, aber alles werde ich dir heute noch nicht erzählen können, dafür der Kampf um diesen einen Schritt in die richtige Richtung zu anstrengend." Izabella hob ihren Kopf und blickte Jamie an. Ein Lächeln erschien auf ihrem Gesicht, bevor sie den Kopf wieder senkte und leicht gegen seine Schulter lehnte. Sie wollte diese Wärme, dieses Gefühl der Geborgenheit und des Verständnisses nicht sofort wieder aufgeben müssen. "Meine Eltern kommen aus Schweden und dort habe ich auch Daniel kennengelernt, als dieser mit einigen Kommilitonen in meiner Stadt Urlaub machte. Damals erschien es mir, wie Liebe auf dem ersten Blick und ohne lange darüber nachzudenken, bin ich mit ihm nach Hamburg gekommen. Hier in Hamburg habe ich dann angefangen Psychologie zu studieren und ich bin mit in Daniels WG gezogen, bin dort sofort freundlich empfangen worden. Ich war glücklich, fand sogar nach einiger Zeit einen Job in einem Café, wodurch ich mir mein Studium und die Miete finanzieren konnte. Jedes Mädchen glaubt wohl daran, ihren Prinzen gefunden zu haben, bis einen die Realität einholt. Mich hat sie eingeholt, als ich Daniel mit einer Komillitonin von ihm zusammen in unserem Bett erwischt habe. Ich habe ihm verziehen und das war ein Fehler, den er ausnutzte. Zwar wollte ich einen Schlussstrich unter das ganze setzen, aber es gelang mir nicht, denn inzwischen war ich..." Izabella brach ab und die Erinnerungen brachen gewaltiger über sie herein, als sie es vorher befürchtet hatte.
Kathrin - 22.07.2007, 17:46

Jamie war hart getroffen von ihren Worten und nun konnte er sich annähernd vorstellen, weshalb es so lange gedauert hatte, bis er ihr Vertrauen bekommen hatte. "Aber ist es jetzt nicht noch viel schwerer in der WG zu wohnen? Daniel hatte im Krankenhaus ja einen regelrecht entnervten Eindruck gemacht als du ihn gebeten hattest dich abzuholen." Leise stellte Jamie weitere Fragen. Leise und vorsichtig, um ihr die Möglichkeit zu geben wirklich nur auf das zu antworten was sie beantworten konnte. Sein Gedanken standen immer noch nicht still, und irgendwie war er sich auch nicht sicher, ob er mehr davon hören wollte, was sie bis jetzt durch gemacht hatte. Eigentlich war es ja jetzt vorerst auch egal, die Hauptsache blieb einfach, dass sie neues Vertrauen gefasst hatte. "Und alles will ich glaub ich jetzt auch gar nicht wissen. Lass dir einfach Zeit und wenn du nicht mehr willst, dann schweigen wir uns einfach an. Wobei ich glaube, dass ich dann schnell eingeschlafen bin." Lächelnd beugte er sich vorsichtig vor und ergriff das Wasserglas vom Tisch. Hastik nahm er ein paar Schlucke daraus und lehnte sich dann mit Izabella im Arm wieder zurück.
Izabella - 22.07.2007, 17:55

"Ich kann auch gehen, wenn ich dich störe." Nach Jamies letzter Bemerkung, versuchte sich Izabella hektisch aus der Decke zu befreien und aufzustehen. Wie viel Zeit war überhaupt schon vergangen, seit sie hier war? Ihre Blicke suchten nach einer Uhr im Raum, doch sie konnte auf die Schnelle keine finden. "Ich wollte dich mit meinen Erzählungen sicherlich nicht langweilen, aber es hat einfach gut getan, endlich jemanden davon erzählen zu können. Es tut mir leid, wenn ich deinen Tag vollkommen durcheinander gebracht habe. Jetzt brauchst du wahrscheinlich nicht einmal mehr zu deinem Training zu gehen, wohin du vorhin wolltest." Izabella hatte es endlich geschafft, sich aus der Decke zu befreien und stand auf, doch sie merkte, in welchem schlechten Zustand ihr Kreislauf war. Gönnte sie sich an all den Tagen der Woche keine Ruhe, so fiel es ihr nicht weiter auf, wie schlecht es ihr doch wirklich ging und musste so auch nicht immer wieder daran denken, wie hilflos sie doch war.
Kathrin - 22.07.2007, 18:02

Immer noch grinsend richtete sich Jamie ein wenig auf und griff nach Izabellas Arm. Die Anstrengung war ihr ins Gesicht geschrieben und er merkte, dass er sie mit seiner letzten, unbedachten Bemerkung völlig durcheinander gebracht haben musste. Dabei lag die Müdigkeit sicher nicht an ihr, sondern am gesamten Tag. Er würde sicher noch ein paar Tage brauchen, bis er sich an den harten Arbeitstag im Krankenhaus gewöhnt hatte. Schnell stand er auf und stellte sich ihr in den Weg. "Nichts da. Du bleibst schön hier. Was kannst du schließlich dafür, wenn ich mich noch nicht an die Arbeit gewöhnt habe und abends zu müde bin, um mich richtig um meinen Gast zu kümmern." Sanft zog er sie wieder mit aufs Sofa und wickelte sie abermals in die Decke ein. "Und für deinen Kreislauf wäre es am besten, wenn er heute nicht mehr laufen oder sonst etwas tun müsste. Nur noch schlafen wäre echt am Besten. Wenn du willst, kannst du auch gleich hier bei mir schlafen. Nein, schau mich nicht so an, würde es mir etwas ausmachen, hätte ich dir das nicht vorgeschlagen."
Izabella - 22.07.2007, 18:26

Sie wollte ihm widersprechen, ihm Argumente geben, die sein Angebot undenkbar machten, doch Izabella war nicht fähig, es einfach auszuschlagen. Jamie hatte recht, sie war viel zu schwach, als das sie noch heil in ihre WG gekommen wäre. "Danke, aber ich möchte dir nicht zur Last fallen, schließlich hast du den härteren Job von uns beiden und außerdem kennen wir uns doch noch gar nicht, als das ich einfach über Nacht hier bleiben könnte. Es wäre auch in Ordnung für mich, wenn du mich nach Hause bringen würdest." Ihre Bedenken drangen einfach aus ihr hervor und doch ließ sie sich wieder an seine Schulter sinken und schloss die Augen. Die Decke sorgte sogar dafür, dass ihr Körper aufhörte zu zittern und doch kamen ihr immer wieder neue Vorwürfe, warum es einfach ungerecht war, sich so in das Leben des jungen Arztes zu drängen. Er wollte ihr helfen, aber war es vielleicht nicht doch nur aus Mitleid?
Kathrin - 22.07.2007, 18:37

"Nach Hause bringen könnte sich schwierig gestalten, denn da ich kein Auto habe, würde das nicht so gut funktionieren." Lachend schüttelte er den Kopf über ihren Dickkopf, der es ihr noch nicht mal jetzt erlaubt einfach so nachzugeben. Aber er würde ihr ihren Willen nicht durchgehen lassen. Jetzt und hier würde er sich durchsetzen und gewinnen. "Und mein Job, das ist schon in Ordnung. Bin morgen eh erst ab Mittag eingeteilt, dafür bis um zwölf in der Nacht. Das geht schon, mach dir darüber mal keinen Kopf." Sanft löste er sich von ihr und begann die beiden Gläser und das Wasser wieder in die Küche zu räumen. Als er dann wieder im Wohnzimmer stand saß sie noch genauso da, wie er sie hatte sitzen gelassen. "Du bist mir jetzt hoffentlich nicht böse, wenn ich dir mein Bett nicht überlasse. Aber im Angebot hätte ich da noch dieses Sofa, ausziehbar zu einem sehr bequemen Bett." Lachend zog er sie auf die Beine und rückte dann rasch den kleinen Tisch zur Seite. Geschickt griff er zwischen die Polster und hatte innerhalb kürester Zeit aus dem Sofa ein Bett gemacht. "Was magst du lieber? Eine normale Decke oder einen warmen Schlafsack?"
Izabella - 22.07.2007, 18:46

Immer noch eingehüllt in die wärmende Decke, schüttelte Izabella nur den Kopf und ließ sich müde auf das verwandelte Sofa sinken. All die Kräfte die sie mobilisiert hatte, um sich doch noch gegen Jamies Angebot zu wehren, waren verbraucht und kaum hatte ihr Kopf den weichen Untergrund berührt schloss sie auch schon die Augen, um sie jedoch nur Sekunden später wieder zu öffnen. Was sollte Jamie von ihr denken, wenn sie sich einfach so gehen ließ ohne sich bei ihm überhaupt zu bedanken? Vorsichtig richtete sie sich noch einmal auf und sah ihn an. Immer noch lag dieses sanfte Lächeln auf seinem Gesicht und an dem Strahlen in seinen Augen, erkannte sie, wie glücklich er darüber war, etwas für sie tun zu können. "Danke, das du mir einfach so helfen willst. Zwar denke ich immer noch, dass ich es nicht zulassen sollte, doch ich bin auch ein kleines bisschen stolz auf mich, das ich diesen Schritt gewagt habe. Danke." Izabella wollte nach Jamies Hand greifen, doch im letzten Moment unterließ sie es dann doch. Noch fühlte sie sich nicht bereit dazu, ihm all ihr Vertrauen zu schenken.
Kathrin - 22.07.2007, 18:54

Abwehrend schüttelte Jamie den Kopf und wollte nichts von ihrem Dank hören. Nicht jetzt, wo er selbst noch nicht so genau wusste was dieses Vertrauen, das sich langsam aufbaute noch mit sich bringen würde. "Jetzt schlaf einfach", mehr brachte er nicht mehr über die Lippen, ohne noch irgendetwas zu sagen, was er später bereuen würde. Schweigend drehte er sich um und ging erneugt in das kleine Schlafzimmer. Mit sicherm Griff zog er seinen Schlafsack vom Schrank herunter und packte dann sein eigenes Bettzeug und brachte es Izabella ins Wohnzimmer. Als er dort ankam, hatte sie die Augen bereits schon geschlossen und da er nicht wusste ob sie schlief oder nicht, breitete er einfach die Decke über ihr aus und machte dann das Licht aus. Nachdem er sich im Bad kurz umgezogen hatte kletterte er umständlich in den langen Schlafsack und drehte sich auf den Rücken. Noch konnte er nicht schlafen, dafür war er einfach zu durcheinander und er konnte die letzten Tage nicht richtig einordnen. Das einzige was er wirklich wusste, war, dass er im Krankenhaus kein weiteres Wort darüber verlieren durfte. Die Kommentare von Malte und Philipp wollte er gar nicht hören.
Izabella - 22.07.2007, 19:50

Die ersten Sonnenstrahlen des Morgens schlichen sich in das abgedunkelte Wohnzimmer des jungen Arztes und weckten die Neugier auf den neuen Tag. Leise bewegten sich die Vorhänge im sanften Wind des geöffneten Fensters. Im Haus war es ruhig, denn längst hatten alle, die kurz nach dem Frühstück ihre Arbeit antreten mussten, das Haus verlassen. Izabella schlief tief und fest und auch von Jamie war noch nichts zu hören oder zu sehen.
Jäh unterbrach diese friedliche Stille ein schrilles Klingeln und ein hartes poltern erklang an der Wohnungstür. Immer und immer wieder. Fast schien es so, als beabsichtigte jemand, die Tür einzuschlagen, doch in all die Geräusche mischte sich auch noch das Klingeln des Telefons. Mit rasendem Herzschlag und vor Angst geweiteten Augen schreckte Izabella hoch und war nicht fähig sich zu bewegen, geschweige denn einen vernünftigen Gedanken zu fassen. Was ging hier vor sich? Wo war sie überhaupt? Verunsichert blickte sie sich in dem dämmrigen Raum um und erst nach und nach wurde ihr bewusst, das sie in der Wohnung des jungen Arztes war. Das Klingeln des Telefones war Verklungen, doch die Person am Hausgang hatte noch nicht damit aufgehört, mit dem Versuch sich Einlass zu verschaffen. Was, wenn Daniel erfahren hat, wo ich bin?, schoss es Izabella plötzlich durch den Kopf. Eine neue Welle von Angst durchflutete sie. Zögerlich stand sie auf und versuchte ihre nächsten Schritte genau zu überlegen. Sollte sie die Türe öffnen oder Jamie wecken? Was wenn es wirklich Daniel war? Wie waren seine Reaktionen auf Jamie?
Zitternd und voller Angst wich Izabella in eine Ecke des Raumes zurück. Sie kannte Daniels Wutausbrüche und auch die dadurch verursachten Schmerzen. Urplötzlich ließ das Klopfen nach und Izabella lauschte auf Schritte die sich entfernten, doch die Person auf der anderen Seite der Tür war hartnäckig. Endlich vernahm sie, wie Jamie aufstand und mit wüsten Flüchen sich seiner Wohnungstür näherte. Schon wollte sie aufspringen und ihn vor ihrem Ex-Freund warnen, als sie durch den kleinen Türspalt des Wohnzimmers eine orange Jacke aufblitzen sah.

"Sage mal, hat dir Philipp gestern K.O.-Tropfen verabreicht, oder wie tief schläfst du eigentlich?", begrüßte Malte seinen verschlafen wirkenden Kollegen. Wie amüsiert er über dessen Gesichtsausdruck war, verbarg er nicht. "Ich störe dich ja ungern bei deinem Schönheitsschlaf, aber das EKH hat mich heute Früh alarmiert und wird es sicherlich auch bei dir versucht haben. Die haben einen schweren Busunfall 'rein bekommen und brauchen jede verfügbare Hand. Also, schwing dich in anständige Klamotten, deine ersten Überstunden liegen an. Hätte ich jetzt nicht gedacht, dass ich so schnell dazu komme, deine Wohnung zu besichtigen."
Kathrin - 23.07.2007, 12:58

"Meine Wohnung besichtigen? Das schmink dir mal ganz schnell ab. Gib mir zehn Minuten, ja?" Immer noch verschlafen, aber schon eine Spur wacher fuhr er sich mit der Hand durch das kurze Haar. Malte durfte nicht auf die Idee kommen die Wohnung auf eigene Faust zu besichtigen, denn dann würde er unweigerlich auffliegen und Izabella würde nicht mehr unentdeckt bleiben. Rasch schloss er die Wohnungstüre hinter Malte und nahm Malte an den Schultern. "Bleib einfach hier stehen. Eine Wohnungsführung kann ich dir frühestens morgen anbieten und dann gibts auch das v