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NewsBote - 19.06.2007, 11:24
Mythos OFC
Das Stehaufmännchen des deutschen Fußballs
Serie, Teil 4: In der Achterbahn mit Mythos OFC
Vom 19.06.2007

WIESBADEN Im Sommer erwacht Wiesbaden aus seinem fußballerischen Dornröschenschlaf, gastiert der Zweitliga-Zirkus in der Landeshauptstadt - alle 14 Tage. In unserer Serie stellen wir die Hauptdarsteller vor. Heute, Teil 4: Kickers Offenbach.
Von
Henning Kunz
Der Mythos hat viele Gesichter. Und schreibt viele Geschichten. Der Mythos war mal mit einem jungen Trainer namens Rehhagel Erster in der Bundesliga (1974). Zwischendurch. Einmal durfte er sich den DFB-Pokal in die Vitrine stellen. 1970, als Zweitligist. Und: Zwei Mal war er Vizemeister. Die Finalpleite 1959 gegen Rivale Eintracht Frankfurt gilt als schlimmste der Clubhistorie. Nachfragen unerwünscht.

Für die 90er-Weltmeister Uwe Bein und Rudi Völler war der Bieberer Berg Sprungbrett, Erwin Kostedde hätte hier in den 70ern mit verbundenen Augen das Tor getroffen. Auch der Berg ist, obgleich der Begriff nun überstrapaziert sein mag, ein Mythos. Hier ist der Fan so nah dran, dass er den Atem der Spieler spüren, das Gras riechen kann. Hier wird Fußball gelebt und gearbeitet.

Im Vergleich zu der wechselvollen Geschichte des OFC kommt einem jede Achterbahnfahrt wie ein Kinderkarussell vor. Das Erstaunliche: Immer dann, wenn die Kickers am Ende und nicht zu retten zu sein schienen, wenn sie in die Bedeutungslosigkeit abzustürzen drohten, rafften sie sich auf. Kickers Offenbach ist das Stehaufmännchen des deutschen Fußballs. Einem Abstieg folgte meistens ein Aufstieg. Manchmal unter mysteriösen Umständen. Wie etwa 1997, da sich die Kickers aus den Niederungen der Oberliga verabschieden wollten. Als sie im entscheidenden Aufstiegsspiel gegen den FC Memmingen kurz vor Abpfiff 2:3 zurücklagen und sich die 10000 mit nach Mannheim gereisten Fans auf ein weiteres viertklassiges Jahr einstellten, wurde es dunkel. Wie von Geisterhand versagte das Flutlicht, die Redaktion des kultigen OFC-Fanmagazin "Erwin", das Ende der Saison 06/07 eingestellt worden ist, vermuteten, dass "die Kraft der 10000 Herzen" die Funzel ausknipsten. Der DFB ließ das Spiel wiederholen, der OFC siegte in Stuttgarts WM-Arena 2:0. Solche Kapitel halten den Kult am Leben.

Das jüngste unter Präsident Dieter Müller steht für eine - für Offenbacher Verhältnisse - ungewöhnliche Kontinuität. Seit anderthalb Jahren lehrt Wolfgang Frank das Fußballspiel und selbst in der Rückrunde, in der der Abstieg drohte, wurde die Führungsriege nicht nervös. Vor ein paar Jahren begannen sie schon nach einer Pleite zu hyperventilieren. Zwischen Oktober 1999 und Dezember 2000 saßen acht (!) Übungsleiter auf der Trainerbank. Und das passte ins Bild eines Clubs, der nicht zum Kult wurde, weil er langweilig ist. Eine Geschichte wie die des OFC kann man nicht erfinden. Mythos ist Mythos.

Wiesbadener Tagesblatt
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