iphpbb - Forenarchiv: Archivbeitrag des Forums Lebensgarten - komm rein, mach mit!
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Compuexe - 15.06.2007, 15:48
Wir sind Jupp!
Jupp ist fünfzig Jahre alt. Und einundzwanzig und vierunddreißig. Jupp wiegt zwischen 80 und 120 Kilogramm. Könnten auch dreiundsechzig sein. Er ist Single und seit dreißig Jahren verheiratet oder geschieden. Witwer war er noch nie, wäre aber problemlos möglich. Jupp ist ein Einzelgänger, Eigenbrötler und ein unglaublicher Familienmensch. So was wie ein Hans Dampf in allen Gassen. Geschickt bei allem was er tut. Unbeholfen ist er auch, aber nur, wenn ich es will.
Jupp ist ein guter Freund und ein unglaublich wichtiger Kamerad.
Jupp ist meine Erfindung.

Angefangen hat alles vor sehr vielen Jahren, als meine Frau und ich mit meinem Freund Martin und dessen Frau in einer Hütte am Edersee ein Wochenende verbrachten. Nachts spielten wir zu dritt Karten, meine Frau gab nach wenigen Stunden auf und gab „Die Schnarchende“ im Sessel neben uns.

Martin, der im Gegensatz zu uns dem Alkohol in Form von Bier heftig zusprach, machte sich immer wieder auf den Weg nach draußen um, wie er es nannte, seine „Freunde“ zu besuchen. Wir wussten natürlich, dass er ganz einfach literweise sein getrunkenes Bier in die umliegende Natur pinkelte.

Jedes Mal wenn er die Tür der recht komfortablen Hütte öffnete, gab es draußen Lärm. Wir erfuhren hinterher, dass es sich um Waschbären handelte, die die Mülleimer der Hütten in der näheren Umgebung nach Essbarem absuchten. Sobald aus unserer Hütte Licht fiel, rannten sie weg.

Immer wenn Martin, oft noch mit offener Hose, wieder in die Hütte zurück kam, drehte er sich noch mal um und verabschiedete sich in die Nacht!
„Machs gut, Schorsch!“, oder „Bis denne, Emil!“
Martins Frau und ich haben Tränen gelacht. Meine Frau brabbelte manchmal ein „Was is …?“, im Halbschlaf und wollte am nächsten Morgen wissen, wer denn die ganzen Typen waren, die Nachts um die Hütte geschlichen waren.

Bei den zwei Gelegenheiten, bei denen ich die Hütte verließ, um, natürlich, zur Toilette, einem Plumpsklo zwanzig Meter im Wald, zu gehen, wurde Jupp praktisch geboren!

Seit dieser Zeit begleitet mich Jupp. Immer und überall hin.
Ein Freund wie Jupp hat viele Vorteile. Man muss beim Essen reservieren keinen Platz für ihn freihalten, kann aber beim Eintreten ein: „Mein Freund Jupp hat sie mir empfohlen …“, fallen lassen. So was kommt immer gut, zumal der Ober sofort überlegt, wer denn dieser ominöse Jupp sein könnte.
‚Hieß nicht Direktor Schmitz Jupp mit Vornamen’, geht ihm dann vielleicht durch den Kopf.

Jupp ist einfach zu handhaben und pflegeleicht. Man kann ihn überall mitnehmen, ohne sich für ihn schämen zu müssen. Als ich vor einigen Jahren auf dem Weinheimer Volksfest, der „Woinemer Kerwe“ war, war das Geschubse und Gedränge an einem engen Winkel in der Altstadt so heftig, dass ich Angst haben musste, meine Frau aus den Augen zu verlieren. Die Leute standen, wie auf einer Tanzfläche wirklich press aneinander.
Das war direkt oberhalb des Marktplatzes, dort wo der goldene Adler mit seiner Ecke direkt auf die Herz-Jesu-Kirche trifft. Der Durchgang ist gerade mal fünf Meter breit.
Ich blieb einfach stehen, schaute ungläubig nach oben und schrie:
„Spring doch, Jupp, du alter Feigling!“

Es dauerte keine zwei Sekunden und rund um den imaginären Aufschlagpunkt hatte sich eine leere Stelle gebildet. Alles starrte nach oben und suchte mit den Augen nach Jupp. Keiner beachtete mich oder meine Frau, es war relativ leicht, den Engpass zu durchqueren. Als wir Stunden später mit vier Freunden den Ort wieder passierten, alle Fahrgeschäfte hatten schon geschlossen, die Biergärten räumten gerade die Tische ab, sah ich dort zwei junge Männer stehen, die nach oben sahen.
„Hättest mal sehen sollen, vorhin, wie da einer alle verarscht hat. Der hat hochgesehen und gebrüllt, da soll einer springen!“
Der andere schüttelte den Kopf.
„Schön blöd, wie kann man auf so was reinfallen? Mir würde so was nicht passieren.“
Ich grinste meine Frau an, sie schüttelte leicht entsetzt den Kopf. Mit dem Rücken zu den beiden Männern sah ich zur gegenüberliegenden Kirche hoch und brüllte:

„Nein Jupp, nicht!“ Hinter mir hörte ich einen erschreckten Ausruf und dann sah ich die beiden entsetzt zur Kirche hoch sehen.
Euch kann ich es ja sagen, Jupp ist nicht gesprungen. Aber die zwei haben noch Minuten später darüber diskutiert, wo denn Jupp gestanden hatte.

Alles alte Geschichten. So was macht Jupp heute nicht mehr. Heute dient er meist nur der Belustigung, wenn ich mit meiner Familie unterwegs bin und mich zum Beispiel beim gehen in der Fußgängerzone umdrehe und einfach „Hallo Jupp“, in die Menge rufe. Irgendwer dreht sich immer um und sucht ihn.

Letzte Woche sagte meine Schwiegertochter in Spe, es sei erstaunlich, dass ich das mit dem renovieren ihrer neuen Wohnung alles alleine so schnell geschafft hätte. Ich tat dann ganz zerknirscht und sagte:
„Also wenn ich ganz ehrlich bin, mir hat eigentlich ab und zu jemand dabei geholfen.“ Ihre Augen wurden groß, ein sogenanntes Ahaaaaa-Grinsen überzog ihr Gesicht.
„Und wer hat dir geholfen?“, fragte sie neugierig und schadenfroh.
Ich sah meinen Sohn an, der fing plötzlich auch an zu grinsen und wir sagten gleichzeitig: „JUPP!“

So, ich wünsch euch noch einen schönen Tag, ich hab keine Zeit mehr für euch, Jupp kommt gleich vorbei, wir wollen Billard spielen gehen.
:D :D
Eva - 15.06.2007, 16:22

Viel Spaß weiterhin mit Jupp, Deinem vielseitigen und unterhaltsamen Begleiter! Die Geschichte ist amüsant zu lesen... :D :ja:
Goldie - 15.06.2007, 16:28

..... ich glaubs ja nicht :surprised: leider hab ich nicht dieses Talent, wie es der Meister hat, sonst würd ich euch meine Geschichte von unsrem Freud HARVEY genauso professionell erzählen .... :lach:

Ich versuchs trotzdem:
Vor vielen, vielen Jahre arbeitete ich noch in Heidelberg, hatte dort mit einer Kollegin eine nette Wohnung und an einem der vielen langweiligen ;) Abenden, schauten wir im Fernsehen den Film "Ich und mein Freund Harvey" - lustig und fantasievoll wie wir damals waren und immer noch sind :lach: war an dem Tag für uns ein unsichtbarer Freund geboren: viele, viele Monate ständig an unsrer Seite >> in der Fußgängerzone riefen wir ihn, wir baten die Menschen um Geduld in der Tür zur Straßenbahn (Harvey kommt doch auch noch!!) und das Schärfste war wohl, als wir in einer Pizzeria einen Tisch für drei reservierten, für Harvey mitbestellten und uns mit ihn unterhielten. Nun gut: in der Kneipe waren wir dann nicht mehr so oft, aber Harvey bleibt wohl für ewig in unsrem Gedächnis.



Compu, es liegt aber nicht an den Genen, odda? :D
Compuexe - 15.06.2007, 16:31

Nee, das liegt an der menschlichen Psyche.
Sowas bringen nur wenige, sehr hochwertige Menschlein zu Stande.

Jupp sagt gerade, du sollst Harvey von ihm grüßen. Ich glaub, die zwei kennen sich. :D
Goldie - 15.06.2007, 16:58

:lach: okay, danke schön!
Anonymous - 15.06.2007, 17:00

Gut, wenn Mann einen Jupp hat! :D

...und Frau einen Harvey... :D
dila - 15.06.2007, 17:06

Klasse geschrieben, Compu...aber life erzählt beim Karlsruher Treffen war's ein ganz besonderes Erlebnis. :ja:

Ach da fällt mir noch was dazu ein...

Jupp...heidi und Jupp...heida...Schnaps ist gut für Cholera...aber auch nur dafür!...
Purzel - 15.06.2007, 18:38

Jawoll, das ist eine amüsante Geschichte, die haste schön aufgeschrieben!
Danke Compu! :flower: :kuss: :kuss: :flower:
Anonymous - 15.06.2007, 19:35

Toll erzählt Compu, es hat mich sehr amüsiert von Jupp zu lesen!

Meine Tochter die ein Einzelkind ist, hatte früher gleich 2 "Kolleginnen" "Pfifi und Rämi" mit denen spielte sie jeweils und "Pfifi" war immer diejenige, die verlor...Die hat mir immer so leid getan :lach:
Laura - 15.06.2007, 20:02

Gruss mal Jupp!
:lach: :lach: :lach:
Zitante Christa - 15.06.2007, 20:51

Jepp,
auch von mir 'nen schönen Gruß an
Jupp

und wenn er sich mal bei Dir langweilt, kannste ihn ja mal zu mir rüberschicken, ich wüßte schon, womit ich ihn beschäftigen könnte :ja:

LgvZC
Compuexe - 15.06.2007, 21:23

Freut mich, dass euch das kleine Stückchen gefallen hat.
Liebe Grüße auch von Jupp. :D
Anonymous - 15.06.2007, 21:31

Liebe Grüsse zurück !

Frage: Kriegt Jupp einen eigenen Account ? :D
Compuexe - 15.06.2007, 21:44

Nee, Jupp hat andere Interessen. Foren sind nicht so sein Ding.
schirin - 16.06.2007, 09:12

na dann grüss den jupp mal von mir ,
ich wünsch ihm ein schoenes wochenende :ja:
Anonymous - 25.07.2007, 19:44

Jupp - ich als Neue verrate jetzt Geheimnisse - lebt neben mir. Er ist mein Nachbar, völlig legal und unprosaisch.
Jupp kennt jeder, er mag Bier in Maßen und Massen, er liebt seine Frau, trotzdem schimpft er mit ihr. Er ist melancholisch - ja - aber auch vernüftig, wenns drauf ankommt. Er hält in der Straße die Ordnung, geht aber auch immer zu den Minderbemittelten, streitet Vorurteile ab, gibt ihnen nach.

Jupp ist dein Freund. Immer. Es sei denn, du magst ihn nicht, nimmst ihm sein Bier, seine Frau oder seine Angel weg.
Jupp kann hervorragenden Fisch machen. Auf den Grill. Er ist ein Camper, ein Arbeiter, ein Zuhörer und ein Schwätzer.

Wer Jupp nicht mag, ist selber schuld, denn Jupp ist immer und überall dabei, wichtig, unwichtig, dein Mann zur rechten Zeit am rechten Ort oder dein Feind, der lächelt, wenn du abgeführt wirst

Ich mag ihn, Gott bewahre, er ist ein Jupp, mit richtigem Namen ein Joseph, und ein Urgestein. Was er sagt, tut und denkt, ist Gesetz - oder Gerücht - je nach dem, je nach wo.

Ich hoffe, ich habe "deinen" Jupp jetzt nicht irgendwie verunstaltet. "Meiner" ist nämlich echt.

Gruß
Lapi - neu - stellt sich noch vor
Compuexe - 25.07.2007, 19:50

Nee, hast du nicht. Sind wir nicht alle ein bißchen Jupp? :D
dila - 25.07.2007, 19:52

Hallo Lapidarias!

Das hast Du sehr schön geschrieben.

Ich meine fast, Deinen Jupp zu "kennen", ja manchmal steht (oder sitzt) er sogar real neben mir...es ist auch mein Nachbar! ;) :ja:
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