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marilu - 07.05.2008, 23:37
Fox, Kate: Watching the English
Kate Fox - Watching the English: The Hidden Rules of the English

In insgesamt 14 Kapiteln (in zwei Teilen: "Conversation Codes" und "Behaviour Codes" beschäftigt sich die englische Anthropologin Kate Fox mit den Eigenheiten der Engländer und bestätigt viele Voruteile, die man diesem höflichen, regressiven aber sympathischen Völkchen entgegenbringt.

Dabei streift sie die Eigenheiten der englischen Sprache, das Verhalten der Engländer bei der Arbeit, zu Hause, bei Hobby und Sport. In jedem Kapitel geht sie zudem auf die Besonderheiten der verschiedenen Klassen ein. Ihre Ergebnisse zieht sie aus eigenen Beobachtungen, Feldstudien und Umfragen. Niedlich fand ich immer ihre Äußerungen bezüglich ihrer Versuche über den eigenen Schatten zu springen, um bestimmte Vermutungen zu beweisen (z. B. sich in einer Schlange vorzudrängeln, Wartende auf den Bahnsteigen absichtlich anzurempeln, Hausbesitzer direkt nach den Kosten ihres Hauses zu fragen).

Sie berichtet in einer angenehmen Art über ihre Ergebnisse, mitunter klingt es wie eine Plauderei unter Freunden, garniert mit einer großen Portion Humor, besonders dann, wenn ihr selbst etwas unangenehm ist oder sie sich ertappt fühlt. Mit diesem Mittel gibt sie sich als Britin zu erkennen: Humor ist die britische Art, mit Peinlichkeiten umzugehen. Und da es häufig zu unangenehmen Situationen kommt, beherrscht der Humor einen großen Teil etwaiger Kommunikationsformen.

Kate Fox identifiziert den Pub als den Ort im englischen Sozialgefüge, an dem sich bestehende Regeln und Grenzen aufheben und die lockere, entspannte Atmosphäre auch den Kontakt zwischen Fremden fördert. Auch dabei unterliegen diese scheinbar natürlichen Gespräche versteckten Regeln, denen sich Kate Fox an mehreren Stellen des Romans (und in einem separaten Buch) widmet.

Manche Verhaltensweisen, die sie als typisch britisch einstuft, würde ich als universell einschätzen. Aber häufig schränkt sie die Besonderheit ein, indem sie typisch britische Eigenheiten für diese Beispiele erläutert.


"Watching the English" hat mich einen ganzen Monat lang begleitet. Obwohl locker und amüsant geschrieben, präsentiert Kate Fox sehr viele Informationen, die es zu verarbeiten gilt. Ihre Mischung aus Fakten, Beispielen und persönlichen Bemerkungen fand ich sehr gelungen. Ein wahrer Glücksgriff für alle, die etwas mehr über die Engländer erfahren möchten. Man sollte sicher nicht alles auf die Goldwaage legen - immerhin sind Menschen Individuen, die sich nicht immer an erstellte Regeln halten, aber der generelle Eindruck erschien mir aus meiner bisherigen Erfahrung stimmig.

Manche Stellen haben mich stärker angesprochen als andere, weil ich ihnen schon begegnet bin, andere haben mich überrascht und wieder andere schlicht amüsiert. z. B. gibt es ein Kapitel über "Food Rules", in denen Kate Fox das Ritual beim Ausschenken des Portweins nach einem Abendessen beschreibt. Dafür existieren nämlich klare Regeln, die nicht mißachtet werden dürfen:

- die Portweinflasche wird immer im Uhrzeigersinn um den Tisch herumgereicht
- verpasst man seinen "Einsatz", wartet man entweder bis zur nächsten Runde oder reicht sein Glas weiter, um es füllen zu lassen. Entgegen der Bestimmungen bezüglich der Flasche darf das Glas anschließend nämlich entgegen des Uhrzeigersinns zurückgereicht werden :)

Ich verbuche diese Information unter "überflüssiges Wissen", da ich in meinem Leben sicher nie an einer solchen Männerrunde teilnehmen werde, aber manchmal bereitet gerade solches Wissen besonders viel Vergnügen!

Meine Spannung auf die Lektüre des Buches war gerechtfertigt und ich bin froh über diese Anschaffung. Sicher werde ich noch häufig darin blättern!

:stern: :stern: :stern: :stern: / :stern:



PS: Eine deutsche Übersetzung liegt nicht vor.
wolves - 08.05.2008, 09:13

Schade, dass es (noch) keine deutsche Übersetzung gibt. Mit Hilfe des Buches könnte ich meine Schwägerin (Britin) noch besser verstehen. :wink:
Hin und wieder bemerke ich doch "kulturelle" Unterschiede zwischen uns.
marilu - 08.05.2008, 15:00

wolves hat folgendes geschrieben: Schade, dass es (noch) keine deutsche Übersetzung gibt. Mit Hilfe des Buches könnte ich meine Schwägerin (Britin) noch besser verstehen. :wink:
Hin und wieder bemerke ich doch "kulturelle" Unterschiede zwischen uns.

Das wird auch thematisiert: wie Briten auf Nicht-Briten wirken. Insbesondere angeheiratete Familie oder Geschäftsleute, die nach England reisen oder entsandt sind. Vieles hatte Holger auch bereits erlebt, aber nie hinterfragt. Mehrere Telefonate haben wir damit verbracht, mein "neues Wissen" durchzukauen und in seinem Alltag wieder zu finden.

Das 1. Kapitel setzt sich mit Sprache auseinander. Und ganz am Anfang seiner Zeit in Surrey war Holger batz erstaunt, dass die Engländer das "tii äitsch" (th) nicht aussprechen, sondern stattdessen einen "f"-Laut gebrauchen. Er fällt mit seiner korrekten Aussprache fast negativ auf. Wir hatten dies dann darunter verbucht, dass das eine Eigenheit des Südens sei. Kate Fox gibt aber Auskunft darüber, dass es eher eine Frage der Klassenzugehörigkeit sein. Die working class verschlurrt anscheinend überall die Aussprache des "th". :!:

Da Holgers Haus in einer klassischen working class Nachbarschaft liegt und viele seiner Kollegen im Betrieb (Kehrmaschinenproduzent) Arbeiter sind, liegt es nahe, dass er hauptsächlich diesen Akzent hört. Wieder was gelernt! :wink:
wolves - 08.05.2008, 15:34

Du verstehst einen aber auch neugierig auf das Buch zu machen, als man eh schon ist. :wink: Lässt es sich vom Englischen her gut lesen?
Das mit der Aussprache des "tii äitsch" (th) finde ich ja klasse. Was hatte sich unsere Lehrerin bemüht uns ein halbwegs korrektes th zu entlocken :mrgreen:
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