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Miss_Funkelperlenaugen - 11.06.2007, 10:13
Interview mit Hartmut in der FRANKFURTER POST
IM INTERVIEW: HARTMUT ENGLER, SÄNGER DER BAND PUR
„Im Optimalfall: Das Gänsehautgefühl“
An diesem Samstag, 2. Juni, um 20 Uhr wird auf dem Domplatz in Bamberg die Post abgehen: Deutschlands erfolgreichste Popband, die Gruppe Pur, gibt dort ein Konzert. Das aktuelle Studioalbum „Es ist wie es ist“ stieg bei der Veröffentlichung direkt auf Platz eins der deutschen Media Control Charts ein und hat mittlerweile dreifachen Gold-Status erreicht.Tamara Pohl befragte Pur-Sänger Hartmut Engler
Sie sind seit 1976 mit Pur - damals war es noch Crusade - unterwegs. Sie haben immer noch Freude daran?
Wenn es einem Spaß macht, Konzerte zu geben und auf der Bühne zu stehen, ist das was, was man als junger Mensch entdeckt und was einen nicht mehr loslässt. Ich könnte mir jetzt nicht vorstellen, mich zur Ruhe zu setzen und nichts zu tun. Das käme mir erst in den Sinn, wenn es zu viel Mühe bereiten würde, auf die Bühne zu klettern und davon sind wir noch weit entfernt.
Nach der ausgedehnten letzten Tour hat sich Pur eine Kreativpause gegönnt. Sie haben allerdings die Zeit genutzt, ein Soloalbum aufzunehmen. Was haben Sie festgestellt - sind Sie eher ein Teamplayer oder war das Solokünstler-Dasein angenehmer?
Sagen wir so - es war etwas, was ich unbedingt mal machen wollte und was ich auch für meine Psyche mal machen musste. Wenn man jahrelang in einer Band spielt, die ein Nummer-eins-Album nach dem anderen produziert, und immer in ausverkauften, riesengroßen Hallen spielt, und das Jahre lang, hat man einfach mal das Bedürfnis, auch wieder in kleinen Hallen zu spielen und ein ganz anderes Projekt anzupacken. Um einfach mal wieder zu begreifen, wie das damals war, wenn man relativ klein anfängt und was es für einen bedeutet, was man so erschaffen hat. Ich bin dann wirklich die harte Tour gegangen, hab ne ganz lange Promotour gemacht, hab ne kleine Club-Tournee gemacht mit ner kleinen feinen Band. Es hat mir sehr viel Spaß gemacht, aber es war dann so, wie der Sinnspruch, der bei meiner Mutter in der Küche hängt: Erst wenn du in der Fremde bist, weißt du, wie schön die Heimat ist. So war es dann auch. Ich kam zurück und mir wurde wieder bewusst, was das für ein Privileg ist und was dahinter steckt, so was wie Pur geschaffen zu haben. Und ich bin dann wirklich voller Elan in die nächste Platte eingestiegen und hab mich dann auch gefreut, dass ich wieder mit meinen Jungs zusammen spiele.
Das heißt, „Erdung“ und „Rückbesinnung“ haben funktioniert?
Das hat absolut funktioniert und so hatte ich mir das auch erhofft.
Wo finden Sie Ihre Inspiration? Sie schreiben ja einen großen Teil der Texte für Pur?
Ich schreibe alle. Wir haben einen einzigen Fremdtext, von Reinhard Mey aus dem Jahre ’92. Im Prinzip taugt alles für einen Text, was mich persönlich anspricht und im inneren Zirkel Bestand hat - wenn die Jungs sagen, das ist eine gute Geschichte. Das können recherchierte Dinge sein, an denen man ein rein geistiges Interesse hat. Auf der anderen Seite können das auch ganz emotionale Dinge sein, die einem selbst passiert sind, die man zugetragen bekommen hat oder im Umfeld selbst miterlebt. Bis hin zum gesellschaftlichen Wandel, der uns alle angeht. Wir leben ja nicht abgehoben irgendwo in einem Viertel für reiche Menschen - wir wohnen noch immer da, wo wir aufgewachsen sind. Wir bekommen schon mit, was der Normalbürger auch mitkriegt. Ich glaube, das ist der Boden, auf dem Pur gut gedeiht.
Was macht das gute Lied für Sie aus?
Im Optimalfall erzeugt es beim Hören ein Gänsehautgefühl, weil man selbst davon berührt ist, was man da gemacht hat - und am besten schon in der Demo-Phase, nicht erst, wenn’s fertig ist. Bei einem lustigen Song wird das aber nicht so sein. Wir haben unsere Niveauschwelle und unter die werden wir nicht gehen. Deshalb veröffentlichen wir auch nicht mehr im Jahresrhythmus neue CDs, sondern wir lassen uns einfach Zeit und haben so das Gefühl, dass wir nach zwei, drei Jahren in der Lage sind, zwölf gute Songs zu veröffentlichen. Und den Leuten eine Stunde Musik bieten zu können, bei denen sie das Gefühl haben, dass keine Füller drauf sind. Also sechs gute Nummern und damit die Platte voll wird, noch irgendein Blödsinn dazu, wie es leider bei den meisten CDs, die es so zu kaufen gibt, der Fall ist: Drei Hits und der Rest ist Füllmaterial. Wir versuchen in guter alter Beatles-Tradition ein komplettes Album mit Songs abzuliefern, die natürlich nicht immer alle jedem gefallen können, aber an dem wir klar machen, dass uns an jedem Lied etwas liegt.
Kann man die Beatles als musikalische Vorbilder bezeichnen?
Ja, das ist auf jeden Fall unser gemeinsamer musikalischer Nenner. Das ist die Musik, die uns am meisten beeinflusst hat von der Art und Weise, wie man Popmusik machen kann: Einen schönen, eingängigen Refrain, den ich nach wie vor wichtig finde, und in der Weise, wie man Musik arrangiert. Ob man mit Orchester vorgeht oder mit harten Rockgitarren - das bleibt offen und liegt in der Kreativität der Leute, die die Musik erschaffen. Das macht es besonders, dass wir uns so austoben dürfen. Wenn man unsere ganzen Platten kennt und nicht nur die Liebeslieder, die im Radio laufen, dann weiß man, dass wir schon eine ganz gehörige musikalische Bandbreite über die Jahre zusammengesammelt haben.
Gibt es jemanden, für den Sie Musik machen? Den Sie im Kopf haben, wenn Sie Lieder schreiben?
Wenn man ein ganz persönliches Liebeslied schreibt, hat man natürlich eine ganz bestimmte Person im Kopf, oder wenn man eine Geschichte erzählt, die tatsächlich aus dem Leben gegriffen ist. Das verselbstständigt sich aber, sobald der Song in Arbeit ist und gehört wird. Denn den Leuten draußen muss der Song ja was vermitteln, ohne dass sie die Person kennen. Das ist ganz wichtig, dass jeder aus einem Liebeslied, das „Lena“ heißt, schon für sich ein Liebeslied raushören kann - bei dem die Frau nicht unbedingt Lena heißen muss. (lacht) Meine hieß auch nicht Lena, das lässt sich nur einfach besser singen.
Jedenfalls leichter als Hannelore...
Genau (lacht).
Sie setzen sich aber auch für karitative Zwecke ein: Die Single „SOS“ war zu Gunsten afrikanischer Kinderdörfer. Hat man als erfolgreicher Musiker die Verpflichtung, sich für das Gemeinwohl einzusetzen?
Ich weiß nicht, ob man das als erfolgreicher Musiker mehr hat. Aber ich finde, als Mensch hat man die, egal wo man in der Gesellschaft steht. Man muss seine Möglichkeiten so nutzen, dass man seinen Beitrag bringen kann. Das läuft unter anerzogenem sozialen Gewissen und das ist auch, wenn man anfängt, Geld zu verdienen, nicht weg. Wenn man als junger Mensch schon gedacht hat, die Leute sollten sich eher helfen als einander auf die Mütze zu hauen, wird sich das auch nicht ändern, wenn man erfolgreicher Musiker geworden ist. Da hat man aber die schöne Position, ein paar Dinge zu machen, die man sonst nicht machen könnte. Und das haben wir über die Jahre immer gemacht: Zugesehen, dass wir ruhig schlafen können.
Die aktuelle Scheibe „Es ist wie es ist“ ist die wievielte Scheibe?
Es sind, glaub ich, zwölf oder 13 Original-Alben, eine Best-of und etwa drei Live-CDs. Also Nummer 16 oder 17.
Erzählen Sie uns ein bisschen davon?
Für die Festivalbesucher in Bamberg ist dabei vielleicht wichtig, dass wir auf der Hallentournee letztes Jahr die neue Platte ziemlich komplett vorgestellt haben, in diesem Sommer aber eine Art Best-of-Programm machen. Dabei spielen die Titel der neuen Platte sicher auch eine Rolle, aber nicht das ganze Album. Wir wollen den Sommer nutzen, um einen Querschnitt durch die ganze Bandgeschichte zu geben. Vom neuen Album sind die Stücke dabei, die auf der Hallentour ganz besonders gut angekommen sind. Bei denen wir gemerkt haben, das sind Songs, die auch in Zukunft die Leute begeistern werden. Beim Titelsong geht es zum Beispiel darum, die Welt so anzunehmen, wie sie sich einem darbietet. Ich bin auf den Text gekommen, weil ich eine Stimmbandoperation hatte, bei der nicht klar war, ob ich danach wieder singen kann. Man stellt sich da in Frage und versucht damit umzugehen, dass irgendwann eine Entscheidung kommt, Ja oder Nein, und man muss mit beidem weiterleben. Das bezieht sich aber auf alle Leute, die mal so eine Situation im Wartezimmer erdulden mussten, ob bei der Krebsvorsorge oder bei der Frage, ob das Baby gesund ist - da gibt es viele, viele Möglichkeiten. Dann haben wir einen Dankeschön-Titel; nachdem wir viele Jahre immer von der Bühne runter „Dankeschön“ gerufen haben, haben wir es nun in Liedform gepackt - ich glaube, das hat die Leute angenehm berührt, das kam gut an. Dann haben wir die Single „Weil du bei mir bist“, ein wunderschönes Liebeslied. Dann gab es da noch eines für die Leute, die immer nur die Hände in den Schoß legen und rummeckern, aber sich nicht aufraffen können, mal selbst anzupacken. Es heißt „Streng dich an“ und das werden wir auch live spielen.
Im Sommer soll es Konzerte an ausgewählten Orten geben - was ist an Bamberg besonders?
Wir haben sehr stark auf die Landkarte geguckt und Kreuzchen gemacht, wo wir auf der Hallentournee waren. Das sind natürlich alle großen Städte gewesen. Dann haben wir geguckt, wo die größten Löcher auf der Landkarte waren und haben gesehen, ob es die Möglichkeit gibt, den Leuten dort etwas näherzukommen - nicht, dass die immer 200 Kilometer fahren müssen, um uns zu sehen.
Ein Geschenk an die Fans?
Ja, ein Geschenk. Und nötig, um die Gunst derjenigen zu buhlen, die uns ob der weiten Reise in den vergangenen Jahren nicht mehr gesehen haben. Sozusagen ein „Hallo, wir kommen auch zu euch“. Kommt einfach und guckt es euch an, dann haben wir alle was davon. Wir freuen uns, auch mal in Regionen aufzutreten, wo es nicht dieses Ritual gibt, dass wir dort alle zwei Jahre sind und die Fans dann dahin kommen. Für uns ist das alles neu - es sind Plätze, auf denen wir noch nie gespielt haben. Da sind Stadtfeste dabei, ein Steinbruch, ein Amphitheater - wir haben uns kleinere Locations ausgesucht, die uns ein bisschen von dem Gigantischen wegbringen, was wir auf der Hallentournee hatten. Wir werden ’ne schöne Sommerparty haben.
PS: Mit ein paar schönen Bildern ist das Interview auch auf der Homepage der FRANKFURTER POST anzusehen.
http://www.frankenpost.de/event/tipps/art2436,661308.html
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