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Bachelor - 06.06.2007, 02:17
Selbstgewählte Einsamkeit
Einen wunderschönen!
Ein Problem dass ich schon lange mit mir rumschleppe aber leider nicht die Kraft habe oder den richtigen Weg kenne dies zu ändern ist meine "Selbstgewählte Einsamkeit". Ich nenne es so weil ich die Möglichkeit habe und/oder hatte dies zu ändern ich es aber bewusst oder unterbewusst nicht ändern wollte/konnte.
Die Situation ist immer die gleiche: Menschen interessieren sich für mich und ich tue alles um den Kontakt auf ein Minimum zu beschränken.
Da gibt es zb Leute die ich seit mehr als einem Jahr nicht mehr gesehen habe und bei denen ich mich auch nicht gemeldet habe. Dann rufen sie an, man redet ein wenig und sie meinen "Lass uns doch mal an einem Wochenende treffen. Sag bescheid wenn du Zeit hast". Ich sage dass wir uns gern mal treffen können, leg auf und vergesse die Sache wieder. Aus den Ohren aus dem Sinn. Auf die Idee dieses Angebot wirklich wahrzunehmen komme ich erst gar nicht.
Anderes Beispiel: Ich bin auf einen gemütlichen Abend mit Bier trinken bei ein paar Kollegen eingeladen. Ich mach mich auf den Weg, sitz in der Bahn und plötzlich ohne irgend einen Grund schießt mir der Gedanke durch den Kopf dass ich doch lieber nicht hingehe. Wie in Trance, völlig automatisch und ohne nachzudenken steige ich auf der Hälfte des Weges aus, nimm die Bahn zurück und gehe nach Hause. Erst zu Hause wird mir wirklich bewusst was ich grade gemacht habe und denke mir eine Ausrede aus um mein Nichterscheinen zu rechtfertigen. Was natürlich auch dazu führt dass ich mich verdammt schlecht fühle. Erstens weil ich lüge und zweitens weil ich die Menschen enttäuscht habe.
Ich denke das unterbewusste Handeln meinerseits liegt daran dass ich mich nicht aufraffen kann aus meiner Comfort-Zone (nennt man glaube ich so) auszubrechen. In meinem Schneckenhaus fühl ich mich wohl und weiß dass mir nix passieren kann. Das Problem ist dass ich mir mit diesem Verhalten selbst die denkbar größten Stolpersteine in den Weg lege.
Mir ist bewusst dass dieses Verhalten schlecht für mich ist, ich mache es aber immer wieder, schon seit Jahren. Kennt jemand solche Situationen und weiß wie man sich selbst dazu bringen kann dies zu ändern? Ich bin gerade an einem Punkt an dem Ich denke: Wenn du dich jetzt nicht änderst, kannst du dich niemals ändern. Denn mit diesem Verhalten stoße ich anderen natürlich vor den Kopf und sie geben mich irgendwann auf. Das ist das schlimmste für mich an der ganzen Sache, dass ich anderen die kalte Schulter zeige obwohl ich das gar nicht bewusst will.
Ich will mich ändern, ich weiß aber nicht wie ich das alleine bewerkstelligen soll… :(
Monk - 06.06.2007, 02:28
Hallo Bachelor!
Zunächst einmal möchte ich Dir sagen, dass es aus meiner Sicht nie zu spät sein kann, sich zu ändern.
Insgesamt erscheint mir Dein Beitrag sehr deutlich auf eine depressive Episode hinzudeuten. Dazu gehören i.d.R. Antriebslosigkeit, Angst und Vermeidungsverhalten.
Es ist sicherlich eine Möglichkeit, sich Hilfe in Form einer Therapie zu gönnen. Auf der anderen Seite ist es aber auch so, dass Du durch Deine Einsicht, die ja auch in Deinem Beitrag anklingt, alle Möglichkeiten zur Veränderung in Dir drin hast; das Problembewusstsein hast Du offenbar.
Ich würde Dir anraten, dass Du Dich einfach überwinden musst, was sich einfacher anhört, als es in Wirklichkeit ist. Ich weiß das ziemlich genau. Wenn es irgendwelche Dinge gibt, die Dir Freude machen, dann wende Dich ihnen verstärkt zu. Wenn Du dazu die "Comfort Zone" verlassen musst, dann umso besser für Dich. Aber alles in allem glaube ich, dass Du eine positivere Grundstimmung zu Deiner Person und Deiner Lebenswirklichkeit entwickeln solltest.
Ich wünsche Dir die notwendige Kraft, um diese Dinge anzugehen. Ich weiß, dass mein Beitrag sehr allgemein gehalten ist und Dir vielleicht auch kaum hilft, aber ich sage es nochmals, ich weiß wovon Du sprichst.
Liebe Grüße
Monk
Anonymous - 06.06.2007, 18:51
So ein bisschen kann ich das auch nachvollziehen. Ging mir in manchen Situationen ähnlich.
Ich hab mir dann immer vor Augen geführt, dass nur ich allein etwas daran ändern kann. Und dass ich für mich verantwortlich bin.
Mir wird niemand dabei helfen, also muss ichs selbst anpacken und mich überwinden.
Manchmal wird man auch enttäuscht, aber meistens lief es besser, als ich erwartet hatte.
In wie weit das was mit Depression zu tun hat, kann ich nicht beurteilen.
Alles Gute
Tayshaun
Johnny - 06.06.2007, 19:09
Hallo Bachelor!
Was du schreibst, kenne ich sehr gut.
Es begleitet mich mehr oder weniger schon mein ganzes Leben.
Man weiß, das es eigentlich gut wäre, unter Leute zu gehen und macht es dann doch nicht.
Geht nicht zu Partys, obwohl man zugesagt hat, meldet sich nicht bei Freunden und Bekannten, obwohl man es vorhatte usw.
Ich glaube nicht, dass dies generell als Zeichen einer Depression zu werten ist. Es ist ein Stück weit einfach der Charakter.
Und wohl auch erlerntes Verhalten. Bist du Einzelkind bzw. warst schon in der Kindheit oft allein?
Denn dann ist man wohl einfach daran gewohnt, alles mit sich selbst auszumachen. Während sozial aktivere Menschen es einfach für normal halten, ihre Zeit mit anderen Menschen zu verbringen.
Ich habe schon öftere (halbherzig) versucht, dies zu ändern, falle aber immer wieder in altes Verhalten zurück.
am liebsten bin ich allein, oder mit 1 oder 2 Menschen zusammen, mit denen ich wirklich vertraut bin. Davon gibt es natürlich nicht so sehr viele.
Neulich, als ich unter Liebeskummer wegen eines OdBs litt, hatte ich wirklich das dringende Bedürfnis nach mehr Kontakt, nach mehr Geselligkeit, nach mehr Gesprächen. Ich hatte dann einige Schritte unternommen, mich z.B bei einem Bekannten, den ich länger nicht gesehen hatte, per SMS gemeldet usw.
Das Resultat war etwas ernüchternd denn die Leute stehen dann eben nicht Gewehr bei Fuß für dich zur Verfügung, so plötzlich...
Wenn du wirklich etwas daran ändern willst, ist das richtige Arbeit, denke ich.
Es fängt im Kopf an, bei den Gedanken.
Man darf in den auch von dir genannten Situationen nicht in Gedanken verfallen wie "ich werde mich langweilen"..."es wird langweilig sein"..."was will ich dort"...usw.
Sondern Gedanken haben wie "ich werde mich nett unterhalten und dabei Spaß haben".
Das lässt sich imho üben! Es gibt dazu jede Menge Ratgeber...die Autoren sind sich bei dieser Sache mit den Gedanken, den sog. Affirmationen, ziemlich einig...
Dann ist eine gewisse Regelmäßigkeit des Kontaktes nützlich, also z.B. in regelmäßigen Abständen einen Stammtisch mit Kollegen oder so.
Durch solche festen Termine kann man sich vielleicht besser daran gewöhnen, regelmäßig Kontakt zu haben, auch dann, wenn man gerade wieder in einer Rückzugsphase ist.
Und unternehme Reisen! Die neuen Eindrücke beleben, geben dir Gesprächsstoff, machen das Leben insgesamt interessanter, kommunikativer.
Können ja ganz kleine Reisen sein, mal ein Städtetripp usw.,
das packen auch so Stubenhocker wie wir!
Abschließend möchte ich dir versichern, dass man auch als zurückhaltender, zurückgezogener Mensch eine Beziehung führen kann.
Man wird mit der Partnerin schnell vertraut, wenn die Chemie einigermaßen stimmt und genießt die gemeinsame Zeit.
Das Problem ist nur, so jemanden zu finden...wenn man nicht unter Leute geht! Also erweitere deine Lebenswelt, deine Comfortzone!
Auch wenn du eigentlich lieber alleine und zuhause bist!
Liebe Grüße
J.
Lucia1977 - 06.06.2007, 19:39
Lieber Bachelor,
auch mir sind deine Gedanken und Aktionen (auf halbem Wege einen Rückzieher machen) nicht unbekannt. Ich wollte einmal auf eine Art Klassen-bzw. Schultreffen, hatte mir sogar ein Zimmer in der Stadt genommen, bin auch hingefahren. Als ich vor dem Veranstaltungsort stand, fühlte ich mich derart fremd, derart als Versagerin, da ich m.E. nichts 'vorzuweisen' hatte, sodass ich wieder umgekehrt bin.
Dieses Beispiel ist zugegebenermaßen extrem, aber dem allen liegt IMO meine Unsicherheit zugrunde: Lieber selbstgewählte Einsamkeit, als sich einer Art öffentlichen Prüfung/Musterung unterziehen. Gerade wenn man Single ist, man damit und mit sich selbst nicht wirklich zufrieden ist/sein kann, fällt es einem u.U. oft schwer, normalen Smalltalk zu machen, einfach einen netten Abend mit Bekannten (d.h. keinen wirklichen Freunden/Vertrauten) zu verbringen. Einerseits habe ich oft gedacht, dass das so sinnlos ist, weil ich zwar über vieles reden will, dazu dort aber nicht der Ort und die Zeit ist. Andererseits dachte ich, mir seien meine Probleme auf die Stirn geschrieben, jedem/jeder müsse klar sein, was ich für eine Loserin sei. In gewisser Weise eine selbsterfüllende Prophezeiung: Ich gehe nicht weg, scheue soziale Kontakte, fühle mich einsam, suche den Rückzug, gehe nicht weg, finde keine sozialen Kontakte usw. usf.
Dazu kommt noch ein gewisses Phlegma, das mich nicht selten davon abgehalten hat, mich aufzuraffen und rauszugehen. Wenn du dann noch ein nachdenklicher Mensch bist wie ich, dann gibt es soviele Dinge zu bedenken, zu durchdenken im Vorfeld und nachher, dass man ganz schnell dabei ist, sich einzureden, man habe für diese "Gedankenleistung" im Moment auch gar keine Zeit. Typisches Vermeidungsverhalten meiner Meinung nach.
Wie man dem entkommen kann? Da kann ich mich nur Johnny anschließen: Die eigenen Gedanken, das eigene Denken sind der erste Schritt.
Mir hat es erstmal geholfen, mir gezielt Dinge zu suchen, zu denen ich alleine hingehen kann: Alleine ins Kino, mit einer Zeitung o.ä. in ein Café oder in einen Park. Wenn man das mal um seinerselbst willen macht, dann gibt einem das schon ein gutes Gefühl, denn 'man kümmert sich' um sich selbst. Und wenn dann eine Einladung zu irgendwas kommt mit der geringstmöglichen Erwartung an sich selbst hingehen, ich muss keine Partylöwin sein, werde es nie sein, aber ein kleines Gespräch übers Wetter könnte ich hinkriegen :wink:. Außerdem hab ich mir immer gedacht: Du bleibst eine Stunde. Wenn du das schaffst, dann bist du gut. Amüsierst du dich in der Zeit auch noch - umso besser. Wenn nicht, isses auch egal.
Was mir gerade noch einfällt:
Wenn du den Kontakt mit Menschen, die sich offensichtlich und erkennbar für dich interessieren, minimierst, dann könnte das IMO auch etwas mit einer Art selbstverletzendem Verhalten zu tun haben. Und das hat oft etwas mit einem Mangel an Selbstwertgefühl zu tun. Wie steht es damit bei dir, wenn ich mal so unverblümt fragen darf?
LG
Lucia
Johnny - 06.06.2007, 19:46
Stimmt Lucia,
die Sache mit der öffentlichen Prüfung/ Musterung kommt noch dazu,
das spielte auch bei mir oft eine gewisse Rolle.
Dabei findet eine solche Prüfung in der Regel natürlich nicht wirklich statt...
die Menschen akzeptieren den Grad von Selbstbewusstsein, den man an den Tag legt...
Warum immer so kritisch mit sich selbst sein!
Viel kritischer, als es den anderen überhaupt einfallen würde, einen zu beurteilen!
Lucia1977 - 06.06.2007, 20:08
Johnny hat folgendes geschrieben:
Dabei findet eine solche Prüfung in der Regel natürlich nicht wirklich statt...
die Menschen akzeptieren den Grad von Selbstbewusstsein, den man an den Tag legt...
Warum immer so kritisch mit sich selbst sein!
Viel kritischer, als es den anderen überhaupt einfallen würde, einen zu beurteilen!
Da hast du völlig recht, Johnny.
Ich bin draufgekommen, dass es bei mir etwas mit einer enormen Diskrepanz zwischen Selbstbewusstsein und Selbstwertgefühl zu tun hatte. Ich hatte ein gewisses Selbstbewusstsein, wurde deswegen oft als sog. "starke Frau" betrachtet und hab lange nicht kapiert, wie mich die Menschen so sehen können, wo ich mich selbst doch so massiv anders sehe. Heute ist mir klar, dass es ein Mangel (oder gar Nichtvorhandensein?) von Selbstwertgefühl war. Wenn ich mich der Gesellschaft anderer nicht würdig/wert fühle, dann werde ich natürlich versuchen, dem aus dem Weg zu gehen, um diese Leute nicht unnötig mit meiner wertlosen Anwesenheit zu belasten. Ich hab das jetzt mal extremer formuliert, als ich es jemals gedacht habe... :wink:
LG
L.
Steven_86 - 06.06.2007, 20:53
Also wenn man sich für die Einsamkeit entscheidet dann muss auch ein Grund dafür da sein. Z.B. mann will mönch sein, in der Pampa wohnen ... . Aber ich glaube, wie viele hier glauben, das es aus einem anderen Grund erscheint. Warum musst du selbst herausfinden. Ich kenne auch momente wo ich nicht gehen möchte obwohl ich Zeit und Lust hätte. Glücklicherweise hält das in Grenzen. Also raus mit dir. :? . In deinem Post habe ich nichts handfestes gelesen warum du dich dazu entscheiden sollst. Jeder hat seine Macken.
PS: zuspätkommen ist nicht so schlimm. Hättest also in dem Fall wieder in den Zug steigen können.
Steven_86 - 06.06.2007, 20:57
Lucia1977 hat folgendes geschrieben: Ich hatte ein gewisses Selbstbewusstsein, wurde deswegen oft als sog. "starke Frau" betrachtet und hab lange nicht kapiert, wie mich die Menschen so sehen können, wo ich mich selbst doch so massiv anders sehe.
Also ich finde dich irgendwie auch ziemlich selbstbewusst :shock: .
Lucia1977 hat folgendes geschrieben: Wenn ich mich der Gesellschaft anderer nicht würdig/wert fühle, dann werde ich natürlich versuchen, dem aus dem Weg zu gehen, um diese Leute nicht unnötig mit meiner wertlosen Anwesenheit zu belasten.
Also ich würde sagen das du hier immer willkommen bist. wertlose Anwesenheit? Kann ich mir bei dir nicht vorstellen. Auch im RL :omg: .
ComeAndFindMe - 06.06.2007, 21:04
Ich muss gestehen, manchmal lege ich ein ähnliches Verhalten an den Tag. Oft kneife ich im letzten Moment und lasse mir eine Ausrede einfallen, warum ich doch nicht zur Party/Verabredung komme. Hinterher hasse ich mich dafür, weil ich weiß, dass es mir meistens doch gut tut. Ich habe lange gebraucht, um mir einzugestehen, dass ich nicht der kommunikativste Mensch auf der Welt bin (und es auch nie werde). Ich kann mich arrangieren. Doch ich merke, ab und zu brauche ich die Leute um mich und ich bin froh, dass die wenigen Kontakte, die ich habe, nicht abbrechen. Meine Freunde kennen das mittlerweile von mir und akzeptieren es glücklicherweise.
Lucia1977 - 06.06.2007, 22:12
Steven_86 hat folgendes geschrieben: Lucia1977 hat folgendes geschrieben: Ich hatte ein gewisses Selbstbewusstsein, wurde deswegen oft als sog. "starke Frau" betrachtet und hab lange nicht kapiert, wie mich die Menschen so sehen können, wo ich mich selbst doch so massiv anders sehe.
Also ich finde ich irgendwie auch ziemlich selbstbewusst :shock: .
:schuechtern: Danke! Ich bin auch selbstbewusst, aber ich hatte (man beachte die Vergangenheitsform :wink:) kein wirkliches Selbstwertgefühl. Seit einiger Zeit arbeite ich daran massiv und es funktioniert... :)
Zitat: Lucia1977 hat folgendes geschrieben: Wenn ich mich der Gesellschaft anderer nicht würdig/wert fühle, dann werde ich natürlich versuchen, dem aus dem Weg zu gehen, um diese Leute nicht unnötig mit meiner wertlosen Anwesenheit zu belasten.
Also ich würde sagen das du hier immer willkommen bist. wertlose Anwesenheit? Kann ich mir bei dir nicht vorstellen. Auch im RL :omg: .
Tja, soviel zu Selbstwahrnehmung und Fremdwahrnehmung meiner Person anno dazumal :D
LG
L.
Bachelor - 07.06.2007, 02:55
Erst einmal Danke für alle Antworten, mit dem Problem scheine ich wohl nicht so ganz alleine da zu stehen.
Monk hat folgendes geschrieben:
Insgesamt erscheint mir Dein Beitrag sehr deutlich auf eine depressive Episode hinzudeuten. Dazu gehören i.d.R. Antriebslosigkeit, Angst und Vermeidungsverhalten.
Es ist sicherlich eine Möglichkeit, sich Hilfe in Form einer Therapie zu gönnen. Auf der anderen Seite ist es aber auch so, dass Du durch Deine Einsicht, die ja auch in Deinem Beitrag anklingt, alle Möglichkeiten zur Veränderung in Dir drin hast; das Problembewusstsein hast Du offenbar.
Ja mit der depressiven Episode hast du recht, auch mit dem Anhang der damit verbunden ist. Die beschriebene Situation hält aber schon sehr lange an, die Depression ist jetzt grade der Tropfen der das Fass zum Überlaufen bringt. Eine Therapie habe ich schon in Erwägung gezogen, nur ist es bis zu dem Termin des ersten Gesprächs leider noch einige Zeit hin. Außerdem will ich die Zeit bis dahin nicht ungenutzt verstreichen lassen.
Monk hat folgendes geschrieben:
Aber alles in allem glaube ich, dass Du eine positivere Grundstimmung zu Deiner Person und Deiner Lebenswirklichkeit entwickeln solltest.
Da hast du sicher Recht. Schwarzmalen und sich selbst schlecht machen ist der Weg des geringsten Widerstands und allzu oft sehr verlockend.
Johnny hat folgendes geschrieben:
Ich glaube nicht, dass dies generell als Zeichen einer Depression zu werten ist. Es ist ein Stück weit einfach der Charakter.
Und wohl auch erlerntes Verhalten. Bist du Einzelkind bzw. warst schon in der Kindheit oft allein?
Denn dann ist man wohl einfach daran gewohnt, alles mit sich selbst auszumachen. Während sozial aktivere Menschen es einfach für normal halten, ihre Zeit mit anderen Menschen zu verbringen.
Wie gesagt bin ich gerade in einem tiefen Loch und habe mir viel Gedanken über die Vergangenheit und die Zukunft gemacht. Und dieses angelerntes Verhalten ist ein "Hauptproblem" dass ich durch das grübeln ausgemacht habe.
Ich bin kein Einzelkind, ich habe mich aber ab einem gewissen Alter sehr alleine gefühlt weil meine Eltern ständig arbeiten waren. Das hat dann auch zur Scheidung geführt und das war auch der Zeitpunkt als ich mich abgekapselt habe und dadurch viele gute Freunde verloren habe.
Johnny hat folgendes geschrieben:
am liebsten bin ich allein, oder mit 1 oder 2 Menschen zusammen, mit denen ich wirklich vertraut bin. Davon gibt es natürlich nicht so sehr viele.
….
Das Resultat war etwas ernüchternd denn die Leute stehen dann eben nicht Gewehr bei Fuß für dich zur Verfügung, so plötzlich...
Da geht es mir ähnlich wie dir. Ich muss nicht jeden Tag Trubel haben. Doch es gibt halt immer mal wieder Zeiten da braucht jeder Mensch Gesellschaft. Ich habe noch das Glück dass ich 2 Leute kenne die wirklich sehr sehr viel Geduld mit mir haben. Denen habe ich auch versucht meinen Charakter und mein Verhalten zu erklären weil es ihnen natürlich auch komisch vorgekommen ist. Nur solche Menschen die wirklich Geduld und Verständnis aufbringen sind natürlich selten.
Könntest du mir bitte ein paar Autoren nennen? Das mit dem Städtetripp könnte ich mir sogar noch erlauben, vlt. Sogar mit einem AB Treffen-Termin verbinden.
Lucia1977 hat folgendes geschrieben:
Lieber selbstgewählte Einsamkeit, als sich einer Art öffentlichen Prüfung/Musterung unterziehen. Gerade wenn man Single ist, man damit und mit sich selbst nicht wirklich zufrieden ist/sein kann, fällt es einem u.U. oft schwer, normalen Smalltalk zu machen, einfach einen netten Abend mit Bekannten (d.h. keinen wirklichen Freunden/Vertrauten) zu verbringen. Einerseits habe ich oft gedacht, dass das so sinnlos ist, weil ich zwar über vieles reden will, dazu dort aber nicht der Ort und die Zeit ist. Andererseits dachte ich, mir seien meine Probleme auf die Stirn geschrieben, jedem/jeder müsse klar sein, was ich für eine Loserin sei. In gewisser Weise eine selbsterfüllende Prophezeiung: Ich gehe nicht weg, scheue soziale Kontakte, fühle mich einsam, suche den Rückzug, gehe nicht weg, finde keine sozialen Kontakte usw. usf.
Das mit der öffentlichen Prüfung ist sicherlich eine Angst die auch mitspielt. Zurückblickend hatte ich trotz dieser Angst nie eine Situation in der ich in ein wirkliches "Kreuzverhör" geraten bin. Der ist Single…da wird auch nicht weiter nachgehackt. Smalltalk fällt mir zugegebenermaßen etwas schwer weil ich eher introvertiert bin.. aber das wird auch so akzeptiert.
Lucia1977 hat folgendes geschrieben:
… Und das hat oft etwas mit einem Mangel an Selbstwertgefühl zu tun. Wie steht es damit bei dir, wenn ich mal so unverblümt fragen darf?
Mhh ein wirkliches Selbstwertgefühl ist nicht vorhanden.
Johnny - 07.06.2007, 09:45
Hallo Bachelor!
Es gibt wie gesagt eine ganze Menge Autoren und soo viel habe ich darüber eigentlich auch nicht gelesen.
Gut finde ich aber Dr. Doris Wolf, sie hat auch eine interessante Homepage.
Dann Peter Lauster. Und kürzlich bin ich auf Udo Nix gestoßen, einen Dominikanerpater, der einige interesante Bücher zum Thema Kommunikation geschrieben hat.
Diese Autoren schreiben gut verständlich, dabei aber gar nicht oberflächlich.
Wie gesagt, ich denke nicht, dass Introvertiertheit usw. grundsätzlich als Zeichen von Depression zu werten ist, sondern auch ein Charaktermerkmal sein kann.
Leider haben es "ruhige" Menschen (ich hasse es inzwischen, wenn man mich so bezeichnet) in vielerlei Hinsicht relativ schwer, nicht nur auf dem Partnermarkt, sondern u.U. auch im Beruf usw.
Da du offensichtlich unter der Situation leidest, dich depressiv fühlst und was ändern möchtest, kann ich dich nur ermutigen, an dir zu arbeiten.
Du bist ja noch relativ jung, zumindest glaube ich, das an anderer Stelle von dir gelesen zu haben. Es ist toll, dass man heute das Internet hat, um über solche Dinge zu sprechen.
In meiner jüngeren Jahren gab es das nicht. Viele viele Tage habe ich in absoluter Einsamkeit verbracht, ohne die Möglichkeit, mich auch nur in einem Forum über diese Probleme auszutauschen.
Ich bin inzwischen schon etwas reifer...38...du siehst, das solche Fragen das ganze Leben begleiten können, nicht nur in jungen Jahren.
Man verschwendet kostbare Jahre, indem man sich zurückzieht, wo man doch eigentlich anders will...
Gut, ich bin kein AB...ich hatte zwei feste Beziehungen...durch reines Glück, nicht durch eigenen Verdienst. Es hat damals geklappt, obwohl ich mich unmöglich verhalten hatte.
Es suchen auch nicht alle Frauen das "Alphamännchen"...es ist Quatsch, was da oft in diese Richtung geschrieben wird.
Heute kann ich mit Frauen, Interesse und Zuneigung zu einem OdB usw. recht offen umgehen. Das ist kein Problem mehr, aber der Partnermarkt wird ab einem gewissen Alter schwieriger, enger.
Daher kann ich dich nur beglückwünschen, dass du dich bereits jetzt darum bemühst, deine Probleme aktiv anzupacken. Ich spüre da eine positive Grundhaltung bei dir, die es dir ermöglichen wird, gute Fortschritte zu machen.
Letztendlich spielt sich alles im eigenen Kopf ab!
Viel Glück und bleib am Ball!
Liebe Grüße
J.
nocheiner - 10.06.2007, 16:07
Hallo,
bei mir würde ich es nicht 'Selbstgewählte Einsamkeit' sondern 'Selbstgewähltes Alleinsein' bezeichnen.
Unter einsam wird ja oft verstanden:
Zitat: die bestehenden Kontakte werden als nicht ausreichend ... empfunden, ... (der Wunsch die) Abgetrenntheit von anderen aufzuheben
Für meine Verhältnisse habe ich im Alltag so viel Interaktion mit anderen Menschen, dass ich froh bin, wenn ich meine Ruhe habe.
Bachelor hat folgendes geschrieben: Menschen interessieren sich für mich und ich tue alles um den Kontakt auf ein Minimum zu beschränken.
Das mache ich auch.
Wobei ich denke, wenn man höflich dabei ist und die Menschen nicht versetzt, nimmt es einem keiner übel. Ist zumindest meine Erfahrung.
Ich denke, etwas höflich ablehnen ist besser, als so zu tun, als würde man gerne alles mitmachen.
Mein Eindruck ist auch, dass viele Menschen bei Parties, Treffen o.ä überdreht wirken und versuchen krampfhaft lustig zu sein. Weil mir das alles zu anstrengend ist, versuche ich vorher höflich abzusagen.
Runden, die locker und gelassen waren, habe ich leider nur selten erlebt.
Bis dann
nocheiner
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