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Jemima - 27.04.2007, 16:04
Einfluss der Eltern
so. Ich hoffe, Chrissy und Luisa sind mir nicht böse, dass ich ein Zitat aus einem bestehenden Thread nehme und damit einen neuen eröffne.
Aber... mir geht es jetzt und hier nicht darum, ob die Eltern zu "körperfeindlich" waren.
Mir gehts grad um was anderes. Und ich überlege seit Tagen, wie ich einen Thread zu diesem Thema starten könnte und mir wollte einfach nichts einfallen...
Kirilow hat folgendes geschrieben: Ein gemeinsamer Nenner unter den (manchen/vielen?) AB´s scheint zu sein, dass sie unsensible Eltern hatten, die bewusst oder unbewusst ihre Kinder verletzt und verunsichert haben. Ich kann das auch von mir bestätigen.
Ich persönlich wohne noch bei meinen Eltern (Fehler Nummer eins?, aber im Moment bin ich nicht stark genug, das zu ändern. und ich verdien zu wenig...).
Und meine Mutter is ne richtige Glucke. Hindert mich mit aller Macht daran, selbständig zu werden. Was ihr zu einem großen Teil gelingt, weil ich mich bei neuen Erfahrungen verdammt leicht verunsichern lasse. Und sie so unsagbar gut darin ist, mich zu verunsichern... Mir zusätzlich zu meinen ohnehin vorhandenen Ängsten noch zig neue einzutrichtern...
Ich hab leider gerade nicht den Kopf um alles groß und breit zu erklären zu hinterfragen, deshalb hier nur kurz etwas, was ich vor kurzem jemandem per PN schrieb:
"ich überlege, ob das wohl auch ein spezielles "AB-Problem" ist. Eine... evtl etwas zu starke Bindung zu den Eltern. Ganz egal ob es jetzt von einem selbst oder von den Eltern ausgeht, aber wie will man denn Beziehungen finden, aufbauen, führen, wenn die Eltern einem immernoch quasi "vorbeten" dass man noch ihr "Kind" ist ("zu jung, zu unreif usw").
Und nicht dass du denkst ich würde dich hier jetzt vorführen. Mir gehts doch genauso. Außerhalb Deutschlands war ich noch nie ohne meine Eltern. Außerhalb Bayerns 2005 das erste mal. Wohne noch bei ihnen. Und meine Mutter ist was mich betrifft ne richtige Glucke. Klar irgendwo bestimmt auch wegen der Behinderung usw, und klar bin ich da irgendwo auch selber schuld, weil ichs eben lange genug zuließ, mich nicht dagegen wehrte. Aber trotzdem. Jetzt wo ichs ihr jedes Mal vorhalte sollte sies doch langsam verstehen. Aber nein, ich bin immer die böse, weil ich nicht verstehe dass sie sich ja nur um mich sorgt.
3 Beispiele:
Nummer eins: Radfahren. Ich hab im Thread "Ängste" beschrieben wies mir da derzeit geht damit. Ich hab also quasi selber genug Ängste, mit denen beladen ich in den Sattel steige. Und anstatt mich positiv zu unterstützen kommt sie an, ob ich denn nicht besser auf den Crosstrainer wegen Sport und dass ich doch das Gleichgewicht nicht halten könnte und was, wenn ich fallen und mir den Kopf aufschlagen würde und so weiter. Und ich bin so jemand, ich krieg dann - wenn ich trotzdem fahre, weil ichs ja nich wegen Sport mache sondern um die Ängste los zu werden - n schlechtes Gewissen weil sie sich solche Sorgen macht.
Nummer zwei: Wenn ich zu Hause von der Arbeit erzähle, wenns wieder stressig war, Chef wieder wütend war usw. Ist sie immer total fertig, weil da also etwas is was "ihrem Kind" Schaden zufügt, womit es ihrem Kind schlecht geht, und sie da aber nix dagegen tun kann. Und schon nimmt das ganze mich auch mehr mit als es das evtl vor meinem Erzählen getan hat.
Hauptbeispiel Nummer drei:
Was war das 2003 für ein Kampf, als ich für mein erstes Date nach München fuhr. zuerst wollte ich ihr den wahren Grund verschweigen musste dann aber - weil Pa sonst mitgefahren wäre - doch damit rausrücken. Und das hat sie fertig gemacht. Ihr Kind trifft sich mit einem fremden Mann den sie übers Internet kennengelernt hat. Wo man doch aus TV und Zeitung weiß, dass man da als Frau nur Vergewaltiger und Mörder kennen lernt. Für meine Ma war das Fakt. Dass ich da blauäugig in mein Verderben renne. Ich bin trotzdem gefahren. Und habs überlebt. Sie hat eine volle Woche nicht mit mir gesprochen. Und ich hatte heftigste Schuldgefühle, was ich ihr damit nur angetan hatte...
2004 oder 05, weiß garnicht mehr genau, als ich wieder einen Mann aus dem Internet kennenlernte wars das selbe Spiel. Obwohls nicht mal über Kontaktanzeigen lief. Dann hab ich zum Glück nur noch Frauen kennen gelernt (also jetz nicht kontaktanzeigenmäßig, so halt auf anderen Seiten usw) und bin die besuchen gefahren. Bis letzten Sonntag. Und auch da wieder "hach, Kind, muas des denn sei?" und verzweifeltes, mir abgewandes geseufze..
Kurzum: dir machen deine Eltern das Leben scheinbar nicht gerade leicht, mir auch nicht, und da frage ich mich eben gerade, ob es vielen ABs so geht, ob eine zu lange zu starke Bindund da auch irgendwo ne Entwicklung verhindert..."
So. Wer bis hierher durchgehalten hat, mich würden Meinungen dazu interessieren. 8) Bitte/Danke.
Kirilow - 27.04.2007, 16:57
Tja, deine Eltern können oder wollen dich nicht loslassen. Und anscheinend hast du schon mehrfach das Gespräch gesucht. Ich weiß nicht wie diese Unterhaltungen verlaufen sind, ob ihr sachlich und ruhig geblieben seid usw. Es sieht aber eher nicht so aus, wenn sie schon so ausflippt wegen einem Date, also wegen nichts. Ich fürchte, wenn sich durch Gespräche nichts bessert, musst du deinen Weg ohne sie gehen und eventuell früher oder später sogar den kompletten Bruch riskieren. Keine Ahnung, ob ich den Mut dazu hätte.
julchen - 27.04.2007, 19:25
Ich wohne auch immer noch zu Hause, weil ich, bzw. wir einfach nicht die finanziellen Mittel haben und das Studium allein schon teuer ist. Meine Eltern hängen auch noch ganz schön an mir, ich glaube wenn ich ausziehen würde, würde bei ihnen ne ganze Welt zusammenbrechen ;-)
Als ich noch jünger war, war ich außer der Schule ständig zu Hause, da ich mich nicht rausgetraut habe (wurde ständig wegen meinem Aussehen ausgelacht) und keine Freunde hatte, da waren eben meine Eltern die einzigen "Vertrauenspersonen".
Als ich dann zu meinem 18. Geburtstag einen Freund zum Geburtstag eingeladen hab (haben uns übers Internet kennengelernt und vorher auch schon öfter gesehen), waren sie total entsetzt! Ihre Tochter und ein Mann, das kann ja nicht sein!! Ich glaub, die haben mir so eine Dreistigkeit überhaupt nicht zugetraut :shock: Mein Vater hat vorher total rumgeschrien und gemeint, jetzt hab ich extra gewartet bis ich 18 werde, um mir gleich "so nen Typen" zu angeln, ich hätte ja noch nicht mal Abi (dabei hat ein Mädchen in meinem Jahrgang vor dem Abi schon geheiratet).
Naja, mit dem Kerl hats dann auch nicht geklappt, sonst wär ich vielleicht nicht hier...
NOVA - 27.04.2007, 21:53
Hallo zusammen ! Jemima und Julchen
Als ich Eure beiden Geschichten über Eure Eltern gelesen habe, kam ich nicht drum herum und musste einfach schreiben. Und ich muss sagen das mich das sehr beeindruckt hat. Es ist traurig das manche Eltern nicht begreifen können das Kinder auch erwachsen werden, und letztendlich auch, sehr wichtig, selbstständig werden müssen. Heftig fand ich das man sogar als dreist abgestempelt wird, wenn man Kontakt und Zuneigung zum anderen Geschlecht empfindet. Wo ich wohl davon ausgehe das damit jeder Mann mit Erfolg vergrault wird. Die Frage ist die! wie sieht es mit Euren Umfeld aus? Damit meine ich Freunde, Verwandte, Onkel und Tanten, besser sogar noch die Großeltern, wie Ihr zu denen steht. Ich denke im Euren Fall ist es so, dass man Vertrauenspersonen braucht denen Ihr es auferlegen solltet. Die Euch vielleicht eventuell den Rücken stärken könnten, oder sogar stärkeren Einfluss auf Eure Eltern hätten. Weil Alleine kann ich mir vorstellen, wenn Ihr irgendwann von zu Hause ausziehen wollt, kann es nur sehr schwer sein das zu schaffen. Viel Unterstützung und Befürwortung von den Eltern wird es mit Sicherheit dabei wohl nicht geben. Deshalb ist es nach meines Erachtens ziemlich wichtig, Hilfe und positiven Zuspruch von außen zu holen.
Viele Grüße N...
Monk - 27.04.2007, 22:18
Zunächst möchte ich mich schon einmal entschuldigen, wenn ich hier eine Meinung vertrete und sich manche angesprochen und beleidigt fühlen. Ich möchte nur ein paar allgemeine Überlegungen in den Raum stellen.
Die Eltern sind im Stande und in der Lage die Entwicklung eines Kindes zu fördern oder sie zu mindern. Ein besonders heikler Punkt ist hierbei die Selbstständigkeit und das Loslassen.
Nach meiner Ansicht verursachen Eltern, die ihren Eltern emotionale Hürden in den Weg stellen, wenn diese sich entfalten wollen, die Möglichkeit der weiteren Reifung. Wenn jemand bis in ein gewisses Alter noch Zuhause wohnt, dann verzögert es die Entwicklung. Ich meine nun nicht, dass solche Menschen allgemein zurückgeblieben sind, sondern eher, dass sie zurückgeblieben sind, was die Erlangung gewisser Erfahrungen anbelangt. Ich glaube, dass die Schätzung gewisser Werte erst mit der Eigenständigkeit im Leben beginnen kann.
Bei einer erhöhten Abhängigkeit zu den Eltern, von wem sie auch immer ausgehen mag, führt dies zu vermehrter Unsicherheit und Gefühlen der Unzulänglichkeit. Entscheidungen werden nur ungern getroffen und Lethargie macht sich breit. All diese Gefahren haben auch auf die Findung eines Partners/in Einfluss. Insoweit können Eltern auch das Intimleben ihrer Kinder behindern und zerstören.
Wenn ich mir die Geschichte mit der Angst der Eltern beim Fahrradfahren vergegenwärtige, dann kann ich nicht umhin festzustellen, dass dies in keiner Weise gesund sein kann. Ich möchte dringend anempfehlen, dieses Verhältnis auf eine gesündere und distanziertere Grundlage zu stellen. Es kann sich so doch niemand wohl fühlen. Der eine Teil ist unfrei und die Mutter oder die Eltern müssen sich ständig sorgen machen.
Ich schließe mit dem Vergleich eines goldenen Käfigs. Ich halte es für mehr als evident, dass das Leben in einem solchen Käfig erhebliche Behinderungen bei der Führung eines selbst bestimmten und eigenverantwortlichen Leben darstellt. Dies sind jedoch wesentliche Eigenschaften, um irgendwann einmal ein ausgeglichenes Leben zu führen. oder sich auf einen Partner als solchen einzulassen und diesen nicht als Nachfolge-Elternteil zu sehen.
Nochmals meine Entschuldigung für das lange Posting und das vermehrte Eingehen auf Eltern - Kind - Interdependenzen.
Gruß
Monk
Anonymous - 27.04.2007, 22:31
Ich weiß nicht, wie es bei euch finanziell aussieht, aber das mit dem VonZuHauseAusziehen ist schon wichtig, für mich war es die beste Entscheidung meines Lebens. Hier, wo ich jetzt wohne, kannte mich vorher niemand, und dass ich ein AB bin, weiß bis jetzt niemand (es hat mich nie jemand danach gefragt) und vermutet scheinbar auch keiner. Ich bin froh, dass meine weit weg sind, auch wenn es anfangs verdammt schwierig war, ihnen klarzumachen, dass ich mein eigenes Leben lebe. Aber das muss man notfalls auch mit Gewalt durchsetzen. Da sollten eher die Eltern ein schlechtes Gewissen haben als die Kinder.
Zum Thema "Eltern" hätte ich nen "kleinen" Text voller Erlebnisse, der ist aber ziemlich lang, soll ich den mal hier reinposten? Hättet ihr Interesse?
Monk - 27.04.2007, 22:32
@Psycho
Ich bin unbedingt dafür
Anonymous - 27.04.2007, 23:06
na gut:
1) Als ich 7 Jahre alt war ich mit der ganzen familie (Vater, Mutter, 2 Schwestern) beim Fotografen, um Familienfotos zu machen. Bevor das ganze los ging, dauerte es sehr lange. Während die anderen bereits von den Plätzen aufstanden und sich die Wartezeit mit rumlaufen vertrieben, blieb ich im Schneidersitz auf dem weißen Leintuch sitzen, vielleicht eine halbe Stunde lang. Das schmerzte nach einer Weile so, dass ich anfing zu weinen. Ihr könnt euch vorstellen, wie die Fotos dann aussahen, wir, zu fünft, und ich in der Mitte mit verweinten Augen. Allerdings wurde ich von niemandem in den Arm genommen und getröstet. Mein Vater sagte zu mir nur: "Darüber reden wir heute noch!" Als wir wieder zu Hause waren, ging er mit mir ins Büro und schimpfte mich total aus. Er sagte mir, dass ich ja so ein böser Mensch sei, weil ich das getan hätte. Wolche Famileinfotos würde man alle 10 Jahre mal machen und ich hätte sie mit meinem Rumheulen total versaut.
2) Als ich 8 Jahre alt war, hat mein Vater mich mal zuhause vor der Anwesenheit eines Freundes so geschimpft, dass ich angefangen habe zu weinen, weil ich, obwohl mir das aufgetragen worden war, die Spülmaschine nicht ausgeräumt hatte. Als sich nachher rausstellte, dass mein Vater im Unrecht war, hat er halbherzig gesagt: "Das tut mir leid" (Da waren wir allerdings wieder allein).
3) Ich durfte so bis zu meinem 17. Lebensjahr kaum rausgehen, da die Welt fürchterlich gefährlich war und ich überall überfallen und verprügelt werden könnte. Nach Einbruch der Dunkelheit musste ich eigentlich immer zu Hause sein. Im Nachhinein war es wohl eher negativ für meine Entwicklung. Ich denke, es hätte mir gut getan, wenn ich mal richtig verprügelt worden wäre.
4) Als ich 12 Jahre alt war, wurden meine Leistungen in der Schule schlechter (Gymnasium, vorher Zeugnis von 1,6 und nun "nur noch" 2,6). Als ich in den Sommerferien mit meinen Eltern und meiner jüngeren Schwester Urlaub machte, schauten wir uns irgendwas zum Thema Kunst oder Geschichte an. Ich glaube, dass ich meinem Vater irgendwie zeigte, dass mich das nicht interessiere. Als wir uns nachher ins Auto setzten, sagte er wütend zu mir: "Mit dir fahr ich nie wieder irgendwo hin! Und wenn du sowas nochmal machst, dann geh ich mit dir zum Psychiater!" Zu meiner Mutter sagte er: "Ich habe keine Lust mehr auf Urlaub. Er hat es mir verdorben. Ich will, dass wir jetzt nach Hause fahren!" Meine Mutter: "Schau mal: Wenn wir jetzt heimfahren, dann tun wir ihm doch nur einen Gefallen. Er will doch auch nach Hause"... Ich hatte (zu Unrecht) ein fürchterlich schlechtes Gewissen.
5) Als ich 13 Jahre alt war, waren meine Schulnoten auf dem Tiefpunkt (Zeugnisschnitt von 3,1 aber nirgendwo schlechter als ausreichend). Als ich eines Tages mit einer 4 in einem Deutsch-Test nach Hause kam, waren meine Eltern so empört, dass sie mit mir zum Kinderarzt gingen und ihm das Problem erörterten (Problem = Tatasache, dass ich in der 8. Klasse des Gymnasiums viele 3er und 4er hatte).
Ich wurde von Mitschülern oft runtergemacht, weil ich eine Mutter hatte, die ständig auf Elternabenden den Lehrern vorschlagen wollte, welche Themen doch im Unterricht behandelt werden müssten. Fats jeder kannte meine Mutter. Von daher war es für mich schwierig, eine eigene Identität aufzubauen.
Hinzu kommt, dass das Verhältnis zu meiner Verwandschaft total gestört ist: Mein vater hat mit seiner Familie gebrochen, meine Großeltern (väterlicherseits) habe ich vor 10 jahren zum letzte mal gesehen (Ich bin jetzt 21). Mein vater sagt, seine Mutter hätte ihn immer geschlagen und er wäre ja sooo stolz darauf, dass er uns Kinder nie geschlagen hat (Hat er übrigens auch nicht. Mir jedoch wäre es lieber gewesen, er hätte mich geschlagen, anstatt mich psychisch fertig zu machen).
Als ich 17 Jahre alt war, trennten sich meine Eltern. Ich blieb mit meinem Vater allein, meine Mutter und meine jüngere Schwester zogen realtiv weit weg (300km), meine ältere Schwester begann ihr Studium und zog dafür mit ihrem Freund ebenfalls weiter weg. Meine Mutter fühlte sich von meinem Vater betrogen, da er angeblich über ihre gesamte Familie gelästert hatte. Mein Vater dagegen erzählte mir immer, ihre Familie hätte sich ständig eingemischt und sie hätte nie was dagegen getan. WÄhrend meine Mutter die Trennung wollte, war mein vater strikt dagegen, da er trotz allem emotional abhängig von meiner Mutter war/ist. Ich habe es gehasst, wenn er bei mir rumjammerte, dass er sich einsam fühle, da er selber es niemals zugelassen hätte, dass ich vor meinem 18. Lebensjahr eine Freundin gehabt hätte. Meine Schwestern wollten zu meinem vater erstmal gar keinen Kontakt mehr haben, das hat sich inzwischen aber wieder geändert. Ich wollte nicht bei meiner Mutter leben, weil sie, ähnlich, wie ich das bei anderen hier gelesen habe, sehr stark an mir hing. Es war schwierig, ihr klarzumachen, dass ich sie nur 1mal im jahr und nicht alle ferien besuchen würde. Außerdem war es mir unangenehm, dass ich zu beiden Elternteilen Kontakt hatte, da jetzt der Streit sozusagen über mich ausgetragen wurde.
Ich begab mich in Psychotherapie. Der Arzt brachte mich auf eine Idee, an die ich bis dato noch nicht gedacht hatte: Nach dem Abi studieren, und zwar weit weg. Ja, das war dann mein traum. Ganz weit weg ziehen, weit weg von Vater und Mutter, wo mich niemand kannte, und wo die, die mich dann kennenlernten, nur mich, und icht meine Eltern kennenlernten. Mein vater wollte das erstmal nicht glauben; Es wäre ihm lieber gewesen, wenn ich natürlich weiter bei ihm gewohnt hätte. Aber am Ende akzeptierte er es. Er ruft mich heute jeden Sonntag an, und ich bin froh, weit weg zu sein. Anfangs fragte er natürlich immer: "Wann besuchst du mich denn mal?", aber inzwischen hat er kapiert, dass ich auch kein problem damit habe, nur 1mal im jahr für eine Woche in meine alte Heimat zu kommen. Versteht mich nicht falsch, es war nicht alles schlimm in meiner Kindheit, ich habe auch gute Freunde gefunden. Aber meine Eltern haben mich sozusagen zu einer Maschine gemacht: Ich lerne und lerne, schreibe gute Noten, ich tue also genau das, was mein Vater immer sich wünschte. Und trotzdem ist er heute stark verunsichert, weil er sich immer wieder die Frage stellen muss: "Warum hat mein Sohn zu Frauen keinerlei Kontakt?"an mir hing. Es war schwierig, ihr klarzumachen, dass ich sie nur 1mal im jahr und nicht alle ferien besuchen würde
julchen - 27.04.2007, 23:39
Im Forum von Ohne-Erfahrung hab ich auch schon öfters gelesen, dass Wegziehen vor allem für ABs die beste Lösung ist, um einfach mal selbstständiger zu werden...aber um mir das leisten zu können, müsste ich schon ordentlich bei Herrn Jauch abräumen ;-)
Den Vergleich mit dem goldenen Käfig finde ich jetzt persönlich mal total passend, denn ich mag meine Eltern ja auch, habe sonst aber überhaupt keine Freunde, nur Parteikollegen und Internetbekanntschaften.
Letztes Jahr hab ich ein paar Wochen in Frankreich gewohnt und kann nur sagen, dass ich mich in meinem Zimmer im Wohnheim total einsam gefühlt hab, vor allem Abends, bin auch nicht der Typ, der exzessiv Party macht und bin dann doch lieber allein, als mit anderen Kontakt aufzunehmen :?
Tja, frage mich manchmal, ob ich nicht irgendwie anormal bin, denn ich kann mir überhaupt nicht vorstellen, jetzt den Rest meines Lebens 800 km weit weg von zuhause zu wohnen und nur einmal im Jahr zu Besuch zu kommen, auch wenn ich schlechte Erinnerungen an meine Schulzeit/Kindheit hier habe :?
Anonymous - 28.04.2007, 09:32
Hi Julchen,
Als mir mein Psychologe den Vorschlag machte, weit weg zu ziehen, hab ich auch erstmal gedacht: Was, ganz alleine in ne ganz fremde Stadt, wo ich keinen Menschen kenne? Das geht doch gar nicht.
Aber je mehr ich darüber nachgedacht habe, desto mehr freundete ich mich mit der Idee an:
- Ich wusste, dass ich von vielen Leuten nur deshalb gehasst wurde, weil diese Leute, bevor sie mich kennenlernten, von anderen Leuten gesagt bekamen: ""Der Psycho ist ein Depp" usw. Ich wusste jedoch, dass ich auf andere Menschen ganz normal wirke, wenn sie ohne Vorurteile gegen mich auftraten. Das war der Punkt: In einer neuen Umgebung gab es niemanden, der über mich lästern konnte. Ich hatte dort nicht mehr den Ruf als "Muttersöhnchen" und als jemand, der noch nie ne Freundin hatte.
- Es ist ein riesiger Unterschied, ob man in einer Stadt Urlaub macht oder dort wohnt. Wenn man dort wohnt und mal frei hat, setzt man sich zB in die S-Bahn und fährt mal von einem Streckenende zum anderen. Das ist eine ganz neue Erfahrung.
- Als ich in der 12. Klasse Mitschülern sagte, dass ich zum studieren nach XY ziehen würde, wurde ich von einigen ncht ernstgenommen. Ich kann mich erinnern, als ich einen Mitschüler mal ein bisschen ärgerte, dass er dann sagte: "Haha, Psycho hat noch nie in seinem Leben mit ner Frau geschlafen." Daraufhin fügte ein anderer in sarkastischem Ton hinzu: "Psycho zieht weg. nach XY..." Im Nachhinein finde ich es sehr amüsant, an dieses Erlebnis zu denken. Vor allem der Charakter der zweiten Person war sehr interessant: Dieser ehemalige Mitschüler war zwar als Macho bekannt, hatte auch mehrere Freundinnen, aber er hätte sich nie vorstellen können, selber von zu Hause auszuziehen, und schon gar nicht so weit weg. Mich würde mal interessieren, wie der heute über mich denkt. Ich hab zu ihm nämlich den Kontakt abgebrochen. Dank dem tollen studivz konnte ich aber schnell sehen, wo er studiert, und das ist quasi bei ihm um die Ecke. Ich hab bis jetzt 2 Freundschafts-Anträge von ihm abgelehnt, Nachrichtenverkehr zwischen uns hat es nicht gegeben. Ich ignoriere ihn im Prinzip einfach nur noch.
- Nachdem ich in der neuen Stadt mehrere Wochen gelebt hatte und mein Studium angefangen hatte, wurde es immer angenehmer. Dass ich dort anfangs niemanden kannte, war absolut kein Problem. Im Gegenteil: In meiner alten Kleinstadt war es schwierig, mal seine Ruhe zu haben, wenn man einkaufen ging, weil so ziemlich jeder jeden kannte. Ich könnte mir sogar vorstellen, noch mehrmals den Wohnort zu wechseln (Wenn solche Probleme wie Möbeltransport und Finanzen nicht wären). Die Entscheidung, nach XY zu ziehen, habe ich keine Sekunde bereut.
- Wenn man sowieso keine Freunde und keine Geliebte / keinen Geliebten in seiner Heimat hat, dann kann man sich erst recht denken: "Na, dann ist es doch gar nicht so schlimm, weit weg zu ziehen. Viel kann ich ja nicht verlieren." Der Spruch: "Dort werde ich ja ganz allein sein" würde damit eine ganz andere bedeutung bekommen.
- In meiner alten Heimat hatte ich besonders unter den Nachbarn viele Feinde, teils lag das an mir selber, teils an meinen Eltern. Die "Differenzen" waren so gravierend, dass ich auch keine Lust hatte, mich mit denen zu versöhnen. Ich dachte mir: "Wenn ich wegziehe, hab ich ganz neue Nachbarn, da besteht die Chance, mit denen in Frieden zu leben." Das war einer meiner größten Träume. Und er ist in erfüllung gegangen. In unserem 5-Parteien-Haus streiten sich zwar viele der restlichen 4 Parteien untereinander, mein Mitbewohner und ich haben aber mit niemandem Streit. Ich verhalte mich dabei extrem passiv gegenüber den nachbarn. Das Problem bei den alten Nachbarn in meiner Heimat war halt auch: Man kann denen kaum aus dem Weg gehen, man muss sie zwangsläufig sehen, wenn man das Haus verlässt oder von der Arbeit nach haus kommt.
Gut, das waren jetzt ein paar Gründe, weshalb ich an eurer Stelle von zu Hause wegziehen würde. Diese Argumente helfen allerdings nichts, wenn man finanziell nicht in der Lage dazu ist.
red_rooster - 28.04.2007, 11:23
Also meine Mutter ist auch sehr besorgt, wenn ich aus irgendwelchen Gründen nicht da ist. Als ich mal weg war und erst spät heim gekommen bin hat (obwohl ich eine abgeschlossene Wohnung habe) nachgeschaut ob ich am Morgen da war.
Dies hat eine teilweise lautstarke Auseinandersetzung nach sich gezogen. Eine Stelle von man sie dann immer packen kann ist die Frage wie sie sich dann vorstellen wenn ich eine Freundin haben sollte bzw. das erste mal jemand bei mir übernachten sollte. (Die Drängelei der Eltern ist an sich ein eigenes Thema) Fragt sie mal, wie oft man eine Frau wiedersieht, wenn man Sonntags morgens beim Akt von seiner Mutter überrascht wird die wissen will ob man im Haus ist. Oder wenn man bevor man auswärts übernachtet kurz bei seinen Eltern anrufen soll. Da die Eltern eigentlich in so einem Fall immer es gerne sehen würden, wenn der Sohn eine Partnerin hätte, geht bei mehrmaliger Anwendung ein gewisser Einsichtsprozess bei den Eltern vor.
Das Problem ist immer dass die Eltern es nicht kapieren wollen, das ein Kind in dem Bereich Liebe/Sexualität eigene Bedürfnisse hat und diese Bedürfnisse auch eigenständig Leben will. Das einzige was man als Kind dagegen tun kann, ständig bei den Eltern einzufordern, dass man diese Bedürfnisse leben will. Dies führt teilweise zu heftigen Konflikten, die man aber konsequent durchfechten muss.
Aus gegeben Anlass dazu bei mir:
Ich fahre gleich ab zum Fuldatreffen und ich habe meinen Eltern nur gesagt, dass ich weg fahre aber nicht wo hin. Und das werden sie auch nicht erfahren und wenn sie platzen!
Panda - 28.04.2007, 11:40
Das selbe Problem habe ich auch. Ich war in meiner Kindheit oft bei meinen Großeltern, weil meine Mutter beruflich viel unterwegs war. Meinen Vater habe ich nie kennengelernt. Meine Großeltern waren überängstlich. Man kann entführt werden etc.
Leider wohne ich mit fast 30 immer noch zu Hause, bei meiner Mutter. Allerdings hat das wegen meines Studiums ausschließlich finanzielle Gründe. Was mich total nervt ist, dass ich jeden Tag einen weiten Weg zur Uni pendeln muss. Ich arbeite zwar nebenher, aber für eine eigene Bleibe wird das nicht reichen. Dann müßte ich noch mehr arbeiten und das hätte möglicherweise negative Folgen für das Studium.
Ich stelle mir aber immer wieder die Frage, ob sich das mit meinem ABtum ändern wird, wenn ich ausziehen würde. Ich weiß trotzdem, dass alleine wohnen für die Psyche besser ist.
Jemima - 28.04.2007, 21:25
Zuerst mal: vielen lieben Dank für eure Rückmeldungen.
Und dann:
@ Kirilow
„Und anscheinend hast du schon mehrfach das Gespräch gesucht. Ich weiß nicht wie diese Unterhaltungen verlaufen sind,“
meistens begann ich zu flennen, bevor ich überhaupt zu einem wichtigen Punkt kommen konnte. Weil ich eben… weiß, dass zu einem unsagbaren Konflikt, evtl sogar „Bruch“ kommen könnte. Und das… ja auch nicht will. Das… derzeit seelisch auch gar nicht durchstehen würde, schätze ich…
@ julchen
„Meine Eltern hängen auch noch ganz schön an mir, ich glaube wenn ich ausziehen würde, würde bei ihnen ne ganze Welt zusammenbrechen“
bei meiner Mutter garantiert auch. Ich habe das Gefühl, dass sie… sich ständig fragen würde, was sie nur falsch gemacht hat, weil ich von ihr weg will… die Frage kommt ja auch fast immer, wenn ich auch nur ansatzweise das Thema Auszug einbringe. Warum denn, was haben wir dir denn getan, was fehlt dir denn hier usw..."
Und genau der Gedanke ist es, der mir wieder diese Schuldgefühle eintrichtert… dieses „das macht sie fertig, das kannst du ihr doch nicht antun“…
@ NOVA
„Weil Alleine kann ich mir vorstellen, wenn Ihr irgendwann von zu Hause ausziehen wollt, kann es nur sehr schwer sein das zu schaffen. Viel Unterstützung und Befürwortung von den Eltern wird es mit Sicherheit dabei wohl nicht geben.“
Ich habe die letzten Tage gemerkt, dass mein Vater wohl nicht ganz so heftig drauf is. Also denke ich mir irgendwo, dass er mich schon unterstützen würde. Irgendwo. Aber… Na ja, meine (7 Jahre jüngere) Schwester wohnt inzwischen bei ihrem Freund… und wenn sie kommt und Pas Hilfe braucht… dann hilft er ihr schon. Aber irgendwann heißt es auch wieder „ach, dafür sind wir schon noch gut genug?“ so nach dem Motto „von uns weg wollen aber wenn’s Probleme gibt doch angekrochen kommen und unsere Hilfe brauchen“ da hätt ich auch Angst vor. Vor diesem… Spott?
Im Moment… empfinde ich meine Therapeutin sehr als diese „Bezugsperson“. Was sie alles mit mir durchzieht um mein Selbstwertgefühl zu steigern. Wozu sie mich alles antreibt. Und sie meinte letztens auch, es könne ja mal eine Stunde zusammen mit meiner Mutter geben. (vor allem weil meine Mutter denkt ich würde in der Therapie nichts anderes tun als über sie abzulästern) Aber irgendwie habe ich davor doch noch etwas zu sehr Angst. Davor, wie sich meine Mutter nach diesem Gespräch mir gegenüber verhalten würde. Ich… will mit ihr nicht „brechen“. Ich will ihr nicht weh tun. Ich… will nur etwas mehr „selbst“ sein… aber in ihrer zutiefst mütterlichen Art tut ihr eben genau das weh… Zwickmühle…
@ Monk
in meinen Augen beinhaltet dein Posting nichts, wofür du dich (mehrmals) entschuldigen müsstest. Ich für meinen Teil erkenne mich in deiner Beschreibung wieder, aber ich weiß (oder ahne) es inzwischen ja, also beleidigt es mich nicht wirklich. Bin ja irgendwo selber schuld, nich?
„Ich möchte dringend anempfehlen, dieses Verhältnis auf eine gesündere und distanziertere Grundlage zu stellen“
und… wie?
@ Psycho
wow. So weit zurück könnt ich mich in meinem Leben gar nicht mehr erinnern. Also, was damals so zwischen mir und meinen Eltern ablief. Mein Gedächtnis ist ein Sieb.
Was das finanzielle betrifft hab ich vor einiger Zeit mal grob meine monatlichen Einnahmen und Ausgaben überschlagen und es sah damals eben nicht so aus, als ob am Ende noch genug zum Ausziehen übrig wäre. Um da genauere Werte zu bekommen müsste ich wohl meine Zahlen über ne längere Zeit kontrollieren, aber irgendwie… ich bin nicht sehr gewissenhaft in so was…
Eine sehr schöne Ausrede mir selbst gegenüber ist übrigens auch immer „du hast hier (nach 80 Absagen) Arbeit gefunden, ein Büro das nur mit deiner Mithilfe läuft, der Job scheint recht sicher“. Was aber natürlich nur für ein „weit weg“-ziehen hinderlich wäre. In den nächstgrößeren Ort ziehen könnt ich ja noch immer. Oder gleich in meinen Arbeitsort. Oder so.
Ich glaube auch, dass meine Therapeutin langsam auf dieses Ziel hinarbeitet. Mit Betonung auf langsam. Und einerseits bin ich froh, dass wirs nicht überhetzen. Weil es mir… so unsagbar anstrengend und extrem angsteinflößend und… so überwältigend riesengroß erscheint. Aber andererseits… habe ich jetzt 26 Jahre geschlafen und würd eben so schnell wie möglich mal einen Blick aus meinem „goldenen Käfig“ werfen wollen… mehr als einen Blick.
@ red_rooster
„(Die Drängelei der Eltern ist an sich ein eigenes Thema)“
mag sein, dass ich da gerade n Brett vorm Kopf habe, aber was für ne Drängelei? Die, wann du denn endlich mal ne Freundin mit nach Hause bringen würdest?
„Dies führt teilweise zu heftigen Konflikten, die man aber konsequent durchfechten muss.“
Ja. Ich weiß. Und ich… bin da wohl einfach nicht konsequent und wahrscheinlich auch psychisch nicht gefestigt genug... will meiner Mutter ja nich weh tun. wie schon so oft erwähnt.
@ Panda
„Ich stelle mir aber immer wieder die Frage, ob sich das mit meinem ABtum ändern wird, wenn ich ausziehen würde.“
Ja. Versteh ich. Ich ja auch. Weil… Ich geh jetzt nicht aus. Abends, am Wochenende oder so. Geh nicht raus um Leute kennen zu lernen. Und dieses „Stubenhocker-Dasein“… das würde doch durch einen Auszug nicht verschwinden. Irgendwie befürchte ich fast, es würde nur noch schlimmer werden. Und nein, ich will mir nicht mal ansatzweise vorstellen, wie '"noch schlimmer" aussähe.
Aber der Sache dass es für die Psyche besser sein kann stimme ich jetzt einfach mal zu. Denke irgendwo ja auch so… irgendwo hinter der Angst…
Liest sich irgendwie gerade wie mein persönlicher Jammerthread, hm?
Trotzdem würden mich weitere Erfahrungen, Meinungen, Beispiele natürlich interessieren.
Monk - 28.04.2007, 21:49
In Beantwortung Deiner Frage, wie Du Dein Verhältnis zu Deinen Eltern auf eine andere Grundlage stellen kannst, muss ich zunächst eine Phrase dreschen und sagen, dass dies vom Einzelfall abhängt.
Aber ich würde Dir zunächst anraten, dass Du Dein Leben nicht mehr zur Diskussion stellst sondern lebst. Die Sorgen, die sich Deine Eltern zu Anfang noch machen mögen, wegen Deiner Alleingänge, werden sich irgendwann auch beruhigen.
Sehr zu empfehlen ist sicherlich auch ein Auszug. Hierzu muss ich zugeben, dass dies einfacher gesagt ist, als getan. Jedoch ist dies von so immenser Bedeutung, dass beinahe jedes Mittel recht sein sollte.
Du solltest Dir die Sorgen Deiner Eltern nicht zu Eigen machen durch ein schlechtes Gewissen. Du bist alt genug Dein Leben selber zu führen, Entscheidungen zu treffen und Fehler zu machen. Letztere gehören unbedingt zum Lernerfolg dazu und bilden sodann später einen unschätzbaren Erfahrungsschatz. Wo Du heute noch in Watte gehüllt bist, wirst Du später stolz darauf sein können, dass Du eigenständig und frei lebst, niemandem außer Dir verantwortlich.
Schließlich möchte ich auch mal einen Ausblick in die Zukunft wagen. Das adaptive Verhalten, welches Du Deinen Eltern immer wieder in Sorge wegen derer Befindlichkeit an den Tag legst, wird Dich mit zunehmendem Alter immer mehr in eine familiäre Kollusion treiben. Du wirst immer unzufriedener, weil unfreier in Bezug auf Deine Eltern. Sollte ein Elternteil sterben, könnte sich dies zu einer Lebenskrise entwickeln, die Du dann nur schwerlich eigenständig lösen kannst.
Sich die Freiheit von den Eltern zu verschaffen, vielleicht auch manchmal zu erzwingen gehört zum Abnabelungsprozess, meint aber nicht, dass man mit seinen Eltern brechen muss oder sie weniger lieben muss.
Beziehe Dich einfach mehr auf Dein eigenes Leben und mach Dir keine Sorgen um Deine Eltern, denn die sind alt genug. Frage Dich, was Du willst und was Dir gut tut und frage nicht danach, wie es Deinen Eltern damit geht. Bringe Dich erst gar nicht in den Gewissenskonflikt Deine Eltern anzulügen, weil Du etwas tun möchtest, was Deinen Eltern nicht, Dir aber gefällt.
Das war es im Wesentlichen.
Gruß
Monk
PS: Entschuldigung für die Entschuldigung :)
nocheiner - 28.04.2007, 23:35
Hallo,
julchen hat folgendes geschrieben: denn ich kann mir überhaupt nicht vorstellen, jetzt den Rest meines Lebens 800 km weit weg von zuhause zu wohnen und nur einmal im Jahr zu Besuch zu kommen
Interessant bei den Besuchen ist dann, dass alle versuchen die Zeit miteinander sinnvoll zu nutzen. Es werden fast ausschliesslich wichtige Dinge besprochen. Jeder versucht sich von seiner besten Seite zu zeigen.
Der Preis dafür könnte hoch sein, mir ist er es wert.
Jemima hat folgendes geschrieben: Ich habe das Gefühl, dass sie… sich ständig fragen würde, was sie nur falsch gemacht hat, weil ich von ihr weg will…
Meine Mutter fragt sich das auch, weil ich sie für ihre Verhältnisse zu selten besuche. Wegen den Gründen, die ich oben geschrieben habe, möchte ich die Menge aber nicht ändern.
Ich denke, für Eltern ist es grundsätzlich schwierig ihre Kinder ab einem gewissen Alter wie gleichwertige Erwachsene zu behandeln. Da sie ja vorher offiziell knapp zwei Jahrzehnte für sie die Verantwortung getragen haben.
Die räumliche Distanz hat aus meiner Erfahrung dazu vieles erleichtert die Umgangsformen zu verbessern.
Bis dann
nocheiner
Jemima - 29.04.2007, 17:20
@ Monk
Danke für deine Rückmeldung. Im Moment weiß ich dazu garnicht mehr zu schreiben, als das.
Entschuldigung ;o)
@ nocheiner
auch dir Danke für deinen Beitrag
red_rooster - 01.05.2007, 18:18
Jemima hat folgendes geschrieben: Zuerst mal: vielen lieben Dank für eure Rückmeldungen.
Bitte, gerne geschehen!
Jemima hat folgendes geschrieben:
@ red_rooster
„(Die Drängelei der Eltern ist an sich ein eigenes Thema)“
mag sein, dass ich da gerade n Brett vorm Kopf habe, aber was für ne Drängelei? Die, wann du denn endlich mal ne Freundin mit nach Hause bringen würdest?
Ich habe natürlich aus meiner eigenen Sicht geschildert. In meinem Beitrag ist Freundin also, je nach eingenen Geschlecht und sexueller Orientierung, ggf. durch Freund zu ersetzen.
Mit Drängelei meine ich, gerade bei sehr fürsorglichen Eltern, dass sich diese auch Sorgen machen, wenn man keinen Partner hat und entsprechende Bemerkungen fallen lassen. Enkelkinder hätten sie ja auch gerne usw. Aber wie gesagt, das ist ein eigenes Thema
Jemima hat folgendes geschrieben:
„Dies führt teilweise zu heftigen Konflikten, die man aber konsequent durchfechten muss.“
Ja. Ich weiß. Und ich… bin da wohl einfach nicht konsequent und wahrscheinlich auch psychisch nicht gefestigt genug... will meiner Mutter ja nich weh tun. wie schon so oft erwähnt.
Das wird sich nicht vermeiden lassen, wenn du was ändern willst. Deine Mutter handelt ja in dem eigenen Bewusstsein, dass sie dir nur Gutes tun will. Wenn du sowas ablehnst, findest sie das natürlich als nicht angenehm. (als Undankbarkeit, Frechheit oder Enttäuschung o.ä.). Wenn du also deinen Standpunkt klar machen willst wirst du nicht drum herumkommen.
Anrufbeantworter - 01.05.2007, 21:48
Hallo Jemima!
Ein nicht ganz leichter Ratschlag, den ich aus meinem eigenen Leben geben kann: hab den Mut zum offenen Konflikt, wenn er nötig ist! Sei wachsam, keine Machtspiele deiner Eltern mitzumachen. Schlechtes Gewissen machen, sich seufzend abwenden, als Mutter seine Verletztheit über dein Verhalten zu betonen ist letztlich eine Machtausübung, bei der du aber die Wahl hast, ob du mitspielst. Man kann die einfache Möglichkeit wählen, nämlich sich zu unterwerfen, oder die schwierige, unangenehme und konfliktreiche Möglichkeit, zu sagen "ich mache, was für mich richtig ist, egal wie sie reagieren", die meiner Erfahrung nach aber langfristig besser ist.
Ich hatte zwar nicht die gleiche Beziehung zu meinen Eltern wie du (ich hatte fast nichts zu verlieren, aber viel Ruhe vor Hass, Demütigungen und lautstarkem Geschrei zu gewinnen), und bin bis zum völligen Bruch gegangen (bei meinem Vater schon mit 15, und ich musste noch bis zum Zivildienst nach dem Abi da wohnen, ohne dass wir uns einmal angeschaut oder ein Wort gewechselt hätten). Wäre ich heute noch einmal in der Situation, würde ich trotzdem das Gleiche wieder tun. Ich denke, es beeinflusst doch sehr die Persönlichkeit, ob man sich in der Lebensphase untergeordnet hat oder sich seine Freiheit erkämpft hat.
Und ein Bruch ist auch wirklich der schlimmste Fall. Meist werden Eltern irgendwie merken, dass sie deine Freiheiten zu respektieren haben und es dann auch tun, aber nur, wenn du es konsequent einforderst.
Anonymous - 01.05.2007, 22:41
Ich habe ein sehr gutes Verhältnis zu meinen Eltern, sie sind stolz auf mich auf das, was ich bis jetzt erreicht habe (sehr gutes Abi, schneller Abschluss), allerdings habe ich von meiner Mutter auch extreme Minderwertigkeitskomplexe "vererbt" bekommen. Meine Mutter leidet selbst unter großen Minderwertigkeitskomplexen und hat mir das natürlich auf gewisse Weise weitergegeben. Sie selbst hat mir häufig das Gefühl gegeben, dass ich zwar ein sehr netter, bescheidener und hilfsbereiter (also wertvoller) Mensch bin, dass im Leben aber immer nur die anderen Glück haben und dass besonders die, die ehrenwert, fleißig und anständig sind nie das bekommen und erreichen, was sie verdient haben. Dieses Gefühl hat sich bei mir auch sehr stark eingebrannt. Ich bin ein absolut pessimistischer Mensch, genau wie meine Mutter, und habe immer das Gefühl, dass die, die besonders schön sind, sich einfach weniger anstrengen müssen und ihnen alles vor die Füße getragen wird. Ich hingegen, kann mich so anstrengen wie ich will und so nett und hilfsbereit sein, wie ich will, ich habe immer Pech. Solche oder so ähnliche Sachen hat sie oft zu mir gesagt und hat sich selbst zu den vom Pech verfolgten gezählt. Ich habe zwar von meinen Eltern sehr viel Liebe und Fürsorge erfahren, aber trotz allem habe ich einen sehr ausgeprägten Minderwertigkeitskomplex, den ich sicherlich meiner Mutter zu verdanken habe.
Anonymous - 01.05.2007, 23:24
_._._
hallo Jemima
zunächst einmal möchte ich sagen dass ich zum thema eine sehr rationale Meinung habe. Ich denke deine Eltern sind am biologischen Fortbestehen der Familie interessiert - sonst wärst du sicher nicht entstanden. Es ist jedoch fraglich wieso sie dich nicht loslassen können. Das würde Ihrer Intention der Erhaltung der Art widersprechen.
was wollen deine eltern?
ich hoffe meine meinung is nicht zu krass
lg
a7n10
Jemima - 02.05.2007, 09:12
und wieder: Vielen Dank für eure Antworten.
Anrufbeantworter,
ich weiß inzwischen ja, dass es gut ist quasi "dagegen zu stemmen". und... ich versuche es ja, so gut es geht. Nur manchmal... erscheint es so sinnlos, weil sich ja doch nichts zu ändern scheint. Ich mich ja doch immer wieder aufs Neue dagegen zu stemmen habe. Aber... das ist wohl mal wieder mein Problem mit meiner Ungeduld. Weils mir nich schnell genug geht. Aber wie erwähnt, ich arbeite daran, mich immer öfter dagegen zu stellen. Danke :) .
a7n10,
Ich befürchte meine Mutter tut sich schwer damit mich los zu lassen, weil ich die... körperlich behinderte, schwächere Frucht ihrer Lenden bin... Irgendwo... wird sie evtl gerade deshalb den Drang nicht los, mich... "beschützen" zu müssen... und ich... finde nicht wie meine jüngere Schwester die Kraft auf, mich dem konsequent zu entreißen...
um das Fortbestehen der Familie kann sich ja meine Schwester kümmern. :wink:
ne, ernsthaft, ich kann deinen Gedankengang zumindest auf meine Situation nicht so recht übertragen. Dass bei mir wenig Hoffnung auf "biologischem Fortbestehen der Familie" besteht dürfte ihnen seit einigen Jahren bereits klar sein.
Lisa,
genau, mir geht es mit meiner Mutter in gewisser Weise ja ähnlich. Sie... pusht meine Ängste, erweitert sie um ihre eigenen, zu genüge vorhandenen. Sie ist in so vielem ängstlich, unsicher, also habe ich das ja wohl auch irgendwie zu sein. Bekomme es... von ihr vorgelebt, eingetrichtert.
Was mich interessieren würde und falls ich fragen darf: wie verhält sich dein Vater (oder weitere Familienangehörige) in derleih Situationen? Also wenn er mitbekommt, wie sich deine Ma in den Situationen dir gegenüber verhält?
Ich habe erst letztens gemerkt, dass mein Pa das ja meistens garnicht mitbekommt, weil es sich meist unter der Woche abspielt, wenn er in der Arbeit ist. Vor zwei Wochen war es dann zufälligerweise mal an einem Wochenende und er befand sich mit im Raum. Und nachdem wir klargestellt hatten dass ich nicht (wie er dachte...) 22 sondern schon 26 bin hat er mich regelrecht aus dem Haus gescheucht, damit ich mich mit dieser Kontaktanzeigenbekanntschaft treffe. Und ich hörte ihn und Ma noch lange diskutieren, während ich mich oben fertig machte.
Ich würde jetzt nicht behaupten, dass dadurch Hoffnung in mir wuchs. Aber irgendwo... doch der Gedanke, dass Pa das irgendwo... "normaler" sieht als sie. Und der... tut gut... jetzt muss ich nur noch überlegen, wie ich darauf richtig aufbaue...
Liebe Grüsse
Jemima
Anonymous - 02.05.2007, 22:22
@Jemima
Mein Vater bekommt davon eigentlich nicht viel mit. Ich glaube er denkt über solche Dinge nicht nach. Auch meine Mum bekommt davon selbst nicht viel mit. So gut mein Verhältnis zu meinen Eltern auch ist, ich erzähle ihnen trotzdem nie, wie es in mir aussieht. Ich habe da eine Art Blockade und kann nur mit wirklich guten Freunden über meine Gefühle reden. Da ich seit 5 Jahren nicht mehr zu Hause wohne, bekommen meine Eltern natürlich nicht so sehr mit, was sich in meinem Leben abspielt. Meine Mum weiß, dass ich einen großen Freundeskreis habe und denkt, dass es mir gut geht, da ich mich ja nie über mein Leben beschwere. Fragen nach einem Freund blocke ich meistens mit einem blöden Spruch ab so nach dem Motto:dafür hab ich keine Zeit. Ich denke sie merkt das selbst nicht, sie weiß selbst nicht, dass sie sich in einem depressionsartigen Zustand befindet. Es ist ja nicht so, dass sie das bewusst sagt, um mir weh zu tun. Aber es hat sicherlich zu meinem geringen Selbstwertgefühl beigetragen. Ich glaube meine ELtern sind nicht so sehr die Menschen, die viel über sich selbst reflektieren, liegt wahrscheinlich ein bißchen daran, dass ihnen dazu ein wenig der Bildungsgrad fehlt (ich bin die einzige in der Familie mit Abitur und Studium, und sie leben in ihrer kleinen behüteten Dorfwelt). Das soll jetzt nicht heißen, dass ich Menschen mit niedrigerem Bildungsgrad abwerte, man kann ja trotzdem ein toller Mensch sein (wie meine Eltern), also bitte nicht falsch verstehen. Ich denke aber, dass es die Leute, die mehr mit dem Kopf arbeiten, schwieriger haben, weil sie viel mehr über sich selbst nachdenken und analysieren. Meine Eltern zählen eher nicht dazu und daher ist das meinen Eltern auch weniger bewusst.
Jemima - 03.05.2007, 18:35
Lisa,
herzliches dankeschön für deine Rückmeldung :)
Lisa hat folgendes geschrieben: So gut mein Verhältnis zu meinen Eltern auch ist, ich erzähle ihnen trotzdem nie, wie es in mir aussieht.
(...)
Ich denke sie merkt das selbst nicht, sie weiß selbst nicht, dass sie sich in einem depressionsartigen Zustand befindet. Es ist ja nicht so, dass sie das bewusst sagt, um mir weh zu tun. Aber es hat sicherlich zu meinem geringen Selbstwertgefühl beigetragen. Ich glaube meine ELtern sind nicht so sehr die Menschen, die viel über sich selbst reflektieren,
(...)
und sie leben in ihrer kleinen behüteten Dorfwelt).
unsere Familien scheinen sich da sehr ähnlich zu sein...
Lisa hat folgendes geschrieben: Ich denke aber, dass es die Leute, die mehr mit dem Kopf arbeiten, schwieriger haben, weil sie viel mehr über sich selbst nachdenken und analysieren.
ich hab nen Hauptschulabschluss und bin trotzdem Meisterin, wenn es darum geht mich und mein Verhalten, meine Gedanken zu zerlegen, zerpflücken, analysieren :wink: und mich ordentlich dabei selbst fertig zu machen oder zu bemitleiden...
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