iphpbb - Forenarchiv: Archivbeitrag des Forums Absolute Beginner-Treff
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Anonymous - 20.04.2007, 04:10
News
Hallo!
Dann will ich mich auch mal kurz vorstellen. Dabei werde ich nur die Aspekte aufgreifen, die ich heute noch für relevant halte.
Ich wurde 1975 in eine Familie hineingeboren, die eigentlich gar nicht so recht bestand. Vater und Mutter hatten wegen mir geheiratet. Vater hatte aus erster Ehe zwei Söhne, die damals schon im Teenageralter waren und von der neuen Bindung ihres Vaters nicht viel hielten. Mit 4 Jahren hatte ich dann einen schweren Verkehrsunfall und verbrachte in den nächsten Jahren viel Zeit im Krankenhaus. Für meine Eltern war dieses Erlebnis sehr traumatisch. Sie wollten mich beide ständig vor äußeren Einwirkungen abschirmen. Dazu gehörte auch, dass sie mich früh darauf vorbereiteten, als Erwachsene wahrscheinlich allein zu bleiben.

Kindergarten, Grundschule und Gymnasium durchlief ich als Außenseiterin. Schon im Kindergarten merkte ich, dass Normabweichung gnadenlos bestraft wurde. Erst nach meinem Unfall begann die Mobberei. Als ich schließlich in die Grundschule kam, witterte ich bereits überall Aggressoren. De facto war ich schon selbst einer.

Die Konflikte mit Gleichaltrigen und Erziehern setzten sich am Gymnasium fort, bis ich in der 6. Klasse meine beste Freundin kennen lernte. Sie wurde von ihren Klassenkameraden ob ihrer Leibesfülle gemobbt. Wir waren in den nächsten Jahren unzertrennlich.

Obwohl ich jetzt wenigstens eine Vertrauensperson hatte, ging es mir schlecht. Mich bedrückte sehr, dass ich als Mädchen nicht wahrgenommen wurde. Mit 13/14 gab es auf dem Schulplatz immer so Fangspiele zwischen den Geschlechtern. Ob ich nun dabei war oder nicht, machte keinen Unterschied. Ich wurde nie gefangen, existiere einfach nicht. Wenn überhaupt, machten sich die Jungs höchstens mal über mich lustig. "Naaa, X, willst du mit mir gehen? Sag doch mal, willst du mit mir gehen?" Und dabei standen sie dann im Kreis um mich herum.

Mit 15 wurde mir das Ganze zu bunt. Mein ältester Bruder hatte mich mal wieder fette Qualle genannt, und nun beschloss ich, mich einer Radikaldiät zu unterziehen. Obwohl ich nicht ganz so dick wie meine Freundin war, hatte ich doch deutliches Übergewicht. In den nächsten anderthalb Jahren nahm ich mehr als die Hälfte meines Gewichts ab. Erst wog ich 112, dann zuletzt 54,5 kg. Meine Eltern wussten nicht damit umzugehen und schickten mich zum Psychologen des Jugendamtes. Der wiederum bezog meine Eltern mit ein, doch als mein Vater merkte, dass auch sein Verhalten kritisch beleuchtet werden sollte, verließ er das Amt und ich konnte fortan wieder machen, was ich wollte.

Mit 17 hatte der Spuk ein Ende. Ich fing wieder an zu essen, hatte aber schon eine neue Sucht: Arbeitswahn. Ich ackerte wie ein Tier für die Schule - und das auch in Fächern, für die ich nichts machen musste. Ich wollte nur nicht daran erinnert werden, dass mir was fehlte.
Dieses Verhalten nahm ich mit an die Uni.

Als ich 22 war, zerbrach meine Jugendfreundschaft. Meine Freundin hatte selbst einen Rappel gekriegt und sich einen Mann geschnappt, den sie via Kontaktanzeige kennengelernt hatte. Ihr ABinentum war jetzt vorbei. Es tat mir extrem weh, wenn sie erzählte, wie geil Sex sei. Das war zunächst einmal das einzige, was sie über ihre Beziehung erzählte. Ich erkannte sie nicht mehr wieder, hatte keine Lust mehr auf diese Freundschaft. Ich fühlte mich völlig missverstanden. Wieso konnte sie nicht sehen, dass mir das weh tun musste? Sie war doch selbst ABine gewesen!

Dabei hatte ich Glück im Unglück, denn wenn diese Freundschaft nicht zerbrochen wäre, hätte ich womöglich irgendwann furchtbar geklammert. Ich hatte mittlerweile auch andere Freunde und fand weitere. Eine so enge Freundschaft wollte ich aber nicht mehr. Es kam wieder eine zustande, aber davon will ich heute nicht erzählen.

Ich entwickelte mich in den nächsten Jahren an der Uni zum Crack. Alles Kompensation, aber immerhin. Direkt nach Beendigung der erwähnten Freundschaft meinte ich, mich erst einmal optisch tunen zu müssen. Das tat ich auch, und dann fanden sich auch wirklich männliche Interessenten ein. Aber ich konnte mit ihnen nichts anfangen. Ich erlebte meinen Körper damals nach wie vor als Feind und hatte extreme Angst davor, mich einem Mann nackt zu zeigen. Nein, das war ein Albtraum, das durfte nicht sein. Also gab es vielleicht mal hier und da eine Knutscherei.

Mit 25 bekam ich dann aber einen Rappel. Jetzt hatte ich DEN Mann kennen gelernt. Er studierte meine Fächer und bewunderte mich sehr ob meiner Leistungen. Ich wollte natürlich was ganz anderes. Ich erklärte ihm meine `Liebe´, er war verzückt, wir kamen zusammen, und ich machte den Fehler, ihm gleich in den ersten paar Tagen von meiner traumatischen Kindheit und Jugend zu erzählen. Nach 10 oder so Tagen war dann Schluss. Zeitgleich hatte sich einer seiner Kumpels für mich zu interessieren begonnen, aber der interessierte mich nun leider gar nicht. Ich hatte mich wahnhaft auf den anderen gestürzt und litt jetzt erst einmal über ein Jahr lang.

Auf der Geburtstagsfeier einer Freundin traf ich dann mit 26 einen Mann, der mir schon mal sehr gut gefallen hatte. Mit ihm hatte ich dann mein erstes Mal. Er verabschiedete sich am nächsten Tag sehr unrühmlich, und ich litt wiederum ein Jahr.

Mit 27 verliebte ich mich in einen Schwulen. Der ist heute mein bester Freund und, na ja, bitte nicht falsch verstehen, mein Schatz. Wenn überhaupt noch die Hoffnung besteht, dass ich mal einem Mann vertraue, dann ist das zu einem guten Teil ihm zu verdanken.

Dann war lange gar nichts. Ich kann auch sagen, warum. Meine Mutter hatte vor etwa 7 oder 8 Jahren einen Schlaganfall. Sie baute erst ganz langsam, dann immer deutlicher geistig ab. Ich war nach der Krise mit meinem ersten `Freund´ zu meinen Eltern zurückgezogen, und nun meinte ich, auch da bleiben zu müssen. Ich war der Situation aber immer weniger gewachsen. Sie bekam psychotische Schübe (hörte Stimmen, telefonierte, obwohl keiner angerufen hatte, vermutete überall im Haus Kameras und einiges mehr). Ich wollte endlich mein Studium beenden und weiterkommen, aber ich ließ mich jeden Tag nach getaner Studienarbeit wieder in diese desolate Situation fallen. Mein Leben stagnierte jetzt auch. Ich bekam ernsthafte Depressionen.

Als ich mich mit 29 endlich, endlich doch zum Examen angemeldet hatte, ging ich bereits am Stock. Und ich brach jetzt, wo es so wichtig war zu funktionieren, komplett zusammen. Eine weitere Ursache bestand in einem Konflikt, den ich mit meiner damaligen Chefin hatte. Ich hatte für eine Professorin gearbeitet, die mir nun noch kurz vor den Prüfungen aufs Brot schmierte, welch schechte Tochter ich wäre, wenn ich meine Mutter im Stich ließe. Mir war aber klar, dass ich nicht bei meinen Eltern wohnen bleiben und meinem Beruf nachgehen könnte. Ausgeschlossen. Ich brach nun im Examen zusammen und kam in eine Tagesklinik.

Und dann ging alles ganz schnell. Vier Monate später bezog ich meine eigene Wohnung. Meine Mutter begriff nicht so richtig, dass ich auszog. Mein Vater gab mir mehrere Dinge mit auf den Weg: "Du lässt jetzt 2 alte Menschen allein. ... Was willst du denn allein in der Wohnung machen? Das wird sehr einsam." Nun gut, weiter im Text. Ich liebe diesen Mann trotz allem sehr, aber ich schreibe jetzt hier weiter.

Ich machte dann mein Examen mit 1.0. Das musste sein. Ich hab es verdient, verdammt nochmal. All die viele Arbeit, all die Jahre. Zuvor lernte ich aber noch meinen ersten (na ja, wenn man so will, zweiten) Freund kennen. Ich dachte erst, er sei schwul. Darum konnte ich auch so locker mit ihm ins Kino gehen. Ich merkte aber bald, dass er, sagen wir mal, Ambitionen hatte. Wir landeten sofort im Bett. Er wollte mit mir zusammen sein, ich war nicht verliebt und sagte erst einmal nein. Er ließ nicht locker, ich überlegte es mir. Wir hatten dann eine Menge Sex, aber er ließ mich nicht wirklich an sich ran.

Es gab auch wirklich Verstörendes. Eigentlich hätte ich schon nach kürzester Zeit Schluss machen können. Nach ein paar Tagen erzählte er mir völlig locker, dass er bi sei und auch schon was mit Männern gehabt habe. Ich übte mich in Toleranz, bemühte sogar den kategorischen Imperativ, aber ich wollte eigentlich, na ja, einen richtigen Mann halt. Mit meiner ersten Einschätzung ("Toll! Noch ein Schwuler in meinem Leben!") hatte ich also nicht so falsch gelegen. Es kam aber noch etwas hinzu. Als ich ihn zum ersten Mal in seiner Wohnung besuchte, zeigte er mir ... Frauenkleider. Frauenkleider, die er manchmal trug, weil ihn das scharf machte. Ich hab mein Gesicht im Kopfkissen vergraben und tief durchgeatmet. Mein erster Impuls war: "Das kann ich nicht!!!" Aber ich sprach es nicht aus. Ich wollte einen Freund, wollte nicht mehr allein sein. Meine familiäre Situation war eine Katastrophe, und ich hatte in meinem besten Freund den einzigen konstanten und verlässlichen Halt. Und die Familie meines Freundes liebte mich. Und ich sie. Und ich konnte mich auch wieder von ihm anfassen lassen. Es war jetzt keine wirkliche Beziehung zwischen Mann und Frau mehr für mich., aber irgendwas war es.

Ich hätte so weitergemacht, wenn er mehr Zeit und emotionales Engagement in unsere Beziehung investiert hätte. Als ich aber wegen meiner Mutter und wegen des Examens wieder angespannter wurde, machte er Schluss. Meine Mutter kam dann im Sommer 2006 auf eine Demenzstation. Die behandelnde Ärztin vermutete, dass meine Mutter schon seit vielen Jahren an Schizophrenie litt. Sie stellte meine Mutter medikamentös ein, aber nach ihrer Entlassung war alles sofort wieder wie gehabt. Meine Mutter setzte die Tabletten einfach ab. Eine weitere Ärztin kam. Und ich hörte von diesen beiden Ärztinnen erstmals, dass kein Mensch das alles allein hätte wuppen können. Ich hatte ja all die Jahre gedacht, dass ich nicht richtig funktionierte. Nein, hieß es nun, ich hätte sogar viel zu gut innerhalb dieses Systems funktioniert. Wäre ich schneller zusammengeklappt, wäre meine Mutter in einem noch nicht so fortgeschrittenen Stadium untersucht worden. Meine beiden Brüder hatten übrigens bekundet, dass meine Mutter halt komplett meine Sache sei. Dass sie den beiden den Hintern hinterhergetragen hatte, interessierte jetzt nicht mehr. Beide blieben dem Haus fern.

Schnitt. Zurück zu den Männern. Im November 2006 traf ich auf einer Geburtstagsfeier einen ehemaligen Schulkameraden der Gastgeberin - einer Frau, mit der ich über 4 Jahrer zusammengelebt und fast 15 Jahre befreundet gewesen war. Er interessierte sich jetzt wieder für sie (Die beiden hatten in der Schulzeit füreinander geschwärmt, aber nichts miteinander angefangen), und sie erzählte mir und dem Rest der Welt lang und breit und laut und deutlich, dass sie nichts mit ihm anfangen wolle. Was soll ich sagen? Ich war deprimiert, wollte nicht allein sein, sagte ihm das, er nahm mich mit zu sich nach Hause. Und dann hatten wir Sex, und er zwang mir Sachen auf, die ich nicht machen wollte. Sein Kommentar war nur: "Ach, das geht schon." Wochenlang behielt ich dieses Erlebnis für mich. Dann schrieb ich meiner Freundin davon. Keine Reaktion. Ich versuchte 2 Wochen lang, sie zu erreichen. Als ich sie dann in ihrer Wohnung vorfand, machte sie mich über 4 Stunden lang klein. Das mit dem X sei zwar schlimm, aber der X sei trotzdem ein guter Mensch. Von dieser Sache zu erfahren habe sie angewidert. Und überhaupt. Unsere Freundschaft habe aus ihrer Sicht schon seit Jahren nicht mehr bestanden. Er habe mich doch nur so behandelt, weil er sie nicht kriegen konnte. Und dann tischte sie mir noch die letzten 4, 5 Jahre unserer Freundschaft auf; Sachen, über die wir längst geredet hatten. Dinge, die zu einem guten Teil gar nichts mit ihr zu tun gehabt hatten. Alles nur, weil sie sich nun erstaunlicherweise daran erinnert hatte, welch zarte Jugendliebe doch zwischen ihr und diesem Mann mal vorhanden gewesen war. Ich habe seither nichts mehr von ihr gehört. Ich hatte ihr eine Erinnerung kaputt gemacht. Sie wollte den Jugendfreund bis zu dem Tag, an dem sie von der Geschichte zwischen ihm und mir erfuhr, nichts. Man sagt ja häufig, dass Dinge/Menschen erst dann interessant werden, wenn sie einem nicht mehr selbstverständlich sein können. Das ist wohl hier geschehen. Nun gut, langjährige Freundschaft kaputt. Ich habe ja auch so viele davon. :? Ich weiß nicht, was ich schlimmer finde: die Erniedrigung durch ihn oder die durch sie.

Nun gut. Ich bin jetzt im Referendariat, stehe vor Kindern und Jugendlichen. Ich weiß nicht, ob ich das durchhalte. Ich bin gewissenhaft, fleißig, interessiert, aber ich bin ebenso müde, einsam und extrem wütend. Der Typ, für den ich mich letztens interessiert habe, ist ein Kollege. Er hat eine Freundin, ja, aber da lag auf Anhieb was zwischen uns in der Luft. Sexuelle Anziehung. Tja, und er ließ mich erst mal dahinschmelzen. Er ist Musiker (Klischee rauskram). Er singt wie ein junger Gott. Und ich hab rechtzeitig die emotionale Notbremse gezogen. Erstens ist er vergeben, zweitens spielt er in einer ganz anderen Liga. Der sieht viel zu gut aus, kann viel zu gut flirten. Und überhaupt. Musiker. Aber ja, ich kann mich noch verknallen. Weiß auch nicht, woher ich das nehme. Hormone wahrscheinlich.

Das war es erst einmal von mir. Hoffe, ihr konntet diesen in einem Rutsch verfassten Text gut nachvollziehen. Eine gute Nacht wüscht euch
News #
(die sich wünscht, mehr Kohärenz in Texte und Leben bringen zu können).
Lucia1977 - 20.04.2007, 18:52

Liebe News,

ich habe deine Vorstellung schon heute Früh gelesen und denke seitdem darüber nach, was ich dir schreiben möchte. Mir fällt beim besten Willen nichts ein, was auch nur annähernd dem nahekommt, was ich empfinde. Ich fühle mich dir verbunden, bin zwar (schon rein biographisch) völlig anders als du, aber dennoch... Ach, das klingt jetzt wohl ein wenig abgedroschen.

Aber eins - so von Schwester zu Schwester :D :
news hat folgendes geschrieben: Aber ja, ich kann mich noch verknallen. Weiß auch nicht, woher ich das nehme. Hormone wahrscheinlich.
Habe das so ähnlich bezüglich meiner biologischen Uhr in einem anderen Thread geschrieben :) und angefügt: Es lebe der Selbstbetrug! 8)
Damit will ich das gar nicht runtermachen, sondern mich schützen, denn soll ich bei all der Grübelei auch noch darüber nachdenken? Nein, alles hat seine Zeit und die Hormone sind für das laute Ticken der biol. Uhr ebenso verantwortlich wie für das Verlieben - punktum! :wink:

Ich heiße dich allerherzlichst willkommen hier !!!

Liebe Grüße
Lucia
Anonymous - 20.04.2007, 20:40

Hallo Lucia!

Lucia1977 hat folgendes geschrieben: Liebe News,

news hat folgendes geschrieben: Aber ja, ich kann mich noch verknallen. Weiß auch nicht, woher ich das nehme. Hormone wahrscheinlich.
Habe das so ähnlich bezüglich meiner biologischen Uhr in einem anderen Thread geschrieben :) und angefügt: Es lebe der Selbstbetrug! 8)
Damit will ich das gar nicht runtermachen, sondern mich schützen, denn soll ich bei all der Grübelei auch noch darüber nachdenken? Nein, alles hat seine Zeit und die Hormone sind für das laute Ticken der biol. Uhr ebenso verantwortlich wie für das Verlieben - punktum! :wink:

Ich heiße dich allerherzlichst willkommen hier !!!

Liebe Grüße
Lucia

Vielen Dank für den Willkommensgruß! Leider konnte ich nicht ermitteln, auf welchen Beitrag du hier Bezug nimmst. Biologische Uhr ... ja, das beschäftigt mich auch. Ehe ich jetzt hier dazu etwas schreibe, könntest du mir vielleicht Thread-technisch auf die Sprünge helfen? LG
News.
Lucia1977 - 20.04.2007, 21:19

Hallo News,
klar kann ich dir da auf die Sprünge helfen, hätt es ja auch gleich dazuschreiben können :roll:
Das war im Thread "Entjungferung um welchen Preis?" eines meiner letzten Postings.

LG
L.
Ms. Desperate - 28.04.2007, 21:34

Hi News,

meine Antwort kommt leider etwas spät (bin von dem neuen Thread hierhin gekommen), aber ich wollte unbedingt etwas dazu schreiben.
Zuerst: deine Geschichte hat mich sehr berührt und ich wünsche dir noch weiterhin viel Kraft im Umgang mit deiner Familie. Ich finde, eine Familie ist das Allerwichtigste, weil diese Menschen die einzigen sind, die IMMER zu dir stehen werden.
Zu deiner jetzigen Situation mit deinem Kollegen: das kann ich voll nachvollziehen (wie wahrscheinlich viele andere hier auch). Ich habe die Neigung, mich immer in Männer zu vergucken, die extrem selbstbewusst sind, was völlig daneben ist, da ich selbst überhaupt nicht selbstbewusst bin. Na ja, ich bin es halt in beruflichen Dingen, oder wenn ich im Alltag mit Menschen umgehe (zumindest mit denen, zu denen ich keinen längeren Kontakt habe). Nur ist das Problem, dass die meisten Menschen, die im Beruf selbstbewusst sind, es im Privatleben, und zwar auch im Umgang mit dem anderen Geschlecht, auch sind!! Ich kann absolut nachvollziehen, wie du dich dabei fühlst, ich fühle mich in den Situationen, in denen ich vor solchen Männern stehe, immer wie früher in der Schule, wenn ich vor dem coolsten Jungen der Klasse stehe und nicht weiss, wie ich mit ihm reden soll, weil ich eben nicht weiss, wie coole Leute miteinander reden. Wenn ich dann normal mit ihnen rede, so, wie ich halt mit allen Leuten rede, merken sie nicht, dass ich sie mag, und dann ist dann halt auch schon die Luft raus.
Wollte dir nur mal sagen, dass du nicht die Einzige bist...

Viele Grüße,

Die Verzweifelte
Monk - 28.04.2007, 21:35

Hallo News!

Zunächst muss ich gestehen, dass mich Dein Frustthread auf Deine Vorstellung gebracht hat.
Für mich warf sich die Frage auf, warum ist die so unzufrieden. So suchte ich also nach einer Antwort in Deinem Vorstellungstext.

In erster Linie kann ich verstehen, dass Du unzufrieden wegen Deiner Situation bist. Deine Entwicklung war in der Tat zu keinem Zeitpunkt leicht. Man könnte jetzt argumentieren, dass Gott -so man an ihn glaubt- dem Menschen nie eine schwerere Last aufbürdet, als er auch im Stande wäre zu tragen. Es kann sein, dass man diesen Satz als Stanze zu den anderen Phrasen zählt, aber ich denke, dass er in Bezug auf Deine Person zumindest eine Bedeutung hat. Es war nie leicht für Dich, genauer gesagt, es war ziemlich schwer für Dich, aber, Du hast es überstanden. Auch wenn Du nicht glücklich bist, aber Du hast Dich Deinen Problemen gestellt, bist nicht vor ihnen davon gelaufen.

Unsere Biographien gleichen sich in zwei Punkten. Ich lebte mit meiner Mutter zusammen, die seit meiner Geburt (sie sagte auch gerne durch meine Geburt) an MS leidet. Ich kann somit verstehen wie es ist, wenn ein Elternteil geistig abbaut und auf dich angewiesen ist.
Ich hatte in dieser Zeit mein Abitur und mein beginnendes Studium zu absolvieren.
Zum anderen war ich auch übergewichtig und hatte in meiner Schulzeit auch keinen leichten Stand. Ich nahm ebenso drastisch ab wie Du.
Ich erwähne dies nur, um Dir zu sagen, dass ich mit etwas Substanz von dem rede, was Dich auch angeht.

Ich möchte Dir meine Anerkennung dafür aussprechen, dass Du trotz dieser Schwierigkeiten Deine Mutter nicht sofort verlassen hast und bei ihr geblieben bist, solange es eben ging. Ebenfalls gebührt Dir Anerkennung für die Erlangung Deines Examens und für dieses herausragende Ergebnis.

Man könnte nun sicherlich ein Examen einfach abtun und sagen, dass es willkommene Flucht war, um sich Problemen nicht zu stellen. Aber ich glaube indes, dass ein bestandenes Examen auch gewisse Kompetenzen fordert, die über das Wissen um den Stoff hinausgehen. Das unterscheidet Absolventen von Abbrechern und Du hast nicht abgebrochen. Sogar im Gegenteil, Du hast versucht, es so gut wie möglich zu machen. Glaube es, dies verlangt Stärke, die Du bereits bewiesen hast -nicht zuletzt auch in der Situation mit Deiner Mutter, während Andere sich aus der Verantwortung gestohlen haben.

Als Subsumtion meiner Betrachtung möchte ich Dir meine Sichtweise anbieten, dass Du kein schwacher Mensch, sondern ein außergewöhnlich starker Mensch bist. Du hast hohe Problemlösungskompetenzen und persönliche Integrität, welche sich nicht zuletzt durch die praktische Anwendung des kantschen Imperativs im Alltagsleben zeigt. Daraus folgernd bist Du kein Versager oder ein Mensch, der aufgibt.
In Anlehnung an Deinen Frustthread wage ich die Prophezeiung, dass Du auch diesmal nicht aufgeben wirst!

Deine Selbstreflektion ist nicht deckungsgleich mit dem, was Deine Biographie darstellt. Auch wenn der gewährte Einblick in Dein Leben begrenzt ist, so gibt doch wenigstens dieser mir Anlass und Sicherheit Dir ein positiveres Selbstbildnis nahe zulegen.

Mal wieder, mit der Bitte um Entschudligung für ein langes Posting,

Gruß
Monk
Anonymous - 29.04.2007, 12:25

Hi Ms Desperate,

Ms. Desperate hat folgendes geschrieben: Hi News,
Ich finde, eine Familie ist das Allerwichtigste, weil diese Menschen die einzigen sind, die IMMER zu dir stehen werden.

Das kann ich leider nicht bestätigen. Ich bin froh, wenn mir meine beiden Halbbrüder nicht noch das Fell über die Ohren ziehen, wenn unser Vater mal stirbt und die Erbschaftsfrage geklärt werden muss. Es ist alles sehr unappetitlich. Derzeit strahlen sie ja durch komplette Abwesenheit. Is klar, meine Mutter bedeutet ja auch ausschließlich Stress, und Vattern ist nur willkommen, wenn er nicht zu viel nörgelt. Die Geschwister meiner Mutter haben sich einmal eingefunden, ihren desolaten Zustand erfasst und umgehend kehrt gemacht. Mein Vater hat in meiner Erziehung viel falsch gemacht, steht bei mir aber dennoch unter Artenschutz, weil er mittlerweile alt und dementsprechend verletzlich ist. Er wohnt ja noch mit meiner Mutter unter einem Dach. Ich muss aber ihn stützen, nicht umgekehrt. Das sagt er mir auch in aller Regelmäßigkeit.
Familien geben häufig keinen Halt. Im Gegenteil. Guck dir Herrschaftshäuser an. Da haben sich Geschwister sogar schon gegenseitig abschlachten lassen.

Zitat: Ich kann absolut nachvollziehen, wie du dich dabei fühlst, ich fühle mich in den Situationen, in denen ich vor solchen Männern stehe, immer wie früher in der Schule, wenn ich vor dem coolsten Jungen der Klasse stehe und nicht weiss, wie ich mit ihm reden soll, weil ich eben nicht weiss, wie coole Leute miteinander reden. Wenn ich dann normal mit ihnen rede, so, wie ich halt mit allen Leuten rede, merken sie nicht, dass ich sie mag, und dann ist dann halt auch schon die Luft raus.
Wollte dir nur mal sagen, dass du nicht die Einzige bist...

So ist es! Daran hatte ich gar nicht gedacht. Ich komme mir noch wie das Schulmädchen vor, das jemanden heimlich bewunderte und nie an ihn herankam. Wie es ausgegangen wäre, wenn ich es versucht hätte, mag ich mir gar nicht ausmalen. Heute bin ich attraktiver, aber durch meine psychische Labilität doch noch immer nicht auf gleicher Höhe. Das möchte ich ihm nicht zeigen. Er kann vergleichbar attraktive und noch deutlich attraktivere Frauen haben. Dabei kann er auch solche wie mich - Frauen mit psychischen Defiziten - aussieben. Warum sollte er das nicht tun?

Viele Grüße zurück,
News
Anonymous - 29.04.2007, 13:02

Hallo Monk!

Monk hat folgendes geschrieben: Hallo News!

In erster Linie kann ich verstehen, dass Du unzufrieden wegen Deiner Situation bist. Deine Entwicklung war in der Tat zu keinem Zeitpunkt leicht. Man könnte jetzt argumentieren, dass Gott -so man an ihn glaubt- dem Menschen nie eine schwerere Last aufbürdet, als er auch im Stande wäre zu tragen. Es kann sein, dass man diesen Satz als Stanze zu den anderen Phrasen zählt, aber ich denke, dass er in Bezug auf Deine Person zumindest eine Bedeutung hat. Es war nie leicht für Dich, genauer gesagt, es war ziemlich schwer für Dich, aber, Du hast es überstanden. Auch wenn Du nicht glücklich bist, aber Du hast Dich Deinen Problemen gestellt, bist nicht vor ihnen davon gelaufen.

Gestern habe ich ja wohl einen recht blasphemischen Satz von mir gegeben, aber eigentlich bin ich ja ein im christlichen Sinne gläubiger Mensch, der nicht versteht, weshalb das alles so sein muss. Ich habe Gott schon mehrmals gesagt, dass er mich überschätzt. Wie oft ich ihn schon darum gebeten habe, mir mal einen wirklich liebenswerten Mann vorbeizuschicken, kann ich gar nicht mehr nachvollziehen. Mittlerweile bitte ich gar nicht mehr darum. Ich hülle mich in Schweigen, setze voraus, dass er meinen alten Wunsch noch kennt, setze ebenfalls voraus, dass es ihm nach wie vor egal ist, ob ich allein bin oder nicht.
Gläubige Menschen könnten jetzt einwenden, dass Gott uns immer vor die Wahl stelle und dass er auch kein Bestelldienst sei. Dagegen könnte ich nichts einwenden. Ich gebe da Verantwortung ab, sicher, aber warum sollte ich auch alles allein tragen können? Nehme ich alles auf mich, wird es mir zu viel. Dann ist das Ganze richtig erschlagend, eben erdenschwer. Das ist die schlimmere Variante. Vielleicht habe ich eben aus gutem Grunde ein so einfaches Gottesbild. "Hilf mir, lieber Gott. Ich weiß nicht weiter... Warum hilfst du mir nicht?"


Zitat: Aber ich glaube indes, dass ein bestandenes Examen auch gewisse Kompetenzen fordert, die über das Wissen um den Stoff hinausgehen. Das unterscheidet Absolventen von Abbrechern und Du hast nicht abgebrochen. Sogar im Gegenteil, Du hast versucht, es so gut wie möglich zu machen. Glaube es, dies verlangt Stärke, die Du bereits bewiesen hast -nicht zuletzt auch in der Situation mit Deiner Mutter, während Andere sich aus der Verantwortung gestohlen haben.

Meine Mutter sollte am Tag meiner ersten mündlichen Prüfung eingeliefert werden. Den ganzen Tag lang saß ich auf heißen Kohlen. Es machten sich wieder die alten Gewissensbisse gepaart mir dem üblichen Schuss Ratlosigkeit in mir breit. Als ich an dem Tag nach Hause kam, fühlte ich mich wie ein altes Handtuch, obwohl notentechnisch alles so gut gelaufen war. Dann erfuhr ich, dass die Einlieferung verschoben worden war.

Zitat: Als Subsumtion meiner Betrachtung möchte ich Dir meine Sichtweise anbieten, dass Du kein schwacher Mensch, sondern ein außergewöhnlich starker Mensch bist. Du hast hohe Problemlösungskompetenzen und persönliche Integrität, welche sich nicht zuletzt durch die praktische Anwendung des kantschen Imperativs im Alltagsleben zeigt. Daraus folgernd bist Du kein Versager oder ein Mensch, der aufgibt.
In Anlehnung an Deinen Frustthread wage ich die Prophezeiung, dass Du auch diesmal nicht aufgeben wirst!

Derzeit bin ich einfach nur extrem müde. Ich würde mich am liebsten ins Bett legen und gar nicht mehr aufstehen, aber das habe ich bislang nie durchgehalten. Insofern hast du wahrscheinlich Recht. Ich kenne Leute, die dann tatsächlich schon liegen geblieben sind, obwohl ihre Biographien nicht ganz so düster aussahen. Als ich in der Tagesklinik mit den anderen Patienten über meine bisherigen Erfahrungen sprach, hieß es, dass meine Situation die schwierigste sei und dass es darum auch erstaunlich sei, wie viel ich im Vergleich zu ihnen doch noch wuppen könnte. Ich war die einzige, die sich keine Medikamente verschreiben ließ. Ich war, soweit ich weiß, auch die einzige, die ihr Leben nach dem Klinikaufenthalt radikal umzukrempeln versuchte (eigene Wohnung, habe mit dem Rauchen aufgehört und mit Sport angefangen, Examen, ein neues Hobby, neuer Job). Jetzt habe ich Angst, irgendwann nicht mehr zu können. Ich wünsche mir so stark einen Partner, dass es schon bald körperlich weh tut. Träume ständig davon, meinen Schwarm zu küssen. Mist!

Zitat: Deine Selbstreflektion ist nicht deckungsgleich mit dem, was Deine Biographie darstellt. Auch wenn der gewährte Einblick in Dein Leben begrenzt ist, so gibt doch wenigstens dieser mir Anlass und Sicherheit Dir ein positiveres Selbstbildnis nahe zulegen.

Nach dem 4 Stunden währenden Gespräch mit meiner Freundin war ich total fertig. Ich dachte wirklich, dass ich das Letzte sei. Aber dann wurde ich richtig wütend. Sie meinte u. a., dass meine Psychotherapie nichts gebracht habe; ob ich es denn nicht mal mit einer Verhaltenstherapie versuchen wolle. Dabei mache ich doch gerade eine Verhaltenstherapie! Außerdem ist sie mir damit viel zu nahe getreten. Ich denke, man darf niemandem sagen, dass eine Therapie nichts gebracht habe. Es stimmt auch einfach nicht. Siehe oben! Schlimm fand ich auch, dass sie meinte, dass ich mich erst gar nicht um einen Lebensgefährten aus einem intakten Elternhaus bemühen solle. So jemand habe schon einen intakten Background und bräuchte anders als ich keinen weiteren Halt. Ich solle mir jemanden mit einem vergleichbar unsicheren Hintergrund suchen. Daran wäre auch unsere Freundschaft gescheitert. Sie habe mich nicht so gebraucht wie ich sie. Thank you very much. Das hat gesessen und wird sich auch nicht so leicht aus meinem Gedächtnis streichen lassen. Ich glaube, dass sie so nachgetreten hat, weil sie mir die Sache mit ihrem Jugendschwarm extrem übel nahm.

Zitat: Mal wieder, mit der Bitte um Entschudligung für ein langes Posting,


Du entschuldigst dich, und ich danke dir.

LG News

Zitat:
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