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Verfügbare Informationen zu "Angriff auf Astranaar"

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Eldragas - 10.04.2007, 11:11
Angriff auf Astranaar
Der rothaarige Blutelf lehnte gegen die Wand im oberen Geschoss der Wolfshalle. Sein Blick ruhte auf Llarrian, deren Körper von Fellen umhüllt war. Auf ihrer Stirn glänzten kleine Schweißperlen, und ihre ausgetrockneten Lippen, die er hin und wieder mit einem nassen Tuch befeuchtete, formten nahezu lautlose Silben. Eldragas Flammentänzer unternahm einen erneuten Versuch, seinen Blick von ihrem Gesicht loszureißen und sich auf das Pergament zu konzentrieren, das vor ihm auf den Beinen ruhte. Zuerst schrieb er zaghaft die ersten Buchstaben mit leicht krächzender Gänsefeder auf das Pergament. Dann, als der Bann der ersten Worte gebrochen war, glitt diese weniger zögerlich über die glatte Oberfläche.


Bericht von Hauptmann Eldragas über den Auftrag von Merodis Dornenmeer am 24. Tage des dritten Mondlaufs.

Erst verschmäht, dann flehentlich um Hilfe ersucht - so würde ich den Beginn unseres Auftrages beschreiben. Vor Wochen begab ich mich, in wallende Roben und eine weite Kapuze gehüllt, nach Silbermond, um dort mit einem Sin´dorei namens Merodís Dornenmeer zu sprechen. Er hatte mir die Mitteilung zukommen lassen, dass er einen Auftrag für unsere Söldnerschar habe. Ich traf den alten Mann. Leicht gebückt saß er in einer dunklen Ecke in einer der verruchteren Schenken Silbermonds vor mir, sein Gesicht von fahlem Kerzenschein erhellt. Er berichtete mir von Gegenständen, die er - ein Magister - für seine arkanen Studien benötigte.

Ich solle ihm von der Bruderschaft erzählen, forderte er mich auf. Recht schnell bemerkte ich, dass das, was ich zu berichten hatte, ihm offensichtlich nicht sonderlich gefiel. Ich weiß nicht, was an meiner Rede ihn argwöhnisch werden ließ. Und ich fragte ihn auch nicht danach. Als sich unsere Wege trennten, gab er mir auf den Weg, er würde sich beizeiten bei mir melden - ein sicheres Zeichen, dass wir den Auftrag nicht bekommen würden.

Zwei Wochen danach ereilte mich Kunde eines Vertrauten in Silbermond. Merodis habe sich voller Verzweiflung an ihn gewandt, um die Hilfe der Bruderschaft zu ersuchen. Er habe einem Haufen Orcs, der sich selbst "Blutige Klaue" nannte, jenen Auftrag erteilt, den er uns vorenthalten hatte. Doch die Söldner waren auf dem Weg aufgerieben worden. Einer der Orcs hatte sich retten können. Die anderen sieben waren offenbar gefallen. Der Überlebende berichtete dem Magus, die "Klaue" habe das Lager an einem See nahe der Nachtelfensiedlung Astranaar aufgeschlagen - im Gepäck drei Gegenstände, die für Merodís Dornenmeer bestimmt waren. Doch des Nachts seien sie von den Kal´dorei überrascht worden. Der überlebende Orc habe sich in die Wälder schlagen können. Was mit den anderen, vor allem aber mit den drei Dingen geschah, wisse er nicht.

Genugtuung, dass der Blutelfenmagus nun doch als Bittsteller an uns heran getreten war, fühlte ich nicht. Mich beschlich stattdessen das Gefühl, dass unsere Aufgabe gefahrvoll werden würde. Ich handelte einen entsprechend guten Sold für uns alle aus. Jeder Sold konnte der letzte sein, rief ich mir ins Bewusstsein - zumal bei einem Auftrag, der uns abermals tief in Feindesland führen würde.

Die Wölfe versammelten sich im Splitterholzposten, einem Hordenlager tief im Eschental. Von dort, so wussten wir, war es nicht allzu weit bis nach Astranaar. Der zehnköpfige Trupp brach auf. Llarrian war nicht bei uns - sie war von mir beauftragt worden, ein wichtiges Gespräch in Orgimmar zu führen. Wir schlugen uns in das dichte Blattwerk abseits der Wege. Wir wollten auf unserem Weg nicht gesehen werden. Nach einem längeren Fußmarsch erreichten wir das Ufer eines Sees, in dessen Mitte sich eine kleine Stadt erhob. Die Bauart der Häuser wies einedeutig darauf hin, dass es sich um Astranaar handeln müsse.

Wir umrundeten den See, immer auf der Suche nach dem Lager, das die Orcs aufgeschlagen haben mussten. Dann sahen wir es: Spuren einer Schlacht. Sechs Orcs waren niedergemetzelt worden, offenbar überraschend, während sie am Lagerfeuer schliefen. Sie trugen nicht einmal Rüstungen. Nur einer der Grünhäute hatte überlebt. Er lag inmitten seiner gefallenen Kameraden.

Nur widerwillig ließ sich der stark behaarte Orc von uns helfen. Uns gelang es, seine Wunden ausreichend zu versorgen, um ihn vor dem Verbluten zu retten. Zähneknirschend, aber wohl ein wenig dankbar, berichtete uns der Orc von dem Überfall auf seinen Trupp, von den Angreifern und der Beute, die sie gemacht hatten.

Ein Spähtrupp der Nachtelfen von Astranaar hatte die ruhenden Orcs offenbar entdeckt. Mit einigen Wachen aus dem Dorf waren sie über die zahlenmäßig deutlich unterlegenen und unvorbereiteten Söldner hergefallen und hatten sie mühelos niedergemacht. Unter ihnen, so berichtete der Orc, war auch eine "Weltraumschlampe", ein Begriff, der zunächst ein Stirnrunzeln bei uns hervorrief, den wir jedoch bald dem Volk der Draenei zuordnen konnten. Ein wichtiger Hinweis, der uns bald zu unserem Ziel führen sollte. Die Angreifer hatten die Fracht des Orc-Trupps an sich genommen: In Kisten verpackt waren das die Skulptur eines Sichelmondes, eine kristallene Schale, in die Runen eingeätzt waren, und ein in dunkles Drachenleder geschlagener Foliant, ein arkanes Schriftwerk.

Ich wollte nicht, dass die Wölfe ins Ungewisse hetzten. So ließ ich den Ort auskundschaften. Takoja als schattenhafte Katze und die Meisterin der Tarnung, Tais, leisteten ganze Arbeit und spähten das Gebäude aus, in dem die Beute gelagert war. Es lag im nordwestlichen Teil Astranaars. Ich spielte kurz mit dem Gedanken, die Wachen ablenken zu lassen und in der gestifteten Verwirrung die Gegenstände zu ergreifen. Doch nach kurzem Abwägen entschieden wir uns für einen frontalen Angriff. Wir waren uns sicher, dass wir gegen die Wachen für eine Weile bestehen und Astranaar verlassen konnten, bevor Verstärkung aus Reihen der Allianz eintreffen würde.

Takoja bestand zuvor darauf, die Leichen der Orcs unter die Erde zu bringen. Vermutlich fürchtete er deren rachsüchtige Geister, die uns in der anstehenden Schlacht für den Frevel, sie nicht bestattet zu haben, bestrafen würden. Dann traf auch Llarrian ein und berichtete mir von ihrer gescheiterten Mission - ein Scheitern, für das sie nichts konnte.

"Für die Wölfe! Für das Rudel!" Mit diesem Schlachtruf stürmten wir auf Astranaar zu. Die Nachtelfen-Wachen stellten sich uns mutig in den Weg, wurden jedoch von Pfeilen gefällt, von Flammen versengt oder im Klingenwirbel niedergemacht. Wie es die Söldnerehre gebietet, sparten wir die Bewohner des Ortes aus und kämpften uns zielstrebig bis zum ausgespähten Gebäude vor.

Ich erbickte eine Draenei, jene vom überlebenden Orc erwähnte "Weltraumschlampe", am Eingang. Auch diese Kriegerin konnte der geballten Macht des Rudels nichts entgegensetzen. Wir eilten hinein, und schnell waren Schale und Skulptur im unteren Geschoss gefunden. Während meine Wölfe und ich den Eingang gegen immer neue Wellen von angreifenden Wachen verteidigten, suchten einige von uns oben verzweifelt nach dem Folianten. Erst als dieser gefunden war, konnten wir abziehen.

Als ich den Abzug befahl, sah ich sie: die Tote. Es war eine Nachtelfe, die weder Rüstung noch Waffe trug, die eher nach einer Handwerkerin aussah als nach einer Kriegerin, die nun aber in ihrem eigenen Blut in diesem Gebäude lag. Ich zögerte einen Augenblick, als mich eine Welle aus Zorn und unerklärlicher Trauer über diesen sinnlosen Tod erfasste. Doch ich ließ mir den anderen gegenüber nichts davon anmerken und eilte mit grimmer Miene hinaus aus der kleinen Siedlung, den Wölfen voran, die Beute im Gepäck.

Ein verwegener Nachtelf nahm die Verfolgung auf. Ich weiß nicht, ob es Torheit oder Tapferkeit war, die ihn zu diesem aussichtslosen Angriff trieb. Er legte Pfeil um Pfeil auf die Sehne und jagte sie uns hinterher. Als er sich einigen von uns bedrohlich näherte, blieb mir keine Wahl und kehrte mit ein paar Söldnern an meiner Seite unwillig um. Wir stellten ihn und streckten ihn nieder.

Unser Weg war nun frei. Wir hatten alles, was wir wollten und eilten in den sicheren Hafen einer von Orcs bevölkerten Siedlung am Zoramstrand im Norden Eschentals. Dort wischten wir das Blut von unseren Klingen und den Schweiß von unseren Leibern. Ich fühlte mich aufgewühlt von unserem Erfolg und gleichzeitig zermattet.

Llarrian war an meiner Seite, und darüber war ich dankbar. Wir legten die Arme umeinander und sinnierten. Wie nach jeder Schlacht, wenn sich der Herzschlag wieder beruhigt, fühlte ich eine seltsame Leere in mir. Ich bin ein Krieger. Ein Söldner. Mein Beruf ist das Kämpfen, ich bin erfüllt von dem Glauben, das Richtige zu tun. Doch wann würde ich mich endlich daran gewöhnen zu töten? Noch lange sah ich den leeren Blick der Nachtelfe vor mir. Erst die sanfte Berührung Llarrians befreite mich aus diesen trüben Gedanken.
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