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RabeN - 27.03.2007, 18:54
Alexithymie
Gerade habe ich im TV-Programmheft gelesen und bin über folgendes gestolpert, was mich zu einem Besuch auf wikipedia verleitete etc.:
Heute Abend um 22.15 Uhr im ZDF:
37°: Herz aus Eis (Reportage) Warum manche Menschen nicht fühlen (Anmerkung: Es geht um Menschen mit Alexithymie. Diese sind unfähig, Gefühle hinreichen wahrzunehmen und zu verarbeiten.)
Wie gesagt: Auf wikipedia gibts einen Artikel über das Thema und die entsprechenden Links.
Warum ich das hier reinstelle? Nun ja, bekanntlich gibts ja alle möglichen Gründe, warum Menschen zu ABs werden. Vielleicht ja auch diesen? Stutzig geworden bin ich zB. bei folgendem Absatz:
Zitat: Im Alltag fallen Alexithyme in der Regel nicht auf. Kaum einer von ihnen geht zum Arzt und lässt sich testen, weil ihm die Frau Gefühllosigkeit vorwirft, er schwer Freundschaften schließt und nie auf Partys eingeladen wird. Und falls doch einmal einer ärztliche Hilfe sucht, dann meist wegen psychosomatischer Krankheiten. Denn die Körper von Gefühlsblinden stehen häufig unter diffuser Anspannung und Dauerstress. Viele von ihnen leiden an Kopfschmerzen, Bluthochdruck oder anderen Symptomen, für die es keine unmittelbare Ursache gibt.
Zitat aus: http://www.zeit.de/zeit-wissen/2006/02/Gefuehllose
Einmal AB - immer AB? :fessel:
noname - 27.03.2007, 20:47
Wenn ich kann, werd ich mir 37° mal anschauen, vielen Dank!
Mein Feedback in der Beziehung sieht so aus, dass mir einerseits gesagt wird, ich sei eiskalt aber andererseits, ich könnte gut zuhören und mich gut in andere hineinversetzen...das soll einer verstehen ;)
mfg
noname
Fotograf - 28.03.2007, 23:45
Re: Alexithymie
RabeN hat geschrieben:
Zitat: Warum ich das hier reinstelle? Nun ja, bekanntlich gibts ja alle möglichen Gründe, warum Menschen zu ABs werden. Vielleicht ja auch diesen?
Ich habe die Sendung gesehen, weil mich das Thema auch sehr interessierte.
Ich hatte nie zuvor von dieser Krankheit gehört, wenn man die Alexihymie überhaupt als Krankheit bezeichnen kann. Es scheint wohl eher eine seelische Störung zu sein.
Die Betroffenen, die sich in der Sendung zum Thema äußerten, waren auch keine ABs. Es war u.a. die Rede von Ehepartnern, Kindern, usw.
Ich glaube nicht, daß Alexyhymie-Betroffene auch automatisch zu ABs werden. Die Unfähigkeit, Gefühle zu entwickeln und zu zeigen, führt nicht gleichzeitig zu einer ungewollten Beziehungslosgkeit. Die Gründe für ein Dasein als AB sind mit Sicherheit auch eher seelischer Natur, jedoch sind die meisten ABs, die ich kenne (einschl. mir selbst) sehr emotionale Menschen, die ihre Gefühle zeigen und auch darüber sprechen können.
Merkwürdig hoch war die Anzahl der geschätzten Betroffenen. Wenn ich mich recht entsinne, war von 10% der Bevölkerung die Rede. Klingt schon irgendwie unglaubwürdig.
...
RabeN - 28.03.2007, 23:57
Fotograf hatte geschrieben:
Zitat: Ich glaube nicht, daß Alexythymie-Betroffene auch automatisch zu ABs werden.
das war genau meine fragestellung, warum ich mir die sendung gestern angeschaut habe. aber auch ich habe im vergleich dann ganz klar gesehen, dass bei mir beispielsweise sehr viel an emotionen da ist.
aber es war ja auch angesprochen worden, dass es auch eine unfähigkeit ist, die emotionen anderer zu erkennen und einzuordnen. das wollte ich noch abchecken. aber ich glaube, das betrifft mich jetzt auch nicht.
noch zu der erstaunlich hohen prozentzahl (10%) der betroffenen (so wurde es in der sendung gesagt.
mal ein tipp: diejenigen von euch, die mit kindern und jugendlichen zu tun haben, mit ihnen arbeiten.... da sind heutzutage in zunehmendem maße welche dabei, die diese fähigkeiten nicht mehr mitbringen. sie können ihre gefühle nicht richtig einordnen, nicht verbalisieren. sie erkennen die gefühle anderer nicht oder interpretieren sie falsch und können so nicht angemessen auf sie reagieren.
NKA - 30.03.2007, 19:50
Zitat:
mal ein tipp: diejenigen von euch, die mit kindern und jugendlichen zu tun haben, mit ihnen arbeiten.... da sind heutzutage in zunehmendem maße welche dabei, die diese fähigkeiten nicht mehr mitbringen. sie können ihre gefühle nicht richtig einordnen, nicht verbalisieren. sie erkennen die gefühle anderer nicht oder interpretieren sie falsch und können so nicht angemessen auf sie reagieren.
Das kann ich bestätigen und das verwundert mich auch nicht sehr.
Wir leben in einer Gesellschaft, in der nur "gut drauf sein" akzeptiert wird, was zu einer Leugnung aller neg. Gefühle führt.
Wenn man aber die ganze Zeit eine Gefühlslage vortäuscht, verlernt man, seine tatsächlichen Gefühle wahrzunehmen, einzuordnen und zu zeigen.
Das ist wahrlich nichts besonderes.....
Kombiniert mit Medienbestrahlung a la "DSDS" und "BB" züchten wir uns eine Gesellschaft von histrionischen Selbstdarstellern heran, weil eben jenes schauspielerndes, selbstverleugnendes Verhalten offen belohnt wird.
Lesetipp:
Arno Gruen, "Vom Wahnsinn der Normalität", ist zwar aus den Eighties, wird aber immer aktueller.
Über das Böse in der Welt ist viel nachgedacht worden, und die Psychologie hat verschiedene Thesen zur Destruktivität des Menschen entwickelt. Selten wurden aber mit solcher Konsequenz die Ursachen aufgespürt wie von Arno Gruen, wenn er zeigt, wie Gewalt und Unmenschlichkeit im Inneren des Menschen entstehen und wie sich unser soziales Leben darauf eingerichtet hat, dass der herrschende Wahnsinn lebensfeindlichen Handelns den Mantel realitätsgerechten Verhaltens trägt. Er öffnet den Blick dafür, dass menschliche Destruktivität nicht einfach eine Fähigkeit zum Bösen ist, sondern vielmehr die Folge eines Mangels, der als solcher nicht erkannt wird: Wo das Vermögen abhanden gekommen ist, die eigenen Gefühle wahrzunehmen, und Selbsthass an deren Stelle getreten ist, ist auch die Fähigkeit zu wirklichem Mitgefühl und echtem Mitfühlen verlorengegangen.
Im »Wahnsinn der Normalität« legt er die Wurzeln der Destruktivität frei, die sich viel öfter, als es uns klar ist, hinter vermeintlicher Menschenfreundlichkeit oder ordnungsstiftender Vernunft verbergen. Arno Gruen besticht durch die Vielzahl der Beispiele, zu denen auch die unfasslichen Ereignisse im Dritten Reich oder im Vietnamkrieg gehören, und schafft die überzeugende Beweislage, dass dort, wo Innenwelt und Außenwelt keine Einheit bilden, verantwortungsvolles Handeln und echte Menschlichkeit ausbleiben.
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