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Bobodar - 23.03.2007, 09:58
Deutsche Justiz und der Koran
Ich habe geglaubt, dass ich meinen Zorn runterschlucken kann, aber ich kann es nicht. Es ist unglaublich was die Justiz sich in Deutschland erlaubt.
Da sind Metzger, die bekommen die Erlaubnis Tiere zu schächten. Das mag ja noch angehen.
Dort bekommt eine Lehrerin die Erlaubnis mit Kopftuch zu unterrichten. Ist auch noch relativ O.K.
Aber, nun kommt der Oberhammer: Da werden junge Frauen ermordet und die Mörder bekommen noch den Kopf gestreichelt (Ehrenmorde nennt man das) und eine andere junge Frau bekommt vor Gericht keine schnelle Scheidung mit der Begründung, dass ja im Koran steht, dass der Mann das Recht hat seine Frau zu schlagen.
Mir kommt es hoch, wenn ich sowas lesen muss. Ein Mann hat also das Recht seine Frau zu schlagen? Und: Wo sind wir denn, wenn wir den Koran für Urteile an DEUTSCHEN Gerichten zu Rate ziehen? :evil:
Gibt es sowas auch in den islamischen Ländern? Wird dort auch die Bibel zu Rate gezogen, wenn ein Urteil gefällt werden muss? Pustekuchen, da wird gleich gehenkt und gesteinigt!
Ich bin wirklich kein Rassist, aber so langsam reicht es mir. Wenn jemand meint der Koran muss in dieser Art und Weise "ausgelebt" werden, dann soll er es bitte nicht bei uns tun, sondern in seiner Heimat! Mit tut diese Frau so von Herzen leid und ich hoffe so sehr, dass alles gut wird und sie bald Ruhe hat vor diesem Stück Schmutz, das sich ihr Ehemann schimpft.
Ein sehr zorniger Bobodar
qilin - 23.03.2007, 17:32
Gerade habe ich diese Meldung dazu gefunden - scheint mir nicht unvernünftig...
Zaf-Ad - 24.03.2007, 20:22
Salam Bobodar,
Auch ich bin empört über die Entscheidung dieser Richterin... :shock:
Aber hiermit bin ich mit dir nicht einer Meinung:
Zitat: Wenn jemand meint der Koran muss in dieser Art und Weise "ausgelebt" werden, dann soll er es bitte nicht bei uns tun, sondern in seiner Heimat!
Selbst wenn dieser Mann in "seiner Heimat" seine Frau schlagen würde, wäre ich stinksauer und damit nicht einverstanden und verlangte von der dortigen Regierung, die Gesetze umzuändern. Für frauenverachtende Taten gibt es keine Entschuldigung!
Frieden.
girl - 26.03.2007, 15:18
Hallochen
Auch mich hat diese Nachricht ereilt, zwar erst ein paar Tage später doch kam ich nicht umhin mal zu recherchieren. Die Richterin hatte wohl Jahre zuvor einen ähnlichen Fall vertreten und damls genau anders geurteilt, was daraufhin zur Eskalation führte. Der sich im Unrecht sehende Ehemann rastete aus und erschoss noch im Gerichtssaal seine 'Noch'_Ehefrau und richtete danach die Pistole auf die Richterin.
Nach einer solchen Begebenheit, kann ich mir durchaus vorstellen, das aus Angst eben der Urteilsspruch diesmal zu Gunsten des Mannes ausfiel und sich die Dame eben auf den Koran berief.
Ich für meinen Teil finde es durchaus verzwickt bei solchen Fällen, gerade was die Rechtssprechung angeht im Zusammenhang mit der ausgeübten Religion. Ich habe aber auch Respekt vor dem jetztigen Urteil der Richterin, da ich es durchaus bemerkenswert finde, das sie hier - mitten in Deutschland - die Frage des 'verschiedenen' Glaubens wieder aufwirft.
Schauen wir mal:
Lt. Koran ist es durchaus legitim die Frau zu züchtigen.
Lt. NT sollst Du keinem Lebewesen ein Leid zufügen.
Lt. xx sollst du überall nur zugucken und nicht handeln.
Lt. xx was weiss ich.
In jedem Land, wo eine bestimmte Religion überwiegend vorherrscht, werden solch Dinge in die offiziellen Gesetze mit einbezogen. In jedem Land ist für sich der entsprechende Glaube der Massstab - auch vor Gesetz. Sobald sich einer dieser Gläubigen in einem anderem Land befindet ist's weit her mit der eigenen Religion. Hier in Deutschland allerdings wird von Religionsfreiheit geredet - auch im Gesetz. Da darf man auch ruhig schon mal ein Lamm schlachten, wenns die Religion beruft.
Ohne Gewalt an jedwigem Lebewesen legitimieren zu wollen - aber, wie soll man denn bitteschön 'recht' sprechen/handeln, wenn dem einen nicht zusagt, was dem anderen sein Lebensinhalt?
Wäre ich Richterin gewesen, so hätte ich sicherlich ersucht diesen oder ähnliche Fälle im Herkunftsland mit der Herkunftsreligion zu richten!
Lieben Gruss
Gaby
Zaf-Ad - 26.03.2007, 15:36
Friede wünsche ich dir, Gaby! :)
Zitat: Lt. Koran ist es durchaus legitim die Frau zu züchtigen.
Das Merkwürdige an der ganzen Sache ist ja, dass erst durch eine traditionelle Brille das "Züchtigen der Frau" im Koran vorgefunden werden kann.
Der fragliche Vers 4:34 im Koran wird wie folgt untersucht:
Yasar N. Öztürk hat folgendes geschrieben: "Dieser Vers spielt nicht auf die unanfechtbare Überlegenheit des Mannes an. Es wird auf den Unterschied zwischen der respektiven Körperbeschaffenheit des Mannes und der Frau hingewiesen. Jedoch haben die meisten Kommentatoren, die auf eigenwillige Missdeutungen der Koranverse zurückgriffen, um ihren eigenen Zielen zu dienen, die im Koran erwähnte Formulierung 'qawwam' als 'Oberherrschaft' wegerklärt, und dadurch die Despotie des Mannes gerechtfertigt. Der im Koran erwähnte Term 'fadribu' wurde darauf reduziert, eine einzelne Bedeutung zu haben, während er eigentlich mehr als eine hat. Annäherungen, die darauf abzielten, die Frauen in jeder Gelegenheit zu verunglimpfen, hätten sonst nicht funktionieren können. 'Fadribu', dessen Wurzel Darb ist, besitzt mehr als 30 Bedeutungen, von denen die wichtigsten 'stoßen', 'schlagen', 'beenden', 'ausgehen', 'spazieren gehen' sind (vgl. Ibn Mansur, Lisan ul Arab, unter dem Eintrag für Darb). Unter den Umständen mag 'fadribu' folgende Bedeutungen annehmen:
1. Aussenden;
2. Von irgendwo hinauszwingen;
3. Schlagen.
Die ersteren zwei sind natürlich rationaler und verträglicher mit der menschlichen Psychologie und den Gesetzen." (Yasar Nuri Öztürk, Kuran'daki Islam (Der Islam im Koran), Seiten 552-554)
Edip Yüksel hat folgendes geschrieben: "Während die Wörter 'erridschalu kawwamune alennisai' als 'Männer wacht über Frauen' oder 'Männer sind verantwortlich für die Unterhaltungskosten der Frauen' verstanden werden soll, interpretierten alle Kommentare in Türkisch, auf die ich gestoßen bin, sie, dass sie die Bedeutung von Überlegenheit über Frauen annähmen. Wieso hängen unsere Kommentare solch disharmonische Bedeutungen wie "Meister, Herr" dem arabischen Wort 'qawwam' an, statt dem Wort Bedeutungen wie 'überwachen, stützend, aufrechterhaltend' anzuhängen? Die Wurzel des Wortes 'qawwam' ist 'qwm'. Sie können alle Verse durchsehen, in denen die Ableitungen dieser Wurzel verwendet werden, und Sie werden keine Formulierung finden, welche Oberherr oder Meister bedeutet. Wenn die Formulierung 'badehum' im fraglichen Vers nur die Männer anspricht, indem das Pronomen "hum" verwendet wird, stellt sich die Bedeutung als 'einige Männer sind anderen Männern überlegen' heraus. Jedoch widerspricht sich diese Bedeutung mit dem Kontext. Wenn andererseits das Pronomen eine gemischte Gruppe von Männern und Frauen anspricht, dann haben wir 'Gott hat einige Männer und einige Frauen über andere Frauen und Männern überlegen gemacht'. Eine andere akzeptable Wiedergabe wäre 'Gott beschenkte jeden mit verschiedenen Vorzügen und Eigenschaften'. Das Wort 'idribuhanna' in der Sura Die Frauen wurde als 'schlagt diese Frauen' übersetzt. Bevor wir diese bestimmte Formulierung unter die Lupe nehmen, sollte ich Ihre Aufmerksamkeit auf eine Festsetzung der ehelichen Beziehungen im Koran ziehen. Folgendes wird in 30:21 besagt:
Zitat: Zu Seinen Zeichen gehört, dass Er euch aus eurer Art Partnerwesen erschuf, damit ihr bei ihnen Geborgenheit und Ruhe findet. Er hat zwischen euch Liebe und Güte gelegt. Darin sind Zeichen für Menschen, die nachdenken.
Demnach ist das Ziel einer Ehe Liebe und Güte. Das Wort 'daraba' hat eine schier endlose Anzahl an Bedeutungen, nämlich: ausprägen, streiken, schlagen, halten, spielen. Beispielsweise bedeutet das Wort 'idrib' auszugehen. Die arabisch sprechenden Menschen in Nordafrika verwenden immer noch dieses Wort in diesem Sinn. Im Finden der exakten Bedeutung eines Wortes im gegebenen Kontext müssen wir pingelig sein und unsere Vernunft gebrauchen. Wenn beispielsweise das im Vers 13:17 erwähnte Wort 'daraba' als 'schlagen' statt 'erklären' übersetzt worden wäre, würde eine absurde Bedeutung hervortreten und das Ergebnis wäre "Gott schlagt die Wahrheit und die Falschheit auf diese Weise". Andererseits wurde das Wort 'nuschuz' in Vers 4:34 als ungehorsame, zankende Frau übersetzt. Das Wort hat eigentlich eine weiter reichende Bedeutsamkeit, wie etwa das Flirten, die Zügellosigkeit, die unerlaubten sexuellen Beziehungen. Wenn wir um genau zu sein seine Bedeutung im gegebenen Kontext erfragen, so erscheint die zweite Bedeutung als geeigneter. Vers 4:34 lehrt dem Ehemann, wie er seine treulose Frau zu behandeln hat. Es fällt auf den Ehemann, seine Frau in erster Linie zu mahnen. Wenn die Frau mit dem Flirten mit anderen fortfährt, wird der Ehemann ihr Bett trennen. Und wenn selbst dies nicht hilft und die Frau ehebrüchige Beziehungen aufnimmt, wird der Ehemann sie hinausschicken. Eine Frau zu schlagen, die die Eheschließung bricht, wäre keine Lösung. Sich mit ihr zu trennen sollte die Lösung sein, selbst wenn dies schmerzhaft sein mag." (Dr. Edip Yüksel, Türkçe Kuran Çevirilerindeki Hatalar (Die Fehler in den türkischen Koranübersetzungen), Seite 13-20)
Von Edip Yüksel habe ich hier noch was gefunden (auf englisch): Does the Quran authorize beating the wives?
lG,
Kerem
qilin - 26.03.2007, 15:42
Hallo Gaby -
hmm - unter diesem Aspekt ist's natürlich menschlich verständlich, aber auch sachlich verständlich,
dass sie von dem Fall abgezogen wurde - hätte man vielleicht vorher schon tun sollen...
Den Fall - d.h. im Klartext die Beteiligten - einfach zur Klärung ins Herkunftsland abzuschieben,
scheint mir aber weniger sinnvoll - denn dort würde eben nach 'Tradition' geurteilt, und nicht so,
wie es unserem Rechtsempfinden (das ja auch weitgehend das der Vertretungen der Muslime
hier in Europa ist) entspricht. Unter den muslimischen opinion leaders bei uns (bes. weiblichen)
gibt es doch nicht Wenige, die ähnliche Meinungen vertreten wie diese hier - und diesen würde
eine solche Entscheidung ganz massiv das Wasser abgraben...
girl - 26.03.2007, 15:47
Salem Zaf-ad :)
Also verstehe ich das nicht falsch, wenn ich sage, das es Auslegungssache ist? Was das ganze nur noch verschlimmert, meiner Ansicht nach.
Das verhält sich für mich dann ja ähnlich der Geschichte mit dem bedecken. Einerseits wirkt es auf Aussenstehende diskriminierend der Frau gegenüber - andererseits könnte es durchaus als Schutzfunktion gesehen werden (Lange Röcke, Verschleierung ect.).
Wo ist der Konsens?
LG
Gaby
Zaf-Ad - 26.03.2007, 17:31
Friede Gaby! :)
Nicht ganz korrekt. Auslegungssache ist es nicht, vielmehr Übersetzungssache des einzelnen Wortes. Es gibt mehrere solcher Versen, die von traditionalistischen Denkern falsch übersetzt wurden, um sie der patriarchalischen Gesinnung anzupassen.
lieben Gruss,
Kerem
girl - 26.03.2007, 19:02
Hallo qilin, Salem Kerem
umso mehr wird deutlich, wie sehr wir eine einigende Zusammenarbeit bedürfen. Gerade im Bezug auf die Menschenwürde; ungeachtet dessen Religionen zusammenführen erscheint mir eher als schier unlösbare Herausforderung. Allein den "interreligiösen Dialog" beschreien und nicht konform laufen... reicht längst nicht mehr aus!
Eine einvernehmliche Lösung muss zwangsläufig her und bisher sieht es nicht so aus, als eine bestehende Religion dafür eine Lösung hätte...
Lieben Gruss
Gaby
Zaf-Ad - 26.03.2007, 19:34
Salâm Gaby! :)
Im Dialog ist an sich wenig zu bewirken, was ich leider in den letzten Jahren nur allzu oft erleben musste :cry: ...
Was ich an mir und an anderen erkennen konnte, ist, dass die ERZIEHUNG der Kinder weitaus wichtiger ist als alles andere.
Jedes Mal, wenn ich in Kontakt trete mit türkischen Kindern, die gerade die Sekundarschule besuchen und sich auf das Gymnasium oder andere Schulen vorbereiten, merke ich, wie patriotisch bzw. kulturell sie geprägt sind.
Ich bin Gott so unendlich dankbar, dass ich eben genau in dieser Familie mit anderen (größtenteils koranischen) Wertvorstellungen aufgewachsen bin! Ich trete dadurch anderen Kulturen und anderen Traditionen äußerst offen entgegen, mit der Absicht, aus ihrer Mentalität etwas abgewinnen zu können. :)
In der Erziehung liegt die Wurzel des Problems und in den Händen der Kinder liegt die Zukunft dieser Erde.
Möge Gott unser Wissen mehren und uns alle zu rechtschaffenen Menschen formen!
lG,
Kerem
qilin - 26.03.2007, 20:24
Hallo Zad-Ad,
da geh' ich völlig mit Dir konform - meine Ex-Frau ist Lehrerin (und Religionslehrerin)
und hatte auch viel mit muslimischen Kindern (und Kollegen) zu tun...
- aber auch mit Dir, Gaby - die Menschen und ihr alltägliches Zusammenleben können
(und sollen) nicht von Religionen bestimmt werden - ob und an welchem Unterricht ein
Kind teilnehmen darf z.B., kann - bei uns zumindest - keine religiöse Instanz bestimmen.
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