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Krümel - 22.02.2007, 12:25
Klassiker Goethe, Schiller & Co./Deutschunterricht
Sind sie eurer Meinung nach noch aktuell?
Sollen sie weiterhin im Deutschunterricht gelesen werden?
Oder sollten aktuellere Autoren, gar Zeitgenossen, wie Schlink und Jelinek vermehrt besprochen werden?
Also was ist noch dran an Goethe und Schiller?
Anonymous - 22.02.2007, 12:28
Das ist aber jetzt eine Frage!!!!!
Darüber sind schon selbst Bücher geschrieben worden! Eine Antwort dazu kann ich wirklich nicht so aus dem Handgelenk schütteln - aber ich denke, in den nächsten Tagen werde ich dazu ganz etwas ausführlicher etwas sagen. :wink:
Ein echt hammergeiles Thema..... :wink:
Krümel - 22.02.2007, 14:25
Re: Was ist mit Goethe, Schiller & Co.?
Krümel hat folgendes geschrieben: Sind sie eurer Meinung nach noch aktuell?
Ich kann jetzt eigentlich nur zu Goethe etwas schreiben, denn Schiller habe ich noch weniger gelesen, da ich nicht gerne Dramen lese. Ich bin aber der Meinung, dass man Dramen nur in Verbindung mit einem Theaterbesuch lesen sollte.
Bleibt für mich die Frage, ist Goethe noch aktuell?
Da sage ich persönlich im Großen und Ganzen nein!
Schon alleine die Sprache finde ich abschreckend, das liest sich doch gar nicht mehr. Die Sprache ist sowas von verstaubt, ich kann mir denken, dass die heutige Jugend da Aufstoßen von bekommt. Diese Altmodischkeit verleitet nicht mehr zum Lesen, und das sollte meiner Meinung nach gefördert werden, und nicht die Unlust!
Die Thematik der meisten Goethebücher, vorwiegend der Werther, spiegelt eine solch altmodische Romantik wider, das gibt es heute auch gar nicht mehr. Die Liebe wird nicht mehr so verschnörkelt und vergeistigt, man bumst heute miteinander, zack aus!
Was mir an Goethe noch gefallen könnte, und als lesenswert empfinde ist "Die Wahlverwandtschaften". Das passt immer noch in die Zeit.
Zitat: Sollen sie weiterhin im Deutschunterricht gelesen werden?
Man kann eins lesen, aber es sollte die Ausnahme sein.
Zitat: Oder sollten aktuellere Autoren, gar Zeitgenossen, wie Schlink und Jelinek vermehrt besprochen werden?
Ganz eindeutig ja!
Für mich wäre es sinnvoll die Jugendlichen generell ans Lesen zu bekommen. Was das ist, wäre mir dabei eigentlich sogar schnuppe. Es könnte rein nach Geschmack auch "Harry Potter" oder "Herr der Ringe" sein, das kommt bestimmt besser an, und Diskussionsstoff wird sich auch finden.
In der Oberstufe kann man dann Schlink oder Jelinek lesen, aber so tiefe und anstrengende Literatur soll nicht ausschließlich sein. Es gibt genug Bücher, die sich mit interessanten Themen auseinander setzen, die aber leichter zu lesen sind (Fleischhauer zum Beispiel, das kann gut in den Geschichtsunterricht eingefügt werden, weil er auch so gut recherchiert, und seine Bücher stimmig sind).
Für für zählt die Devise: Nicht abschrecken, sondern Lust entfachen!
Zitat: Also was ist noch dran an Goethe und Schiller?
Weiß ich ehrlich nicht.
Selbst die Dramen von Schiller, die man durchaus noch auf die heutige Zeit umsetzen könnte, sind für mich einfach in ihrer Gestaltung unaktuell, alt und verstaubt. Kein Mensch würde das heute noch so schreiben und umsetzen. Unsere Gedanken, und die heutige Welt ist so dermaßen anders, das passt einfach nicht mehr.
Katia - 22.02.2007, 15:12
Ich habe so um die Zeit als ich Abitur gemacht habe, einiges von Goethe gelesen, bis auf "Faust" alles freiwillig und nicht in der Schule. Zu _Schiller habe ich ebenfalls als Leserin weniger Bezug, Dramen sehe ich auch lieber im Theater.
Natürlich soll die Schule die Leselust anregen, allerdings ist das Mittel der Wahl da vielleicht gar nicht unbedingt die gemeinsame Lektüre in der Klasse. Über Harry Potter gibt es nicht allzuviel zu diskutieren, wenn man die langen Threads in den Bücherforen dazu durchliest, so handelt es sich meistens um Begeisterungsposts oder Sympathie- und Antipathiebekundungen für einzelne Charaktere. Dafür kann eine Schulstunde meiner Meinung nach nicht da sein. Ich kann mich erinnern, dass in meiner Grundschule der wöchentliche Besuch in der Schulbücherei obligatorisch war und es auch im Klassenzimmer eine Leseecke gab. Im Gymnasium wurde das nicht so gepflegt, wäre in der Unterstufe sicher aber auch noch sinnvoll gewesen. Der Deutschunterricht der Ober- und vielleicht auch Mittelstufe sollte meiner Meinung dem Vermitteln von Literaturgeschichte und der Heranführung auch an anspruchsvollere Lektüre gewidmet sein. Dazu gehören Goethe und Schiller für mich ebenso wie von mir aus Schlink oder Jelinek. Das große Aufstoßen habe ich persönlich übrigens von Plenzdorfs "Neue Leiden des jungen W." bekommen, Herrn Goethes Original fand ich viel angenehmer.
"Anspruchsvolle" Literatur, die nicht speziell für Kinder- oder Jugendliche geschrieben wurde, habe ich das erste Mal in der 7. oder 8. Klasse bekommen, es war "Biedermann und die Brandstifter" von Max Frisch, es hat mir gut gefallen, aber den tieferen Sinn, den der Lehrer uns zu vermitteln versucht hat, das war mir damals noch ein bisschen zu viel. Goethe und Schiller begegneten mir erstmals in der 12. Klasse, die letzten beiden Jahr waren tatsächlich der Literaturgeschichte gewidmet und begannen mit den alten Griechen und endeten mit Christa Wolf. Das fand und finde ich gut so.
Nach viel Geschwafel konkret zu Deinen Fragen:
"Sind sie aktuell": Nein, aktuell sind sie nicht, wie eigentlich nichts, das über 200 Jahre auf dem Buckel hat. Aber es sind Inhalte und Ideen und sprachliche Bilder über die es sich auch heute noch nachzudenken lohnt. Die Sprache habe ich nicht als verstaubt empfunden, altmodisch und ungewohnt sicher, aber für mich macht das vielleicht auch den Reiz aus.
"Sollten sie im Deutschunterricht gelesen werden?" Ein klares Ja! Goethe und Schiller sind die bekanntesten Vertreter der deutschen Literatur, die zur Allgemeinbildung dazugehören. Natürlich heißt das nicht, das gesamte Werk zu kennen, ein oder zwei Werke genügen sicher, das ist aber meiner Erfahrung nach auch der Umfang, der in der Schule behandelt wird.
"Sollten vermehrt aktueller Autoren besprochen werden" Besprochen Ja, vermehrt weiß ich nicht. Meine Deutschlehrerin war Mitte der 90er der Meinung als Abiturient sollte man mindestens ein literarisches Werk gelesen haben, das nach 1970 erschienen ist, dem würde ich mich anschließen. Die Mischung macht's!
Katia
Krümel - 22.02.2007, 15:57
Ich habe gerade mit Holger über das Thema diskutiert. Seine Idee gefiel mir außerordentlich gut.
Holger meint, man sollte nicht ein Werk lesen von Goethe, denn wenn man sich durch die Lektüre quält, bringt das seiner Meinung auch nichts. Sondern man sollte Goethe wie auch Schiller so als rundum Paket lehren. Ein Gedicht, ein Auszug aus dem und das, die Sprache erläutern, den geschichtlichen Hintergrund, die Biographie, und natürlich das Gesamtwerk auflisten. Denn als Allgemeinbildung gehört das dazu, dass man eben weiß: "Die Räuber" ja das ist von Schiller.
So haben wir das eigentlich im Musikunterricht gehalten. Z. B. Mozart: Seine Bio und Zeit, einzelne Stücke gehört, Herr Siemens hat auch am Klavier einzelne Themen gespielt, und uns darauf aufmerksam gemacht, wie sie verändert werden, aber immer wieder auftauchen. Mit seiner Methode hat er uns richtig neugierig gemacht, so dass ich mir die "Zauberflöte" zu Weihnachten schenken ließ.
Zitat: "Anspruchsvolle" Literatur, die nicht speziell für Kinder- oder Jugendliche geschrieben wurde, habe ich das erste Mal in der 7. oder 8. Klasse bekommen, es war "Biedermann und die Brandstifter" von Max Frisch, es hat mir gut gefallen, aber den tieferen Sinn, den der Lehrer uns zu vermitteln versucht hat, das war mir damals noch ein bisschen zu viel.
Genau das ist das Problem. Auch mit 18 oder 19 sind die meisten Klassiker schwer nachzuvollziehen, einfach zu hoch. Und ich beachte hierbei den Nichtleser. Bei den Leseratten, wie zum Beispiel Rabe, kann man da auch auf sehr Positives treffen. Aber 90% der Schüler, sag ich jetzt mal, sind Nichtleser. Diese würde ich gerne packen, und ihnen das Lesen schmackhaft machen.
Anonymous - 22.02.2007, 16:16
Goethe und Schiller gehören in die Schule!
Es ist nur eine Frage, wie bringe ich diese beiden deutschen Dichter den Schülerinnen und Schülern wirklich nah? Bestimmt nicht dadurch, dass man über jede Zeile gnadenlos zerredet - man muss die Werke auch im Verhältnis zur damaligen Zeit sehen.
Schiller war ein revolutionärer Dichter! Seine "Räuber" und sein "Don Carlos" waren nichts anderes als eine gnadenlose Analsyse der damaligen Lebensverhältnisse. Nicht umsonst, war Friedrich von Schiller während der Zeit des Dritten Reiches mehr als verpönt. Wer kennt nicht den Satz des Marquis Posa aus Don Carlos "Geben Sie Gedankenfreiheit, Sire." Solche Sätze waren es, die viele Menschen zu damaliger Zeit gierig aufgesogen haben.
Die Schule muss nur vermitteln, was die Dichter für die damalige Zeit bedeutet haben. Warum ein Spötter wie Heinrich Heine aus dem Lande gehen musste, warum die Kriegsberichterstattung eines Theodor Fontane noch heute als Vorbild dient.
Dichtung kann nur richtig im Zusammenwirken mit den geschichtlichen Verhältnissen gesehen werden. Das muss man den Schülern nahebringen.
Niemand wird doch ernsthaft bestreiten wollen, dass der "Faust" eines der genialsten Werke deutscher Dichtkunst ist.
Wer unsere Geschichte verstehen will, der braucht dazu die Hilfe von Goethe, Schiller, Lessing usw. - er kann vielleicht sogar auf die Hilfe der Lehrer verzichten.
Klassiker, zeitgenössische Literatur und moderne Literatur gehören einfach in unsere Schulen! Sie heben sich nicht gegenseitig auf, sie ergänzen sich.
Ein Chronist wie Wilhelm Raabe hat spannender geschrieben, als es einer dieser mittelmässigen Thrillerautoren jemals schaffen wird. Ein Edgar Allan Poe ist nach wie unerreicht.
Es wäre schön, wenn die Schule endlich einmal unsere Klassiker als das ansehen würde was sie sind: Sprachliche und inhaltliche Meisterwerke - die man ganz einfach nicht zerredet.
Katia - 22.02.2007, 16:41
Krümel hat folgendes geschrieben:
Genau das ist das Problem. Auch mit 18 oder 19 sind die meisten Klassiker schwer nachzuvollziehen, einfach zu hoch. Und ich beachte hierbei den Nichtleser. Bei den Leseratten, wie zum Beispiel Rabe, kann man da auch auf sehr Positives treffen. Aber 90% der Schüler, sag ich jetzt mal, sind Nichtleser. Diese würde ich gerne packen, und ihnen das Lesen schmackhaft machen.
Ja, das ist ein Problem, dem man sich als Lehrender immer zu stellen hat: man hat starke und schwache Schüler/Studenten/Lernende und muss allen etwas bieten - der Versuch Nichtleser zu Lesern zu machen und dabei Raben zu vernachlässigen, das ist auch nicht der richtige Weg.
Mit 18 oder 19, denke ich, sind die meisten intellektuell so weit, dass sie (wohlgemerkt in der Schule unter Anleitung) sehr wohl in der Lage sein sollte Klassiker zu erfassen. Ich glaube auch, dass es in diesem Alter zu spät ist, die Nichtleser noch zu Lesern zu machen, zumindest nicht im Schulunterricht, der schon über 10 Jahre dazu Zeit hatte. Die Freude an der eigenen Lektüre sollte schon viel früher vermittelt werden.
Meine eigenen Erfahrungen sind da wahrscheinlich nicht sehr relevant, ich habe immer gelesen und ich mochte meinen Deutschunterricht in großen Teilen, und auch wenn mir eine Lektüre mal nicht zugesagt hat, so hat mir das nicht generell die Freude am Lesen verdorben.
Überblickswissen zu vermitteln, wie es Holgers Vorschlag ist, über einen Autor und seine Zeit, finde ich sehr wichtig und dies wird (soweit ich mich erinnern kann) schon häufig so gemacht. Ich habe nichts von Schiller gelesen in der Schule, aber dass er "Die Räuber" geschrieben hat, wusste ich doch. Bis mindestens Mitte 20 habe ich große Teile meiner Lektüre danach ausgewählt, was für Autoren und Titel ich aus dem Deutschunterricht so kannte.
Vielleicht noch eine Szene aus meiner Schulzeit: ich hatte ja "nur" Deutschgrundkurs und naturgemäß war ich praktisch die einzige Leseratte da. Einer meiner Klassenkameraden beschwerte sich mal, er würde die Inhaltsangaben immer sehr interessant finden, die Bücher wären ihm dann aber meistens zu wirr und zu wenig spannend (konkret ging es um "Jakob, der Lügner"). Meine Theorie damals und auch heute noch ist: zum Lesen gehört eine gewissen Übung, man muss eine gewisse, individuell sicher sehr verschiedene Anzahl, an "konventionellen" Büchern mit auktorialem Erzähler oder Ich-Erzähler, klarem chronologischen Erzählfluss etc. gelesen haben, um die gerade in der moderneren Literatur üblichen Abweichungen davon genießen zu können. Und auch die sprachlichen und gestalterischen Anachronismen vieler Klassiker.
Ich merke das bei mir selbst in einem anderen Bereich: Filme. Ich schaue wenig fern und gehe auch selten ins Kino und wenn ich gehe, dann überfordern mich sehr häufig die schnellen Schnitte, die bei Actionsszenen heute so üblich geworden sind. Ich habe dann das Gefühl, dass ich überhaupt nicht mitbekomme, was passiert und einfach optisch die Szenen nicht schnell genug erfassen kann. Hätte ich hunderte von diesen Dingern gesehen, hätte ich das Problem wahrscheinlich nicht mehr, ich bin einfach nicht daran gewöhnt.
Um es ganz überspitzt auszudrücken: mit einem eingeschworenen Nichtleser Goethe zu lesen, dass ist wie mit Jemandem völlig unsportlichen einen Marathon laufen zu wollen. Daher sind wir sicher einer Meinung, Heidi, dass die Schule Nichtleser zu Leser machen sollte, allerdings würde ich die Eltern dabei mindestens genauso in der Pflicht sehen. Die Schule kann nicht alles an Bildung abpuffern, was zu Hause vergessen worden ist. Ein Kind, das keine Bücher zu Hause kennt, und keine geschenkt bekommt wird viel, viel schwerer zum Leser.
Katia
Pippilotta - 22.02.2007, 18:18
Das ist eine gute Frage!
Mich selber haben Goethe, Schiller und Lessing durch die gesamte Oberstufe begleitet, und ich habe sie liebgewonnen! :D
Ich persönlich bevorzuge Schiller, aber das sei jetzt mal dahin gestellt...
"Neue Literatur" haben wir kaum gelesen, Plenzdorfs "Neue Leiden..." war wohl das Revolutionärste ....
Ich finde, dass Goethe, Schiller & Co auf jeden Fall Thema in der Schule sein müssen. Sie sind Kernstücke unseres Kulturgutes und sollten nicht in Vergessenheit geraten. Zumindest in den letzten Schulstufen sollte doch jeder Schüler damit in Berührung gekommen sein. Und wir können auch heute noch viel lernen von Schiller & Co!
Wer als 14-jähriger nicht gerne liest, wird wohl zu keiner Leseratte mehr.
Schüler das Lesen verlockend zu machen ist einerseits Herausforderung des Elternhauses und Thema in der Grundschule.
Die Lektüre bietet sich an parallel bzw. fächerübergreifend zum Geschichte-Unterricht, denn viele Dramen verabeiten auch historische Gegebenheiten ("Don Carlos", "Wallenstein" z.B.) und spiegeln die damalige Zeit wider.
Keinesfalls zu kurz kommen dürfen (und bei mir ist es eindeutig zu kurz gekommen) "die Klassiker der Zukunft"., dh. zeitgenössische, gute Literatur.
Inhaltlich würde ich natürlich der modernen Literatur den Schwerpunkt setzen, doch die guten alten "Klassiker" dürfen keinesfalls in Vergessenheit geraten!
Krümel - 22.02.2007, 18:53
Was ich noch anführen möchte :wink:
Mein Vorschlag Harry Potter und Herr der Ringe war auch nicht für die Oberstufe gedacht. Nur einfach mal Bücher für die unteren Klassen, vielleicht 5 und 6, einfach mal lesen, ohne große Interpretationen, einfach mal zum Lustgewinn. Lesen soll Spaß machen!
Da hat nämlich Voltaire vollkommen Recht, auch bei uns wurde alles kaputt interpretiert :twisted: Mochte ich das eine oder andere Buch noch, was wir gelesen hatten, nach wochenlangen Interpretationen und Gedöns, irgendwann fand ich das Buch nur noch der größte ...
Weiterer Punkt: Leider wird das Lesen nicht aus der Familie anerzogen! Wenn man als Frau schon gezwungen ist, das Kind in eine Kinderkrippe unter zu bringen, weil das Geld vorne und hinten fehlt, dann wird auch nichts aus dem Lesen. Generell sind Arbeiterfamilien Nichtleser, das behaupte ich jetzt einfach, weil ich sehe das so im Umkreis. Gelesen wird meistens dort, wo auch ein wenig Bildung vorhanden ist.
So, und da meine ich, muss die Schule das eben auffangen!
Laut Pisa-Studie heißt es ja auch, dass vieles vom Nichtlesen abzuleiten sei. Also müssen die Kinder zum Buch geführt werden. Mir ist klar, dass man nicht viele Kinder erreichen wird, aber wenn es dann doch eine handvoll sind, die aus nicht lesenden Familien zum Leser werden, wäre das schon ein Erfolg für mich.
Um auf das Thema zurück zu kommen:
Ich habe in der 7. Klasse Maria Stuart lesen müssen! Das schreck nur ab, das ist kein vernünftiger Deutschunterricht in meinen Augen.
Katia - 22.02.2007, 22:38
Krümel hat folgendes geschrieben:
Mein Vorschlag Harry Potter und Herr der Ringe war auch nicht für die Oberstufe gedacht. Nur einfach mal Bücher für die unteren Klassen, vielleicht 5 und 6, einfach mal lesen, ohne große Interpretationen, einfach mal zum Lustgewinn. Lesen soll Spaß machen!
Ohne pingelig sein zu wollen, aber "Herr der Ringe" ist kein Jugendbuch und mit über 1000 Seiten eigentlich als Pflichtlektüre für keine Jahrgangsstufe geeignet! Aber darauf kommt's ja nicht an, ich weiß schon, was Du meinst. Nur lesen ohne darüber zu reden, wie soll das funktionieren? Entweder Du gibst den Kindern einfach nur Bücher, die Nichtleser werfen es zuhause in die Ecke und bringen es eine Woche später zurück. Oder Du musst eben doch Unterrichtszeit darauf benutzen, z.B. um Inhaltsangaben zu üben und dann ist der Lustgewinn für einige Schüler auch schon weg.
Krümel hat folgendes geschrieben:
Da hat nämlich Voltaire vollkommen Recht, auch bei uns wurde alles kaputt interpretiert :twisted: Mochte ich das eine oder andere Buch noch, was wir gelesen hatten, nach wochenlangen Interpretationen und Gedöns, irgendwann fand ich das Buch nur noch der größte ...
Da scheine ich irgendwie Glück gehabt zu haben, das vielzitierte tot interpretieren fand in meinem Unterricht nicht statt. Vielleicht habe ich deswegen auch ein postiveres Bild vom Deutschunterricht.
Krümel hat folgendes geschrieben:
Weiterer Punkt: Leider wird das Lesen nicht aus der Familie anerzogen! Wenn man als Frau schon gezwungen ist, das Kind in eine Kinderkrippe unter zu bringen, weil das Geld vorne und hinten fehlt, dann wird auch nichts aus dem Lesen. Generell sind Arbeiterfamilien Nichtleser, das behaupte ich jetzt einfach, weil ich sehe das so im Umkreis. Gelesen wird meistens dort, wo auch ein wenig Bildung vorhanden ist.
So, und da meine ich, muss die Schule das eben auffangen!
Laut Pisa-Studie heißt es ja auch, dass vieles vom Nichtlesen abzuleiten sei. Also müssen die Kinder zum Buch geführt werden. Mir ist klar, dass man nicht viele Kinder erreichen wird, aber wenn es dann doch eine handvoll sind, die aus nicht lesenden Familien zum Leser werden, wäre das schon ein Erfolg für mich.
Natürlich soll die Schule versuchen, die Defizite in den Familien aufzufangen, Kinderkrippen zähle ich hier übrigens nicht, auch diese können sehr effektiv Lesefrühförderung, Vorlesen, Bilderbücher und so weiter in ihren Alltag integrieren und tun das oft sogar besser, als es in den Familien passieren würde. Und auch mit Kinderkrippe wird niemand davon abgehalten seinem Kind eine Gute-Nacht-Geschichte vorzulesen, Geld spielt dabei würde ich sagen, wenn man wirklich will, auch keine Rolle, es gibt Büchereien auch in kleineren Gemeinden. Der Grund scheint mir eher zu sein, wie Du auch sagst, dass in manchen Familien Lesen und Bücher auch für die Eltern keine Rolle spielt, und sie dies nicht als Gut sehen, das es ihren Kindern zu vermitteln gilt.
Die Schule kann nicht alles abfangen, was in sechs Jahren schon versäumt wurde und oft spielen "Nachbesserungen" im sozialen Verhalten in der Grundschule eine größere Rolle, wo die Lehrer Nachbesserung leisten müssen. Ich bedaure das auch, aber alle Menschen zu Leser zu machen, das wird wohl nicht klappen. Übrigens sind mein Bruder und ich da auch ein gutes Beispiel: mein Bruder liest eher wenig, so ab und an im Urlaub mal was, aber nicht regelmässig. Vorlesen, gleiche Grundschule, gleiches Gymnasium, teils gleiche Lehrer - es gibt halt auch persönliche Neigungen.
Krümel hat folgendes geschrieben:
Um auf das Thema zurück zu kommen:
Ich habe in der 7. Klasse Maria Stuart lesen müssen! Das schreck nur ab, das ist kein vernünftiger Deutschunterricht in meinen Augen.
Das finde ich allerdings auch!
Siebenstein - 23.02.2007, 12:29
@Krümel, was ist los, warum bist du so geladen bei dem Thema? :shock:
Du wirfst hier mit Plattitüden und Allgemeinplätzen um dich, da sträuben sich mir sämtliche Nackenhaare! :mrgreen:
Herzliche Grüße
Siebenstein :wink:
Anonymous - 23.02.2007, 13:43
Es läuft eigentlich alles auf das elementare Problem "Elternhaus vs. Schule" hinaus.
Wir haben eine gesetzlich begründete Schulpflicht. Diese umfasst auch den gesetzlichen Erziehungs- und Lehrauftrag der Schule. Aber auch die Eltern haben die gesetzliche Pflicht zur Personensorge, die wiederum auch das sittliche Wohl des Kindes umfasst.
Die Schule ist kaum in der Lage, die Defizite aus dem Elternhaus aufzufangen, allerdings bemüht sie sich auch nicht allzu sehr darum.
Und warum wird der Begriff "Literatur in der Schule" in der Regel mit einem kollektiven Aufstöhnen begrüsst? Die wenigsten Menschen verbinden die Schule mit positiven Leseerlebnissen - eigentlich eine Sache, die doch bei gutem Willen abzustellen wäre.
Und würde man den Kindern die Freude am Lesen vermitteln, würde das gleichzeitig Goethe und Schiller vom Mief der Jahrhunderte befreien.
Aber da Schule und Eltern immer gegeneinander agieren, werden wir in diesem Trott wohl weiter fortfahren.
Krümel - 23.02.2007, 14:12
Siebenstein hat folgendes geschrieben: @Krümel, was ist los, warum bist du so geladen bei dem Thema? :shock:
Du wirfst hier mit Plattitüden und Allgemeinplätzen um dich, da sträuben sich mir sämtliche Nackenhaare! :mrgreen:
Ja, ist das so?
Kann sein, dass ich bei dem Thema Lesen und Deutschunterricht einen dicken Hals bekomme, denn es gibt ein paar Dinge, die ich noch nicht verarbeitet habe!
1. Wie bereits schon mehrfach erwähnt, war meine Rechtschreibung nicht sonderlich gut. Das kam auch dadurch, dass in in der Grundschule beim Lesen lernen, ich habe mich damit schwer getan, statt ermutigt worden bin, nur runter gemacht worden bin. "DU KANNST NICHT LESEN/VORLESEN!"
Irgendwann habe ich das selber geglaubt, und auch wirklich kein Buch mehr angefasst. Ausnahme waren die "Was ist was" Bücher. Zuhause haben meine Eltern das einfach übernommen, tja dann konnte ich eben nicht lesen, aber Mathematik das konnte ich!
Dadurch ist meine Rechtschreibung ziemlich den Bach runter gegangen, weil ich auch absolut kein Interesse daran hatte, wie irgendwas geschrieben wird, denn ich konnte es ja eh nicht :wink:
2. Die Brille hätte ich auch schon gebraucht!
3. Auf der Realschule wurden meine Aufsätze u.a. immer nur nach Kriterien der Recht. und Grammatikfehler beurteilt, der Inhalt spielte keine Rolle. Alles rot war eben ne fünf!
Vom Unterricht ganz zu schweigen, wie erwähnt mit Maria Stuart und Judenbuche wurde uns das Lesen zur Qual.
Erst im Abi mit einem !!!super Deutschlehrer!!!, der mir auch ganz viel Vertrauen einflößte, wurden meine Texte weniger rot. Irgendwie wusste ich schon wie das Meiste geschrieben wird, ich hatte auch auf einmal ganz großes Interesse und Ergeiz.
Dann kamen die ersten Referate, ich sollte vortragen, mein Gott hatte ich Lampenfieber :oops:
Das erste Referat war ganz gut, aber verhaspelt habe ich mich ständig. Das Nächste war ein riesen Erfolg! Dadurch das ich langsamer lese, und ein gutes Organ habe, auch nach und nach eine sehr gute Betonung, wohl ein Talent :oops: , bekam; war ich auf einmal die Beste im Referate vortragen :D Wer hätte das gedacht :mrgreen:
Seitdem lese ich vermehrt, und meine Rechtschreibung wird immer besser, wohl aber nie perfekt :wink:
Katia - 23.02.2007, 15:41
Voltaire hat folgendes geschrieben:
Die Schule ist kaum in der Lage, die Defizite aus dem Elternhaus aufzufangen, allerdings bemüht sie sich auch nicht allzu sehr darum.
Das ist etwas, das mich auch immer und immer wieder wundert, in den diversen Bücher-Foren gibt es ja meistens "Bücher und Schule"-Threads und dort wird gejammert und geschimpft, obwohl wir es hier eigentlich nur mit Leser zu tun haben. Meine Erlebnisse im Schulunterricht waren fast durchweg positiv und die beiden Lektüren, die ich nicht mochte (Die neuen Leiden des jungen W. und Störfall von Christa Wolf), mochte ich eben nicht. Bei beiden bekam ich die Gelegenheit meine Meinung über das Buch deutlich im Rahmen des Unterrichts zu äußern (Hausaufsatz bzw. Referat). In beiden Fällen bekam ich eine gute Note, obwohl der Lehrer sicher anderer Meinung über das Buch war, sonst hätte er es ja nicht ausgesucht.
Kein Buch wurde über Monate zerplückt, kein Buch wurde der Klasse völlig ohne Mitsprache aufgezwungen (außer "Faust"), habe ich so tolle Lehrer gehabt??
@Krümel: Also, ich glaube ja schon, dass sich heute da viel getan hat, gerade in Bezug auf den Erstlese- und schreibunterricht. Gerade am Anfang lässt man die Kinder eher nach Gehör schreiben und legt erst später auf die Rechtschreibung wert. Auch war Legasthenie damals sicher noch unbekannt, heute ist man sehr viel differenzierter und würde bei einem starken Legastheniker auch Aufsätze unabhängig von der Rechtschreibung beurteilen.
Katia
Siebenstein - 23.02.2007, 20:23
Katia hat folgendes geschrieben: Also, ich glaube ja schon, dass sich heute da viel getan hat, gerade in Bezug auf den Erstlese- und schreibunterricht. Gerade am Anfang lässt man die Kinder eher nach Gehör schreiben und legt erst später auf die Rechtschreibung wert. Auch war Legasthenie damals sicher noch unbekannt, heute ist man sehr viel differenzierter und würde bei einem starken Legastheniker auch Aufsätze unabhängig von der Rechtschreibung beurteilen. Katia
Stimmt, @Katia, das kann ich voll und ganz bestätigen. Die Kinder werden schon gegen Ende der ersten Klasse ermuntert, selbständig zu formulieren und munter drauflos zu schreiben. Als mein älterer Sohn vor ein paar Jahren auf diese Art und Weise schreiben gelernt hat, war ich zuerst skeptisch. Mittlerweile sehe ich die Vorteile, die diese Methode mit sich bringt und freue mich, wenn ich sehe, wie entspannt mein jüngerer Sohn in der zweiten Klasse seine Deutsch-Hausaufgaben macht. Die richtige Rechtschreibung stellt sich dann schon irgendwann ein.
Absolut üblich sind hier bei uns regelmäßige Besuche in der Bibliothek und zwar schon im Kindergarten. In der Grundschule liegen die Bücher, die sich die Kinder aus der Bibliothek mitnehmen durften, für die ganze Klasse zugänglich in einer Ecke des Klassenraums aus, so dass nach Herzenslust gestöbert werden kann. Ich denke, es wird heutzutage schon eine ganze Menge getan, um auch die Kinder zu erreichen, die zu Hause nicht unbedingt an Bücher herangeführt werden.
@Krümel, dass du so negative Erfahrungen gemacht hast, tut mir leid. Aber irgendwie hast du ja schließlich die Kurve gekriegt und den Weg zu Buch und Sprache gefunden. :thumleft:
Liebe Grüße
Siebenstein :wink:
wolves - 26.02.2007, 11:52
Ich hatte in der Schule kaum Klassiker gelesen, die haben (leider) nicht bei uns auf der Realschule auf dem Stundenplan gestanden. Etwas was ich sehr bedaure. Allerdings hatten wir eine tolle Deutschlehrerin, die uns gut an unsere Literatur herangeführt hatte, ohne das es langweilig war. Nachträglich gesehen bleibt der einzige Kritikpunkt bei mir, dass es halt nur eine Interpretation von einem Buch geben durfte, nämlich die die der Lehrplan vorschreibt.
Das Thema hatten wir ganz kurz bei der Leserunde von "Nachtzug nach Lissabon" aufgegriffen. Eine unserer Teilnehmerinnen hatte sich wohl (wahrscheinlich noch an Erinnerung an ihrer Schulzeit) nicht so getraut so hemmungslos zu interpretieren, wie wir anderen es machen. Es muss ihr aber gut gefallen haben. Ich habe das Gefühl, dass sie sich langsam auch mal an eigene Interpretationen wagt. Schade, dass man das nicht schon in der Schule gelehrt bekommt. Das halt alles durch Lehrpläne vorgegeben und reglementiert werden.
Klassiker in der Schule zu lesen würde ich auf jeden Fall als wichtig sehen. Nur so bekommt man doch auch einen Eindruck von seiner eigenen Kultur und Geschichte. Das ganze steht und fällt natürlich immer mit der Persönlichkeit des Deutschlehrers. Aber das wird sich in einer Schule wohl nie ändern. :roll: (Bei mir war es damals eine Biologielehrerin die mich von diesem Fach völlig abgeschreckt hatte. Und heute liebe ich alles rund um Bio :wink: )
@Katia und Siebenstein: Diese neue Art des lesens lernen in der Schule find ich ja sehr faszinierend!
@Krümel: Unglaublich, was du alles in der Grundschule und Realschule mitmachen durftest. Und ein Hoch auf deinen Deutschlehrer der dich zum Abi geführt hat. Der Mann hat tatsächlich pädagogische Fähigkeiten, die deinen anderen Lehrern leider fehlten. Super!
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