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Re: Lamotrigin

wuschelnora - 21.02.2007, 15:40
Lamotrigin
Lamotrigin
auch bezeichnet als:
3,5-Diamino-6-(2,3-dichlorphenyl)-1,2,4-triazin; Lamotriginum

Welchen Zwecken dient dieser Wirkstoff?
verschiedene Formen der Epilepsie behandeln
epileptischen Anfällen während der Alkoholentwöhnung vorbeugen
manisch-depressiven Phasen bei Depressionen vorbeugen
Schmerzen lindern bei Migräne und Nervenschmerzen wie beispielsweise Trigeminusneuralgie
Symptome bei der Parkinson-Krankheit und dem Veitstanz (Chorea Huntington), Krampfanfälle beim Status Epilepticus lindern

Wann darf Lamotrigin nicht verwendet werden?
Der Wirkstoff darf bei Überempfindlichkeit gegen Lamotrigin, Phenytoin oder Carbamazepin nicht angewendet werden. Allergische Überempfindlichkeitsreaktionen können sich unter anderem in Hautausschlägen mit Fieber, Lymphknotenerkrankungen oder veränderten Blut- und Leberwerten äußern.

Bei eingeschränkter Leberfunktion darf Lamotrigin nicht eingenommen werden, bei Nierenfunktionsstörungen sind besondere Vorsicht und eine sorgfältige ärztliche Kontrolle erforderlich.

Was müssen Sie bei Schwangerschaft und Stillzeit beachten?
Lamotrigin sollte während der Schwangerschaft nur nach sorgfältiger Nutzen-Risiko-Abwägung durch den Arzt angewendet werden. Der Wirkstoff senkt den Folsäure-Blutspiegel und könnte so möglicherweise zu einem erhöhten Risiko für eine Schädigung des Ungeborenen führen. Besonders in der Frühschwangerschaft scheint bei gleichzeitiger Einnahe des Wirkstoffes ein erhöhtes Risiko für Fehlbildungen des Mundes und Gaumens zu bestehen.

Lamotrigin tritt in die Muttermilch über und kann dadurch beim gestillten Säugling Wirkstoffmengen erreichen, die im Bereich therapieüblicher Wirkstoffkonzentrationen der Mutter liegen. Deshalb sollte nur nach sorgfältiger ärztlicher Nutzen-Risiko-Abwägung gestillt werden. Wenn gestillt wird, sollte der Säugling auf mögliche Effekte beziehungsweise Nebenwirkungen hin ärztlich beobachtet werden.

Was ist bei Kindern zu berücksichtigen?
Kinder unter zwei Jahren dürfen nicht mit Lamotrigin behandelt werden.

Die Erstbehandlung bei Kindern von zwei bis elf Jahren sollte in einer Klinik mit besonderer Erfahrung in epileptischen Erkrankungen bei Kindern erfolgen. Ebenso sollte auch die Erstbehandlung bei Kindern ab zwölf Jahren nur von erfahrenen Ärzten (zum Beispiel Neurologen) durchgeführt werden.

Welche Nebenwirkungen kann Lamotrigin haben?
Im Folgenden erfahren Sie das Wichtigste zu möglichen, bekannten Nebenwirkungen von Lamotrigin. Diese Nebenwirkungen müssen nicht auftreten, können aber. Denn jeder Mensch reagiert unterschiedlich auf Medikamente.

Sehr häufige Nebenwirkungen:
Hautausschläge mit Fleckenbildung, Juckreiz, Kopfschmerzen, Schwindel, Doppeltsehen, Verschwommensehen, sexuelle Erregbarkeitssteigerung.
Häufige Nebenwirkungen:
Müdigkeit, Schläfrigkeit, Schlafstörungen wie Schlaflosigkeit, Reizbarkeit, Magen-Darm-Beschwerden wie Durchfall, Übelkeit und Erbrechen, Augenzittern (Nystagmus), Zittern (Tremor), Bewegungsunsicherheit, unwillkürliche Bewegungsstörungen wie Muskelzuckungen, Tics und Ataxien, Gelenkschmerzen (Arthralgien), Rückenschmerzen.

Gelegentliche Nebenwirkungen:
Aggressivität.

Seltene Nebenwirkungen:
Schwerwiegende, lebensbedrohliche allergische Haut- und Schleimhautreaktionen wie Quincke-Ödem, Stevens-Johnson-Syndrom und Lyell-Syndrom, Bindehautentzündungen.

Sehr seltene und vereinzelte auftretende Nebenwirkungen:
Überempfindlichkeitsreaktionen wie Hautausschläge mit Fieber, Lymphknotenerkrankungen (Lymphadenopathie) und Gesichtwassereinlagerungen (Gesichtsödeme), Leberwerteerhöhungen, Leberfunktionsstörungen, Leberversagen, Bewegungsablaufsstörungen (extrapyramidale Wirkungen), Bewegungsunruhe, Blutbildveränderungen wie (Neutropenie, Leukopenie, Blutarmut, Thrombozytopenie, Panzytopenie), übersteigerter Bewegungsdrang, Verwirrtheit, Halluzinationen, Standunsicherheit, Bewegungsstörungen wie Choreoathetose, Verschlimmerung eines Parkinson-Syndroms, Anfallszunahme, Haarausfall, Psychosen, Depression, Angststörungen.

Welche Wechselwirkungen zeigt Lamotrigin?
In Kombination von Lamotrigin mit Antiepileptika wie Carbamazepin, Phenobarbital, Primidon oder Phenytoin sowie Rifampicin (Tuberkulose-Mittel) wird die Wirkung von Lamotrigin verringert. In der Regel muss die Lamotrigin-Dosis daher vom Arzt erhöht werden.

Zusammen mit dem Antiepileptikum Valproinsäure wird die Wirkung von Lamotrigin hingegen verstärkt. Der Arzt muss hier die Lamotrigin-Dosis verringern.

Bei gleichzeitiger Gabe von Ethinylestradiol-Levonorgestrel-Kombinationen (orale Kontrazeptiva) verringert sich die Lamotrigin-Wirkung. Auch kann eine Beeinträchtigung der empfängnisverhütenden Wirkung oraler Kontrazeptiva ("Pille") nicht ausgeschlossen werden. Daher sollten zusätzliche schwangerschaftsverhütende Maßnahmen während der Behandlung mit Lamotrigin ergriffen werden.

Das nicht-opioide Schmerzmittel Paracetamol verkürzt bei gleichzeitiger Verabreichung die Wirkdauer von Lamotrigin.

Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen
Bei Auftreten von Unverträglichkeitsreaktionen wie zum Beispiel Hautausschläge, Fieber, Lymphknotenerkrankungen, Gesichtwassereinlagerungen muss sofort ein Arzt aufgesucht werden.
Regelmäßige ärztliche Kontrollen von Blutbild und Gerinnungswerten werden empfohlen.
Die Schwangerschaftsverhütung durch orale Kontrazeptiva kann in ihrer Wirkung beeinträchtigt sein. Es sollten daher zusätzliche Verhütungsmaßnahmen ergriffen werden.
Der Wirkstoff darf nicht abrupt abgesetzt werden, vielmehr sollte die Dosis über einen Zeitraum von zwei Wochen stufenweise vermindert werden.
Für Kinder unter zwei Jahren ist der Wirkstoff nicht geeignet.
Das Reaktionsvermögen kann so weit eingeschränkt sein, dass die Teilnahme am Strassenverkehr oder das Führen von Maschinen beeinträchtigt sind. Dies gilt insbesondere bei gleichzeitigem Alkoholkonsum.
Manchmal lösen arzneiliche Wirkstoffe allergische Reaktionen aus. Sollten Sie Anzeichen einer allergischen Reaktion wahrnehmen, so informieren Sie umgehend Ihren Arzt oder Apotheker.



So wirkt Lamotrigin
Im Folgenden erfahren Sie mehr zu den Anwendungsgebieten und der Wirkungsweise von Lamotrigin. Lesen Sie dazu auch die Informationen zur Wirkstoffgruppe Antiepileptika, zu welcher der Wirkstoff Lamotrigin gehört.


Anwendungsgebiet des Wirkstoffs: Lamotrigin
Lamotrigin hat bei Epilepsien eine breite Wirksamkeit. So lassen sich einfache fokale Anfälle, komplexe psychomotorische Anfälle, das sogenannte Grand mal in verschiedenen Ausprägungen und gemischte Epilepsieformen mit Lamotrigin als Einzelwirkstoff gut behandeln.

Beim sogenannten Lennox-Gastaut-Syndrom (einer bestimmten kindlichen Anfallsform der Epilepsie) darf Lamotrigin sogar bei Kindern von zwei bis elf Jahren als Zusatztherapie eingesetzt werden.

Daneben ist Lamotrigin zur Anfallsverhütung bei Alkoholentzug geeignet. Diese Anwendung darf allerings nur staionär in einer Klinik erfolgen.

Bei Depressionen kann Lamotrigin zur Vorbeugung sogenannter manisch-depressiver Phasen eingesetzt werden, wenn die Therapie mit Lithium versagt hat oder Patienten nicht mit Lithium behandelt werden dürfen.

Neben diesen anerkannten Anwendungsgebieten gibt es weitere Erkrankungen, bei denen ein Behandlungsversuch mit Lamotrigin unternommen werden kann. So kann der Wirkstoff die Symptome bei der Parkinson-Krankheit und dem Veitstanz (Chorea Huntington), Krampfanfälle beim Status Epilepticus sowie die Schmerzen bei Migräne und bestimmten Nervenerkrankungen (beispielsweise Trigeminusneuralgie) verringern.

Wirkungsweise von Lamotrigin
Lamotrigin ist ein Antiepileptikum der neuen Generation, das von seiner chemischen Struktur her keinem anderen Vertreter dieser Wirkstoffgruppe ähnelt.

Im Vergleich zu anderen Antiepileptika ist Lamotrigin sehr gut verträglich. Therapieabbrüche aufgrund schwerer Nebenwirkungen sind wesentlich seltener als bei anderen Antiepileptika. Lamotrigin macht kaum müde und stört nicht wesentlich die Denkvorgänge, dies ist für die Patienten vorteilhaft. Sein größter Nachteil sind die häufigen schweren Unverträglichkeitsreaktionen, die auftreten können. Indem man die Dosis sehr langsam steigert (einschleicht), können diese gefährlichen allergischen Reaktionen aber weitgehend vermieden werden.

Der Wirkmechanismus von Lamotrigin ist interessant, weil es der erste Wirkstoff ist, der über eine Dämpfung erregender Impulse antiepileptisch wirkt. Lamotrigin verhindert die Freisetzung des Neurotransmitters Glutamat, dem hauptsächlichen Nervenbotenstoff erregender Impulse. Somit wirkt Lamotrigin hemmend auf die Reizweiterleitung. Es verursacht dadurch die Blockade von lang anhaltenden, sich wiederholenden Entladungen in Nervenzellen und verhindert sowohl die Freisetzung von Glutamat als auch die durch Glutamat hervorgerufenen überschießenden Entladungen.

Diese Wirkung kommt über eine Beeinflussung spannungsabhängiger Natrium-Kanäle zustande. Der Effekt auf diese Kanäle von Natrium ist aber ganz offensichtlich nicht derselbe wie bei Phenytoin oder Carbamazepin, da diese Wirkstoffe eben nicht in erster Linie über eine Glutamat-Hemmung wirken.

Weiterhin hat Lamotrigin eine dämpfende und beruhigende Wirkung sowie antidepressive und muskelentspannende Eigenschaften. Diese sind vermutlich, ebenso wie die schmerzlindernden Eigenschaften von Lamotrigin bei Nervenschmerzen, auf eine Hemmung der Reizweiterleitung der betroffenen Nerven im Rückenmark zurückzuführen.




Mehr zum Thema hier (Quelle): http://medikamente.onmeda.de/Wirkstoffe/Lamotrigin+.html#

Re: Lamotrigin

wuschelnora - 27.06.2008, 10:31

Lamotrigin Handelsnamen: Lamictal®, Lamotrigin Desitin®, andere

Wirkungsmechanismus:
Ein Triazinabkömmling, der die Natrium-Kanäle in den Nervenzellmembranen blockiert und die Freisetzung der erregenden Überträgerstoffe Glutamat und Aspartat hemmt

Anwendungsspektrum:
Breites Wirksamkeitsspektrum, Zusatztherapie und Monotherapie bei fokalen und sekundär generalisierten Epilepsien; Zusatztherapie und Monotherapie bei generalisierten Epilepsien mit tonisch-klonischen, myoklonischen, atonischen und tonischen Anfällen sowie Absencen; Zusatztherapie beim Lennox-Gastaut-Syndrom

Tagesdosis:
Monotherapie Erwachsene und Kindern ab 12 Jahre: 100-200 mg, eine Höherdosierung ist je nach Verträglichkeit möglich;

Zusatztherapie bei Kindern 2- 11 Jahre: ohne Valproat 5-15 mg/kg, in Kombination mit Valproat 1-5 mg/kg; bei Kindern ab 12 Jahren und bei Erwachsenen: 200-400 mg ohne Valproat, 100-200 mg mit Valproat;

Nebenwirkungen:
Häufigere:
Allergischer Hautausschlag in den ersten 8 Wochen (unter 5% der Patienten)
Seltener:
Müdigkeit, Schwindel, Tremor, Gangunsicherheit, Doppelbilder, Augenzittern,

Selten:
schwere Hautreaktion in Form des Stevens-Johnson-Syndroms (bei Kindern 1 auf 300 Patienten, bei Erwachsenen 1 auf 1000 Patienten, bei sehr langsamer Aufdosierung seltener)

Bemerkung:
Lamotrigin ist meist sehr gut verträglich, es macht nicht müde und stört nicht die Denkvorgänge; es muss zur Vermeidung von allergischen Hautreaktionen sehr langsam aufdosiert werden.

Quelle: http://www.epilepsie-informationen.de/
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